Mehr als ein Viertel der Asylsuchenden sind Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre

Asylsuchende – aus welchen Ländern kommen sie, wie ist der Anteil von Männern, Frauen und Kindern? Ein paar Zahlen.

In manchen Köpfen geistert immer noch herum, dass die Mehrheit der Asylsuchenden Wirtschaftsflüchtlinge vom Balkan sind, die kein Recht auf Asyl bei uns haben. Vielleicht hat das ja vor ein paar Jahren gestimmt, ich weiß es nicht, aber auf der Website des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) kann man nachlesen, woher die Menschen kommen, die derzeit Asylanträge stellen.

Asylanträge (Erstanträge) im September 2015 nach Herkunftsländern

Asylanträge September 2015 nach Herkunfsländern

Asylanträge September 2015 nach Herkunfsländern (Grafik)

Asylanträge September 2015 nach Herkunfsländern - Tabelle

Asylanträge September 2015 nach Herkunfsländern – Tabelle

Aus den Balkanländern kommen also weniger als ein Viertel der Menschen (24,39 Prozent). Knapp 41 Prozent dagegen sind Kriegsflüchtlinge aus Syrien, weitere kommen – oft als Verfolgte – aus anderen Ländern.

Alles furchterregende junge Männer, die da kommen?

Es wundert mich schon eine ganze Weile, dass manche Medien und Politiker davon schreiben und reden, dass die Asylsuchenden hauptsächlich junge Männer seien, die sie als furchterregende Gruppen hinter Zäunen zeigen. Als müsste man sie wie gefährliche Tiere fernhalten und diesen Kriegsflüchtlingen nicht, wie es das Asylrecht vorschreibt und es die Menschlichkeit gebietet, Schutz geben. Solche Bilder benutzen besonders jene gerne, die diffuse Ängste vor Flüchtlingen schüren oder über Vorurteile und Populismus Aufmerksamkeit erregen wollen. Seriös ist das nicht.

Auf Bildern der Flüchtlingsboote, oder wenn in den Nachrichten Gerettete auf der griechischen Insel Lesbos gezeigt werden, sieht man dagegen auch viele Kinder und Frauen, die über das Meer geflohen sind. Genauso auch auf den Bildern, die Flüchtlinge beim Warten oder Hinübergehen an den verschiedenen Grenzübergängen zeigen: Auch da sind immer Familien oder sogar Frauen alleine mit kleinen Kindern zu sehen. Dass tatsächlich auch relativ viele Frauen und Kinder unter den Flüchtlingen sind, zeigen die Facebook-Aufrufe der freiwilligen Helfer an den verschiedenen deutschen Anlaufstellen und Versorgungsbereichen: Fast täglich fragen sie nach Spenden für Flüchtlingskinder – sie benötigen Kindersitze (für die Busfahrten), Babyflaschen, Nuckel, Babymilch, Windeln und andere Kindersachen mehr. Das hört sich doch nun wirklich nicht nach Horden wilder junger Männer an!

Wie passen die verschiedenen Darstellungen zusammen? Wie ist denn nun die Zusammensetzung derer, die da kommen, wirklich?

Die folgende Tabelle und die dazugehörende Grafik basieren u. A. auf Angaben von BILDblog (einem Medien-Watchblog), der seine Zahlen nach eigenen Angaben vom BAMF erhalten hat (Danke, Mirko Lange, für den Lesetipp).

Asylanträge von Januar bis einschließlich September 2015

Asylanträge Januar bis September 2015 nach Altersgruppe und Geschlechtszugehörigkeit - Grafik

Asylanträge Januar bis September 2015 nach Altersgruppe und Geschlechtszugehörigkeit – Grafik

Asylanträge Januar bis September 2015 nach Altersgruppe und Geschlechtszugehörigkeit - Tabelle

Asylanträge Januar bis September 2015 nach Altersgruppe und Geschlechtszugehörigkeit – Tabelle

Von Januar bis einschließlich September 2015 wurden 303.443 Asylanträge gestellt, davon 206.037 (ca. 2/3) für Jungs und Männer und 97.406 (ca. 1/3) für Mädchen und Frauen.

Wie man oben sieht, ist die größte Altersgruppe die von Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 15 Jahren (26,44 Prozent). Rechnet man diese große Zahl an Kindern heraus, bleiben 223.218 ältere Jugendliche plus Erwachsene übrig, 162.555 Männer (73 Prozent) und 60.663 (27 Prozent) Frauen.

Wenn man unter „jungen Männern“ solche von 16 bis einschließlich 29 versteht, dann sind sie mit 100.762 Personen eine große Gruppe, aber machen doch nur 1/3 von allen aus. Viele von denen sind wahrscheinlich auch schon Familienväter.

Man sollte aber grundsätzlich auch über einzelne Gruppen der Asylbewerber keine Pauschalurteile fällen, denn damit tut man den meisten unrecht. Bei den Asylsuchenden gibt es sicher auch Problemfälle – wie bei uns auch, die als Deutsche geboren wurden -, aber erst einmal sollten alle die Chance zum Eingewöhnen bekommen. Das erreicht man aber nicht, indem man von vornerherein schlechte Stimmung gegen die Ankömmlinge macht.

#Refugeeswelcome

Quellen und weiterführende Informationen

 

 

Über Eva Schumann

Ich lerne gerne und lebenslanges Lernen ist mein Lebensmotto. Ich habe viele Ausbildungen (Einzelhandelskauffrau Parfümerie, abgeschlossenes Studium Gartenbau, Weiterbildung Netzwerk- und Internetmanagement, Schulungen technische Redaktion, IT, Mobilfunknetze, Programmierung, Datenbanken und mehr) und auch ausgiebig Berufserfahrung gesammelt. Daneben war ich immer leidenschaftliche Hobbygärtnerin (Garten, Balkon, Terrasse) und Hobbybörsianerin (aus Begeisterung für das Internet). Ich verdiene meinen Lebensunterhalt heute als freie Journalistin, Bloggerin, Texterin, Buchautorin und Technische Redakteurin (mehr siehe www.evaschumann.biz) sowie über meine werbefinanzierten Publikationen im Internet (Portalseite www.tinto.de). Buchen Sie Werbeplatz oder bestellen Sie frische Texte, Bilder oder anderen Content bei tinto@tinto.de oder eschumann@evaschumann.biz
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