Mehrjährige Pflanzenfreude auf Balkonien und Terrassien

Auch im Topfgarten auf Balkon, Terrasse oder Dachterrasse kann man mehrjährige Pflanzen anbauen – sowohl solche fürs Auge und Gemüt als auch Köstlichkeiten für den Gaumen. Tipps zum Anbau in Pflanzgefäßen.

Topfgarten mit mehrjährigen Pflanzen

Topfgarten mit mehrjährigen Pflanzen

Viele urbane Gärtner und andere Hobbygärtner, die wenig Platz für ihre Gartenleidenschaft haben – beispielsweise nur einen Balkon oder eine Terrasse/Dachterrasse nutzen können -, beschränken sich bei ihrer Pflanzenauswahl auf einjährige Sommerblumen, Salate und Kräuter, die sie in Kästen, Kübeln und Töpfen anbauen. Manche haben vielleicht noch ein paar Balkontomaten oder Chili-Pflanzen in irgendeiner Ecke stehen, aber die wenigsten trauen sich an mehrjährige Pflanzen heran.

Bei winterharten Pflanzen für den Balkon denken die meisten auch eher an (Zwerg-) Koniferen oder andere immergrüne Gehölze als an mehrjährige Stauden und laubabwerfende Obst- oder Ziergehölze. Sie fürchten, dass diese im Winter draußen erfrieren, wenn sie im Topf, Kübel, Pflanzkasten oder anderen Pflanzgefäßen und nicht in gewachsenem Boden stehen oder einen Überwinterungsplatz im Gewächshaus erhalten.

Ich habe im Laufe der Jahre jedoch mit einigen mehrjährigen Kräutern, Stauden und (Obst-) Gehölzen in meinem Topfgarten gute Erfahrungen gemacht – damit meine ich nicht Kübelpflanzen, die man im Gewächshaus überwintert, sondern Pflanzen im Kübel/Pflanzgefäß bei Überwinterung im Freien! Dazu muss man wissen: Mein Topfgarten befindet sich auf einem begrünten Tiefgaragendach in Oberbayern (kalte Winter), an der Südseite eines Wohnhauses (sehr heiße Sommer).

Die Pflanzgefäße in meinem Topfgarten sind bisher fast alle aus Ton/Terrakotta, obwohl mir auch Stein gut gefällt und ich inzwischen auch mit einigen der modernen Materialien wie Metall in Rostoptik oder Fiberglas-Steingemische liebäugle. Plastikkübel verwende ich nur selten und inzwischen nur noch in der zweiten Reihe, damit der Kunststoff nicht der Sonne ausgesetzt ist – ganz besonders wenn die Gefäße schwarz sind.

Köstlichkeiten aus dem Mehrjährigen-Topfgarten

Blühender Thymian im Topfgarten

Blühender Thymian im Topfgarten

Trotz der schwierigen Standortverhältnisse klappt die Kultur und die Überwinterung von Schnittlauch, Thymian und Salbei im Topf bzw. Kübel sehr gut – von Frühjahr bis Spätherbst ernte ich würzige Kräuter auf meiner Terrasse. Während der warmen Monate erhalten sie von mir Wasser nach Bedarf und ich dünge sie während der Hauptwachstumszeit mehrmals mit einem Flüssigdünger oder einem organischen Festdünger.

Wenn der Schnittlauch blüht, schneide ich die harten Blütenhalme heraus und würze den Salat, Gebratenes oder überbackenes Gemüse mit den zerpflückten Blüten. Die im Herbst absterbenden Halme des Schnittlauchs legen sich von alleine wie ein Schutz über seinen Topf mit den Schnittlauchbulben. Ich lockere dieses trockene“Nest“ an sonnig warmen Spätwintertagen etwas auf, sobald die jungen Triebe sichtbar werden, damit sie mehr frische Luft bekommen. Ich entferne die alten Halme jedoch erst im Frühjahr komplett, wenn die neuen Schnittlauchhalme schon kräftig durchdrücken und keine allzu tiefen Fröste mehr zu erwarten sind.

Auch Thymian ernte ich fortlaufend und freue mich an seinem intensiven Aroma. Nach der Blüte schneide ich ihn etwa um die Hälfte zurück. Er treibt sofort frische Würztriebe aus.

Der Salbei sieht (wie manchmal auch der Thymian) nach dem Winter ganz furchtbar aus. Während ich den Thymian im Frühjahr eventuell in einen größeren Topf pflanze und anschließend gieße und dünge (einkürzen muss ich ihn da nicht), schneide ich den Salbei im Frühjahr sehr stark zurück, denn so viele Blätter, wie er jedes Jahr hervorbringt, kann ich nicht verbrauchen.

Mini-Kiwis 'Weiki' im Kübel

Mini-Kiwis ‚Weiki‘ im Kübel

Viele Jahre lang hatte ich auch zwei Mini-Kiwis Actinidia arguta „Weiki“ im Kübel. Die Weiki-Pflanze mit dem schönen Laub und den roten Blattstielen braucht sehr wenig Pflege – lediglich störende Triebe entfernt man oder kürzt sie ein. Ansonsten brauchen Weikis während der Wachstumszeit viel Wasser und gelegentlich Dünger. Früchte trug die Weiki allerdings erst nach ein paar Jahren – und das tut sie übrigens nur, wenn man mindestens eine weibliche und eine männliche Pflanze hat. Mehr zur Weiki.

Was fürs Auge im mehrjährigen Topfgarten

Zwar sehen auch Kräuter schön aus, doch mögen die meisten Menschen gerne ein paar Farbtupfer zwischen dem Grün. Und auch Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und andere Nützlinge freuen sich über Blüten, schließlich sind das ihre Nektar- und Pollenquellen.

Bodendeckerrose 'Lavender Dream' im Kübel

Bodendeckerrose ‚Lavender Dream‘ im Kübel

Mit Rosen im Kübel habe ich schon mehrmals gute Erfahrungen gemacht und konnte manche Beetrose auch im Kübel über Jahre kultivieren. Wenn sie dann doch irgendwann abstarben, ließ sich das immer auf Gießfehler zurückführen, es lag nicht an der Kälte im Winter. Man muss im Spätwinter an sonnigen Tagen ans Gießen denken! Vorletzten Herbst habe ich eine neue Rose, ‚Lavender Dream‘ ®, gepflanzt. Sie sieht nicht so aus, wie ich sie mir vorgestellt hatte (diese hätte ich ‚Clownsgesicht‘ getauft), aber sie hat inzwischen den zweiten Winter gut überstanden und treibt sehr schön aus.

Lampenputzergras im Kübel

Lampenputzergras ‚Hameln‘ und Balkon-Verbene vertragen sich gut im Kübel

Vorletzten Herbst wollte ich es dann wissen und kaufte einige sonnen- und trockenheitsverträgliche Stauden, Gräser und Gehölze, um mit ihnen einen Mini-Staudengarten im „Prairie-Style“ über mehrere Kübel verteilt anzulegen. Dieser Stauden-Topfgarten sollte den Übergang von meinem neuen, kleinen Staudenbeet (ebenfalls mit sonnen- und trockenheitsverträglichen Stauden und Gräsern bepflanzt) hin zur Terrasse bilden, wo ansonsten Gemüse, Kräuter und Sommerblumen in großen Kübeln und kleineren Töpfen/Topfregal stehen.

Stauden sind ausdauernde, krautige Pflanzen, die jedes Jahr nach dem Winter neu aus dem Wurzelstock oder anderen Speicherorganen austreiben. Prairiestauden sind Stauden, die Sonne und Trockenheit vertragen, ein Klima wie in den Prairien Nordamerikas, wo sie normalerweise auch ihre Heimat haben. Ich dachte, eine Prairie sei nicht unähnlich dem Standort, den ich meinen Stauden bieten kann. Ein wichtiger Unterschied ist jedoch, dass die Wurzeln in der Prairie sehr tief reichen können, während sie bei mir im Staudenbeet auf dem Tiefgaragendach knapp 20 cm und in den Kübeln zwischen 20 und 40 cm Bodentiefe zur Verfügung haben. Außerdem stammen nicht alle von mir verwendeten Stauden aus Nordamerika, doch war mein Ziel, im Kleinen die Luftigkeit einer Prairie nachzubilden.

Im Herbst 2012 pflanzte ich also Sonnenhut Echinacea ‚Baby Swan White‘, Prachtscharte Liatris, Regenbogen-Schwingel Festuca amethystina, kleinwüchsiges Lampenputzergras Pennisetum alopecuroides ‚Hameln‘ in Kübel. Alle diese Stauden kamen sehr gut über inzwischen zwei Winter – genauso auch die oben bereits erwähnte Rose und ein Sommerflieder/Schmetterlingsflieder Buddleja davidii ‚Black Knight‘, die als Hintergrund bzw. Übergang an einen verwilderten Garten erinnern sollten. Soweit meine Vision!

Topfgarten mit mehrjährigen Stauden und Gehölzen

Topfgarten mit mehrjährigen Stauden und Gehölzen wie Purpur-Sonnenhut ‚Baby Swan White‘, Lavendel und anderen

Gartengestaltung mit Stauden: Von Foerster bis New German Style*

Da die Stauden-Kübel im Mai dann doch noch etwas trist aussahen, habe ich eher aus Verlegenheit eine niedrigbleibende, pinkfarbene Balkonkasten-Verbene hinzugepflanzt (es gibt nämlich eigentlich mehrere Arten an „Prairiegarten-Verbenen“, die blau-lilafarben sind und höher werden). Doch auch Balkon-Verbene und Lampenputzergras vertragen sich bisher sehr gut zusammen im Kübel.

Lavendel ist ein Halbstrauch

Lavendel ist ein kleiner Halbstrauch aus dem Mittelmeerraum

Seit letztem Jahr gehört auch ein Lavendel (ein kleiner Halbstrauch) zu meinem
Prairie-Style-Topfgarten, obwohl der Lavendel ja aus dem Mittelmeerraum stammt – über Überwinterungserfahrungen im Topf kann ich allerdings erst demnächst berichten, genauso auch wie zur Überwinterungsfähigkeit der Balkon-Verbene.

Topfgarten im Winter

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Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es meist nicht die Kälte ist, die die mehrjährigen Pflanzen umbringt, denn die haben sie ja auch in harten Wintern überstanden – was nicht heißt, dass man grundsätzlich auf Kälteschutzmaßnahmen verzichten soll. Aber wenn Pflanzen den Winter nicht überstanden haben, dann konnte ich das fast immer auf zu wenig oder zu viel Pflege zurückführen. Meine beiden wichtigsten Pflegetipps aus meiner Erfahrung heraus:

  • Mehrjährige Pflanzen erst im Frühjahr zurückschneiden, denn Frost greift von der Spitze her an.
  • Mehrjährige Pflanzen an sonnigen Tagen auch bei Bodenfrost vorsichtig gießen. Das Wasser in kleinen Mengen in den Wurzelbereich geben – so viel, dass die Pflanze etwas aufnehmen kann, wenn die oberirdischen Pflanzenteile Wasser verdunsten, aber nicht so viel, dass der Wurzelstock im Sumpf steht, der über Nacht zu einem kompakten Eisblock friert.

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Schmetterlingsflieder Buddleja davidii 'Black Knight' mit Tagpfauenauge

Auch der Schmetterlingsflieder Buddleja davidii ‚Black Knight‘ hat den zweiten Winter im Kübel überstanden. Hier ein Bild vom letzten Jahr: ein kleiner Blütenstand mit Tagpfauenauge.

Hinweis: Der Artikel wurde als „Topfgarten forever“ von mir 2013 schon einmal ähnlich veröffentlicht, war nach einem Update von WordPress (Blog-Software) jedoch verschwunden, so dass ich ihn 2014 anhand einer noch vorhandenen Rohfassung neu veröffentlichte.



Über Eva Schumann

Werbefinanzierte Online-Publikationen: www.tinto.de. Journalistin, Bloggerin, Autorin, Texterin und Technische Redakteurin mit Garten-/Gartenbau- sowie IT/Kommunikation-Background: www.evaschumann.biz.
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2 Antworten auf Mehrjährige Pflanzenfreude auf Balkonien und Terrassien

  1. Pingback: Winterfeste, frostsichere Pflanzgefäße | tinto bloggt

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