Erfahrungsbericht 8: Ich war einmal dicker
              Ich war einmal dicker


Erfahrung von Manja (8)

Hallochen; ich heisse Manja und habe über die letzten eineinhalb Jahr etwa

6 kg abgenommen und gehalten - zum ersten mal, seit ich etwa mit 13 anfing,

anzuschwellen wie ein Hefeknödel. Ich war seit einem Jahr etwa dabei, eine

völlig frustrierende, schlecht geplante und schlecht umgesetzte

Diplomarbeit zu schreiben und meine einzige wirkliche Freude waren

Schlittschuh laufen und essen. Irgendwann im Januar habe ich mich einfach

schlecht gefühlt,schlaff und kraftlos, einfach so, als ob jetzt das Maß

voll sei, und so habe ich angefangen, etwas "angenehmes" zu tun: meine

ERnährung zu verändern.

Zuerst habe ich analysiert, was Essen für mich eigentlich bedeutet, was

genau der Grund dafür ist, dass ich mir mehr Kalorien zuführe als ich

verbrennen kann. Und darauf kam ich:Ich esse sehr, sehr, sehr gerne, ich

finde es einen absoluten, hinschmelzenden Hochgenuß. Leckeres Essen kann

mich high machen wie eine Droge und entspannt wie guter Sex. Und auch

darauf kam ich : ich esse z. t. auf eine quasisüchtige Art; komme etwa heim

und, im Stehen, ohne die jacke auszuziehen, schaufele ich mir die kalten

Spaghetti mit der kalten Soße aus dem Topf in den Mund, gierig, aber in dem

Moment einfach ganz Geschmacksknospe, ein flow-Erlebnis. Einmal trank ich

im Spätsommer ganz alleine in einr Strassenkneipe ein Vanillemilchshake,

und ich schwöre, die Welt um mich versank, die Stimmen der anderen Gäste

urden leiser und es gab nur noch mich und mein shake - in wenigen

Augenblicken war es geleert, aber diese Zeit dehnte sich und ar intensiv

wie auf sonstwas. Sowas von mir zu wissen, war sehr hilfreich.

Es war ein wichtiger Schritt, dies nicht mehr nur als eine Schwäche,

sondern eine Stärke wahrzunehmen, weg von diesem ewigren "na, was du wohl

damit kompensieren willst...". Die Einstellung, die ich mir dann zulegte

war etwa: Essen ist fabelhaft, es ist eine große Gnade, dass ich so einen

Spaß, so ein intensives Erlebnis daran haben kann, andere vergessen gar zu

essen oder nehmen es nicht wichtig, die verpassen viel - leider leider hat

es ein paar unerwünschte Nebenwirkungen, weshalb ich mir einen Plan

ausdenken muss, das Verhältnis von Befriedigung zu Kalorienzahl zu

optimieren. Ich denke, dass das ein sehr wichtiger Schritt war, ohn den

alles weitere zum Scheitern berurteilt gewesen wäre.

Zuerst identifizierte ich kalorienlastige Eßgewohnheiten, auf die ich

relativ leicht verzichten konnte. Hierzu habe ich ganz altmodisch

angefangen, Kalorien zu zählen. Wirklich, obwohl ich so und so oft gehört

habe "ach, kalorienzählen, das ist ja ätzend / zwanghaft, das bringt

bestimmt nichts". Mir hat das Zählen viel geholfen, und sogar Spaß gemacht;

ich fand es wahnsinnig interessant: "guck mal, diese Riesengurke, kuck mal,

die würde ich alleine gar nicht schaffen, und weißt du wieviel Kalorien die

hat...?" oder "dieser unschuldige kleine Schokokeks hier, du würdest nicht

glauben..."...ich wurde regelrecht zum Entdecker: welche Lebensmittel

wiesen ein optimales genuss-Kalorienverhältnis auf?

Ich habe mir dadurch auch zum ersten mal klar gemacht, wie viele Kalorien

das Vanillezuckermilchgetränk etwa hat, das ich regelmässig gegen Mittag in

mich hineingegossen habe wie Wasser, oder meine liebe Gewohnheit, täglich

etwa einen Liter Vollmilch zu verschlabbern, oder der feine, feine Brie,

den ich à 500g die Woch aß, den halben Laib frisches Brot, den ich ohne

Probleme verputzen konnte...!

Milch, Müsli, Schokolade,frisches Brot, Nicht-Diät-Fruchtjoghurts únd Käse

habe ich aus meinem Speiseplan daraufhin ganz gestrichen und ersetzt durch

Hüttenkäse, Putenschinken, Knäckebrot, massenweise Trauben und Paprika. Ein

Töpfchen Hüttenkäse und etwa 100 g Weintrauben vermischen, auslöffeln...

oder Knäckebrot mit Hüttenkäse und Pfirscich... ich habe so viele

superleckere Sachen etndeckt!

Überhaupt habe ich einfach das Frühstück ganz ausfallen lassen, was mich

keinerlei Anstrengung kostete - ich fange eh erst um elf an zu arbeiten und

habe vorher meistens ohnehin keinen Appetit.

Auch das Essen auf der Strasse - diese wundervollen Pizzazungen von

Ditsch, Döner, Falafel und so, alles aufgegeben. Hie und da mal einen

Nordsee- Fischburger ohne Mayonnaise, aber sonst gar ncihts mehr. Nur noch

Salat in der Kantine.

Ich war aber auch gnädig mit mir, etwa am Wochenede habe ich nicht die

Kalorien meiner Gin Tonics gezählt. Dadurch ist alles auch recht langsam

vor isch gegygnen, wie gesagt: 6 kg in einem Dreivierteljahr. Aber anders

hätte ich es nie durchgehalten, wäre frustriert gewesen, hätte gesagt:

"ich schaffs eh nicht und wieder losgefressen wie eh und je.

Zeitlgeich habe ich angefangen, ein- bis zweimal die Woche Sport zu machen:

Firnessstudio, Aerobic und Schlittschuhlaufen. Meine Bekanntschaft guckte

zwar etwas hämisch, weil in meinen kreisen alles was nach "Brigitte" oder

"freundin" ausssieht, eher verpönt ist - aber nachdem eine Körbchen- und

zwei Kleidergrößen runter waren, haben sie es akzeptiert.

Ich fühle mich sehr stolz, allerdings auch ängstlich, ich habe wirklich

Schiss, dass die Kilos wiederkommen. Nach etwa 6 Monarten habe ich mein

strenges Regime gelockert und das Gewicht trotzdem gehalten, einfach weil

ich weiterhin eher Avocado als Brie, eher Skorpa als den Bauernlaib und

eher Paprika als Milka kaufe. Der größte Gewinn ist die Tatsache, dass ich

besser aussehe besonders um Taille und Hüfte herum; einfach besser

proportioniert.

Schlußbemerkungen:

- Ich denke, dass jeder seine eigene beste Mehtode finden muss. Ich in 25 und

dick seit ich 13 bin. Dies ist das erste mal, dass es wirklich geholfen

hat, weil mein Vorgehen einfach auf meiner nunmehr 12jährigen Erfahrung mit

mir selber und meinem Eßverhalten beruht. Ich hätte nicht früher

erfolgreich sein können! Und jeder andere, denke ich, muss ebenso sein

eignes Versuchskaninchen sein.

- Die Lebensumstände sind auch wichtig. Ein Diätplan we die "Brigitte"-Diät

mit Rezepten und am Monatg ein halber Pfirscih und am Dienstag 7

Erdbeeren, das hätte bei mir nicht funktioniert, da ich alleine wohne und

nur für eine Person einkaufen kann - und auch noch selten daheim koche;

umgekehrt würde mein Plan betsimmt nicht für Personen mit Familie

funktionieren, die sich ganz aneren Zeitstrukturen stellen müssen und

womöglich noch für das Bekochen der Familie zuständig sind.

- Kalorienzählen ist besser als sein Ruf; einfach auch, um die kritischen

Punkte zu identifizieren.

- Ich kenne meine Grenzen. Sobald ich in gänzlich andere Umstände komme,

verliere ich die Kontrolle. Entweder läuft es dann gut oder schlecht, wie

bei meinem diesjährigen Snowboardurlaub, wo alle Riesenmengen von

Müsliriegeln, Schokomüslis und Nutella einkauften. Vor so einem

Frühstückstisch ist es mir ein Ding der Unmöglichkeit, an mich zu halten.

Nun gut, sei's denn. Umso wichitger ist es, dass ich mich in den Zeiten der

Alltagsroutine nicht gehen lasse.

- Ein ganz großer Nachteil: gesundes Essen ist teuer. Ich bin Studentin,

lebe alleine, esse häufig im Büro und verfüge über genau 1.096 DM netto im

Monat - der Preis von Paprika, Hüttenkäse, Zaziki, Skorpa (selbst die

Billigvariante von Aldi!), Birnen , Vanillejoghurt light und

Fitnessklub-Mitgliedschaften hat mich an meine finanziellen Grenzen

gebracht. A sad fact.

- Götterspeise mit Flüssigsüßstoff hat mir oft den Diätplan gerettet, wenn

ich abends sehr spät heimkam und ncohj ein paar blöde Serien im Fernseher

guckte.

Viel Glück ihr da draussen -

M.

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© Eva Schumann,
Freising 1999

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