Bio-Zierpflanzen sind gut für alle

Kräuter und Gemüse gibt es schon lange in Bio-Qualität zu kaufen – als Jungpflanzen beim Biogärtner oder in der Bio-Abteilung im Gartencenter, als Lebensmittel sogar im Supermarkt. Langsam wächst auch das Bio-Zierpflanzen-Angebot. Was meiner Meinung nach für Bio-Zierpflanzen spricht und wo man sie kaufen kann.

Biene an Blüten

Bio-Zierpflanzen tun nicht nur den Bienen gut, sondern uns allen.

Zierpflanzen dürfen oft anders oder mit anderen Pflanzenschutzmitteln behandelt werden als Obst, Gemüse und Kräuter. Beispielsweise darf im konventionellen Zierpflanzenbau gegen Weiße Fliege, Blattläuse, Minierfliegen etc. laut Datenbank des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mit dem Wirkstoff Imidacloprid, einem Neonicotinoid, enthalten beispielsweise in Confidor WG 70 von Bayer CropScience, vorgegangen werden.

Confidor ist laut BVL Datenblatt ein umweltgefährliches, gesundheitsschädliches Granulat, für das es natürlich strengere Anwendungsbestimmungen und Auflagen gibt als gewöhnlich bei einem weniger gefährlichen Mittel. Es darf beispielsweise wegen der Gefahr für Bienen nicht auf blühenden Pflanzen oder bei blühenden Unkräutern angewendet werden. Aber: Der Wirkstoff ist auch schädlich für Marienkäfer, Florfliegen und viele andere Nützlinge.

Zwar dürfen auch Tabak, Hopfen, Wein und Pfirsiche im Profi-Gartenbau damit behandelt werden, aber im Gemüsebau nur wenige Salatarten, sonst nichts, und diese nur kurz vor der Entfaltung des 3. Laubblattes, also vor dem Auspflanzen – bis zur Ernte dauert es dann noch einige Wochen, so dass man anscheinend davon ausgeht, dass eine Wartezeit, bevor der Salat verzehrt werden darf, überflüssig ist. Weil Salat im Produktionsanbau nicht blüht, sieht man da auch keine Gefahr für Bienen. Im Haus- und Kleingarten hat das Mittel übrigens grundsätzlich keine Zulassung.

Was aber passiert, wenn ein konventioneller Gärtner seine Zierpflanzen im Gewächshaus damit gespritzt hat und die Ware dann beim Endverbraucher landet? Eine Wartezeit gibt es nicht, weil davon ausgegangen wird, dass man Zierpflanzen nicht isst. Die Anwendungsbestimmung NB504 lautet zwar: Eine Behandlung vor der Blüte ist nur zulässig, wenn danach im Jahr der Behandlung keine Verwendung der Pflanzen im Freiland vorgesehen ist. Aber woher weiß der Gärtner, was der Endverbraucher mit seinen neuen Lieblingspflanzen macht, ob er sie auf die Terrasse stellt, wo er gleichzeitig Bienen mit bienenfreundlichen Blumenkasten-Blumenmischungen anlockt, oder ob er damit eine Beetumrandung ums Gemüsebeet anlegen will. Und umgekehrt weiß der Blumenkäufer in der Regel nicht, wie der Produktionsbetrieb die Pflanzen behandelt hat.

Da stellen sich viele Fragen: Kann der Wirkstoff aus dem Pflanzenschutzmittel über den Boden in das Gemüse gelangen? Kann er sich im Kompost anreichern? Hat er Auswirkungen auf die Bodenlebewesen? Etc.

Laut Wikipedia wird der Wirkstoff Imidacloprid (und viele andere) nur langsam abgebaut, im schnellsten Fall halbiert sich die aktive Wirkstoffmenge nach 48 Tagen. Frühestens in weiteren 48 Tagen ist sie dann auf ein Viertel reduziert etc. Sicher ist das schneller als sich Radioaktivität nach einem Atomkraftwerkskunfall wie Tschernobyl verringert, aber ist es schnell genug?

Meiner persönlichen Meinung nach ist es in der heutigen Zeit eine Zumutung für den zunehmend umweltbewussten Verbraucher/Verbraucherin, sich über die Giftigkeit von Pflanzen nicht aufgrund ihrer natürlichen Inhaltsstoffe, sondern auch noch wegen möglicher gärtnerischer Praxis Gedanken machen zu müssen.

Es ist zwar schon ein Fortschritt, dass manche Discounter von ihren Zulieferern verlangen, auch bei Zierpflanzen keine Nicotinoide einzusetzen, aber reicht das? Am Ende des Lebens von Zierpflanzen aus konventionellem Anbau stehen Endverbraucher immer dumm da mit der Frage, wie sie diese Pflanzen und deren Pflanzenerde entsorgen sollen, da man nie weiß, womit die Pflanze vielleicht behandelt wurden – Pflanzenschutzmittel, Stauchungsmittel, was noch? Der eigene Kompost, der dann später auch im Obstgarten und Gemüsebeet verteilt werden soll, ist dann nicht der richtige Ort, vor allem, wenn man Obst, Gemüse und Kräuter biologisch anbauen möchte. Als Endlager kann man mit gutem Gewissen am ehesten die Restmülltonne empfehlen. Aber für einen ökologisch denkenden Menschen, der Pflanzen liebt, ist das eine Zumutung.

Da gibt es nur einen Ausweg: Bio-Zierpflanzen.

Alle Pflanzen sind (vor der Natur) gleich

Die Natur trennt nicht zwischen Nutzpflanzen und Zierpflanzen, schließlich hat jede Pflanze für irgendwelche andere Lebewesen eine Bedeutung und ist damit ein wichtiger Bestandteil des großen Ganzen. So wie es Bienen egal ist, ob sie sich an der Blüte eines Zierstrauches oder eines Gewürzes laben, Hauptsache, sie bekommen, was sie brauchen, macht die Trennung von Nutzpflanzen und Zierpflanzen im Garten, auf dem Balkon oder im Urban Gardening auch für viele Gärtner und Hobbygärtner keinen Sinn mehr: Auch Gemüse können eine Augenweide sein – man denke an Essbare-Gärten-Projekte auf öffentlichen Flächen oder andere Gemeinschaftsgärten –, auch Blüten von so genannten Zierpflanzen sind oft essbar (oder könnten es sein, wenn ihr Schutz vor Krankheiten und Schädlingen entsprechend ökologisch durchgeführt werden würde) und Blüten und Blätter einiger Arten haben sogar eine Heilwirkung.

Wir machen uns Sorgen um die Natur draußen auf dem Land angesichts der Meldungen über den Rückgang der Wildkräuter, Insekten und in Folge auch der Vögel und anderer Tierarten wegen der industriellen Landwirtschaft und ihrer Probleme dort. Wer wenigstens sein Heim, die Terrasse, Balkon, den eigenen Garten uneingeschränkt als Wohlfühloase erleben möchte, wer Gemüse, Kräuter und Blumen bunt zusammenpflanzen können möchte und auch bei der Verwendung von Blüten und Blättern so genannter Zierpflanzen nicht durch Pflanzenschutzrückstände eingeschränkt sein möchte, der legt auch beim Kauf von Zierpflanzen Wert darauf, dass sie umweltgerecht herangezogen und behandelt wurden.

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Bio-Zierpflanzen

Worin sich Bio-Zierpflanzen von herkömmlichen Zierpflanzen unterscheiden: Bio-Zierpflanzen stammen aus einer Gärtnerei, die eine offizielle Bio-Zertifizierung hat. Sie baut Pflanzen grundsätzlich nach der EU-Öko-Verordnung oder den noch strengeren Richtlinien der Anbauverbände Demeter, Naturland etc. an.

Bio-Zierpflanzen werden

  • umwelt- und resourcenschonend produziert, beispielsweise bei geringem Torfanteil im Substrat und nach Möglichkeit mit kurzen Wegen zum Verbraucher,
  • sind frei von Unkrautvernichtungsmitteln (Herbiziden), chemischen Pflanzenschutzmitteln gegen Krankheiten und Schädlinge, Hemmstoffen oder anderen Präparaten, die im Ökolandbau nicht zugelassen sind (und hoffentlich nicht ein konventionell anbauender Nachbar bei Wind im Freien spritzt).
  • Und selbstverständlich sind sie nicht gentechnisch verändert worden.

Wer Bio-Zierpflanzen kauft, tut etwas für unser aller Umwelt und unterstützt Anbauer, die sich für den ökologischen Weg entschieden haben.

Eine Karte mit Gärtnereien, Hofläden und Bioläden, die Zierpflanzen in Bio-Qualität anbieten, findet man bei Bio-Zierpflanzen (bio-zierpflanzen.de – Informationen für Endverbraucher und Produzenten).
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Über Eva Schumann

Werbefinanzierte Online-Publikationen: www.tinto.de. Journalistin, Bloggerin, Autorin, Texterin und Technische Redakteurin mit Garten-/Gartenbau- sowie IT/Kommunikation-Background: www.evaschumann.biz.
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