Wer ist gefürchtet, beißt und stinkt?

Es ist des Weidenbohrers Kind! Die Raupe des Weidenbohrer bohrt sich während ihrer mehrjährigen Entwicklung erst unter die Rinde und dann in das Holz, wo sie lange Gänge anlegt. Die einen freut’s, denn dies kann die Artenvielfalt fördern, die anderen leiden: Befallene Laub- und Obstgehölze zeigen Wachstumsstörungen, welken und können absterben.

Raupe des Weidenbohrers
Weidenbohrer-Raupen sind gefräßig und können Bäume sogar umbringen. Doch sie sind nicht nur Schädlinge an Weiden, Birken, Apfelbäumen und anderen Laubgehölzen, sondern auch Nützlinge (Foto von Nordwind bei Pixabay)

Weidenbohrer finden ihre Wirte in Laubholzwäldern, Auenwäldern, Gärten und Streuobstwiesen. Dort legen die Falter ihre Eier ab, aus denen die gefräßigen Raupen schlüpfen. Durch den Befall können Ertrag und Holzqualität beeinträchtigt oder sogar völlig zunichte gemacht werden, was vor allem die Forstwirtschaft und den Obstanbau trifft. Menschen sind zudem durch Astbruch und das Umstürzen von befallenen Bäumen in Gärten, Parks, im Wald und durch Straßenbäume gefährdet.

Der Verursacher

Der Weidenbohrer (Cossus cossus) gehört zur Ordnung der Schmetterlinge, genauer zur Familie der Holzbohrer (Cossidae). Er ist in Europa, Nordafrika und in den gemäßigten Zonen Asiens verbreitet. Der nachtaktive Falter wird trotz seiner Größe von bis zu 8 cm Flügelspannbreite oft übersehen, weil er auf Baumrinde optisch fast verschwindet.

Weidenbohrer befallen hauptsächlich Weiden, Birken, Schwarzerle, Apfel, Birne, gelegentlich Walnuss, Kirschen, Stieleiche und andere Laubgehölze.

Weidenbohrer-Falter fliegen zwischen Mai und August und paaren sich. Anschließend legen die Weibchen jeweils bis zu 700 Eier einzeln oder in Gruppen von bis zu 70 Eiern in Rindenritzen ihrer bevorzugten Wirtsbäume ab. Weil ihre Mundwerkzeuge unvollständig sind, können sie keine Nahrung aufnehmen und sterben bald danach. In trockenen warmen Jahren vermehrt sich der Weidenbohrer besonders stark.

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Die Weidenbohrer-Raupen schlüpfen nach etwa zwei Wochen, dringen unter die Rinde und fressen zunächst in geselliger Runde im Phloem (Transportsystem für die Fotosyntheseprodukte), bis sie sich nach etwa einem Jahr tief ins Holz bohren. Dort legen sie senkrechte, etwa 2 cm breite, ovale Gänge von bis zu einem Meter Länge mit Ausbuchtungen sowie Ausbohröffnungen an. Durch letztere befördern sie rötliches Holzmehl samt Kot nach außen.

Im Gegensatz zu den getarnten Faltern sind die orange-roten, am Ende ihrer Entwicklung bis zu 10 cm langen, fingerdicken Weidenbohrer-Raupen sehr auffällig. Färbung, Größe, der schwarze Kopf sowie die flotte Art sich zu bewegen sollen Fressfeinde abschrecken.

Als Mensch begegnet man den Weidenbohrer-Raupen, wenn man befallenes Holz untersucht, nachdem der Baum zusammengebrochen ist, oder wenn Raupen am Ende ihrer Entwicklung den Baum verlassen, um sich in der Umgebung eine Stelle zur Verpuppung im Boden suchen.

Ein Hinweis auf ältere Weidenbohrer-Raupen im Stamm ist der säuerliche Geruch, der von einem befallenen Baum ausgeht. Dieser soll weiblichen Faltern signalisieren, dass dieses Gehölz eine gute Kinderstube für ihren Nachwuchs sein kann.

Am Ende ihrer Entwicklung, meist nach zwei bis vier Jahren, verpuppen sich die Raupen in einem Gang im Baum oder außerhalb im Erdreich.

Fun Fact: Holzbohrer-Raupen galten in der Antike bei den Griechen und Römern als Delikatesse, in manchen Regionen der Welt sind es die dort heimischen Arten auch heute.

Anzeichen für einen Befall

  • Bohrlöcher mit Auswurf von Holzmehl und Kot
  • Auswurf sammelt sich oft am Stammgrund
  • Säuerlicher Geruch
  • Geräusche im Baum
  • Puppen und Puppenhülsen
  • Wachstumsstörungen, Welke, Absterben
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Niedlich, faszinierend, tödlich?

Die Raupen des Weidenbohrers höhlen mit ihrer Bohrtätigkeit den Baum von innen aus. Dabei öffnen sie die Tür für Sekundärbefall. Sie leben mit Holz zersetzenden Pilzen in Symbiose, die ihnen die Verwertung der Zellulose aus dem Holz erleichtern. Am Ende kann ein Befall mit dem Weidenbohrer einem Baum, sogar ganzen Baumbeständen das Leben kosten. Menschen, denen die befallenen Bäume gehören und die von dem Ertrag leben, sind verständlicherweise weniger begeistert.

Andere finden die Weidenbohrer-Raupe niedlich und geben ihr den Namen „Raupe Nimmersatt“ oder sie sind zumindest fasziniert, wenn sie ihnen begegnen. Einige Raupenfans und auch Wissenschaftler züchten Weidenbohrer-Raupen. Sie werden dann in Aufbewahrungsbehältern gehalten mit Äpfeln, Bananen, Gemüse und/oder Brot gefüttert. Interessanterweise ist ihr Lebenszyklus kürzer und die Falter, die aus solchen Raupen entstehen, sind kleiner als die in freier Wildbahn.

Es gibt aber auch die Menschen, die diese roten Muskelpakete mit den ausgeprägten Mundwerkzeugen zum Fürchten finden – nicht ganz zu Unrecht, denn fühlt sich die Raupe bedrängt, zeigt sie sich wendig, beißt und sondert ein Sekret ab. Der Biss soll schmerzhaft, aber nicht giftig sein. Ich persönlich würde es nicht drauf ankommen lassen – besser ist, man reizt die Raupe erst gar nicht.

Schmatzen Weidenbohrer-Raupen?

Manche Profis erkennen die Weidenbohrer-Raupen angeblich an den Geräuschen, die diese beim Fressen machen: Wenn sie das Ohr an den Stamm legen, würden sie ein Nagen oder Knarzen hören. Ich bin nicht sicher, ob das „Anglerlatein“ von Insektenkundlern ist – ich habe trotz langer Suche keinen Audiobeweis finden können, den ich hier gerne verlinkt hätte.

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Ökologie und Gegenspieler

Weidenbohrer sind in Deutschland heimisch. Sie haben eine wichtige Funktion im Naturkreislauf, denn sie sind einerseits Futter für ihre natürlichen Feinde und andererseits fördern sie die Artenvielfalt: Indem sie die Bäume durchbohren, fördern sie Totholzstrukturen – Lebensraum für bis zu 200 Insektenarten.

Natürliche Feinde des Weidenbohrers sind beispielsweise

  • Fledermäuse (Falter)
  • Elstern und Spechte (Raupen).
  • Meisen und andere kleine Vögel (Eier)
  • Schlupfwespen (Eier)

Vorbeugung

  • Gehölze passend zum Standort pflanzen
  • Monokulturen vermeiden
  • Bedarfsgerechte Versorgung mit Wasser und Nährstoffen
  • Fachgerechte Baumpflege (Ausschneiden kranker, befallener Pflanzenteile)
  • Stammanstrich (Weißanstrich) macht die Rinde etwas unattraktiver für Insekten/Eiablage
  • Frisch geschnittenes Holz vor Abholung auf Schädlinge kontrollieren
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Der wachsame Gärtner besiegt den Wurm!

Je früher man einen Befall mit Weidenbohrern entdeckt, desto eher hat man eine Chance, ihn unter Kontrolle zu bringen:

  • Von Mai bis August nach Faltern, Eigelegen und Jungräupchen suchen und sie entfernen
  • Lockstofffallen:
    Die männlichen Falter werden mit weiblichen Sexuallockstoffen in Fallen gelockt. Einzelne Fallen zur Flugzeitfeststellung, viele Fallen zur Befallsreduzierung.
  • Lockstoff-Verwirrstrategie:
    Lockstoffe werden in großen Mengen, beispielsweise in einer Obstplantage, verteilt, so dass die Männchen die Weibchen nicht finden können und keine Paarung stattfindet.
  • Schlupfwespen einsetzen, die Eier von Faltern parasitieren können (Trichogram). Da keine speziell für Weidenbohrer angeboten werden, sollte man beim Nützlingsproduzenten nach einer Empfehlung fragen
  • Raupen mit einem Draht über die Bohrlöcher aus den Gängen fischen und beseitigen
  • Nützliche Nematoden gegen Raupen einsetzen. Die Spritzlösung mit den Nematoden über die Bohrlöcher in die Gänge einbringen
  • Befallene Äste bis ins gesunde Holz zurückschneiden
  • Bei starkem Befall des Stammes und Bruchgefahr muss gefällt werden.

Rechtliches und AnsprechpartnerInnen

Es gibt in Deutschland weder eine Melde-, noch eine Bekämpfungspflicht für den Weidenbohrer. Ebenso wenig gibt es Vorschriften zum Schutz des Insekts, denn der Weidenbohrer wird in der Rote-Liste-Kategorie „Ungefährdet“ geführt. Man kann sich bei Fragen und Sorgen an die örtliche Forstverwaltung wenden. Die Bayerische Forstverwaltung findet man beispielsweise in den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und in den Forstrevieren vertreten.

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Über Eva Schumann

Garten(bau) und Gärtnern sind meine Therapie und Leidenschaft und sie waren viele Jahre mein Beruf. Zu meinem Gartenbau-Studium kam ich über den zweiten Bildungsweg, denn da lernte ich den Spaß am Lernen und lebenslanges Lernen wurde zu meinem Lebensmotto. Ich wurde Fachfrau auf sehr unterschiedlichen Gebieten - von der Einzelhandelskauffrau Parfümerie, über die Diplom-Ingenieurin Gartenbau (FH) mit Berufserfahrung im biologischen Pflanzenschutz und der Beratung von Hobbygärtnern, zur zertifizierten Netzwerk- und Internetmanagerin, technischen Redakteurin und anderem mehr. Bisher finanzierte ich meine Online-Veröffentlichungen über Werbung, was seit der zunehmenden mobilen Nutzung und den Werbeblockern immer schlechter funktioniert. Deshalb kann man mich jetzt auch per Paypal ("Kaffeekasse") unterstützen: paypalme/eva4tinto. Danke!
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