Tomatenbestäubung durch Hummeln – demnächst auch auf dem Mars?

Die US-Raumfahrtbehörde NASA will untersuchen, ob Hummeln auch außerhalb der Erdatmosphäre zur Bestäubung von Tomaten, Melonen und anderen Pflanzen eingesetzt werden können. Wenn ja, dann könnten Raumfahrer und Besiedler neuer Welten dank dieser natürlichen Bestäuber möglicherweise frische pflanzliche Nahrungsmittel genießen.

Tomatenblüten

Tomatenblüten – nur wenn Bestäubung und Befruchtung klappen, kann man später Tomaten ernten.

Erste Tests weisen darauf hin, dass die fleißigen Helfer auch mit schwierigen Bedingungen wie niedrigerem Luftdruck zurechtkommen. Doch sind noch viele wissenschaftliche Untersuchungen auf Weltraumtauglichkeit notwendig. Auf Reisen gehen soll die beige-schwarze Hummel Bombus impatiens, die aus dem östlichen Nordamerika stammt und dort von Biobest Canada für den Einsatz zur Bestäubung in Gewächshäusern gezüchtet wird.
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Bestäubung von Tomaten durch Hummeln

Wie gut die Tomatenernte ausfällt, ist von einer gelungenen Bestäubung und Befruchtung abhängig. Die Blüten der Tomate sind zwittrig und selbstbestäubend – der Pollen ist sogar schon vor dem Aufblühen bestäubungsfähig. Bei Erschütterung der Blüten – beispielsweise bei Wind – oder bei Besuch von geeigneten Bestäuberinsekten wird er auf die Narbe der Blüte übertragen und die Befruchtung kann stattfinden. Da im Gewächshaus bei geschlossener Lüftung kein Wind die Pflanzen bewegt und sich abhängig von Jahreszeit und Witterung auch nur wenige Bestäuberinsektkken einfinden, wurden die Tomatenpflanzen im Gewächshaus jahrzehntelang von Gärtnern von Hand gerüttelt oder mit einem Vibrationsgerät „getrillert“. Seit etwa Ende der 1980er Jahre werden die menschlichen Bestäubungshelfer zunehmend durch Hummeln ersetzt – sie sind die billigeren Arbeitskräfte.

Hummeln, die zum Bestäuben verkauft werden, sind natürlich nicht der Natur entnommen, sondern eigens dafür vermehrt worden. Sie werden jeweils als komplettes Volk mit Arbeiterinnen und Brut samt Reiseproviant im Karton zum Gärtner verschickt.

Ein Problem, das beim Einsatz von Hummeln zur Bestäubung im Gewächshaus auftreten kann: Werden regionsfremde Hummeln ausgesetzt und entkommen diese aus dem Gewächshaus, können sie als invasive Art heimische Hummelarten verdrängen – das passierte in Chile mit der Dunklen Erdhummel Bombus terristis, die dort ausgebüxt ist und sich nun über Südamerika ausbreiten soll, während die dort heimischen Hummelarten aussterben.

Bei uns in Deutschland wird im Tomatenanbau unter Glas ebenfalls die Hummel Bombus terrestis eingesetzt. Allerdings ist diese schwarze Hummel mit den zwei gelben Querstreifen und dem hellen Hinterleib in Europa heimisch und sowieso die am häufigsten vorkommende Art.

Hummel Bombus terrestis


Die Hummelart Bombus terrestis kann man bei uns überall beobachten – im Garten, auf dem Balkon und in öffentlichen Grünanlagen. Ihre Artgenossen aus der professionellen Hummelvermehrung werden zur Bestäubung im kommerziellen Tomatenanbau im Gewächshaus genutzt.

Der Einsatz tierischer Bestäuber hat einen positiven Nebeneffekt: Er zwingt die Gärtner zum nützlingsverträglichen Pflanzenschutz – weswegen Hummelbestäubung und biologischer Pflanzenschutz (mit Nützlingen/Nutzorganismen) meist Hand in Hand gehen.
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Angst vor Stichen muss man meiner persönlichen Erfahrung nach nicht haben. Ich bin jahrelang in Gewächshäusern mit Hummeln ein- und ausgegangen und wurde weder dort, noch im Garten jemals von einer Hummel gestochen. Die Tiere scheinen mir friedlich und ausschließlich auf ihre Blütenbesuche konzentriert. Auf dem „Beipackzettel“ der Bestäuberhummeln wird empfohlen, auf blaue Kleidung sowie Parfum und Rasierwasser zu verzichten, aber ich habe auch frisch geduscht und nach Hautreinigungs- und pflegemitteln riechend nie aggressives Verhalten erlebt.

Hummelzucht und -vertrieb

Das belgische Unternehmen Biobest, das die Hummeln für die NASA liefert, wurde 1987 gegründet und ist inzwischen weltweit in der Hummelzucht und im biologischen Pflanzenschutz (Nützlinge, Nutzorganismen) aktiv. Ein weiterer bekannter Bestäuber- und Nützlingszüchter ist das ebenfalls international tätige, holländische Unternehmen Koppert Biological Systems. Viele deutsche Nützlingsanbieter wie Sautter & Stepper arbeiten bei den Bestäuberhummeln mit Koppert zusammen.

Weitere Informationen

Über Eva Schumann

Werbefinanzierte Online-Publikationen: www.tinto.de. Journalistin, Bloggerin, Autorin, Texterin und Technische Redakteurin mit Garten-/Gartenbau- sowie IT/Kommunikation-Background: www.evaschumann.biz.
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