Gewächshaus: Befruchtung mit Hummeln bei Kunstlicht

Wärmeliebende Pflanzen wie Auberginen, Tomaten, Chili und Paprika benötigen in den Wintermonaten nicht nur ein Gewächshaus mit Heizung, sondern auch Zusatzlicht. Aber reicht dieses Licht auch den Hummeln, die zur Bestäubung eingesetzt werden?

Fruchtgemüse wie Tomaten, Chili und Paprika können bei uns außerhalb der frostfreien Zeit nur im Gewächshaus angebaut werden. Dieses sollte beheizbar und – um Heizkosten zu sparen und der Umwelt zuliebe – gut isoliert sein. Allerdings fliegen im Herbst und Winter wegen der geschlossenen Lüftungsöffnungen keine Insekten zu und es ist windstill. Dadurch tritt ein Problem auf: Es findet kaum Befruchtung statt, weil der Pollen nicht in Bewegung und damit nicht auf die Narbe kommt. Ohne gute Bestäubung und infolge Befruchtung sind jedoch die Fruchtbildung, -ausbildung und die Ernte insgesamt schlecht.

Erdhummel

Die dunkle Erdhummel Bombus terrestris ist in Europa, Nordafrika und Kleinasien natürlich verbreitet. Man kann sie auch bei Nützlingszüchtern kaufen und die Kästen mit den Hummelnestern im Gewächshaus aufstellen.

Die fehlende „natürliche“ Befruchtung im Gewächshaus kann man manuell ausgleichen, indem man die Blütenstände mit einem speziellen Vibrierstab „trillert“ oder im Hobbybereich mit einer Schüttelbewegung in Schwingung versetzt. Allerdings sind damit im Erwerbsgemüsebau hohe Arbeitskosten verbunden, da diese Arbeit mehrmals wöchentlich wiederholt werden muss. In den 1990er-Jahren fing man daher an, im Gewächshaus Kästen mit eigens dafür vermehrten Hummelvölkern aufzustellen und die Hummeln die Arbeit machen zu lassen. Und sie erwiesen sich als sehr fleißige Helfer.

Bestäubung
Zwar sind Auberginen, Tomaten und Paprika Selbstbefruchter – aber dafür muss der Pollen durch Wind oder Bestäuber erst einmal in Bewegung gesetzt werden und dann auf der Narbe haften bleiben. Eine gute Befruchtung hängt daher nicht nur von der Blüten- beziehungsweise Pollenqualität sowie vom Vorhandensein von Luftbewegung oder Bestäubern ab, sondern auch von der Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus: Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit verklebt der Pollen und kommt erst gar nicht zur Narbe, weil er nicht fliegt, bei zu niedriger Luftfeuchtigkeit haftet er nicht an der Narbe und es findet ebenfalls keine Befruchtung statt.

Gegen die „Winterdepression“ von Pflanzen, Menschen und Hummeln hilft Licht

Allerdings ist es bei uns im Herbst und Winter nicht nur kalt, sondern die Tage sind kurz und oft sehr trüb. Eine gute Pflanzenentwicklung ist in dieser Zeit nur mit Zusatzlicht möglich – und auch manche Menschen überstehen den Winter nur mit Zusatzlicht („Wohlfühllicht“) ohne depressive Verstimmungen.

Auch die Hummeln benötigen Licht, um ihr Hummelnest nach der Arbeit wiederzufinden – mindestens 28 Watt/m2 PAR-Licht beziehungsweise 56 Watt/m2 Sonnenlicht sollten es sein (Quelle Koppert, siehe unten). Wenn das natürliche Licht draußen unter 60-70 Watt/m2 sinkt, reicht das Licht im Gewächshaus nicht mehr.

Es sollte jedoch auch bedacht werden, dass der Einsatz von Pflanzenlicht das Klima im Gewächshaus verändern kann. Manche Pflanzenleuchten wie Hochdrucknatriumdampflampen (beispielsweise SON-T) erzeugen neben Licht auch Abwärme und können dadurch auch die Luftfeuchtigkeit verändern.

Hummeln sehen auch in einem anderen Spektralbereich als wir Menschen und sie haben auch andere Ansprüche als Pflanzen an das Licht. Mit dem Rotanteil im Licht/Kunstlicht können sie im Gegensatz zu Menschen und Pflanzen nichts anfangen. Der niederländische Spezialist für Nützlingseinsatz Koppert B.V. hat die Hummelkästen-Einflugslöcher aufgrund dieser Erkenntnisse farblich so gestaltet, dass die Insekten nach Hause finden. Trotzdem sollte man die Kästen vor allem von der 40. bis zur 6. Woche hoch über dem Pflanzenbestand direkt ins Licht hängen und nicht etwa hinter eine Schattierung (Licht-Einfallswinkel zur relevanten Tageszeit beachten).

Smart Home für Hummeln?
Koppert hat eine Anleitung zum Einsatz von Hummeln bei künstlichem Licht zum Download ins Netz gestellt (siehe unten). Darin wird das Wireless BeeHome und andere Systeme vorgestellt, bei denen die Hummelkästen zu vorgegebenen Zeiten automatisch geöffnet und geschlossen werden können. Außerdem gibt es Angaben zu den optimalen Uhrzeiten für das Öffnen und Schließen der Einflugsluken zu verschiedenen Jahreszeiten am Beispiel Niederlande. Gesteuert werden kann das automatische Öffnen und Schließen über eine Zeitschaltuhr oder per Klima-Computer. Ein Zugriff per Smartphone-App, wie bei Smart- Garten- und Smart-Home-Lösungen für Menschen ist zwar noch nicht erwähnt, aber vermutlich nur eine Frage der Zeit oder des „DIY“ (selbst eine Anbindung über den Klimacomputer oder zur Zeitschaltuhr schaffen).

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Quellen und mehr Informationen

Über Eva Schumann

Ich habe Ausbildungen und langjährige Erfahrungen im (Gartenfach-)Handel, (Hobby-)Gartenbau sowie in der Netzwerk-/Internet-/IT-Welt. Ich verdiene meinen Lebensunterhalt heute als freie Journalistin, Bloggerin, Texterin, Buchautorin und Technische Redakteurin (mehr siehe www.evaschumann.biz) sowie über werbefinanzierte Publikationen im Internet (Portalseite siehe www.tinto.de). Wenn Sie Werbeplatz suchen oder frische Texte, Bilder oder anderen Content benötigen, schreiben Sie mir an eschumann@evaschumann.biz oder tinto@tinto.de.
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