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© Eva Schumann,    Freising 2002

Suzanne
Karo brach in Traenen aus. Hilflos schluchzend setzte sie sich auf die 
Umkleidebank und verbarg den Kopf in den Haenden. Betroffen kniete Anne 
neben ihr hin. "Habe ich was Falsches gesagt? Hey Du, komm schon, was 
ist los? Erzaehl mir, was Du hast!" Karo wandte Anne ihr traenen 
ueberstroemtes Gesicht zu und atmete tief durch. "Entschuldige, 
Anne,"meinte sie dann ruhiger, "nein, es ist nicht deine Schuld. Ich 
hab ein bisschen Stress zur Zeit und meine Nerven sind einfach mit mir 
durchgegangen. Ich versuche schon seit einiger Zeit ein wenig 
abzunehmen, ich kam auch schon ein wenig voran, doch jetzt weiss ich 
einfach nicht mehr, warum ich das tun sollte. Mich liebt ja eh keiner!" 
Anne brach in ein helles Lachen aus und kuesste Karo schmatzend auf die 
Wange. "Na du Kleines, du schwelgst ja ganz schon in Selbstmitleid. 
Komm, erzaehl, wer dir weh getan hat. Aber du erzahlst mir das auf dem 
Fahrrad - dann tun wir noch was fuer die Gesundheit." Anne scheuchte 
Karo auf und zwang sie, sich um

 

Kathi  
So kam es das die beiden Frauen keine 10 Minuten sp├Ąter auf den 
Trimmr├Ądern sa├čen und w├Ąhrend sie so Kilometer f├╝r Kilometer 
herunterstrampelten erz├Ąhlte Karo dieser wild fremden Frau alles war 
ihr so auf der Seele lag. Von Stefan und Paul, Babsi und Ihrer Mutter 
und nicht zuletzt von ihrem wirren Traum. So kam es, das Sie sich 
tats├Ąchlich beeilen mussten um nicht eingeschlossen zu werden, denn als 
Karo fertig war hatten sie gerade noch Zeit zu duschen bevor das Studio 
schlie├čt.
 
Da sie sich so toll verstanden, beschlossen die beiden noch auf eine 
Apfelschorle in diese tolle Kneipe um die Ecke zu gehen. Gesagt getan, 
Anne verstand es wirklich zuzuh├Âren und im richtigen Moment in Ihrer 
fr├Âhlichen Art einen Einwand vorzubringen.
 
Die beiden Frauen beschlossen von nun an immer zusammen zu trainieren, 
denn geteiltes Leid ist halbes Leid und so gingen sie gegen Mitternacht 
auseinander.
 
Als Karo nach Hause kam, fiel ihr der komische Traum wieder ein. Sie 
sch├╝ttelte ├╝be
 

 kathi
Sie sch├╝ttelte ├╝ber sich selbst den Kopf und holte sich noch ein Glas 
Wasser auf dem K├╝hlschrank, weil sie noch nicht in der Stimmung war um 
zu schlafen.
 
Hoffentlich kam sie morgen rechtzeitig aus den Federn, den es war 
schlie├člich Ihr erster Arbeitstag nach dem Urlaub.
 

 lucie
Karo warf sich in den Sessel und schaltete den Fernseher an. Lustlos 
schaltete sie die Sender durch und blieb bei irgendeinem Bericht ├╝ber 
den Bandenkrieg in Russland h├Ąngen. Pl├Âtzlich h├Ârte sie ein kratzendes 
Ger├Ąusch ├╝ber sich. Karo nahm es zuerst gar nicht richtig wahr. Im 
Fernsehen explodierte gerade ein Auto. Das kratzende Ger├Ąusch 
wiederholte sich, diesmal etwas lauter. Karo griff zur Fernbedienung 
und schaltete den Ton ab. Mit angehaltenem Atem lauschte sie in die 
pl├Âtzliche Stille. Im Fernseher rannten M├Ąnner ├╝ber die Strasse und 
versteckten sich in irgendwelchen H├Ąusern. Einige Zeit sass sie so 
bewegungslos da. Nichts passierte. Als Karo gerade wieder den Ton 
anschalten wollte, h├Ârte sie einen unterdr├╝ckten Schrei aus der oberen 
Wohnung und wieder dieses Kratzen. Es h├Ârte sich so an, als wenn M├Âbel 
hin-und hergeschoben werden w├╝rden. Karo runzelte leicht ihre Stirn. 
Wie kann man um diese Zeit seine Wohnung umr├Ąumen. Karo machte den 
Fernseher wieder lauter. Einer der M├Ąnner
 

lucie 
Einer der M├Ąnner, die vorhin gefl├╝chtet waren, standen jetzt vor der 
Kamera. Pavel Sonstwie hiess er und er berichtete von unzumutbaren 
Zust├Ąnden. Karo versuchte sich darauf zu konzentrieren, was er sagte. 
Dann knallte irgendetwas Schweres auf den Fussboden ├╝ber ihr. Die Decke 
├╝ber ihr erzitterte. Unwillk├╝rlich zog Karo den Kopf ein und schaltete 
den Fernseher ab. Sie sass regunglos da und horchte in die Stille 
hinein. Ihre Augen suchten die Decke ab, als ob der Aufprall Risse in 
die Decke gezogen h├Ątte. Was,zum Henker, treibt der da oben! Karo blieb 
noch gut eine Vierelstunde so sitzen, die Ohren zur Wohnung ├╝ber ihr 
gerichtet. Es war kein Laut mehr von oben zu h├Âren. Karo atmete tief 
durch, und stand auf. "Ich werde jetzt besser schlafen gehn", sagte sie 
zu sich selbst, "das Aufstehen morgen fr├╝h wird bitter genug"."Ach 
nein, heute fr├╝h", f├╝gte sie mit einem Seufzer hinzu, als sie auf die 
Uhr sah. Sie ging ins Bad, um sich die Z├Ąhne zu putzen und
 

lucie
huschte ins Bett. Sie l├Âschte das Licht und kuschelte sich in ihr 
Kissen. Ihre Augen wanderten immer wieder zur Zimmerdecke, als k├Ânne 
die ihr eine Auskunft geben, was da oben passiert ist. Irgendwann 
klappten ihr vor M├╝digkeit die Augen zu. Karo riss sie mit einem 
pl├Âtzlichen Schreck wieder auf. War da oben nicht eben wieder ein 
Ger├Ąusch gewesen? Karo zog die Decke von ihrem Ohr zur├╝ck und hob den 
Kopf leicht an. Alles war still. Karo liess ihren Kopf wieder in die 
Kissen zur├╝cksinken. Nach einer Weile fiel sie in einen tiefen, 
traumlosen Schlaf.
 

 lucie
Am n├Ąchsten Morgen riss das Weckerklingeln Karo unsanft aus dem Schlaf. 
Karo zog die Decke ├╝ber den Kopf, um dem L├Ąrm zu entkommen. Das ist 
gemein, dachte sie, ich bin doch gerade erst eingeschlafen, naja, was 
solls. Mit einen Sprung war sie aus dem Bett und schaltete den Wecker 
ab. Sie schlurfte ins Bad, wo ihr erster Blick auf die Waage fiel. Karo 
├╝berlegte einen Moment. Eigentlich habe ich recht gut und fettarm in 
den letzten Tagen gegessen, sollte ich? Karo stand unentschlossen vor 
der Waage. Obwohl, ├╝berlegte sie, wenn ich nicht ein Gramm verloren 
habe, ist der ganze Tag hin├╝ber und das am ersten Arbeitstag. Egal, ich 
wills wissen. Karo stieg auf die Waage. Der Zeiger blieb genau bei 
ihrem Ausgangsgewicht stehen. "Verdammter Mist", murmelte Karo. 
Wenigstens 200g h├Ątten sich verabschieden k├Ânnen. Missmutig ging sie in 
die K├╝che, um sich einen Kaffee zu machen. Sp├Ąter dann packte sie die 
Sachen zusammen, die sie heute essen wollte. Ihre Tasche platzte bald, 
so war sie mit Äpfeln
 

 lucie
Ihre Tasche platzte bald, so war sie mit ├äpfeln vollgestopft. Die im 
B├╝ro werden Augen machen, wenn sie zum Fr├╝chst├╝ck das Obst rausholen 
w├╝rde. Ein wenig Bammel hatte sie vor den Bemerkungen ihrer Kollegen. 
Besonders vor dieser grossen, schlanken Blondine aus dem B├╝ro nebenan, 
die st├Ąndig in der Mittagspause mit ihren Salatbl├Ąttchen rumwedelte und 
immer wieder mit unangenehm schriller Stimme unterstrich, sie h├Ątte es 
nicht n├Âtig auf Schokolade zu verzichten. Man m├╝sse sich nur zu 
beherrschen wissen. Dann liess sie ihre Blicke regelm├Ąssig zu Karo 
hin├╝berschweifen, die ihre Augen dann immer geflissentlich auf ihr  
Kantinenessen richtete. Aber das hat ab heute ein Ende. Karo wollte ihr 
schon zeigen, da├č sie durchaus in der Lage war, auf das fette Essen zu 
verzichten. Karo richtete sich auf und schob den Kopf noch ein St├╝ck 
nach oben. Ihr werdet schon sehen!
In Gedanken schon ganz bei Ihrer Arbeit verliess sie die Wohnung und 
war im Begriff, den Hausflur zu durchqueren.
 

lucie
Pl├Âtzlich h├Ârte sie ziemlich eilige Schritte hinter sich. Karo drehte 
sich um und prallte um ein Haar mit Paul zusammen, der die Treppe 
hinuntergerannt kam. "Oh, guten Morgen", keuchte Paul. "Guten Morgen", 
erwiederte Karo. "Paul, ich...",begann Karo. "Was!" Paul fuhr herum und 
sah Karo mit funkelnden Augen an. Karo blickte Paul erschreckt an. Als 
Paul Karos Reaktion bemerkte, fuhr etwas sanfter fort. " Hat meine 
Katze Sie wieder ├╝berrascht?" Paul stand so zur Wand gerichtet, das 
Karo seine rechte Gesichtsh├Ąlfte nicht sehen konnte. Irgendwie war ihr 
so gewesen, als h├Ątte sie in dem Moment, als er an ihr vorbei wollte, 
irgendeine Wunde oder einen Kratzer auf seiner Wange gesehen. "Ach 
nichts weiter." Karo senkte den Kopf. "Es ging nur um eine 
Hausmitteilung, nicht weiter wichtig." "Also gut, Karo, ich bin sp├Ąt 
dran. Sch├Ânen Tag noch." Paul st├╝rzte aus dem Haus. In dem Moment, in 
dem er sich zur T├╝r wandte, sah sie ganz deutlich die Schramme, die 
sich ├╝ber seine gesamte Wange zog.
 

Tina
Im B├╝ro angekommen, ging Karo resolut zu ihrem Schreibtisch und gr├╝├čte 
nur zwei nette Kolleginnen, die ihr auf dem Flur begegneten.
Die blonde Salatschnecke bemerkte zwar Karos neue Frisur, grinste aber 
trotzdem ihr fieses "ich-bin-schlanker-und-h├╝bscher-als-du"-L├Ącheln. 
Doch Karo war zu sehr in Gedanken, als da├č sie die heute auch nur 
gegr├╝├čt h├Ątte.
Was war denn blo├č mit diesem Paul los? Erst steht er halbnackt in ihrem 
Wohnzimmer und stammelt was von der Katze, dann ihr eigenartiger Traum 
und jetzt diese komische Begegnung im Treppenhaus. Wo kam dieser 
Kratzer her? Diese kleine Katze konnte den doch unm├Âglich verursacht 
haben.
 

Tina
Karo tippte lustlos an einem Brief herum und nahm sich dann einen 
Stapel Post vor, der sich auf ihrem Tisch geh├Ąuft hatte.
Die Stunden vergingen aber gl├╝cklicherweise wie im Flug und schon war 
Mittagspause. Stolz lehnte sie die Aufforderung einiger Kollegen ab, 
die sie in die Kantine mitschleppen wollten und nahm demonstrativ ihre 
Äpfel aus der Tasche.
Und welch ein Wunder, es kam keine schr├Ąge Bemerkung. Denen w├╝rde sie 
es zeigen, sie hatte doch schon so oft von Menschen gelesen, die sehr 
viel Gewicht verloren und hinterher wie Models aussahen. Warum sollte 
ihr das nicht gelingen?
 

Jerusha
Voller Elan biss sie in den ersten Apfel. Na also, schmeckte doch ganz 
gut! Nach dem ersten Apfel griff sie zum zweiten. Und jetzt ein 
leckeres Schnitzel! Huch - hatte sie das eben gedacht?? Nein, sie w├╝rde 
jetzt nicht aufgeben. Ihr Magen fing an, Ger├Ąusche von sich zu geben... 
jetzt bloss nicht an das Kantinenessen denken!!!
 

 Tina
Was fand sie denn blo├č an diesem fettigen, geschmacksverst├Ąrktem Essen? 
Zumal sie ja wu├čte, da├č es ihr nicht bekam. Immer hatte sie danach ein 
ekliges V├Âllegef├╝hl und war jedesmal kurz davor gewesen, sich auf dem 
B├╝roteppich ein Mittagsschl├Ąfchen zu g├Ânnen. Mal abgesehen davon, da├č 
genau dieses Essen ihr in den letzten Jahren an Gewicht so zugesetzt 
hatte. Sie wollte das Zeug nicht mehr, oder wenn, dann nur in kleinen 
Mengen, die sich nicht immer direkt ├╝berall an Karos K├Ârper als 
Fettringe abzeichneten. Aber irgendwie schmeckte Salat und Gem├╝se nicht 
so recht ohne Fleisch, und Karo brauchte hin und wieder einfach ein 
Steak oder diesen leckeren Sauerbraten, wie ihre Mutter ihn machte, 
darauf wollte sie nicht verzichten. Karo sch├╝ttelte den Kopf, es war 
eine Sucht, genau wie ihre st├Ąndige unb├Ąndige Lust auf Schokolade, Eis 
oder Sahnetorte. Ein Teufelskreis, aus dem man nicht entkommt, dachte 
Karo bei sich und war den Tr├Ąnen nahe.
 

Tina
Den zweiten Apfel hatte sie nicht mal ganz herunterbekommen, da wollte 
sie schon aufstehen und in Richtung Kantine gehen. Ausgerechnet in 
diesem Moment schwebte die blonde d├╝nne Sekret├Ąrin um die Ecke und 
grinste Karo wieder mit diesem ├╝berlegenen Blick an. Und da f├╝hlte Karo 
sich so elend, da├č sie einfach drauf los heulte. Ihr Gegen├╝ber war im 
ersten Moment so verdutzt, da├č sie abrupt stehenblieb. Karo st├╝tzte den 
Kopf auf ihre verschr├Ąnkten Arme und schluchzte hemmungslos in sich 
hinein bis ihre blonde Kollegin n├Ąher kam und ihr die Hand auf die 
Schulter legte. "Was ist denn los mit Ihnen? Geht es Ihnen nicht gut?" 
Karo sah kurz auf und als ihr bewu├čt wurde, da├č sie ja nicht allein 
war, drehte sie sich schnell zur anderen Seite und kramte Taschent├╝cher 
aus der Schublade ihres Tisches.
 

 Tina
Die Stimme der Blonden wurde nun sanfter. "Kann ich Ihnen vielleicht 
irgendwie helfen? Wenn Sie Sorgen haben, reden Sie es sich ruhig von 
der Seele, es ist ja sonst keiner mehr hier. Alle sind in der Kantine."
Karo schluchzte nocheinmal. "Ach das ist es ja gerade, dieses verdammte 
Essen, es verfolgt mich, ich bin besessen von diesem ganzen ungesunden 
Zeug!" Die Kollegin seufzte merklich. "Ja, ich wei├č, das kenn ich 
alles, ich hatte genau das gleiche Problem. Ich war nicht nur s├╝chtig 
nach Chips und Schokolade jeder Art, ich konnte an keinem Fast-Food-
Laden vorbeifahren ohne mir nicht endlose Kalorien reinzustopfen."
Karo sah sie verdutzt an. "Glauben Sie mir nur, ich hatte bis vor drei 
Jahren 40 Kilo ├ťbergewicht!" Karo schluchzte nicht mehr, sie sah ihre 
Kollegin nur an und da l├Ąchelten sich beide unwillk├╝rlich wie 
Verb├╝ndete an.
 

kuehlein
Was, die Salatschnecke sollte eigentlich mal ne "fette" Schnecke 
gewesen sein? Nein, nie und nimmer. Oder doch? Was hat Sie gemacht? Sie 
sah einfach klasse aus, ehrlich. Auch wenn Karo sie immer als "Spargel" 
betrachtet hat, in ihrem Innersten fand sie, dass die Salatschnecke 
toll aussah. Ja genau, wie hat sie es nur gemacht? Karo musste das 
Geheimnis ergr├╝nden. 40 kilo, sie w├╝rde wie eine Elfe aussehen, wenn 
sie die weniger h├Ątte.
Karo richtete sich auf, stammelte etwas von ".. wie haben Sie, .. ├Ąhm, 
das h├Ątte ich nie gedacht....". 
Die Salatschnecke grinste: "Kommen Sie mal mit.." und lockte Karo in 
die Kaffeek├╝che.
 

 lucie
Die Blonde ging zu dem Schrank und ├Âffnete die oberste T├╝r. Hinter 
einigen T├╝tchen und und Schachteln zog sie eine grosse Dose heraus, auf 
der ein Glas mit einer schoko├Ąhnlichen Fl├╝ssigkeit abgebildet war. 
Strahlend hielt sie Karo die Dose hin. "Mein Geheimrezept f├╝r einen 
sch├Ânen schlanken K├Ârper!" Karo drehte die B├╝chse in der Hand. "Ich 
weiss nicht",sagte Karo, "damit wollen Sie 40 Kilo abgenommen haben?" 
Die Blonde schnappte sich die Dose wieder. "Naja, etwas Willensst├Ąrke 
geh├Ârt schon dazu. Jeder h├Ąlt das sicher nicht durch, sich monatelang 
nur von Fl├╝ssigkeit zu ern├Ąhren. Aber wenn man will, geht alles. Ich 
kann das jedenfalls nur empfehlen. Ich trinke das ├Âfter am Tag und 
ansonsten esse ich nur etwas Obst und Gem├╝se." "Und das ├╝ber Jahre 
hinweg?" Karo blickte die Blondine zweifelnd an. "Nat├╝rlich", 
best├Ątigte die Blonde. "Haben Sie nie Appetit auf richtiges 
Essen?" "Doch, nat├╝rlich", die Blonde atmete tief durch, "man muss eben 
Priorit├Ąten setzen. Schlemmem oder schlank sein
 

 lucie
In diesem Moment f├╝llte sich der Flur hinter ihnen mit Stimmen an. 
Fetzen von Gel├Ąchter klang an Karos Ohren. Die Kollegen kamen aus der 
Kantine wieder. "├ťberlegen Sie mal, Karo, Sie k├Ânnen nicht schneller 
abnehmen." Die Blonde klapperte mit ihren Fingern├Ągeln auf der Dose 
herum."Aber,wenn Sie naturlich noch jahrelang an Ihrer Wunschfigur 
herumbasteln wollen, w├╝nsche ich Ihnen viel Spass und Ausdauer dazu." 
Die Blonde kehrte Karo den R├╝cken zu und stellte die Dose wieder zur├╝ck 
hinter die Schachteln. Wahrscheinlich w├Ąre es ihr unangenehm gewesen, 
wenn sie entdecken w├╝rde. Die Blonde schloss den Schrank wieder sorgsam 
und ging an Karo vorbei zur├╝ck ins B├╝ro. Karo stand noch etwas verwirrt 
vor dem Schrank. In ihrem Kopf h├Ąmmerten die 40 Kilo. 40 Kilo, nur um 
den Preis, einige Wochen, eventuell wenige Monate k├╝rzerzutreten. Und 
dann h├Ątte sie es geschafft. Dann k├Ânnte sie immer noch ihre Ern├Ąhrung 
umstellen und sch├Ân fettarm essen. Aber das ganze verhasste Fett w├Ąre 
verschwunden. Dann
 

 lucie
Dann w├╝rde es auch nichts ausmachen, wenn sie sich ab und zu mal ein 
St├╝ck Schoki genehmigen w├╝rde. Sie w├Ąre ja so schlank. Ihre Gedanken 
kreisten nur noch um das Wunderpulver. Was sprach eigentlich dagegen, 
das sie es mal ausprobierte, schaden wird es schon nicht. Karo drehte 
sich mit einem Ruck um und kehrte zu ihrer Arbeit zur├╝ck. Am liebsten 
w├Ąre sie sofort in die Drogerie gerannt, um sich das Pulver zu holen, 
aber das war schlecht m├Âglich. So setzte sie sich wieder an ihren 
Schreibtisch und machte sich daran m├Âglichst schnell noch den Rest zu 
erledigen.
Nach der Arbeit ging sie in der Drogerie vorbei und eilte dann auf dem 
schnellsten Weg nach Hause. Sie wollte keine Minute verlieren, um 
endlich an ihr Ziel zu kommen.
 

Katrin
Immer schneller ging sie nach Hause. Am Ende rannte sie fast die Treppe 
hinauf.
Sie schlo├č die Wohnungst├╝r auf und lie├č dabei die Post fallen, die sie 
im Vorbeigehen aus ihrem Briefkasten gezerrt hatte.
Beim Aufsammeln der zahlreichen Werbesendungen fiel ihr eine bunte 
Karte besondern auf.
Sie legte Schl├╝ssel und Tasche beiseite und nahm den Stapel Post mit 
ins Wohnzimmer.
ÔÇ×Sie wollen schlank und rank sein ? Dann tun sie etwas daf├╝r !" stand 
auf der Vorderseite zu lesen. Siedrehte die Karte um und entdeckte, 
dass diese Karte an sie direkt adressiert war.
Sie ├╝berflog die handgeschriebenen Zeilen und entdeckte die 
Unterschrift. ÔÇ×Liebe Gr├╝├če, Anne" stand am Ende der wenigen Worte, die 
doch so viel ausdr├╝ckten...
Anne dankte ihr f├╝r das gemeinsame Training im Fitnesscenter und 
schrieb ihr, dass sie, wenn sie, Karo, nicht gewesen w├Ąre, 
wahrscheinlich auch ├╝ber kurz oder lang aufgegeben h├Ątte.
Karo konnte sich das kaum vorstellen. Anne, die selbstbewusste, starke 
Frau wollte aufgeben
 

Trine
. Anne, die selbstbewusste, starke Frau wollte aufgeben ? Nein... Nie 
und nimmer !
Sie beschlo├č, Anne anzurufen. Das wollte sie nun doch genauer wissen.
Als sie ihr kleines Notizbuch herausholen wollte, fiel ihr Blick auf 
die Dose, die sie in der Drogerie gekauft hatte. 40 Kilo... In so 
kurzer Zeit... Ohne Verzicht... 40 Kilo...kreiste es in ihrem Kopf 
herum. Karo sah die Blondine aus dem B├╝ro vor sich. Schlank. Und nie 
mit richtigem Mittagessen im Magen ? NEIN ! NEIN, NEIN, NEIN und 
nochmals NEIN.
Sie nahm die Dose und las, welche Inhaltsstoffe darin enthalten waren. 
Chemie. Reine Chemie. Dann doch lieber ein paar anst├Ąndige Nudeln und 
einen sch├Ânen gro├čen Salat, dachte sie sich und stellte die Dose 
beiseite.
Sie w├Ąhlte Annes Nummer und lie├č es ein paar Mal klingeln. Nach einer 
Weile ging der Anrufbeantworter an. Karo legte auf. Sie wollte mit Anne 
reden ÔÇô nicht mit ihrem Anrufbeantworter.
Sie nahm die Dose mit in die K├╝che. Vielleicht sollte sie es doch mal 
versuchen...
Sie la├č
 

Trine
Sie nahm die Dose mit in die K├╝che. Vielleicht sollte sie es doch mal 
versuchen...
Sie la├č die Gebrauchsanweisung und holte sich dann ein Glas Wasser, in 
das sie 3 Essl├Âffel von dem Pulver einr├╝hrte... Eine wei├čliche 
Fl├╝ssigkeit entstand.
Sie roch daran. Es roch nach nichts... rein gar nichts... Sie probierte 
einen Schluck....
 

   lucie
Huch, das hat sich ├╝berschnitten :-) Ich hoffe, es passt irgengwie noch.
 
lucie
In der K├╝che angekommen, riss Karo die silbrige Folie von der Dose. Hm, 
sieht aus, wie Kakaopulver. Vorsichtig steckte sie ihre Nase in die 
Dose. Wahrscheinlich erwartete sie, das das braune Pulver einen 
unangenehmen Geruch verstr├Âmte, der sie abschrecken sollte. Nichts 
dergleichen war der Fall, es roch einfach nach gar nichts. Nun dann, 
dachte sich Karo, werden wir mal probieren. Sie mischte sich ein 
Getr├Ąnk zusammen und nippte vorsichtig am Glas. Es schmeckte nicht 
unangenehm, zwar nicht mit echtem Kakao zu vergleichen, aber auch nicht 
ekelerregend. Ich denke, damit k├Ânnte ich eine Weile leben. Karo trank 
das Glas in einem Zug aus. Hm, Karo drehte sich in der K├╝che um, 
irgendwie fehlt was richtiges zu beissen, aber da werd ich mich noch 
dran gew├Âhnen. Oh nein, Karo fuhr der Schreck in die Glieder, sie hatte 
sich doch heute mit Anne im Studio verabredet, um 20.00 Uhr. Karo warf 
einen schnellen Blick auf ihre Uhr. Es war 20 vor acht. Sie w├╝rde es 
gerade noch schaffen. Karo raffte i
 

Faten
Karo raffte ihre Sportsachen zusammen. Sie lief durch den Flur und 
schnappte sich im Vorbeieilen den Haust├╝rschl├╝ssel von der Kommode und  
die Jacke, die vorhin nur ganz fl├╝chtig ├╝ber einen Stuhl geworfen hatte.
Hoffentlich schaffe ich es noch Anne zu treffen, dachte Karo, w├Ąhrend 
sie zur Bushaltestelle lief.
 
Irgendwie hatt sie schon wieder Hunger. Mist, dachte Karo, jetzt habe 
ich heute so gesund gegessen, massen an ├äpfeln habe ich verdr├╝ckt und 
eben noch diesen angeblich s├Ąttigen Abnehmdrink getrunken. Und dann habe 
ich schon wieder Hunger. Das kann und darf doch gar nicht sein. Leicht 
gefrustet stieg sie in den Bus, der gerade eben neben ihr gehalten 
hatte.
 
Ob ich es jemals schaffen werde, gesund zu leben und gl├╝cklich zu sein?
 
Nachdenklich sa├č Karo im Bus und h├Ątte beinahe ihre Haltestlle verpa├čt. 
Sie sprang aus dem Bus. Gerade noch rechtzeitig. Puuh, das war knapp, 
dachte sie, w├Ąhrend sie die Beine in die Hand nahm, um keine Minute mehr 
zu vers├Ąumen. Anne w├╝rde sich wundern
 

Sabine
was sie alles zu berichten hatte. 10 Minuten sp├Ąter als beide 
nebeneinander auf dem Fahrrad sa├čen, konnte sie sich kaum auf das 
Gespr├Ąch konzentrieren, da sich die ganze Zeit ihr Magen bemerkbar 
machte. 
Vorsichtig schaute sie sich um, ob andere ihr Magenknurren auch 
bemerkten, aber dies schien nicht so zu sein. 
Und da hatte sie schon die leise Vorahnung, dass dieses Pulverzeug auch 
nicht die L├Âsung sein konnte. Nein, nein irgendwie wu├čte sie, dass sie 
essen musste, fettarm und gesund, aber sie musste feste Nahrung zu sich 
nehmen, lernen sich vern├╝nftig zu ern├Ąhren und nicht nur von  
Di├Ątdrinks. Und dann schmunzelte sie auf einmal ├╝ber sich selbst und wie 
sie wie eine Verr├╝ckte in den Drogeriemarkt gehetzt ist um die Drinks zu 
ergattern und jetzt - kurze Zeit sp├Ąter - war schon wieder alles vorbei. 
Als Anne sie aufmerksam betrachtete und meinte "lass mich gef├Ąlligst 
mitlachen" kl├Ąrte sie sie nat├╝rlich sofort auf, und Anne berichtete, 
dass sie 1/4 Jahr an einem Programm in einem Kra
 

sabine
in einem Krankenhaus teilgenommen hatte. "12 Wochen lang trank ich 
auch nur solch merkw├╝rdigen Di├Ątdrinks und hatte 25 kg abgenommen" 
plauderte Anne fr├Âhlich drauflos. Aber nur um in k├╝rzester Zeit 30 
kg wieder zuzunehmen, nun ja, solche Erfahrungen muss man halt machen, 
man darf sich blo├č nicht unterkriegen lassen
 

kuehlein
aha, dachte sich karo, annes erz├Ąhlung lauschend. 25 kilo in einem 
vierteljahr. hm, ok, dass sie 30 wieder zugenommen hat, das war pech. 
aber eigentlich klingen 25 kilo nicht schlecht. wenn sie die erstmal 
runter hat, dann gew├Âhnt sie sich halt an die fettarme ern├Ąhrung, 
dachte sich karo. das wird einem ja dann nicht mehr schwer fallen. und 
wenn sie erstmal 25 kilo weniger h├Ątte, mensch, wie sie aussehen w├╝rde. 
nein, zunehmen w├╝rde sie die NIE wieder. ach in karos kopf sprangen die 
gedanken. auf jeden fall aber hatte sie jetzt richtig hunger. sie zog 
anne vom rad und meinte: "komm, lass gut sein f├╝r heute. ich hab jetzt 
richtig kohldampf. heute k├Ânnte ich mir mal meine lieblingspizza 
leisten. ich hab schon so gut durchgehalten. ich brauche was festes, 
sonst kipp ich um."
 

Tina
Es wurde ein richtig lustiger Abend. Anne war so nett, und sie hatten 
so viele Gemeinsamkeiten. Beide hatten schon so einiges an Di├Ąten 
hinter sich, in denen sie nur Ananas, Kiwis oder Eier gegessen hatten 
und all das nun nicht mehr sehen konnten. Beide hatten nie besonders 
gern Sport gemacht und waren bei V├Âlkerball immer die Letzten gewesen, 
die in eine Mannschaft gew├Ąhlt wurden.
Und als Karo meinte, sie m├╝sse vielleicht mal den Kellner fragen, 
wieviele Kalorien in so einer Pizza sein mochten, lachte Anne herzhaft 
drauf los und umso mehr, als Karo ihr einen leicht verzweifelten Blick 
zuwarf.
 

 Tina
Doch Karo geno├č ihre Pizza, denn sie hatte die ganzen letzten Tage nur 
rohes Zeug gegessen und kaum etwas Warmes zu sich genommen.
Es wurde recht sp├Ąt und Anne brachte Karo noch nach Hause und fragte, 
ob sie sich sich nicht morgen nach der Arbeit treffen sollten um einen 
kleinen Stadtbummel zu unternehmen. Karo sagte gern zu und stieg 
gl├╝cklich grinsend aus. Winkend fuhr Anne davon und Karo merkte erst 
jetzt, wie m├╝de sie war.
 

lucie
Karo schloss die T├╝r auf. Dunkel lag die Wohnung vor ihr. Schemenhaft 
ragte der Fernseher im Wohnzimmer hervor. Mit einem leichten Fr├Âsteln 
erinnerte sich Karo an den gestrigen Abend und die Verletzung in Pauls 
Gesicht. Sie warf ihren Schl├╝ssel auf das Schr├Ąnkchen neben der T├╝r und 
langte nach dem Lichtschalter. Ein Schrei liess sie innehalten. Karos 
Augen weiteten sich in der Dunkelheit vor Schreck. Das war kein leiser, 
unterdr├╝ckter Laut, wie gestern abend, sondern ein durchdringender 
Schrei, der abrupt von irgendwas beendet wurde. Und er kam eindeutig 
aus der Wohnung ├╝ber ihr. Karo stand reglos an der T├╝r. Was sollte sie 
tun? Zu Paul hochgehen, an der T├╝r klingeln und sagen:"Entschuldigung, 
ich habe einen Schrei bei Ihnen geh├Ârt, ist alles in Ordnung?" Karo 
sch├╝ttelte leicht den Kopf. Paul war myteri├Âs genug, das w├╝rden sie 
sich nicht mal am hellichten Tag in Gabis Begleitung trauen. Gabi! Oh 
Gott, nein, er wird doch Gabi nichts antun!
 

 lucie
Der Schreck fuhr Karo in die Glieder. Verdammt! Karo ├╝berlegte 
fieberhaft. Sie wagte sich nicht Licht anzumachen, aus Angst Paul 
k├Ânnte den Lichtschein sehn, wenn er auf den Balkon hinausging. Dann 
h├Ątte er ganz sicher gewusst, das sie auch etwas geh├Ârt hat. Sie 
├╝berlegte, wen sie anrufen k├Ânnte. Aber, wer w├╝rde ihr das schon 
glauben, und wegen einem Schrei solches Aufheben machen. Vielleicht war 
sie wirklich etwas ├╝berreizt? Polizei? Die w├╝rden sie wahrscheinlich 
damit beruhigen, das Paul seinen Fernseher nur etwas lauter gemacht 
hat. Selbst, wenn sie hier auftauchten und es w├Ąre nichts in Pauls 
Wohnung, wie w├╝rde sie denn dastehen? Vermutlich w├╝rden sie an ihr 
hinunterblicken und sich sagen, das die pummliche junge Frau das 
Interesse ihres Nachbarn erwecken wollte und nun, da sie abgewiesen 
wurde, sich so an ihm r├Ąchen wollte. Karo malte sich diese Szene im 
Kopf aus. Sie k├Ânnte Paul nie mehr ins Gesicht schauen.
 

 lucie
Und Gabi auch nicht. Sie w├Ąre total blossgestellt. Anne! Anne w├╝rde sie 
verstehen. Aber sie hatte keine Telefonnummer von ihr, vielleicht auf 
der Karte. Karo lief leise in die Schlafstube, wo sie immer eine 
Taschenlampe zu liegen hatte. Gl├╝cklicherweise fand sie diese auch 
sofort und knipste sie an. Karo kam sich wie ein Einbrecher in der 
eigenen Wohnung vor. Soweit sie wusste, hatte sie die Karte in die 
K├╝che gelegt, als sie dieses Pulverzeug ausprobiert hatte. Sie huschte 
in K├╝che und leuchtete auf den K├╝chentisch. Pl├Âtzlich liessen dumpfe 
Ger├Ąusche von oben die Decke erbeben. Es h├Ârte sich an, als wenn jemand 
mit den F├╝ssen auf den Boden schlug. Oder mit dem Kopf? Karo hatte 
diese grausige Szene bildlich vor Augen. Sie leuchtete unter den Tisch, 
damit kein Lichtschein nach aussen gelangen konnte. Dann h├Ârte sie nach 
ein zweites Paar Schuhe, genau ├╝ber ihr, sie mussten jetzt unmittelbar 
neben der ersten Person stehen. Das Trampeln verstummte.
 

lucie
Nach einem Moment h├Ârte Karo ein schleifendes Ger├Ąusch, als wenn ein 
schwerer K├Ârper ├╝ber den Boden gezogen wurde. Die Wohnungst├╝r oben 
wurde ge├Âffnet und wieder geschlossen. Das schleifende Ger├Ąusch hielt 
an. An der Treppe verstummte es und eine Person ging langsam, 
schleppenden Schrittes herunter, als wenn sie mit etwas schwerem 
beladen ist. Karo schaltete die Taschenlampe aus. Ihr Herz klopfte ihr 
bis zum Hals, sie wagte es nicht, sich einen Millimeter zu bewegen. Die 
Haust├╝r wurde aufgestossen und einen Moment sp├Ąter h├Ârte sie, wie ein 
Auto angelassen wurde und davon fuhr. Karo stand eine halbe Ewigkeit 
bewegungslos da. Sie erwartete irgendwie, das das Auto zur├╝ckkam und 
derjenige sie entdeckte und auch in das Auto zog. Nichts dergleichen 
passierte. Sie kehrte ins Wohnzimmer zur├╝ck und setzte sich leise in 
den Sessel. Was war da geschehen, was sollte sie tun? Sie lehnte sich 
zur├╝ck, sie konnte doch jetzt nicht einfach ins Bett gehen, als sei 
nichts geschehen.

lucie
Karo war hellwach, aber in gleichen Moment war ihr Kopf auch wie leer. 
Sie sass nur da und starrte in die Dunkelheit. Die Angst schn├╝rte ihr 
immer noch den Hals ab und sie wagte kaum, sich im Sessel zu bewegen. 
Nach einer Weile fielen ihr automatisch die Augen zu und ihr Kopf 
sackte zur Seite weg.
Ein paar Stunden sp├Ąter riss sie ein qu├Ąkendes Ger├Ąusch aus dem Schlaf. 
Karo riss die Augen auf, in der Erwartung, Paul st├Ąnde vor ihr, bereit, 
ihr den Kopf einzuschlagen. Es war aber nur der Radiowecker, der aus 
dem Schlafzimmer zu ihr hin├╝bert├Ânte. Karo richtete sich in dem Sessel 
auf. Jeder Knochen tat ihr weh. Sie streckte sich. Irgendwie kam ihr 
die letzte Nachte so unwirklich vor. War sie etwa wieder eingeschlafen 
und hatte wieder alles nur getr├Ąumt? Wenn, dann sollte sie mal ganz 
dringend zum Psychater gehen. Sie schlurfte in die K├╝che, um sich einem 
Kaffee zu machen. Der erste Blick fiel auf die Taschenlampe, die noch 
immer auf dem K├╝chentisch lag.
 

lucie
Nein, es war kein Traum gewesen. Jede Einzelheit der vergangenen Nacht 
stand wieder vor ihrem Auge. Karo schlug die H├Ąnde vor ihrem Gesicht 
zusammen. Wenn sie nur w├╝sste, was los war. Bildete sie sich das alles 
nur ein? Karo f├╝hlte sich so hilflos. Erstmal was richtiges essen und 
dann w├╝rde sie wieder einigermassen klarsehen. Karo ├Âffnete den 
K├╝hlschrank und warf einen Blick hinein. Nein, da lag nur Gem├╝se und 
fettarmer Quark herum. Das war nicht das, was sie jetzt brauchte. Sie 
wollte irgendetwas S├╝sses, Fettiges, wie der Kuchen, den ihre Mutter 
immer gebacken hat, das w├╝rde sie beruhigen, sie w├Ąre wieder klein, sie 
h├Ątte f├╝r nichts Verantwortung, es w├╝rde sie nichts angehen, was 
rundherum geschieht. Was solls, sie k├Ąme auf dem Weg zur Arbeit eh an 
einer B├Ąckerei vorbei, da k├Ânnte sie sich dann ein oder zwei St├╝cken 
Kuchen holen. Bis sie in ihrem B├╝ro ankommen w├╝rde, h├Ątte sie den schon 
gegessen, so das das niemand weiter mitbekommen w├╝rde. Sie dachte kurz 
an das Ziel, was sie sic
 

 lucie
, was sie sich gesetzt hatte, das sie doch abnehmen wollte. M├╝de drehte 
Karo ihren Kopf zur Seite. Das ist eine Ausnahme heute, ich muss 
nachdenken, ich muss entscheiden, was ich tun soll, das kann ich nicht, 
ohne...Ohne was? Die Stimme in ihrem Kopf w├╝rde lauter. Ohne Kuchen und 
Schokolade kannst Du nicht nachdenken? Gib es doch zu, Du willst Dich 
wieder bet├Ąuben, wie unz├Ąhlige Male vorher auch schon, Du suchst wieder 
vor Dir selbst eine Entschuldigung, um passiv zu bleiben. "Nein", 
schrie Karo in die morgentliche Stille. Die V├Âgel draussen h├Ârten 
verwundert einen Moment lang auf zu zwitschern. Karo fasste sich an den 
Kopf. Was war nur los mit ihr? Ihr Blick geriet zuf├Ąllig auf die 
K├╝chenuhr. Schon 10 vor sieben. Sie musste sich ganz dringend beeilen. 
Sie duschte sich eilig, zog sich an und st├╝rmte aus der Wohnungst├╝r. Im 
Flur hielt sie einen Moment inne und blickte die Treppenstufen an, die 
nach oben f├╝hrten. Ein kurzes Schaudern ├╝berfiel sie. Rasch ging sie 
zur Haust├╝r weiter un
 

 lucie
und eilte aus dem Haus. Auf der Strasse blickte Karo nochmals zum Haus 
zur├╝ck. Die Vorh├Ąnge vor Pauls Fenstern waren noch zugezogen. Sie hatte 
den Eindruck, als wenn die Fenster sie feinselig anstarrten. Karo 
sch├╝ttelte den Kopf und setzte ihren Weg fort. Gegen├╝ber von der 
Bushaltestelle ging sie in die B├Ąckerei. Ein s├╝sslicher Duft nach 
Frischgebackenen umfing sie. Der Mann vor ihr unterhielt sich gerade 
mit der Verk├Ąuferin. "Ja, und die anderen standen nur drumherum und 
taten nichts", h├Ârte Karo den Mann gerade noch sagen. "Schlimm ist 
das", antwortete die Frau, "aber, was will man auch machen." Sie sah 
einen Moment lang betroffen auf die vor sie liegenden Br├Âtchen 
herunter."..taten nichts..", Die Worte klangen in Karos Ohren nach. War 
sie nicht auch eben im Begriff nichts zu tun? "Was m├Âchten Sie?" Die 
B├Ąckersfrau l├Ąchelte Karo an. " ├ähm". Karo gab sich einen Ruck. "ich 
h├Ątte gern zwei Mehrkornbr├Âtchen." Die Frau packte die Br├Âtchen in eine 
T├╝te und tippte auf der Kasse herum.
 

lucie
"Und, ausserdem noch?" Karo h├Ątte am liebsten geschrien, noch zwei 
Streuselkuchen und ein St├╝ck von dem Pflaumenkuchen und ausserdem noch 
ein St├╝ck Quarkkuchen. "Nichts weiter, danke",sagte Karo mit belegter 
Stimme. Sie bezahlte die Br├Âtchen und stolperte aus dem Laden. 
Gl├╝cklicherweise kam auch gerade ihr Bus, sonst w├Ąre sie vielleicht 
nochmal zur├╝ckgegangen. Im B├╝ro angekommen, sank Karo auf ihren Stuhl. 
So weit, so gut, dachte sie sich. Aber wie nun weiter. Sie sp├╝rte, das 
sie Hunger bekam. Sie zog ein Br├Âtchen aus ihrer Tasche und begann 
gedankenverloren darauf herumzukauen. "Hey Karo", ein Kollegin stubste 
sie von der Seite an, "alles ok? Du siehst etwas ├╝bern├Ąchtigt aus. Bis 
in den fr├╝hen Morgen gefeiert?""├ähm, nein", Karo blickte etwas 
├╝berrascht auf. "Ich hab nur schlecht geschlafen, letzte Nacht. Wir 
hatten Vollmond, nicht?" versuchte Karo zu scherzen. "Meines Wissens 
nach nicht",lachte die Kollegin."Im ├╝brigen steht Dein Quark noch im 
K├╝hlschrank,
 

lucie
ich glaube, den hast Du gestern vergessen." "Oh danke." Karo fiel es 
pl├Âtzlich wieder ein, das sie den fettarmen Quark in den K├╝hlschrank 
gestellt hatte und wegen der ganzen Aufregung mit dem Wunderpulver 
diesen total vergessen hatte. Da musste sie ihr Br├Âtchen nachher 
wenigsten nicht trocken herunterw├╝rgen. Der Tag verging ziemlich 
schnell, zum Mittag hatte Karo noch ein halbes Br├Âtchen vom Fr├╝hst├╝ck 
und noch ein paar ├äpfel vom gestrigen Tag. Nachmittags packte sie aber 
doch der Hunger. Ich werde mit Anne erstmal was essen gehen, sonst kipp 
ich auf der Strasse noch um. Reicht schon, das ich aufpassen muss, um 
nicht beim Laufen einzuschlafen. Karo freute sich darauf, sich mit Anne 
zu treffen. Sie hatte irgendwie den Eindruck, das sie Anne so vieles 
erz├Ąhlen konnte, was ihre Freundinnen, wie Babsi oder auch Gabi nie 
verstehen w├╝rden. Sie waren eben noch nie dick und konnten sich 
wahrscheinlich gar nicht vorstellen, was Karo in manchen Situationen 
empfand.
 

 lucie
Anne wartete schon auf Karo am vereinbarten Treffpunkt. Als Karo sie 
sah, lief sie die letzten Schritte auf Anne zu. "Hab ich mich 
versp├Ątet?" stiess Karo keuchend hervor. Anne lachte. "Nein, Karo, 
beruhige Dich, ich war nur schon etwas fr├╝her hier. Kein Grund, gleich 
in Hektik zu verfallen." Karo schluckte, "irgendwie bin ich heute auch 
nicht in H├Âchstform. Anne, ich muss ganz dringend was essen, sonst 
breche ich hier vor Deinen F├╝ssen zusammen." "Soweit wollen wir das 
doch nicht kommen lassen." Anne wandte sich zum Gehen um. "Ganz in der 
N├Ąhe hier hat eine Salatbar aufgemacht." "Salatbar?" Karo blickte Anne 
zweifelnd an. "Ja, nun komm schon, Karo, da gibt es verschiedene Salate 
und herrlich frische Vollkornbaquette dazu. Ich hab n├Ąmlich auch 
Hunger." Anne kicherte. "Bevor wir uns hier unter den Passanten ein 
wehrloses Opfer schnappen, schlage ich vor, wir f├╝llen uns den Bauch 
mit Salat und die Menschheit ist ne Zeitlang sicher vor uns." Karo 
prustete laut los.
 

lucie
Das war genau das, was sie an Anne liebte. Sie hatte eine wunderbar 
unkomplizierte Einstellung zu ihrem Essdrang und versuchte diesen 
nicht, wie Karo, zu unterdr├╝cken und sich damit ein ungutes Gef├╝hl zu 
verschaffen, was im n├Ąchsten Fressanfall endete. Anne stand ganz 
offensichtlich zu ihren Fehlern. "Weisst Du, Karo",hatte Anne mal zu 
ihr gesagt,"es n├╝tzt mir nichts, wenn ich mir sage, ich h├Ątte kein 
Problem mit dem Essen, wenn mein Spiegelbild mir jeden Tag das 
Gegenteil beweisst. Ich muss einen Weg finden, damit umzugehen, einen 
Weg, der f├╝r mich gangbar ist, ohne das ich auf der Strecke 
bleibe." "Na dann los", Karo zog Anne mit sich fort,"sonst st├╝rz ich 
mich doch noch auf den knackigen, jungen Mann da dr├╝ben, der w├╝rde sich 
vor Schreck sicher gleich flach auf den Boden werfen." Anne lachte 
lauthals. "Und wahrscheinlich um Gnade flehen, und Dir all seine 
Rentenfonds und Aktien anbieten, um ihn am Leben zu lassen." Karo 
grinste,"ich w├╝rde gn├Ądig sein".
 

lucie 
Kichernd zogen beide die Strasse hinunter und gingen in die von Anne 
benannte Salatbar. Sie fanden einen Tisch am Fenster, der etwas abseits 
der anderen stand. Der Kellner brachte sofort die Karte und Karo 
blickte staunend hinein. "Ich h├Ątte nicht gedacht, dass es so viele 
Salate gibt. Ist ja wirklich schwer eine Auswahl zu treffen." Anne 
lachte. "Dachtest Du, es gibt nur gemischten Salat, der in den meisten 
Restaurants auch noch aus ein paar verwelkten Bl├Ąttern und 
Wassertomaten besteht?" "Ja, so ungef├Ąhr", meinte Karo, "ich hatte 
eigentlich immer eine Abneigung gegen dieses Gr├╝nfutter, ich konnte mir 
nie vorstellen, dass sowas schmecken k├Ânnte, aber wenn ich das hier 
sehe, lasse ich mich gern zum Salatessen ├╝berreden." Die Getr├Ąnke kamen 
und beide bestellten das Essen. Als der Kellner wieder weg war lehnte 
sich Karo zur├╝ck. Sie f├╝hlte sich total zerschlagen, die letzte Nacht 
machte sich doch langsam bemerkbar. "Du siehst m├╝de aus", bemerkte 
Anne."War der Tag so anstrengend?"
 

lucie 
"Der Tag weniger, mehr die Nacht davor." "Hey, Karo, ist da was, was 
ich noch nicht weiss?" Anne beugte sich neugierig nach vorn. Karo 
lachte. "Nicht mal die Andeutung dessen, was Du vielleicht denkst.Es 
ist..", Karo setzte sich aufrecht in ihren Stuhl, "es ist etwas 
Komisches passiert und ich weiss nicht, wie ich darauf reagieren soll 
und ob es ├╝berhaupt von Bedeutung ist." "Karo", Anne blickte sie an,"es 
scheint irgendwas zu sein, was Dich ziemlich belastet. Am besten, Du 
erz├Ąhlst es einfach mal und dann sehen wir weiter, ok?" Karo nickte und 
begann zu erz├Ąhlen. Von Paul, den Schreien aus seiner Wohnung, dem 
Kratzer auf seiner Wange und schliesslich davon, dass irgendwer oder 
irgendwas weggeschleppt wurde und ein Auto davon fuhr. Anne unterbrach 
Karo nicht ein einziges Mal. Jetzt, wo Karo das alles erz├Ąhlte, kam es 
ihr so unwirklich vor. "Ich frage mich ausserdem", sagte Karo,"warum 
ich nicht zum Fenster gegangen bin, um zu sehen, ob es Pauls Auto war, 
was da weggefahren ist."
 

lucie
Karo st├╝tzte ihren Kopf mit der Hand ab. "Hm", machte Anne,"ich weiss 
nicht, ob ich das getan h├Ątte. Irgendwie h├Ârt sich das nicht nach einem 
Kinderspiel an. Hast Du Dir mal ├╝berlegt, zur Polizei zu gehen und das 
alles zu erz├Ąhlen?" Karo sch├╝ttelte den Kopf. "Ich habe daran gedacht, 
aber denkst Du wirklich, die glauben mir das? Und was ist, wenn alles 
ganz anders ist und ich mir irgendwelche Horrorgeschichten nur 
ausdenke? Wie stehe ich dann da? Die w├╝rden doch nur an Pauls 
Wohnungst├╝r klingeln und sagen, dass ich einen Verdacht ge├Ąussert 
h├Ątte. Und wahrscheinlich w├╝rden sie dann alle ├╝ber mich lachen und ich 
k├Ânnte mich nie wieder aus der Wohnung trauen. Mir wird ganz schlecht 
bei der Vorstellung, wie mich alle anstarren w├╝rden." "Denkst Du, die 
w├Ąren so kurzsichtig?" Karo blickte Anne an. "Ja, das denke ich. Sieh 
mich doch nur an. Sie w├╝rden mich nicht ernst nehmen. Ich bin doch nur 
ne rundliche Witzfigur,wie sollte mir diese Geschichte irgendjemand 
abnehmen?"
 

Faten
"Aber", meinte Anne, "Du hast doch erz├Ąhlt, da├č Du mit dieser Gabi so 
gut kannst. Du k├Ânntest doch einfach in den Frisiersalon gehen und sie 
ansprechen, ob sie bei Paul eingezogen ist, oder so. Vielleicht erz├Ąhlt 
sie etwas, was die Geschichte ein wenig aufhellt, und du vergewisserst 
dich gleich, ob es ihr gut geht." "Hmmh", machte Karo. "Ich wei├č nicht." 
Ihr fr├Âstelte leicht, als sie an die Ger├Ąusche in der Nacht im 
Zusammenhang mit Gabi dachte. "Ich k├Ânnte ja mal beim Laden vorbeisehen. 
Aber ich wei├č nicht, ob ich sie darauf ansprechen soll. Nachher ist dort 
wirklich was Kriminelles passiert und sie erz├Ąhlt ganz unbedarft Paul 
von meiner Fragerei. Nee, lieber sprech ich sie nicht darauf an." Anne 
machte ein nachdenkliches Gesicht und schwieg. Bek├╝mmert guckte Karo auf 
die Tischplatte vor sich. Ihre rechte Hand spielte mit den Zinken ihrer 
Gabel. Das Schweigen wurde gebrochen, als ein sehr junger netter Kellner 
mit den Salaten kam. "Guten Appetit, meine Damen" l├Ąchelte er, w├Ąhrend

Faten
"Guten Appetit, meine Damen" l├Ąchelte er, w├Ąhrend er die Teller 
plazierte. "Haben Sie noch einen Wunsch?" fragte er freundlich. "Nein 
danke", kam es von Anne. Sie warf Karo einen langen besorgten Blick zu. 
Karo stocherte nun lustlos im Salat. "Wenn du magst", sagte Anne, "dann 
gehen wir zusammen hin. Du solltest dich von der Sache nicht so 
runterziehen lassen. Vielleicht kl├Ąrt sich ja alles in Wohlgefallen auf. 
Probier doch mal den Salat! Sieht der nicht gut aus?"


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