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(o o)
oOOo-(_)-oOOo
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 www.tinto.de

© Eva Schumann,    Freising 2001

 
         lucie
         "Ich werde allein zu Gabi gehen", murmelte Karo ├╝ber ihren Salat hinweg
         zu Anne. "Karo, du weisst...". "Ja, ich weiss", unterbrach sie
         Anne. "Und ich danke Dir auch daf├╝r." Karo blickte Anne ins
         Gesicht. "Nur das muss ich allein tun, ich hoffe, du verstehst das. Ich
         bin dir so dankbar, dass du mir zugeh├Ârt hast und mich nicht f├╝r
         verr├╝ckt erkl├Ąrt hast, aber das, was ich tun muss, kann mir keiner
         abnehmen." "Baby, jeder stirbt f├╝r sich allein". Anne zielte mit dem
         Zeigefinger auf Karos Kopf. "Poff". Anne pustete den imagin├Ąren Rauch
         von ihrem Finger. Karo lachte erleichtert los, es war als l├Âste sich
         eine Spannung in ihr, die sie die letzten Stunden begleitet hatte. "Was
         w├╝rde ich nur ohne dich machen, Anne". "Ich weiss nicht, Karo,
         vermutlich mit dir selber Schach spielen." "Oh, nein", lachte Karo,"das
         ganz sicher nicht, ich bin ein katastrophaler Schachspieler".
         Sie zahlte ihre Rechnung und verliessen das Lokal. Munter plaudernd
         bummelten sie durch die Stadt, bis langsam dunkel wur

         lucie
         de. An der Bushaltestelle verabschiedeten sich beide voneinander. "Ich
         werde morgen gleich zu Gabi gehen", sagte Karo. "Ich w├╝nsch dir viel
         Gl├╝ck dabei, Karo, und ich w├╝nsch dir, das sich alles in Wohlgefallen
         aufl├Âst." "Nun, diese Hoffnung hege ich nicht gerade, aber trotzdem
         danke." Der Bus n├Ąherte sich und hielt an. Die T├╝r ├Âffnete sich und das
         grelle Licht schien auf den Gehsteig hinaus. "Ich werde an dich denken,
         Karo". Anne umarmte Karo. "Und ruf mich an, Kleines". Karo l├Âste sich
         aus der Umarmung und stieg in den Bus. Die T├╝r schloss sich zischend
         hinter ihr. Im Wegfahren sah sie, wie Anne ihr hinterherwinkte. Karo
         hob die Hand, um zur├╝ckzuwinken. Sie f├╝hlte sich pl├Âtzlich allein und
         etwas verloren, insbesondere, wenn sie an das dachte, was sie morgen
         vorhatte. Karo atmete tief durch und legte ihren Kopf in den Nacken.
         Ich schaffe es, sagte sie zu sich selbst, ich muss doch nur Gabi
         fragen, wie es ihr geht, ist doch nun wirklich nichts dramatisches. Es
         war nur der Punkt, das
          
         lucie
         zusammenhing, ihr einen kalten Schauder ├╝ber den R├╝cken jagte.
         An ihrer Haltestelle stieg sie aus und ging die letzten Meter zu ihrem
         Haus. Das Haus lag dunkel da. Nur im obersten Geschoss waren ein paar
         Lichter an. Pauls Vorh├Ąnge waren immer noch zugezogen. Vermutlich war
         er nicht zu Hause, oder er schlief schon. Karo durchquerte leise den
         Hausflur und huschte in ihre Wohnung. Im Flur hielt sie inne und
         lauschte auf die Wohnung ├╝ber ihr. Alles war ruhig. Ich sollte mich
         nicht selber verr├╝ckt machen, sagte sich Karo. Sie machte das licht an.
         Die Wohnung lag da, wie sie sie am Morgen verlassen hatte. Sie
         schl├╝pfte ins Bad und lag zehn Minuten sp├Ąter im Bett. Sie war
         hundem├╝de. Kurz nachdem sie das Licht gel├Âscht hatte, fiel sie in einen
         tiefen, unruhigen Schlaf. Sie tr├Ąumte davon, dass sie mit Paul auf dem
         Dach stand und er sie runterst├╝rzen wollte. Aber er schaffte es
         irgendwie nicht, an sie heranzukommen, irgendetwas stand zwischen
         ihnen. Im Schlaf seufzend drehte sie sich auf die
          
         lucie
         auf die andere Seite. So h├Ârte sie auch nicht, dass Pauls Auto vor der
         T├╝r hielt.
          
         Jerusha
         Am n├Ąchsten Tag nach B├╝roschluss setzte Anne sich in den Bus. Zwei
         Stationen vor ihrer Wohnung stieg sie mit klopfendem Herzen aus und
         ging langsam Richtung Friseursalon. Was sollte sie Gabi nur als Vorwand
         angeben? "Hallo, sch├Ân, Dich zu sehen, ich dachte, Dein Freund h├Ątte
         Dich umgebracht!"??? Sie stiess die T├╝r zum Salon auf. Gabi's Kollegin
         schaute von ihrer Arbeit am Tresen auf. "Hallo!", l├Ąchelte sie Anne an.
         "Hallo! Ich w├╝rde gern mit Gabi sprechen." "Oh, das tut mir leid, aber
         Gabi ist heute nicht da. Kann ich weiterhelfen?" Sie war nicht da?
         Annes Herz klopfte. "Hat sie Urlaub, oder ist sie krank?" "Ehrlich
         gesagt, das wissen wir leider auch nicht... sie hat nicht angerufen und
         geht auch nicht an ihren Apparat... wir wundern uns auch schon." Anne
         wurde ├╝bel. Sollte sie etwas sagen? Sie brachte es gerade noch fertig,
         sich zu bedanken und st├╝rzte aus dem Laden.
          
         lucie
         Auf der Strasse angekommen, blieb Karo einen Moment lang stehen und
         atmete tief durch. Reichte das nicht langsam alles? Die Ger├Ąusche aus
         Pauls Wohnung und nun war Gabi auch noch verschwunden, eindeutiger ging
         es doch gar nicht mehr. Ich werde zur Polizei gehen, sagte sich Karo,
         jetzt sofort und auf der Stelle. Vielleicht solltest du erst nach Hause
         fahren und noch was essen, fl├╝sterte eine innere Stimme ihr zu, du hast
         noch das Eis im Tiefk├╝hlfach, das hast du vergessen, als du deinen
         K├╝hlschrank ausgemistet hast. Da kannst du dich dann erstmal beruhigen
         und in Ruhe dar├╝ber nachdenken, was du der Polizei sagen willst. Nein!
         Karo blickte entschlossen auf. Sie kannte das, wenn sie erstmal zu
         Hause war und Eis in sich hineinstopfte, w├╝rde sie wieder unt├Ątig
         bleiben. Das konnte sie nicht tun, sie konnte doch Gabi nicht einfach
         im Stich lassen.
         Karo setzte sich in Richtung Bushaltestelle in Bewegung. Ich werde
         einfach erz├Ąhlen, was ich gesehen und geh├Ârt habe,
          
         lucie
         sprach Karo sich Mut zu. Und wenn sie mich auslachen, kann ich nichts
         dran ├Ąndern, ich habe es zumindest versucht.
          
         lucie
         An der Haltestelle angekommen, sah sich Karo etwas mutlos um. Ihre
         Augen streiften das Haus gegen├╝ber, sie sah die kleine Pizzeria, die
         sie einmal fast zum Essen verleitet h├Ątte. Weil das Wetter heute tr├╝be
         war, standen keine St├╝hle draussen herum. Durch die Fensterscheiben
         konnte Karo die hektischen Bewegungen des Kellners beobachten. Genau an
         dieser Stelle hatte sie sich auch mit Paul unterhalten, als Gabi dazu
         kam und Paul als ihren Freund vorstellte. Sie sah so gl├╝cklich aus.
         Tr├Ąnen schossen Karo in die Augen. Es konnte nicht sein, dass Gabi tot
         ist, das geht einfach nicht! Verschleierten Blickes wanderten ihre
         Augen weiter, als wolle sie jede Einzelheit dieses Bildes festhalten.
         ├ťber die Fenster des Hauses, weiter zur H├Ąuserecke, den sich daneben
         hinschl├Ąngelnden Weg, weiter zu den B├Ąumen, die fast im Gestr├╝pp
         verschwanden. Irgendetwas war falsch an diesem Bild, etwas, was sich
         ihr Gehirn weigerte, zu akzeptieren. Eine schlanke Gestalt war aus dem
         Schatten des Hauses hervorget
          
         lucie
         hervorgetreten und eilte ├╝ber die Strasse.
         "Gabi", br├╝llte Karo und rannte auf die entgegenkommende Person zu.
         Gabi winkte ihr von der Strasse aus zu."Gabi!" Karo brachte nichts
         weiter als ihren Namen hervor. Bei ihr angekommen, fiel sie Gabi um den
         Hals. "Gabi, was machst Du denn,Du kannst doch nicht einfach so in Luft
         aufl├Âsen, ich dachte schon, Du lebst gar nicht mehr.." Gabi befreite
         sich aus der Umarmung. "Hey, Karo, was ist denn los, ich war doch grade
         mal einen halben Tag weg. Ich wollt mich nur schnell noch im Laden
         melden, dass ich den Tag heute Urlaub nehme." Karo wischte sich die
         Tr├Ąnen aus den Augen. Gabi sah sie besorgt an. "Ist wirklich alles in
         Ordnung mit Dir, Karo, Du siehst reichlich mitgenommen aus." "Ja, Gabi,
         ist alles in Ordnung." "Na, sicher?" Gabi sah sie immer noch etwas
         zweifelnd an. "Warte mal kurz, Karo, ich geh nur schnell in den Laden,
         sag Bescheid und dann gehen wir noch einen Kaffee trinken, ja? Ich muss
         Dir n├Ąmlich auch noch was berichten."
          
         lucie
         Gabi setzte eine geheimnisvolle Miene auf. "Gut, Gabi, ich warte
         solange hier draussen." "Bis gleich", Gabi eilte weiter die Strasse
         entlang und verschwand im Friseursalon. Karo setzte sich auf die Bank
         an der Bushaltestelle und st├╝tze ihren Kopf mit den H├Ąnden ab. Neben
         ihr hielt der Bus und ├Âffnete zischend seine T├╝ren, Karo sah auf und
         gab dem Fahrer zu verstehen, dass sie nicht mitfahren wollte. Die T├╝ren
         schlossen sich wieder und mit aufheulendem Motor setzte sich der Bus in
         Bewegung.
          
         Christine
         das Umfeld in der ich mich befinde nimmt mir so viel Kraft ...dachte
         Karo und beschloss sich wieder auf das wesentliche zu konzentrieren.
         Mein Ziel ist es abzunehmen um mich besser zu f├╝hlen und somit setze
         ich Paul ganz weit hinten an, sagte sie laut und ging Heim. Denn nur
         wenn ich zufrieden mit mir selbst bin wird auch ein Mann dieses sp├╝ren
         und automatisch ein gefallen an mir finden.
          
         christine
         Karo setzte sich an ihren Schreibtisch und ├╝berlegte. Dann pl├Âtzlich
         sprang sie auf und rief "ich hab's!" Ich brauche im Moment keinen
         festen Freund sondern eine Person die auch abnehmen m├Âchte. Gemeinsam
         dies zu meistern w├╝rde mehr Spass machen und man k├Ânnte sich regelm├Ą├čig
         treffen und austaschen. Allerdings wusste sie, dass Sie kaum Zeit hatte
         noch Termine einzur├Ąumen. Fitness mehrmals in der Woche und im B├╝ro
         musste man ├ťberstunden machen - also beschloss Karo ein Internet Chat
         einzurichten. Hier w├╝rde sie nette Leute die abnehmen wollen finden mit
         den man Chatten kann. Hier Karos Idee: Es findet sich eine Gruppe
         (Anzahl egal) die mitmachen und ihr Start-Gewicht angeben. Einmal pro
         Woche m├╝ssen alle in dieser Chatrunde aktuelles Gewicht der Gruppe
         mitteilen (Am besten immer am selben Wochentag). Also hat man ein
         zus├Ątzliches Ziel immer 0,5 - 1 Kilo weniger zu haben als die Woche
         zuvor. (Vorauszetzung ist immer die Wahrheit mitzuteilen)
         Somit hat Karo den Kontakt zu anderen, ka
          
         christine
         Somit hat Karo den Kontakt zu anderen, kann weiterhin viel ins
         Sportstudio und nur nach Bedarf treffen mit Leuten aus dem Chat. Mit
         dieser Schnapsideee ging Karo schlafen.
          
         lucie 
         Als Karo im Bett lag, durchdachte sie noch einmal den Abend, den sie
         mit Gabi verbracht hatte. Sie hatten sich in die Pizzeria gegen├╝ber der
         Bushaltestelle gesetzt. Gabi war so aufgel├Âst, dass sie ├╝berhaupt
         nichts essen wollte. Karo schielte auf die Seite, wo verschiedene
         Pizzen abgebidet waren. Allein der Anblick liess ihr das Wasser im Mund
         zusammenlaufen. Schliesslich hatte sie dann aber doch f├╝r Pasta mit
         Tomatensosse entschieden, das schien ihr noch die vern├╝nftigste
         Variante zu sein. Irgendwie war das schon ein komisches Gef├╝hl
         dazusitzen und zu essen, w├Ąhrend Gabi mit leutenden Augen erz├Ąhlte.
         Karo bildete sich ein, dass nun nat├╝rlich alle auf sie schauen w├╝rden
         und sich ganz sicher ihren Teil denken w├╝rden. Sie senkte ihren Kopf
         weiter auf den Teller hinab, als k├Ânne sie so aus dem Blickfeld der
         anderen verschwinden. "Karo, h├Ârst Du mir ├╝berhaupt zu?" Gabi schaute
         Karo leicht befremdet an. "Was ist nur mit Dir, Du liegst ja fast in
         Deinen Nudeln!" "├ähm, ja nat├╝rlich."
          
         Faten
         "Du wirst es nicht glauben", prophezeite Gabi Karo. "Paul ist ja so ein
         S├╝├čer!" "Rat mal, was er in der letzten Woche ausgeheckt hat!",
         forderte Gabi, ihre Augen blitzten ├╝ber ihrem strahlenden L├Ącheln. Karo
         horchte auf und kaute ganz bedacht auf ihren Nudeln, die sie sich
           gerade in den Mund geschoben hatte. Die ├ängste und Gedanken, die sie
           sich in den letzten Tagen um ihre Lieblingsfriseurin gemacht hatte,
           flitzten ihr ungeordnet durch den Kopf. Wie war das noch mit dem Krach
           und dem Auto in der Nacht? Und Gabi war so lange nicht da gewesen! Und
           diese Schramme! Gab es nun doch eine harmlose Erkl├Ąrung oder meinte
           Gabi ganz andere Dinge? Karo ├╝berlegte fieberhaft. "Na, nun sag schon,
           was du denkst!", kam es da schon dr├Ąngend von ihrem Gegen├╝ber. Karo
           schluckte und nahm noch einen gro├čen Schluck Wasser.
            
           lucie
           "Du bist klammheimlich bei ihm eingezogen, ohne mir ein
           Sterbensw├Ârtchen zu sagen." "Wie kommst Du denn darauf!" Gabi blickte
           Karo schief an. "Nein, viel besser!" Das Leuchten kehrte in Gabis Augen
           zur├╝ck. "Der ├ärmste hat Tag und Nacht geschuftet, ├ťberstunden ohne Ende
           gemacht, um zwei Tage rauszuarbeiten. Und dann stand er pl├Âtzlich vor
           meiner T├╝r, hat mich geschnappt und ist mit mir weggefahren. Wir waren
           in einem wundersch├Ânen kleinen Hotel am Meer, Karo, ich sage Dir, es
           ist ein Traum." "W├Ąre es nicht einfacher gewesen, er h├Ątte Urlaub
           genommen?" "Karo, sei doch nicht so schrecklich unromantisch! Ausserdem
           h├Ątte er keinen Urlaub bekommen, weil momentan so viel zu tun ist" Gabi
           lehnte sich zur├╝ck. Ihr Gesicht hatte einen schw├Ąrmerischen Ausdruck
           angenommen. "Ich hatte ihn die ganze Woche nicht gesehen, ich hatte ihn
           schon so vermisst." Karo versuchte krampfhaft sich nicht zu
           verschlucken. "Moment Gabi, Du willst sagen, Du warst die ganze Woche
           nicht bei ihm gewesen?"
            
           lucie
           "Nein, warum?" Gabi beugte sich vor und stellte ihre F├╝sse
           nebeneinander. "Ausserdem wollen wir die ganze Beziehung wirklich
           langsam angehen lassen, nur nichts ├╝berst├╝rzen." "Was meinst Du mit nur
           nichts ├╝berst├╝rzen?" Karo blickte Gabi etwas verwundert an. "Wie lange
           kennt Ihr Euch jetzt?" Gabi hob den Blick zur Decke. "Ich sch├Ątze mal
           zweieinhalb bis drei Monate." Karo zog ihre Mundwinkel nach
           unten. "Gabi, h├Âr auf damit, Du weisst ganz genau, wie lange Ihr Euch
           kennt." Gabi legte ihre Stirn in Falten. "Also gut, drei Monate und
           f├╝nf Tage, wenn Du es ganz genau wissen willst." "Und da habt Ihr noch
           nichts miteinander gehabt?" Karo sah Gabi etwas ungl├Ąubig
           an. "Entschuldige, Gabi, wenn ich das so direkt formuliere, aber das
           ist doch ansonsten nicht Deine Art. Du gehst doch sonst auch immer auf
           alles oder nichts." Gabi liess ger├Ąuschvoll die Luft aus ihrem Mund
           entweichen. "Na danke, Karo." Karo legte ihre Hand auf Gabis
           Unterarm. "Gabi, sei jetzt bitte nicht beleidigt, Du weisst
            
           lucie
           doch, wie ich es meine." Gabi zog ihrem Arm von Karos Hand
           zur├╝ck. "Paul meint es w├Ąre besser, wenn wir uns erstmal n├Ąher
           kennenlernen w├╝rden. Wenn wir dann vielleicht doch feststellen, dass
           wir nicht zusammenpassen, w├╝rde eine Trennung nicht so schwer fallen,
           wenn wir noch nicht zu nah beieinander gewesen w├Ąren." In Gabis Auge
           schimmerte eine Tr├Ąne. "Manchmal denke ich ja auch, ich gefalle ihm
           einfach nicht." "Quatsch Gabi, aus welchem Grund sollte er denn mit Dir
           zusammensein." Karo ├╝berlegte krampfhaft, was sie sagen k├Ânnte, um dem
           Gespr├Ąch eine Wendung zu geben. "Hey, was ist eigentlich mit der
           Schramme auf Pauls Wange. Ist er gegen den Schrank gelaufen?" Gabi sah
           Karo irritiert an. "Ach, der Kratzer. Den hat der Hund von einem
           Arbeitskollegen verursacht. Paul wollte etwas mit ihm spielen und schon
           wars passiert." "Ach so", meinte Karo,"ich dachte schon, weil so ein
           Tumult in seiner Wohnung war. Karo ├╝berlegte, ob sie sich nicht ein
           Dessert bestellen sollte.
            
           lucie
           Aber eigentlich war die Tomatensosse schon von ├ľl durchtr├Ąnkt gewesen.
           Karo schielte wiederum auf die bunten Bildchen, wo die Eisbecher
           abgebildet waren. Vielleicht duch nur 2 Kugeln Eis, vielleicht ein
           klitzekleines bisschen Sahne. Sie wusste, eigentlich sollte sie das
           sein lassen. Aber der Eisbecher hatte sich in ihrem Gehirn verhakt.
           Nein, sie w├╝rde standhaft bleiben, diesmal w├╝rde sie gewinnen. Karo
           merkte, dass sie nerv├Âs wurde. "Karo!!!!" Gabi fuchtelte mit ihrer Hand
           vor Karos Augen herum. Karo blickte erschreckt auf. War sie wirklich
           schon wieder weggetreten? "Karo, ich hab dich gefragt, was das f├╝r ein
           Tumult gewesen ist? Was ist bloss los mit dir, du hast dich irgendwie
           ver├Ąndert." Gabi sch├╝ttelte leicht den Kopf. "Entschuldige Gabi". Karo
           senkte ihren Kopf leicht ab. "K├Ânnen wir gehen, Gabi, ich brauch etwas
           frische Luft." "Nat├╝rlich Karo", sagte Gabi und winkte den Kellner
           heran.
           Auf der Strasse angekommen, atme Karo tief durch.
            
           lucie
           Der k├╝hle Abendwind schien das Verlangen nach dem Eis einfach
           fortzupusten. Karo hoffte es zumindest. "Kannst du mir jetzt meine
           Frage beantworten?" Gabi stand mit vor der Brust verschr├Ąnkten Armen
           vor ihr. "Nun ja, es h├Ârte sich so an, als ob M├Âbel hin-und
           hergeschoben wurden. Deswegen hatte ich ja auch die Vermutung, dass du
           bei Paul eingezoegn w├Ąrst."Hm", machte Gabi,"er hat mir gar nichts
           davon gesagt, dass er die Wohnung umger├Ąumt hat." "Vielleicht wollte er
           dich ├╝berraschen." Gabi machte einen Schritt zur Seite. "Ich werde ihn
           morgenmal fragen. Karo sah keine Veranlassung, warum sie das Gabi
           ausreden sollte. Paul hat seine Wohnung etwas umger├Ąumt und
           wahrscheinlich ein altes M├Âbelst├╝ck entsorgt. Aber warum mitten in der
           Nacht, meldete sich eine leise Stimme in ihrem Inneren.
           H├Âchstwahrscheinlich, weil er den ganzen Tag arbeiten musste,
           antwortete Karo ├Ąrgerlich der Stimme. Und was ist mit dem zweiten Paar
           F├╝sse, die auf den Boden ├╝ber dir gestampft haben?
            
           lucie
           fuhr die Stimme unbeirrt fort. Das habe ich mir eingebildet, gab Karo
           zur├╝ck. Vielleicht hat ihm ja auch jemand geholfen. Und wo ist dieser
           zweite dann geblieben? Die Stimme liess nicht locker. Was weiss ich
           denn. Karo wurde langsam ungehalten. Ich weiss doch nicht, was sich in
           Pauls Wohnung abspielt, ich bin doch nicht sein Aufpasser. Die Stimme
           verstummte, liess aber irgendwie ein Gef├╝hl des Unbehagens in Karo
           zur├╝ck. Karo und Gabi gingen schweigend nebeneinander her. "Du sag mal
           Karo", Gabi blieb abrupt stehen."Gehst du neuerdings ins
           Fitnessstudio?" "Ja", antwortete Karo verwirrt, "warum? Woher weisst du
           das?" "Paul hat es mir erz├Ąhlt. Er ist in dem gleichen Studio, nur hat
           er wegen der ganzen Arbeit momentan wenig Zeit dazu. Er hat dich einmal
           gesehen, aber du hast ihn nicht bemerkt. Er sagt, du sasst ganz
           versunken auf dem Fahrrad". Karo merkte, dass sie rot wurde. Aus einem
           unerkl├Ąrlichen Grund war es ihr peinlich, dass jemand bekanntes sie
           dort gesehen hatte.
            
           lucie
           "Ich w├╝rde gerne mal mitkommen." sagte Gabi. Karo sah sie etwas
           verwundert an. "Wozu denn das, Gabi?" "Warum denn nicht, Karo? Ich
           wollte mich schon immer mal aufraffen, aber alleine hatte ich keine
           Lust." Gabi packte Karo am Arm. "Wir k├Ânnen ja auch mal zu dritt gehen
           und danach noch irgendwo was trinken. Das wird bestimmt lustig! Was
           denkst du?" "Naja, solange du nicht vorhast, noch s├Ąmtliche anderen
           Bewohner des Hauses dort mitzuschleppen, wirds wohl gehen", brummelte
           Karo vor sich hin. Eigentlich war es ihr gar nicht recht, dass Gabi sie
           so h├Ąnderingend begleiten wollte.
            
           Kathi
           Naja, dachte Karo, nun wird es aber wirklich h├Âchste Zeit zum schlafen,
           sonst kommt Sie morgen wieder nicht aus den Federn und w├╝rde wieder mit
           tiefen Augenringen rumlaufen. Au├čerdem ist morgen Dienstag, der Tag an
           dem sie sich regelm├Ą├čig wiegen wollte. Sie war eigentlich schon recht
           gespannt. Sicher konnte Sie keine Wunder erwarten, aber vielleicht
           hatte sich ja wenigsten ein Pfund von Ihren H├╝ften verabschiedet. Wenn
           nicht ist auch nicht so schlimm, ich f├╝hle mich k├Ârperlich allein schon
           durch den Sport viel besser und der Rest kommt von ganz allein. Mit
           diesem Gedanken schlief sie ein.
           Als am n├Ąchsten Morgen der Wecker klingelte, w├╝hlte sie sich fit und
           ausgeschlafen wie schon lange nicht mehr und stieg direkt aus dem Bett
           heraus auf Ihre Waage und Juchuuhhh!!" entwich Ihr voller Freude. Die
           Waage zeigte 1 ganzen Kilo weniger als letzte Woche und das obwohl sie
           gestern Essen war. Das ist die Belohnung, das ich auf das Eis
           verzichtet habe dachte sie und ging tr├Ąllernd ins Bad um
            
           kathi
           sich fertig zu machen.
           Verflogen waren die finsteren Gedanken um Paul und die n├Ąchtlichen
           Aktionen.
            
           lucie
           Beschwingt trat Karo aus der Haust├╝r hinaus auf die Strasse. Der Sommer
           schien sich langsam seinem Ende hinzuneigen, erste leichte Nebel
           stiegen aus dem Gras neben dem Haus auf. Jetzt, wo die ganze Sache mit
           Paul sich gekl├Ąrt hatte, f├╝hlte Karo sich tats├Ąchlich um einiges
           erleichtert. Vielleicht deshalb der Verlust auf der Waage, kicherte
           Karo in sich hinein. Sie freute sich auf den heutigen Tag. Im B├╝ro
           w├╝rde sie erstmal Anne anrufen und ihr berichten, dass sich alles
           erledigt hat. Und heute abend w├╝rde sie noch ins Studio gehen und
           kr├Ąftig in die Pedale treten. Sie ├╝berlegte, ob sie nicht auch mal
           einen von diesen Kursen belegen sollte, das w├Ąre sicherlich mal eine
           sch├Âne Abwechslung. Und wenn Gabi sie dann begleiten w├╝rde, h├Ątte sie
           schon etwas Koordination und w├╝rde nicht mehr so linkisch umherh├╝pfen.
           Auf Karos Gesicht spiegelte sich ein L├Ącheln. Als sie ihren Kopf zur
           Seite drehte, um die Strasse zu ├╝berqueren, blickte sie unbewusst
           nochmal zum Haus zur├╝ck.
            
           lucie
           Paul stand hinter seinem Fenster und sah Karo hinterher. Einen
           Augenblick lang trafen sich ihre Blicke und Karo erstarrte kurz in der
           Bewegung. Dann blickte sie wieder nach vorn auf den Gehsteig und
           stolperte fast ├╝ber den Bordstein. In Pauls Blick hatte etwas
           unheilvolles gelegen, gerade so, als ob er sie verfolgen w├╝rde. Aber es
           war doch alles in Ordnung, warum sollte er ihr b├Âses wollen? Die
           Gedanken schrieen hysterisch in Karos Kopf auf. Ich hab mich get├Ąuscht,
           murmelte Karo vor sich hin, es hat nichts zu bedeuten. Vorsichtig
           blickte Karo nochmals zur├╝ck zum Haus, aber Paul war verschwunden. Die
           Gardine hing so wie immer, als wenn niemand am Fenster gewesen w├Ąre.
           Karo fr├Âstelte etwas und setzte ihren Weg dann fort.
           Im B├╝ro angekommen drehte sich ihr Kopf immer noch um die Frage, warum
           Paul ihr nachgeschaut hatte. Vor allem mit diesem Blick. Vielleicht
           hatte sie den Blick auch fehlgedeutet, es war immerhin ein
           betr├Ąchtlicher Abstand zwischen ihnen beiden.
            
           lucie
           Karo setzte sich an ihren Schreibtisch und und w├Ąhlte mit etwas
           zittrigen Fingern Annes Nummer. Am anderen Ende wurde der H├Ârer
           abgenommen. "Hallo Anne". Karo sp├╝rte, dass ihre Stimme ├Ąhnlich zittrig
           wie ihre H├Ąnde waren. Schnell r├Ąusperte sie sich, in der Hoffnung, Anne
           h├Ątte keine Ver├Ąnderung in der Stimme festgestellt. "Hallo Karo", Annes
           Stimme klang erfreut, "sch├Ân dasss du dich meldest. Ist alles soweit in
           Ordnung?" "Ja, nat├╝rlich", beeilte Karo sich zu sagen, "es hat sich
           alles aufgekl├Ąrt." "Nun ja, so nat├╝rlich schien das ja alles nicht, was
           du mir berichtet hattest, was war denn nun wirklich los?" Karo f├╝hlte
           sich bei diesen direkten Fragen etwas unwohl. "Entschuldige Anne, ich
           muss Schluss machen, Chef will mich dringend sprechen, ich ruf dich
           wieder an, ja?" "Ja, sicher", antwortete Anne etwas verwundert. "Gut,
           bis dann", verabschiedete sich Karo und liess den H├Ârer zur├╝ck auf das
           Telefon fallen.
            
           lucie
           Mit einem Ruck liess Karo sich zur├╝ckplumsen. Was mach ich da nur,
           schoss es ihr durch den Kopf. Warum bel├╝ge ich Anne! Warum sage ich ihr
           nicht einfach, dass ich niemandem mehr trauen kann, am wenigsten mir
           selbst.
            
           lucie
           Karo konnte sich den Rest des Tages kaum noch auf ihre Arbeit
           konzentrieren. Immer wieder sp├╝rte sie den Blick auf sich ruhen und ein
           Fr├Âsteln durchlief sie.
           Am n├Ąchsten Tag klingelte bei Karo das Telefon. Gabi war dran und
           fragte sie, ob es ihr recht w├Ąre, wenn sie sie am Freitag ins Studio
           begleiten w├╝rde. Paul w├Ąre dann auch da. Karo murmelte eine halbe
           Zustimmung in den H├Ârer. "Na fein", sagte Gabi,"ich hab Paul ├╝brigens
           von der Hellh├Ârigkeit deiner Wohnung erz├Ąhlt." Karo erstarrte einen
           kurzen Augenblick. "Was hat er geantwortet?" "Was soll er schon sagen
           dazu, er meinte nur, er m├╝sse seine Morde nun etwas ger├Ąuschloser
           vollbringen." Karo lachte nerv├Âs auf. "Warum sagt er sowas?" "Karo, das
           war ein Scherz, hast du deinen ganzen Humor verloren? Gut, Karo, wir
           sehen und dann ja am Freitag." "Ja, bis dann, Gabi." Karo legte
           nachdenklich den H├Ârer auf. Sie hatte ein ungutes Gef├╝hl in Bezug auf
           Freitag.
            
           lucie
           Am Freitag verliess Karo schon fr├╝h das B├╝ro. Sie wolte noch einige
           Sachen erledigen, bevor sie sich gegen 20.00 Uhr mit Gabi treffen
           w├╝rde. Zusammen w├╝rden sie dann ins Studio fahren, wo Paul sich schon
           befinden w├╝rde. Anschliessend w├╝rden sie alle drei noch irgendwo etwas
           trinken. Karo sah den Abend fast minuti├Âs an sich vorbeiziehen. Sie
           sagte sich, es w├╝rde Spass machen und sie k├Ânne ganz unbefangen den
           Abend geniessen, sie wusste aber irgendwo in ihrem Hinterkopf, dass es
           nicht so sein w├╝rde. Sie hatte Angst vor Pauls Blicken und sein
           Verhalten erschien unheimlich f├╝r Karo. Trotzdem w├╝rde der Abend ├╝ber
           Karos jetzige Situation entscheiden, so oder so. Der dreit├Ânige Gong an
           der Wohnungst├╝r erklang und Karo schrak aus ihren Gr├╝beleien hoch. Sie
           warf einen kurzen Blick um sich, ob die Wohnung in dem Zustand war,
           dass sie einen Gast vertragen konnte. So was Dummes, schimpfte sich
           Karo, als ob so etwas jetzt eine Rolle spielen w├╝rde.
            
           lucie
           Karo ├Âffnete die T├╝r und Gabi st├╝rmte in die Wohnung. "Karo, du bist ja
           noch nicht einmal angezogen", Gabi blickte an Karo herunter. Unbewusst
           schob Karo ihren sowieso schon langen Pullover noch weiter in Richtung
           ihrer Knien. Sie wollte unbedingt vermeiden, dass Gabi mehr von ihren
           Beinen sah, als es unbedingt notwendig sein w├╝rde, nachher im
           Umkleideraum wird sie sich noch ├╝ber eine M├Âglichkeit, sich m├Âglichst
           unbemerkt von Gabi umzuziehen, Gedanken machen m├╝ssen. Aber bis dahin
           hatte sie ja noch etwas Zeit. "Ich bin sofort fertig, ich zieh nur noch
           die Hose an", Karo drehte sich um und verschwand im Schlafzimmer. "Es
           wird sicher ein sch├Âner Abend heute", h├Ârte sie Gabi vom Flur her. Ja,
           ganz sicher, murmelte Karo unh├Ârbar vor sich hin, als sie mit einiger
           M├╝he ihren Reissverschlus nach oben zog. Konnte ihr nicht einfach in
           eben diesem Moment ├╝bel werden? Statt dessen trat Karo nach draussen
           auf den Flur. "Ich bin fertig, Gabi, wir k├Ânnen gehen."
            
           lucie
           Im Studio angekommen, schlenderte Paul ihnen schon entgegen. Er beugte
           sich zu Gabis Wange hinunter und deutete einen Kuss an. Anschliessend
           reichte er Karo die Hand. Karo nahm sie fast z├Âgerlich an und vermied
           es in Augenkontakt mit Paul zu treten. Sie sp├╝rte, wie sie langsam rot
           wurde. "Gabi, ich gehe schon mal nach oben", sagte sie und wandte sich
           der Treppe zu. "Warte, Karo, ich komme doch mit, kannst mich doch nicht
           einfach hier so stehenlassen." Gabi hechtete Karo hinterher, "ich kenne
           mich doch hier ├╝berhaupt nicht aus." Nach einer Weile kamen beide
           wieder aus dem Umkleideraum hervor und gingen zu den Ger├Ąten hin├╝ber.
           Gabi klatschte in die H├Ąnde, als sie sah, wie Paul ein paar monstri├Âs
           aussehende Gewichte hochstemmte. "Ich will das auch mal probieren,
           Paul." Gabi h├Ârte sich mehr als begeistert an, so als wenn sie ihr
           Leben darauf gelauert hatte eine 20-Kilo-Hantel in die Luft zu stemmen.
           Karo schnaubte leicht ver├Ąchtlich auf dem Fahrrad. Wenn Gabi sich
           unbedingt l├Ącherlich
            
           lucie
           machen wollte. Schliesslich war es ihre Idee gewesen hier her zu gehen.
           Das Spiel setzte sich noch ├╝ber die n├Ąchste halbe Stunde hinweg fort.
           Gabi klebte mit einer solchen Intensit├Ąt an Paul, dass Karo vermutete,
           er werde sie irgendwann statt einer Hantelstange in die H├Âhe stemmen.
           Karo musste bei dieser Vorstellung leise kichern. Schliesslich
           beschloss sie aber doch, dass es nun reichte, f├╝r Karo jedenfalls. Sie
           trat zu Gabi, die gerade mal wieder in einen Begeisterungssturm
           ausbrach. "Gabi, ich geh mich schon mal umziehen, ihr k├Ânnt ja noch
           bisschen was machen, ich warte dann auf euch." "Karo, willst du
           wirklich schon aufh├Âren, ich fange gerade an, es wirklich lustig zu
           finden und da willst du schon gehen. Verdirb doch nicht alles!" Paul
           blickte Karo nachdenklich an. "Karo hat recht, wir sollten es beim
           ersten Mal nicht gleich ├╝bertreiben. Karo ist eben vern├╝nftig."
           Ruckartig blickte Karo auf. Was hatte dieser zweite Satz bedeuten
           sollen?
            
           Faten
           Karo sah Paul direkt ins Gesicht. Aber der l├Ąchelte nur und lie├č sein
           geliehenes schneewei├čes Handtuch auf Gabis Po schnalzen. Gabi kreischte
           auf. W├Ąhrend die beiden noch miteinander sch├Ąkerten, nutzte Karo die
           Gelegenheit, um sich zu trollen. "Vielleicht kann ich es ja doch
           umgehen, da├č Gabi mich nackt sieht", hoffte sie. "Wo ich doch die
           Dusche nach dem Sport so gerne mag." Karo seufzte. Heute w├╝rde sie sie
           nicht geniesen k├Ânnen, sondern sich beeilen m├╝ssen. Sie h├Ârte noch
           Gabis hohes Lachen, als sie die T├╝r zur Umkleide aufsto├č. Paul wollte
           ihr noch einen dieser Shakes an der Bar spendieren. "Gut", dachte Karo
           so bei sich, " dann habe ich noch etwas Zeit." Und schon stand sie
           unter der Dusche und sp├╝rte das prickelnde Nass warm auf ihrem K├Ârper.
           Eine Wohltat! Ihr R├╝cken entspannte sich unter der massierenden Brause.
           Das tat sooo gut! Wie gerne w├╝rde sie hier bleiben und nicht mehr raus
           m├╝ssen. Sie griff nach dem Shampoo. "Jetzt aber los, Karo", schimpfte
           sie mit sich. Schnell sc
            
           Faten
           Schnell sch├Ąumte sie die Seife im Haar auf und sp├╝lte sie wieder aus.
           Ihre Hand nahm das Duschgel und zerrieb es schnell auf dem K├Ârper. Ihr
           K├Ârper. Ja, Karo war froh, da├č sie jetzt nicht allzuviel Zeit hatte
           dar├╝ber zu gr├╝beln, warum sie am Dienstag immer noch nichts abgenommen
           hatte. "Diese dumme dicke Bauch", dachte sie, "wenn der nicht w├Ąre,
           dann w├Ąre ich schon um einiges attraktiver."
            
           Faten
           Mit einem Gef├╝hlsgemisch aus Wut und Traurigkeit ri├č Karo die
           Duschkabinent├╝r schwunkvoll aus und griff gleich darauf schon nach
           ihrem wei├čen Badetuch, das sie sich vorhin noch vom Stapel genommen
           hatte. Gerade, als sie noch versuchte, den Stoff um ihrem Busen und
           Bach so zu drappieren, das er nicht gleich wieder rutschte, flog die
           T├╝r auf und eine helle Stimme sagte: "
            
           lucie
           ...flog die T├╝r auf und Paul stand vor ihr. Karo starrte ihn an und
           wich wieder in die Duschkabine zur├╝ck. Paul machte einen Schritt auf
           sie zu. Irgendwie war ihr klar, dass er nicht zuf├Ąllig hier war. Wo,
           verdammt noch mal, steckte Gabi.Warum waren sie auch die letzten beim
           Training gewesen. W├╝rde sie hier oben irgendjemand h├Âren, wenn sie
           schreien w├╝rde? Karo stand jetzt mit dem R├╝cken an der Wand. Die kalten
           Fliesen dr├╝ckten gegen ihre Haut.Der Gedanke, dass die heisse Dusche
           vorhin umsonst war, wenn sie sich jetzt gegen die kalten Fliesen
           presste, huschte ihr durch den Kopf. Sie bedauerte es fast, schon
           geduscht zu haben. Mit der linken Hand hielt Karo das Handtuch so
           stark umklammert, dass die Kn├Âcheln an den H├Ąnden weiss hervortraten.
           Ihre Finger zitterten leicht. Karo bemerkte es. Das ist die K├Ąlte,
           ├╝berlegte sie. Sie hob ihre rechte Hand, um die linke
           festzuhalten. "Karo?" Karo hob den Kopf und sah, wie Paul sie kalt
           absch├Ątzend anblickte.
            
           lucie
           "Du hast doch nicht Angst, Karo, Angst vor mir?" Das Zittern an der
           linken Hand wurde st├Ąrker, Karos rechte Hand umkrampfte sie, ihre
           Fingern├Ągel bohrten sich in die weiche Haut. Karo starrte auf ihre
           H├Ąnde, w├Ąhrend Paul mit ihr sprach. "Gabi ist eben mit ihrem Fuss
           umgeknickt, als sie die Treppe raufgehen wollte. Sie kann nicht mehr
           richtig auftreten. Ich wollte ihre Sachen holen und sie dann nach Hause
           fahren. Ich soll dir sagen, dass es ihr leid tut, dass wir den
           restlichen Abend nicht mehr zusammen verbringen k├Ânnen." Die letzten
           Worte hatte Paul fast schon ver├Ąchtlich hervorgestossen. "Mir tut es
           nat├╝rlich auch leid. Aber wir sehen uns ja doch ├Âfter, als uns lieb
           ist, nicht wahr, Karo? Ich w├╝nsch dir noch einen sch├Ânen Abend." Paul
           drehte sich um und verliess die Dusche.
            
           lucie
           Karo blieb allein zur├╝ck. Sie f├╝hlte sich hilflos und sp├╝rte, wie ihr
           einfach die Tr├Ąnen ├╝ber die Wangen liefen. Warum? Warum musste sie es
           treffen? Was hatte sie falsch gemacht? Warum wurde sie eingesch├╝chtert
           und blossgestellt. Warum passierte ihr das alles ├╝berhaupt? Jeder
           andere h├Ątte sich ganz anders verhalten als sie, da war Karo sich
           sicher. Aber was machte sie? Sie schwieg solange, bis es wirklich
           unglaubw├╝rdig werden w├╝rde, machte sie jetzt den Mund auf. Was sollte
           sie jetzt auch zu dem Vorfall in der Dusche sagen? Dass Paul sie
           unsittlich angeblickt h├Ątte und ihr mitgeteilt h├Ątte, dass Gabi sich
           verletzt hat? Alle w├╝rden sie f├╝r paranoide halten,wenn sie ihnen sagen
           w├╝rde, dass sie sich bedroht f├╝hlt. Nein, sowas konnte nur ihr
           passieren.Auf ihr konnte ja jeder nach Belieben rumtrampeln. Sie wehrte
           sich ja nicht und w├╝rde sich statt einem Widerspruch nur ein St├╝ck
           Schokolade in den Mund schieben. Genau das w├╝rde sie jetzt am liebsten
           tun.
            
           lucie
           Sie w├╝nschte sich in diesem Moment nichts mehr, als einfach zu Hause zu
           sein und auf dem Sofa zu liegen, unbeschwert, wie noch vor einigen
           Tagen. Statt dessen stand sie hier und heulte. Karo bewegte sich
           langsam aus der Duschkabine heraus. Die ganze Situation war auswegslos,
           wozu wollte sie sich jetzt eigentlich noch mit irgendwelchen
           Essenseinschr├Ąnkungen herumqu├Ąlen. Warum zu diesem Zeitpunkt? Sie
           beschloss noch einen Abstecher zur Tankstelle zu machen. Und dann? Karo
           blickte m├╝de im Spiegel ihr verquollenes Gesicht an. Das weiss ich auch
           noch nicht, antwortete Karo ihrem Spiegelbild.
            
           Sade
           Als Karo das Haus verliess schossen ihr unz├Ąhlige Gedenken durch dne
           Kopf! "Was wollt Paul wirklich von mir" "Was will er verbergen"......
           Auf dem Weg zur Tankstelle ├╝berkam Sie immer wieder ├ťbelkeit und
           Schwindelgef├╝hl. Nach 10 Minuten war sie endlich am Ziel und stand vor
           der Stelage mit den S├╝ssigkeiten.
           "Was mach ich hier" - Ich will doch abnehmen - aber nur ein kleiner
           Riegel hat doch nicht so viele Kalorien"
           ├äusserlich gab Sie sich ganz gelassen aber innerlich brodelte es in
           Ihr - voll Angst, Selbstzweifel und Traurigkeit war Sie.
           "Wirds dann bald - oder willst du den ganzen Laden kaufen" rief der
           Kasierer pl├Âtzlich. Voller ├ťberraschung ├╝ber diese Unversch├Ąmtheit
           bagann sie zu stottern: "├äh..ich nehm ein Mineral"

    lucie
    Karo liess das Geld in die flache Schale klimpern. Der Kassierer
    blickte sie finster an und murmelte irgendetwas unverst├Ąndliches. Karo
    starrte unentwegt auf auf einen imagin├Ąren Punkt vor ihr und sp├╝rte,
    wie sie abwechselnd rot und blass wurde. Der Mann stellte die Flasche
    vor ihre Nase. "Hier, bitte sch├Ân",liess er im einem unwirschen Tonfall
    von sich h├Âren. "Noch was?" "Nein". Karos Stimme war kurz davor
    zusammenzuklappen. Der Kassierer warf das Wechselgeld in die Schale.
    Karo sah einen kurzen Moment lang seine H├Ąnde. Er hatte kurze, breite
    Finger und die N├Ągel waren abgeknabbert. Kein Vergleich zu Pauls langen
    gepflegten Fingern und trotzdem w├Ąren diese in der Lage jemanden etwas
    anzutun. Karo musste sich sch├╝tteln. Sie griff nach den M├╝nzen vor ihr
    und verliess gesenkten Hauptes den Laden. Im Gehen fl├╝sterte sie noch
    eine Verabschiedung, die vom Kassierer aber nicht entgegnet wurde, er
    war schon wieder an den Regalen besch├Ąftigt. Draussen atmete Karo
    erstmal tief durch.

    Faten
    Dieser herbstliche Freitagabend war mehr als dunkel. Es war nur der
    hellgelbe Mond zu sehen, keine Sterne. Schwarze Wolken zogen wie ein
    tintenschwarzer Vorhang ├╝ber die Nachthimmel. Karo sp├╝rte einen
    leichten Wind in ihrem Haar, als sie noch mit zitternden Knien und
    wirbelnden Gedanken vor der T├╝r der Tankstelle stand. "Ich kann jetzt
    unm├Âglich nach Hause", dachte sie verzweifelt. "Dort ist doch Paul!"
    Sie ging ein paar Schritte. Ihre Gedanken schlugen Purzelb├Ąume. "Ich
    mu├č mit jemandem reden, ich mu├č einen klaren Kopf bekommen!" dachte sie
    verzweifelt. Karo stand nun an der Stra├čenecke im Dunkeln, ein paar
    Schritte vom Lichtkegel einer kaltleuchtenden Stra├čenlaterne entfernt.
    Ab und zu fuhr ein Auto vorbei. Sie f├╝hlte sich wie ausgeh├Âhlt und
    zitterte innerlich, sie war extrem aufgew├╝hlt. Der Hunger schrie in
    ihrem K├Ârper. War es ├╝berhaupt so ein wilder Hunger oder wollte sie
    sich wiedermal nur ruhigstellen? Traurig blickte sie hoch in den kohlrabenschwarzen Himmel, wieder liefen ihr neue Tr├Ąnen die runden Wangen herunter. "Was soll ich nur
    tun?"

    Sade
    Sie machte sich auf den Heimweg. "Was bleibt mir anders ├╝brig - wo soll
    ich denn sonst hin - es interessiert sich sowieso keiner f├╝r mich"
    Gedankenverloren schlich sie durch die dunklen Gassen. Es begann zu
    tr├Âpfeln. Von einer Sekunde zur anderen sch├╝ttete es als wenn die Welt
    untergehen w├╝rde. Niemand w├╝rde ihre Tr├Ąnen sehen......

    lucie
    Ihre Verzweiflung steigerte sich weiter. Was wird passieren, wenn sie
    jetzt nach Hause ginge. Was hat Paul nur vor. Vor allem, von welchen
    Sachen wusste Paul, dass sie es wusste. Was wusste sie ├╝berhaupt,
    fragte Karo sich bitter. Eigentlich st├╝tzt sich alles nur auf
    Vermutungen und Paul scheint kein Interesse daran zu haben, diese zu
    widerlegen. Karo wusste, dass sie etwas unternehmen sollte und dass sie
    damit nicht mehr allzu lange warten sollte. Sie seufzte leise und
    schlug den Weg nach Hause ein. Schon von weitem sp├Ąhte sie nach einem
    Lichtschein aus Pauls Fenstern. Gl├╝cklicherweise liess sich aber nichts
    erkennen. Ob das so unbedingt ein Gl├╝ck ist, weiss ich auch noch nicht,
    redete Karo sich selbst zu. Paul wird sicherlich nicht bei voller
    Beleuchtung, ja was eigentlich? An der Stelle stellte Karo fest, dass
    ihr jede Vorstellung fehlte, wie Paul unliebsame Mitwisser aus dem Weg
    zu r├Ąumen pflegte, wahrscheinlich ├Ąhnlich wie die Opfer, was w├╝rde das
    f├╝r einen Unterschied machen.

    lucie
    Karo schauderte. Inzwischen hatte sie das Haus erreicht. Paul Wohnung
    lag tats├Ąchlich in vollkommener Dunkelheit da. Karo sah sich im Licht
    der Strassenlaterne die Autos an, die am Strassenrand abgestellt waren,
    Pauls war nicht dabei. Karo entspannte sich ein wenig. Eine Hand legte
    sich auf Karos Schulter. "Karo, wo warst du nur, ich warte hier schon
    eine Ewigkeit auf dich." Mit einem Aufschrei drehte Karo sich herum und
    versuchte in der Bewegung die Hand vor ihrer Schulter zu sch├╝tteln. Vor
    ihr stand Anne. Karo starrte Anne an, als w├╝rde sie eine Erscheinung
    sehen. "Karo, was ist los, du bist ja v├Âllig blass. Wollen wir nicht
    erstmal hineingehen?" Karo erholte sich nur langsam von dem
    Schreck. "Anne",stiess sie hervor,"was machst du hier, um diese
    Zeit!" "Naja, ich hatte versucht, dich anzurufen, aber du warst den
    ganzen Abend nicht da und...," Anne suchte offensichtlich nach Worten,
    Karos Verhalten iritierte sie."...ich weiss auch nicht, ich habe mir
    irgendwie Sorgen gemacht, vor allem nach dem du am Telefon mir etwas seltsam erschienst." Karo fiel Anne wortlos um den Hals. Sie weinte einfach hemmungslos drauflos. Die ganze Anspannung der letzten Stunden brach in diesem Moment alle
    D├Ąmme, Karo glaubte sich noch nie so erleichtert gef├╝hlt zu haben.

    lucie
    In dem Masse, wie die Anspannung in Karo sich l├Âste, ging ihr Weinen
    langsam in ein Lachen ├╝ber. Sie begann glucksende Laute von sich zu
    geben. Anne schob Karo ein St├╝ck von sich weg und blickte sie zweifelnd
    an. "Alles soweit ok, Karo?" "Ja, Anne, ich denke schon. Du weisst gar
    nicht, wie froh ich dar├╝ber bin, dass du hier bist." Langsam beruhigte
    Karo sich wieder."Lass uns hineingehen."
    Drinnen erz├Ąhlte Karo Anne ihre ganzen Erlebnisse, zumindestens alles,
    was mit Paul und Gabi zusammen hing. Anne h├Ârte schweigend zu und
    sch├╝ttelte dann langsam den Kopf. "Karo, du kannst doch unm├Âglich hier
    alleine bleiben, wer weiss, was alles passieren kann." "Ich wusste
    nicht, wo ich hinsollte", brachte Karo mit gesenkter Stimme
    hervor. "Karo, du weisst genau, dass du jederzeit bei mir auftauchen
    kannst." "Ja, das stimmt, Anne, nur l├Âst das das R├Ątsel um Paul auch
    nicht." "Und wie willst du herausbekommen, was da passiert?" Karo
    blickte auf einen unbestimmten Punkt.

    Sade
    Karo blickte auf einen unbestimmten Punkt auf ihrer Decke!
    "Ich weiss nicht - ich weiss im moment gar nichts mehr".

    Da rumpelte esauf einmal laut ├╝ber den Beiden!
    Karo und Anne blickten sich wie versteiner an! Keiner getraute sich
    etwas zu sagen und beide lauschten angestrengt der Stille die dem
    tosenden L├Ąrm folgte!

    lucie
    "Siehst du, Anne, da ist es wieder",fl├╝sterte Karo. Unter dem lauten
    Krachen schien Anne ganz in den Sessel hinein verschwunden zu
    sein. "Was kann das nur sein, Karo?" Anne blickte Karo zweifelnd an.
    Karo hob die Schultern. "Ich weiss es nicht, Anne." "Du bleibst heute
    nacht nicht alleine, Karo, das steht erstmal fest und morgen ├╝berlegen
    wir dann, was wir weiter machen." Karo nahm Annes Vorschlag dankend an.
    Am liebsten w├Ąre sie sofort ausgezogen, aber das ging ja schlecht von
    jetzt auf gleich. Den ganzen restlichen Abend unterhielten sie sich nur
    noch im Fl├╝sterton miteinander, immer in der geheimen Bef├╝rchtung, es
    w├╝rden wieder Ger├Ąusche von oben kommen. Bei jedem kleinen Knacken
    hielten sie kurz inne, bis sie wirklich einige Zeit sp├Ąter todm├╝de ins
    Bett fielen. "Du, Anne",fl├╝sterte Karo von ihrem Bett her zu der Liege
    hin├╝ber, auf der Anne lag. "Was denkst du, was er dort oben in dieser
    Sekunde tut?" Einen l├Ąngere Pause entstand. Karo dachte schon, Anne
    h├Ątte sie nicht mehr geh├Ârt und wollte sich schon auf die andere Seite zum Schlafen
    umdrehen. "Ich weiss es nicht, Karo, aber ich hab so eine Ahnung, dass
    es sicher nichts gutes ist."

    Sade
    Ein lauter Schrei riss die beiden aus dem Schlaf! Wie benebelt sprangen
    sie aus dem Bett. Karo schaute Anne hilflos an.

    lucie
    Am n├Ąchsten Morgen wachte Karo noch vor Anne auf, obwohl sie ansonsten
    ein ausgesprochener Langschl├Ąfer war. Die Ereignisse der letzten Zeit
    begannen doch ziemlich an ihren Nerven zu zerren. Sie drehte sich herum
    auf die andere Seite und blickte durch die transparenten Vorh├Ąnge
    geradezu auf die B├Ąume hinaus, die vor dem Haus standen. Die Bl├Ątter
    begannen schon langsam sich gelblich einzuf├Ąrben. Es w├╝rde nicht mehr
    allzu lange dauern und es w├╝rde Herbst. Karo genoss diese morgentliche
    Stille. In diesem Moment war es einfach unvorstellbar f├╝r sie, dass in
    diesem Haus schreckliche Sachen passiert seien sollen, diese Schreie
    waren einfach ein zu krasser Gegensatz zu dem jetzigen, tr├╝gerischem
    Frieden. Langsam fing auch Anne an, sich auf ihrer Liege zu
    bewegen. "Guten Morgen, Anne, hast Du den Rest der Nacht noch gut
    geschlafen", fl├╝sterte Karo hin├╝ber. Von Anne war nur ein Brummen zu
    vernehmen. Nach einer Weile sah Karo, wie Anne sich aus den Decken
    hochk├Ąmpfte und sich hinsetzte.

    "Karo,ich weiss, was wir jetzt machen." Karo setzte sich ebenfalls in
    ihrem Bett auf. "Du packst ein paar Sachen zusammen und wir
    verschwinden erstmal aus deiner Wohnung hier. Ich glaube kaum noch,
    dass Paul sich der Illusion hingibt, du h├Ąttest von alledem noch nichts
    mitbekommen. Vermutlich h├Ąlt er dich f├╝r so versch├╝chtert, dass du es
    nicht wagen w├╝rdest, irgendetwas zu sagen. Was ist ├╝berhaupt mit den
    anderen Mietern, kriegen die denn nichts mit?" Karo sch├╝ttelte den
    Kopf. "Unsere beiden Wohnungen sind praktisch in einer Nische, die
    anderen Wohnungen sind auf der anderen Seite des Flurs, sie stehen
    ├╝berhaupt nicht mit unseren Wohnungen in Verbindung. "Hm, gut, also,
    wie gesagt, du schnappst dir ein paar Sachen, rufst ein Taxi und tust
    so, als w├╝rdest di ein paar Tage in den Urlaub fahren. Ruf
    vorsichtshalber auch nochmal Gabi an und sage ihr, dass du wegf├Ąhrst."
    Karo blickte Anne fragend an. "Nun; Karo, ich gehe davon aus, dass Paul
    dich heimlich beobachtet, wie du reagierst."

    "Und was immer er in seiner Wohnung dort oben getan hat, er wird es
    sicher befreiter tun, wenn er dich abwesend weiss, also tun wir ihm den
    Gefallen. Nat├╝rlich werden wir heimlich beobachten, was er tut, aber du
    bist erstmal aus seiner Schusslinie und da erscheint mir fast als
    wichtigste zur Zeit." Anne schwang sich von der Liege."Ich werde jetzt
    auch sofort verschwinden und ich hoffe, dass Paul mich nicht unbedingt
    aus deiner T├╝r kommen sieht." Anne machte sich auf den Weg ins
    Bad. "Das Wichtigste ist nur",Annes Stimme wurde fast von Rauschen der
    Dusche ├╝bert├Ânt. "Das Wichtigste ist nur, dass du keinesfalls Paul die
    T├╝r ├Âffnest und auch nicht so tust, als w├╝rdest du in Panik die Wohnung
    verlassen." Anne drehte die Dusche ab. Karo h├Ârte, wie einzelne Tropfen
    auf dem Boden der Dusche zersprangen. "Je ruhiger und gelassener du
    bist, um so weniger wird Paul vermuten, dass du viel geh├Ârt hast." Anne
    kam wieder in das Zimmer zur├╝ck. "Du denkst, das funktioniert, Anne?"

    Anne zuckte kaum merklich mit den Schultern. "Versuchen wir es so,
    Anne, viel anderes bleibt uns ja auch nicht ├╝brig." Karo schwang sich
    entschlossen aus den Bett. "Jetzt wird Paul uns richtig kennenlernen,
    so schnell lassen wir uns nicht einsch├╝chtern."Ihr Blick fiel auf
    Anne. "Ich danke dir ├╝berhaupt daf├╝r, dass du da bist."
    Nachdem Anne das Haus verlassen hatte, machte Karo sich daran ihre
    Sachen zu packen. Als sie ihre kleine Tasche fast voll hatte, rief sie
    bei Gabi an. Gabi nahm nach dem ersten Klingeln sofort den H├Ârer ab.
    Karo vermutete, dass Gabe das Telefon direkt neben sich zu stehen
    hatte. "Hallo Gabi, wie geht es dir?" Karo versuchte, m├Âglichst
    unbeschwert zu klingen. "Danke,Karo, schon wieder ganz gut, nur laufen
    kann ich noch nicht richtig, ich werde mich wohl noch ein paar Tage
    schonen werden. Aber das ist ja nicht so schlimm, Paul hat mir
    versprochen heute nochmal bei mir vorbeizuschauen." Karo atmete tief
    durch.
    "Dann brauch ich ja kein schlechtes Gewissen zu haben, dass ich ein
    paar Tage nicht dabin und dich nicht besuchen kann." "Du bist nicht da,
    Karo, wo willst du denn hin?" "Ähm, ich will nur Verwandte besuchen,
    die wohnen am Meer und da war ich auch so lange nicht mehr gewesen."
    Karo merkte, wie ihre Stimme einen leicht unsicheren Klang bekam. Gabi
    schien davon aber nichts mitzubekommen. "Ach so, naja, wenn das so ist,
    denn w├╝nsche ich dir viel Spass und melde dich danach doch wieder,
    ja?" "Na klar, Gabi, das mache ich bestimmt, bis dann." Karo f├╝hlte
    sich etwas erleichtert, als sie den H├Ârer aufgelegt hatte. Gabi schien
    ihr soweit alles geglaubt zu haben und wird es dann in der
    entsprechenden Art auch Paul weitergeben. Als sie an Paul dachte, war
    sie einen Moment still und legte ihren Kopf in den Nacken. Aber oben
    war alles still.
    Karo wandte sich wieder ihrer Tasche zu. Eigentlich k├Ânnte ich noch das
    Fernrohr einpacken, ├╝berlegte sich Karo.
    Wenn ich jetzt nur so schnell w├╝sste, wo das ist.
    Nach kurzem ├ťberlegen fiel es ihr ein, sie hatte es in diese Kiste im
    Keller getan. Karo setzte sich aus Bett. Sollte sie es tats├Ąchlich
    wagen in den Keller zu gehen? Das w├╝rde bedeuten, sie w├╝rde den Schutz
    der Wohnung aufgeben. Karo stand energisch auf. Was sollten diese
    Gedankeng├Ąnge, schliesslich konnte und wollte sie sich nicht verstecken
    vor Paul. Ich ├╝bertreibe mal wieder masslos mit meinen Bef├╝rchtungen,
    schalt Karo sich innerlich. Sie schnappte sich den Kellerschl├╝ssel und
    ├Âffnete die Wohnungst├╝r. Vorsichtig blickte sie hinaus und machte
    z├Âgerlich einen Schritt aus der T├╝r hinaus. Leise schloss sie die T├╝r
    hinter sich. Sie huschte den Flur entlang, bis sie an der Kellertreppe
    angelangt war. Langsam schritt sie die Stufen hinunter, immer darauf
    bedacht, keinen L├Ąrm zu machen. Unten angekommen versuchte sie mit
    zittrigen Finger die T├╝r zu den Kellerr├Ąumen aufzuschliessen. Sie
    versuchte ein paarmal erfolglos den Schl├╝ssel nach rechts zu drehen, bis sie pl├Âtzlich
    erkannte, dass die T├╝r nicht versperrt war. Ein leichter Schreck
    durchfuhr sie. Ach h├Âr auf, Karo, beruhigte sie sich selbst, es ist
    nicht das erstemal, dass die Kellert├╝r nicht verschlossen ist. Lautlos
    ├Âffnete Karo die T├╝r ud lauschte hinein. Es war kein Laut zu h├Âren.
    Karo ging hinein und blickte sich vorsichtig um. Zu ihrer Rechten
    standen die Schlafzimmerm├Âbel von der alten Frau, die ihr gegen├╝ber
    gewohnt hatte. Sie war vor zwei Wochen in ein Heim gekommen und der
    Vermieter hatte die M├Âbel erstmal hier in den Keller geschafft, um die
    Wohnung schnell weiter vermieten zu k├Ânnen. Leise ging Karo weiter. Da
    h├Ârte sie im hinteren Bereich des Kellers ein Dose umfallen, daraufhin
    schlug eine Flasche auf den Boden auf und zerbrach klirrend. Ein lautes
    Fluchen war zu h├Âren. Karo erstarrte in der Bewegung. Das war ganz
    eindeutig Pauls Stimme gewesen. Ein erneutes Fluchen erklang und Karo
    stellte fest, dass die Stimmer viel n├Ąher gekommen war. Da h├Ârte sie auch schon Pauls
    Schritte, die genau in ihre Richtung steuerten. Karo sp├╝rte Panik in
    sich aufsteigen. Gehetzt blickte sie sich um und floh hinter die
    Schlafzimmerm├Âbel. Dort blieb sie wie gebannt stehen. Die Schritte
    waren nun fast auf ihrer H├Âhe. Da sp├╝rte sie etwas warmes an ihrem
    Bein. Karo konnte in letzten Moment den Impuls umterdr├╝cken
    aufzuschreien. Sie sah an ihrem Bein hinunter und entdeckte Pauls
    kleine Katze, die ├Ąngstlich zu Karo aufblickte. Paul war jetzt auf
    gleicher H├Âhe mit ihnen und liess erneut einen Schwall Fl├╝che von sich
    h├Âren. Es klang, als h├Ątte Paul getrunken. Die Katze presste ihren
    kleinen, zitternden K├Ârper an Karo.Karo versuchte der Katze unh├Ârbar
    Mut zuzusprechen, vermutlich sprach sie sich den aber eher selbst zu.
    Karo lehnte ihren Kopf zur├╝ck. Ein schwacher Geruch nach Urin zog zu
    ihr hin├╝ber. Sie musste sich sch├╝tteln. Dabei geriet ein neben ihr
    stehender Topf gef├Ąhrlich ins Wanken.

    Der Topf gab schlurfende Ger├Ąusche von sich und kippelte ein paarmal
    hin und her. Paul blieb stehen und hob leicht den Kopf. Karo konnte
    durch einen Spalt hindurch sehen, wie er leicht schwankte. Er hatte
    also doch was getrunken. "Wer ist denn da?", brachte er mit etwas
    belegter Zunge hervor. Die Stille, die folgte, schien sich endlos
    hinzuziehen. Da h├Ârte Karo ein schwaches Miauen und blickte automatisch
    zu ihrem Fuss hinunter. Die Katze war nicht mehr dort. Statt dessen
    h├Ârte sie, wie Paul lospolterte. "Du warst das also gewesen! Musst du
    dich immer ├╝berall rumtreiben!" Die Katze ergriff die Flucht in den
    hinteren Teil des Kellers. "Komm sofort her",schrie Paul und schwankte
    der Katze hinterher. "Ich krieg dich, du dummes Mistvieh, und dann dreh
    ich dir St├╝ck f├╝r St├╝ck den Hals um." Karo schauderte. Paul geriet
    allm├Ąhlich ausser Blickweite. Karo wusste, dass jetzt der Moment
    gekommen war,um etwas zu tun. Sie sch├Ątzte den Weg zwischen sich und
    der T├╝r ab. Sie m├╝sste es eigentlich schaffen. Mit einem Satz sprang sie hinter den
    M├Âbeln hervor und rannte auf die T├╝r zu. Paul bmerkte sie aus den
    Augenwinkeln heraus und drehte sich unsicher um. "Hey, Karo, wie nett,
    dass du mir auch noch Gesellschaft leisten willst", br├╝llte er durch
    den Keller, "irgendsowas hab ich mir doch gedacht.Wo willst du denn so
    schnell hin." Karo h├Ârte nur die H├Ąlfte von dem, was Paul sagte, es
    interessierte sie auch nicht. Sie hatte nur ein Ziel, die T├╝r zu
    erreichen. Sie ergriff die T├╝rklinke und die T├╝r flog nach aussen auf.
    Karo st├╝rmte hindurch und schlug die T├╝r hinter sich zu. Mit fliegenden
    H├Ąnden versuchte sie den Schl├╝ssel in das Schloss zu stecken, was ihr
    nach dem vierten Anlauf auch gelang. Sie drehte den Schl├╝ssel zweimal
    nach links um und lehnte sich halb ersch├Âpft gegen die T├╝r. Sie wusste,
    sie w├╝rde nicht viel Zeit haben, sp├Ątestens wenn Paul mit seinem
    Schl├╝ssel an der T├╝r ist, w├Ąre ihr Vorsprung zunichte. Sie stiess sich
    von der T├╝r ab und rannte die Treppe nach oben weiter bis in ihre Wohnung. Ihre
    einzige Hoffnung war, dass Paul in seinem jetzigem Zustand den Weg
    nicht so schnell zur├╝cklegen konnte. Karo riss den H├Ârer vom Telefon
    und w├Ąhlte die Notrufnummer. Es war ihr in diesem Moment egal, ob die
    Leute dort ihr glaubten oder nicht. Am anderen Ende meldete sich
    jemand. Karo gab ihren Namen und ihre Adresse durch und schilderte kurz
    ihre Lage. "Einen Moment, wir schicken sofort jemanden vorbei." Karo
    h├Ârte am anderen Ende im Hintergrund ein Gewirr von Stimmen und
    Telefonklingeln. Wieviele von den Anrufern w├╝rden jetzt wohl in einer
    ├Ąhnlichen Situation stecken? Karo bedankte sich und liess den H├Ârer auf
    das Telefon zur├╝ckgleiten. Jetzt konnte Karo nicht viel mehr tun als
    abzuwarten. Ängstlich lief sie vor in den Flur und lauschte an der
    geschlossenen Wohnungst├╝r. Es war nichts zu h├Âren. Karo rutschte an der
    T├╝r hinunter, bis sie auf dem Boden angekommen war. Ihr war kalt.
    Fr├Âstelnd schlang sie die Arme um die Knieen. Da h├Ârte sie, wie im Hausflur ein Schl├╝sselbund auf den Boden
    fiel. Karo schreckte zusammen. Das konnte niemand anderes als Paul
    sein. Kurz darauf bet├Ątigte jemand ihre Klingel. Karo ver├Ąnderte ihre
    Position nicht. "Karo, du bist da, das weiss ich doch",h├Ârte Karo Paul
    sagen. "Du hast mich im Keller eingeschlossen, damit ich dir nicht
    folgen kann, Karo, stimmts? Aber ich weiss ja, wo du wohnst." Paul fing
    an zu kichern. "Musstest dir alles mit anh├Âren und dann auch noch Gabi
    erz├Ąhlen." Paul schnaubte ver├Ąchtlich. "Gabi, sowas naives ist mir noch
    nie begegnet. Die hat mir doch tats├Ąchlich alles geglaubt. Aber ich
    musste ja eine Freundin haben." Paul fing leise an zu weinen. "Niemand
    in der Firma h├Ątte es akzeptiert, dass ich keine Freundin haben kann,
    dass ich keine Frauen lieben kann." Pauls Stimme wurde durch die Tr├Ąnen
    hindurch immer undeutlicher, so dass Karo schon M├╝he hatte, ihn
    ├╝berhaupt noch zu verstehen. "Weil ich doch schwul bin." Kurz darauf
    h├Ârte sie das Gerassel von Handschellen. Eine ruhige dunkle Stimme forderte Paul zum Mitkommen auf. Karo h├Ârte von drinnen, wie Paul mit dem Polizisten fortging. Sie
    traute sich immer noch nicht die T├╝r zu ├Âffnen.
    Wiederum klingelte es an Karos Wohnungst├╝r. Karo wusste, dass der
    zweite Polizist davor stand. Wie im Traum schloss sie die T├╝r auf. Ein
    unauff├Ąlliges Gesicht mit einem gleichg├╝ltigen Gesichtsausdruck blickte
    sie an. "Ist alles in Ordnung bei Ihnen?" Karo nickte fast unmerklich
    mit dem Kopf. "K├Ânnen wir denn gleich die Anzeige erstellen?" Wieder
    nickte Karo. Sie setzten sich in Karos Wohnung und Karo schilderte mit
    mechanischer Stimme, was sie die letzten Tage geh├Ârt und gesehen hatte.
    Der Mann forderte noch weitere Leute an. "Muss ich noch hierbleiben?",
    fragte Karo. Der Polizist sch├╝ttelte den Kopf."Nein, gehen sie ruhig,
    wir melden uns noch bei ihnen." Karo stieg die Stufen zum Keller
    nochmals hinunter. Ein bisschen mulmig war ihr schon dabei,
    andererseits hatte sie noch gar nicht richtig verstanden, was ├╝berhaupt
    passiert war. Karo ├Âffnete die Kellert├╝r und ein kleines Fellb├╝ndel
    schoss an ihr vorbei in die Freiheit.
    "Oh, mein Gott, Karo." Anne starrte Karo fassungslos an. Karo winkte
    ab. Ist schon gut, Anne, ich werde dr├╝ber hinweg kommen. Ich w├╝rde nur
    gerne auf dein Angebot zur├╝ck kommen und ein paar Tage hierbleiben. Ich
    weiss nicht, ob ich gleich wieder in diese Wohnung zur├╝ckkehren
    kann." "Nat├╝rlich, Karo, so lange, wie du willst." Karo blieb aber doch
    nur den Rest der Wochenendes bei Anne. Trotz Annes Dr├Ąngen, doch noch
    l├Ąnger bei ihr zu verweilen, fuhr sie Montag fr├╝h wieder zur├╝ck. Es war
    ein eigenartiges Gef├╝hl wieder ihre Wohnung zu betreten. Die
    Erinnerungen str├Âmten sofort wieder auf sie ein, als h├Ątten sie in
    irgendeinem Winkel auf sie gelauert. Karo stellte ihre Tasche ab und
    liess sich auf den Sessel fallen. In diesem Moment klingelte ihr
    Telefon. Karo hob den H├Ârer ab und meldete sich. Der Polizist vom
    Samstag war am Telefon. "Wissen sie ├╝berhaupt, in welcher Gefahr sie
    die ganze Zeit geschwebt haben?" Karo schauderte etwas. "Nein, warum?"
    Unwillk├╝rlich kamen ihr die Ger├Ąusche aus Pauls Wohnung ins Ged├Ąchniss. "Paul Wiesner hat verschiedene M├Ąnner ├╝ber Kontaktanzeigen kennengelernt. Es waren
    zumeist ├Ąltere, die aus diversen Gr├╝nden Interesse daran hatten, ihre
    Homoseualit├Ąt zu verbergen. Herr Wiesner hat diese in seine Wohnung
    gelockt, mit einem L├Âsungsmittel bet├Ąubt und sie dann misshandelt. Dann
    hat er sie im bet├Ąubten Zustand irgendwo ausgesetzt und darauf
    vertraut, dass diese M├Ąnner schweigen w├╝rden." Karo lief es kalt den
    R├╝cken hinunter."Warum hat er das getan?" "Das wissen wir auch nicht.
    Warum aber sind sie nicht fr├╝her bei uns aufgetaucht, nachdem sie das
    erste Mal die Ger├Ąusche vernommen hatten." Karos Augen f├╝llten sich mit
    Tr├Ąnen. "Das weiss ich auch nicht", fl├╝sterte sie ins Telefon. "Naja",
    meinte der Mann am anderen Ende der Leitung, "so schnell werden sie
    Herrn Wiesner sicher auch nicht wiedersehen. Er ist jetzt erstmal in
    psychatrischer Behandlung." Nachdem das Telefonat beendet war, blickte
    Karo sich in der Wohnung um.
    Sie wusste gar nicht so richtig, was sie jetzt anfangen sollte. Am
    liebsten w├╝rde sie sich ins Bett legen und nur noch heulen. Sie erhob
    sich aus dem Sessel und ging auf die Terasse hinaus. Sie w├╝rde ihre
    Pflanzen noch winterfest machen m├╝ssen. Einsam stand noch der
    Liegestuhl herum und erinnerte fl├╝chtig an den Sommer. Karo ging
    hin├╝ber, um ihn zusammen zuklappen. Da h├Ârte sie aus seinem Inneren ein
    d├╝nnes Miauen. Ein kleines dunkles St├╝ckchen Fell sprang von dem Stuhl
    hinunter und eilte auf Karo zu. Karos Gesicht erhellte sich. Sie nahm
    die kleine Katze auf den Arm und dr├╝ckte ihr Gesicht in das weiche
    Fell. "Wir beide werden das schon schaffen", fl├╝sterte sie der Katze
    ins Ohr. Als Antwort erhielt Karo ein sanftes Schurren.
    Ende?

    Lucinda
    Nein, das Schnurren der Katze war noch nicht das Ende...
    Karo begab sich in ihr Bett und geno├č die behagliche W├Ąrme. Ja, das
    Wetter war tats├Ąchlich ungem├╝tlich geworden. Die Monate waren dahin
    gegangen, das Jahr neigte sich seinem Ende zu. Und wieder hatte Karo das
    Gef├╝hl, ein Jahr verschenkt zu haben. Sie war immer noch dick; sie
    verbrachte immer noch 90% ihrer Lebenszeit damit, ├╝ber ihren Zustand zu
    klagen; immer noch kamen diese Fre├čattacken - schlimmer waren nur noch
    die teigigen, verschwitzten Tage n a c h den Fre├čanf├Ąllen. Tage, an
    denen einem alles so zum Hals raush├Ąngt, trotzdem fri├čt und fri├čt man,
    wie im Koma. Karo hatte lange nicht mehr dar├╝ber nachgedacht, obwohl sie
    regelm├Ą├čig von ihrer Gier heimgesucht wurde. Diese dicken Speckrollen
    auf Bauch und H├╝ften, es waren die Zeichen ihrer Fre├čgier. Wie sie sich
    in diesem Moment daf├╝r sch├Ąmte, immer wieder so v├Âllig unkontrolliert zu
    sein! Wenn man das Fett doch nur einfach wegzaubern k├Ânnte...

    Bitte hier weiterlesen.
                
      

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