{"id":11955,"date":"2023-01-13T14:47:39","date_gmt":"2023-01-13T13:47:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/?p=11955"},"modified":"2025-10-20T15:34:44","modified_gmt":"2025-10-20T13:34:44","slug":"naturschutz-neu-gedacht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/naturschutz-neu-gedacht\/","title":{"rendered":"Naturschutz neu gedacht"},"content":{"rendered":"\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/0fc513a1d01347ea867b9d50088ef7b7\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\" style=\"float:right; margin-left:0px; padding:0px;\">\n\n\n\n<p><strong>Natursch\u00fctzer, Waldbewirtschafter, Landwirte, Biologen, \u00d6kologen und andere Wissenschafter sind nicht unbedingt einer Meinung, wenn es darum geht, zu entscheiden, welche Pflanzen und Tiere sch\u00fctzenswert sind und welche Gegenma\u00dfnahmen gegen Zuwanderer angebracht sind. Brauchen wir angesichts von Klimawandel und Umweltbelastungen eine neue Perspektive auf zugewanderte Pflanzen und Tiere? <em>(Erstver\u00f6ffentlichung in l\u00e4ngerer Form im M\u00e4rz 2019 im Gartenratgeber**)<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, fordern einige Fachleute ein Umdenken im Naturschutz: Die Neub\u00fcrger unter den Pflanzen und Tieren sind nicht grunds\u00e4tzlich schlecht, sie k\u00f6nnen sogar die L\u00f6sung mancher Probleme sein!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Natur ist sch\u00fctzenswert und welche nicht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das verstehen viele der herk\u00f6mmlichen Sichtweise unter Naturschutz: Biotope mit einheimischen und alteingeb\u00fcrgerten Pflanzen und Tieren m\u00fcssen erhalten werden &#8211; grunds\u00e4tzlich. Werden sie bedroht, werden harte Gegenma\u00dfnahmen ergriffen: Die pflanzlichen Einwanderer werden gerodet oder mit anderen Methoden zur Strecke gebracht, tierische Fremdlinge werden geschossen, vergiftet oder es werden nat\u00fcrliche Feinde ausgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<span style=\"font-size: small;\">Anzeige<\/span><br>\n\n<!-- START ADVERTISER: CHECK24 Partnerprogramm from awin.com -->\n\n<a rel=\"sponsored\" href=\"https:\/\/www.awin1.com\/cread.php?s=2126237&amp;v=9364&amp;q=332963&amp;r=548507\">\n    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.awin1.com\/cshow.php?s=2126237&amp;v=9364&amp;q=332963&amp;r=548507\" border=\"0\">\n<\/a>\n\n<!-- END ADVERTISER: CHECK24 Partnerprogramm from awin.com -->\n\n<br>\n    <br>\n\n\n\n<p><strong>Beispiel 1: Indisches Springkraut<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine dieser ge\u00e4chteten pflanzlichen Neub\u00fcrgerinnen bei uns in Deutschland ist das Dr\u00fcsige Springkraut (<em>Impatiens glandulifera<\/em>), auch Indisches Springkraut, Himalaya-Balsamine oder auch Bauernorchidee genannt. Die Briten brachten es im 19. Jahrhundert nach Gro\u00dfbritannien, von wo aus es als Zierpflanze nach Kontinentaleuropa kam. Es gef\u00e4llt ihm bei uns und Gartenz\u00e4une k\u00f6nnen es nicht aufhalten. Nun breitet es sich vor allem in feuchten, lichten W\u00e4ldern und Auen mit hohem N\u00e4hrstoffgehalt im Boden aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Dr\u00fcsige Springkraut wird von <a href=\"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/heimisch-alteingewandert-neophyt-invasiv-alles-relativ\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/heimisch-alteingewandert-neophyt-invasiv-alles-relativ\/\">Natursch\u00fctzern als invasiver (bedrohlicher) Neophyt<\/a> eingestuft und bek\u00e4mpft. Tatsache ist, dass das Kraut besonders bei Halbschatten und hoher Luftfeuchtigkeit schnell w\u00e4chst und andere Pflanzen ab Hochsommer \u00fcberwuchern kann &#8211; jedenfalls, wenn es im Fr\u00fchjahr keinen Sp\u00e4tfrost gab und es einen frischen, n\u00e4hrstoffreichen Platz gefunden hat. Hummeln und Bienen m\u00f6gen den neuen Pollen- und Nektarlieferanten aus S\u00fcdasien \u2013 gerade das l\u00e4sst manche Natursch\u00fctzer f\u00fcrchten, dass die dann keinen Geschmack mehr an einheimischen oder l\u00e4nger eingeb\u00fcrgerten Bl\u00fchern finden und deren Best\u00e4ubung und Vermehrung vernachl\u00e4ssigen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<span style=\"font-size: small;\">Anzeige<\/span><br>\n<script async=\"\" src=\"https:\/\/pagead2.googlesyndication.com\/pagead\/js\/adsbygoogle.js\"><\/script>\n<!-- tinto bloggt - inText-horizontal-responsive -->\n<ins class=\"adsbygoogle\" style=\"display:block\" data-ad-client=\"ca-pub-2201113603938588\" data-ad-slot=\"8203883338\" data-ad-format=\"auto\" data-full-width-responsive=\"true\"><\/ins>\n<script>\n     (adsbygoogle = window.adsbygoogle || []).push({});\n<\/script> \n<br>\n    <br>\n\n\n\n<p>Und obwohl das Indische Springkraut keine aggressiven Wurzelausl\u00e4ufer hat und im Winter abstirbt, breitet es sich rasch aus, weil jede Pflanze 2.000 bis etwa 4.000 Samen bildet, die schon bei leichter Ersch\u00fctterung herausgeschleudert werden und 5 bis 6 Jahre im Boden keimf\u00e4hig bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Natursch\u00fctzer f\u00fcrchten um wertvolle Biotope und blasen zum Halali: freiwillige Helfer r\u00fccken aus und rei\u00dfen das Springkraut aus \u2013 oft erst, wenn die Pflanzen schon bl\u00fchen, also wahrscheinlich auch die ersten Samen bereits ausgebildet haben, die durch das Tragen zu den Sammelstellen f\u00fcr den Abtransport sch\u00f6n verteilt werden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Neophyt-Druesiges-Springkraut-Impatiens-glandulifera-045kl.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"420\" height=\"280\" src=\"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Neophyt-Druesiges-Springkraut-Impatiens-glandulifera-045kl.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11957\" srcset=\"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Neophyt-Druesiges-Springkraut-Impatiens-glandulifera-045kl.jpg 420w, http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Neophyt-Druesiges-Springkraut-Impatiens-glandulifera-045kl-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Umstrittenes Springkraut, hier mit Brennnesseln am Geh\u00f6lzrand der Isarauen. Das Springkraut liebt feuchte bis nasse n\u00e4hrstoffreiche B\u00f6den an eher schattigen Standorten mit hoher Luftfeuchtigkeit.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><em>Ist eine fl\u00e4chendeckende und rigorose Vernichtung notwendig und sinnvoll?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Bayerische Landesanstalt f\u00fcr Wald und Forstwirtschaft (LWF) \u00e4u\u00dfert sich anders \u00fcber das Indische Springkraut. Sie hat im Jahre 2005 umfassende Versuche angelegt. Die Ausbreitung entlang von Waldr\u00e4ndern und in der N\u00e4he landwirtschaftlicher Fl\u00e4chen wird auf die durch Stickstoffeintr\u00e4ge ver\u00e4nderten Standortbedingungen zur\u00fcckgef\u00fchrt. Au\u00dferdem sei Springkraut ein L\u00fcckenf\u00fcller in der Auenvegetation, trete also da auf, wo leere Flecken sind. Es sei auch nicht so, dass das Springkraut von Jahr zu Jahr an der gleichen Stelle immer dichter werde. Aufgrund der Dynamik von Wasser und Sedimenten, die in Flussauen von Jahr zu Jahr wechseln, keimen die beteiligten Arten an immer neuen Stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass das Indische Springkraut insgesamt h\u00e4ufiger geworden ist, sei die Kehrseite von Standortver\u00e4nderungen, wie sie durch N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge in B\u00f6den verursacht werden. Aktionen wie das Ausrei\u00dfen des Indischen Springkrauts doktere in vielen F\u00e4llen an den Symptomen herum, bek\u00e4mpfe aber nicht die Ursachen. Das Indische Springkraut verdr\u00e4nge andere Arten zudem nicht dauerhaft. Der negative Einfluss auf die Waldverj\u00fcngung sei wesentlich geringer als der von Goldrute, Riesenb\u00e4renklau oder Japanischem Staudenkn\u00f6terich, weil der Lichtentzug geringer sei. Und wenn man das Springkraut aus irgendeinem Grund eind\u00e4mmen will, sei eine rechtzeitige Mahd oder das Ausrei\u00dfen vor der Samenreife bessere Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n\n\n\n<span style=\"font-size: small;\">Anzeige<\/span><br>\n\n<!-- START ADVERTISER: GartenHaus GmbH (DE) from awin.com -->\n\n<a rel=\"sponsored\" href=\"https:\/\/www.awin1.com\/cread.php?s=2934122&amp;v=22747&amp;q=417922&amp;r=548507\">\n    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.awin1.com\/cshow.php?s=2934122&amp;v=22747&amp;q=417922&amp;r=548507\" border=\"0\">\n<\/a>\n\n<!-- END ADVERTISER: GartenHaus GmbH (DE) from awin.com -->\n <br>\n    <br>\n\n\n\n<p>Manche \u00f6kologischen Landwirte sowie Bienenz\u00fcchter finden das Springkraut im Graben am Feldrand sogar hilfreich \u2013 erstere, weil es mehr blattlausfressende Insektenarten (\u201eN\u00fctzlinge\u201c) als das heimische, gelb bl\u00fchende Gro\u00dfe Springkraut (<em>I. noli-tangere)<\/em> beherbergt, die Bienenz\u00fcchter wegen der hohen Bienenweidequalit\u00e4t des Indischen Springkrauts.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beispiel 2: umstrittene Baumarten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine \u00e4hnliche Meinungsverschiedenheit gibt es auch zwischen dem Bundesamt f\u00fcr Naturschutz, welches Douglasie, Robinie, Roteiche und andere Baumarten auf eine Schwarze Liste mit invasiven Pflanzenarten gesetzt hatte, und dem Deutschen Verband Forstlicher Forschungsanstalten (DVFFA), der eine Studie hatte anfertigen lassen, nach der diese B\u00e4ume gerade in Zeiten des Klimawandels das Artenspektrum erweitern und die Stabilit\u00e4t eines Bestandes erh\u00f6hen k\u00f6nnen. Es wurde kritisiert, dass die Nutzenerw\u00e4gungen in \u00e4lteren Risikobewertungen zu wenig beachtet oder komplett vernachl\u00e4ssigt w\u00fcrden. Man d\u00fcrfe nicht nur die Gefahren sehen, sondern m\u00fcsse auch Chancen erkennen und nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>L\u00e4sst sich die Zeit zur\u00fcckdrehen und macht das Sinn?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schon in &nbsp;T. C. Boyles spannendem Roman von 2012 <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3QBJq8w\">Wenn das Schlachten vorbei ist<\/a> bek\u00e4mpfen sich zwei Fraktionen von Natursch\u00fctzer bzw. Tiersch\u00fctzer \u2013 beide in bester Absicht: die einen, die den urspr\u00fcnglichen Zustand eines \u00d6kosystems auf einer der Kanalinseln vor Kalifornien um jeden Preis wieder herstellen wollen und daf\u00fcr auch \u00fcber (Tier-)Leichen gehen, und die anderen, die sagen, dass die Einwanderer genauso sch\u00fctzenswert sind wie die, die einheimisch sind, und die die Bek\u00e4mpfung der eingewanderten Arten verhindern wollen.<\/p>\n\n\n\n<span style=\"font-size: small;\">Anzeige<\/span><br>\n\n\n<!-- START ADVERTISER: Pflanzmich.de DE from awin.com -->\n\n<a rel=\"sponsored\" href=\"https:\/\/www.awin1.com\/cread.php?s=3755641&amp;v=106333&amp;q=502183&amp;r=548507\">\n    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.awin1.com\/cshow.php?s=3755641&amp;v=106333&amp;q=502183&amp;r=548507\" border=\"0\">\n<\/a>\n\n<!-- END ADVERTISER: Pflanzmich.de DE from awin.com -->\n\n\n <br>\n    <br>\n\n\n\n<p>Wissenschaftlich differenzierter aber ebenso spannend nimmt sich der renommierte Wissenschaftsjournalist Fred Pearce in seinem Sachbuch <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3IIcpFV\">Die neuen Wilden &#8211; Wie es mit fremden Tieren und Pflanzen gelingt, die Natur zu retten<\/a>* des Themas an. Er folgte der Spur der fremden Arten auf sechs Kontinenten und interviewte zahllose WissenschaftlerInnen. Am Ende ist er \u00fcberzeugt, dass invasive Arten oft die L\u00f6sung von menschengemachten Problemen sein k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die dickstieligen Wasserhyazinthe (<em>Eichhornia crassipes<\/em>) beispielsweise, die bekannterma\u00dfen sogar Wasserwege v\u00f6llig verstopfen kann, tritt nur da in Massen auf, wo das Wasser verschmutzt und zu n\u00e4hrstoffreich ist. Sie folgt den Menschen, besser: seinen Abw\u00e4ssern, landwirtschaftlichen N\u00e4hrstoffeintr\u00e4gen und sonstigen Verunreinigungen in Seen und Fl\u00fcssen. Sie verzieht sich, wenn die Ursache beseitigt ist, das hei\u00dft, wenn die Pflanze das Wasser gereinigt hat, keine neuen Eintr\u00e4ge erfolgen und die Wasserqualit\u00e4t wieder stimmt. Ebenso tritt manche invasive Qualle nur da in Massen auf, wo andere Tiere kaum mehr leben k\u00f6nnen, weil das Wasser zu belastet und zu sauerstoffarm ist.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"float: right; margin-left: 15px;\">\n<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Die-neuen-Wilden-fremden-Pflanzen\/dp\/3865817688?crid=82403Z0WOJE2&amp;keywords=Die+neuen+wilden&amp;qid=1673606859&amp;s=books&amp;sprefix=die+neuen+wilde%2Cstripbooks%2C179&amp;sr=1-1&amp;linkCode=li3&amp;tag=tipsntopicvoneva&amp;linkId=8deeb50e952ab676aeb24764dae97db9&amp;language=de_DE&amp;ref_=as_li_ss_il\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\n<img decoding=\"async\" border=\"0\" src=\"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Buch-Cover-Die-neuen-Wilden-Fred-Pearce-oekom-verlag-IMG_3560-bearb-200x.jpg\" alt=\"Buchcover: Die neuen Wilden mit Werbelink zu Amazon.de\">\n<\/a><\/div>\n\n\n\n<p>Pierce kritisiert, dass von manchen Natursch\u00fctzern Ursache und Wirkung nicht immer genau getrennt werden. Die Invasivarten besiedeln oft Fl\u00e4chen, wo die Einheimischen wegen Umweltver\u00e4nderungen bereits stark geschw\u00e4cht oder sogar ausgerottet wurden. Daran ist aber nicht der Neuling schuld, der mit den ver\u00e4nderten Bedingungen zurechtkommt und die L\u00fccke f\u00fcr sich nutzt. Beispielsweise habe sich die <em>Caulerpa<\/em>-Alge im Mittelmeer auf Fl\u00e4chen ausgebreitet, nachdem dort S\u00fc\u00dfgraswiesen wegen der Verschmutzung eingegangen waren. Die Alge besiedelte den frei gewordenen Standort und filtere das Wasser. Tats\u00e4chlich soll sie in ihrem Habitat mehr Spezies beherbergen als vorher die S\u00fc\u00dfgraswiesen. Allerdings ziehe sie sich wieder zur\u00fcck, wenn das Wasser wieder sauberer wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00d6kologisches Fitting<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Erfolgreiche \u00d6kosysteme entstehen nicht erst nach einer jahrhunderte- oder gar jahrtausendelangen gemeinsamen Entwicklung, so Pearce. Das Beispiel der Insel Ascension im S\u00fcdatlantik zeige, dass auch eingef\u00fchrte Pflanzen aus aller Welt in sehr kurzer Zeit zu einer Gemeinschaft werden k\u00f6nnen, deren Schatten, Schutz und Nahrungsangebot von den bereits vorhandenen Tieren gerne genutzt werden, sodass sie die Bl\u00fcten best\u00e4uben und die Samen verteilen und so zum Erhalt dieses von Menschen geschaffenen \u00d6kosystems beitragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Pearce kommt am Ende seiner Recherchen zu dem Schluss, dass wir einen weniger r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Naturschutz anstreben sollten. Er zeigt, dass mit S\u00e4uberungswut und Ausrottung selten alte Zust\u00e4nde dauerhaft wiederhergestellt werden. Die Ma\u00dfnahmen haben oft unvorhergesehene Folgen und das bei enorm hohen Kosten (Geld- und oft Gifteinsatz). \u00d6kosysteme h\u00e4tten auch gar keinen statischen Idealzustand, der erhalten werden muss. Natur ist Ver\u00e4nderung und es findet eine st\u00e4ndige Neuordnung und Anpassung statt. Alteingesessene Arten sind nicht grunds\u00e4tzlich gut und neue nicht grunds\u00e4tzlich schlecht. Und wie anders sollen Arten gedeihen und auf den Klimawandel reagieren, als durch das Vordringen in neue Territorien?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir Menschen bestimmte Habitate sch\u00fctzen m\u00f6chten, weil sie uns am Herzen liegen und wir sie erhalten m\u00f6chten, dann sei daran nichts falsch, so Pearce, aber wir sollten uns im Klaren sein, dass wir das tats\u00e4chlich f\u00fcr uns tun und nicht etwa, weil die Natur das braucht \u2013 die braucht m\u00f6glicherweise die neuen Arten, um die menschengemachten Probleme zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n<span style=\"font-size: small;\">Anzeige<\/span><br>\n\n\n<!-- START ADVERTISER: Leitermann DE from awin.com -->\n\n<a rel=\"sponsored\" href=\"https:\/\/www.awin1.com\/cread.php?s=2623326&#038;v=13703&#038;q=367470&#038;r=548507\">\n    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.awin1.com\/cshow.php?s=2623326&#038;v=13703&#038;q=367470&#038;r=548507\" border=\"0\">\n<\/a>\n\n<!-- END ADVERTISER: Leitermann DE from awin.com -->\n\n\n\n <br>\n    <br>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Naturschutz ist wichtig, und die Menschen, die sich ehrenamtlich daf\u00fcr einsetzen, verdienen Respekt f\u00fcr ihr Engagement. Aber angesichts des Klimawandels und anderer Faktoren, die Standorte ver\u00e4ndern, muss Naturschutz neu gedacht werden: Neu ist nicht immer schlecht und alt ist nicht immer gut. Biotope sind von Standortverh\u00e4ltnissen abh\u00e4ngig. Wenn N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge oder der Klimawandel die Faktoren des Standorts stark ver\u00e4ndern, l\u00e4sst sich das Biotop kaum in der alten Form erhalten. Langfristig werden sich die Arten durchsetzen, die mit den ge\u00e4nderten Standortbedingungen am besten zurechtkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ursache und Wirkung f\u00fcr die Ausbreitung neuer, vor allem so genannter invasiver Arten, m\u00fcssen genau analysiert werden. Bei Neophyten darf nicht nur die vermeintlich schlechte und bei der &nbsp;zur\u00fcckgedr\u00e4ngten Art nicht nur deren gute Seite in Entscheidungen einbezogen werden. Und falls gegen einen Neophyten Ma\u00dfnahmen f\u00fcr notwendig erachtet werden, muss untersucht werden, ob diese tats\u00e4chlich fl\u00e4chendeckend und rigoros sein m\u00fcssen, denn m\u00f6glicherweise tr\u00e4gt der Neophyt zur Beseitigung menschengemachter Probleme bei.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Buchtipp:<br><\/strong><a href=\"https:\/\/amzn.to\/3IIcpFV\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/amzn.to\/3IIcpFV\">Die neuen Wilden<\/a>* <br>Wie es mit fremden Tieren und Pflanzen gelingt, die Natur zu retten<br>Fred Pearce<br>oekom verlag<br>ISBN 978-3-86581-768-6<\/p>\n\n\n\n<p>* Werbelink<\/p>\n\n\n\n<p>** Dies ist die gek\u00fcrzte Version eines Beitrages von mir, der im M\u00e4rz 2019 in der Fachzeitschrift <a href=\"https:\/\/www.gartenratgeber.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Der praktische Gartenratgeber<\/a> des Obst- und Gartenbauverlages M\u00fcnchen mit dem Titel \u201eBrauchen wir eine Willkommenskultur im Naturschutz?\u201c ver\u00f6ffentlicht wurde. Der Obst- und Gartenbauverlag M\u00fcnchen ist der Verlag des Bayerischen Landesverbandes f\u00fcr Gartenbau und Landespflege e. V. und unterst\u00fctzt mit fachbezogenen Angeboten die Arbeit der Obst- und Gartenbauvereine.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das k\u00f6nnte Sie auch interessieren:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>\n<a href=\"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/heimisch-alteingewandert-neophyt-invasiv-alles-relativ\/\">Heimisch, alteingeb\u00fcrgert oder Neophyt &#8211; alles relativ<\/a> (tinto bloggt)<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/die-neuen-wilden-braucht-der-naturschutz-eine-willkommenskultur-buchvorstellung\/\">Die neuen Wilden &#8211; Buchvorstellung<\/a> (tinto bloggt)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/dasgruenenetzwerk.de\/lesetipp-der-segen-der-einwanderer\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/dasgruenenetzwerk.de\/lesetipp-der-segen-der-einwanderer\/\">Lesetipp von Melanie: Der Segen der Einwanderer (dasgruenenetzwerk.de)<\/a> \n<\/li>\n<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/vom-gartnern-in-der-stadt-buchrezension\/\">Vom G\u00e4rtnern in der Stadt<\/a> (tinto bloggt)<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/ich-mache-strom-solarstrom-selbst-erzeugen-mit-mobiler-solarstromanlage\/\">Ich mache Strom<\/a> (tinto bloggt)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<span style=\"font-size: small;\">Anzeige<\/span><br>\n<script async=\"\" src=\"https:\/\/pagead2.googlesyndication.com\/pagead\/js\/adsbygoogle.js\"><\/script>\n<!-- tinto bloggt - inText-horizontal-responsive -->\n<ins class=\"adsbygoogle\" style=\"display:block\" data-ad-client=\"ca-pub-2201113603938588\" data-ad-slot=\"8203883338\" data-ad-format=\"auto\" data-full-width-responsive=\"true\"><\/ins>\n<script>\n     (adsbygoogle = window.adsbygoogle || []).push({});\n<\/script> <br>\n    <br>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Natursch\u00fctzer, Waldbewirtschafter, Landwirte, Biologen, \u00d6kologen und andere Wissenschafter sind nicht unbedingt einer Meinung, wenn es darum geht, zu entscheiden, welche Pflanzen und Tiere sch\u00fctzenswert sind und welche Gegenma\u00dfnahmen gegen Zuwanderer angebracht sind. 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