Pflanzenschutz – wenn, dann richtig: aus den zugelassenen Mitteln und Wirkstoffen die weniger schädlichen auswählen

Grundsätzlich wird man versuchen, die Pflanzen in Haus und Garten sowie auf Balkon und Terrasse durch optimale Pflege ohne Pflanzenschutzmittel gesund zu erhalten – also auf standortgerechte Pflanzenauswahl, geeignete Pflanzenabstände, Bodenpflege (Gründüngung, Kompostkreislauf), fachgerechte Pflanzenpflege (Entblättern, Schnitt, Fallobst beseitigen), Förderung natürlicher Gegenspieler und Ähnliches achten. Auf diese Weise werden Resourcen und Geld gespart, Boden und Pflanzen giftfrei gehalten, die Umwelt entlastet sowie Nützlinge und andere Tiere im Garten geschont.

Trotzdem können manchmal Krankheiten und Schädlinge auftauchen. Will man also wissen, was gegen eine Krankheit oder Schädling an einer bestimmten Kulturpflanze im Haus- und Kleingarten aktuell zugelassen ist und welche Wirkstoffe und Auflagen diese Präparate haben, ist die Online-Datenbank vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eine sehr gute Anlaufstelle. Sie enthält alle zugelassenen Pflanzenschutzmittel – d. h. Mittel, die eine Wirksamkeit bewiesen haben und als Pflanzenschutzmittel zugelassen wurden. Das sind nicht nur die sogenannten „Chemiekeulen“, sondern auch Mittel mit natürlichen bzw. biologischen Wirkstoffen. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass „natürlich“ nicht gleichbedeutend mit „ungefährlich“ oder „nützlingsschonend“ ist – man denke nur an Nicotin, das zwar ein Insektizid ist, aber wegen der großen Gefährlichkeit für den Anwender seit den 1970er Jahren nicht mehr zugelassen ist.

So nutzt man die Pflanzenschutz-Online-Datenbank vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Beispiel: Sie wollen wissen, welche zugelassenen Mittel es gegen Blattläuse an Paprikapflanzen gibt.

  1. Klicken Sie auf der Eingangsseite der Online-Datenbank des BVL auf Standardsuche
    Pflanzenschutzmittel-Online-Datenbank

    Pflanzenschutzmittel-Online-Datenbank

    Es öffnet sich die Suchmaske der Standardsuche.

    Suchmaske leer

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  2. Füllen Sie ein oder mehrere Felder der Suchmaske aus.
    In unserem Beispiel wählen wir
    bei HuK/alle: Haus- und Kleingarten (Anwendung beim Hobbygärtner),
    bei Einsatzgebiet: Gemüsebau,
    bei Kultur: Fruchtgemüse (weil Paprika nicht zur Auswahl angeboten wird),
    bei Schadorganismus: Blattläuse.
    Die restlichen Felder lassen Sie, wie sie sind.

    Suchmaske ausgefüllt

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  3. Klicken Sie auf Suchen.
    Es wird eine Tabelle zugelassener Pflanzenschutzmittel für diese Suche, ihre Wirkstoffe und weitere Informationen in alphabetischer Reihenfolge der Handelsnamen angezeigt. Die Tabelle erstreckt sich in diesem Fall über zwei Seiten (in Abbildung nicht sichtbar).

    Gesuchte zugelassene Pflanzenschutzmittel

    Gesuchte zugelassene Pflanzenschutzmittel

  4. Schauen Sie auf die Spalte mit den Wirkstoffen
    Beispiel Wirkstoff Azadirachtin (Neem):
    Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei Neem, Compo Bio Insekten-frei Neem und Naturen Bio Schädlingsfrei Neem haben Azadirachtin (Neem) als Wirkstoff. Doch so harmlos, wie die Verfechter natürlicher Mittel bei Neem-Präparaten gerne tun, ist der Wirkstoff nicht. Die Gefahrenbezeichnungen und -hinweise sowie die Anwendungsbestimmungen, Auflagen und mehr lassen sich auf einem Produktblatt nachlesen, das sich öffnet, wenn man auf die Handelsbezeichnung, also beispielsweise auf Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei Neem klickt.

    Pflanzenschutzmittel-Produktblatt

    Pflanzenschutzmittel-Produktblatt

    Der Wirkstoff ist nämlich giftig für Wasserorganismen (langfristige Wirkung) und schädigt Populationen von Marienkäfern, Florfliegen, Schwebfliegen und anderen Nützlingen. Aber wenigstens ist er als bienenungefährlich eingestuft. Und vergleicht man die Hinweise für Neem mit denen von Präparaten auf Basis von Deltamethrin, Pirimicarb oder Thiacloprid, die alle bienengefährlich (!) sind, dann ist das Azadirachtin (Neem) sicher das kleinere Übel.

    Beispiel Wirkstoff Fettsäuren, Kaliumsalze (Kali-Seife)
    Chrysal Blattläuse Stop Pumpspray, Dr. Stähler Blattlausfrei-Spray, Neudosan AF Neu Blattlausfrei und andere haben Kali-Seife als Wirkstoff. Dieser Wirkstoff gegen Insekten und Milben ist laut Produktblatt bei der Konzentration 10,2 g/l Fettsäuren, Kaliumsalze (Kali-Seife) lediglich für Fischnährtiere giftig und sollte daher nicht in Gewässer gelangen. Als Neudosan Neu Blattlausfrei und anderen soll es jedoch auch auf Populationen von Raubmilben (Amblyseius) und Schwebfliegen schädigend wirken. Dieser Wirkstoff ist unter normalen Umständen vergleichsweise harmlos und hat vor allem keine langfristige Giftwirkung, die sich sonst auch auf zuwandernde nützliche Organismen negativ auswirken würde.

    Ähnliches gilt auch für den Wirkstoff Rapsöl, wobei ich persönlich da zunächst einen Verträglichkeitstest an einer Pflanze machen würde, bevor ich den ganzen Pflanzenbestand mit Rapsöl spritzen würde.

Wenn es nicht anders geht: Das langfristig am wenigsten schädliche Mittel wählen!

Das Mittel meiner Wahl wäre in diesem Fall eines, das Kali-Seife als Wirkstoff enthält, weil es die Blattläuse schädigt, aber auf zuwanderne, zufliegende oder eingesetzte Nützlinge nicht mehr schädlich wirkt. Natürlich dürfte das Mittel nicht in ein Gewässer gelangen. Allerdings: Wenn man nur ein paar wenige Pflanzen hat, kann man die Läusenester auch einfach mit den (behandschuhten) Fingern zerdrücken oder mit Wasser abwaschen.

Der Kauf eines Pflanzenschutzmittels lohnt nur bei einer größeren Pflanzenzahl, stacheligen Pflanzen, stark verzweigtem Pflanzenaufbau und ähnlichen Problemfällen – und natürlich nur, wenn es keine giftfreien Alternativen gibt,  und wenn der Zustand der Pflanze überhaupt wichtig ist!

Apropos giftfreie Alternativen (Beispiele):

gegen tierische Schädlinge
Man sollte vorbeugend Vögel, Igel, Marienkäfer, Florfliegen und andere Nützlinge fördern – die halten Blattläuse und andere Schädlinge in Schach. Gegen Kohl und Möhrenfliegen helfen Insektenschutznetze.  Einzelne Raupen – beispielsweise an Kohl – kann man absammeln,  Raupennester kann man ausschneiden. Besonders im Gewächshaus kann man auch gezielt (gekaufte) Nützlinge einsetzen.

gegen Bakterien- und Pilzkrankheiten
Bodenpflege, bedarfsgerecht gießen (nicht zu viel und nicht zu wenig), oberirdische Pflanzenteile trocken halten (hilft beispielsweise gegen Kraut- und Braunfäule bei Tomaten).

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Über Eva Schumann

Werbefinanzierte Online-Publikationen: www.tinto.de. Journalistin, Bloggerin, Autorin, Texterin und Technische Redakteurin: www.evaschumann.biz.
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