Die Landwirte sind in Panik, weil ihre Felder vom eingeschleppten Erdmandelgras überwuchert werden, bis sie praktisch unbrauchbar werden. Die Naturschützer sehen mit Sorge die Ausbreitung der fremden Art in der Natur. Und doch kann man Erdmandeln als Zierpflanzen im Topf und zum Anbau im Garten für den eigenen Speiseplan kaufen.
Das Erdmandelgras (Cyperus esculentus), auch Chufa, Tigernuss und Essbares Zypergras genannt, gehört zur Gattung der Zypergräser innerhalb der Familie der Sauergräser. Die Angaben woher es ursprünglich stammt, reichen von Ostafrika bis Südwestasien. Der Ursprung ist also nicht eindeutig bekannt, aber es wurde mit Pflanzgut inzwischen sehr weit verbreitet.

Die mehrjährige, krautige Pflanze kann sich über Samen (an Ähren) und über Knollen (die Erdmandeln) an unterirdischen Sprossen (bis zu 500 an einer Pflanze) sehr stark vermehren. Wärme fördert das Wachstum – es profitiert von der Klimakrise, und weder Trockenheit noch Staunässe scheinen es zu beeinträchtigen.
Die Samen keimen ab einer Bodentemperatur von 8–10 °C, die Pflanzen sind schon nach wenigen Tagen sichtbar. Die Blütezeit dauert von Juli bis September – die Blüten sind weiß, die Samenbildung beginnt im August. Im Winter sterben die oberirdischen Pflanzenteile bei uns meist ab, aber die Mandeln im Boden halten bis etwa -15 °C aus und keimen nach und nach in den nächsten Jahren, wenn man sie nicht erntet/entfernt (siehe auch Informationen der → Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen)
AnzeigeGefahr für Artenvielfalt und Landwirtschaft
Das bei uns nicht heimische, wahrscheinlich mit Blumenzwiebeln eingeschleppte und verbreitete Erdmandelgras ist sehr wachstumsstark. Hobbygärtner bauen es gerne an, aber beim Naturschutz und in der Landwirtschaft läuten die Alarmglocken.
„Das derzeit gefährlichste Ungras“ wird Dr. Dirk Wolber von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in der Fachzeitung → agrarheute zitiert.
Ist das Erdmandelgras erlaubt?
AnzeigeRechtliches
Das Erdmandelgras ist nicht auf der Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung („Unionsliste“ entsprechend der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 und den Erweiterungen bis (EU) 2025/1422). Arten auf der Unionsliste der invasiven gebietsfremden Arten dürfen nicht vorsätzlich in die EU gebracht, nicht gehalten, gezüchtet, gehandelt, verwendet, getauscht, zur Fortpflanzung, Aufzucht oder Veredelung gebracht und in die Umwelt freigesetzt werden. Da das Erdmandelgras nicht auf der Unionsliste ist, ist es in Deutschland von dieser Seite bisher nicht verboten.
Auch in der Schweiz wird das Erdmandelgras nicht auf ihrer Schwarzen Liste der invasiven Neophyten (nachweislich schädigend für die Umwelt) aufgeführt und unterliegt nicht deren Freisetzungsverordnung, FrSV). Es ist auf der Liste der potenziell invasiven Neophyten (man geht von einer Schädigung in der Umwelt aus).
Informationen des Deutschen Bundesamtes für Naturschutz
In den naturschutzfachlichen Invasivitätsbewertungen (Schriften 731 von 2025, Herausgeber: Stefan Nehring und Wolfgang Rabitsch), die man auf der Website des → Deutschen Bundesamtes für Naturschutz herunterladen kann, wird das Erdmandelgras ebenfalls nur als potenziell invasiver Neophyt, der negative Auswirkungen auf heimische Pflanzen haben kann, eingestuft. Das Erdmandelgras ist dort derzeit auf der Beobachtungsliste, d. h. Vorkommen und Ausbreitung werden beobachtet und weiter zur Art geforscht.
Die naturschutzfachlichen Invasivitätsbewertungen sind keine Verbotsliste, sondern dienen als Diskussionsvorlage für den jeweiligen Umgang mit den Arten, beispielsweise ob man eine nationale Verbotsliste entwickeln will. Dort erfährt man auch, dass das Erdmandelgras schon im 16. Jahrhundert kultiviert wurde und man bereits Anfang des 20. Jahrhundert in Deutschland verwilderte Pflanzen fand.
AnzeigeBis jetzt wurde es kleinräumig verbreitet in neun Bundesländern gefunden, aber bisher keine Gefährdung heimischer Ökosysteme festgestellt. Doch es bestehe Forschungsbedarf zu langfristigen Auswirkungen in naturnahen Lebensräumen.
Das sagt die Landwirtschaft
In verschiedenen Bundesländern Deutschlands, beispielsweise in NRW und in Niedersachsen, sowie in Österreich und in der Schweiz gefährdet das Erdmandelgras in einigen Regionen den Ackerbau (siehe European and Mediterranean Plant Protection Organization, EPPO zu invasiven nicht heimischen Pflanzen (→ Invasive Alien Plants, IAP). Und ist das Erdmandelgras einmal auf einem Hof, wird es mit Erdresten an Maschinen und Ähnlichem auf weitere Flächen übertragen.
Besonders betroffen ist der Anbau von Kartoffeln, Rüben, Zwiebeln, Möhren, Schnittlauch, Mais, die Fahrgassen der Getreidefelder und Grünland.
Auf der Website der → Landwirtschaftskamer Nordrhein-Westfalen werden einige Möglichkeiten der Vorbeugung und Bekämpfung im Ackerbau genannt, beispielsweise:
- Flache Bodenbearbeitung, beispielsweise nur die Oberfläche fräsen
- Keine Bodenwenden, d. h. kein Pflügen
- Hitze bis 20 cm tief (Dämpfen)
- Zwischenfrüchte und Fruchtfolgemaßnahmen (langfristig wenig Wirkung)
Dr. Dirk Wolber von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen empfiehlt in → agrarheute zwei Jahre Schwarzbrache als eine harte, aber die wirkungsvollste Bekämpfungsoption.
AnzeigeErdmandel gesund und lecker
Erdmandeln werden unter anderem in Apotheken verkauft: als ganze (geröstet), gemahlen, als Flocken und auch als Bestandteil von Schokocremes und ähnlichem. Sie enthalten reichlich Ballaststoffe, einfach ungesättigte Fettsäuren, Eiweiß, Kalium, Magnesium, Phosphor, Calcium sowie Antioxidantien.
Die Erdmandel ist gluten- und laktosefrei. Aber vor allem können sie auch von Allergikern mit einer Nussallergie gegessen werden (→ fitforfun).
Aus Erdmandeln kann auch Speiseöl hergestellt werden.
Erdmandelgras als Gartenpflanze
Man kann das Erdmandelgras leicht selbst anbauen und Erdmandeln ernten.
Die Samen und Knollen werden als Pflanzgut für den Garten online und offline von Staudengärtnereien und anderen Pflanzgutanbietern verkauft, beispielsweise Erdmandelsamen bei → Amazon.de (Werbelink). Eine Anbauanleitung ist in der Regel dabei.
AnzeigeWer Erdmandelgras im Garten anbaut, sollte darauf achten, dass es im Garten bleibt und nicht entweicht.
Dafür geeignete Maßnahmen sind
- Wurzelsperre (Rhizomsperre) mindestens 30 cm tief
- Regelmäßig die Umgebung prüfen und Ausbrecher sorgfältig bekämpfen (ausreißen)
- Keine Erde oder Pflanzen mit Wurzel- und Knollenresten weitergeben
Bodenentgiftung
Erdmandelgras kann einen Boden unbrauchbar für den Ackerbau machen, wenn das Gras alles überwuchert. Doch hat Erdmandelgras eine positive Seite: Es kann zur Entgiftung von Böden genutzt werden. Erdmandeln von solchen gifthaltigen Flächen sind nicht für den Verzehr geeignet! Der Vorteil des Entgiftens und die Schwierigkeiten, das Erdmandelgras vom Auswildern abzuhalten sowie den Boden später wieder frei von Samen und Knollen zu bekommen, muss man gegeneinander abwägen.
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