Tomaten in der Blockchain

Die Blockchain-Technologie ist in und es werden immer neue Anwendungsmöglichkeiten erprobt – jetzt ist die Landwirtschaft dran. Erste Pilotprojekte, beispielsweise mit Tomaten, laufen. Die Blockchain-Technologie könnte einen Beitrag zur schnellen und zuverlässigen Überprüfbarkeit von Qualität, Herkunft und Nachhaltigkeit leisten.

Während Bitcoin und andere Kryptowährungen nur virtuell existieren, gibt es Tomaten wirklich. Doch ebenso wie beim Geld die Angaben über Transaktionen, sind bei Lebensmitteln die Angaben über Herkunft, Anbau, Transport, Lagerung und Verarbeitung durch Manipulation gefährdet. Das genaue Tracking und die Datenhaltung der gesammelten Informationen in einer Blockchain, einem verteilten Datenbankmanagementsystem, schützen davor.

Ripe.io ist ein amerikanischen Startup-Unternehmen zweier ehemaliger Wallstreet-Banker bzw. –Händler, Raja Ramachandran und Phil Harris, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Blockchain-Technologie für die Landwirtschaft nutzbar zu machen, beispielsweise um Tracking-Informationen vom Anbauer bis zur Verwertung bei Tomaten vor Manipulation zu schützen.

Blockchain
Die Blockchain Technology (Blockketten-Technologie) ist eine dezentrale Verwaltungsmethode von Daten – beispielsweise Guthaben und Transaktionen, wie sie in einem Kassenbuch wären -, wobei die Transaktionen mittels kryptographischer Verfahren verschlüsselt und miteinander verkettet werden.
Da neue Transaktionen bzw. Blöcke der Kette auf älteren aufbauen und diese auf noch älteren und weil die Informationen verschlüsselt sind, ist die Kette nachträglich kaum veränderbar und so vor Manipulationen geschützt.
Das Konzept ist durch die Verwaltung der Kryptowährung Bitcoin bekannt geworden, aber im Prinzip kann fast alles, was übertragbar ist, sich in Datensätze fassen lässt und hohe Sicherheitsanforderungen stellt, auch über eine Blockchain sinnvoll(er) verwaltet werden.
Beispiel Bitcoin-Blockchain: Jeder Block der Kette enthält neben den ein oder mehr neuen Transaktionen sowie einer Prüfsumme auch die Information, welcher der Vorgänger-Block ist sowie verschlüsselte Informationen von diesem.

TED Talk: How the blockchain will radically transform the economy | Bettina Warburg

Tomatensorte Sungold F1

Tomatensorte ‚Sungold‘ F1

Ihr erstes Agrar-Blockchain-Projekt startete Ripe.io, zusammen mit Sweetgreen Inc., einem Franchise-Unternehmen, das in seinen Filialen frische, gesunde Salate anbietet (eine Art McDonald’s für gesunde Salate aus frischen Zutaten), und mit der Ward’s Berry Farm, einem Gemüseanbaubetrieb südwestlich von Boston/Massachusetts. Auf Geschmack und Qualität legt der Inhaber Ward besonderen Wert. Seit August werden bei ihm die Reife, Farbe und Zuckergehalt verschiedener Tomatensorten (‚Sweet 100‘ F1, ‚Sungold‘ F1) sowie deren Wachstumsfaktoren wie Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit etc. gemessen und dokumentiert – Daten, die ihm helfen können, die Erntemenge- und –qualität zu erhöhen. Unterstützung erhielt Ward von Caroline Myran, einer Projektmanagerin von Ripe.io, die selbst aus der Landwirtschaft stammt und einen Master in nachhaltiger Landwirtschaft und Ernährung der University of Massachusetts in Amherst hat. Auch während des Transports wurden die Lagerbedingungen dokumentiert. Durch das Festhalten der gesammelten Daten in der Blockchain sollen dem Anbauer, dem Handel und den Restaurants jederzeit zuverlässig und schnell Informationen geliefert werden können.

Ripe.io steckt mit seinem Projekt noch in den Kinderschuhen und ist nicht das einzige Unternehmen auf diesem Feld. Auch IBM arbeitet zusammen mit Dole, Nestle, Unilever und Walmart an einem entsprechenden Projekt.

Von Blockchain-Projekten solle man sich keine Wunder erwarten, geben Vorsichtige zu bedenken, schließlich sei die Blockchain auch nur ein Werkzeug und kein Wundermittel.

Aber im Grunde ist der Wert jeder Datenbank abhängig davon, welche Daten wie zuverlässig gemessen und in sie hineingefüttert wurden und wie gut sie vor Manipulation geschützt sind. Gerade bei Produkten, bei denen die Herkunft und bestimmte Eigenschaften große Auswirkungen auf die Produktbezeichnung (Beispiel: Der Wein für Champagner muss in der Champagne in Frankreich nach vorgegebenen Regeln angebaut worden sein) und Kennzeichnung (Bio-Zertifikate, Regionale Herkunft) und damit indirekt auf den Preis haben, könnte die Blockchain schnellere und sichere Überprüfbarkeit schaffen. Das könnte möglicherweise auch helfen, mehr Kunden-/Verbrauchervertrauen in Verbrauchersiegel aufzubauen.

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Über Eva Schumann

Werbefinanzierte Online-Publikationen: www.tinto.de. Journalistin, Bloggerin, Autorin, Texterin und Technische Redakteurin mit Garten-/Gartenbau- sowie IT/Kommunikation-Background: www.evaschumann.biz.
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