Erfahrungsbericht 7: Ich war einmal dicker

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              Ich war einmal dicker


Erfahrung von Chris (7)

Mein Erfahrungsbericht (Chris, 35 Jahre)

Nachdem ich vor zwei Wochen auf tinto gestossen bin, möchte ich zum Erfahrungsaustausch auch "meine" Abnehm-Geschichte beitragen. Vor vier Jahren (mit 31) habe ich zwecks Familiengründung die Pille abgesetzt. Entgegen der üblichen Erfahrung, dass eigentlich das Nehmen und nicht das Absetzen der Pille zu Gewichtszunahme führt, habe ich heimlich still und leise Kilo für Kilo zugenommen. Ich vermute selbst, dass nicht nur (u. a. auch ungesunde) Ernährung, sondern auch die innere Einstellung "Jetzt-werde-ich-Mutter-und-nehme-sowieso-zu" dazu beigetragen hat. Eine Entwicklung, die ich bei fast allen Freundinnen, die Mutter wurden, beobachten "musste" und die mich damals nicht erschreckte sondern als "normal" erschien. Mit der Zeit dann kam dann auch die existientelle Frustration hinzu, da sich bis heute kein Nachwuchs eingestellt hat...

Konkret kann ich mein Ausgangsgewicht bei Absetzen der Pille 1995 nicht mehr nennen, es waren aber bei einer Körpergröße von 1,68m so um die 64 Kilo (in den Vorjahren zwischen 59 und 66kg schwankend). Vor einem Jahr (März 1998) war ich dann bei ~ 75 Kilo angekommen. Ein Karibik-Badeurlaub, dessen Fotos ich heute nur noch zur Abschreckung verwende, und eine absolute Unzufriedenheit mit meinem Aussehen (insbesondere mein Po, incl.Cellulitis, hatte es mir angetan) fraßen zu dieser Zeit schon lange an mir. Den eigentlichen Ausschlag hat dann aber gegeben, dass mein recht stark übergewichtiger Mann (140kg bei 1,92m) endlich auch für eine Diät bereit war... Im März 1998 haben wir dann mit Brigitte-Diät (ich bin von der Ausbildung her Diplom-Ernährungswissenschaftlerin und von der Diät überzeugt) begonnen. Allerdings war an ein strenges Einhalten nicht zu denken, da 1. mein Mann Dinge wie Vollkornnudeln, Dinkel, Grünkern, etc., nicht ißt [wenigstens habe ich ihn von Vollkornbrot, bzw. toast überzeugen können :-))] und wir 2. beide beruflich stark eingebunden sind und ich auch recht häufig auf Dienstreisen bin. Aber wir haben uns die Gerichte rausgesucht, die wir beide mögen und unsere Ernährung dadurch grundsätzlich umgestellt (Gemüse, Obst, fettarme Zubereitung, etc.). Bis zum Beginn der Grillsaison 1998 (Juni) hatte mein Mann 20kg abgenommen, ich selbst 12kg und wir waren schon sehr stolz auf uns. Die Grillsaison selbst (ganz wichtige Zeit, da wir erst seit zwei Jahren einen Garten haben und sie sehr genießen) konnten wir ebenfalls kalorienarm hinter uns bringen (zwar habe ich nicht auf meine heißgeliebten Würstchen verzichtet, aber es war dann eben wirklich nur eins und ansonsten Kartoffeln, Mais, etc.), so dass wir auch darüber hinaus jeweils unser Gewicht bis Weihnachten ungefähr gehalten haben, was ja schon mal ein Riesenerfolg war (Anm.: ohne Sport [mein Mann ist ein Muffel selbigens und ich konnte mich damals noch nicht aufraffen...] und Jojo-Effekt...). Beim Durchprobieren der Frühjahrsgarderobe in diesem Jahr spannte dann aber die mühsam erworbene Größe 38 ein wenig und ich lag bei rund 64-65kg. Mein Mann wollte sowieso weiter abnehmen, so dass wir die Ruder wieder etwas anzogen. Aus beruflichen Gründen war an eine mehr oder weniger strenge Diät nicht zu denken, so dass wir lediglich fettarm und gesund aßen; langsames Angehen der Kilos war angesagt. Und es hat funktioniert: Mein Mann nahm innerhalb von rund sechs Wochen nochmals 6kg, ich selbst drei ab. Mitte Mai fuhren wir dann in Urlaub (zwei Wochen Mallorca) und es war schon ein wirklich gutes Gefühl, endlich mal zu den eher schlanken zu gehören und den Bikini mit gutem Gewissen tragen zu können. Mein Mann konnte seit Jahren das erste mal wieder in "normalen" Geschäften Gaderobe einkaufen und paßte tatsächlich teilweise sogar in einfach XL (zu seinen "schlimmsten Zeiten" kauften wir in Köln in einem Spezialladen (6fachXXL). Und trotz Halbpension mit Buffet (fast alles nur seeeeehr fettig und ungesund) konnte ich ohne Zunahme, mein Mann sogar mit zwei Kilo weniger die Heimreise antreten. Aus dem Wahrnehmen des Animationsprogramms des Hotels wurde nicht viel, ich konnte mich lediglich zur Teilnahme an Aerobic (leider nicht täglich) und viel Schwimmen aufraffen.

Wieder zurück (30.5.99) genoß ich meine mühsam erworbene Attraktivität (nicht mehr mollig und braun - was will man mehr...), aber: mein Körper war nicht wirklich in guter Verfassung (Bauch, Po, etc.) und ich fühlte mich noch nicht so richtig schlank. Außerdem träumte ich davon, endlich wieder unter 60kg zu wiegen. Und endlich hat es auch im Hinblick auf Sport klick gemacht. Seit 1. Juni habe ich dann mit Sport begonnen (wenn es geht, täglich ein 50-minütiges Fitnessvideo [Warm-up, abwechselnd Fitness und "Bodysculpting" und Stretching], das ich zu meinem eigenen Erstaunen von Anfang an durchhalten konnte, einmal wöchentlich Schwimmen mit Aquaaerobic und Wassergymnastik) [in einer Therme, wo auch Sauna, etc. möglich ist, also so richtig zum Rund-um-Wohlfühlen], ansonsten -falls Video wegen ehemännlicher Blockade des Fernsehens nicht möglich ist- Heimtrainer und auf jeden Fall täglich Bauch- und Poübungen (ich will das jetzt wissen...). Bis jetzt halte ich das ziemlich gut durch und merke natürlich auch den Trainingserfolg. Ansonsten: Ich konnte endlich die 60kg-Grenze ankratzen, die Ernährungsumstellung auf fettarm halten wir weiter bei, ohne ab und zu auf das Über-die-Strenge-schlagen zu verzichten (die Grillsaison hat ja auch gerade wieder begonnen :-)).

Was bei mir, wenn nicht den so doch einen Ausschlag gegeben hat, ist wohl, dass ich mich inzwischen, nach wirklich schlimmen Zeiten, mit dem Thema Kinderlosigkeit einigermaßen rational auseinandersetzen kann und weiß, dass ich trotzdem ein zufriedenes Leben leben will. Und dazu gehört bei mir auch, schlank zu sein und nicht frustriert und immer dicker werdend vor mich hin zu leben. Es soll (insbesondere gegenüber denen, die mit weit größeren Gewichtsproblemen zu kämpfen haben und über mein Ausgangsgewicht schon mehr als glücklich wären [ich weiß wovon ich spreche, da ja mein Mann auch eher zu dieser Gruppe gehört]) nicht überheblich wirken, aber ich genieße mein Attraktivität und mein Körpergefühl, auch wenn es noch daran zu arbeiten gibt... Was mir zu Beginn, als ich noch nicht aß, "wie eine schlanke Frau ißt" (vgl. Pinboard), persönlich geholfen hat, war der Gedanke, dass ich noch viel Zeit in meinem Leben habe werde, all die leckeren Sachen zu essen, aber eben nicht alle auf einmal und nicht zu Zeiten, in denen es ums Abnehmen geht. Das korrespondiert zwar nicht unbedingt mit Evas Idee von der kompletten Einstellungsänderung, aber mein Leben lang nie wieder eine Salami-Pizza zu essen würde ich eh nicht aushalten. Aber ich kann damit jetzt wirklich umgehen, lege nach einem der wirklich seltenen fettreichen Tage einen noch fettärmeren ein, etc.

Was ich für unbedingt notwendig halte: Keine Vorräte an "gefährlichen" Sachen im Haus haben. Vor allem meinen Mann hätte das fertig gemacht, bzw. hätte er für deren Vertilgung gesorgt. Ich weiß, dass einige einwenden: Aber wenn ich Kinder habe, brauche ich doch Süßigkeiten, etc, auf Vorrat. Das ist meiner Meinung nach eine falsche Vorstellung: ich kann mich erinnern, dass wir als Kinder nicht ständig Süßigkeiten zur Verfügung hatten und dass das erst in der jetzigen Mütter-Generation normal zu sein scheint, ständig Schoko, Ü-Eier und Gummibären zur Verfügung stellen zu müssen. Außerdem sehe ich an meiner Freundin (eigentlich immer pummelig, aber nach zwei Schwangerschaften und jetzt 85kg bei 1,58m sehr unglücklich mit ihrem Gewicht) dadurch alle Diät-Ansätze (Weight watchers) torpediert. Man ändert seine grundsätzliche Ernährung einfach nicht, wenn es normal ist, Leberwurst, Chips und Baur-Joghurts im Haus zu haben (Vielleicht ein Beitrag zu ihrer "Leidensgeschichte": sie hatte mit Weight watchers bis Weihnachten 1998 (dieses war zunächst als Diätpause gedacht, da man "die Adventszeit ja so nicht überleben kann..") innerhalb von 6 Monaten [auch durch unser Beispiel angespornt] 12kg abgenommen, von denen sie bis heute aber bislang rund 8kg wieder drauf hat. Bei ihr gab es keine Ernährungsumstellung, sie kocht weiter "gut" wie vorher und bevorratet alles, was kalorien- und fettreich ist.)

Noch ein Beitrag zu meinem familiären Hintergrund: Beide Elternteile sind äußerst stark übergewichtig und haben entsprechende ernährungsbedinget Erkrankungen (Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, u. v. m.). Ich war mir auf einmal klar darüber, dass, wenn ich nicht die Notbremse ziehe, ich schleichend in diese Gewichtskategorien gleiten würde, was ich immer als sehr bedrohlich empfunden habe. Außerdem möchten mein Mann und ich beide meinen Eltern besonders durch sein Beispiel zeigen, dass es tatsächlich möglich ist, abzunehmen; bislang leider ohne Erfolg.

So, das war reichlich Erfahrungsbeitrag. Ich hoffe, ich kann dazu beitragen, jemanden zu motivieren, denn es ist ein wirklich klasse Gefühl, es geschafft zuhaben, den inneren Schweinehund zu überwinden und sich wieder im eigenen Körper wohl zu fühlen. Und vielleicht noch ein Tip: Meinen Mann motiviere ich weiter abzunehmen zur Zeit mit der Aussicht auf eine Deluxe-Videokamera, wenn er die 100-Kilo-Marke unterschritten hat (es findet eben nicht alles im Kopf statt....).

Chris


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© Eva Schumann,
Freising 1999

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