Erfahrungsbericht: Ich war einmal dicker

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             Ich war einmal dicker


Erfahrung von Nice (2)

Hallo,

Ich war früher ein schlankes (normalgewichtiges) Kind, habe während der

Teenagerzeit immer etwas Babyspeck gehabt, der mich aber nicht weiter

gestört hat. Ab 23 (Studium+Job, später Beruf) bin ich langsam und anfangs

unmerklich auseinandergegangen wie ein Hefeteig. Mit 28 hatte ich 95 Kg bei

1,72cm, das gesamte Fett zwischen Achseln und Oberschenkeln zentriert. Ich

sah aus wie ein Faß auf Stelzen. Schicke Klamotten waren bei den

Proportionen unmöglich zu finden, mein Liebesleben ging gegen Null, soziale

Kontakte wurden immer weniger. Ich habe damals still vor mich hin gelitten,

aus Frust noch mehr gefressen, nach außen immer tough die Fassung gewahrt.

So getan, als würden mich Äußerlichkeiten gar nicht weiter kümmern. Wer

genau hingeschaut hat, konnte sehen, dass das nicht stimmte: Mein Gesicht

war immer tip-top geschminkt. Hat aber keinen interessiert, und mit der

Zeit habe ich mit Aufmerksamkeiten sowieso nicht mehr gerechnet. Ich war

mir gegenüber brutal lieblos und zu anderen abweisend, nach dem Motto "mir

kann keiner".

In Wirklichkeit konnte ich mich absolut nicht mit dieser Gestalt und dem,

was andere Leute damit assoziieren, identifizieren. Ich habe meine

Erfahrungen vorwiegend im Berufsleben (Verlagswesen, Werbe-und

Marketingagenturen und -Abteilungen) gemacht. Man wird bestenfalls als

"patente Frau" angesehen, Mehr als bei den "netten, schlanken Mädels" wird

ein dickes Fell selbstverständlich vorausgesetzt. Robust, asexuell, Kumpel,

bodenständig - das sind so die Attribute. Irgendwann verselbstständigt sich

das. Ich hab´s gehaßt, weil ich mir dieses Rollenbild gar nicht selbst

ausgesucht hatte.

Als ich vor 1 1/2 Jahren einen Bauchumfang von 125 cm erreicht hatte, hatte

ich ernsthaft genug. Meine Devise war: Abnehmen ist ab jetzt das Wichtigste

und ich lasse mich dabei von nichts und niemanden beirren, egal, welche

Konsequenzen das hat. Mein Leben hat sich dadurch im normalen Alltagsablauf

nicht geändert; ich habe nur kontinuierlich kontrolliert und bewußt

gegessen. Ich hatte in den Jahren davor schon so ziemlich alle Diäten, die

so im Markt sind, angefangen und frustriert wieder abgebrochen. Jetzt gab

es nur wenige Regeln, die ich für mich aufgestellt hatte: 1. Keine

Süßigkeiten oder Süßstoffprodukte (Süß hat bei mir immer das natürliche

Sättigungsgefühl außer Kraft gesetzt, Folge war Futterei bis zur Übelkeit)

2. Ansonsten nur Sachen, die ich mag: An Obst und Gemüse soviel ich will,

Milchprodukte, Fleisch und Brot festgesetzte Mengen, Alles in allem immer

so rund 1000 - 1500 ccal 3. Täglich drei feste Mahlzeiten zu bestimmten

Zeiten (mit Spiel für die Tagesanforderungen). Ich musste wieder

Regelmäßigkeit in mein Eßverhalten bringen, Vorher hatte ich jahrelang oft

den ganzen Tag gar nichts (auch aus Scham) und dann abends Unmengen

gegessen. 4. Und, ganz wichtig, ich bin in ein Frauenfitness-Zentrum

gegangen und habe da Kurse belegt, Aerobic, Circle-Training, PZG,

Techno-Fitness etc. Am Anfang war ich ganz steif, dann hat mir die Bewegung

an sich immer besser gefallen, ich habe ab etwa 6 Wochen (regelmäßig 3 x

die Woche 2 Stunden) richtige Glücksgefühle beim "tanzen" bekommen. In den

Jahren vorher hätte ich mich nur wegen meiner Unförmigkeit und Plumpheit

geärgert und geschämt. Während des Abnehmens waren das einfach feste

Termine, zu denen ich mich Anfangs zwingen musste, sonst hätte ich sie nicht

eingehalten, bis ich mich auf jede Stunde gefreut habe.

Das Abnehmen, der Verzicht, war oft verdammt hart, ich war oft sehr

frustriert. Gleichzeitig bin ich aber auch fröhlicher geworden und vor

allem offener, freundlicher oder eben auch ernsthafter den Leuten

gegenüber. Ich hatte im Laufe der Zeit das Gefühl, als würde sich ohne

bewußtes Zutun mein Panzer lösen. Ich war diejenige, die ihr Leben in den

Griff bekam, und zwar nach eigenen Regeln. Das Ganze ist natürlich nach und

nach passiert, nicht von heute auf morgen.

Ich wiege jetzt 66 kg, bin 32 Jahre alt und fühle mich wesentlich besser

und gefestigter als in den ganzen Leidensjahren, meine 20er. Ich wiege mich

immer noch fast täglich, das ist einfach eine Angewohnheit, die ich

beibehalten habe. Große Bedeutung hat das aber nicht. Mein Gewicht halte

ich einfach dadurch, das Essen nicht mehr so wichtig für mich ist. Ich

achte gar nicht mehr drauf und nehme nie nennenswert zu. Nur bei

Süßigkeiten muss ich aufpassen, bei der Kombination Zucker und schlechte

Laune, Frustration etc. droht immer noch ein Rückfall in alte Gewohnheiten.

Aber im Großen und Ganzen habe ich das recht gut im Griff. Meine Welt

stürzt jetzt nicht gleich zusammen, wenn ich mal 2 Pötte Eis esse statt

einen halben. Und die darauf folgenden Magenkrämpfe zeigen mir dann

außerdem, das es die ganze Sache nicht wert war ;-). Sport mache ich

natürlich auch noch.

Ich habe eigentlich nicht so ein spezielles Gefühl gehabt: "So, jetzt hast

Du´s geschafft, sei stolz auf Dich" oder so ähnlich. Irgendwie ist die

ganze Sache normal geworden im Laufe der Monate und dieses

Bei-mir-selbst-sein war viel wichtiger. Die körperliche Veränderung, vor

allem das Gefühl der Leichtigkeit, was allmählich kommt, das ist natürlich

toll. Auf einmal bewegt man sich ganz anders: Schneller, leichter,

biegsamer. Der allertollste Moment war natürlich die erste Taille, die ich

nach Urzeiten wieder getragen habe.

Vielleicht könnt ihr meine Geschichte und Gedanken dazu gebrauchen, wenn

nicht, hat´s mir zumindest Spaß gemacht, mich an alles zu erinnern und das

mal aufzuschreiben. Über Feedback freue ich mich natürlich!

Alles Gute

Nice


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© Eva Schumann,
Freising 1998/99

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