ASMR verspricht Entspannung und Einschlafen mit wohligem Prickeln

Viele Menschen haben Schwierigkeiten sich nach einem stressigen Tag mit Zeitdruck oder viel Bildschirmarbeit herunterzukühlen, entspannt ihre Freizeit zu genießen und am Ende des Tages ruhig ein- und durchzuschlafen. Andere kämpfen mit Ängsten und depressiven Stimmungen. Viele versuchen, sich mit ASMR-Videos selbst zu therapieren. Aber funktioniert das?

Wenn Gänseblümchen- oder Schafezählen nicht mehr ausreichen, kann ASMR vielleicht gegen Einschlafschwierigkeiten helfen.

Wenn Gänseblümchen- oder Schafezählen nicht mehr ausreichen, kann ASMR vielleicht gegen Einschlafschwierigkeiten helfen.

Autonomous Sensory Meridian Response (ASMR) ist die Reaktion des Körpers auf bestimmte Auslöser (Trigger). Diese Reaktion wird als angenehm entspannend und beruhigend empfunden, manche spüren auch ein Kribbeln oder Prickeln auf der Kopfhaut oder an anderen Körperteilen – die sogenannten Tingles, weswegen auch von Kopfkribbeln und Kopforgasmen gesprochen wird. Sexuelle Stimulation ist aber nicht der Zweck von ASMR, auch wenn einige wenige versuchen, es dazu zu nutzen. Vielmehr geht es darum, Anspannung und vielleicht auch den äußeren Panzer loszulassen, ein Gefühl der Ruhe und des Vertrauens zu empfinden.

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Wissenschaftliche Untersuchungen zu ASMR gibt es noch wenige (siehe unten The Guardian), dafür aber eine richtige ASMR-Community bei YouTube – nicht nur Videos über ASMR, sondern ASMR-Videos mit Triggern, die die gewünschten Empfindungen hervorrufen sollen.

Es gibt viele verschiedene Trigger, die von den ASMR-VideomacherInnen genutzt werden, denn bei jedem Menschen wirken andere Auslöser oder Kombinationen davon besonders gut.

Geräusche-Trigger sind beispielsweise:
langsames Flüstern,
Fingernägeltrommeln auf Glas oder anderen Oberflächen (Tapping),
Haare bürsten,
Kratzen mit einem Schwamm auf einer anderen rauhen Oberflächen,
Sand, der in einer Schale mit einem entsprechend kleinen Sandrechen gefurcht wird,
schwappende Flüssigkeiten in Behältern,
Klicken von Schaltern,
Lippen-, Ess- und Schluckgeräusche,
Fingerreibegeräusche auf der Haut, auf Buchseiten oder anderem Papier,
Seitenblättern von Büchern.

Visuelle Trigger sind beispielsweise:
langsame Bewegungen,
freundlicher Gesichtsausdruck,
Hände oder Finger, die über Oberflächen gleiten,
(als persönlich erlebte) Zuwendung (der zur Kamera ausgestreckte Arm mit direkten Blickkontakt zur Linse, das Streicheln der Kamera mit einem buschigen Pinsel etc. vermitteln diese Illusion).

Beispiel 1
Beidohrig (Binaural Triggers): Brain Melting Sleep Treatment (YouTube-Kanal: Tingting ASMR)

ASMR funktioniert nicht bei allen Menschen – wobei das Problem auch die Messbarkeit ist. Ich beispielsweise fühle bei ASMR selten ein Kribbeln, aber es wirkt auf mich beruhigend und einschlaffördernd.

Beispiel 2
Ein ASMR der anderen Art: Tesla ASMR Experience (YouTube-Kanal: Gentle Whispering ASMR)

Im Grunde ist das Prinzip von ASMR nicht neu: Manche erleben solche Gefühle, wenn sie beim Friseur sind. Ich habe früher dem Maler Bob Ross nachts auf den dritten Fernsehprogrammen mit seiner ruhigen Stimme, den Papier- und Pinselgeräuschen gelauscht, was mir beim Einschlafen half, wenn ich beispielsweise wegen eines beruflichen Projektes am nächsten Tag recht angespannt war (den Fernseher stellte ich auf Abschaltautomatik nach einer bestimmten Zeit). Heute nutze ich manchmal YouTube-Videos – mir reichen Bilder und Fressgeräusche von glücklichen Meerschweinchen, manchmal hilft auch eine langweilige Frisuren- oder Schminkanleitung, ein anderes Mal ein Podcast mit freundlichen Stimmen und nicht zu aufreibendem Thema (findet man auch alles bei YouTube). Und wenn das nicht reicht, dann suche ich nach ASMR!

Beispiel 3
Mein Geheimtipp für die Beruhigung zwischendurch: Guinea Pigs Eating Parsley | Guinea Pig Chewing ASMR (Little Adventures, Meerschweinchen-Kanal von Julia aus Deutschland in englischer Sprache)

Das Selbsttherapieren mit ASMR und anderen Mitteln hat seine Grenzen. Wer anhaltend Probleme mit dem Entspannen, Schlafen und/oder vor allem Depressionen hat, sollte unbedingt zum Arzt gehen.

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Über Eva Schumann

Lebenslanges Lernen ist mein Motto. Ich habe viele Ausbildungen (Einzelhandelskauffrau Parfümerie, abgeschlossenes Studium Gartenbau, Weiterbildung Netzwerk- und Internetmanagement, Schulungen IT, Mobilfunknetze, Programmierung, Datenbanken und mehr ) und ausgiebig Berufserfahrung gesammelt. Daneben war ich immer leidenschaftliche Hobbygärtnerin (Garten, Balkon, Terrasse) und Hobbybörsianerin (aus Begeisterung für das Internet). Ich verdiene meinen Lebensunterhalt heute als freie Journalistin, Bloggerin, Texterin, Buchautorin und Technische Redakteurin (mehr siehe www.evaschumann.biz) sowie über meine werbefinanzierten Publikationen im Internet (Portalseite www.tinto.de). Buchen Sie Werbeplatz oder bestellen Sie frische Texte, Bilder oder anderen Content bei tinto@tinto.de oder eschumann@evaschumann.biz
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