Massive Open Online Courses (MOOC) – neue Entwicklungen

Noch mehr Kurse, noch mehr Anmeldungen, noch mehr Universitäten. Regionale MOOC-Plattformen wie beispielsweise in China und Lateinameria gewinnen an Bedeutung. Neuer Trend: B2B-Angebote.

Fünf Jahre ist es her, seit einige Stanford-Professoren Ende 2011 die drei ersten MOOCs – Massive Open Online Courses – gestartet und eine Lawine ins Rollen gebracht haben. MOOCs haben sich als Lernmöglichkeit etabliert – als Ergänzung zum Präsenzunterricht und manchmal auch als Ersatz. Manche studieren, um Wissen von einer anderen Institution auf eine andere Art vermittelt zu bekommen, beispielsweise von Professoren einer Elite-Universität, andere, um sich weiterzubilden oder beruflich zu qualifizieren und manche nur aus Spaß am Lernen.

Teilnahmebescheinigung

Eine einfache MOOC-Teilnahmebescheinigung zum Herunterladen erhält man bei vielen Anbietern auch in der kostenlosen Kursvariante. Offizielle Zertifikate, Hochschulscheine und -Abschlüsse gibt es nur, wenn man die entsprechende, gebührenpflichtige Kursversion wählt.

Nachdem zu Anfang noch alle Kurse kostenlos waren, gibt es inzwischen auch Kurse, an denen man nur gegen eine feste Gebühr teilnehmen kann.

Viele Kurse kann man aber nach wie kostenlos belegen (Spenden optional), bei einigen von diesen gibt es auch eine einfache Teilnahmebescheinigung (Statement of Accomplishment), wenn man bei den Kurstests eine Mindestpunktzahl erreicht hat. Nur wenn man ein offizielles Qualifizierungszertifiat (Credential), einen benoteten Schein (College Credits) für einen Hochschulabschluss oder einen Hochschulabschluss (Degree) selbst anstrebt, muss man fast immer eine Gebühr bezahlen. Die Höhe der Gebühr ist vom Kurs beziehungsweise vom angestrebten Abschluss abhängig – meistens aber günstiger als die Teilnahmegebühr für das Präsenzangebot der anbietenden Universität.

Die digitalen Technologien und die Erfahrungen mit den MOOCs haben die Hochschulen und den Weiterbildungsmarkt verändert, beispielsweise gibt es gemeinsame Projekte von ansonsten konkurrierenden Institutionen beispielsweise der Universitäten Harvard und Yale.

MOOC-Anbieter sind Universitäten, Unternehmen und Dozenten. Angeboten werden die Kurse auf MOOC-Plattformen, die zu Universitäten gehören und/oder als (kommerzielles) Unternehmen eigens dafür gegründet wurden.

2016 in Zahlen

Die bekannte MOOC-Informationsplattform Class Central, ansässig in Mountain View/Kalifornien (USA), veröffentlichte Zahlen zu 2016:

  • Ihrer Recherche nach meldeten sich 23 Millionen Menschen im Jahr 2016 zum ersten Mal zu einem MOOC an.
  • Insgesamt 58 Millionen meldeten sich im Jahr 2016 für je mindestens einen Kurs an. (für 2015 schätzt Class Central die Zahl der Anmelder auf 35 Millionen).
  • 6850 Kursen wurden von über 700 Universitäten aus aller Welt angeboten.
  • Da es mehr Kurse zur Auswahl gibt und manche mehrmals im Jahr starten, viele davon self-paced (Anfang und Durchführung mehr oder weniger individuell), sind die Teilnehmerzahlen im einzelnen Kurs gesunken.
  • Zunehmend spielen regionale MOOC-Anbieter eine Rolle. Ein Viertel der 23 Millionen neu Angemeldeten registrierten sich laut Class Central über regionale MOOC-Anbieter wie XuetangX (China), MiriadaX (Lateinamerika) und andere.
  • Nach Angaben von Class Central steht die MOOC-Plattform Coursera mit 23 Millionen Anmeldern weltweit an erster Stelle, gefolgt von edX mit 10 Millionen. Auf dem dritten Platz hat sich XuetangX, eine nicht-englische Plattform, positioniert.
  • Von den 6.850 Kursen, die 2016 angeboten wurden, waren 2.600 neu.
  • Die drei bei uns bekanntesten MOOC-Plattformen, Coursera, Udacity und edX, haben laut Schätzungen von Class Central 2016 zusammen einen Umsatz von etwa 100 Millionen US-Dollar generiert.
  • Ein neuer Trend bei Coursera, Ucacity und FutureLearn sind die B2B- (Business to Business) Angebote, also Fortbildungen für Unternehmen (Corporate Training, Worplace Learning).

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Dass die Universitäten, die MOOC-Plattformen und die Dozenten nicht dauerhaft ausschließlich kostenlose Kurse anbieten können würden, war abzusehen – Technik und Personal müssen bezahlt werden. Es gibt zwar durchaus wichtige nicht-monetäre Vorteile der MOOCs: Bildungseinrichtungen, Unternehmen und DozentInnen (die oft auch FachautorInnen zum jeweiligen Thema sind) können beispielsweise ihren Bekanntheitsgrad vergrößern und ihre Reputation erheblich verbessern, was zu einer höheren Zahl von regulär Studierenden und von Buchverkäufen führen kann. Auch können sie ihren eigenen Studierenden innovative Lerninhalte/Praktika zum Thema MOOCs, Lehren, Community Management, Software-Entwicklung und vielem anderen bieten. Darüber hinaus arbeiten vor allem kommerzielle MOOC-Plattformen oft mit Unternehmen aus der Wirtschaft zusammen. Diese investierten in der Gründungsphase in die neuen MOOC-Plattformen und profitier(t)en vom Entdecken und Vermitteln von Talenten. Inzwischen müssen die Plattformen jedoch selbst Geld erwirtschaften, um beispielsweise die Weiterentwicklung der Technik und ihr Personal zu bezahlen. Eine zunehmend begehrte Zielgruppe für sie sind daher Menschen, die sich über MOOCs beruflich qualifizieren wollen und dafür auch bezahlen (können). Das dürfte für die bisherigen Player am Weiterbildungsmarkt nicht einfach werden.

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Über Eva Schumann

Werbefinanzierte Online-Publikationen: www.tinto.de. Journalistin, Bloggerin, Autorin, Texterin und Technische Redakteurin: www.evaschumann.biz.
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