Stauden auf dem heißen Dach

Jeder hat in seinem Garten, auf dem Balkon oder der Terrasse Stellen mit schwierigen Standortbedingungen – beim einen ist es zu windig, beim anderen werfen die Bäume zu viel Schatten. Bei mir liegt die Standortschwierigkeit darin, dass mein Staudenbeet auf einem Tiefgaragendach direkt vor der heißen Südwand liegt. Meine Erfahrungen mit verschiedenen Stauden an diesem Standort.

Staudenbeet auf dem heißen Tiefgaragendach

Staudenbeet auf dem heißen Tiefgaragendach

Der Garten vor meiner Terrasse ist eigentlich ein begrüntes Tiefgaragendach. Die Erdauflage ist etwa 15 cm dick. Ein großer Teil der Fläche ist mit einem bunten Rasen (mancher würde stark „verunkrauteter“ Rasen sagen) bedeckt. Etwas geschützt unter einem Balkon steht eine über 2 m hohe Rose mit riesigen Blüten sowie an einer anderen Stelle vor einer Terrasse ein Stück Laubhecke – ehrlich gesagt, hätte ich mich nicht getraut, diese Gehölze bei der dünnen Erdauflage dorthin zu pflanzen, aber jemand anderes war mutiger und sie gedeihen seit mindestens 10 Jahren sehr gut, jedenfalls, wenn man sie während Sommerhitzephasen gießt.

Hummel an Purpursonnenhut

Hummel an Purpursonnenhut

Wie in meinem Gartensaison-Gartenblog beschrieben, habe ich im Herbst 2012 ein Staudenbeet zwischen der Terrasse und der wüchsigen Rose direkt vor der Südwand des Wohnhauses angelegt. Es sollte ein bisschen „Prairieflair“ haben, weshalb ich Gräser und andere Stauden mischte, die meiner Erwartung nach mit den schwierigen Standortverhältnissen (flirrende Hitze, wenig Wasser- und Nährstoffreserve im Boden, bei Starkregen wiederum kurzfristige Übernässung) zurechtkommen würden. Und natürlich wollte ich, dass auch Bienen, Hummeln und andere Nützlinge sowie Schmetterlinge ihre Freude haben.

Die meisten meiner Stauden haben sich wirklich wunderschön entwickelt, aber es gab auch einige, die es nicht gepackt haben, darüber unten mehr.

Dachbegrünung mit Pflege

Mein Staudenbeet sieht vielleicht ein bisschen wild aus, aber es ist keine extensive Dachbegrünung, also keine, die man sich selbst überlassen kann. Meine Pflegearbeiten bestehen aus Düngen im Frühjahr mit einem organischen Dünger, umweltverträglichem Schneckenkorn während des Austriebs um gefährdete Pflanzen wie Purpur-Sonnenhut und Duftnessel. Während längerer Trockenperioden gieße ich alle zwei Tage mit dem Schlauch – aber nicht zu viel. Wenn ich Zeit habe und dran denke, entferne ich verwelkte Blüten, um den Blütennachtrieb anzuregen.

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Im Spätherbst schneide ich nur optisch störende Triebspitzen weg, das meiste abgestorbene Pflanzenmaterial lasse ich aber über den Winter als Mulch und Winterschutz stehen. Erst im Frühjahr vor/mit dem Austrieb entferne ich die restlichen abgestorbenen Triebe. Ich versuche regelmäßig Unkrautblätter und Rasenschnitt in kleinen Mengen zwischen die Stauden zu streuen. Zu viel darf es nicht sein, da der lehmige Boden sonst zu wenig Luft bekommt.

Stauden, die sich bewährt haben

Diese Stauden kann ich nach meinen Erfahrungen für solch einen schwierigen Standort auf dem Tiefgaragendach empfehlen.

Neben der Rose, um die herum es besonders trocken ist, stehen in etwa 70 cm Entfernung vom Stock seit zwei Jahren Kuhschellen. Zusammen mit den Krokussen und Tulpen, die ich über das Beet und verschieden Kübel im Terrassenbereich verteilt habe, sind sie die Frühjahrsblüher in meinem Beet.

Nach ihnen blüht der Purpur-Kugellauch (Allium aflatunense ‚Purple Sensation‘) mit seinen prächtigen violetten Kugeln. Ich habe ihn in kleinen Gruppen über das Beet verteilt gepflanzt. Bald gesellen sich die große Rose und eine kleine Bodendeckerrose, die ich auf der anderen Seite in einem Kübel habe, zu den Blühern dazu.

Der Frauenmantel war auch von Anfang an dabei – nicht weil ich ihn so schön finde, sondern weil er den Boden im Frühjahr schnell bedeckt und die anderen Stauden durch ihn besser zur Geltung kommen. Er kommt mit dem Standort gut zurecht. Wenn die Blüten oder ältere Blätter im Laufe des Sommers unansehnlich werden, schneide ich sie ab.

Nicht weit von der großen Rose treibt das grünlaubige Chinaschilf (Miscanthus sinensis), das mir eigentlich als rotes Federborstengras (Pennisetum) zugeschickt worden war, immer stärker. Die drei Horste habe ich in einen eingegrabenen Plastikbehälter mit vielen Ablauflöchern gepflanzt, um das Dach vor ihren Wurzeln zu schützen – ob das wirklich nötig gewesen ist, kann ich nicht sagen. Das Chinaschilf ist jedes Jahr seit 2012 wieder ausgetrieben. Im Frühjahr muss man lange warten und bangen, ob da wieder etwas kommt, aber im Sommer sehen die drei inzwischen zusammengewachsenen Pflanzen dann doch wieder gesund und schön aus.

Kleinkugeliger Kugellauch, Frauenmantel, Taglilie und Federborstengras

Kleinkugeliger Kugellauch, Frauenmantel, Taglilie und Chinaschilf (von vorne nach hinten)

Einige Wochen nach dem Purpur-Kugellauch zeigt auch der kleinkugelige Kugellauch (Allium sphaerocephalon) seine Farbe. Er ist bei mir der Vorbote für den Purpursonnenhut.

Ab Juli beginnt dann endlich die Blüte des Purpursonnenhuts (Echinacea purpurea ‚Magnus‘). Er wurde seit 2012 von Jahr zu Jahr schöner. Lediglich in einem Jahr waren die Schnecken schneller als ich und fraßen den gesamten, kräftigen (!!!) Neutrieb ab. Ich streute dann das umweltfreundliche Schneckenkorn. Die Pflanzen trieben zum Glück neu aus und entwickelten sich doch noch sehr schön. Nur die Blütezeit verschob sich in besagtem Jahr dadurch etwas nach hinten – was das Beet im Spätsommer und Herbst schöner machte.

 

 

 

Duftnessel - Blütenstand mit Hummel

Duftnessel – Blütenstand mit Hummel

Die Duftnessel (Agastache-Hybride ‚Ayala‘) habe ich im Herbst 2013, ein Jahr nach dem Purpursonnenhut gepflanzt, weil ich das Beet mit den Blütenkerzen optisch etwas auflockern wollte. 2014 und 2015 entwickelte sie sich wunderschön – allerdings nur eine von den beiden Pflanzen, die andere trieb nie aus. Die Duftnessel wächst noch im Laufe des Sommers und ihre Blütenstände werden immer auffälliger und schöner. Doch im Frühjahr muss man sie vor Schnecken und allem, was den jungen Austrieb gefährdet, schützen. 2016 habe ich zwar die Schnecken weitgehend abhalten können, doch brach der Austrieb bei einem Gewitter durch den Druck der benachbarten Pflanzen. Sie erholte sich nicht. Aber da sie so schön war, werde ich sie im Herbst 2016 ersetzen.

Auf einer Seite des Staudenbeetes habe ich im Mai 2014 vor die hohen Stauden Lavendel (Lavendula angustifolia ‚Dwarf Blue‘) gesetzt. Ihm scheint es dort zu gefallen. An der Stelle waren die Jahre davor Ansiedlungsversuche mit Steppensalbei gescheitert.

Purpursonnenhut (pink), Eisenkraut (blau), Steppenkerze (weiß) und andere

Purpursonnenhut (pink), Patagonisches Eisenkraut (blau), Prachtkerze (weiß) und andere Stauden

Die rotblühenden Taglilien (Hemerocallis) und die weißen Prachtkerzen (Gaura) waren Geschenke von meiner Blumenfreundin Fiona (https://www.nature-to-print.de/). Die Taglilien machen sich wunderschön neben dem Chinaschilf und über den Frauenmantelblüten – es wirkt wie eine natürliche Gemeinschaft. Auch die weißen Prachtkerzen sind eine Bereicherung für das Beet: Die weißen Blüten sitzen wie Schmetterlinge an den Pflanzen. Die Taglilien, die Prachtkerzen, die kleinen wiegenden Kugeln des Kugelköpfigen Lauchs und der Lavendel überbrücken die Zeit von der Blüte vom Purpur-Kugellauch bis zu der des Purpursonnenhuts.

Eine Aster, die ich vor Jahren im September als kleinen Topf gekauft und im Spätherbst ins Beet gesetzt habe, beendet das Gartenjahr im Staudenbeet in Lila – meist umrankt von selbst ausgesäter gelb- und orangefarbener Kapuzinerkresse.

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Stauden, die sich noch bewähren müssen

Prachtkerze (weiß) und Patagonisches Eisenkraut (blau) haben sich nach dem Regen umgelegt. Inzwischen bekamen sie versteckte Stützen.

Prachtkerze (weiß) und Patagonisches Eisenkraut (blau) haben sich nach dem Regen umgelegt. Inzwischen bekamen sie versteckte Stützen.

In diesem Jahr zum ersten Mal blüht seit Juni das Patagonische Eisenkraut (Verbena bonariensis). Die Pflanze ist kräftig und die Blüten, die ab Juni erschienen sind, haben eine schöne Farbe, doch kommt die Pflanze und ihre Blüten wegen ihrer Höhe in meinem schmalen Beet vor der Hauswand nicht so zur Geltung, wie sie es verdient hätte.
Zwei weitere Staudenarten, die ich letzten Herbst gepflanzt habe und die sich noch bewähren müssen sind Stachelnüsschen, Acaena microphylla ‚Kupferteppich‘ und Garten-Fettblatt, Sedum telephium ‚Xenox‘. Ich habe sie hinter die Kuhschellen zwischen die hohe Rose und die das Chinaschilf gepflanzt – dort ist es – auch wegen des überdachenden Balkons extrem trocken.

Stauden, die nur zu Besuch da waren

Diese Stauden konnte ich nicht dauerhaft im Beet ansiedeln. Sie erschienen nach ein oder zwei Jahren nicht mehr. Ob das in jedem Fall am Standort lag, an der Dichte, die inzwischen herrscht und die ich auch möchte, oder ob es einfach ein Einzelfall war, kann ich nicht sagen.

Regenbogen-Schwingel (Festuca amethystina)
Steppensalbei (Salvia nemorosa ‚Ostfriesland‘)
Schafgarbe (Achillea filipendulina-Hybride ‚Feuerland‘)

Wenn Ihr auch zum Thema Stauden an einem schwierigen Standort o. Ä. gebloggt habt, stellt euren Beitrag gerne in einem Kommentar mit Link dorthin vor.

Mehr Informationen zur Gestaltung mit Stauden

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Über Eva Schumann

Werbefinanzierte Online-Publikationen: www.tinto.de. Journalistin, Bloggerin, Autorin, Texterin und Technische Redakteurin mit Garten-/Gartenbau- sowie IT/Kommunikation-Background: www.evaschumann.biz.
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