Natur und wildes Leben im Garten und auf dem Balkon fördern

Ein Balkon oder ein Garten sind keine Naturlandschaft, sondern beide werden von den Eingriffen ihrer Besitzer geprägt. Auch der größte Teil unserer Landschaft ist nicht Natur-, sondern Kulturlandschaft. Angesichts des beängstigenden Artensterbens in Landschaft und Natur deutschland-, europa- und weltweit möchten sich neben den Naturschützern und Ökoanbauern auch viele Gartenbesitzer, Balkongärtner und Urban Gardener für Pflanzen und Tiere einsetzen, indem sie „Wildtiere“ wie Igel, Vögel, Bienen, Schmetterlinge und viele andere bei sich willkommen heißen und sie unterstützen.

Nützlinge fördern: Der Purpursonnenhut wird von Frühsommer bis Herbst von Nützlingen als Futterquelle genutzt.

Nützlinge fördern: Der Purpursonnenhut wird von Frühsommer bis Herbst von Bienen, Hummeln und anderen als Futterquelle genutzt.

Zu den Ursachen für das Artensterben in der freien Landschaft gehören die zunehmende Flächenversiegelung durch Bebauung, die Zergliederung von Landschaften durch Straßenbau sowie das Zusammenlegen von Feldern zu einheitlich genutzten Flächen, wodurch einerseits die blühenden Feldrandstreifen weniger werden und auf denen andererseits meist auch noch flächendeckend Unkrautvernichtungsmittel und andere Pestizide ausgebracht werden. Den Insekten und anderen Tieren fehlen dadurch ausreichend große zusammenhängende oder wenigstens nah beieinander liegende giftfreie Flächen mit den entsprechenden Futterpflanzen. Auch die Luft- und Umweltverschmutzung durch Verkehr, Landwirtschaft und Industrie macht nicht nur Menschen krank, sondern schadet auch Bienen, Schmetterlingen und vielen anderen Tieren. Und natürlich spielt auch der Klimawandel eine Rolle, denn wo sich das Klima verändert, müssen sich erst neue zum veränderten Standort passende Pflanzen- und Tiergemeinschaften entwickeln und stabilisieren.

Was können wir Hobbygärtner gegen das Individuen- und Artensterben tun (außer Einfluss auf die Politik zu nehmen)

Wer einen großen Garten mit unterschiedlichen Bedingungen (Sonne/Schatten, feucht/trocken) hat, kann für Vielfalt im Garten zu sorgen: Besonnte Natursteinmauern oder ein karg bewachsener Steingarten mit trockenheitsverträglichen Pflanzen neben Hecken, Gehölzgruppen oder Staudenbeeten bieten Zauneidechsen einerseits Sonnenplätze, aber auch gute Verstecke. Naturnahe Gartenteiche werden von Libellen und Wasserläufern besiedelt, gefolgt von Fröschen, Molchen, eventuell sogar Ringelnattern und Wasserfledermäusen.

Vögel kann man fördern, indem man sie an einem vor Katzen und anderen Räubern geschützten Futterplatz ganzjährig füttert und ihnen (und auch den Flederäusen) Nistkästen aufhängt.

Erwachsene Schmetterlinge und Raupen haben eine unterschiedliche Ernährung

Erwachsene Schmetterlinge und ihre Raupen haben eine unterschiedliche Ernährung.

Wenn auf Balkon und Terrasse oder im Garten von Frühjahr bis Herbst immer genügend Pollen- und Nektarspender blühen – das können Bäume, Sträucher, Stauden, Blumen oder Kräuter sein -, haben Bienen und viele andere nützlichen Insekten eine zuverlässige Futterquelle. Sie überstehen dann auch den Winter besser. Viele Staudengärtnereien, Baumschulen, Gartencenter und sogar Baumärkte haben inzwischen Sortimente an bienen- und schmetterlingsfreundlichen Pflanzen – man muss nur darauf achten, dass man die Blüher so auswählt, dass die ganze Flugsaison der fleißigen Tiere abgedeckt ist.

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Ein Teil des Rasens kann vielleicht zur Blumenwiese oder in ein Wildstaudenbeet umgewandelt werden – das sieht schön aus, hat den Nützlingen mehr zu bieten und manche Staudenbeete benötigen weniger Pflegearbeit als Rasen.

Auf den Einsatz von Giften sollte man auf dem Balkon und im Garten möglichst ganz verzichten. Man muss nicht bei der ersten Blattlaus oder dem ersten Wiesen-„Unkraut“ Angst bekommen und die Chemiekeule herausholen. Oft regelt die Natur das Problem selbst – dann werden die Läuse von ihren natürlichen Gegenspielern wie dem Marienkäfer oder auch Vögeln vertilgt. Wichtig ist es, den Befall regelmäßig zu prüfen. Falls es doch zu viele Blattläuse werden und die Nützlinge nicht schnell genug in die Gänge kommen, gibt es weniger schädliche Bekämpfungsmethoden, siehe bei gartenprobleme.de.

Perfekter gepflegter Rasen ist zwar schön und weich, wenn man auf ihm läuft, aber er benötigt viel Pflege und hat einen hohen Düngerbedarf. Im Grunde ist er eine kleine Monokultur, die so an den wenigsten Standorten natürlich ist. Ein Rasen mit Blumen und Kräutern dagegen ist auch schön, aber wesentlich pflegeärmer – und Bienen und Hummeln freuen sich an Gänseblümchen, Löwenzahn und den anderen blühenden Kräutern und Wildstauden im Rasen (siehe auch Unkraut im Rasen bekämpfen oder sich daran erfreuen?).

Ein bisschen Unordnung hilft den Nützlingen

Man tut seinem Wildleben im Garten oder auf dem Balkon einen großen Gefallen, wenn man die Beete oder Pflanzgefäße vor dem Winter nicht komplett abräumt und umgräbt, so dass man den ganzen Winter lang nur den nackten Boden sieht. Igel, Wildbienen und andere Nützlinge benötigen Verstecke und Überwinterungsplätze, beispielsweise nutzen sie dafür Pflanzenreste, Reisig- und Laubhaufen, Vögel picken auch gerne die Samen sowie Insekten von stehengelassenen Pflanzen. Falls Sie es wegen der kritischen Nachbarn nicht über sich bringen, den Vorgarten nicht pingelig sauber aufzuräumen, richten sie den Nützlingen vielleicht hinter dem Haus ein paar für sie heimelige Plätze ein.

Igel suchen im Herbst einen Schlafplatz für den Winter

Igel suchen im Herbst einen Schlafplatz für den Winter

Wer einen Garten hat, sollte nach Möglichkeit auch einen Komposthaufen haben. Auf dem Komposthaufen werden Pflanzenabfälle zu wertvollem Dünger – das spart Geld, schont die Umwelt, weil weniger energieaufwendig hergestellter Dünger benötigt wird, und fördert die Bodenfruchtbarkeit.

Der Nutzen ist manchmal erst um einige Ecken erkennbar

Natürlich fördern wir am liebsten Insekten oder andere Tiere, die für uns nützlich sind oder die wir mögen – wie die Bienen, die bekanntlich unsere Obstbäume, das Gemüse und vieles andere bestäuben, oder Schwebfliegen, Marienkäfer und Florfliegen sowie auch Vögel, die die unbeliebten Blattläuse und andere Schädlinge vertilgen. Allerdings sollte man noch etwas weiter denken: Auch Insekten, die uns unsympathisch sind, weil sie uns stechen (Stechmücken) oder sonstwie lästig sind, haben in der Natur eine wichtige Funktion – und sei es als Futter für irgendeine Tierart, beispielsweise für insektenfressende Vögel, die wiederum bei einer Insektenplage im Garten oder auf dem Balkon hilfreich eingreifen, wenn wir sie bei uns im Garten angesiedelt haben.

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Über Eva Schumann

Werbefinanzierte Online-Publikationen: www.tinto.de. Journalistin, Bloggerin, Autorin, Texterin und Technische Redakteurin mit Garten-/Gartenbau- sowie IT/Kommunikation-Background: www.evaschumann.biz.
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