{"id":1744,"date":"2012-10-17T18:10:59","date_gmt":"2012-10-17T16:10:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/?p=1744"},"modified":"2024-01-03T11:50:17","modified_gmt":"2024-01-03T10:50:17","slug":"agrar-okologie-contra-agrar-industrie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/agrar-okologie-contra-agrar-industrie\/","title":{"rendered":"Agrar-\u00d6kologie kontra Agrar-Industrie"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_1748\" style=\"width: 330px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Agrar-Oekologie-kontra-Agrar-Industrie.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1748\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-1748\" title=\"Agrar\u00f6kologie kontra Agrarindustrie\" src=\"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Agrar-Oekologie-kontra-Agrar-Industrie.jpg\" alt=\"Agrar\u00f6kologie kontra Agrarindustrie\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Agrar-Oekologie-kontra-Agrar-Industrie.jpg 320w, http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Agrar-Oekologie-kontra-Agrar-Industrie-300x199.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1748\" class=\"wp-caption-text\">Monokulturen sind nicht die Zukunft, denn nach einiger Zeit laugen sie die B\u00f6den aus, und erfordern einen hohen Energieeinsatz in Form von D\u00fcngern, Pestiziden etc.<\/p><\/div>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/23f108dc8def476fa3cf2627e39802e7\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" align=\"right\"><strong>Ein Nachschlag zum gestrigen Dokumentarfilm &#8222;Die Zukunft pflanzen&#8220; von Marie-Monique Robin in ARTE<\/strong><\/p>\n<p>Wohin bringen uns Agrarindustrie, Agrochemie und manche Ausw\u00fcchse der Biotechnologie (beispielsweise die Agrar-Gentechnologie) vom heutigen Stand aus gesehen? Zu einer besseren und nachhaltigen Versorgung der Weltbev\u00f6lkerung bei Erhalt der Umwelt und Schaffung anst\u00e4ndiger Lebensbedingungen von Mensch und Tier? Oder zu Monokultur, Landschaftsver\u00f6dung, Abh\u00e4ngigkeit von Gro\u00dfunternehmen, Umweltsch\u00e4den, Gesundheitssch\u00e4den, Bienensterben, Arbeitslosigkeit und Verarmung auf dem Land? Ich f\u00fcrchte, es ist&nbsp;Letzteres.<\/p>\n<p>Bei jedem sollten die Alarmglocken l\u00e4uten, wenn irgendwo &#8222;gr\u00fcn&#8220; als Adjektiv benutzt wird. Denn &#8222;gr\u00fcn&#8220; steht nicht immer f\u00fcr &#8222;Bio&#8220;, &#8222;Nachhaltigkeit&#8220; und &#8222;\u00d6kologie&#8220;, sondern oft f\u00fcr Methoden, die mir und vielen anderen \u00fcberhaupt nicht gr\u00fcn sind, beispielsweise:<\/p>\n<ul>\n<li>Gr\u00fcne Gentechnik = Gentechnik im Agrarbereich (gentechnisch ver\u00e4nderte Sorten etc.)<\/li>\n<li>Gr\u00fcne Revolution = Einsatz von Hochertragssorten und Intensivierung der Landwirtschaft (gro\u00dfe Fl\u00e4cheneinheiten, Einsatz von D\u00fcngern und Pestiziden &#8211; die mit hohem Energieaufwand erzeugt werden m\u00fcssen, Maschineneinsatz etc.)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dass es weltweit bereits L\u00f6sungen jenseits der Produkte und Strukturen der Agrarkonzerne gibt, zeigt der Film &#8222;Die Zukunft pflanzen&#8220; sehr sch\u00f6n, der gestern in ARTE gezeigt (Quellen und Links siehe unten) und anschlie\u00dfend diskutiert wurde. &#8222;Das 20. Jahrhundert war das Jahrhundert der Chemie, das 21. Jahrhundert ist definitiv das Jahrhundert der Biologie&#8220;, sagt der deutsche Bio-Bauer Friedrich Wenz im Film.<\/p>\n<p><small>Anzeige<\/small><\/p>\n<p><!-- START ADVERTISER: Woodstore24 DE\/AT from awin.com --><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.awin1.com\/cread.php?s=3375077&amp;v=48707&amp;q=463048&amp;r=548507\" rel=\"sponsored\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.awin1.com\/cshow.php?s=3375077&amp;v=48707&amp;q=463048&amp;r=548507\" border=\"0\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n<p><!-- END ADVERTISER: Woodstore24 DE\/AT from awin.com --><\/p>\n<h2>Systemwandel erforderlich<\/h2>\n<p>Die Nahrungsmittelproduktion des 20. Jahrhunderts war zwar produktiv, aber \u00fcberwiegend un\u00f6kologisch, mit den bekannten Folgen&nbsp;&#8211; sie muss \u00f6kologischer und nachhaltiger werden. Dass \u00f6kologisch nicht mit Ertragsminderung einhergeht, zeigen die Erfahrungen der deutschen Bio-Bauern Manfred und Friedrich Wenz und auch die Langzeitstudien des Rodale-Instituts in Pennsylvania\/USA, wo die Ertr\u00e4ge von biologischer und konventioneller Produktionsweise bei Soja, Weizen und Mais \u00fcber 30 Jahre miteinander verglichen wurden. Die biologische Landwirtschaft verbraucht 45 % weniger Energie und produziert 40 % weniger Treibhausgase. Die Ertr\u00e4ge waren in normalen Jahren ungef\u00e4hr gleich, in Trockenperioden schlug sich der Bio-Anbau etwas besser, auch weil&nbsp;der humosere Boden ein besseres Wasserhalteverm\u00f6gen hat und&nbsp;die Pflanzen ein besseres Wurzelwachstum zeigen.<\/p>\n<p>Die L\u00f6sungen f\u00fcr die aktuellen Probleme der Weltern\u00e4hrung (9 Milliarden Menschen werden es voraussichtlich 2050 sein) und des Klimawandels sind weder die Ausweitung der Agrarindustrie, aber auch nicht ein Zur\u00fcck in die Vergangenheit und in schlechte landwirtschaftliche Produktivit\u00e4t. Der Weg sollte in eine Landwirtschaft f\u00fchren, bei der einerseits die Produktivit\u00e4t hoch ist, aber andererseits die Abh\u00e4ngigkeit der Nahrungsproduktion von fossilen Energietr\u00e4gern und die Abh\u00e4ngigkeit der Bauern von ausbeuterischen Agrokonzernen verringert wird. Eine moderne Landwirtschaft, besonders in den Entwicklungsl\u00e4ndern, basiert auf besseren, klimafreundlichen Anbautechniken, die oft lokal erarbeitet werden m\u00fcssen. Beispiele wurden im Film &#8222;Die Zukunft pflanzen&#8220; gezeigt. Der kleine Bauer vor Ort muss besser wertgesch\u00e4tzt und unterst\u00fctzt werden, denn tats\u00e4chlich erreicht er dann eine h\u00f6here Produktivit\u00e4t bei weniger Umwelt- und Klimabelastung, kann seine Familie und sein Vieh ern\u00e4hren, Produkte verkaufen und ein gutes, selbstst\u00e4ndiges Leben f\u00fchren.<\/p>\n<h2>Im Bann der Lobbyisten<\/h2>\n<p>Vor dem Start des eigentlichen Dokumentarfilmes wurden die mit Inbrunst vorgetragenen Behauptungen des franz\u00f6sischen Landwirtschaftsministers Bruno Le Maire, ohne Pestizide seien die Ertr\u00e4ge zu gering, und einem Vertreter der Ern\u00e4hrungsindustrie, Jean-Ren\u00e9 Buisson (fr\u00fcher beim Danone-Konzern), ein Verzicht auf Pestizide vermindere die Ertr\u00e4ge um 40 % und erh\u00f6he die Kosten um 50 %, aus einer fr\u00fcheren Diskussion vorgespielt. Aussage: Es g\u00e4be keine Alternative zu Pestiziden.<\/p>\n<p>Doch der Alltag \u00f6kologisch arbeitender Landwirtschaftsbetriebe und die Beispiele aus dem Film lassen mehr als Zweifel an solchen Aussagen aufkommen (wobei ich pers\u00f6nlich den Ausdruck Pestizid sowieso zu allgemein finde, denn auch Seifenlauge ist ein Pestizid. Aber wir wissen, was gemeint ist).<\/p>\n<p>Doch die Eindringlichkeit, mit der solche Behauptungen wie oben vorgetragen werden, sch\u00fcchtert ein &#8211; auch Marie-Monique Robin war zuerst eingesch\u00fcchtert, hat sich dann aber zum Gl\u00fcck auf Spurensuche gemacht und diesen neuen Dokumentarfilm gedreht.<\/p>\n<p>Doch ist diese Einsch\u00fcchterung mit vermeintlichen Fakten ja kein Einzelfall, sondern Alltag. Der Politiker an sich hat in der Regel erst einmal keine Ahnung von dem Thema, f\u00fcr das er mit seinem neuen Amt verantwortlich ist. Er muss sich schnell einarbeiten und glaubt dann gerne &#8211; mangels unabh\u00e4ngiger wissenschaftlicher Forschung an staatlichen Hochschulen &#8211; Beratern aus der Wirtschaft\/Industrie, sprich Interessensvertretern (=Lobbyisten). Er gibt den Druck, der ihm durch die <a title=\"Lobbyismus\" href=\"http:\/\/text-und-kommunikation.blogspot.de\/search\/label\/Lobbyismus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lobbyisten<\/a> gemacht wird, dann an die Medien und B\u00fcrger weiter &#8211; wenn diese nicht sowieso auch Zielgruppe von &#8222;Unternehmenskommunikation&#8220; oder &#8222;politischer Kommunikation&#8220; direkt sind.<\/p>\n<p>Leider haben gro\u00dfe Unternehmen immer auch einen gro\u00dfen Einfluss, denn einerseits haben sie Geld, das sie Parteien und Interessensgemeinschaften spenden oder&nbsp;Hochschulen f\u00fcr Forschungsprojekte zur Verf\u00fcgung stellen k\u00f6nnen, andererseits haben sie oft auch ein Wissensmonopol, zumindest aber einen Wissensvorsprung gegen\u00fcber anderen und werden dann als Berater von der Politik und Informationsquelle der Medien (einschlie\u00dflich Blogs) herangezogen. Dabei vergessen diese manchmal, dass Vertreter von Unternehmen und von diesen unterst\u00fctzte Interessensgemeinschaften nicht objektiv &#8211; also gut f\u00fcr die Gemeinschaft &#8211; beraten, sondern die Erfolgsvision ihres Arbeitgebers bzw. ihrer Gruppe unterst\u00fctzen wollen. Ein Unternehmen aber will vor allem Geld verdienen und Arbeitnehmer bzw. Gef\u00f6rderte m\u00f6chten gerne glauben, dass sie f\u00fcr ein gutes Unternehmen arbeiten (deshalb hat auch jedes Unternehmen eine ver\u00f6ffentlichte Corporate Identity, in der steht, dass sie die Menschheit gl\u00fccklich machen werden). Wie viel objektiv gute Beratung f\u00fcr die Allgemeinheit kann man also wirklich von der Beratung durch Lobbyisten oder von diesen beeinflussten Menschen erwarten? Keine!<\/p>\n<p><small>Anzeige<\/small><\/p>\n<p><!-- START ADVERTISER: P\u00f6tschke DE from awin.com --><\/p>\n<p><a rel=\"sponsored\" href=\"https:\/\/www.awin1.com\/cread.php?s=2426547&amp;v=14237&amp;q=367219&amp;r=548507\"><br \/>\n    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.awin1.com\/cshow.php?s=2426547&amp;v=14237&amp;q=367219&amp;r=548507\" border=\"0\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n<p><!-- END ADVERTISER: P\u00f6tschke DE from awin.com --><\/p>\n<p>Egal ob Gro\u00dfbanken, Stromkonzerne, Quasi-Monopolisten im Internet, Agrochemiekonzerne oder andere Gro\u00dfunternehmen &#8211; sie alle haben eines gemeinsam: Man darf ihnen nicht trauen, nicht als Politiker, nicht als Journalist und auch nicht als Otto-Normalverbraucher. Das ist f\u00fcr mich pers\u00f6nlich eine wirklich gro\u00dfe Herausforderung &#8211; wahrscheinlich nicht nur unserer Zeit -, dass man st\u00e4ndig entscheiden muss, wem man glauben kann. Man darf sich weder von Lobbyisten, noch von einer (vielleicht gut gemeinten) Welle der Entr\u00fcstung eines manipulierte Mobs davontragen lassen. In diesem Fall &#8222;Agrar-\u00d6kologie kontra Agrar-Industrie&#8220; habe ich pers\u00f6nlich mich daf\u00fcr entschieden, Marie-Monique Robin und den Personen, die sie zu Wort kommen l\u00e4sst, zu glauben und mich f\u00fcr die Agrar-\u00d6kologie entschieden.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#8222;Wir brauchen einen Kurswechsel. Die alten Rezepte haben ihre G\u00fcltigkeit verloren.&#8220;, sagt Olivier de Schutter, UN-Sonderbeauftragter f\u00fcr das Recht auf Ern\u00e4hrung, in dem Film. Der Meinung schlie\u00dfe ich mich an.<\/p>\n<p>Die gr\u00fcne Revolution und andere Aktionen, die die Gro\u00dfunternehmen der Agrarindustrie reich gemacht haben, m\u00f6gen ihre gute Absicht und auch Erfolge (Erh\u00f6hung der Produktivit\u00e4t) gehabt haben, doch sie sind nicht die L\u00f6sung der Probleme der heutigen Zeit oder der Zukunft, wo es neben der Produktivit\u00e4t unbedingt um Lebensqualit\u00e4t in der (dritten) Welt, die besonders vom Klimawandel betroffen ist, \u00d6kologie und Nachhaltigkeit gehen muss. Wir m\u00fcssen aufpassen, dass wir uns nicht von den Agrokonzernen und ihren wirtschaftlichen Interessen zu Lasten der Weltbev\u00f6lkerung bevormunden lassen. Agrar\u00f6kologie und Agrarforstwirtschaft sind Beispiele f\u00fcr neue Wege, in die die Anstrengungen von Forschung und Wissenschaft jetzt gehen m\u00fcssen.<br \/>\n<script src=\"http:\/\/ws.amazon.de\/widgets\/q?rt=tf_mfw&amp;ServiceVersion=20070822&amp;MarketPlace=DE&amp;ID=V20070822\/DE\/tipsntopicvoneva\/8001\/ea086788-38f9-42f4-9b7e-5777642e1736\" type=\"text\/javascript\" charset=\"utf-8\">\/\/ <![CDATA[ \/\/ ]]><\/script><noscript><a href=\"http:\/\/ws.amazon.de\/widgets\/q?rt=tf_mfw&amp;ServiceVersion=20070822&amp;MarketPlace=DE&amp;ID=V20070822%2FDE%2Ftipsntopicvoneva%2F8001%2Fea086788-38f9-42f4-9b7e-5777642e1736&amp;Operation=NoScript\">Amazon.de Widgets<\/a><\/noscript><\/p>\n<p><strong>Quellen und weiterf\u00fchrende Informationen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.arte.tv\/de\/die-zukunft-pflanzen-wieder-sehen\/6987940.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zukunft pflanzen &#8211; Bio f\u00fcr 9 Milliarden<\/a>&nbsp;(Arte)<br \/>\nErstausstrahlungstermin:<br \/>\n16.10.2012, 20:17<br \/>\nWeitere Ausstrahlungstermine:<br \/>\nSamstag, 20. Oktober 2012, 14:40<br \/>\nDienstag, 30. Oktober 2012, 10:35<br \/>\nDonnerstag, 8. November 2012, 14:10<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/recht-auf-ernaehrung-jahre-fehlgeleitete-politik-1.212833\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">20 Jahre fehlgeleitete Politik<\/a> (SZ)<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nabu.de\/imperia\/md\/content\/nabude\/gentechnik\/studien\/nabu-glyphosat-agrogentechnik_fin.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Glyphosat und Agrogentechnik <\/a>(NABU)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Nachschlag zum gestrigen Dokumentarfilm &#8222;Die Zukunft pflanzen&#8220; von Marie-Monique Robin in ARTE Wohin bringen uns Agrarindustrie, Agrochemie und manche Ausw\u00fcchse der Biotechnologie (beispielsweise die Agrar-Gentechnologie) vom heutigen Stand aus gesehen? 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