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Auszüge aus dem Prolog Kapitel I Kapitel II Kapitel III
Prolog [...] Brasilien 1782 Erschöpft vom Graben mit den bloßen Händen und von der furchtbaren Angst, die ihn über Stunden zu übermenschlichen Anstrengungen getrieben hatte, wischte sich Eduardo Joaquim Machado mit dem Ärmel seines verwaschenen, blauen Hemdes über die Stirn. Er war am Ende seiner Kräfte angelangt, sein Hemd klebte schweißnass und schmutzig an dem ausgemergelten Körper.
Aber er hatte keine Zeit sich auszuruhen, er musste hier weg, so schnell es ging. Er durfte nicht an diesem Ort gesehen werden, an der letzten Ruhestätte seines Cousins. Des Cousins, den er jetzt dafür hasste, dass er ihn in diese Sache hineingezogen hatte, auch wenn der dafür bereits mit seinem Leben bezahlt hatte und vergraben im Boden zu seinen Füßen lag, sorgfältig unter Zweigen und Laub verborgen.
Der Schweiß brannte Eduardo in den Augen. Er presste die Fäuste gegen den pochenden Schmerz in seinem Kopf, aber auch das half nichts. Als er ein Geräusch hinter sich hörte, drehte er sich erschreckt um. Nein, es war nur ein Vogel, der da im Laub hüpfte. Man war ihm noch nicht auf der Spur.
“Heilige Mutter Maria, lass mich das überleben”, betete Eduardo und machte sich auf den Weg, “nicht nur um mich, sondern um meiner Familie willen, bitte, lass mich das überleben.”
Ja, hätte er, Eduardo, sich bloß nicht locken lassen von den Geschichten über schnellen Reichtum, die ihm sein Cousin und dessen narbengesichtiger Kumpane erzählt hatten. Hätte er sich doch nicht den Träumen eines sorgenfreien Lebens hingegeben, das ihm einfach so in den Schoß fallen sollte. Aber das Leben war so verdammt hart gewesen, seit er und seine Familie sich mit dem geliehenem Geld eines Kredithaies ihre kleine Fazenda in den Bergen von Treze Minas gekauft hatten.
Das Geld, das sie für die geraubten Diamanten bekämen, würde ihn von allen seinen Sorgen befreien, so hatte es der Cousin versprochen. Aber nun liegt er in einem fauligen Erdloch mitsamt all dem Reichtum, dachte Eduardo. [...]
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Kapitel I [...] Deutschland 1994 Es war Juni, es war Montag, und es herrschte verdammt miese Stimmung in Janas Büro. Und das, obwohl sie alleine darin saß!
Seit sie wieder auf Diät war, hielt sich Jana manchmal selbst kaum aus. Aber das war ja auch kein Wunder, da sie laut Plan gerade mal drei Diätdrinks und einen Apfel pro Tag zu sich nehmen durfte. Sonst nichts. KEIN MENSCH konnte dabei seine gute Laune behalten.
Jana brauchte jetzt einen Cappuccino, und zwar sofort. Sie wusste zwar, dass sie damit schummelte, denn in dem Fertigpulver, das sie mit heißem Wasser zusammenrührte, war auch Zucker enthalten, aber ohne die kleine Kalorienspritze würde sie beim nächsten Anrufer die Wände hochgehen.
Schon nach den ersten Schlucken des heißen, süßen Gebräus entspannte sie sich. Es war fast wie der Flash eines Heroinsüchtigen, endlich wohlige Entspannung.
Jana sah auf die Uhr. Erst kurz vor zwölf. Der Anfang der Arbeitswoche zog sich wieder so zäh hin wie die Zeit im Wartezimmer beim Zahnarzt. Hier wie da hätte sie am liebsten die Flucht ergriffen.
Hätte sie das doch getan, würde sie später sagen. Hätte sie doch Überstunden genommen und wäre nach Hause gegangen an diesem schrecklichen Montag, dann würde Angelika Jordan noch leben.
Du hast doch einen schönen Job, motivierte sie sich statt dessen, während sie einige Plastiktütchen, in denen Blattläuse ziemlich munter zwischen Pflanzenteilen krabbelten, verschloss und in den Abfalleimer warf. Und vor seiner eigenen Laune kann man sowieso nicht davonlaufen. Aber jetzt zu Hause an ihrem eigenen Computer und ihrem eigenen Buchprojekt zu arbeiten, würde sie bestimmt besser von ihrem Hunger ablenken, als hier für die Versuchsanstalt Hobbygärtner zu beraten.
Dysaphis plantaginea, Mehlige Apfelblattlaus, und Aphis fabae, Schwarze Kohlblattlaus, hatte sie der grauhaarigen, korpulenten Dame diagnostiziert, die ihr die Tüten mit den Blattläusen gebracht hatte, und die dann wie eine beleidigte Matrone abgezogen war, als sie ihr verboten hatte, hier in ihrem Büro vor ihren Augen Schokoladenbonbons zu essen. Jetzt tat es ihr ein bisschen Leid, so harsch gewesen zu sein.
Jana ging zum Waschbecken, das sich in einem kleinen Nebenraum befand, um sich ein paar entflohene Blattläuse von den Armen abzuwaschen. [...]
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Kapitel II [...] Es war gerade Zeit für die Mittagspause, als der Kommissar vor Janas Büro auftauchte. Jana hatte den Rucksack mit ihrem Proviant bereits gepackt und griffbereit. Sie telefonierte eigentlich nur noch schnell mit einem Kollegen wegen der Vorbereitungen zu einer Veranstaltung nächste Woche, als sie durch das Fenster sah, wie der Kommissar auf dem Parkplatz aus seinem Auto stieg. Bei seinem Anblick setzte ihr Herz einen Schlag aus. Verdammt. Was war bloß los mit ihr?
Sie beobachtete ihn, während sie telefonierte. Der Kommissar trug heute keine Jacke. Ein hellbraunes T-Shirt über einer schwarzen Jeans offenbarte eine schlanke, athletische Figur mit breiten Schultern. Darüber trug er den Gurt mit der Dienstwaffe.
Ich kann an ihm nichts Besonderes finden, sagte sich Jana und zuckte mit den Schultern. Und jemand, der eine Waffe in dieser Umgebung derart zur Schau stellt, musste doch sowieso ein Arschloch sein. Wen wollte er damit beeindrucken? Bei ihr hatte er damit jedenfalls kein Glück.
Sie beobachtete ihn, wie er auf ihre Eingangstür zuschritt. Obwohl er in Gedanken zu sein schien, registrierte er die beiden Kübelpflanzen mit dem sattgrünen Laub und den orangerot leuchtenden Blütenständen draußen vor ihrem Büro und hielt inne, um sie sich genauer anzusehen. Clerodendrum speciosissimum, eine neue Kübelpflanzenart, die an der Versuchsanstalt getestet wurde.
Sie drehte sich weg, damit er nicht merkte, dass sie ihn beobachtet hatte.
Als sich die Tür öffnete und der Kommissar hereintrat, legte Jana gerade den Telefonhörer auf. Sie wandte sich zu ihm mit einem freundlichen Lächeln auf dem Gesicht. Freundlich und doch unnahbar, so sollte er sie sehen. Der kleine Schwächeanfall von gestern war vorüber. [...]
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Kapitel III [...] Das Telefon läutete im Flur und sie ging hinaus um das Gespräch anzunehmen.
Es war Kommissar Bergmeister. Ihr Blick verfinsterte sich. Was mag er jetzt wieder für Überraschungen haben.
“Ist alles in Ordnung?”, fragte er.
“Ja”, gab sie widerwillig zu. “Tatsächlich sieht es besser aus als erwartet. Nur meine Sicherheitsdisketten fehlen, aber ich habe mir neue angefertigt.”
”Deshalb ruf ich an. Ich habe auch Kopien gemacht, bevor ich Ihre Originale weitergegeben habe. Wegen ihrer Einträge zum Mordtag hatte der Staatsanwalt darauf bestanden, ihre Disketten mitzunehmen.”
Sie blieb stumm.
“Ich konnte verhindern, dass der Staatsanwalt ihren Computer mitnimmt.”
Das erweichte sie ein wenig.
”Übrigens, ich finde es toll, dass Sie ein Gartenbuch schreiben.”
Sie seufzte.
“Frau Reissig, ich wollte Ihnen noch sagen, Ihre Tür war, als wir kamen, nicht versperrt und der Schlüssel steckte von außen.”
War das Sorge in seiner Stimme? “Das macht nichts. Ich hab vielleicht nicht aufgepasst, als ich ging. Aber in unser Haus kommt niemand zum Klauen. Sie haben es ja gesehen.”
Er musste grinsen. Ja, das Haus war eine verrottete Bruchbude, aber er hatte es bei ihr trotzdem sehr gemütlich gefunden.
“Und Ihre Katze hat mich gekratzt.”
Das entlockte ihr dann doch ein zufriedenes Grinsen. [...]
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Die letzte Diät. Eva B. Gardener ISBN 3-8330-0694-3 Taschenbuch, 176 Seiten
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