Wie jedes Jahr wählten verschiedene Organisationen, Institutionen und andere ihre jeweilige Pflanze des Jahres, als da sind die Blume des Jahres, die Staude des Jahres, der Baum des Jahres, die Arzneipflanze des Jahres, die Giftpflanze des Jahres und viele andere. Meistens geht es darum, das Augenmerk von Pflanzenbegeisterten, KonsumentInnen und die Öffentlichkeit auf Pflanzen zu lenken, die gefährdet oder zu wenig bekannt sind oder die nicht genügend wertgeschätzt werden. Oft sind es Aspekte des Naturschutzes, der Artenvielfalt und des Klimawandels, manchmal aber auch die wenig bekannte Gefährlichkeit einiger Pflanzenarten.
Hier die wichtigsten Pflanzen des Jahres 2026 und von wem sie jeweils als solche bestimmt wurden:
Feldrittersporn
Die Loki-Schmidt-Stiftung hat den Feldrittersporn (Consolida regalis) zur Blume des Jahres 2026 gewählt.

(Bild: gemeinfrei, Wikimedia, aus: Jan Kops, Christiaan Sepp (Illustrator) Flora Batava of Afbeelding en Beschrijving van Nederlandsche Gewassen, IX Deel. (1846))
Früher war der Feldrittersporn ein häufiges Wildkraut im Getreide, an dem sich Wildbienen und Schmetterlinge labten. Heute ist er selten geworden. Mit der Wahl des Feldrittersporns zur Blume des Jahres soll auf den dramatischen Artenschwund in Agrarlandschaften aufmerksam gemacht. Es soll dazu angeregt werden, sich für den Erhalt und Schutz extensiv genutzter und damit artenreicherer Kulturlandschaften einzusetzen.
AnzeigeBlattkohl
Blattkohl wurde vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) zum Gemüse des Jahres 2025 und 2026 ernannt. Unter Blattkohl verstehen die Botaniker Kultivare von Brassica oleracea, die einen Blattschopf entwickeln wie beispielsweise Grünkohl, Blatt-/Blätterkohl, Palmkohl, Markstammkohl und Zierkohl. Auch Kohlrabi (Brassica oleracea var. gongylodes) ist ein Blattkohl, dessen Blätter bei uns aber wenig genutzt werden. Dabei kann man mit diesen auch gefüllte Kohlröllchen, Kohltäschchen (Beispiel Lahana Sarmasi im TikTok-Video) und andere Blattgemüse-Gerichte zubereiten.

Zitterpappel
Die Zitter-Pappel (Populus tremula), auch Espe genannt, wurde von der Dr. Silvius Wodarz Stiftung und dem Verein Baum des Jahres zum Baum des Jahres 2026 gekürt.

Die anpassungsfähige und widerstandsfähige Baumart aus der Familie der Weidengewächse ist eine Pionierbaumart und von besonderer Bedeutung angesichts des Klimawandels. Sie besiedelt beispielsweise karge, durch Erosion gestörte Flächen, was sie auch zur guten Vorwaldbaumart macht.
Die Zitterpappel ist extrem frosthart, industrie- und auch stadtklimafest.
AnzeigeDie Zitterpappel wird je nach Sorte und Standort etwa 12 bis 20 Meter hoch – sie eignet sich also für größere Gärten und Parks – dort wo eventuelle Wurzelausläufer nicht stören. Sie ist schon wegen ihrer langstieligen Blätter, die bei jedem Windhauch zittern und leise rascheln, ein markantes und beliebtes Gehölz.
Die Zitterpappel leistet aber auch einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt: Sie bietet den Raupen von zahlreichen Schmetterlingsarten Kost und Logis (Großer Eisvogel, Großer Fuchs, Kleiner Schillerfalter, Maivogel, Rotes Ordensband und vielen anderen (Nacht-)Faltern). Auch viele Vogelarten finden hier Futter und Unterkunft. Das weiche Espenholz wird von Spechten für den Höhlenbau geschätzt.
AnzeigeSchönaster
Der Bund Deutscher Staudengärtner (BDS) hat die Schönaster (Gattung Kalimeris) zur Staude des Jahres 2026 gewählt.
Begeistert hat die Staudengärtner die Zartheit der Einzelblüte, der Blütenreichtum (und damit auch die Fernwirkung), die Robustheit, Standfestigkeit, die lange Blütezeit ab etwa Juli, dass sie leicht zu pflegen ist und ähnliche Eigenschaften der je nach Art und Sorte meist zwischen 40 bis 80 cm hohen Staude, mit denen sie ihre Kunden glücklich machen können. Denn darum geht es: Den Kunden – privaten als auch Garten- und Landschaftsgärtnern – attraktive und robuste Pflanzen anbieten zu können, mit denen sie Gartenbereiche und andere Standorte verschönern können und die auch ein paar Wetterkapriolen aushalten. Dazu kommt, dass auch Hummeln, Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten Kalimeris gerne anfliegen und/oder in ihrem Schutz überwintern.

Die Schönastern (Gattung Kalimeris) gehören zu den Korbblütlern (Familie Asteraceae) und stammen aus Ostasien. Sie sind damit – im Gegensatz zu ihrer bei uns lebenden Verwandten, der Bergaster (Aster amellus) – nicht heimisch! Wer also ausschließlich heimische Sorten pflanzen möchte, sollte nach der Bergaster oder ihren Sorten (oft Sommer-Astern genannt) fragen.
AnzeigeGemeine Nachtkerze
Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) wurden von NHV Theophrastus zur Heilpflanze des Jahres 2026 erklärt. Sie ist eine zweijährige krautige Pflanze, die im 17. Jahrhundert als Zierpflanze aus Nordamerika eingeführt wurde – was sie zum Neophyten macht. Im ersten Jahr bildet sie eine Blattrosette, im zweiten den Blütenstand mit den leuchtenden gelben Blüten.

Das hochwertige aus den Samen gewonnene Öl sei für Neurodermitiker hilfreich und andere Heilwirkungen mehr, so die Pressemitteilung von NHV Theophrastus.
Die Gemeine Nachtkerze ist ein Gartenflüchtling, der freie Flächen schnell besiedelt. Sie steht aber nicht auf der Unionsliste (Liste der Europäischen Union) der invasiven Pflanzen. Sie wird wegen ihres möglicherweise starken Konkurrenzdrucks auf heimische Arten von Experten beobachtet. In der Veröffentlichung „Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen und Gesamtartenliste der in Deutschland wild lebenden gebietsfremden Gefäßpflanzen“ (Bundesamt für Naturschutz, Bonn 2025) wird sie als potenziell invasiv der Beobachtungsliste zugeordnet.
AnzeigeIngwer
Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde und die Gesellschaft für Phytotherapie haben den Ingwer (Zingiber officinale) zur Arzneipflanze des Jahres 2026 ernannt. Ausschlaggebend für die Wahl waren vor allem die Geschichte als Arzneipflanze sowie die grundsätzliche Neubewertung durch den Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). Eine neue Monografie (schriftliche Abhandlung) der European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP) soll demnächst folgen.

Unsereins denkt bei Ingwer an schmackhafte asiatische Speisen, die mit Ingwer gewürzt werden, an Ingwer-Shots, kandierten Ingwer, an Hausapothekenrezepte und möglichweise den Anbau im Kübel. Die Auslober der Auszeichnung denken „antiemetisch, karminativ und antiphlogistisch wirkende Scharfstoffdroge mit weltweiter Verbreitung und Arzneipflanze des Jahres 2026″. Dabei steht antiemetisch für eine Wirkung gegen Übelkeit und Erbrechen, karminativ für eine Wirkung gegen Blähungen und antiphlogistisch für entzündungshemmend. Das hört sich vielversprechend an!
Der Ingwer (Zingiber officinale) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Ingwergewächse. Er stammt aus Südostasien und wird heutzutage in vielen tropischen Ländern angebaut.
Gartenbohne
Die Gartenbohne (Phaseolus vulgaris) wurde vom Botanischen Sondergarten Wandsbek zur Giftpflanze des Jahres 2026 gewählt.

Bohnen enthalten viel Protein und sind gesund – solange sie nicht roh verzehrt werden. Rohe Gartenbohnen sind wegen ihres enthaltenen Phasins gesundheitsschädlich (stark giftig ++), erst durch Kochen werden sie zu einem wertvollen Gemüse. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die Bohnen mindestens 15 Minuten bei 100 Grad Celsius zu kochen.
AnzeigeÜbrigens färbten sich blaue Bohnensorten wie die Stangenbohne ‚Blauhilde‘ beim Kochen grün, weil sich das Anthocyan, das die lila-blaue Farbe hervorruft, ebenfalls durch Hitze zerfällt, wodurch die Bohnenfrüchte dann grün werden.
Gewöhnlicher Natternkopf
Der Ökoanbauverband Bioland e.V. und die Umwelt- und Naturschutzorganisation NaturGarten e.V. haben gemeinsam den Natternkopf (Echium vulgare) zur Wildpflanze des Jahres 2026 gekürt. Fünf Wildpflanzen standen zur Auswahl, 2.600 Menschen waren an der Wahl beteiligt und entschieden sich mehrheitlich für den Gewöhnlichen Natternkopf. Nachdem man im Rahmen der Insektenlobby-Initiative 2024 eine Pflanze gewählt hatte, die für heimische Schmetterlinge bedeutsam ist (Wiesen-Flockenblume) und 2025 eine Wildbienenpflanze (Wiesen-Glockenblume) herausgestellt hatte, steht mit dem Gewöhnlichen Natternkopf nun eine „Käferpflanze“ auf dem Podium und repräsentiert die Wichtigkeit von bestimmten Pflanzenarten für eine oder mehrere Insektenarten und damit für den Erhalt der Artenvielfalt.
So ist der Gewöhnliche Natternkopf beispielsweise für den Blauglänzenden Natternkopf-Erdfloh (Longitarsus echii) wichtig, der vom Rote-Liste-Zentrum in der Kategorie „gefährdet“ gelistet ist und der sich von den Blättern des Gewöhnlichen Natternkopfs ernährt.

Die Pflanze ist immergrün und meist zweijährig (manchmal lebt sie auch ein paar Jahre länger). Die schönen Blüten mit den herausragenden langen Griffeln und Staubblättern erscheinen an aufrechten Blütenständen – mit dem Öffnen der Knospen wechseln sie die Farbe von Rosa zu leuchtendem Blau.
Der Gewöhnliche Natternkopf ist dank seiner Pfahlwurzeln sehr trockenheitsverträglich. Die Blüten werden wegen ihres stark zuckerhaltigen Nektars von vielen Insekten besucht, darunter auch viele Schmetterlinge, Bienen und Schwebfliegen.
AnzeigeViolette Ständelwurz
Die Violette Ständelwurz (Epipactis purpurata) wurde von den Vorständen der Arbeitskreise Heimischer Orchideen zur Orchidee des Jahres 2026 gewählt. Mit der Wahl will man auf die Gefährdung ihres Lebensraumes aufmerksam machen, denn diese heimische Orchidee bevorzugt schattige, feuchte Plätze am liebsten in Buchen- oder Eichen-Hainbuchen-Wäldern. Dort zeigt sie im Sommer zahlreiche Blüten an einem Blütenstand. Die Blüten werden von Schwebfliegen und Wespen bestäubt. Bild und mehr Infos zur Violetten Ständelwurz.
Stadtpflanze des Jahres
Der Bochumer Botanische Verein hat den Krähenfuß-Wegerich (Plantago coronopus) zur Stadtpflanze des Jahres 2026 ernannt. Ursprünglich wuchs die Pflanzenart bei uns an der Nordseeküste. Doch die Wegerichart erobert inzwischen viele Nischen in der Stadt wie Bordsteinränder, Baumscheiben, Brachflächen und Gärten und macht sie zu ihrem Lebensraum. Bild und mehr Informationen zum Krähenfuß-Wegerich.
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