Saatgut: Wer die Saat hat, hat das Sagen. (Buchvorstellung**)

Saatgut: Wer die Saat hat, hat das Sagen - Buchcover mit Werbelink zu AmazonWer das Saatgut kontrolliert, kontrolliert nicht nur die Züchtungs- und die Anbausysteme, sondern bestimmt auch, was bei den Menschen zum Essen auf den Tisch kommt. Anja Banzhaf beleuchtet in dem beim oekom verlag erschienenen Buch „Saatgut: Wer die Saat hat, hat das Sagen.“ die Geschichte der Züchtung und die Auswirkungen. Und sie lässt die Menschen zu Wort kommen, die sich gegen die Entmündigung durch die Saatgutzüchtung – sowohl in den Industrieländern, als auch in den sich entwickelnden Ländern – auflehnen. Ein wichtiges Thema  interessant aufbereitet – absolut lesenswert!

Jahrtausende lang wurde das Saatgut von den Anbauern kontrolliert und weitergegeben. In vielen Ländern ist das bis heute so, aber in den Industrieländern wurden vor etwa 200 Jahren immer mehr kommerzielle Saatgutunternehmen gegründet und eine Arbeitsteilung zwischen Züchtung, Saatgutvermehrung und Anbau in Gang gesetzt. Weil man eine standardisierte Landwirtschaft mit großen Anbauflächen wollte, wurde 1934 in Deutschland eine Saatgutbereinigung per Verordnung durchgeführt – mit der Folge, dass 90 % der alten Sorten verschwanden und nur noch zugelassene Sorten von Saatgutunternehmen verkauft werden durften.

Den Sortenschutz, den deutsche Züchter durch Gesetze und Verordnungen des nationalsozialistischen Regimes erhielten, holten sich Züchter in anderen Ländern beispielsweise durch Hybridzüchtung, Gentechnik und/oder Anmeldung von Patenten – sogar auf Sorten, die sie sich über Biopiraterie angeeignet hatten.

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Viele der ursprünglich mal familiären Saatgutzüchter expandierten im Laufe der Jahrzehnte oder wurden von Agrarchemiekonzernen übernommen (Wie praktisch: Sie können nun [gebeiztes] Saatgut gleich im Paket mit Düngern und Pestiziden anbieten. In dieses Geschäftsmodell kann man wohl auch genetisch verändertes Saatgut, das gegen das eigene Unkrautvernichtungsmittel resistent ist, einordnen. Anmerk. d. Redaktion). Auch die Agrarchemiekonzerne bzw. Agrarmischkonzerne fusionier(t)en oder übernahmen und übernehmen sich gegenseitig. Die Folge ist, dass nun einige wenige Konzerne den gesamten Agrarmarkt einschließlich der Züchtung dominieren. Fünf der sechs größten Pflanzenschutzmittelhersteller gehören heute gleichzeitig zu den zehn größten Saatgutkonzernen! Zu den Big Playern am Saatgutmarkt gehören Monsanto, Limagrain, DuPont Pioneer, Syngenta, Winfield, KWS, Dow, Bayer und Sakata. Während Monsanto global führt, liegt das Unternehmen in Europa laut der Quellen von Banzhaf nur auf dem dritten Platz. Man findet  viele interessante Zahlen, Namen und Verbindungen im Buch.

Vom Staat geschützt und mittels Handelsabkommen wird dieses System auch in die sich entwickelnden Länder in Afrika, Südamerika, Asien etc. exportiert, wo dann die Anbauer ebenfalls entmündigt und oft genug kriminalisiert werden. Das ist nicht nur ungerecht und eine neue Art des Kolonialismus, sondern es gehen (genetische) Ressourcen verloren: Regionale bäuerliche Sorten sind oft besser an die örtlichen Gegebenheiten angepasst, gegen die dortigen Risiken widerstandsfähiger und sie haben einen Mehrfachnutzen (Beispiel Reis: die Reiskorn-Ernte zur Ernährung und das Reisstroh für das Hausdach). Die neuen hochentwickelten Sorten aber haben oft einen hohen Nährstoff- und Wasserbedarf und sind vom Saatgut bis zur Ernte in jeder Hinsicht teuerer.

Die vereinheitlichende Agrarindustrie/-politik macht die Taschen weniger Konzerne voll. Wie beim Goldrausch sind es vor allem die Ausstatter, die reich werden. Und nicht nur die Menschen vor Ort, auch die Weltgemeinschaft bezahlt den Preis dafür, beispielsweise durch

  • weniger Kulturpflanzenvielfalt,
  • Verlust genetischer Ressourcen,
  • weniger Anpassungsfähigkeit/höheres Ausfallrisiko durch weniger Vielfalt (weniger Genvielfalt innerhalb einer Sorte, geringere Anzahl der Kulturpflanzenarten und -sorten),
  • Schädigung der Umwelt und Vernichtung von Ökosystemen und Ressourcen durch die Förderung des Monokulturanbaus,
  • den höheren Bedarf an Pestiziden und Düngern, weil nützliche Organismen oberhalb und in der Erde reduziert werden,
  • für den hohen Ressourcen- und Energieeinsatz bzw. deren Vernichtung (zwar hoher Flächenertrag, aber ineffizient hinsichtlich Ressourcen- und Energie-Input/-Output)
  • Klimabelastung

Die Vielfalt bäuerlicher Anbausysteme, die nach Öko- und Nachhaltigkeitskriterien anbaut (Schlagwort „Agrarökologie“), und deren Pflanzenzüchtung würde (wenigstens als gewichtige Ergänzung) das Ganze krisensicherer, gerechter und ökologischer machen. Die Konzerne wollen aber genau das Gegenteil, sie wollen den ganzen Markt für sich und sie schicken ihre Lobbyisten überall hin, wo Gesetze aufkeimen könnten, die ihren Interessen entgegenstehen.

Als Mittel gegen die Abnahme der Kulturpflanzenvielfalt helfen die Genbanken übrigens nur bedingt, weil – wie ich neben vielem anderen durch das Buch gelernt habe – sich die ewig lang gelagerten Samen nicht weiter anpassen können, wie es bei Erhalt in Form des Anbaus lebender Pflanzen der Fall wäre. Außerdem haben selten die Anbauer aus der Ursprungsregion, sondern nur die Biotechnologen der Agrarkonzerne der Industrieländer Zugriff auf die einzelnen Sorten.

Die Saatgutkonzerne benutzen das Argument Ernährungssicherheit, um von oben den anderen ihren Weg aufzuzwingen. Die Bauern der bäuerlichen Landwirtschaft und mitkämpfende Bürger wollen emanzipatorische Ernährungssouveränität von unten nach oben.

Die kleinbäuerliche ökologische Landwirtschaft hat andere Ansprüche an die Sortenentwicklung. Sie braucht beispielsweise Sorten, die

  • gegen bodenbürtige Krankheiten resistent sind,
  • sich gegen Beikräuter selbst durchsetzen können (beispielsweise durch schnelle Bodenbedeckung nach der Aussaat),
  • mit weniger Wasser und Dünger zurechtkommen (nicht die HR-Sorten [Hochreaktionssorten] aus der Agrarindustrie),
  • lokal erprobt sind und
  • mit dem örtlichen Bodenleben in Symbiose den Boden und die Nährstoffe aufschließen,
  • einen breiten Genpool beinhalten und
  • dadurch flexibler sind und die außerdem
  • samenfest sind.

Allerdings steht auch der Ökoanbau immer stärker unter dem Leistungsdruck, vor allem die Gärtner, die über den Großhandel oder ähnliche Verteilungssysteme verkaufen, müssen heute genauso standardisiert liefern und brauchen hohe Erträge, um ein Einkommen zu haben. Im Ökoanbau wird viel diskutiert: Will/muss man tatsächlich den Weg der Intensivierung immer weiter mitgehen?

Von manchen Gemüsearten gibt es heute schon keine samenfesten Sorten mehr. Die Ökoanbauer wollen aber keine CMS-Hybriden, wie sie zunehmend üblich sind (Cytoplasmatic Male Sterility, CMS, steht für zytoplasmatisch-kerngenetische Pollensterilität). Da die Wünsche der Ökobauern den großen Agrarkonzernen egal sind, bleibt denen nichts anderes übrig, als selbst zu züchten. Das ist aber auch eine Frage des Geldes, das dafür investiert werden kann.

So ging es mir beim Lesen:

Ich habe mich zuerst innerlich gegen einige Fakten und Argumente gesträubt, musste deshalb das Buch nach einem Drittel noch einmal ganz von vorne anfangen. An einigen wenigen Stellen fand ich die Aussagen beim ersten Lesen etwas verkürzt bis populistisch, doch lösten sich meine Bedenken beim erneuten Lesen und Weiterlesen auf. Das Buch zeigt viele Argumente auf – auch die der Saatgutzüchterseite.

Ich erinnere mich: Ich habe vor dreißig Jahren kurz nach meinem Gartenbaustudium geglaubt, es sei vor allem eine Arbeitsteilung, wenn die Sortenzüchtung, Saatgutvermehrung und der Anbau von Pflanzen in verschiedenen Händen liegen. Vielleicht war es das zu dem Zeitpunkt auch noch bzw. ist es bei uns auch in manchen Sparten so. Von den Gärtnern, die ich kenne oder kannte, hat kaum einer eine eigene Sortenzüchtung oder Saatgutvermehrung betrieben bzw. nur für einzelne „Familiensorten“, mit denen man sich beim Feinkost-Kunden profilieren konnte. Ich bin zwar der Meinung, dass Arbeit – also auch die Saatgutzüchtung – angemessen bezahlt werden muss, doch ist es richtig, dass der Staat seit der Nazizeit die Geschäftsmodelle der Saatgutzüchter durch sehr strenge Vorgaben schützt? Erst recht, nachdem die Saatgutzüchter immer mehr in die Hände von Chemiegiganten gegangen sind und der Markt von wenigen beherrscht wird?

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Wieso schützen die Industriestaaten diese Unternehmen immer noch in so einem Ausmaß, sichern ihre Geschäftsmodelle ab, obwohl diese auf Kosten der bäuerlichen Landwirtschaft, der Umwelt, der Ernährungspflanzenvielfalt, der Anpassungsfähigkeit an Veränderungen gehen und sie Standardisierung und Monokulturen propagieren? Dabei weiß man doch seit Jahrzehnten, dass das kontraproduktiv ist. Warum fördert man sie sogar durch entsprechende internationale Abkommen und vernichtet jegliche Konkurrenz? Weil sie mit Argumenten aufwarten, die Politiker fachlich oft nicht durchschauen? Weil diese Unternehmen wahnsinnig viel Geld haben, mit denen sie Politiker auf ihrer Linie fördern? Weil ihre Lobbyisten direkten Einfluss bei der Gesetzesgebung haben?

Mich erinnerte dieses Diktat der Sortenbereinigung und der Zertifizierung übrigens an die frühen Zeiten von Flussbegradigungen und Flurbereinigungen, als man alles auf ordentlich trimmte und die wichtigen Funktionen von „Unordentlichkeit“ (Biegungen, die die Geschwindigkeit verringern, und Soll-Überschwemmungsflächen) und „Komplexität“ (wie die Reduzierung der Windgeschwindigkeit durch Hecken, die ökologische Bedeutung von Feldrandbewuchs und ihren Bewohnern) übersah. Bei der Flurbereinigung hat man inzwischen ein bisschen dazugelernt. Wird man es auch beim Sortenschutz- und Saatgutverkehrsgesetz lernen, bevor es zu spät ist?

Die Autorin Anja Banzhaf hat Geografie, Ressourcenökonomik und Botanik studiert und Erfahrungen in einer Samengärtnerei gesammelt. Sie ist Garten- und Saatgutaktivistin und sie setzt sich für eine kleinbäuerliche und solidarische Landwirtschaft ein. Mit dem Buch will sie Denkanstöße geben und aufrütteln, genauer hinzuschauen – vor allem angesichts der aktuellen Überarbeitungen des EU-Saatgutrechts und der eigentlich nicht erlaubten Patentierungsversuche einiger Saatgutzüchter.

In dem Buch geht es um mehr als nur um das Saatgut und Sortenvielfalt.
Es geht um Selbstbestimmung der Menschen und um die Begrenzung der Macht der Agrarindustrie. Die Ernährungssouveränit muss bei den Menschen liegen, sie müssen entscheiden dürfen, welches Essen und welches Pflanzenzüchtungs- und Anbausystem sie möchten. Vielfalt sollte gefördert werden.

Das Buch gliedert sich in drei Hauptkapitel. Die ersten beiden beschreiben überwiegend die Geschichte der Saatgutzüchtung und der Anbausysteme. Das dritte Kapitel lässt Menschen aus allen Teilen der Welt zu Wort kommen und beschreiben, wie sie sich die Ernährungssouveränität nicht wegnehmen lassen oder sie zurückholen wollen.

Die Schwierigkeit bei diesem Thema ist, die ganze Welt unter einen Hut zu bringen. Es gibt Unterschiede zwischen den Ländern der verschiedenen Erdteile, zwischen Industrieländern und sich entwickelnden Ländern, zwischen ehemaligen Kolonien und ehemaligen Kolonialherrschern usw. Tatsächlich gibt es große Unterschiede von Land zu Land selbst innerhalb Europas, was die Geschichte und den heutigen Stand der Unterwerfung unter die Interessen der Agrarindustrie betrifft.

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Eine faire Lösungsmöglichkeit für die Problematik, die auch im Buch vorgestellt wird, könnte sein, neben dem regulierten Saatgutmarkt auch einen unregulierten zuzulassen. Wer zertifiziertes Saatgut kaufen möchte, kann das tun. Alle Sorten, auf denen kein Sortenschutz liegt, dürften aber von jedem vermehrt und auch (als nicht-zertifiziertes Saatgut) verkauft werden – natürlich klar als solches deklariert. Der Käufer (Hobbygärtner oder Erwerbsgärtner) entscheidet selbst, wann und ob er zertifiziertes Saatgut (klar unterscheidbar, einheitlich, stabil über Generationen) kaufen möchte oder eben nicht.

Mein persönliches Fazit:
Das Buch ist sehr empfehlenswert für Anbauer aller Art und alle Menschen, die bei den Themen Saatgut, Agrarindustrie, ökologischer Anbau, Entwicklungszusammenarbeit und angrenzenden Themengebieten mitreden möchten.

Saatgut: Wer die Saat hat, hat das Sagen*
Anja Banzhaf
oekom verlag** 2016
ISBN: 978-3-86581-781-5

* Werbelink zu Amazon
** Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten

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Heimische Pflanzen für den Garten (Rezension**)

Cover von Heimische Pflanzen für den Garten mit WerbelinkEndlich hat ein Verlag dieses Trendthema aufgegriffen, denn es liegt vielen Gartenbesitzern und Hobbygärtnern am Herzen. Sie möchten die heimische Flora und Fauna fördern und gleichzeitig einen schönen Garten haben. Gerade in kleinen Gärten ist es aber oft schwierig, eine Vielfalt geeigneter mehrjähriger Pflanzen (Stauden und Gehölze) zustande zu bekommen, weil die heimischen Arten oft einfach zu groß sind. Nun ist beim Ulmer Verlag ein Buch von Elke Schwarzer erschienen, das vielen ein hilfreiches Nachschlagewerk sein wird:

Elke Schwarzer
Heimische Pflanzen für den Garten:
100 Blumen, Sträucher und Bäume für mehr Artenvielfalt
*
Verlag Eugen Ulmer 2016
128 Seiten, broschiert
ISBN 978-3-8001-8455-2

Was mir sehr gut gefällt
Das Buch wird vielen Hobbygärtnern helfen, Stauden und Gehölze für kleine Gärten oder enge Gartenbereiche zu finden, die auch Bienen, Hummeln und Schmetterlingen etwas zu bieten haben.
Man merkt an vielen Stellen deutlich, dass hier jemand eigene Erfahrungen weitergibt. Wie die Autorin in der Einleitung schreibt, kämpft sie selbst seit Jahren mit der Beschränktheit eines kleinen Reihenhausgartens. Mir persönlich gefällt, dass der Ton nicht dogmatisch und die Schreibweise der Autorin auf angenehme Weise unterhaltsam ist.

Kleine Kritikpunkte
Was mir persönlich im Buch ein wenig fehlte, sind

  • Informationen über die Autorin – ich habe aber herausgefunden, dass sie Biologin ist.
  • Mehr Informationen, was mit „heimisch“ normalerweise und hier im Speziellen gemeint ist.
  • Was ist mit Sommerblumen?
  • Da es um geeignete Pflanzen für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge usw. geht, wären mehr Informationen hilfreich, wer von diesen im kleinen Garten überhaupt Einzug halten kann und wer von ihnen was genau braucht (je nach Rüssellänge, Futterpflanzen im Larven- und Erwachsenenstadium, wer braucht welche Art Versteck oder Überwinterungsplatz etc.).

Mein Fazit
Das Buch ist auf jeden Fall empfehlenswert. Es ist unterhaltsam geschrieben und enthält eine schöne Auswahl an langlebigen Pflanzenarten und Sortenempfehlungen für kleine Gärten. Es hätte ruhig noch umfangreicher sein können – siehe meine kleinen Kritikpunkte.

* Werbelink
** Der Ulmer-Verlag hat mir auf meinen Wunsch ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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Zinnie – erste Blume, die im All blüht

Dass Pflanzen mit der richtigen Technik an jedem Ort auf der Erde kultiviert werden können, zeigen uns manche Ausprägungen des Urban Farmings (urbane Landwirtschaft/Gartenbau), beispielsweise der Anbau in isolierten, umgebauten Frachtcontainern (Containerfarm) oder in fensterlosen Räumen (Pflanzenfabriken) mit künstlichem Licht, in Hydroponik (in wässriger Nährlösung ohne Erde), mit geregelter Temperatur sowie kontrollierter Luft- und Nährlösungszusammensetzung etc.

Zinnie pink

Zinnien gehören zu den Korbblütlern und sind beliebte Zierpflanzen für Gartenbeete und Balkonkästen an sonnig warmen, geschützten Standorten mit gut durchlässigem Boden.

Aber, wie wir in der Schule in Biologie gelernt haben, orientieren sich Pflanzen auch an der Schwerkraft (Gravitation). Auf der Internationalen Raumstation (International Space Station, ISS) wird neben vielem anderen untersucht, was Pflanzen tun, wenn es keine Erdanziehung, sondern nur Mikrogravitation (eine Beinahe-Schwerelosigkeit) gibt – nicht zuletzt, um sehr lang dauernde Expeditionen, beispielsweise zum Mars, sowie eine Besiedelung vorzubereiten bzw. die Möglichkeit zu untersuchen.

Salat und Weizen wurden schon im All auf der ISS angebaut, aber noch nie hat dort eine Blume geblüht. Der amerikanische Astronaut Scott Kelly, der ein Jahr lang auf der ISS sein wird, gab am 16. Januar 2016 auf Twitter bekannt, dass eine orangefarbene Zinnie auf der ISS blüht – im Weltall und ohne Schwerkraft! Hier ist der Tweet samt Bild der ISS-Zinnie zu sehen.

„Die Zinnie ist gegenüber Umweltparametern und Lichtverhältnissen sensibler als Salat“, wird Trent Smith, der Projektmanager der Veggie-Versuchseinrichtung auf der ISS vom Nasa-Blog zitiert. „Die Wachstumsphase dauert 60 bis 80 Tage. Sie ist schwieriger anzubauen und zur Blüte zu bringen, und mit der längeren Wachstumsdauer eignet sie sich als Vorreiter für Tomatenpflanzen.“

Aber die Zinnie hat man nicht nur als Versuchspflanze gewählt, um den Wissenschaftlern neue Erkenntnisse zu ermöglichen, sondern auch, weil Blumen die Stimmung aufhellen können – besonders an isolierten und extremen Orten, wo alles künstlich ist. Einigen Wissenschaftlern gefällt zudem die Beschäftigung mit Pflanzen. Verständlich!

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Weitere Informationen

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Hülsenfrüchtler – eine bedeutsame Pflanzenfamilie

Blüte einer Stangenbohne

Blüten der Stangenbohne ‚Blauhilde‘

Die Vereinten Nationen haben 2016 zum Internationalen Jahr der Hülsenfrüchte ernannt. Hülsenfrüchte sind die Früchte der Hülsenfrüchtler (Leguminosen) – wichtige Nahrungs- und Futterpflanzen für Mensch und Tier, außerdem Bodenverbesserer und Stickstoffsammler. Darüber hinaus gehören auch Bäume, Sträucher und Zierpflanzen zu den Hülsenfrüchtlern. Wissenswerte Informationen zu Hülsenfrüchtlern und Sortenempfehlungen für Hülsenfrüchte.

Hülsenfrüchte und Hülsenfrüchtler als Nahrungspflanzen für Mensch und Tier

Hülsenfrüchtler sind Pflanzen die Hülsenfrüchte ausbilden. Dazu gehören sehr wichtige Nahrungspflanzen für den Menschen, beispielsweise Bohnen, Erbsen, Sojabohnen, Linsen, Kichererbsen, Erdnüsse und Lupinen, sowie Futterpflanzen und Weidepflanzen für Wiederkäuer, Schweine und andere Tiere, beispielsweise Futtererbsen, Ackerbohnen, Klee, Futterwicke. Meist sind die Blüten der Hülsenfrüchtler auch noch für Insekten wie Honigbienen, Hummeln und Schmetterlinge bedeutend.
Bei manchen Hülsenfrüchtlern werden die ganzen Früchte verzehrt (Zuckererbsen, grüne/blaue Bohnen), bei anderen nur die Kerne (Erbsen, Linsen). Einige Hülsenfrüchte können roh verzehrt werden (frische oder frisch eingefrorene Erbsen), andere müssen vorher gekocht werden (Bohnen), sonst sind sie giftig.

Bedeutung für die Welternährung

In Lateinamerika, Afrika und Asien kennt man die vielfältigen Vorteile der Hülsenfrüchte, doch ihr Anbau könnte sich noch mehr verbreiten und die Welternährung verbessern. Zwar ist die biologische Eiweißqualität im Vergleich mit Fleisch nicht besonders hoch, lässt sich aber durch die Kombination mit Getreide aufwerten. Gerade bei fleischarmer oder fleischloser (vegetarischer, veganer) Kost sind diese pflanzlichen Eiweißlieferanten sehr hilfreich. Darüber hinaus sind sie ballaststoffreich und liefern Vitamin B1, B2, Calcium und Eisen. Die Inhaltsstoffe werden durch Keimen ebenfalls erhöht – so kann man beispielsweise aus Linsen, Kichererbsen, Sojabohnen, Mungbohnen und anderen Keimsprossen herstellen.

Nicht zu empfehlen sind Hülsenfrüchte für Menschen mit Magen- und Darmerkrankungen (da sie durch den hohen Ballaststoffgehalt Blähungen hervorrufen) sowie bei erhöhtem Harnsäurespiegel (Gicht).

Was Hülsenfrüchte als Gemüse auch so beliebt und hilfreich für die Ernährungssicherheit macht, ist ihre Lagerbarkeit – sowohl getrocknet als auch als Konserven. Getrocknete Hülsenfrüchte weicht man am besten über Nacht ein, kippt das Einweichwasser weg und kocht sie dann am schnellsten und energiesparendsten im Dampfdrucktopf. Salz und Essig sollte man erst zum Schluss hinzufügen.

Kleine Geschichte nebenbei:
Auf eine meiner Reisen in jungen Jahren traf ich in Papeete/Tahiti (Französisch Polynesien) eine junge Amerikanerin, die per Anhalterin auf einem Segelboot von Kalifornien aus angereist war. Sie und ihr Kapitän hatten zwei Monate für die Überfahrt über den Pazifik gebraucht. Überstanden haben sie die lange Reise dank reichlicher Reis- und Bohnenvorräte. Und anscheinend bekommt man die auch nicht über, denn sie bot mir sofort an, das Gericht mal für mich zu kochen.

Hülsenfrüchtler als Stickstoffsammler und Bodenverbesserer

Gründüngung

Hülsenfrüchte eignen sich sehr gut zur Gründüngung (in der Landwirtschaft Zwischenfrucht genannt). Sie verhindern durch die Bodenbedeckung die Bodenerosien (den Abtrag des Bodens durch Wasser oder Wind) sowie die Auswaschung von Nährstoffen. Sie binden durch ihre Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobien) sogar Stickstoff aus dem Boden und sparen dem Gärtner oder Landwirt dadurch Dünger. Sie verbessern durch die Durchwurzelung den Boden – schließen ihn auf, führen ihm organische Substanz zu und erhöhen sein Wasser-, Luft- und Nährstoffspeicherermögen.

Hülsenfrüchte sind besonders gesprächig

Damit sind nicht die Tönchen der Böhnchen gemeint, sondern die Zusammenarbeit der Leguminosen mit den stickstoffbindenden Knöllchenbakterien und anderen Mikroben in ihrem (Wurzel-) Umfeld (deren Gesamtheit wird Mikrobiom genannt). Die Hülsenfrüchtler kommunizieren nämlich reichlich über ihre Wurzelabsonderungen (Proteine, Kohlenhydrate, organische Säuren, Phenol, Phytohormone u. Ä.). Beispielsweise können sich solche Ausscheidungen bei Stress, zum Beispiel bei Trockenheit, erhöhen und das wiederum ruft bei den Mikrolebewesen Reaktionen hervor, die der Pflanze helfen. Die stickstoffbindenden, pflanzenwachstumsfördernden Rhizobien wiederum kommunizieren mit der Pflanze und teilweise mit anderen Mikroben über Phytohormone, Acyl-Homoserin-Lacton, Phenole, Peptide und andere Stoffe. Eine Pflanze, vor allem eine Hülsenfrüchtlerpflanze, ist also nicht alleine, sondern hat ihr eigenes Ökosystem.

Hülsenfrucht-Gemüse für Garten, Balkon, Terrasse und Fensterbank (Beispiele)

Dicke Bohnen (auch Saubohnen, Ackerbohnen, Puffbohnen genannt)
Sie gehören zu den Wicken (Vicia) und eignen sich als Nahrungs- und Futtermittel sowie als Bodenverbesserer. Schon ab Mitte/Ende Februar können sie ins Freiland gesät werden. Beliebte Sorten für den Garten sind ‚Frühe Weißkeimige‘ und ‚Dreifach Weiße‘.

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Buschbohnen (Phaseolus vulgaris var. nanus) Sie eignen sich besonders für den Anbau im Beet. Da sie frostempfindlich sind, werden sie erst ab Mai ausgesät. Beliebte Sorten sind beispielsweise ‚Saxa‘, ‚Lasso‘ und ‚Delinel‘. Stangenbohnen (Phaseolus) Sie können im Beet, aber auch in Kübeln angebaut werden. Ausgesät werden sie ab Mai. Die Sorte ‚Blauhilde‘ hat blaue Hülsen, die sich beim Kochen grün färben. Andere beliebte Sorten sind ‚Neckarkönigin‘, ‚Perle von Marbach‘ und ‚Neckargold‘.

Stangenbohne Blauhilde im Kübel

Blaufrüchtige Bohnensorten wie die ‚Blauhilde‘ färben sich beim Kochen grün. Diese Pflanzen wurden im Kübel angebaut.

Erbsen Sie kann man ab März ins Beet aussäen. Dafür eignen sich beispielsweise ‚Feltham First‘ und die ‚Kleine Rheinländerin‘ (Schalerbsen). Ab April kann man ‚Ambassador‘ und ‚Lancet‘ (Markerbsen) aussäen. Wer experimentierfreudig ist, kann aus gekauften getrockneten Erbsen Erbsen-Grünkraut im Topf heranziehen.

Kichererbsen Diese Hülsenfrüchte sind vorwiegend in Südwestasien verbreitet. Sie mögen ein warmes, sonniges Klima und kommen mit wenig Wasser zurecht. Der Anbau gelingt bei uns am ehesten im Weinbauklima und/oder im Kleingewächshaus. Dazu werden ungeröstete getrocknete Kichererbsen auf der Fensterbank oder im Gewächshaus vorgezogen und später verpflanzt oder direkt ausgesät, wenn kein Frost mehr zu erwarten ist. Geerntet werden entweder die grünen Schoten, die dann wie grüne Bohnen verwendet werden, oder die ganze verwelkte Pflanze, die dann getrocknet wird, bis die Schoten ihre Samen freigeben. Aus Kichererbsen lassen sich auch Keimsprossen ziehen – dafür wird Bio-Saatgut im Gartenfachhandel angeboten.

Hülsenfrüchtler überall

Nicht nur wertvolle krautige Futter- und Nahrungspflanzen sowie Bodenverbesserer, auch wunderschöne und nützliche Bäume und Zierpflanzen gehören zu den Hülsenfrüchtlern. Die einen sind Holzlieferanten, andere wichtig als Bienenweidepflanzen oder zur Klimaverbesserung in Städten. Sogar Heilpflanzen sind unter den Hülsenfrüchtlern. Hier einige Beispiele.

Blüten und Blätter von Erythrina crista-galli

Blüten und Blätter von Erythrina crista-galli – einer beliebten Kübelpflanze

Bäume: Robinie (Wiederaufforstung auf nährstoffarmen, warmen Standorten, Stadt-Bienenweidepflanze), Dalbergia und Machaerium-Arten (Palisanderholz-Lieferanten ), Korallenbäume (Erythrina – bei uns oft als Kübelpflanze) Sträucher: Ginster, Goldregen Blumen: Duftwicke (eigentlich eine duftende Platterbse), Feuerbohnen (rankende Pflanzen mit roten Blüten und essbaren Früchten) Heilpflanze: Wundklee (Anthyllis) Färbepflanze: Indigo (Indigofera)

Aber Vorsicht: manche Hülsenfrüchtler sind giftig!

Während man Zuckererbsen roh essen kann, müssen Bohnen zuerst gekocht werden, denn sie enthalten u. a. den Giftstoff Phasin, der erst durch Kochen zerstört wird. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die Bohnen mindestens 15 Minuten bei 100 Grad Celsius zu kochen.

Zu den Giftpflanzen gehören u. a. auch die Paternostererbse (Abrus precatorius), der Blauregen (Glyzinie, Wisteria) und der Goldregen (Laburnum anagyroides).

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