Orangenbaum- oder Kuhpate werden, Bienenvölker adoptieren – Foodfunding und andere Projekte, die Lebensmittelerzeuger unterstützen

Viele Verbraucher suchen einen engeren Kontakt zu denen, die ihre Lebensmittel produzieren. Sie wollen damit nicht nur zur ökologischen, tierfreundlichen und bedarfsgerechten Erzeugung (und damit weniger Überproduktion, die auf dem Müll landet) beitragen, sondern dafür sorgen, dass der Landwirt/Erzeuger ihres Vertrauens ein Auskommen hat.

Apfelbaumpate werden

Foodfunding ist eine Form des Crowdfundings. Beim Foodfunding erhält der Geldgeber (Pate) meist einen Anteil an der Ernte.

So kann man als Verbraucher Landwirte, Weinbauern, Gärtner und anderen Lebensmittelerzeuger unterstützen:

  • Bei direkt vermarktenden regionalen Erzeuger einkaufen
    Man kann diese Erzeuger über Online-Datenbanken finden, siehe Regionale Erzeuger stärken. Die Genussgemeinschaft Städter und Bauern unterstützt Einkaufsgemeinschaften.
  • Sich einem Projekt der Solidarischen Landwirtschaft anschließen
    Eine Anzahl von Privathaushalten finanziert einen bäuerlich-landwirtschaftlichen Betrieb (meist mit ökologischem Anbau und artgerechter Tierhaltung). Wer mag, kann/darf je nach Projekt auch mitarbeiten und/oder Hoffeste mitorganisieren. Die Beteiligten erhalten einen Anteil an der Ernte.
  • Mitglied einer Genossenschaft werden, die sich für die bäuerlich geführte, ökologische Landwirtschaft einsetzt, beispielsweise bei Kulturland e.G.
  • In Öko-Aktien investieren, beispielsweise bei der Regionalwert Bürgeraktiengesellschaft.
  • Genussscheine eines Betriebes erwerben (Beispiel: Winzerin Sybille Kuntz).
  • Einen Landwirt für die Haltung eines Tieres bezahlen (Beispiel: Rinder- oder Schweineleasing beim Biohof Hausberg )
  • Unterstützung und Förderung von Erzeugern über Foodfunding-Projekte.
    Foodfundig ist eine Form des Crowdfundings.

Im Trend: Crowdfunding, Foodfunding und Crowdfarming

Crowdfunding ist ein anderes Wort für Schwarmfinanzierung.

Beim normalen Crowdfunding finanzieren die Geldgeber eine Idee und erhalten als Gegenleistung ein Dankeschön (Spenden-Crowdfunding) oder eine Belohnung (Rewarded Crowdfunding). Darüber hinaus gibt es auch noch das Crowdlending (Peer-to-Peer-Kredite) und das anlageorientierte Crowdinvesting (Start-up- oder Projektfinanzierung). Die Geldgeber haben beim Crowdfunding kaum Mitspracherecht und tragen in der Regel das unternehmerische Risiko.

 
Foodfunding ist Crowdfunding für Lebensmittel. Hierbei geht es um die Förderung eines jungen Unternehmens und/oder die Herstellung und/oder Entwicklung von Produkten. Foodfunding-Projekte findet man beispielsweise bei Erzeugerwelt, Agrarbetrieb, Genussgemeinschaft oder auf den normalen Crowdfunding-Plattformen, beispielsweise Startnext, Kickstarter und Indiegogo.

Crowdfarming ist eine Wortmarke (Unionsmarke, Anmeldung im Prüfungsverfahren) im Register des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA), eingetragen unter dem Namen Gonzalo Úrculo, einem der Gründer von Naranjas del Carmen, zur Vermarktung ihrer Foodfunding-Projekte.

Einige Foodfunding-Projekte kurz vorgestellt

Crowdfarming bei Naranjas del Carmen in der Gegend Valencia/Spanien

Über das Internet oder vor Ort kann man einen Orangenbaum pflanzen (lassen) oder eine Bienenfamilie adoptieren und wird so zum „Landwirt 2.0“.

Nachdem der Orangenbaum gepflanzt ist, erhält man über das Internet Zugriff auf den eigenen virtuellen Garten. Dort kann man dem Baum einen Namen geben, ihn verschenken und/oder sich jährlich 80 kg Orangen – gestaffelt nach eigenen Wünschen über die Saison verteilt – bestellen. Im ersten Jahr stammen die Orangen noch von älteren Bäumen, später dann vom eigenen Baum. Im ersten Jahr zahlt man 80 Euro für den Baum und die ersten Orangen, danach jährlich 60 Euro. Dazu kommen die Logistikkosten zur Lieferung frisch nach Hause, falls man nicht selbst zum Ernten oder Abholen hinfährt. Man kann seinen Baum jederzeit ohne Angaben zurückgeben oder auch einfach eine Saison aussetzen.

Wer eine kleine oder große Bienenfamilie adoptiert, erhält im Gegenzug Honig vom eigenen Bienenstock in individuell etikettierten Gläsern.

Die Rechnung geht für die Verbraucher und den Landwirt auf: Der Verbraucher weiß, woher seine Orangen oder der Honig kommen, der Erzeuger hat zwar mehr Arbeit und wegen der größeren Standweite der Bäume einen niedrigeren Kilo-Ertrag pro Fläche, aber er bekommt auch einen höheren Preis als von Handelsketten und hat den Kontakt zum Konsumenten.

Neben dem Crowdfarming kann man in dem Familienbetrieb Naranjas del Carmen ungespritzte Zitrusfrüchte (Mandarinen, Orangen, Grapefruit), Orangenblütenhonig, Bio-Olivenöl sowie Melonen, Wassermelonen, Gurken, Auberginen etc. je nach Saison zur Lieferung nach Deutschland und in andere europäische Länder bestellen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, einen Finca-Urlaub mit einem Besuch der Farm und des Orangenbaumes zu kombinieren.

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Bienenpatenschaften von Imker Thomas Hans aus der Pfalz

Beim Imker Thomas Hans kann man Pate eines Bienenvolks, wahlweise auf einer Blumen- oder einer Obstwiese werden, und bekommt dafür eine definierte Menge Honig und ein Foto des Bienenstocks. Man kann eine Bienenpatentschaft auch zum Weiterverschenken erwerben – das ist etwas teuerer, dafür ist eine Bienenwachskerze dabei. Daneben gibt es auch verschiedene Varianten Erntepatentschaften, bei denen die zugeteilte Honigmenge von der Art der Patentschaft und vom Ertrag des Bienenvolkes abhängig ist, allerdings mit einer garantierten Mindestmenge.

Kuhpate werden von Biokühen in Deutschland

Die Biomolkerei Andechser Natur vermittelt Verbrauchern, die die ökologische Landwirtschaft fördern möchten, Patenschaften für Kühe ihrer Milch-Lieferanten. Wer Pate werden möchte, kann sich online eine Kuh aussuchen. Die Patenschaft dauert ein Jahr, kann aber verlängert werden. Ein Drittels des Jahresbeitrags erhält der Biobauer, der Rest bleibt bei der Molkerei. Dafür bekommt der Pate ein Bild und Informationen zu seinem Patenkind sowie zwei Bio-Genusspakete pro Jahr von der Bio-Molkerei. Wer mag, kann seine Patenkuh nach Absprache mit der Landwirtsfamilie sogar besuchen. Die Kuhpatenschaft kann innerhalb Deutschlands verschenkt werden.

Auch der Hof Gasswies bietet Kuhpatenschaften für seine natürlich gehaltenen Kühe an. Die Kühe sind von Frühjahr bis Herbst auf der Weide. Sie dürfen ihre Kälbchen behalten und säugen. Einmal im Jahr werden die Paten zu einer Führung und Informationsveranstaltung eingeladen.

Pate von Apfel-, Birnen-, Kirsch- oder Zwetschgenbäumen in Baden-Württemberg werden

Der Hof Gasswies bietet neben seiner Kuhpatenschaft Patenschaften für Obstbäume im biologischen Anbau an.

Bienen- und Streuobstwiesen-Pate werden

Beim Maxnhof in Bayern kann man Pate von Streuobstwiesen-Teilstücken werden. Auf diesen Wiesen finden Bienen ihr Futter und sie beherbergen eine größere Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren als es moderne Obstplantagen in der Regel tun. Für 49.-€/Jahr übernimmt man die Patenschaft für 10 m2. Als Gegenleistung erhält der Pate 10% Ermäßigung auf das ganze Sortiment im Hofladen, eine Urkunde, eine Einladung für eine jährliche Streuobstwiesenbegehung und einmal jährlich im August/September ein Erntepaket (Honig, Obst, Gemüse, Fruchtaufstrich und Likör).

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Weitere Informationen

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Über Eva Schumann

Werbefinanzierte Online-Publikationen: www.tinto.de. Journalistin, Bloggerin, Autorin, Texterin und Technische Redakteurin: www.evaschumann.biz.
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