Buchsbaumzünsler – kein Grund zur Verzweiflung

Der Buchsbaum (Buxus sempervirens) war lange ein beliebtes Gestaltungelement in Gärten und Parks, in Beeten und in Kübeln. Seine Robustheit und Eignung für den Formschnitt brachten ihm viele Anhänger. Doch in den letzten Jahrzehnten machten sich zunehmend schwierige Krankheiten und Schädlinge am Buchs breit, so dass er mancherorts schon nicht mehr angepflanzt und nach Alternativen gesucht wurde. Neben dem Buchsbaumsterben, einer Pilzkrankheit, wurde ihm besonders der Buchbaumzünsler zur ernsten Bedrohung. Und lange sah es so aus, als wäre das Ende des Buchses in deutschen Gärten eingeläutet worden. Doch es gibt Hoffnung!

Buchsbaumzünsler-Raupe im älteren Stadium und Schaden am Buchsbaum (Bild: © wpoeschl / Pixabay)
Der Buchsbaumzünsler (Diaphania perspectalis Syn. Cydalima perspectalis Syn. Glyphodes perspectalis) ist ein Kleinschmetterlings, dessen gut getarnte Raupen den Buchs von innen nach außen kahl fressen. Im Extremfall sterben die befallenen Pflanzen sogar ab.

Die mit Baumschulware aus Ostasien eingeschleppten Schädlinge fühlten sich bei uns dank Klimawandel wohl. Und da sie hier keine natürlichen Feinde hatten, konnten sie sich ausbreiten. In manchen Regionen wurde der Buchsbaumzünsler bald zum Schrecken von Waldbesitzern, Förstern, Gärtnern und Hobbygärtnern.

Woran erkennt man den Buchsbaumzünsler?

Der Falter hat meist weiße Flügel mit dunklen Rändern. Er sitzt auf den Unterseiten von Blättern anderer Pflanzen. Erst zur Eiablage fliegen die Weibchen Buchsbäume an. Die erste Falter-Generation der Falter ist etwa im Mai aktiv. Je nach Region und Witterung gibt es bis zu drei Generationen pro Jahr.

Aus den Eiern schlüpfen kleine grüne Raupen, die im Inneren der Buchsbäume zunächst die weichere Seite der Blätter abfressen (Fensterfraß). Doch sie wachsen schnell und bald fressen sie ganze Blätter, dann auch grüne Stiele und bei Nahrungsknappheit sogar verholzte Triebe. Dabei entwickeln sie sich zu bis zu 5 cm langen, gelblich-grünen Raupen mit schwarzen und weißen Längsstreifen. Nach der Verpuppung und der Puppenphase schlüpfen die Falter der nächsten Generation.

Die Raupen der letzten Eiablage des Jahres überwintern in schützenden Kokons, meist versteckt zwischen den Blättern der Buchsbäume, aber auch in Ritzen in der Nähe der Pflanzen. Minustemperaturen bis -20 °C scheinen sie so problemlos zu verkraften. Ab Temperaturen von 7 °C oder höher im folgenden Frühjahr werden sie wieder aktiv und vollenden ihre Entwicklung. Aus den Puppen schlüpfen dann im Mai die ersten Falter des neuen Jahres schlüpfen, die dann etwa 8 Tage lang ihre Eier legen.

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Buchsbaumzünsler-Befall im Endstadium

Wenn Buchsbäume von Buchsbaumzünsler-Raupen kahlgefressen wurden, findet man nur noch Blattrippen, Gespinste, Kokons und in den Gespinsten helle Kotkrümel.

Hilfe aus der Natur ist inzwischen da

Zuerst hatte der Buchsbaumzünsler bei uns keine natürlichen Gegenspieler. So gab es keine Schlupfwespen, die die Raupen parasitierten, oder ähnliche nützliche einheimische Insekten. Die Vögel mochten ihn zunächst auch nicht, was man auf seine giftigen Nahrungspflanzen zurückführte. Inzwischen haben jedoch einige heimische Tiere Geschmack an den Raupen des Einwanderers gefunden: Stare, Spatzen, Kohlmeisen und andere Vögel sowie Wespen wurden bereits als fleißige Buchsbaumzünsler-Vertilger beobachtet. Der Buchsbaumzünsler liefert damit einen weiteren Grund, Vögel im Garten zu fördern: Kleine Vögel benötigen beispielsweise Schutz vor Raubvögeln, Katzen und anderen Jägern und man sollte Brutmöglichkeiten schaffen sowie die Schutzzeiten für den Heckenschnitt einhalten.

Buchsbaumzünsler bekämpfen mit Strategie

Noch nicht überall hat sich unter den Vögeln herumgesprochen, dass die Buchsbaumzünslerraupen gutes Futter sind. Aber auch da sind Gärtner und Hobbygärtner nicht machtlos:
  • Schon beim Kauf sollte man Gehölze auf Fensterfraß im Inneren, sonstigen Blattfraß, Raupen, Gespinste, Kotkrümel und Kokons prüfen und nur einwandfreie Ware mit nach Hause nehmen.
  • Später ist die regelmäßige Pflanzenkontrolle wichtig: Von März bis Oktober kontrolliert man regelmäßig Buchsbaum, Spindelstrauch (Euonymus japonicus und E. alata) sowie Stechpalme (Ilex purpurea). Sind noch keine Symptome da, die ins Auge fallen (abgefressene Blätter, Gespinste, Raupen etc.), sollte man im Inneren der Sträucher nach den kleinen grünen Räupchen und Fensterfraß suchen.
  • Sind einzelne Buchsbäume befallen, beispielsweise ein paar wenige Buchsbäumchen im Kübel, kann man ihnen mit einer Pinzette zu Leibe rücken, nämlich damit die Gespinste entfernen und die Raupen absammeln.
  • Hat man jedoch eine ganze Buchsbaumhecke, ist das Abklauben mit der Pinzette zu mühselig. Dann legt man auf einer Seite der Hecke parallel zu ihr eine breite Folie aus und bläst die Raupen mit dem Laubbläser oder spritzt sie mit einem festen Wasserstrahl von der anderen Seite der Hecke aus von den Blättern auf die Folie. Anschließend kann man die Raupen aufsammeln (oder von Vögeln aufpicken lassen, wenn die bereits gelernt haben, dass diese Raupen essbar sind).
  • Bei stärkeren Schäden schneidet man die Sträucher zurück. Das abgeschnittene Pflanzenmaterial darf man nicht neben der Hecke ablegen oder gar dort liegen lassen, sondern sammelt es in einer Wanne und gibt es in die Biotonne (nicht auf den Komposthaufen, denn dort könnten sie ihren Zyklus eventuell vollenden!).
  • Pheromonfallen und Lichtfallen sind in größeren Buchsbaumbeständen eine Möglichkeit, Falter abzufangen oder zumindest die Flugzeiten zu bestimmen.
  • Gegen Buchsbäume erlaubt sind biologische Spritzmittel auf Basis von Bakterien, die die Raupen von innen her abtöten. Bei den aktuell zugelassenen Wirkstoffen handelt es sich um Bacillus thuringiensis subspecies kurstaki Stamm ABTS-351 (Stamm HD-1) und Bacillus thuringiensis subspecies aizawai Stamm ABTS-1857. Die dazu gehörenden Präparate heißen beispielsweise Bactospeine ES, Dipel ES, Florbac, Lizetan Buchsbaumzünslerfrei, Universal Raupenfrei Lizetan und XenTari. Auch diese Mittel sollten mit genügend Druck und Sorgfalt ausgebracht werden, damit auch die Blätter im Strauchinneren gut benetzt werden.
  • Nachtrag 19.09.2019
    Hängt man weiße Leinentücher über die Buchsbäume, werden die Raupen davon angezogen und man kann sie anschließend absammeln – das hat eine Ulmerin durch Zufall herausgefunden (Quelle: swp.de).

Apropos Zulassungen

Nicht nur chemisch-synthetische, auch biologische Pflanzenschutzmittel brauchen eine Zulassung. Da sich Zulassungen ständig ändern, kann man die aktuelle Situation auf den Webseiten des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BLV) jederzeit prüfen. Sucht man nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen Buchsbaumzünsler an Buchs, geht man folgendermaßen vor:
  1. Zunächst ruft man die Standardsuche der Pflanzenschutz-Datenbank des BLV auf.
  2. Nun ändert man folgende Felder (per Voreinstellung enthalten sie entweder gar nichts oder Alle).
    • HuK/Alle: Klicken Sie auf den Pfeil nach unten und wählen Sie Haus und Kleingarten.
    • Kultur: Klicken Sie auf den Pfeil nach unten und wählen Sie Buchsbaum (Gemeiner -) aus der Liste.
    • Schadorganismus: Klicken Sie auf den Pfeil nach unten und wählen Sie Freifressende Schmetterlingsraupen.
    • Klicken Sie unten auf Suchen.
  3. Auf der Ergebnisseite PSM-Liste werden nun die oben genannten Pflanzenschutzmittel gegen Buchsbaumzünsler in einer Tabelle mit weiteren Angaben, beispielsweise dem Wirkstoff, aufgelistet. Weitere Informationen zu den Präparaten erhält man wenn man auf die Handelsbezeichnung oder die Zulassungsnummer klickt.


Alternativen zum Buchsbaum

Wem der Spaß am Buchsbaum nach schlechten Erfahrungen erst einmal verloren gegangen ist, sollte sich in einer Baumschule Berberitze (Berberis), Scheinzypresse (Chamaecyparis), Liguster (Ligustrum), japanische Hülse (Ilex crenata), Steineibe (Podocarpus) und andere Gehölze als mögliche Alternativen zum Buchsbaum zeigen lassen. Eine ausführlichere Tabelle mit Alternativpflanzen einschließlich der Angaben zur Höhe, Schattenverträglichkeit, Frosthärte und mehr findet man im Buch Gesunder Buchsbaum: Krankheiten und Schädlinge erkennen und erfolgreich behandeln*, Heinrich Beltz, Verlag Eugen Ulmer.
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Über Eva Schumann

Ich lerne gerne und lebenslanges Lernen ist mein Lebensmotto. Ich habe viele Ausbildungen (Einzelhandelskauffrau Parfümerie, abgeschlossenes Studium Gartenbau, Weiterbildung Netzwerk- und Internetmanagement, Schulungen technische Redaktion, IT, Mobilfunknetze, Programmierung, Datenbanken und mehr) und auch ausgiebig Berufserfahrung gesammelt. Daneben war ich immer leidenschaftliche Hobbygärtnerin (Garten, Balkon, Terrasse) und Hobbybörsianerin (aus Begeisterung für das Internet). Ich verdiene meinen Lebensunterhalt heute als freie Journalistin, Bloggerin, Texterin, Buchautorin und Technische Redakteurin (mehr siehe www.evaschumann.biz) sowie über meine werbefinanzierten Publikationen im Internet (Portalseite www.tinto.de). Buchen Sie Werbeplatz oder bestellen Sie frische Texte, Bilder oder anderen Content bei tinto@tinto.de oder eschumann@evaschumann.biz
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