{"id":3633,"date":"2015-01-30T14:07:19","date_gmt":"2015-01-30T13:07:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/?p=3633"},"modified":"2023-02-26T20:22:34","modified_gmt":"2023-02-26T19:22:34","slug":"oekologie-landbau-schwerpunkt-gruenes-geld-rezension","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.tinto.de\/tipps\/oekologie-landbau-schwerpunkt-gruenes-geld-rezension\/","title":{"rendered":"\u00d6kologie &#038; Landbau &#8211; Schwerpunkt &#8222;Gr\u00fcnes Geld&#8220; (Rezension)"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" style=\"border: none; padding: 0px; float: right;\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/c44cb21ba677477d94d578dfd0920a55\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\"><strong>Wer ein Unternehmen gr\u00fcnden, einen Betrieb erweitern oder neue Ideen verwirklichen will, ben\u00f6tigt Geld. Schon seit einiger Zeit besch\u00e4ftige ich mich mit dem Thema, wie Verbraucher\/Privatanleger &#8222;die Guten&#8220; &#8211; die, die sich f\u00fcr Umwelt, gesunde Lebensmittelproduktion und -verarbeitung, Fairness und Zusammenhalt sowie ein lebenswertes Leben f\u00fcr Mensch und Tier einsetzen &#8211; mit Geld unterst\u00fctzen k\u00f6nnen, nicht mit Geld als Geschenk, sondern mit Geld als <a href=\"http:\/\/www.tinto.de\/geld\/html\/nachhaltige-geldanlage.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nachhaltige Geldanlage<\/a> durch Privatanleger. Umgekehrt fragen sich \u00d6ko-Betriebe, was sie tun k\u00f6nnen, um ihre Investitionen zu finanzieren, Versuche durchzuf\u00fchren, die den \u00d6ko-Landbau\/Biolebensmittelproduktion voranbringen, wie sie sich dem Druck von Grundst\u00fccks- und Pachtpreiserh\u00f6hungen sowie dem Preisdruck des Handels entgegenstemmen zu k\u00f6nnen. Als mir die Rezension der Zeitschrift &#8222;\u00d6kologie &amp; Landbau&#8220; Ausgabe 01\/2015 Thema &#8222;Gr\u00fcnes Geld&#8220; angeboten wurde, habe ich gerne zugesagt und kurz darauf ein kostenloses Rezensionsexemplar erhalten.<\/strong><\/p>\n<p>Die Zeitschrift &#8222;\u00d6kologie &amp; Landbau&#8220; wird von der gleichnamigen Stiftung, <a href=\"http:\/\/www.soel.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stiftung \u00d6kologie &amp; Landbau (S\u00d6L)<\/a>, im oekom verlag herausgebracht. Haupt-Zielgruppe ist die Biobranche. Mit der Ausgabe 1\/2015 mit dem Schwerpunktthema &#8222;Gr\u00fcnes Geld&#8220; will man die Leser aus der Biobranche \u00fcber alternative Finanzierungsm\u00f6glichkeiten in der \u00d6ko-Landwirtschaft und im Bio-Lebensmittelhandwerk sowie \u00fcber neue Trends wie Crowdfunding, Urban Farming und Sharing Economy informieren. Man m\u00f6chte Kreditnehmer aus der Biobranche, die beispielsweise Geld f\u00fcr die Weiterentwicklung ihres Betriebes ben\u00f6tigen, mit Privatanlegern zusammenbringen, die &#8222;in Zeiten unsicherer und anonymer Finanzm\u00e4rkte wertvolle und transparente Geldanlagen suchen&#8220; (Zitat aus dem Editorial).<\/p>\n<p>Mein erster Eindruck, als ich die \u00d6kologie &amp; Landbau zum ersten Mal in die Hand nahm: sehr ansprechend und wertig aufgemacht. Der Blick ins Impressum zeigt, dass man Recycling-Papier verwendet und den CO2-Aussto\u00df, den Drucken unvermeidlich verursacht, \u00fcber ClimatePartner kompensiert hat.<\/p>\n<p>Doch auf den Inhalt kommt es an.<\/p>\n<h2>Gr\u00fcnes Geld<\/h2>\n<p>Zehn Beitr\u00e4ge sind dem Schwerpunktthema &#8222;Gr\u00fcnes Geld&#8220; gewidmet.<\/p>\n<p><strong>Hat Geld bald ausgedient?<\/strong><br \/>\nStellt neue Wege der Bezahlung (Shareconomy, alternative W\u00e4hrungen etc.), der Finanzierung (beispielsweise Crowdfunding) vor, die durch Wertewandel, Mitspracheanspruch und Vernetzung befl\u00fcgelt werden.<\/p>\n<p><strong>Entscheidend ist, wem Bio geh\u00f6rt<\/strong><br \/>\nWie \u00d6kobetriebe Geld beschaffen und ihre ideellen Werte auch beim Generationswechsel sichern k\u00f6nnen, h\u00e4ngt von der Rechtsform des Unternehmens ab. Hier geht es um Werte und Visionen und wie oder wann Stiftungen, Kollektive, Genossenschaften oder die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft der Ausweg sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Land ist Gemeinschaftskapital der Menschheit<\/strong><br \/>\nIst ein Portr\u00e4t von Albert Fink, Mitbegr\u00fcnder der GLS-Bank (Genossenschaftsbank). Grundaussage: Die Landwirtschaft ist die Grundlage unserer Kultur und ein landwirtschaftlicher Betrieb muss in einem sozialen und \u00f6kologischen Zusammenhang gesehen werden. Der Boden sollte Gemeineigentum sein und raus aus der Vererbung.<\/p>\n<p><strong>Biolandwirte mehr ansprechen<\/strong><br \/>\nIst ein Interview mit J\u00fcrgen Koppmann, der schon seit Gr\u00fcndung bei der Umweltbank (Direktbank) arbeitet &#8211; von 2002 bis Ende 2014 im Vorstand. Er h\u00e4lt nicht so viel von Crowdinvesting f\u00fcr Landwirte. Zur Geldbeschaffung seien Banken besser geeignet. Es werden Erfolgs- und Misserfolgsbeispiele f\u00fcr landwirtschaftliche Betriebe als Aktiengesellschaft genannt. Die Umweltbank will k\u00fcnftig st\u00e4rker auf Biolandwirte zugehen.<\/p>\n<p><strong>Geld als soziales Bindeglied<\/strong><br \/>\nBerichtet \u00fcber positive Erfahrungen mit der Ausgabe von Genussrechten. Wenn Verbraucher in Bauernh\u00f6fe investieren, entsteht meist mehr als reine Gesch\u00e4ftsbeziehungen: Der R\u00fcckhalt, die Wertsch\u00e4tzung und Solidarit\u00e4t der Investoren, die ja gleichzeitig auch Kunden sind, seien Ansporn f\u00fcr die Mehrarbeit, die ein solcher Betrieb mit sich bringt. Bei Genussrechten haben die Investoren allerdings kein Mitspracherecht (das ist bei Aktiengesellschaften oder Genossenschaften anders). Die Zinsen k\u00f6nnen im Bereich Landwirtschaft und Lebensmittelhandwerk auch in Naturalien vereinbart werden. Die Anonymisierung des Erzeugers wird durch den engen Kundenkontakt aufgebrochen, denn die teils fragw\u00fcrdigen Praktiken gegen\u00fcber Erzeugern und Handwerk als schw\u00e4chste Glieder wurden durch die Anonymisierung erst m\u00f6glich. Jeder Einkauf ist eine Wertsch\u00e4tzung, aber regional zu investieren in \u00f6kologische b\u00e4uerliche Landwirtschaft und Bio-Lebensmittelhandwerk geht noch einen Schritt weiter.<\/p>\n<p><strong>Ohne Marketing l\u00e4uft nichts<\/strong><br \/>\nDie Erfahrungen des Unternehmens Saucenfritz mit dem neuen Geldbeschaffungsinstrument Crowdfunding. Saucenfritz war damit hinsichtlich Geldbeschaffung nicht erfolgreich, sieht aber trotzdem Potenzial in der &#8222;Schwarmintelligenz&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Es ist mehr n\u00f6tig als gr\u00fcnes Kapital<\/strong><br \/>\nIst ein Kommentar von Alexander Beck. \u00d6ko-Produkte seien nur deshalb teurer, weil bei den konventionellen die Kosten f\u00fcr die Umwelt nicht enthalten sind. Wenn das ge\u00e4ndert w\u00fcrde &#8211; Internalisierung der Umweltkosten &#8211; w\u00e4ren die \u00d6koprodukte gleich wettbewerbsf\u00e4higer.<\/p>\n<p><strong>B\u00fcrger investieren in den Biolandbau<\/strong><br \/>\nBefasst sich mit alternativen Bodeneigentumsmodellen, um nicht dem Druck durch explodierende Bodenpreise ausgesetzt zu sein: H\u00f6fe in gemeinn\u00fctziger Tr\u00e4gerschaft und Stiftungen. In den 1980er und 90ern gab es auch gemeinn\u00fctzige Vereine mit viel ehrenamtlicher T\u00e4tigkeit &#8211; die sterben jetzt langsam aus, wie auch die alten \u00d6ko-Landbauern. Landwirtschaftlicher Grund und Boden sollte aber zuallererst ein gesellschaftliches Gut sein f\u00fcr Nahrung, Biodiversit\u00e4t, soziale Begegnung, Heimat und Identit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Erfolgreich wirtschaften als Kooperative<\/strong><br \/>\nNennt Beispiele und Erfolgsfaktoren f\u00fcr solidarische Landwirtschaft (CSA = Community Supported Agriculture). Der Unterschied zwischen Genossenschaft und Aktiengesellschaft: Bei der Genossenschaft hat man Stimmrechte pro Person, bei der Aktiengesellschaft nach Anzahl der Aktien.<\/p>\n<p><strong>Gr\u00fcnes Geld von gr\u00fcnen Banken<\/strong><br \/>\nEntwicklung der Kundenzahlen bei den deutschen \u00d6kobanken Triodos, GLS und Umweltbank. Allerdings ist Triodos meines Wissens eine niederl\u00e4ndische Bank mit Niederlassungen in verschiedenen EU-L\u00e4ndern unter anderem in Deutschland.<\/p>\n<p>Im Schwerpunktteil &#8222;Gr\u00fcnes Geld&#8220; werden viele interessante Aspekte rund um ideelle Werte, Planungssicherheit, Wege der Geldbeschaffung, Rechtsformen, Transparenz f\u00fcr und Zusammenarbeit mit den Verbrauchern angesprochen. Man erh\u00e4lt viele Anregungen, in welcher Richtung man sich als Entscheider weiter informieren oder Erfahrungen anderer einholen k\u00f6nnte.<\/p>\n<h2>Und sonst<\/h2>\n<p>Der Rest der Zeitschrift befasst sich mit Neuem aus Pflanzenbau und Tierhaltung, Lebensmittel und Konsum, Politik und Gesellschaft, Natur und Umwelt, Forschung und Bildung. Es werden viele Informationen \u00fcber vergangene und aktuelle Entwicklungen, \u00fcber internationale Vernetzung und Personalien geboten. Interessant fand ich beispielsweise das kurze Interview mit Gerold Rahmann, der neu im Vorstand der Internationalen Vereinigung \u00d6kologischer Landbaubewegungen (International Federation of Organic Agriculture Movements &#8211; IFOAM) ist: Es gehe darum, f\u00fcr <em>alle<\/em> Menschen eine lebenswerte Zukunft zu gestalten und zu erhalten. Andere Artikel &#8211; beispielsweise &#8222;Biolebensmittel bieten mehr&#8220; geben Forschungsergebnisse in Zahlen sowie Argumente wieder, die man kritischen Kunden und Verbrauchern gegen\u00fcber verwenden kann.<\/p>\n<h2>Mein Fazit zur Zeitschrift &#8222;\u00d6kologie &amp; Landbau&#8220; mit Schwerpunkt &#8222;Gr\u00fcnes Geld&#8220;<\/h2>\n<p>Ich finde die Zeitschrift absolut lesenswert &#8211; nicht nur f\u00fcr \u00d6ko-Landwirte, -Gartenbauer und \u00c4hnliche, sondern f\u00fcr alle, die sich f\u00fcr \u00d6kologie, Landwirtschaft\/Gartenbau und gesunde Lebensmittel interessieren. Es werden viele Denkanst\u00f6\u00dfe und Hinweise geboten, ohne zu tief ins Praktische zu gehen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber \u00d6kologie &amp; Landbau<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B00006LQT0\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=B00006LQT0&amp;linkCode=as2&amp;tag=tipsntopicvoneva&amp;linkId=ZVBBNGUCTOU7QDUG\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;ASIN=B00006LQT0&amp;Format=_SL250_&amp;ID=AsinImage&amp;MarketPlace=DE&amp;ServiceVersion=20070822&amp;WS=1&amp;tag=tipsntopicvoneva\" alt=\"\" align=\"right\" border=\"0\"><\/a><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=tipsntopicvoneva&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B00006LQT0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\"><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B00006LQT0\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=B00006LQT0&amp;linkCode=as2&amp;tag=tipsntopicvoneva&amp;linkId=6GTM6YZWKCRDTJ3B\">\u00d6kologie &amp; Landbau<\/a><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=tipsntopicvoneva&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B00006LQT0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\">* versteht sich als unabh\u00e4ngiges Vordenkermedium f\u00fcr eine \u00f6kologische Agrar- und Ern\u00e4hrungskultur. Zur Zielgruppe geh\u00f6ren alle, die in der \u00d6kolandbau-Branche engagiert sind. Die Zeitschrift erscheint vier Mal im Jahr &#8211; jedes Mal mit einem anderen Schwerpunktthema &#8211; wobei die mit dem Forschungsinstitut f\u00fcr biologischen Landbau (FiBL &#8211; <a href=\"http:\/\/www.fibl.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.fibl.org<\/a>) abgesprochen werden.<\/p>\n<p>*Affiliate-Link<\/p>\n<p><strong>Besprochene Ausgabe<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.soel.de\/publikationen\/oekologie_und_landbau\/aktuelle_ausgabe.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00d6kologie &amp; Landbau<\/a><br \/>\nAusgabe 01\/2015 Thema &#8222;Gr\u00fcnes Geld&#8220;<br \/>\nISSN 1015-2423<br \/>\nHerausgeber: Stiftung \u00d6kologie &amp; Landbau (S\u00d6L &#8211; www.soel.de)<br \/>\nVerlag: oekom verlag (<a href=\"http:\/\/www.oekom.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.oekom.de<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer ein Unternehmen gr\u00fcnden, einen Betrieb erweitern oder neue Ideen verwirklichen will, ben\u00f6tigt Geld. 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