Glyphosat-Verbot in der EU – demnächst wird abgestimmt

Glyphosat ist ein Wirkstoff in Totalherbiziden (das sind breitenwirksame Unkrautvernichtungsmittel) und steht im Verdacht Krebs und möglicherweise andere Krankheiten zu verursachen sowie mitschuldig am Artensterben zu sein. Am 25. Oktober soll die EU entscheiden, ob Glyphosat weiterhin zugelassen bleibt. Dabei ist die Stimme Deutschlands wichtig.

Totalherbizide sind Unkrautvernichtungsmittel, die jede Pflanze bei Kontakt abtöten. Glyphosat ist ein besonders effektiver Wirkstoff, weil es sich in der Pflanze ausbreitet.

Recherche nach glyphosathaltigen Pestiziden auf der Seikte des BVL

Recherche nach glyphosathaltigen Pestiziden auf der Seite des BVL

Monsanto hat Glyphosat entwickelt und 1971 patentieren lassen. Wer in der frei zugänglichen Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nach Glyphosat recherchiert, erhält 3 1/2 Seiten mit Ergebnissen, in welchen Pflanzenschutzmitteln Glyphosat enthalten ist. Darunter sind Roundup, Glyphogan, Landmaster, Profi Glyphosat, Bayer Garten Unkrautfrei, Compo Filatex Unkraut-frei, Raiffeisen Gartenkraft Total Unkraut-Frei, Taifun forte, Vorox Unkrautfrei und viele andere. Schon an den Präparatenamen ist zu erkennen, dass dieser Wirkstoff nicht nur in Unkrautvernichtungsmitteln für die Landwirtschaft beziehungsweise für Profis, sondern auch in solchen für den Hausgarten enthalten ist und dass die Produkte nicht nur von Monsanto sondern von vielen verschiedenen Herstellern stammen.

Glyphosat und Gesundheit

Glyphosat wurde schon in der Muttermilch, im Urin von Kleinkindern, im Bier und sonst wo nachgewiesen. Die Seite der Hersteller sagt, das sei ungefährlich. Sie unterlegt das mit eigenen und von ihnen in Auftrag gegebenen Studien. Die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Kritiker von Monsanto & Co. haben Glyphosat dagegen als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft.

Ob Glyphosat krebserregend oder nicht, ist also umstritten. Die meisten Menschen allerdings mögen die Vorstellung nicht, dass ihr Körper oder der ihrer Kinder diesen künstlichen, pflanzengiftigen Stoff enthält. Es wird darüber hinaus diskutiert, ob Glyphosat den Hormonhaushalt und die Darmflora beeinträchtigen sowie die Ursache oder zumindest eine der Ursachen für die Zunahme von Fettleibigkeit, Unverträglichkeiten, Reizdarmsyndrom, Depressionen, Alzheimer und Autismus ist.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte die Aufgabe, die Gefahren durch Glyphosat für Mensch und Umwelt zu untersuchen. Dieses Gutachten sollte die Vorarbeit für die Bewertungen durch die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) und die Europäische Chemikalienbehörde (ECHA) liefern. Doch das BfR hat in seinem Gutachten anscheinend wichtige Passagen aus dem Zulassungsantrag von Monsanto ohne Quellenangaben übernommen und von anderen für wichtig erachtete Studien, die auf eine Gefahr hindeuten, als unwichtig beiseitegeschoben. Das Vertrauen in die BfR ist jedenfalls spätestens jetzt auch dahin.

Glyphosat und Artensterben (Bienen, Schmetterlinge, Vögel etc.)

Glyphosat steht nicht nur im Verdacht, Krebs und eventuell andere Krankheiten zu verursachen, sondern ist ein wichtiger Faktor der industriellen Landwirtschaft, die auch für einen beträchtlichen Teil an Umweltbelastung sowie das dramatische Artensterben bei Pflanzen, Insekten, Vögeln und anderen Lebewesen oberhalb des Bodens als auch im Boden verantwortlich gemacht wird. Diesen Schuh müssen sich allerdings nicht nur die Pestizidhersteller und Landwirte der konventionellen Landwirtschaft anziehen, sondern ebenfalls Hobbygärtner und Hausmeister, die Unkrautvernichtungsmittel verwenden, die Glyphosat enthalten.

Deutschlands Rolle bei der Glyphosat-Zulassung in der EU

Frankreich und Österreich werden sich sehr wahrscheinlich gegen die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung aussprechen. Aber wenn sich Deutschland wieder enthält – weil sich wieder einmal der von der CSU gestellte Agrarminister für Glyphosat ausspricht, während die Umweltministerin, die aktuell von der SPD gestellt wird, dagegen ausspricht -, kommt wahrscheinlich keine Mehrheit für den Entzug der Zulassung zustande.

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Man darf also gespannt sein, wie die Abstimmung über die Zulassungsverlängerung von Glyphosat ausgeht. Verschiedene Organisationen rufen zur Teilnahme an Petitionen auf, die Einfluss auf die deutsche Entscheidung nehmen könnten, beispielsweise Campact.

Wer Landwirte unterstützen möchte, die kein Glyphosat verwenden und sich auch sonst für die Umwelt starkmachen, sollte Bioprodukte bevorzugen beziehungsweise bei Betrieben, Verarbeitern und Vermarktern des ökologischen Landbaus (Agrarökologie) direkt enkaufen.

Wer gegen Glyphosat ist, sollte natürlich auch in seinem eigenen Garten unbedingt darauf verzichten.

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Über Eva Schumann

Werbefinanzierte Online-Publikationen: www.tinto.de. Journalistin, Bloggerin, Autorin, Texterin und Technische Redakteurin mit Garten-/Gartenbau- sowie IT/Kommunikation-Background: www.evaschumann.biz.
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