Anschaffung eines Gewächshauses: Worauf kommt es an? Die sechs wichtigsten Aspekte.

Bevor man sich ein Gewächshaus für den Garten, die Dachterrasse oder den Balkon anschafft, sollte man sich über ein paar Aspekte klar werden. Dies sind die sechs wichtigsten Fragen, die man sich über das zukünftige Gewächshaus stellen sollte:

1. Welche Nutzung ist geplant?

Wofür will man (und wer will) das neue Gewächshaus nutzen, denn je nachdem ist eine andere Konstruktion, Verglasung und Gewächshausausstattung notwendig. Beispiele:

In diesem ungeheizten Gewächshaus in Bayern wird das Gemüseanbaujahr verlängert und eine Weinrebe im Boden kultiviert und unter dem Dach mittels Drähten weitergeleitet (Bild aufgenommen im alten Weihenstephaner Kleingarten)

Ein Gewächshaus, das nur den Gemüseanbau im Frühjahr verfrühen und im Herbst verlängern soll, muss vergleichsweise wenige Anforderungen erfüllen, beispielsweise gut belüftbar sein, damit es an sonnigen Frühjahrstagen und im Sommer nicht zu Hitzeschäden an den Pflanzen kommt. Schon mit einer Folienabdeckung über einer einfachen Holz-, Kunststoff- oder Metallkonstruktion kann man etwas erreichen. Es ist daher in der Anschaffung günstiger.

Ein Gewächshaus, in dem man im Winter wärmeliebende Tropenpflanzen oder im zeitigen Frühjahr mediterrane Gemüsen wie Paprika und Tomaten selbst aussäen und heranziehen will, muss heizbar sein und daher so beschaffen, dass möglichst wenig Wärme in die Umwelt verpufft. Ein gut isoliertes, beheizbares Gewächshaus ist allerdings teurer in der Anschaffung als ein unbeheiztes Gewächshaus.

Wer beides in einem Gewächshaus tun können will, kann das Gewächshaus in Kabinen unterteilen und unterschiedlich beheizen beziehungsweise kann man in ein frostfreies Gewächshaus ein wärmer beheizbares Anzuchtsbeet aufstellen.

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(Beckmann Foliengewächshaus)


Wer nur niedrige Pflanzen kultiviert, kommt oft auch mit einem Erdgewächshaus zurecht, bei dem nur das Dach über die Erdoberfläche hinausragt und die Pflanzen auf Tischen aufgestellt oder in Tischbeeten kultiviert werden. Der Gärtner oder die Gärtnerin betritt das Erdgewächshaus über eine Treppe nach unten. Entweder wird im Gewächshaus nur der Gang ausgehoben, so dass man ohne sich zu bücken im gewachsenen Boden arbeiten kann, oder es wird das ganze Gewächshaus ausgehoben und darin Tische aufgestellt. Wichtig ist, dass die Seiten des Aushubs sicher befestigt werden und dass das Gewächshaus auch vor Überflutungen geschützt wird.

Sehr hohe Pflanzen, wie beispielsweise große Palmen und wärmebedürftige Gehölze, die in einem Gewächshaus überwintern oder ständig stehen sollen, benötigen ein entsprechend hohes Gewächshaus. Hohe Gewächshäuser sind aber besonders den Kräften des Windes ausgesetzt, was unbedingt bei der Wahl des Fundamentes beachtet werden muss.

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Soll das Gewächshaus auch mit dem Schubkarren befahrbar sein oder auch Rollstuhlfahrer hineinfahren können, braucht man ein Gewächshaus mit breiter Tür und niedriger Türschwelle (über die man eine Türschwellenrampe legen kann). Braucht man die Tür als Lüftungfläche, aber muss man das Gewächshaus gegen Hasen oder andere Eindringlinge sichern, nimmt man ein Gewächshaus mit einer Tür, bei der man bei Bedarf nur die obere Hälfte öffnen kann.

2. Welcher Standort kommt infrage?

Ebenfalls eine wichtige Überlegung bereits vor der Anschaffung: Wo soll das Gewächshaus aufgestellt werden? Hat man überhaupt einen geeigneten Standort? Man benötigt einen Ort, an dem ausreichend Platz für eine waagerechte Fläche in der Größe des Gewächshauses vorhanden ist oder hergestellt werden kann.

Für fast alle Nutzungsarten benötigt man in unseren Breiten einen Platz mit viel Licht, denn das ist bei uns im Winter knapp. Auch die Aufstellungsrichtung (Nord-Süd oder Ost-West) sollte man der Nutzungsart entsprechend planen, je nachdem, ob das Gewächshaus nur ungeheizt für den verlängerten Gemüseanbau oder ganzjährig beheizt genutzt wird.

Ein Platz an der Nordseite im Vollschatten eines Hauses war bisher für keine Nutzungsart zu empfehlen und ist es auch heute nur dann, wenn man kein Problem mit Extrakosten für Technik und Energie hat. Inzwischen gibt es nämlich Beleuchtungsmöglichkeiten, mit denen man Pflanzen selbst in lichtlosen Containern kultivieren kann, ohne dass sich die Pflanzenoberflächen oder der Raum – wie früher bei älterer Technik – viel zu stark aufheizen. Allerdings kann man das nur bei Verwendung von Ökostrom guten Gewissens empfehlen. Und wer nach Nachhaltigkeitsprinzipien lebt, muss auch den Aufwand für die Herstellung und den Betrieb technischer Ausstattung berücksichtigen.

Nochmal zurück zum windexponierten Standort: An diesem spielt nicht nur eine hochwertige Konstruktion, sondern auch das Fundament eine besondere Rolle – ein paar Anker im Boden reichen nicht aus, sondern man braucht ein stabiles Fundament, mit dem das Gewächshaus auch bei einem Sturm sicher am Boden gehalten wird.

An Standorten, an denen es häufig hagelt, sollte man lieber kein Normalglas zur Gewächshauseindeckung verwenden, das nach einem Unwetter die Ernte und den Boden mit scharfen Glasscheiben verunreinigt, sondern lieber Sicherheitsglas (Einscheibensicherheitsglas, ESG, oder Verbundsicherheitsglas, VSG), Stegdoppelplatten mit einer Garantie auf die Hagelfestigkeit oder ein anderes bruchsichereres Eindeckungsmaterial wählen.

Die Kombination aus Nutzungsart und Standort bestimmt nicht nur maßgeblich, wie die Konstruktion (Aluminium, Holz o. a.) und die Eindeckung (Glas, Kunststoff, Folie und anderes) beschaffen sein sollten, sondern auch die weitere Ausstattung, die Anforderungen an die Lüftung, Schattierung, Energiesparschirme und so weiter.

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(Juliana Gewächshaus)


3. Welche optische Veränderung durch das Gewächshaus ist erlaubt oder gewünscht?

Ein Gewächshaus verändert das Bild des Gartens, des Hauses, des Dachgartens oder wo immer man das Gewächshaus aufstellen will.
Ein Erdgewächshaus, beispielsweise mit einer Dachkonstruktion aus dunklem Holz und Glas, fügt sich harmonisch in einen Garten ein, ohne ihn optisch arg zu verändern. Höhere und größere Gewächshäuser können das Bild des Gartens total verändern – je nach Art der Form und verwendeten Materialien. Der Stil des Gewächshauses (rustikal, romantisch, minimalistisch oder vielleicht sogar futuristisch) sollten zum sonstigen Garten, zum Haus und den darin lebenden Menschen passen.

4. Wie groß soll das Gewächshaus sein?

Ein Gewächshaus muss so groß sein, dass man die üblichen Tätigkeiten bequem ausführen kann. Beispiele:

Wer Gemüse im Boden eines Gewächshauses im Garten kultivieren möchte, beispielsweise im zeitigen Frühjahr Kohlrabi, Rettich und Salat, im Sommer Tomaten, Paprika und Auberginen und im Herbst Feldsalat für den Winter pflanzen will, braucht ausreichend Platz um Gartengeräte wie Grabgabel, Rechen und anderes bequem stehend einsetzen zu können und ohne dass die Gefahr besteht, mit dem Stiel durch die Seitenwand zu schlagen. Zu empfehlen sind 3 x 4 m Grundfläche bei einer Höhe von mindestens 2 m.

Wer seine Jungpflanzen vor dem Auspflanzen draußen abhärten, aber nachts vor Frost schützen will, braucht eigentlich nur ein Frühbeet im Garten oder eine Art „gläsernen Schrank mit Stellfläschen“ auf dem Balkon, den man bei Sonne lüften und nachts mit einem wärmenden Material zudecken kann.

5. Braucht man eine Genehmigung für das Gewächshaus?

Die Vorschriften zur Genehmigungspflicht oder -freiheit von Gewächshäusern und Ähnlichem findet man in der Landesbauordnung des jeweiligen Bundeslandes, in welchem das Gewächshaus aufgestellt werden soll. Zuverlässige Auskunft erhält man beim jeweiligen Stadtbauamt, Bauamt des Landratsamts oder der ansonsten regional zuständigen Behörde. Ist das Bauvorhaben genehmigungspflichtig, erhält man dort auch Informationen, welche Unterlagen man einreichen muss.

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Auch bei der Aufstellung genehmigungsfreier Konstruktionen sind Baulinien (Positionsvorschriften) und Grenzabstände einzuhalten und es müssen unter Umständen vorhandene Bestimmungen des Denkmalschutzes beachtet werden.

In Kleingartenanlagen muss man sich außerdem nach deren Satzung richten, als Mieter eines Hauses mit Garten braucht man die Genehmigung des Vermieters, als Eigentümer einer Wohnung in einer Eigentumswohnanlage benötigt man die Zustimmung der Eigentümerversammlung, bevor man irgendeine bauliche Maßnahme oder Veränderung vornimmt.

6. Wie viel Geld kostet das Gewächshaus meiner Träume?

Das Budget, das man ausgeben kann oder will, limitiert nicht nur die Größe des Gewächshauses, sondern auch die Qualität der Konstruktion, des Eindeckungsmaterial und der sonstigen Ausstattung – und kann dadurch auch die Nutzungsmöglichkeiten von vorneherein einschränken.

Während man den Gemüseanbau schon in einem einfachen, preisgünstigen Folienhaus oder sogar in einem Frühbeet (am besten mit hochstellbaren Fenstern) verlängern und verbessern kann, muss man für ein Gewächshaus, das ganzjährig beheizt und für wärmebedürftige Pflanzen genutzt werden soll, mehr auf den Tisch legen, denn hochwertige Konstruktionsprofile ohne Wärmebrücken, gut isolierende Eindeckungsmaterialien, Heizung, Zusatzbeleuchtung und so weiter haben ihren Preis.

Für grundsätzlich alle Gewächshäuser sind große Lüftungsöffnungen wichtig, denn im Sommer wird es in Gewächshäusern mit zu kleinen Fenstern schnell zu heiß.

Ein Gewächshaus kann gar nicht genug Fenster haben, da unsere Sommer phasenweise sehr heiß sein können. Schattiermatten, die man über das Dach legt, lindern zwar auch ein wenig während extremer Wetterperioden, aber frische Luft ist für die Gesunderhaltung fast aller Pflanzen sehr wichtig. Unbedingt empfehlenswert sind auch automatische Lüfter, die von alleine mit dem Lüften beginnen, sobald eine bestimmte Temperatur erreicht ist.

Buchtipps:

Umfassendes Gewächshaus-Buch für alle Nutzungsarten einschließlich Kübelpflanzen und Zimmerpflanzen:

Das Kleingewächshaus*
Technik und Nutzung

Eva Schumann/Gerhard Milicka 
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart: 5. Auflage (13. Juni 2019)
gebundenes Buch, 319 Seiten
ISBN 3-8186-0822-9
-> Online-Bestellung*

Gewächshaus-Taschenbuch für Selbstversorger (Gemüse- und Kräuteranbau):

Gewächshaus und Frühbeet*
erfolgreich nutzen für den eigenen Gemüseanbau

Eva Schumann
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart: 1. Auflage (22. Juni 2017)
Taschenbuch, 128 Seiten
ISBN 3-8001-5667-9
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* Buchabbildung und mit Asterisk gekennzeichnete Links sind verknüpft mit Werbepartner Amazon.de

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Über Eva Schumann

Ich lerne gerne und lebenslanges Lernen ist mein Lebensmotto. Ich habe viele Ausbildungen (Einzelhandelskauffrau Parfümerie, abgeschlossenes Studium Gartenbau, Weiterbildung Netzwerk- und Internetmanagement, Schulungen technische Redaktion, IT, Mobilfunknetze, Programmierung, Datenbanken und mehr) und auch ausgiebig Berufserfahrung gesammelt. Daneben war ich immer leidenschaftliche Hobbygärtnerin (Garten, Balkon, Terrasse) und Hobbybörsianerin (aus Begeisterung für das Internet). Ich verdiene meinen Lebensunterhalt heute als freie Journalistin, Bloggerin, Texterin, Buchautorin und Technische Redakteurin (mehr siehe www.evaschumann.biz) sowie über meine werbefinanzierten Publikationen im Internet (Portalseite www.tinto.de). Buchen Sie Werbeplatz oder bestellen Sie frische Texte, Bilder oder anderen Content bei tinto@tinto.de oder eschumann@evaschumann.biz
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