Es ist kein rein amerikanisches Phänomen

Election US-Wahl 2016 Donald TrumpViele konnten das Ergebnis der US-Wahlen heute Nacht kaum fassen. Mit Entsetzen und Tränen in den Augen sahen sie, dass der Populist Donald Trump, der im Wahlkampf mit fremdenfeindlichen und frauenfeindlichen Äußerungen sowie Lustigmachen über Behinderte Aufmerksamkeit erlangte, die Wahl mit deutlichem Wahlmänner-Abstand gewann. Auf Twitter las man dazu noch die Glückwünsche von Rechtspopulisten aus Europa einschließlich Deutschland sowie von Diktatoren auf dieser Seite des Atlantiks.

Nach einer Zeit, in der man den Wahlkater pflegt, um das Unerwartete zu verarbeiten, muss man sich der Situation stellen: Was ist passiert und wie soll es weitergehen?

Es war eine demokratische Wahl. Wieso hat Clinton, die seriösere, erfahrenere Präsidentschaftskanditatin mit dem professionelleren Team und dem größeren Wahlkampfbudget nicht gewonnen? Woher kamen die Stimmen für Trump? Letzteres hat The New York Times analysiert.

Aber warum haben nicht mehr Frauen für Clinton gestimmt? Warum nicht mehr Latinos? Offensichtlich war das Misstrauen gegenüber Clinton noch größer als die Bedenken gegenüber Trump. Viel mehr Menschen, die sich von Globalisierung und Digitalisierung bedroht fühlen, fühlen sich von ihm gehört und ernst genommen. Meiner Meinung nach hat Hillary Clinton ein ähnliches Problem wie viele Politiker der Mitte bei uns: die falsche oder fehlende Kommunikation mit den (vermeintlichen) Modernisierungsverlierern.

Hoffnung macht, dass laut Spiegel Online weniger die jüngeren Wähler dem fremdenfeindlichen, rückwärtsgewandten Populisten ihre Stimme gaben, als die alten. Auf lange Sicht kann es also besser werden.

Doch darauf, dass sich die Dinge von alleine irgendwann zum Guten wenden, sollte man nicht hoffen. Und wenig konstruktiv wäre es auch, die Gräben weiter zu vertiefen und die „Falschwähler“ als dumm oder dekadent zu verteufeln oder sie zu ignorieren, denn dann wird unsere Stimme von diesen Menschen überhaupt nicht mehr gehört. Die einzige Chance, denen, die laut schreien und einfache Lösungen propagieren – auch bei uns -, nicht das Feld zu überlassen, ist der Weg über mehr Zuhören und mehr und überzeugendere Gespräche. Mehr Kommunikation, nicht weniger! (Aber auch eine bessere sozial gerechtere Politik.)

Obama hat mal gesagt, dass er sich nicht von Niederlagen entmutigen lasse – und er musste viele einstecken, wenn er sich nicht gegen die Republikaner durchsetzen konnte -, sondern dass er in weiten Zeitabschnitten denkt. Und über größere Zeiträume betrachtet, sind die Dinge für die Menschen besser geworden.

Verlieren wir das Ziel nicht aus den Augen: eine bessere Welt für alle.

Hier noch ein paar heilende Worte von Obama:

PS vom 18.11.2016:
Inzwischen zählen die Amerikaner immer noch die Stimmen aus: Aktuell liegt Hillary Clinton circa 1,3 Millionen Wählerstimmen vor Donald Trump. Aber helfen wird ihr das nicht, da sie nach dem Wahlmännersystem verloren hat – überhaupt gehört das amerikanische Wahlsystem mal renoviert, das ist nicht sehr demokratisch. Trotzdem ist es tröstlich, zu wissen, dass sie bei der Wahl tatsächlich mehr Unterstützer hatte als Trump, der sich während des Wahlkampfs selbst als narzistisch, unkontrolliert und von zweifelhaftem Charakter dargestellt hat. Gewählt wird er von den Wahlmännern offiziell erst am 19. Dezember. Theoretisch besteht also die Möglichkeit, dass sie ihn nicht wählen, es gibt sogar eine entsprechende Petition. Doch laut Experten ist es sehr unwahrscheinlich, dass es so kommt, auch würden sich wahrscheinlich Obama und Clinton nicht für diese Art Umgehung des Systems ausprechen.

Es bleibt uns daher wahrscheinlich nichts anderes übrig: Wir müssen damit umgehen und dafür kämpfen, dass diese Phase der Rückwärtsgewandtheit – auf beiden Seiten des Atlantiks – nur kurz währt.

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Über Eva Schumann

Werbefinanzierte Online-Publikationen: www.tinto.de. Journalistin, Bloggerin, Autorin, Texterin und Technische Redakteurin mit Garten-/Gartenbau- sowie IT/Kommunikation-Background: www.evaschumann.biz.
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Eine Antwort auf Es ist kein rein amerikanisches Phänomen

  1. Elvira sagt:

    Mal sehen, was dieses Phänomen uns alles bringt…

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