Erfahrungsbericht: Ich war einmal dicker
              Ich war einmal dicker


Erfahrung von Edwin 

Bilder: Edwin 1981 mit 115 kg, 1983 mit 135 kg, 2003 mit 87 kg

Edwin, 38 Jahre, Telekomverkäufer, ledig, aber fest vergeben.

Ich darf hier und heute zu Ihnen sprechen als Mensch, der Ihr Leid kennt, als Mensch, der vollstes Verständnis für Ihre Probleme hat, als Mensch, der all das durchgemacht hat, was Sie möglicherweise auch schon durchgemacht haben bzw. noch vor sich haben. Doch eines unterscheidet uns: ich habe es nach zahllosen erfolglosen Versuchen geschafft, von einem extrem dicken Menschen zu einem schlanken

Menschen zu werden. Ich habe den Kampf gegen das Übergewicht in unendlich vielen Schlachten gekämpft, bin oft unterlegen, habe am Ende aber doch gesiegt. Im folgenden Bericht möchte ich Ihnen erzählen, wie es dazu gekommen ist, dass ich so dick geworden bin, und was ich getan habe, um ein schlanker Mensch zu werden, und ein solcher zu bleiben.

Schon als Kind war ich dicker als andere Kinder in meinem Alter. Meine Mutter war immer sehr bedacht darauf gewesen, dass ich genug zu essen hatte. Sie musste als Kind am Ende des 2.Weltkrieges mit ihren Eltern vor der Sowjetarmee flüchten, bzw. erlebten sie die Besetzung ihres Heimatdorfes durch Soldaten der Sowjetarmee. Damals ging es all meinen Verwandten sehr schlecht, die russischen Soldaten waren bekannt für ihre Grausamkeit und rücksichtslosen Umgang mit den Einwohnern eroberter Dörfer. Diesen Einwohnern fehlte es an allem, weil die Russen plünderten, wo sie nur konnten. Viele Eltern, die den Krieg miterlebt haben, sorgen sich verstärkt um das Wohl ihrer Kinder. Meine Mutter war immer so und ist es noch heute. Sie umsorgt meine beiden Schwestern (46 und 44 Jahre alt) und mich noch immer, und wird es wohl auch tun, so lange sie lebt.

Als ich 9 Jahre alt war, starb mein Vater. Meine Mutter musste fortan alleine für meine Schwestern und mich sorgen und tat das mit einer Hingabe, die ihresgleichen sucht. Sie arbeitete täglich 12 Stunden und mehr, um uns Kindern eine vernünftige Schulausbildung zu ermöglichen, und es uns möglichst nicht merken zu lassen, dass wir keinen Vater mehr hatten, der als Familienoberhaupt uns alle versorgte. Sie schaffte das grandios, meine Schwestern und ich verdanken ihr, dass wir trotz aller Widrigkeiten und finanzieller Engpässe eine schöne Kindheit gehabt haben, in der Familienzusammenhalt und Freunde mehr zählten als alle materiellen Dinge. Wir bekamen zwar viele Dinge um einige Jahre später als die anderen Kinder, doch trotzdem mangelte es uns an nichts. Nur unser Vater, der war nicht zu ersetzen.

In meiner Familie besteht eine gewisse Veranlagung zu Übergewicht. Meine Mutter und meine beiden Schwestern blieben zwar durch die Arbeit schlank (meine Schwestern übernahmen die Hausarbeit und versorgten mich, das Nesthäkchen, während meine Mutter bis spät in die Nacht arbeiten war), bei mir war das allerdings immer schon etwas anders, meine Veranlagung war schon in der Kindheit stärker ausgeprägt als beim Rest der Familie. Inwieweit da der Schock des frühen Todes meines Vaters mitgespielt haben könnte, kann ich nicht sagen, beeinflusst hat es mich aber sicherlich. Denn war ich schon immer ein eher introvertiertes Kind gewesen, dem von Anfang an klargemacht worden war, dass Erwachsene immer recht haben und man ihnen nicht widerspricht, wurde ich aufgrund der Tatsache, dass der größte Rückhalt den ein Junge im Leben haben kann nicht mehr auf der Welt war, noch verschlossener.

In gleichem Maße begann sich mein Kummer auf meine Ernährung auszuwirken. Da niemand da war, der sich meiner Probleme annehmen konnte - ich war ja so verschlossen und erzählte niemandem, auch nicht aus der Familie, welche Probleme ich hatte - war ich in dieser Zeit wohl ein Kummeresser.

Anfangs war ich in der Schule sehr erfolgreich, immer Vorzugsschüler, selbst in der Unterstufe einer Allgemeinbildenden Höheren Schule schloss ich die ersten beiden Klassen mit ausgezeichnetem Erfolg ab. In der dritten Klasse kam aber dann der Absturz. Ich kämpft um mein schulisches Überleben, kam immer mehr in Schwierigkeiten und konnte nur mit größter Mühe in die nächsten Klassen aufsteigen, ehe zwei Lehrer glaubten, an mir ein Exempel statuieren zu müssen, und mich trotz einer positiven Leistung am Jahresende mit "Nicht Genügend" beurteilten, was zur Folge hatte, dass ich in ein tiefes psychisches Loch fiel, der Schule entsagte und mir eigentlich vollkommen egal wurde, wie es mit mir weitergehen sollte. Denn ich hatte niemals damit gerechnet, in der Schule nicht bestehen zu können.

Trotzdem war es so gekommen, und ich begann eine Lehre in einem Beruf, der mich eigentlich kein bisschen interessierte. Aber irgendwas musste ich tun, also ging ich fortan arbeiten und legte meine Pläne, Tierarzt oder Berufspilot zu werden, ad acta. Abermals war eine Welt in mir zusammengebrochen.

Hier möchte ich nun von meinem Lebenslauf ein wenig abschweifen und ein wenig analytisch betrachten und Ihnen erzählen, was bis dahin aus mir geworden war. Die kleineren und größeren Probleme meiner Jugend, gepaart mit dem Versuch meiner Mutter, es mir an nichts fehlen zu lassen und so den Vater bestmöglich zu ersetzen, führten dazu, dass ich immer mehr zum Frustesser wurde. Mit 12 Jahren wog ich bereits 90 Kilogramm, und wurde von meiner Mutter - die es gut meinte und mir auch das finanzierte - in ein Abnehminstitut geschleppt, wo ich mich mit älteren sehr rundlichen Damen einmal wöchentlich einer Fleischbeschau unterziehen musste, sprich öffentliches Abwiegen vor allen anderen, was ich nach kurzer Zeit noch gefrusteter wieder aufgab. Als 12jähriger gibt es Schöneres als übergewichtigen 50- bis 60-jährigen in Strumpfhosen und Pullover beim Abwiegen zuzusehen. Obwohl ich in einem Monat einige Kilo abgenommen hatte, war das nichts für mich.

Also versuchte meine Mutter zusammen mit mir, mit herkömmlichen Diäten meines Gewichtsproblems Herr zu werden. Allein, jeder Versuch scheiterte, der berühmte Jojo-Effekt war alles, was bei diesen Versuchen im Endeffekt herausgekommen ist.

Sie können sich wahrscheinlich vorstellen, dass einem Kind und danach Jugendlichen in der Schule und in der Gemeinschaft nicht gerade Vorteile durch extremes Übergewicht entstehen. Man müsste da eher Angst haben, von allen gehänselt und als Außenseiter deklariert zu werden, denn Kinder können sehr grausam sein im Umgang mit ihresgleichen. Zu meinem Glück darf ich sagen, dass dieser Kelch an mir vorübergegangen ist. Selten wurde ich gehänselt, und wenn, dann eher im Scherz, aber so gut wie nie war es boshaft. Die wenigen Mitschüler und "Freunde", die versuchten, in diese Richtung zu arbeiten, wurden von mir mit Nichtbeachtung gestraft, sodass es ihnen bald zu dumm wurde, und ich hatte meine Ruhe.

Der zweite Grund, dass ich trotz meiner Leibesfülle mit fast allen gut auskam war, dass ich mir nie anmerken ließ, welch immenses Handikap mein Übergewicht darstellte. Im Turnunterricht wurde ich in den ersten Stunden extrem belächelt, alle schauten auf jede einzelne meiner Bewegungen, in der Hoffnung, dass ich eine extrem lächerliche Figur machen würde und zur Unterhaltung aller eine einzige Peinlichkeit darstellen würde. Doch ich war von Kind auf immer schon sehr agil gewesen, trotz meiner Leibesfülle, so war es für mich selbstverständlich, dass ich gerade im Turnunterricht mich ganz besonders bemühte, um aus meinen eingeschränkten Möglichkeiten das Beste zu machen. Diese Einstellung rang meinen Mitschülern bald Respekt ab, und ich wurde nicht nur trotz meines unförmigen Körpers akzeptiert, sondern man schätzte es, dass ich nicht wie viele andere Dicke einfach unbeholfen umherplumpste. Viel mehr sahen meine Mitschüler, dass Bewegung mir trotz meines Umfanges im Blut lag, und ich im Rahmen meiner Möglichkeiten Leistungen erbrachte, die mir kaum einer von ihnen zugetraut hätte.

So verschaffte ich mir dank meines Einsatzes im Turnunterricht Respekt, der auch ins übrige Leben einfloss. Ich wurde also nicht nur akzeptiert, sondern sogar geschätzt. Man bezog mich ins alltägliche Klassenleben mit ein, als wäre ich ein ganz normales Kind. Später, bei sportlichen Vergleichskämpfen mit anderen Klassen, sei es nun im Bereich der Leichtathletik oder beim Fußball, verdiente ich mir meine Sporen und überzeugte selbst die letzten Zweifler, denn unter all den Dicken - die es ja in so gut wie jeder Schulklasse gibt - konnte mir keiner im Sport auch nur annähernd das Wasser reichen. Und beim Fußball wurde ich vom anfangs geschmähten Ersatzspieler, den man höchstens ins Tor stellen konnte, weil er selbiges ja mit seinem Körper voll ausfüllen würde, zum gefragten Mitspieler, der eine wertvolle Ergänzung für jede Fußballmannschaft darstellte, und zwar nicht im Tor, sondern als Feldspieler. Und allein diese Tatsache erfüllt mich noch heute mit einem gewissen Stolz.

Doch trotzdem ich immer schon ein agiles Kind gewesen war, das jede freie Minute auf der Wiese vor dem Wohnhausblock verbrachte, oder mit dem Fußball - nötigenfalls auch ohne Mitspieler - auf selbiger Wiese herumrannte, selbst obwohl ich im Winter bei 1 cm Schneelage auf meine Spielwiese meine uralten vom Nachbarn ausgemusterten Kinderschier anzog und auf ebener Fläche damit herumrobbte, es gelang ganz einfach nicht, mein Gewicht in den Griff zu bekommen. Ich wurde immer mehr, und ein Ende war nicht in Sicht.

Glücklich war ich darüber nicht, ich war eigentlich ziemlich verzweifelt. Zwar mangelte es mir nicht an Freunden, aber ab einem gewissen Alter kommt man dann ja gewollt oder ungewollt in den Kontakt mit dem anderen Geschlecht. Und irgendwann war das auch bei mir so. Schon bald wurde mir klar, dass ich im Umgang mit Mädchen einen ganz gravierenden Nachteil hatte: mein Äußeres. Klar, meine Freunde kannten mich, mochten mich, kannten meinen Charakter, aber wie sollte ich jemandem entgegentreten, den ich nie zuvor gesehen hatte, dem ich aber im wahrsten Sinn des Wortes formatfüllend erscheine? Noch dazu einem Mädchen ?

Gleichaltrige Burschen waren mir da weit voraus, sie hatten oft schon lange Kontakt, und zwar mehr als nur "Hallo" und "Auf Wiedersehen". Die taten sich sehr leicht bei der Kontaktaufnahme, denn sie hatten nicht mein körperliches Handikap. Ich hingegen genierte mich sehr für mein Aussehen, und konnte mir kaum vorstellen, dass ein Mädchen Interesse haben könnte, einen Fleischberg wie mich näher kennenlernen zu wollen. Fazit: ich hielt mich tunlichst von der Damenwelt fern, obwohl ich jetzt im pubertären Alter eigentlich verstärkt den Kontakt suchen sollte. Aber dafür war ich doch viel zu dick, andere in meinem Alter hatten vorbildliche Figuren, was sollte ein Mädchen also von mir wollen ?

Heute weiß ich, dass diese Einstellung zwar logisch erscheint, aber völliger Blödsinn ist. Denn gerade in dieser Zeit, als ich eigentlich vom anderen Geschlecht zwangsläufig nichts wissen wollte und vorgab, das würde mich alles gar nicht interessieren, lernte ich ein paar wirklich nette Mädchen kennen, die mir in weiterer Folge sehr gute Freundinnen wurden, die unerbittlich an meiner Seite standen und mich gegen alle verteidigten, die es wagten, sich über mich lustig machen zu wollen. Trotzdem dauerte es sehr lange, bis ich mich wirklich für Mädchen interessierte. Aber das ist eine andere Geschichte, die nicht hierher gehört. Kehren wir also jetzt - nachdem Sie sich ein bisschen besser in meine Situation damals hineinversetzen können - zum eigentlichen Thema zurück.

Ich stürzte mich also in Berufsleben und begann eine dreijährige Lehrausbildung als Bautechnischer Zeichner. Das ist nicht gerade ein körperlich anstrengender Beruf, also kaum eine Möglichkeit, vielleicht nebenbei etwas abzunehmen. Ganz im Gegenteil, ich wurde immer dicker.

Denn nun kam auch noch der Frust des schulischen Versagens hinzu, die Arbeit war mir ziemlich egal, allerdings musste ich täglich 60 km mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit und wieder nach Hause fahren, also verbrachte ich jeden Tag etwa 12 Stunden so gut wie ohne Bewegung. Sport habe ich zwar nach wie vor mit Begeisterung betrieben, doch aufgrund des Zeitmangels fast nur mehr an den Wochenenden. Das alleine half also nicht, mein Gewicht in den Griff zu bekommen, also begann ich mit diversen Diäten. Eine nach der anderen probierte ich durch, von einseitigen Gemüsediäten über in Zeitschriften angepriesene Wunderdiäten, ich habe nichts unversucht gelassen. Teilerfolge konnte ich auch verbuchen, doch da ich zu diesem Zeitpunkt - mit 18 Jahren - etwa 120 kg wog, waren kleine Erfolge von 5 kg oder so ähnlich (mehr brachten die Diäten nicht, ehe ich entnervt wieder aufgab) kaum der Rede wert.

Also ging ich zu meinem Hausarzt, der mir eine neue Methode ans Herz legte: eine Kur. Diese Idee war neu, erschien mir aber durchaus vielversprechend, denn in irgendeinem Kurheim, weit weg von daheim, ohne Kontakt zu Verwandten, Freunden oder Bekannten, sollte man sich doch auf das Wesentliche konzentrieren können, und ohne den Stress des täglichen Lebens abnehmen. So dachte ich es mir zumindest, und mit dieser Einstellung trat ich im Dezember 1983 eine dreiwöchige Kur in der Steiermark an.

Die Gegend, in der das Kurhaus lag, war wunderschön. Mein Pech war, dass ich mit 19 Jahren der mit Abstand jüngste Kurgast war. Ansonsten waren fast nur Pensionisten dort, manche zum Abnehmen, andere zum Zunehmen. Die psychische Folter der Kurgäste bestand darin, dass beim Essen immer beide Typen von Kurgästen an den Tischen saßen, solche die zunehmen sollten, und solche, die zum Abnehmen hier waren. Das sah in der Regel so aus, dass ich mit 500 Kalorien täglich, aufgeteilt auf 3 Mahlzeiten, auskommen musste, während zwei meiner Tischnachbarn ständig Nachschub verlangten und diesen auch bekamen. Anfangs sah ich das als extreme Psychofolter an, gewöhnte mich aber schnell daran und machte das Beste daraus: ich nahm diesen Umstand als Ansporn, erst recht etwas zu bewegen. Und so kam es auch. Als ich nach 3 Wochen das Kurhotel verließ, gratulierten mir die Ärzte zu einer Leistung, die vor mir erst einer erbracht hatte: nämlich 17 kg in 3 Wochen zu verlieren.

Mit stolzgeschwellter Brust kehrte ich heim, ich fühlte mich unendlich gut, und wollte mein begonnenes Werk daheim weiterführen und endlich, nach so vielen erfolglosen Versuchen, abnehmen, ein "normaler" Mensch werden, ein Lokal betreten zu können, ohne von allen angestarrt zu werden. Im Restaurant etwas zu essen bestellen zu können, ohne mit erwartungsvollen Blicken gemustert zu werden, wie viel ich mir jetzt wohl reinschieben werde. Denn solche Gedanken hatte ich damals, egal, wohin ich kam, ich fühlte mich überall und jederzeit - oft auch berechtigterweise - angestarrt, angegafft, und dachte, was die Umwelt jetzt wohl so alles über mich reden würde, dieses Fass, das da einher rollt, ob ich mir wohl alleine die Schuhe anziehen könnte usw. Für einen Außenstehenden klingt das möglicherweise ziemlich lächerlich, aber jeder, der extrem dick war oder ist, kennt solche und ähnliche Gedanken.

Doch ich hatte mit der Kur einen neuen Weg eingeschlagen, den ich fortan gehen wollte, und mein Ziel war ganz klar abgesteckt: was bei der Kur funktioniert hat, muss nun zu Hause auch funktionieren, also packen wir's an, und bald sind wir ein schlanker, junger Mensch, frei von all den Problemen und Ängsten die täglich dazu führen, dass man am liebsten unterirdisch gehen würde. Der erste Schritt war getan, und weitere sollten folgen.

Allein - es kam ganz anders. Trotz meiner positiven Einstellung und dem Wissen, dass es geht, wenn man nur will und konsequent ist, war es mir leider nicht möglich, mein Vorhaben entsprechend durchzuführen. Denn nachdem ich nach der Kur ins normale Leben zurückgekehrt war, holten mich all meine Ängste und Probleme wieder ein, ich sah, dass ich so nicht weiterkam und hatte nicht die Kraft, neben meinem normalen Leben auch noch an mir selbst entsprechend zu arbeiten, also abzunehmen. Jeder, der abnehmen will, kennt das Problem: man isst weniger als sonst, verliert die Konzentrationsfähigkeit, die Nerven flattern, man ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um im Berufsleben effektiv arbeiten zu können. Als Folge davon leidet auch das Privatleben, weil man tagsüber im Job all seine Kraft braucht, und nach getaner Arbeit total geschlaucht heim kommt und sich nicht wie gewohnt mit einem guten Essen ein wenig belohnen kann, sondern bloß an ein wenig Obst und Gemüse knabbern darf, maximal ein kleines Stück Schwarzbrot oder so ähnlich zu sich nehmen und dabei auch noch satt werden soll. Kurz auf den Punkt gebracht: ich hatte nicht die Kraft, die Sache durchzuziehen, und nach nicht einmal 2 Monaten waren die verlorenen 17 Kilo wieder in alter Frische an mir dran, arbeiteten sogar vehement daran, sich weiter zu vermehren.

Was zur Folge hatte, dass ich am Ende meiner dreijährigen Lehrzeit weit über 100 Kilogramm mit mir herumschleppte. Meine Lehrzeit schloss ich mit Erfolg ab, bestand diverse Prüfungen, war auch bei meinen Vorgesetzten bald ein gern gesehener Mitarbeiter. Auch hier darf ich anmerken, dass man mich immer nur an meinen Leistungen gemessen hat, und mir mein Äußeres nie hat spüren lassen. Das hat mir zwar ein wenig geholfen, doch glaubte ich immer, dass meine Kollegen insgeheim ganz anders über mich dachten. Ein bei vielen Dicken üblicher Anflug von Minderwertigkeitskomplex, den zu kompensieren sehr schwer ist. Aber nicht unmöglich, wofür allerdings eine große mentale Stärke notwendig ist.

Die hatte ich allerdings nicht. Ich wurde immer dicker. Und was noch schlimmer war: da meine Lehrausbildung zu Ende war, rief Vater Staat nach mir und "bat" mich höflich aber bestimmt um die Erfüllung meiner Pflicht als männlicher österreichischer Staatsbürger: am 2. Jänner 1986 wurde ich zum Präsenzdienst beim österreichischen Bundesheer einberufen.

Wer das Heer und das Soldatenleben ein wenig kennt, weiß, was mir damals bevorstand. Die Damen darf ich kurz darauf hinweisen, dass beim Heer in erster Linie Disziplin gefragt ist, und man eine zweimonatige Grundausbildung erhält, in der man körperlich und seelisch an seine Grenzen gebracht wird, und nicht selten auch so mancher Auszubildender sogar psychisch gebrochen wird. Es kommt in erster Linie immer darauf an, welchen Ausbildner man bekommt. Einen, der nur darauf bedacht ist, seine Leute körperlich zu trimmen und sie zu Höchstleistungen anzuspornen, oder einen, der vor allem seiner sadistischen Ader freien Lauf lassen will und den Jungmannen bei jeder Gelegenheit vor Augen führt, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes nichts sind, und sie auch entsprechend behandelt.

Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, dass mein Ausbildner der letztgenannten Kategorie angehörte. Das alleine war ja schon recht schlimm, aber wenn Sie sich nun vor Augen führen, dass ich am Tag des Dienstantritts beim Bundesheer genau 153 kg auf die Waage brachte, können Sie sich denken, was mir damals bevorstand. Ich war ganz objektiv gesagt ein Fleischkoloss. Genau richtig, um von einem entsprechend veranlagten Ausbildner vor versammelter Mannschaft bei jeder Gelegenheit gedemütigt und lächerlich gemacht zu werden. Mir standen tolle 8 Monate bevor, und ich fragte mich, wie ich die wohl überleben würde.

Womit ich nicht gerechnet hatte war, dass mein Ausbildner zwar ein Tyrann war, der nur darauf wartete, die Schwachen aus der Truppe auszusieben und auf sie loszugehen, seine Unteroffiziere - das waren jene, die direkt mit uns im Feld und an der Waffe übten - wesentlich fairer waren. Zwar manchmal recht hart, doch anerkannten sie die erbrachten Leistungen.

Womit mein Ausbildner nicht gerechnet hatte war, dass ich mich vom ersten Tag an extrem bemühte und all meine Kraft aufbrachte, um körperlich wie geistig mein Bestes zu geben. Denn normalerweise dienen solche Typen wie ich dazu, die Moral der Truppe zu schädigen, was zwar vollkommen sinnlos ist, manchen Ausbildnern aber immensen Spaß macht. In meinem Fall war das kontraproduktiv, meine Kollegen sahen, wie sehr ich mich bemühte, dass ich einfach alles gab, und honorierten das, indem sie mich ständig ermunterten, nicht aufzugeben, und mir auf verschiedenste Art ihren Respekt zollten. Ich war für sie kein Außenseiter, ich war vollständiges Mitglied der Mannschaft, und wir standen alle füreinander ein. Dieser Zuspruch machte mir meinen Präsenzdienst leichter, und bald hatte ich mir sogar den Respekt meines Ausbildners verdient, und es entwickelte sich ein Verhältnis gegenseitiger Wertschätzung. Denn ich erkannte, dass er durchaus gewisse soldatische Fähigkeiten hatte und kein reiner Sadist war. Warum er das allerdings so gekonnt zu verstecken versuchte, entzieht sich noch heute meiner Kenntnis. Und er erkannte, dass ich genauso meine Leistung bringen konnte, und kein Klotz am Bein der Truppe war, sondern durchaus eine Bereicherung.

Und so ganz nebenbei: meine Kleidergröße schrumpfte von Zweimannzelt beim Antritt meines Dienstes im Jänner 1986 binnen 8 Monaten auf konfektionelle Übergrößen. In Zahlen ausgedrückt wog ich beim Einrücken 153 kg, beim Abrüsten nach 8 Monaten nur mehr 117 kg. Alleine daran können Sie ersehen, wie ernst ich meinen Dienst genommen hatte, wie groß mein Bemühen beim Bundesheer gewesen war.

Nach 8 Monaten ging es also wieder zurück ins normale Leben, ich begann wieder in meinem Büro, und wie nicht anders zu erwarten, begann ich wieder zuzunehmen, da ja die extreme körperliche Belastung nun wieder fehlte. Zeit zum Ausgleichssport blieb kaum, folglich legte ich wieder kontinuierlich an Gewicht zu, und näherte mich bald wieder der 150-Kilo-Marke.

Zu diesem Zeitpunkt begannen meine Freunde, SQUASH zu spielen. Ein toller Sport, schnell, interessant, und sehr effektiv, weil körperlich extrem anstrengend. Sie animierten mich, doch mitzumachen. Doch da bei diesem Sport viele Leute zusehen, sagte ich ab, denn ich wollte nicht als Schaustück in der Auslage von allen begafft werden. Zur Erklärung: SQUASH spielt man in einem Raum, der ca. 8x8 Meter misst, nach hinten aber nur von einer Plexiglaswand abgeschlossen ist, also für Zuschauer optimal. Und glauben Sie mir, wenn ein 150kg-Mann mit einem Schläger, kleiner als ein Tennisschläger, ein solches Spielfeld betritt, sind im Nu etliche Zuschauer da………………….

Mein Sport war das Schwimmen, denn auch da kann man wunderbar abnehmen. Mein Problem war, dass ich mir in der Badehose vollkommen lächerlich vorkam und mich mehr als je zuvor für meinen Körper schämte. Also vernachlässigte ich auch diesen Sport, und es kam bald so, wie es wohl kommen musste: die 150-Kilo-Marke fiel wieder.

Als ich wieder mein Höchstgewicht von vor dem Bundesheer erreichte - 153 kg - passierten zwei Dinge. Ich sagte mir, dass es so nicht weitergehen könnte (wieder einmal), und gleichzeitig bekamen wir in der Arbeit einen neuen Kollegen. Das hat zwar ursächlich nichts miteinander zu tun, war aber für mich der Stein des Anstoßes zu meiner Rettung. Denn Sie müssen wissen, dass bis dahin in unserem Büro nur Männer beschäftigt gewesen waren (wir waren 4 im Büro). Der neue Mitarbeiter würde aber nicht mehr in diese Männerwelt passen: es war nämlich eine junge Dame.

Sie können sich nicht vorstellen, wie entsetzlich ich mich gefühlt habe, als ich davon erfuhr, dass wir durch eine junge Frau von knapp über 20 Jahren ergänzt werden sollten. Das alleine war für mich ja schon insofern schlimm, da ich mich ja schon vor Männern oft genierte. Und jetzt sollte ich sogar mit einer Frau zusammenarbeiten. Und nicht nur zusammenarbeiten, denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir schon die Leitung unseres kleinen Büros erarbeitet, folglich müsste ich also noch dazu immer als Ansprechperson herhalten und sie einarbeiten, einweisen, und mit Rat und Tat zur Seite stehen, so wie ich es mit allen meinen Kollegen machte. Diese Vorstellung war der blanke Horror für mich.

Denn wie würde mich diese Dame denn sehen ? Wie sehr würde sie sich zurückhalten müssen, um nicht lauthals loszulachen, wenn sich mein unförmiger Körper zwischen den Schreibtischen und Büromöbeln einen Weg bahnen musste, wo meine Kollegen sogar zu zweit nebeneinander durchpassten ? Wie lächerlich musste ich in ihren Augen aussehen ?

Vielleicht klingt diese Angst unverständlich, aber für jemanden, der sich jahrelang vor allen Frauen ferngehalten hat, ist diese Ankündigung, dass er fortan eine Frau in seinem Team hat und täglich mit ihr zusammenarbeiten soll, also täglich mehrere Stunden lang Kontakt zu ihr hat, ein echter Schock.

Wie sollte ich mich also verhalten ? Sie negieren, sie ihrem Schicksal überlassen, die Kollegen anzuweisen, sich ihrer anzunehmen ? Ich beschloss, nichts dergleichen zu tun. Ganz im Gegenteil, als ich mir so meine Gedanken darüber machte, passierte in meinem Unterbewusstsein etwas ganz Wesentliches.

Es erfolgte die Initialzündung, die mein Leben fortan absolut umkrempeln würde. Denn ich beschloss, mich dieser Dame so zu präsentieren, wie ich war, das Beste daraus zu machen, und mir meine Angst in keinster Weise anmerken zu lassen. Mein Primärziel war, ihr ein guter Vorgesetzter zu sein, zu dem sie immer und jederzeit kommen und um Rat fragen könnte. Sie sollte in keinem Augenblick meine innere Unsicherheit bemerken. Und mein Sekundärziel entstand in genau dem gleichen Moment. Denn jetzt war der richtige Zeitpunkt, mein Problem beim Schopf zu packen und unerbittlich zu bekämpfen, bis es aus der Welt geschafft war. Der Tag, an dem diese Dame in mein Leben trat, war der Tag, an dem meine große Abmagerung begann. Und diesmal zog ich sie durch, rigoros, hart, unerbittlich zu mir selbst. So nahm ich es mir damals vor, so habe ich es auch wirklich durchgezogen, und von anfänglichen 153 kg kämpfte ich mich im wahrsten Sinn des Wortes binnen 5 Monaten auf 87 kg herunter. Und diese 87 kg wiege ich noch heute.

Das ist also meine Geschichte, die ich Ihnen in dieser Ausführlichkeit näher bringen wollte, weil sich so mancher Dicke darin manchmal ein bisschen wiedererkennen wird, in gewisser Weise ähnliche Dinge erlebt bzw. ähnliche Ängste durchgestanden hat. Ich möchte Ihnen damit nur gezeigt haben, wie es in mir ausgesehen hat, was ich nicht alles versucht habe, wie oft ich gescheitert bin, aber niemals aufgegeben habe. Denn das soll die Grundaussage meiner Geschichte sein: niemand ist von vornherein dazu verurteilt (außer durch Krankheit), sein Leben als deprimierter Übergewichtiger fristen zu müssen. Es gibt Mittel und Wege, diesem Schicksal zu entrinnen, auch wenn es oft nahezu unmöglich erscheint. Nehmen Sie sich meine Geschichte einmal kurz zu Herzen, ich sage Ihnen ganz einfach: es IST möglich, denn ich bin das lebende Beispiel dafür.

Ich kann mich noch sehr gut an das strahlende Lachen meines Hausarztes erinnern, als er mich das erste Mal mit meinem Normalgewicht gesehen hat. Er war in meine Pläne nicht eingeweiht gewesen, ich hatte mein Programm ganz alleine abgespult und durchgezogen. Noch Jahre später hat er mir bei jedem Besuch stolz erzählt, dass wenn immer Übergewichtige bei ihm waren und ihm ihr Leid geklagt hatten, er ihnen mit den Worten Trost zugesprochen hat "ich weiß, dass es geht. Einer meiner Patienten hat es geschafft." Und dann hat er mit meiner Geschichte "angegeben", wie er mir dann immer stolz erzählt hat.

In der Folge möchte ich Ihnen nun erzählen, wie ich es geschafft habe, wie ich vom Fettkoloss zum ganz normal schlanken Mann geworden bin, der sein Normalgewicht hat und auch halten kann, ohne dabei zu hungern, und sich trotzdem so manche Kleinigkeit zwischendurch gönnen kann, ohne wieder in sein altes Leiden zu verfallen und zuzunehmen. Ich habe es geschafft, und das können Sie auch.

Zuerst möchte ich darauf hinweisen, dass mein Weg sehr extrem war, und zwar in jeder Hinsicht. Beinahe 70 kg in 5 Monaten abzunehmen, war gesundheitlich nicht unbedenklich, und ich würde Ihnen nicht raten es mir auf dieselbe Art gleichtun zu wollen. Doch wenn ich Ihnen gewisse Anregungen geben darf und Sie vielleicht ein wenig ermuntern kann, Sie vielleicht die eine oder andere Idee aus meinen Ausführungen herauslesen und für sich nützen können, dann würde ich mich sehr darüber freuen.

Mein Weg war extrem. Ich habe von heute auf morgen praktisch nichts mehr gegessen, mich nur mehr von Obst und Gemüse ernährt, wenig Brot und höchstens mageren Käse und Schinken, alles mit Gemüse angereichert, und das unbekannte Land "Salat" für mich entdeckt. 1000 Kalorien pro Tag habe ich lange Zeit nicht mehr erreicht, meine Kalorienzahlen blieben immer dreistellig. Regelmäßiges essen war ein Geheimnis, morgens mehr, mittags mäßig, abends sehr wenig, und zwar spätestens um 19 Uhr. Danach im Extremfall bei Hungerattacken - die ich anfangs natürlich auch hatte - ein mageres Fruchtjoghurt.

Das weitaus größere Geheimnis des Erfolgs aber ist die Bewegung. Regelmäßige Bewegung, und zwar mit einem gewissen Ehrgeiz betrieben, seine Leistung immer zu steigern. Ich habe Ihnen in meiner Geschichte von SQUASH erzählt, und dass ich mich genierte, diesen Sport auszuüben. Nun, im Zuge meiner Initialzündung bin ich auch hier über meinen Schatten gesprungen, habe die gaffenden Zuschauer ignoriert, und schnell Gefallen an diesem tollen Sport gefunden. SQUASH ist immens schweißtreibend und hat mir in Kombination mit anderen Sportarten geholfen, mein Gewicht so schnell zu verlieren. Es führt kein Weg am Sport vorbei, will man abnehmen. Und erst recht führt kein Weg daran vorbei, will man sein Gewicht danach halten und gesund bleiben. Der Unterschied ist der, dass der Sport anfangs durchaus als Qual empfunden wird, das war bei mir nicht anders. Doch bald wird er zum Kumpel, den man nicht mehr missen möchte, weil er einem gut tut, und spätestens dann, wenn Sie die Ergebnisse an sich selbst bemerken, wird er zum guten Freund, den Sie gerne und oft sehen wollen.

Meine erste Begegnung mit dem Sport beim Abnehmen war die, dass ich mir eine kleine Runde im Wald gesucht habe, die knapp einen Kilometer lang war. Diese Runde wollte ich mehrmals die Woche laufen und dabei meine Zeit messen, um mich selbst zu fordern und zu besseren Leistungen anzustacheln. Ich weiß noch sehr gut, wie meine erste Runde damals ablief. Ich startete die Stoppuhr und lief los, wollte klugerweise nicht zu schnell beginnen, um die Runde von einem Kilometer Länge auch gut durchzuhalten. Es war ein wunderschöner Sommertag, ich genoss die frische Waldluft, und nach exakt 100 Metern war ich so erledigt, dass es vorbei war mit Laufen. Die restlichen 900 Meter musste ich gehen.

Was kam ich mir damals lächerlich vor ! Aber 153 kg wollen schon mal bewegt werden, da ist eine Menge Kraft nötig. Ich ließ mich aber nicht entmutigen und kämpfte weiter, jeden zweiten Tag fuhr ich wieder zu meinem kleinen Wäldchen, begab mich auf die Runde, und es wurde von Mal zu Mal besser. So kam es, dass ich nach zwei Wochen und bereits 15 kg weniger die Runde zum ersten Mal durchlaufen konnte, ohne anzuhalten. Meine Zeit dafür lag bei knapp 7 Minuten. Und sie wurde von Mal zu Mal besser, weil ich jedes Mal weniger Gewicht mit mir herumschleppen musste. Nebenbei fuhr ich viel mit dem Rad, war oft im Schwimmbad, und spielte jedes Wochenende eine halbe Stunde SQUASH. Die Gleichmäßigkeit beim Sport und die Regelmäßigkeit und Disziplin beim Essen gingen Hand in Hand und führten zu beinahe täglich sichtbaren Ergebnissen. Ganz abgesehen davon fühlte ich mich von Tag zu Tag besser, konnte mich schneller bewegen, und eines schönen Tages konnte ich zum ersten Mal den Zeiger der Personenwaage sehen, ohne mich über meinen Bauch vorbeugen zu müssen. Das war ein großer Augenblick für mich, doch noch größer war der, als der Zeiger meiner Waage nicht mehr über die 120-kg-Marke hinausschoss und die Skala wieder bei 0 anfing - ich also immer zu den 120 kg noch bis zu 33 kg hinzuzählen musste - sondern der Zeiger erstmals vor dem Ende der Skala stehen blieb. Das war für mich ein zusätzlicher Motivationsschub, und ich blieb am Ball, mein nächstes Ziel war, in die zweistellige Zone zu kommen.

Ich lernte, wie belastbar mein Körper war, lernte ihn besser kennen, wie er reagierte, wann ich am besten Sport machen sollte, um die größten Erfolge zu erzielen, was ich wann essen musste, um mich einerseits wohl zu fühlen, und andererseits dabei abzunehmen. Mit beinahe wissenschaftlicher Akribie ging ich an die Sache heran, und die anfangs rigoros eingehaltene Diät wurde mit der Zeit zu meiner normalen Ernährung. Ich erkannte, welche Sünden ich meinem Körper früher zugemutet hatte und versuchte nun, ihn durch einigermaßen gesunde und vernünftige Ernährung zu entschädigen. Denn das war das Hauptziel, nicht nur schlank zu werden, sondern eine Ernährungsform zu finden, die gesund ist, dem Körper genug zuführt, um nicht hungrig durchs Leben zu gehen, sondern sein Gewicht möglichst problemlos zu halten.

Mehr und mehr wurde mir klar, wie viel sich bei einer Abmagerung - egal in welchem Ausmaß - im Kopf abspielt. Darauf stellte ich mich ein, und ich wurde mir immer mehr meines Körpers bewusst, lernte, wie er am besten funktionierte, und wie ich ihn möglichst effektiv am Laufen hielt, ohne ihn dabei zu überfordern. Es war eine Erfahrung, die mir noch heute hilft, nach der ich noch heute lebe. Disziplin ist dabei das Zauberwort, doch sie allein macht es nicht aus. Es ist im Gegenteil so, dass man seinen Körper und damit auch seine Seele hin und wieder belohnen muss, das ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Ernährung. Sich selbst nur zu kasteien und zu quälen, ist der falsche Weg.

Als ich mich der 100-kg-Marke näherte, wurde ich beinahe euphorisch. Als der Hunderter dann endlich fiel, war das für mich ein Glücksgefühl, das unbeschreiblich ist. Denn nun wusste ich, ich habe es bis hierher geschafft, also würde ich es auch bis zum Ende schaffen, und ich ging meinen Weg beständig und geduldig weiter. Ich möchte nicht verhehlen, dass ich auch mit Rückschlägen zu kämpfen hatte. An manchen Tagen nahm ich trotz eiserner Disziplin und viel Sport nichts ab, manchmal sogar zu. Doch ich ließ mich davon nicht aus der Fassung bringen sondern lernte zu akzeptieren, dass der Körper manchmal eine Eigendynamik entwickelt und nicht so reagiert, wie man es erwartet. Doch gerade diese Momente waren es, die mich stark gemacht haben, weil ich sie nicht zum Anlass genommen habe, abzubrechen, sondern im Gegenteil gelernt habe, damit zu leben, geduldig zu sein, und ein paar Tage ohne Effekt zu überdauern, denn nach diesen Tagen ging es ja wieder weiter. Es galt nur, konsequent zu bleiben und sich nicht beirren zu lassen, man musste seinem Körper die Zeit lassen, die er brauchte. Und nach ein paar Tagen ohne Gewichtsabnahme ging es wieder weiter.

Natürlich wurden die täglichen Gewichtsverluste weniger, rechnete ich anfangs noch mit bis zu drei Kilogramm täglich, war es bald nur mehr ein Kilogramm, und je näher ich der Schallmauer von 100 kg kam, desto weniger nahm ich täglich ab, bewegte mich bald nur mehr im Dekabereich. Doch das hielt mich nicht davon ab, konsequent meinen Weg zu gehen, denn ich wusste, diesmal würde ich es schaffen, weil meine Einstellung zum Abnehmen eine ganz andere war als früher. Ich machte keine Diät im herkömmlichen Sinne, sondern ich hatte meine Ernährung komplett umgestellt, und gab meinem Körper gleichzeitig das, was er brauchte, um die zugeführten Kalorien zu verbrennen bzw. richtig zu verwerten: ich machte Sport, vor allem in der freien Natur. Diese beiden Dinge zusammen sind das eigentliche Geheimnis des Abnehmens, das Geheimnis meines Erfolges, und der Weg, den man gehen muss, um sein Wunschgewicht zu erreichen und auch zu halten.

Nach viereinhalb Monaten war die 90-Kilo-Marke erreicht, ich stand unmittelbar vor meinem Ziel,

und das hieß 87 kg. Denn bei einer Körpergröße von 1,87 m ist 87 kg das Normalgewicht, das medizinisch gesehen anzustreben ist, um gesund leben zu können. Die letzten 3 Kilo verlor ich in den letzten 2 Wochen, wobei es nun schon relativ langsam ging, was aber ganz normal ist, denn der Körper gewöhnt sich daran, dass er mit weniger Nahrung auskommen muss, trotzdem aber effektiv arbeiten soll. Er lernt also, die Ressourcen besser zu nutzen, braucht weniger, um gut zu funktionieren, und will naturgemäß sehr gebeten werden, wenn er wieder Gewicht abbauen soll. Aber das war in meinem Fall fortan nicht mehr notwendig, nach 5 Monaten hatte ich mein Ziel erreicht, ich wog genau 87 Kilogramm.

Dieser Tag war ein Triumph für mich, den ich in vollen Zügen genoss. Meine Familie, Freunde und Bekannte gratulierten mir begeistert, Leute, die mich früher kannten, erkannten mich jetzt nicht mehr, und in den Augen meiner Kollegen war ich als Mann mit extrem starken Willen bekannt geworden, als der, der es geschafft hat. Genaugenommen hatte ich gewichtsmäßig so manchen meiner Kollegen abgebaut, denn meine Endbilanz sah so aus, dass ich in 5 Monaten 66 kg abgenommen hatte.

Zu meiner körperlichen Leistungsfähigkeit sei nur kurz angemerkt, dass ich die kleine Waldrunde mit der Länge von einem Kilometer, die ich anfangs in 7 Minuten gelaufen bin, nach meiner Gewichtsreduktion in 3 Minuten 30 Sekunden gelaufen bin. Das war mein persönlicher sportlicher Erfolg.

Wie anfangs erwähnt, habe ich den extremen Weg gewählt, habe meinen Körper an seine Grenzen geführt, was zwar sehr effektiv, aber extrem unvernünftig war. Doch es geht auch anders, auf eine etwas gemäßigtere Art. Ich möchte Ihnen nun ein paar Tipps geben, wie Sie ihren eigenen Weg finden und auch gehen können, um Ihr eigenes Ziel zu erreichen.

Vorerst sollten Sie dieses Ziel einmal definieren. Was wollen Sie erreichen, wie viel wollen Sie abnehmen ? Und dann sollten Sie gleich einmal realistisch werden und sich ein Ziel setzen, das Sie auch erreichen können. Versuchen Sie nicht, auf einmal Ihr Traumgewicht zu erreichen. Natürlich sollten Sie ein Endziel ins Auge fassen, doch versuchen Sie, es auf Etappen zu erreichen, kleine Zwischenpunkte, die sie sich als Zwischenziele setzen, die Sie aber immens motivieren werden, wenn Sie sie erreicht haben. Und wenn Sie es richtig machen, werden Sie diese Ziele auch erreichen.

Natürlich klingt diese Weisheit sehr altklug, aber ich muss ganz offen sagen: es ist so !

Der zweite Schritt sollte so aussehen, dass Sie sich einmal verdeutlichen, WIE Sie dieses Ziel erreichen wollen. Grundsätzlich möchte ich zu der Kombination raten, die mir auf meinem Weg geholfen hat: eine vernünftige Ernährung, gepaart mit ausreichend Bewegung und ein kleines bisschen Leistungssport. Ich will Sie nicht zum Spitzensportler machen, es ist schon toll, wenn Sie es schaffen, regelmäßig joggen zu gehen. Aber um sich selbst immer wieder zu fordern ist es notwendig, auch beim Sport Ziele zu setzen. Und glauben Sie mir, das Glücksgefühl, wenn Sie diese Ziele erreichen, sprich eine gewisse Strecke bei jedem Versuch etwas schneller laufen, dieses Glücksgefühl ist die beste Motivation, weiterzumachen.

Also wenden wir uns der einfacheren Komponente des Zweikomponentensystems zu: dem Sport. Wenn Sie dreimal wöchentlich eine halbe Stunde laufen, ist das schon sehr gut. Lassen Sie sich dabei keinesfalls entmutigen, wenn Ihnen die Puste nach kurzer Zeit ausgeht. Laufen Sie, so gut es geht, und so lange sie keine Probleme dabei haben. Wenn Sie nicht mehr können, gehen Sie ganz einfach weiter, atmen dabei sehr gleichmäßig, und bald werden Sie weiterlaufen können. Das machen Sie dann auch. Bald werden Sie merken, dass Sie Strecken, die Sie anfangs nicht durchlaufen konnten, ohne Pause laufen können. Das ist der erste Schritt auf dem langen Weg zum großen Ziel. Wenn Sie das geschafft haben, setzen Sie sich neue Ziele, z.B. dieselbe Strecke auf Zeit zu laufen, oder die Strecke zweimal zu laufen.Wichtig ist, dass Sie entweder versuchen, sich zu verbessern, oder auf einem Level einpendeln, der Ihnen Spaß macht, und Sie sich aber trotzdem ein bisschen anstrengen müssen, um diesen Level zu halten.

Es ist überhaupt ein gutes Training, wenn Sie z.B. 30 Sekunden laufen, dann eine Minute gehen, danach wieder 30 Sekunden laufen, eine Minute gehen, solange es Ihnen Spaß macht. Sie werden merken, dass diese anfangs einfach erscheinende Übung Ihnen bald sehr viel abverlangt. Kommen Sie ruhig dabei ins Schwitzen, aber überfordern Sie sich nicht dabei. Machen Sie es nur so lange, wie es Ihnen Spaß macht. Quälen Sie sich nicht unnötig. Wenn Sie nach einigen Tagen diese Übung beherrschen, verändern Sie die Zeiten, laufen z.B. 30 Sekunden, und gehen dann nur mehr 45 Sekunden. Bald werden Sie im Verhältnis 1:1 laufen bzw. gehen, und werden dabei feststellen, dass diese einfache Übung gut für die Laufkraft ist.

Ich will hier nicht wissenschaftlich werden und Ihnen zum Benutzen einer Pulsuhr raten. Das ist zwar ein sehr gutes technisches Detail, weil man immer kontrollieren kann, ob man im richtigen Pulsbereich läuft.

Allerdings habe ich z.B. so etwas damals bei meiner Kur gar nicht gekannt, sondern bin einfach so gelaufen, wie ich es mir selbst zugetraut habe, nicht zu schnell und nicht zu langsam. Man bekommt bald ein Gefühl dafür, welches Tempo richtig ist, um abzunehmen. Gleichmäßigkeit ist das Zauberwort. Darum sollten Sie im fortgeschrittenen Stadium - wenn Sie beim Laufen schon einige Zeit durchhalten - auch variieren, d.h. an einem Tag laufen Sie gleichmäßig auf Ausdauer, an einem anderen Tag auf Leistung nach dem 1:1 Prinzip wie oben beschrieben. Sie werden einerseits Kraft und Kondition tanken, andererseits dabei auch das Abnehmen fördern, in jedem Fall aber dem Körper etwas Gutes tun.

Ein kleiner Hinweis: betreiben Sie keinen Kraftsport ! Fitnessstudios sind zwar gut und schön, allerdings zum Abnehmen denkbar ungeeignet. Meiden Sie die Kraftkammer und Übungen mit Gewichten, denn davon bekommen Sie Muskeln, und Muskeln sind schwerer als Fett. Sie würden zwar schlanker erscheinen, aber gewichtsmäßig kaum etwas verlieren, sondern eher zunehmen. Darauf sollten Sie immer achten, Sport auf Ausdauer zu betreiben, weniger auf Kraft.

Wenn Sie dann nach einiger Zeit schon längere Strecken durchlaufen können, entweder eine Stunde ohne Pause oder 10 Kilometer, können Sie sich der nächsten Herausforderung stellen: verlassen Sie die Ebene und versuchen Sie, ein wenig am Berg zu laufen. Suchen Sie sich eine leicht hügelige Strecke, aber keine zu großen Steigungen. Denn ein Berglauf ist wesentlich effizienter als in der Ebene, strengt aber auch viel mehr an. Diesen Schritt machen Sie bitte erst, wenn Sie sich körperlich gut genug fühlen. Dann wiederum nach demselben Schema, erst eine kleine Strecke laufen, dann wieder gehen, immer dieselbe Strecke, bis Sie diese Strecke in einem durchlaufen können. Setzen Sie sich - erreichbare - Ziele und arbeiten Sie an sich. Jeder kleine Erfolg wird Sie weiter motivieren.

Ich habe anfangs am Berg sehr gekämpft, denn natürlich bin ich die Sache wie ein Profi angegangen. Ich hatte ja schon einige Kilos abgenommen, klar, dass ich jeden Berg sofort im Sturm nehmen würde. Von wegen schön langsam und immer nur kleine Steigungen und so. DENKSTE ! Ich habe sehr bald bemerkt, dass Laufen am Berg zwar viel schöner ist als in der Ebene, aber ungleich anstrengender. Also habe ich auch begonnen, leichte Steigungen zu suchen, denen immer wieder ebene Teile folgten, und bin solche Strecken dann so oft gelaufen, bis es mir immer leichter fiel. Erst dann wagte ich mich an größere Herausforderungen. Heute bin ich so weit, dass ich einfach am Fuß eines Berges drauflos laufe, und je nach Lust und Laune Steigungen laufe, dann wieder ebenere Flächen, einfach ohne Plan, solange ich kann, und so lange es mir gefällt. So macht es Spaß, ist gesund und hilft, das Gewicht zu halten.

Laufen Sie regelmäßig, ausdauernd, immer zur selben Tageszeit. Dann werden Sie am besten merken und beurteilen können, wie Ihr Körper darauf reagiert, was Sie sich zutrauen können und sollen. Laufen Sie alleine oder in Gesellschaft, aber laufen Sie, um der körperlichen Ertüchtigung wegen. Reden Sie nicht mit Ihrem Laufpartner, außer kurze Anweisungen, atmen Sie lieber regelmäßig. Außerdem, wenn Sie so langsam laufen, dass Sie mit Ihrem Laufpartner reden können, lassen Sie es lieber beim Spazierengehen bleiben. Denn so zu laufen bringt nichts, es fördert höchstens die falsche Atmung.

Fahren Sie mit dem Rad, schwimmen Sie, spielen Sie Tennis, Squash, Volleyball, Fußball, ganz egal was, aber treiben Sie Sport. Genieren Sie sich nicht ob Ihrer Optik, denn um die zu verbessern, sporteln Sie ja. Bewegen Sie sich regelmäßig, am besten täglich, versuchen Sie, bei jeder Sportart ein Ziel zu erreichen, und immer besser zu werden, bis Sie ein bestimmtes Niveau erreichen und problemlos halten können. Werden Sie kein Spitzensportler, sondern sehen Sie den Sport als Fördermittel zum Abnehmen, und machen Sie ihn zu Ihrem ständigen Freund und Begleiter. Ihr Körper wird es Ihnen danken und wir Ihnen auch sagen, ob er mehr oder weniger davon haben will. Hören Sie auf ihn, aber lassen Sie sich nicht dazu hinreißen, wieder faul zu werden.

Und vergessen Sie bei all dem Sport vor allem eines nicht: Dehnungsübungen. Die sind immens wichtig, vor dem Sport wie nach dem Sport, auch wenn es manchmal entsetzlich lächerlich aussieht, wenn man dehnt, man tut dem Körper Gutes und vermindert die Verletzungsgefahr. Doch auch beim Dehnen gilt dieselbe Hauptregel wie beim Sport selbst: alles mit Maß und Ziel, überfordern Sie sich nicht, gehen Sie alles schön langsam an, und steigern Sie bei Bedarf die Intensität. Nicht mit der Tür ins Haus fallen, sondern schön langsam zuerst den Schlüssel ins Schloss stecken, ihn langsam herumdrehen und die Tür sanft aufdrücken. Nicht das Tempo zählt, sondern die Gleichmäßigkeit.

So habe ich's gemacht, so hat's bei mir funktioniert, warum also sollte es bei Ihnen nicht funktionieren? Bleiben Sie konsequent, und vor allem, seien Sie geduldig. Überfordern Sie sich nicht, sondern eginnen Sie langsam und steigern Ihre Leistungsfähigkeit. So macht es Spaß und ist gesund. Tragen Sie auch Ihre Leistungen in Tabellen ein, ebenso wie Ihr Gewicht, und Sie werden den Erfolg auch auf dem Papier oder am PC sehen können, das motiviert zusätzlich. Lassen Sie sich von Rückschlägen oder Leistungsschwankungen nicht entmutigen, die gibt es auch bei Spitzensportlern. Bleiben Sie geduldig und konsequent, machen Sie den Sport zu Ihrem Freund und täglichen Begleiter.

Die zweite Komponente, auf der ein gesünderes Leben aufbaut, ist die Ernährung. Ich habe während meiner zahllosen Versuche etliche Diäten ausprobiert, die allesamt geholfen haben, mein Gewicht zu reduzieren. Allerdings nur für kurze Zeit, um bald nach dem Ende der Diät genau das Gegenteil zu bewirken, nämlich abermals Gewichtszunahme, und zwar immer mehr, als man mit Hilfe der Diät abgenommen hatte. Dieser berühmt-berüchtigte Jojo-Effekt tritt bei fast allen Diäten auf: sobald man mit der Diät aufhört, nimmt man in kürzester Zeit wieder zu. Fazit: VERGESSEN SIE DIÄTEN !!!!!!!!!!!

Unbestritten ist, dass viele davon zum Abnehmen geeignet sind. Aber ebenso unbestritten ist, dass sie in keinem Fall dafür geeignet sind, sein Gewicht zu regulieren, ohne dabei zu hungern. Eine Diät ist nur eine Maßnahme, die den Anstoß dafür liefern kann, abzunehmen. Wenn man während der Diät beginnt, seine Ernährung sukzessive umzustellen, dient sie als Unterstützung. Trotzdem sollte man aber lieber gleich Versuchen, seine Ernährung und seine Essgewohnheiten umzustellen, das ist zwar anfangs schwierig, bringt im Endeffekt aber mehr als eine Diät, weil Sie auf gesunde Art abnehmen und Ihren Körper dabei gleich auf die neue Kost und andere Mengen einstellen. Bei einer Diät muss sich der Körper zweimal umstellen, nämlich beim Beginn der Diät, und beim Ende. Das ist also eine doppelte Belastung, die ich an Ihrer Stelle unbedingt vermeiden würde. Denn die Belastung ist nicht nur körperlicher, sondern auch psychischer Natur.

Die Frage ist nun also: wie soll man seine Ernährung umstellen, wie soll man sich vernünftig und gesund ernähren ? Wie sind regelmäßige Essenszeiten mit dem Beruf vereinbar ? Gibt es einen allgemein gültigen Plan dafür, was man essen soll, wann man es essen soll, und wie viel man essen soll?

Gleich vorweg, eine allgemein gültige Formel gibt es nicht. Es gibt nur diverse Richtlinien, die man befolgen sollte. Da aber jeder Mensch anders auf verschiedene Einflüsse reagiert, gilt es, für sich selbst die beste Lösung zu finden, sich aus den allgemeingültigen Regeln die richtigen herauszusuchen, und sie auf sich selbst, seinen eigenen Körper, anzuwenden. Lassen Sie mich anhand meiner selbst erklären, wie so etwas aussehen kann.

Als dicker Mensch ernährte ich mich vor allem von viel Brot, Fleisch, Wurst, Käse, so gut wie keinem  Gemüse, dafür aber umso mehr Leckereien aus der Backstube. Keine Torten, aber alle möglichen tollen österreichischen Bäckerwaren, Nussschnecken, Powidlkolatschen, Cremeschnitten, Nougatschnitten etc. Gegessen habe ich, wann immer ich Hunger hatte. Und den hatte ich eigentlich sehr, sehr oft. Morgens gab es Kaffee mit 2 Buttersemmeln, oder Kipferln, Croissants oder was immer man mit Butter bestreichen konnte. Mittags dann meistens Fleisch oder auch Teigwaren, immer ohne Gemüse, dafür aber recht ordentliche Portionen. Zwischendurch naschte ich sehr gerne, Schokolade in jeder Form war und ist nach wie vor mein größtes Laster. Abends gab es dann noch Wurstbrote oder diverse Brötchen oder Weckerl, immer mit Wurst und Käse belegt. Die einzige Form von Gemüse, die es bei mir gab, waren Pommes Frites, Kartoffelpuffer, Kartoffelpüree, also nicht wirklich Gemüse, wie man es essen sollte. Der Abend zog sich dann bis in die Nacht, womit ich sagen will, dass ich selbst um 22 Uhr nochmals gegessen habe.

Wenn man diesen vorherigen Absatz mal ganz nüchtern analysiert, strotz er nur so vor Eßsünden. Ernährungstechnisch gesehen war mein Leben als dicker Mensch eine extreme Zumutung für meinen Körper, und obwohl es mir immer gut geschmeckt hat, muss ich mich doch im Nachhinein noch dafür bei ihm entschuldigen, dass ich ihn jahrelang dermaßen gequält habe. Eigentlich muss ich dankbar sein, dass er trotzdem noch so gut funktioniert. Denn ganz abgesehen von der angeschlagenen Optik, die ein Dicker ertragen muss, ist sein Körper ja noch viel schlimmer belastet. Der größte Fehler der Dicken ist, dass sie die Spätfolgen ignorieren, die bis hin zum verfrühten Tod führen können.

Ab dem Moment, wo meine große Gewichtsreduktion begann, habe ich meine Ernährung komplett umgestellt. Noch bevor ich mir darüber den Kopf zerbrochen habe, WAS ich essen sollte, habe ich mir so meine Gedanken gemacht, WIE und WANN ich essen sollte. Diese zwei oft unterschätzten Merkmale sind die wichtigsten Säulen einer vernünftigen und gesunden Ernährung. Ich stellte also zuallererst einen Zeitplan auf, wobei ich mir sehr genau überlegte, wann es möglich war wie viel zu essen, denn der Beruf muss bei einer solchen Planung natürlich auch berücksichtigt werden. Nach reiflicher Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass meine Ernährung berufsbedingt so aussehen würde: kein echtes Frühstück, dafür in der Vormittagspause, wenn andere Kollegen genüsslich ihren Kaffee schlürften, etwas Obst oder Joghurt. Mittags dann eine Mischung aus Fleisch und Gemüse. Nachmittags abermals Obst, und abends wiederum etwas Brot, Schinken und Gemüsebeilage. Das war die Grundidee, ein Speiseplan, auf dem meine weitere Ernährung aufbauen sollte. Dabei habe ich vor allem berücksichtigt, dass ich eigentlich dieselben Dinge auf dem Speiseplan hatte, die ich früher auch gerne gegessen habe. Nur teilweise in anderer Form, selbstverständlich in anderen Mengen, vor allem aber mit Gemüsebeilagen und zu möglichst täglich wiederkehrenden Zeiten.

Das Abendessen fand spätestens um 19 Uhr statt, und war mit den früheren Exzessen nicht mehr vergleichbar. Dafür war es gesünder, und ließ mich nachts auch viel besser schlafen, denn ein voller Bauch schläft nicht gut, wacht am nächsten Morgen meistens mit einem flauen Gefühl im Magen auf, der nicht selten in echter Übelkeit endet. Außerdem arbeitet der Körper nachts auf Sparflamme, also bleiben jene tollen Leckereien, die man sich spätabends gönnt, unverdaut im Magen liegen. Wenn man also am nächsten Morgen aufsteht und ans Frühstück denkt, ist der Magen gerade damit beschäftigt, das Abendessen des Vortages zu verdauen. Sie können sich vorstellen, wie er sich freut, wenn er mitten in seiner ohnehin nicht leichten Arbeit von seinem Arbeitgeber wieder eine entsprechende Menge dazubekommt. Die Belastung ist schon am Morgen sehr groß, und hat einen entsprechenden Einfluss auf die restlichen Körperfunktionen. Sodbrennen und Magenschmerzen sind nur ein paar kleine Auswirkungen davon.

Ab dem Moment, wo ich meinen regelmäßigen Zeitplan gefunden und auch einhalten konnte, ging es mir trotz Übergewicht schon viel besser. Der Körper stellte sich sehr schnell um, und dankte die merkliche Entlastung der Verdauungsorgane durch ein besseres Wohlgefühl, dem bald die Freude über mehr Leistungsfähigkeit in jedem Bereich, sowie der deutlich sichtbare Gewichtsverlust folgten. Der erste Schritt war getan, ein regelmäßiger Speiseplan erstellt, mein Körper wusste, wann er etwas bekommen würde, und stellte sich sehr gut darauf ein.

Sie werden nun mit Recht sagen, dass ich mich ja unheimlich gequält haben muss, weil ich wegen der plötzlichen Umstellung ganz furchtbar hungern musste und ständig einen knurrenden Magen gehabt haben muss. Dem war aber ganz und gar nicht so, denn ich habe im Zuge meiner vielen Diäten und insgesamt 3 Kuraufenthalten (wobei nur einer davon zum Abnehmen war, die anderen wegen Rückenproblemen infolge meines Übergewichts) viel darüber gelernt, WIE man essen sollte. Denn nicht nur die Art und Menge der Nahrung macht eine gesunde Ernährung aus, sondern vor allem die Art und Weise, WIE man isst. Zu meinen besten Zeiten tischte ich mir Unmengen auf und war sehr bedacht darauf, diese recht zügig zu verspeisen, denn da war der Genuss viel größer, und außerdem brachte ich dadurch auch alles zeitgerecht in meinem Magen unter. Und das ist schon der allergrößte Fehler, den man machen kann. Denn man sollte langsam essen, langsam und bedacht genießen.

Jeder Bissen, den man zu sich nimmt, sollte mindestens 20 Mal gekaut werden. Prüfen Sie sich selbst einmal, und Sie werden feststellen, dass Sie meistens nicht einmal auf 10 Kaubewegungen kommen, ehe Sie schlucken. Das hat zwei wesentliche Nachteile: das Hungergefühl bleibt länger erhalten, und der Magen bekommt teilweise komplett unverdaute Nahrung, was seine Arbeit wesentlich erschwert.

Diese Tatsache wiederum merken wir dann durch Sodbrennen oder Unwohlsein und Völlegefühl. Das Zauberwort hierbei heißt "langsam". Nehmen Sie einen Bissen zu sich, kauen Sie ihn langsam durch, mindestens 20 Mal. Denn dabei wird die Nahrung in der Mundhöhle eingespeichelt und vorverdaut, kommt schon fein zerkleinert in den Magen, und der hat dann leichtes Spiel. Der Nebeneffekt bei dem langsamen Kauen ist der, dass das Hungergefühl schwindet. Denn Sie essen in erster Linie mit den Augen. Der Magen signalisiert dem Gehirn sehr bald, dass er eigentlich genug hat. Die Augen aber sehen, dass noch jede Menge da ist, und Sie bilden sich ein, immer noch hungrig zu sein, obwohl Sie aber sicher schon genug gegessen haben.

Diesen Effekt kann man kontrollieren, allerdings muss man einige Zeit große Selbstdisziplin dafür aufwenden. Wenn man das allerdings einmal geschafft hat und bewusst essen kann, langsam die Nahrung mit genug Kaubewegungen zerkleinert, hat man schon den größten Schritt zur richtigen Ernährung getan. Denn durch dieses langsame und bewusste Essen ist man viel früher satt als sonst, hört früher auf zu essen, und nimmt logischerweise bei weitem nicht so viel zu sich, als wenn man mehr mit den Augen isst und sich von den optisch fein zubereiteten Leckereien verführen lässt.

Lassen Sie mich dabei bitte eines klarstellen: der Mensch isst mit den Augen, und was schön zubereitet aussieht, verführt dazu, alles schnell aufzuessen. Das sieht im ersten Augenblick so aus, aber dem kann man sehr leicht entgegenwirken. Erstens isst man ja langsam und bewusst, was zur Folge hat, dass man schneller satt ist und gar nicht mehr weiteressen kann, auch wenn die Speisen noch appetitlich aussehen. Zweitens kann man sich selbst ein wenig überlisten, indem man die Speisen mit viel Liebe zubereitet und sich dabei möglichst viel Zeit lässt. Denn schon beim Zubereiten kann man den ersten großen Hunger abbauen, und bis man dann wirklich zum Essen kommt, ist der Hunger zwar noch da, aber lange nicht mehr so groß wie bei der Zubereitung der Speise. Langsames und bedachtes Essen und Kauen tut dann ein übriges, um den Hunger sehr rasch zu stillen, und bald mit einem wohligen Sättegefühl wieder vom Tisch aufstehen zu können. Bedenken Sie all diese Dinge und handeln danach, wird Ihr Magen es Ihnen danken, und sein Wohlgefühl auf den ganzen Körper ausstrahlen. Vorbei die Zeiten, wo man nach dem Essen, das meist viel zu üppig war, am liebsten ins Bett gekippt wäre, um sich von der anstrengenden Tätigkeit bei Tisch auszuruhen. Sie werden feststellen, dass durch diese Art der Ernährung Ihre  Leistungen in jedem Bereich des Lebens besser werden, die dafür aufgewendeten Anstrengungen aber wesentlich weniger.

Damit wäre das WANN und das WIE eigentlich abgehandelt, ergänzen möchte ich dieses Thema noch mit dem Kapitel SPORT. Der Sport sollte möglichst VOR dem Essen gemacht werden, wobei Sie die Art des Sports immer auf das folgende Essen abstimmen sollten. Strengen Sie sich nicht zu viel an, bevor sie etwas essen, und versuchen Sie, nach dem Sport zuerst eine entsprechende Ruhepause einzulegen.

Während dieser Ruhepause können Sie ja schon langsam mit der Zubereitung der Mahlzeit beginnen, was Ihnen auch schon wieder einen Teil des Hungers nimmt. Sie essen weniger, sind aber trotzdem satt, und fühlen sich dabei auch wohl.

Als aufmerksamer Leser werden Sie schon einige Male festgestellt haben, dass sich bei der Ernährung sehr viel im Kopf abspielt. Das ist absolut richtig, und je mehr man sich selbst beeinflussen kann, desto leichter fällt es, seinen Körper davon zu überzeugen, WAS und WIEVIEL er wirklich braucht. Er wird Ihnen sicher oft sagen wollen, dass er eigentlich mehr bräuchte, doch mit ein wenig Disziplin werden Sie ihn bald vom Gegenteil überzeugt haben. Er wird es verstehen, sich darauf einstellen, und Sie werden ein viel harmonischeres und gesünderes Leben zusammen führen können.

Zum Thema WAS man essen soll, um einerseits abzunehmen und andererseits schlank zu bleiben, muss ich sagen, dass es zwar allgemeine Richtlinien, aber kein Allheilmittel gibt. Wenn Sie allerdings das WANN und WIE diszipliniert durchführen, ist das WAS gar nicht mehr so extrem wesentlich. Das wird Sie jetzt vielleicht überraschen, es ist aber wirklich so.

Die Richtlinien sehen ungefähr so aus: wenig Fett, keine tierischen Fette, wenig Brot oder Gebäck, wenn möglich Schwarzbrot und Mehrkornbrot (ist ballaststoffreich und fördert die Verdauung). Fleisch ist absolut erlaubt, Wurst ebenso, doch sollte man auch hier auf möglichst fettarme Sorten bauen. Schinken ist fast immer eine gute Lösung, Wurst und Fleisch vom Huhn und von der Pute sowieso. Schweinefleisch sollten Sie eher selten essen, aber hin und wieder ist nichts dagegen einzuwenden. Mehlspeisen sind während dem Abnehmen zu vermeiden, wenn Sie Ihr Wunschgewicht erreicht haben, sind sie hin und wieder durchaus erlaubt, wobei man auch hier sehr gute Alternativen zu Kalorienbomben in Form von Torten finden kann. Man sollte nicht glauben, welche Leckereien man aus Topfen und Früchten zaubern kann, die oft besser schmecken als so manche Schokonusstorte. Ganz zu schweigen von dem Bruchteil an Kalorien und der wesentlich besseren Verträglichkeit.

Obst und Gemüse sind das Maß aller Dinge. Vergessen Sie die in der Werbung vielgelobten Snacks und Milchschnitten zwischendurch, das sind reine Fettbringer, die den Hunger fördern, nicht ihn stillen. Wenn Sie zwischendurch Hunger haben, essen Sie Obst oder Gemüse, ein Apfel wirkt wunder und ist gesund, eine Tomate ebenso. Ein kleiner Gemüseteller zwischendurch ist überhaupt genial, denn er ist gesund und belastet den Körper nicht, stillt aber das Hungergefühl. Ganz wichtig dabei ist die Flüssigkeitszufuhr. Sie können den Hunger auch mit entsprechender Flüssigkeitsunterstützung bekämpfen, vor und nach dem Essen etwas trinken. Die tägliche Flüssigkeitszufuhr sollte zwischen 1,5 und 2,5 Litern betragen, im Sommer eher 2,5 Liter, im Winter eher 1,5. Trinken Sie vor allem ungezuckerte Säfte bzw. Tees und Wasser. Cola oder andere Limonaden bitte nur in kleinen Mengen, denn die sind Zuckerbomben.

Generell sollten Sie in der Früh nicht zu üppig essen, eine Scheibe Brot, Magerkäse, Schinken, dazu vielleicht eine Tomate oder Perlzwiebel, jedenfalls Gemüse. Tee ist gut und gesund, ein Joghurt danach rundet das Frühstück ab. Ebenso ist ein Fruchtsalat ein sehr anregendes Frühstück, wobei Sie möglichst auf natursüße Fruchtsalate zurückgreifen sollten, die haben weniger Kalorien, schmecken aber ebenso gut wie die mit Zucker gesüßten.

Mittags gibt es viele Varianten und Möglichkeiten. Ich habe die besten Erfahrungen mit einem System gemacht, das dreimal wöchentlich Fleisch beinhaltete (jeweils mit Gemüsebeilage), zweimal wöchentlich Gemüse ohne Fleisch, einmal Teigwaren (Pasta, Spaghetti etc.), und einmal Fisch. Mit diesem Grundkonzept hatte ich kein Problem, Variationsmöglichkeiten gab es genug, langweilig war mein Essen nie. Doch auch hier gilt: man muss eine Weile herumprobieren, bis man ein System gefunden hat, das einem selbst behagt. Doch diese Suche macht durchaus Spaß, und letztendlich ja auch Sinn.

Abends war leichte Kost angesagt, meistens Gemüse, oder Topfenspeisen, ein wenig Früchte dazu, viele Kombinationen sind hier möglich. Wesentlich ist, nicht zu spät zu essen, und nicht zu üppig. Das Abendessen sollte nur mehr ein kleiner Kalorienausgleich zum Tage sein, eine Abrundung, mehr nicht. Bedenken Sie bitte immer, dass das Abendessen zum größten Teil erst am nächsten Tag verdaut wird. Je weniger Sie abends essen, und je früher, desto größer wird Ihr Wohlbefinden am nächsten Morgen sein.

Bei all diesen Vorschlägen sind einige Dinge ganz wichtig: bereiten Sie das Essen mit möglichst wenigen herkömmlichen Süßungsmitteln und Gewürzen zu. Zucker und Salz sind zum großen Teil schuld an den Gewichtsproblemen unserer Zeit. Verwenden Sie alternative Süßungsmittel bzw. wenig Zucker. Kräuter ersetzen Salz sehr effektiv, informieren Sie sich in einem Reformkostladen über adäquate Ersatzstoffe. Essen Sie nach 15 Uhr keine Rohkost mehr. Kein rohes Gemüse, kein rohes Obst. Diese Rohstoffe kann der Magen nur sehr langsam verarbeiten, er braucht dafür bis zu 24 Stunden. Machen Sie eher Salate und gekochtes Obst oder Gemüse, das ist leichter verträglich.

Natürlich ist mir klar, dass man viel Zeit braucht, um die Speisen entsprechend zubereiten zu können. Ich selbst hatte seinerzeit nicht immer die Zeit dazu. Aber da gilt es dann zu improvisieren, sich seinen eigenen Weg zu suchen. Verzweifeln Sie nicht, wenn Sie einige Zeit brauchen, bis Sie ein für Sie akzeptables System erarbeitet haben. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Sie einen Plan aufgestellt haben, den Sie auch durchführen können, ohne Ihr normales Leben zu belasten. Mit der Zeit wird alles zur Routine, und Sie werden sich irgendwann fragen, warum Sie nicht schon immer so gelebt haben. Es ist eine Frage der Zeit, es ist ja auch eine große Umstellung, manche brauchen dazu länger, andere sind schneller am Ziel. Aber lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen, jeder muss für sich selbst das richtige Maß finden. Beherzigen Sie die Richtlinien, aber variieren Sie so, dass Sie problemlos damit umgehen können. Das ist das Ziel.

Und zuletzt: bleiben Sie konsequent, lassen Sie sich durch kleinere Rückschritte nicht aus der Ruhe bringen, bleiben Sie konsequent am Ball, dann gewinnen Sie das Spiel.

Trachten Sie nur danach, das Gewicht zu erreichen und zu halten, mit dem Sie sich wohl fühlen. Vergessen Sie die Idealwerte, die Models und Industrie uns suggerieren wollen. Kein Mann möchte eine Frau, die scheppert und klappert, wenn man sie anfasst. Ein bisschen was darf ruhig dran sein, an den richtigen Stellen, und in der richtigen Menge. Das muss jeder mit sich selbst und seinem Partner ausmachen.

Ich selbst bin auch kurz einmal dem Wahn verfallen und wollte unbedingt mein Idealgewicht haben. Das war 12 Jahre nach meiner großen Gewichtsreduktion, da hatte ich zwar immer noch mein Normalgewicht, das der Körpergröße minus 100 entsprach, doch wollte ich wenigstens einmal im Leben von mir sagen können, mein Idealgewicht haben zu können. Das wären Körpergröße minus 100 minus 10 %. Also machte ich mir noch einmal den Spaß, ging es wieder schärfer an, reduzierte meinen Speiseplan abermals und sportelte drauf los. Und binnen 3 Wochen war es auch geschafft, mit erhabenem Haupt stieg ich auf die Waage und nahm erfreut zur Kenntnis, dass ich exakt 77 kg wog ! Ich hatte an diesem Tag also mein ursprüngliches Gewicht von ehemals 153 kg eigentlich halbiert ! Doch als ich mich im Spiegel betrachtete, gefiel ich mir nicht so richtig. Da waren die Rippen allesamt einzeln abzuzählen, der Bauch sah eingefallen aus, das Gesicht ziemlich knöchern. Meine Familienmitglieder waren entsetzt, manche meiner Freunde dachten im ersten Moment, ich hätte Aids ! Das war mir dann doch ein bisschen zu viel des Guten, und ich beschloss, wieder auf mein Normalgewicht von 87 kg hinzuarbeiten. Schön langsam habe ich mich also wieder hinaufgegessen, aber schön gleichmäßig, und mit Krafttraining nebenbei, denn nun wollte ich ja Muskeln aufbauen. Und ein Monat später war ich wieder da, wo ich jetzt bin, sah wieder gesund aus und fühlte mich wieder top. So gefiel ich meinen Leuten, so gefiel ich mir, so wollte ich bleiben, und so bin ich noch heute.

Sie wissen nun sehr viel aus meiner Vergangenheit, wie ich das Übel an der Wurzel gepackt, bekämpft und ausgerissen habe. Es war eine teilweise mühevolle Zeit, die ich durchlebt habe. Aber im Endeffekt war es ein langer Weg, den ich aber unbeirrt beschritten habe, der mich schlussendlich trotz aller Mühen und diversen Rückschlägen ans Ziel gebracht hat. Ich wiege heute immer noch 87 kg, und kann mein Gewicht halten, obwohl sich nichts daran geändert hat, dass ich die Veranlagung habe, schneller zuzunehmen als andere Menschen.

Wenn ich so esse wie andere, werde ich zwangsläufig wieder dick. Diese Erkenntnis schmerzt zwar, aber ich habe mich damit abgefunden. Ich habe ein System gefunden, ich weiß WAS, WANN und WIEVIEL ich essen darf, ohne zuzunehmen. Dass es mir auch manchmal schwer fällt, möchte ich nicht verhehlen. Oft denke ich mir auch, warum können andere völlern ohnegleichen, während ich schön brav nach Plan esse ? Aber diese Gedanken sind müßig, es ist, wie es ist. Manch einer wird reich geboren, andere wieder müssen sich ihr Leben erarbeiten. Ich habe mir mein Leben erarbeitet, und ich bin stolz darauf. Und ich kann mit solchen Gedanken umgehen, denn ich quäle mich nicht unnötig. Natürlich esse ich weniger als andere Menschen. Trotzdem muss ich aber nicht hungern, ich gehe immer satt ins Bett. Und was jetzt kommt, wird Sie einerseits überraschen und andererseits auch freuen: ich bin immer schon eine leidenschaftliche Naschkatze gewesen, ein Schokoladetiger, wie er im Buche steht. Das war früher zum Teil mein Verhängnis.

Die Freude an der Schokolade ist immer noch da. Glauben Sie aber bitte nicht, dass ich nun aufgrund meines gesunden Speiseplans darauf verzichten muss. Denn dem ist nicht so. Ich gönne mir sogar jeden Tag ein kleines Stück Schokolade. Ja, sie haben richtig gelesen. Täglich. Trotzdem nehme ich aber nicht zu, und werde auch nicht mehr dicker werden. Denn erstens sind es immer nur kleine Mengen, die ich mir selbst als Belohnung für erbrachte Leistungen gleich welcher Art verschreibe, und zweitens bin ich sowieso kein Asket. Wie ich dann trotzdem mein Gewicht halten kann ? Nun, wenn ich vorhabe, etwas Süßes zu essen, oder eine Speise, die halt kalorienreicher ist, dann mache ich ganz einfach entsprechend mehr Sport. Denn dadurch wird die Süßigkeit keine Folgen haben. Es ist eine Frage der Disziplin, sonst gar nichts.

Machen Sie bitte nicht den Fehler, alle Dinge, die Sie doch früher so gerne gegessen haben, aus Ihrem Speiseplan zu streichen. Gönnen Sie sich ruhig hin und wieder eine kleine Sünde, es ist komplett verkehrt, sich selbst zu kasteien und mit Gedanken zu quälen wie gut die eine oder andere Kleinigkeit denn wäre. Wenn Sie einmal Lust auf ein schönes Cordon Bleu mit Mayonnaisesalat und Preiselbeeren haben, dann machen Sie sich doch einfach die Freude und essen eines! Dagegen ist absolut nichts einzuwenden ! Sie müssen einzig und alleine nur eines beherzigen: machen Sie im Gegenzug mehr Bewegung, damitmerst gar nicht die Gefahr besteht, dass Sie wieder zunehmen. Treiben Sie zwei, drei Tage vorher einfach mehr Sport, und Sie haben genug Reserven, die Sie mit einem Leckerli auffüllen dürfen UND AUCH SOLLEN !!!!! Gönnen Sie sich hin und wieder etwas, bleiben Sie aber sonst bei Ihrem Speiseplan, und vergessen Sie niemals auf entsprechenden Ausgleichssport. DAS sind die Geheimnisse, wie man als ehemals dicker Mensch schlank bleibt, ohne Hunger leiden zu müssen.

Es ist ein langer und mühsamer Weg, es ist ein großes Ziel, das nicht leicht zu erreichen ist, da will ich Ihnen gar nichts vormachen. Aber es ist ein Weg, den man gehen kann, wenn man geduldig ist und ganz konsequent an sich arbeitet. Am Ende des Weges steht ein neues Leben, ein gesünderes Leben, und die Ernährung, die früher der Hauptbestandteil des täglichen Lebens war, tritt in den Hintergrund, läuft ganz selbstverständlich ab, natürlich mit regelmäßiger Kontrolle, aber nicht mehr so wie früher, als Belastung, die das ganze Leben viel schwieriger und freudloser macht, als es eigentlich sein müsste.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Abhandlung eine kleine Hilfestellung geben zu können, ebenso hoffe ich, dass Sie sich nicht zu sehr beim Lesen gelangweilt haben.

Auf Ihrem Weg wünsche ich Ihnen nur das Allerbeste, Mut, Geduld, Ausdauer, Konsequenz. Diese Eigenschaften werden Sie früher oder später an Ihr Ziel führen. Glauben Sie mir, denn ich habe es auch geschafft. Warum also sollten Sie es nicht schaffen ?

Packen Sie es an !

Alles Gute und viel Erfolg !

Edwin

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© Eva Schumann,
Freising 2003

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