Was ist los mit den Kastanien im Biergarten und anderswo?

Die Kastanienbäume – das Symbol des gemütlichen bayerischen Biergartens – bieten seit Jahren nur noch selten einen schönen Anblick, denn oft sind ihre Blätter nicht satt grün und gesund, sondern voller brauner Flecken. Heute sah ich wieder so eine traurige Gestalt und fotografierte sie.

Kranker Rosskastanienbaum

Die bei uns verbreiteten Kastanien heißen eigentlich Rosskastanien (Aesculus hippocastanum) und sind im Gegensatz zu den Esskastanien (Castanea sativa) nicht essbar. Wenn man ihre Krankheiten bestimmen will, muss man daher nach Krankheiten der Rosskastanie schauen, nicht nach denen der Kastanie.

Ich war mir vor Ort nicht ganz sicher, ob es sich um einen Befall mit der Kastanienminiermotte bzw. eigentlich Rosskastanienminiermotte oder um die Rosskastanien-Blattbräune (Guignardia aesculi) handelt, und nahm ein paar Blätter mit nach Hause, um sie zu untersuchen.

Wenn man sich ein Rosskastanienblatt – bzw. Teile davon – in der normalen Aufsicht anschaut – hier die Blattoberseite -, erkennt man eigentlich nicht sehr viel und kann sich nicht sicher sein, wer hier der Erreger oder Schädling ist.

Rosskastanienblatt mit Krankheitssymptomen

Aber wenn man sich die Rosskastanien-Blätter im Gegenlicht anschaut (auf den Notebook-Monitor mit weißer Fläche – leere geöffnete Datei – legen), dann findet man in den verfärbten Flächen, meist an den Rändern, winzige sichelförmige Schatten (Bilder unten). Wenn man an diesen vorsichtig mit dem Fingernagel von der Seite stupst/kratzt, dann bewegen sich diese Sicheln – denn das sind die Larven der Rosskastanienminiermotte (Cameraria ohridella), die sich dort im Blattinneren satt fressen. Die Larven im Bild sind 3 bis 4 mm groß.

Rosskastanienblatt mit MiniermottenlarvenKastanienminiermotten-Larve

Die Larve im Bild rechts ist die, auf die im linken Bild der „11-Uhr-Pfeil“ zeigt.

Die Rosskastanien-Miniermotten schädigen überwiegend die weiß blühenden Rosskastanien. Auch wenn die Bäume dadurch nicht absterben, so werden sie doch geschwächt und anfälliger.

Die Kastanienminiermotte kann mehrere Generationen hintereinander (vom Falter bis zur Puppe) pro Jahr durchlaufen. Die letzte Generation des Jahres überwintert als Puppe im abgefallenen Laub.

Die wichtigste Maßnahme, die Kastanienminiermotte im nächsten Jahr einzudämmen, ist die Entfernung des Laubes im Herbst. Das Laub kann kompostiert werden – das ist aber nur da im eigenen Garten zu empfehlen, wo der Komposthaufen mit Erde abgedeckt werden kann, also z. B. in einem Hügelbeet oder in einem Hochbeet. Ansonsten entsorgt man das Laub besser über die Biotonne oder bei der entsprechenden Entsorgeeinrichtung.

Weiterführende Informationen
Rosskastanienminiermotte (Wikipedia)
Kastanienminiermotte (Arbofux, Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan)



Über Eva Schumann

Werbefinanzierte Online-Publikationen: www.tinto.de. Journalistin, Bloggerin, Autorin, Texterin und Technische Redakteurin mit Garten-/Gartenbau- sowie IT/Kommunikation-Background: www.evaschumann.biz.
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