Unkraut im Garten? Lieber aufessen als Gift spritzen!

Dort, wo (bestimmte) Pflanzen unerwünscht sind, versucht man sie loszuwerden, beispielsweise Konkurrenzpflanzen im Beet oder versamte Pflanzen in Ritzen zwischen Wegplatten. Vielen Hobbygärtnern ist gar nicht bewusst, dass sie mit einem Fuß im Kittchen stehen, wenn sie Unkrautvernichtungsmittel auf Wegen oder außen am Zaun entlang spritzen. Aber nicht nur dort, ist es besser, alternative Unkrautbekämpfungsmöglichkeiten zu nutzen. Der besondere Tipp gegen Unkraut im Garten: aufessen!

Löwenzahn und Gänseblümchen im Rasen

Löwenzahn und Gänseblümchen im Rasen

Als ökologischer Gärtner verzichtet man prinzipiell auf sie, aber manch ein Hobbygärtner greift doch manchmal zum Unkrautvernichtungsmittel (Herbizid), wenn Pflanzen an unerwünschten Stellen wachsen. Die Anwender hoffen auf eine schnelle Lösung mit wenig körperlichem Aufwand. Dabei setzen sie Unkrautmittel nicht nur gegen Unkraut im Rasen und unter Bäumen ein, sondern auch gegen Pflanzen, die zwischen den Wegplatten in der Einfahrt oder auf der Terrasse hervorsprießen, sowie gegen Winden und Giersch, die durch den Zaun hindurch aus dem Garten hinauswachsen wollen. Dabei ist das gar nicht erlaubt!

Anzeige

Zwar gibt es Unkrautmittel, die im Haus- und Kleingarten zugelassen sind, beispielsweise solche gegen Unkräuter im Rasen (mit und ohne Düngerzusatz) oder Unkräuter unter Apfelbäumen. Aktuell sind es sogar 270 zugelassene Herbizide – sogar das glyphosathaltige Unkrautmittel namens Round-up ist dabei, das derzeit viel diskutiert wird, weil unsere gesamte Umwelt einschließlich wir selbst schon davon durchsetzt sind. Aber einsetzen darf man diese Mittel streng genommen nur da, wo es von der Zulassung her eine Indikation (ein ausdrücklich genanntes Einsatzgebiet) gibt und nur dann, wenn es sich dabei auch um einen gärtnerisch genutzten Bereich handelt. Einfahrten zur Garage, Wege, Zäune oder die Ritzen außerhalb des Gartenzaunes sind aber keine gärtnerisch genutzten Bereiche. Also ist das Spritzen von Herbiziden dort nicht erlaubt.

Klar, man kann sich fragen, warum „Wege“ überhaupt eine mögliche Indikation sind und auf der Packung stehen, denn sie sind ja nie gärtnerisch genutzt. Die Antwort gibt Thomas Schuster im Gartenratgeber: Dadurch dass die Indikation aufgeführt ist, ist sie prinzipiell genehmigungsfähig und man kann eine Genehmigung beantragen – wird aber kaum Erfolg damit haben, weil diese Sache nicht im öffentlichen Interesse ist.

Anzeige

Alternative Unkrautbekämpfungsmöglichkeiten

Die andere Frage ist, ob man Herbizide im Hausgarten überhaupt braucht. Alternative Maßnahmen zum Unkrautvernichtungsmittel im Hausgarten gibt es viele:

Hacken (gerade in Gemüse- und Staudenbeeten die beste Wahl),
Herausreißen (ebenfalls),
Mulchen (mit Rindenmulch, Folie o. A., siehe auch Mulchen im Garten)
Abmähen (aussamende Unkräuter vor der Blüte),
Herauskratzen (von Erde und Unkraut aus Ritzen)
Heißes Wasser, Heißluft (für frisch ausgesamte Unkräuter in Ritzen),
Abflammen (flächig oder punktiert je nach Unkrautbrenner-Gerät – Vorsicht am Haus oder wo hitzeempfindliche Materialien erreicht werden können.)

Anzeige

Gesunde „Unkräuter“ aus dem Garten

Was der eine als Unkraut bezeichnet, ist für den anderen eine Delikatesse: Wildkräuter sind nicht nur für Kaninchen, sondern auch für Menschen empfehlenswert, denn sie sind besonders vitamin- und mineralstoffreich – meist wesentlich gehaltvoller als beispielsweise Kopfsalat.

Wildpflanze Wann ernten Was verwenden Wie zubereiten
Brennnessel April bis Juni Blätter Gemüse, Suppe, Tee
Giersch vor der Blüte Blätter Salat, Gemüse, Suppe
Löwenzahn März bis April Blätter Salat, Löwenzahnhonig
Vogelmiere ganzjährig ganze Pflanze Salate, Gemüse, Suppe

Anzeige

Wiesenschaumkraut (hier im verwilderten Rasen) bietet Nektar für den Admiralfalter und Futter für seine Raupen

Unkräuter als Raupenfutterpflanzen

Manche Unkräuter sind als Raupenfutterpflanzen wichtig und nur wer Raupenfutterpflanzen im Garten oder in der Nähe hat, kann auch Schmetterlinge haben:

Schmetterling: Raupenfutterpflanze
Admiral, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge: Große Brennnessel
Schwalbenschwanz: Wilde Möhre und andere Doldenblütler
Bläuling, Tintenfleck: Wundklee, Hufeisenklee, Hornklee
Aurorafalter: Wiesenschaumkraut
Mittlerer Weinschwärmer: Weidenröschen, Echtes Labkraut
Distelfalter: Eselsdistel
Zitronenfalter: Gemeiner Kreuzdorn

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige


Veröffentlicht unter Garten und Pflanzen, Küchenpraxis und Rezepte, Mitreden, Öko-/Bio-Themen, Pflanzenschutz, Wohnen und Garten | Verschlagwortet mit , , , , , | 2 Kommentare

Fernmitgliedschaft im Golfclub

Günstig Golf spielen mit einer Fernmitgliedschaft bei Start2GolfKennzeichnung siehe unten bei *

Golfen ist mittlerweile ein Volkssport und auch die Preise für eine Golfmitgliedschaft und die Golf-Ausrüstung werden immer attraktiver.

Golfen ist inzwischen ein Volkssport

Der Einstieg ins Golfspielen wird immer einfacher und preiswerter.

Die hohen Aufnahmegebühren vieler Golfclubs gehören der Vergangenheit an und es gibt jetzt sehr günstige Alternativen zu einer regulären Golf-Mitgliedschaft. Das Angebot von Start2Golf bietet beispielsweise eine sehr günstige Fernmitgliedschaft für nur € 89,- zuzüglich € 49,- Verbands- und Sportbeitrag.

Mit dieser Mitgliedschaft erhält man einen offiziellen Golf-Ausweis des Deutschen Golf Verband e.V. inklusive der Handicap-Administration. Als Golf-Spieler kann man auf den vielen Golfplätzen in Deutschland gegen eine Gebühr (das sogenannte Greenfee) Golf spielen. Man benötigt jedoch einen Mitgliedschaftsnachweis im Form eines DGV Golf Ausweises, um die eigene Spielstärke zu belegen.

DGV-Ausweis von Start2Golf

DGV-Ausweis von Start2Golf (Muster)

Eine Fernmitgliedschaft bietet eine flexible und preiswerte Form der Golf-Mitgliedschaft. Für Golfer, die weniger als 15-mal pro Jahr Golf spielen, ist eine reguläre Mitgliedschaft in einem Golfclub für beispielsweise € 1.000,- pro Jahr zu teuer. Neben dem Golf spielen verlangen auch viele andere Hobbys, die Familie und die Arbeit viel Zeit ab. Für alle Golfer mit akutem Zeitmangel ist eine flexible und preiswerte Fernmitgliedschaft meist die beste Wahl, denn man zahlt nur so viel, wie man auch spielt.

Neben der Möglichkeit gegen Greenfee Golf zu spielen, können Fernmitglieder auch an allen Golf-Turnieren in Deutschland teilnehmen. Die Turnier-Ergebnisse werden automatisch an Start2Golf weitergeleitet und das neue Handicap verwaltet. Das Angebot von Start2Golf ist eine Idee der drei Golfclubs Hamburg Gut Waldhof, Golfpark Berlin Prenden und Golfpark Soltau. Es stehen somit über 100 Jahre geballte Golf-Erfahrung und ein freundliches und professionelles Team im Club-Sekretariat zur Verfügung. Die Golfclubs sind in den Metropolen Hamburg und Berlin überaus beliebt und stehen für ausgezeichnete Qualität und Service.

Bei Abschluss der Fernmitgliedschaft erhält man zusätzlich die Möglichkeit, zwei oder vier Greenfee Gutscheine für nur € 24,50 pro 18-Loch-Greenfee dazu zu ordern. Diese Greenfees können in den drei Partnerclubs genutzt werden. Ebenfalls erhält man zu jeder Fernmitgliedschaft einen 10%-Rabattcode bei all4golf, Deutschlands größtem Online Golf Shop. Somit spart man noch mal zusätzlich beim Kauf der neuen Golfschläger.

Start2Golf - ein guter Einstieg

Einstieg ins Golfspielen innerhalb von 24 Stunden

Start2Golf bietet einen sehr schnellen 24-Stunden-Service an: Bei Beantragung der Mitgliedschaft erhält man das Handicap-Stammblatt garantiert innerhalb von 24 Stunden per E-Mail. Mit diesem Stammblatt kann man bereits sofort in Golfclubs spielen, da dieser als Nachweis der Mitgliedschaft dient.

Eine Fernmitgliedschaft bietet somit für Wenig-Spieler und Anfänger das Angebot mit dem besten Preis- / Leistungsverhältnis. Auch Golf-Einsteiger, die gerade erst kürzlich ihre Platzreife absolviert haben, können sich somit in Ruhe umschauen und die Golfclubs in der Nähe testen, bevor sie sich für eine reguläre Mitgliedschaft entscheiden.

Alle Infos und den Online-Antrag zur Fernmitgliedschaft gibt es auf www.fernmitgliedschaft-golf.de

* Sponsor-Posts sind informative Gastartikel meiner Werbepartner

Veröffentlicht unter Geld sparen, Gesundheit, Golfen | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentare deaktiviert für Fernmitgliedschaft im Golfclub

Monsanto in meinem Garten?


Als Hobbygärtner oder Selbstversorger legt man besonders viel Wert auf Qualität – vor allem auf die innere Qualität. Wenn man sich schon die (schöne) Arbeit macht und Gemüse selbst anbaut, dann soll es auch gesund und frisch auf den Tisch kommen. Und beginnend vom Saatgut über die Pflege bis zur Ernte möchte man ein gutes Gefühl haben bei allem, was man tut oder verwendet. Nun fragen sich manche Hobbygärtner, wie sie Gemüsesorten von Monsanto und anderen Agrarmischkonzernen meiden können.

Es gibt viele Gartenfreunde und Saatgutaktivisten, die gegen die Agrarindustrie allgemein und ganz besonders gegen Monsanto sind. Seit einigen Jahren kursieren Gerüchte, dass die bekannten Hobbygärtner-Saatgutmarken wie Sperli, Kiepenkerl, Wyss oder Gärtner Pötschke Saatgut von Monsanto verkaufen. Was steckt dahinter?

Sorten für den Garten

Wie finde ich die richtige Sorte, wenn ich bestimmte Züchter vermeiden will?

Monsanto in meinen Beet?

Tatsächlich ist es so, dass De Ruiter, ein holländisches Unternehmen, das 1945 als Saatgutvermehrer und –händler begann und später sehr erfolgreich Tomaten-, Auberginen- und andere Gemüsesorten selbst züchtete, 2008 von Monsanto gekauft wurde. Ähnliches war ein paar Jahre zuvor mit Seminis passiert. Dadurch stammten plötzlich Sorten, die oft schon lange in den (Hobby-)Gärtnersortimenten enthalten waren, aber auch neue Sorten von einem Monsanto-Tochterunternehmen. Allerdings waren nie alle Sorten eines Hobbygärtner-Saatgutsortiments von De Ruiter, sondern nur ein Teil, denn jede dieser Hobbygärtnermarken sucht (entweder selbst oder lässt von einer Drittfirma suchen) für sein Sortiment bei verschiedenen Züchtern nach besonders guten Sorten, die sie ihren Kunden anbieten wollen. Oft testen Sie diese Sorten auf einem eigenen Testgelände.

Wer also keine Sorten im Garten haben möchte, die von einem Monsanto-Tochterunternehmen (oder von jemand anderem, den man – warum auch immer – boykottieren möchte) stammen, muss in der EU-Sortendatenbank (Plant Variety Database) recherchieren, von wem eine Sorte gezüchtet wurde bzw. wer als Maintainer in die Datenbank eingetragen ist (Anleitung: Wer hat meine Gemüsesorte gezüchtet? So nutzt man die EU-Pflanzensortendatenbank). Als nächstes muss man dann noch herausfinden, ob dieser Züchter zu Monsanto, zu einem anderen ungeliebten Unternehmen oder nur sich selbst gehört – und ob einem dessen Unternehmenspolitik gefällt. Monsanto-Tochterunternehmen, die bei uns Gemüsesaatgut anbieten, sind De Ruiter und Seminis (laut Wikipedia wurde Seminis 2005 von Monsanto für über 1 Milliarde US-Dollar gekauft, De Ruiter 2008 für 546 Millionen).

Ich habe heute die Sorten der beliebten Hobbygärtner-Saatgutmarken wieder stichprobenartig geprüft und nur vereinzelt Sorten von De Ruiter oder Seminis gefunden. Mein persönlicher Eindruck war, dass es weniger sind als 2012, als ich das erste Mal für das Thema recherchierte und darüber schrieb (Monsanto als ungebetener Gast im Garten?). Die Sortimente scheinen mir bunt gemischt mit Sorten verschiedener Saatgutzüchter. Wem es wichtig ist und wer auf Nummer Sicher gehen will, dass ein bestimmter Züchter nicht gerade seine gewünschte Sorte gezüchtet hat, prüft selbst. Schöner wäre es natürlich, wenn der Züchter/Sortenerhalter lt. EU-Datenbank sowie – falls vorhanden – das „Elternunternehmen“ gleich auf der Saatgutpackung aufgedruckt oder online in der Beschreibung enthalten wäre.

Agrarindustrie im Beet?

Zwar ist für viele Garten- und Saatgutaktivisten das amerikanische Unternehmen Monsanto das Feindbild schlechthin und ein Synonym für die Agrarindustrie, und tatsächlich ist das Unternehmen global der größte Player am Saatgutmarkt (vor Limagrain, DuPont Pioneer, Syngenta, Winfield, KWS, Dow, Bayer und Sakata), steht in Europa aber erst an dritter Stelle nach DuPont Pioneer und KWS. (KWS ist ein deutsches Unternehmen aus Magdeburg und in der Kritik wegen seiner Gentechnikaktivitäten. KWS kooperiert mit Monsanto, BASF und anderen [beispielsweise entwickeln sie Zuckerrüben, die gegen Glyphosat/Roundup tolerant sind]. Andererseits entwickelt KWS auch Sorten für den Öko-Landbau.)

Apropos: Fünf der sechs größten Pflanzenschutzmittelhersteller gehören gleichzeitig zu den zehn größten Saatgutkonzernen! (Quelle: Saatgut. Wer das Saatgut hat, hat das Sagen).

Wer also die Agrarindustrie allgemein oder Agrar-Unternehmen, die sowohl chemische Pflanzenschutzmittel als auch (in anderen Ländern genverändertes) Saatgut herstellen und verkaufen, aus dem Garten halten möchte, muss für jede Sorte, die er kauft,

  1. recherchieren, wer der Züchter/Sortenerhalter ist (EU-Datenbank)
  2. und dann (auf der Firmen-Website/Über uns/Geschichte oder bei Wikipedia) versuchen, herauszubekommen, ob dieser Züchter zu einem Konzern gehört, den er/sie warum auch immer boykottieren will.

Anzeige

Mehr Hintergründe

Zwei Dinge, die immer wieder zu Missverständnissen führen:

  1. Das Wort Zucht bedeutet je nach Zusammenhang etwas anderes, beispielsweise:
    • Sortenzucht: Selektieren und Kreuzen zur Schaffung neuer Sorten (die klassische Methode), genetisch veränderte Gemüsesorten gibt es bei uns nicht im Gartenhandel.
    • Züchten wird oft auch als Synonym für Vermehren verwendet: aus wenig Saatgut über Anbau und Saatguternten viel Saatgut machen,
    • Jungpflanzenanzucht: junge Pflanzen aus Samen oder Pflanzenteilen heranziehen, die man dann selbst auspflanzt oder verkauft,
    • Pflanzenzucht wird oft auch synonym fürs Gärtnern gebraucht etc.
  2. Saatguthändler waren auch in der Vergangenheit selten die Züchter aller Sorten ihres Sortiments
    Zum Vergleich: Ein Käsehändler auf einem Markt verkauft in der Regel nicht nur Käse, den er selbst aus der Milch von eigenen Kühen oder Schafen hergestellt hat. Statt dessen sucht er Käsesorten von verschiedenen Herstellern – dabei ist er wählerisch, denn sein Ruf als Händler hängt davon ab, dass die Kunden seine Käseauswahl mögen. So ist das auch mit Saatgutmarken: Die wenigsten Marken haben ihre Sorten jemals alle selbst gezüchtet, vermehrt, portioniert und in den Handel gebracht. Nein, sie stellen ein Sortiment von ausgewählten Sorten verschiedener Züchter zusammen, von denen sie denken, dass die Gärtner sie gut finden werden. Die Sorten, die nicht aus eigener Zucht stammen, bauen sie oft selbst versuchsweise an, bevor sie die Sorten ins Sortiment aufnehmen. Statt also den Händler zu verdammen, weil man bei ihm einen Käse gesehen hat, den man nicht gut findet, sollte man sich das ganze Sortiment anschauen und dann eine Meinung bilden, vielleicht auch den Händler freundlich darüber informieren, warum man den einen oder anderen Käse nicht mag und welche Arten von Käse man sich wünschen würde.

Anzeige

Wie Sorten entstehen und wie sie zum Gärtner kommen

Diese Stationen durchläuft eine Sorte von der Entstehung bis zum Platz auf dem Beet vom Gärtner:

  1. Sortenzüchtung (Sortenzüchter: Vision, Selektierung, Kreuzung, Zertifizierung),
  2. Saatgutvermehrung (Vermehrungsbetriebe),
  3. Großhandel und Einzelhandel (Handelsmarkenpflege, Sortimentszusammenstellung, Portionierung, Online-Handel/Versandhandel) und
  4. Anbauer.

Wobei ein Unternehmen und seine regionalen Tochterunternehmen alle Stufen 1 bis 3 übernehmen kann oder jede Stufe von einem anderen Unternehmen übernommen wird. Stufe 3 kann sogar noch weiter aufgesplittet werden (Sortimentszusammenstellung kann man outsourcen, denn es macht viel Arbeit alle neuen Sorten zu sichten und eventuell auch die Qualität durch eigenen Anbau zu überprüfen. Außerdem gibt es Großhandel und Einzelhandel, etc.).

Die eigentliche Sortenzüchtung – das Erschaffen neuer Sorten nach eigenen Visionen (Züchtungszielen) mit den Methoden der Auswahl, Kreuzung etc. – machen die Sortenzüchter. Sie sind meist spezialisiert – der eine Züchter auf bestimmte Blumensorten, der andere auf Fruchtgemüse, wieder ein anderer auf Freiland-Feldgemüsearten usw. Die Sortenzüchtung erfordert Arbeit und jahrelange Geduld. Ist die Sorte so, wie der Züchter sie auf den Markt bringen will, lässt er sie zertifizieren – nur dann darf sie in den Handel.

Hobbygärtnersaatgut wird normalerweise in Tütchen unter einem bestimmten Markennamen in einem Sortiment (Kiepenkerl, Sperli usw.) angeboten. Damit das Sortiment einer Marke alle Gemüsearten von Bohnen bis Zucchini sowie Blumen usw. abdeckt und jede Art mit mehreren Sorten zur Auswahl steht, werden gute Sorten verschiedener Züchter zusammengestellt und unter dem Markennamen mit dem Marken-Design angeboten und beworben. Innerhalb des Markensortiments gibt es möglicherweise Teil-Sortimente mit einem bestimmten Motto (traditionelle Sorten, Bio-Linie, Sorten aus dem Profi-Anbau, Saatgut in Saatgutbändern o. Ä.), deren Sortenauswahl und Zusammenstellung die Handelsmarke manchmal auch von einer externen, darauf spezialisierten Firma machen lässt.

Fazit:
Jede Sorte eines Hobbygärtner-Markensortiments kann von einem anderen Sortenzüchter stammen. Oder andersherum: Eine Sorte kann über verschiedene Wege zum Gärtner kommen, je nachdem ob der Züchter selbst auch der Vermehrer ist oder wem er die Lizenz zum Vermehren gegeben hat und welche Stationen noch da sind, bis das Saatgut zum Anbauer kommt.

Bekannte Hobbygärtnersaatgutmarken/gärtnerische Saatgutmarken

Unsere bekannten Hobbygärtnersaatgutmarken waren zum Teil phasenweise früher selbst Züchter, die (auch) eigene Sorten züchteten und verkauften, oder sie waren nur Händler und haben nur ausgewählte Sorten von anderen Züchtern (vermehrt, Qualitätskontrolle durchgeführt, portioniert und) verkauft.

Die Sortenzüchter hinter den Hobbygärtnermarken sind oft die gleichen, wie hinter dem Profisaatgut.

Früher

In den 1980er-Jahren, als ich Gartenbau studierte und später auch im Gartenbau tätig war, kaufte man Gemüsebausaatgut beispielsweise bei den folgenden Unternehmen, die teilweise selbst gezüchtete Sorten hatten.

Hild
Die Firma HILD wurde 1919 als Familienunternehmen in Marbach am Neckar gegründet.

Walz Samen GmbH
„1932 begannen Ernst Hermann Walz und seine Ehefrau Elisabeth in Stuttgart-Feuerbach, hochwertiges Qualitäts-Saatgut aus der ganzen Welt zu verkaufen. … Als unabhängiges Familienunternehmen mit internationalen guten Verbindungen kaufen wir nach sorgfältiger Prüfung die besten Sorten von Züchtern aus vielen Ländern der Erde.“ (gefunden für die Domain www.walz-samen.de in archive.org 1998)

Bruno Nebelung/Kiepenkerl
Der Kiepenkerl ist das Markenzeichen der Firma Nebelung. „Schon vor der Gründung der Firma Bruno Nebelung (durch Franz Volmary und Bruno Nebelung) im Jahr 1925 zog der Kiepenkerl als Handelsreisender durch das Land“, sagt die Website. Der Kiepenkerl verkaufte Dinge des Alltags einschließlich Saatgut aus einem Korb (Kiepe) heraus. Die Firma Nebelung war zunächst (Saatgut-)Händler, begann 1947 mit eigener Züchtung von Erbsen und Bohnen.

Sperli
Sperli wurde bereits 1788 ursprünglich in Quedlinburg gegründet.

De Ruiter
Die Firma De Ruiter Seeds wurde 1945 in Bleiswijk (Niederlande) gegründet. Sie startete damit, Saatkartoffeln sowie landwirtschaftliches und Gartenbausaatgut zu produzieren (vermehren). Erst mit der Zeit begann De Ruiter damit, Saatgut zu selektieren, zu züchten und zu produzieren: Gurken, Tomaten, Auberginen und Paprika.

Julius Wagner (Juliwa Markensaat)
Julius Wagner wurde 1910 in Heidelberg gegründet. In den 1940er-Jahren wurde die Sortenzucht begonnen, in den 50er-Jahren das JULIWA-Logo eingeführt: Vertrieb von eigenen Züchtungen und Exklusivverträge mit internationalen Züchtern. 1998 wurde die Quedlinburger Saatgut GmbH in den Firmenverbund einbezogen. (Angaben für www.juliwa-markensaat.de/ in archive.org 2001)

Enza Zaden
Enza Zaden wurde 1938 von Jacob Mazereeuw unter dem Namen „De Enkhuizer Zaadwinkel“ in den Niederlanden gegründet. Zuerst verkaufte sie Gemüsesamen, Kartoffeln und Hülsenfrüchte. Ab 1944 konzentrierte sie sich auf die professionelle Züchtung von Gemüsesorten.

Gärtner Pötschke (auf Hobbygärtner speziaisiert)
Gärtner Pötschke ist ein Garten- und Pflanzen-Versandhändler und wurde schon 1912 von Harry Pötschke ursprünglich als Sammelbesteller-Versand gegründet. Sein Sohn Werner Pötschke gab von 1970 bis 1977 bei Radio RTL täglich Gartentipps.

Wie man sieht, waren sie alle eher kleine, oft familiäre Unternehmen.

Anzeige

Will man wissen, woher eine bestimmte Gemüsesorte heute stammt bzw. wer in der EU-Datenbank als Züchter/Maintainer eingetragen ist, sucht man mit der EU-Datenbank danach, siehe oben. Für die Tomatensorte ‚Philovita F1‘ beispielsweise spuckt die Datenbank „NL 73″ aus, ein Kürzel für De Ruiter Seeds BV, beim Rettich Annabel‘ ist es „DE 2549“, ein Kürzel für Hild Samen, bei der Tomatensorte ‚Harzfeuer F1‘ bekommt man gleich drei Treffer: CZ 56 (Saatzucht Quedlinburg GmbH – 1973 bis 2007), DE 7653 (Gartenland Produktion GmbH Aschersleben – letzte Änderung 2010) und NL 274 (Enza Zaden Deutschland GmbH & Co KG seit 2015). Das sind also überwiegend immer noch die altbekannten Namen. Doch seit den 1980er-Jahren hat sich viel verändert.

Wer steht heute hinter den Hobbygärtner-Saatgutmarken?

Das Familienunternehmen Hild kam 1988 zu Nunhems und gehört damit heute zu Bayer Crop Science. Nachtrag 2019: 2016 wurde Bayer Crop Science wieder in Bayer integriert. Bayer hat inzwischen auch Monsanto übernommen (siehe Wikipedia).

Die Firma Walz wurde im Jahr 2000 durch Fusion mit dem Unternehmen Hamer Teil der Florensis-Gruppe und scheint inzwischen verschwunden zu sein.

Nebelung wird laut Angaben auf der Website inzwischen in der dritten Generation von der Familie Volmary geführt. Das Unternehmen ist – wenn ich die Angaben auf der Website richtig verstehe – heute vor allem Saatguthändler, d. h. wählt die Sorten aus, prüft und portioniert das Saatgut und verkauft sie im Kiepenkerl-Sortiment. Das Saatgutsortiment besteht aus Sorten verschiedener Züchter.

Sperli ist heute die Sperli GmbH, hat die gleiche Postanschrift wie Nebelung und wird von zwei der drei Nebelung-Geschäftsführer geführt – gehört also wohl zu Bruno Nebelung. Das Saatgutsortiment besteht aus Sorten verschiedener Züchter.

De Ruiter war lange ein viel empfohlener Züchter mit beliebten Sorten für Fruchtgemüse. De Ruiter wurde 2008 für 546 Millionen von Monsanto gekauft und gehört nun zu Monsanto Vegetable Seeds. Hauptsächlich wegen dieser Zugehörigkeit wird De Ruiter nun von Monsanto-Gegnern gemieden. Monsanto war ursprünglich ein Chemiekonzern, der inzwischen zum riesigen Agrarmischkonzern herangewachsen ist und der sich u. a. auf gentechnisch verändertes Saatgut und Agrarchemie spezialisiert hat – das und seine Unternehmens- sowie Markenpolitik machen das Unternehmen bei vielen Menschen unbeliebt (man muss bei Facebook nur einmal Millions against eingeben – sofort kommt eine lange Liste von Anti-Monsanto-Gruppen). Nachtrag: Inzwischen will der deutsche DAX-Konzern Bayer den US-Konzern Monsanto übernehmen – Bayer Crop Science und Monsanto sind sich ähnlicher als manchen bewusst ist.

Julius Wagner (Juliwa)
Juliwa und Enza Zaden arbeiteten schon lange zusammen. 2001 übernahm Enza Zaden Juliwa (lt. der Website von Enza Zaden).

Enza Zaden
Enza Zaden ist inzwischen ein großes Züchtungsunternehmen mit Standorten in aller Welt, das auf Gemüsesortenzüchtung spezialisiert ist (keine gentechnisch veränderten Sorten laut Wikipedia) und das auch die Saatgutvermehrung in eigenen Vermehrungsbetrieben weltweit durchführen lässt.

Gärtner Pötschke ist heute eine GmbH. Eine der drei GeschäftsführerInnen und Mitgesellschafterin ist Werner Pötschkes Tochter Cornelia Pötschke-Kirchhartz. Das Saatgutsortiment besteht aus Sorten verschiedener Züchter.

Seminis ist seit 1994 aus vielen, teilweise alten Firmen entstanden, bevor es dann seinerseits 2005 in die Hände von Monsanto ging. Hier einige der Namen: Asgrow Seed Company mit den Marken Bruinsma und Genecorp, Petoseed, Royal Sluis, Horticeres (Teil von Sementes Agreceres SA, Südamerika), Hungnong Seed company und Choong Ang Seed Company (Korea). In die Hände von großen Agrarchemiekonzernen sind von den mir altbekannten Züchtern De Ruiter, Seminis und Hild gegangen. Ich habe aber noch ein bisschen in der EU-Datenbank gestöbert und unter den gefundenen Sortenerhaltern noch einige gefunden, die ich großen Konzernen zuordnen konnte.

Zu welchem Agrarmischkonzern gehört welcher Züchter/Erhalter? (Ergebnis nach Stichproben, Liste nicht vollständig)

Monsanto                 Bayer Crop Science       Limagrain

De Ruiter Seeds           Nunhems                               Vilmorin

Seminis                         Hild                                     HM.Clause

Petoseed

Asgrow

Bruinsma

Royal Sluis

Hungnong

Nachtrag 2019: 2016 wurde Monsanto von Bayer übernommen. Die Übernahme wurde 2018 unter Auflagen von der EU-Kommission abgesegnet.

Anzeige

Fazit
Wer bestimmte Agrarindustrie-Konzerne aus seinem Garten fernhalten möchte, der kann mithilfe der EU-Sortendatenbank (siehe oben) auf andere Sorten ausweichen. Wer grundsätzlich keine Hybridsorten mag, kann samenechte Sorten wählen (auch die Information, ob Hybridsorte oder nicht, findet man in der EU-Sortendatenbank) und sich für den Sortenerhalt alter/regionaler, samenechter Sorten einsetzen. Am wichtigsten finde ich persönlich aber, dass man chemische Unkrautbekämpfungsmittel wie Roundup von Monsanto (Wirkstoff: Glyphosat), Bayer Garten Langzeit-Unkrautfrei Permaclean oder Bayer Garten Unkrautfrei (beide ebenfalls Wirkstoff: Glyphosat) sowie die Mittel mit dem gleichen Wirkstoff von vielen anderen (wer alles, kann man in der Online-Datenbank Pflanzenschutzmittel recherchieren) weder im Garten, noch auf Einfahrten oder am Zaun benutzt. Das Gleiche gilt für bienenschädliche Neonicotinoide gegen tierische Schädlinge oder sonstige Präparate, die nicht im Bio-Anbau erlaubt sind.

Wenn jemand etwas weiß, was hier noch ergänzt werden könnte – beispielsweise darüber, was aus früheren Saatgutmarken wurde, über Zuordnungen zu Agrarmischkonzernen – ergänzt das doch bitte in den Kommentaren!

Weitere Informationen

  1. Monsanto und Bayer sind nicht so verschieden, wie manche glauben (tinto bloggt)
  2. Wo kauft man samenechte Sorten, alte bewährte und regionale Sorten, Bio-Saatgut – Bezugsquellen (Gartensaison-Gartentipps-Blog)
  3. Saatgut: Wer die Saat hat, hat das Sagen – Buchvorstellung (tinto bloggt)
  4. Woher kommt mein Saatgut (Blog Landeier)
  5. Monsanto als ungebetener Gast im Garten (tinto bloggt)

Anzeige

Veröffentlicht unter Garten und Pflanzen, Mitreden, Öko-/Bio-Themen | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

UN-Gremium für Artenvielfalt: Bestäuber ernsthaft bedroht. Was wir tun können.

Die Natur arbeitet in vielerlei Hinsicht für uns – wenn wir sie lassen: Über Dreiviertel der Weltnahrungsmittel sind ganz oder teilweise auf eine Bestäubung durch Insekten oder andere Tiere angewiesen. Aber die sind zunehmend gefährdet – über 40 Prozent der wirbellosen Bestäuberarten (das sind Insekten, Spinnentiere etc.) sind sogar vom Aussterben bedroht -, so das Ergebnis einer zweijährigen Studie über Bestäuber, Bestäubung und Lebensmittelproduktion eines Gremiums der Vereinten Nationen (United Nations, UN) für Artenvielfalt. „Ohne Bestäuber könnten sich viele von uns nicht mehr an Kaffee, Schokolade, Äpfel und Anderem unseres alltäglichen Lebens erfreuen“, sagt Dr. Simon Potts, einer der beiden Studienleiter und Professor für Artenvielfalt und Dienstleistungen der Natur an der University of Reading (Vereinigtes Königreich).

Sonnenblume-mit-Hummeln

77 Experten aus aller Welt, darunter auch vier deutsche Wissenschaftler, haben zwei Jahre lang 3000 wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Bestäuber sowie auch Informationen über einheimische beziehungsweise örtlich übliche Methoden von über 60 Regionen der Welt gesichtet, ausgewertet und gemeinsam einen Bericht über die Bedeutung der Bestäubung und dem Zustand der Bestäuber verfasst. Ende Februar 2016 veröffentlichte eben dieses UN-Gremium mit Namen Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES, zu Deutsch: Internationale Wissenschaft-Strategie-Plattform für Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen) in Kuala Lumpur (Malaysia) die Ergebnisse als den ersten Biodiversitätsbericht, und der dreht sich speziell um die Lage der Bestäuber. Der Bericht soll Politikern helfen, Entscheidungen auf Basis zuverlässiger Daten zu treffen. Er ist aber auch interessant für alle an der Natur interessierten Menschen einschließlich der Gärtner, Selbstversorger und Hobbygärtner.

Immer mehr Bestäuberarten weltweit sind von der Auslöschung bedroht und das gefährdet die Existenzen von Millionen von Menschen und die Erzeugung von Nahrungsmitteln im Werte von Hunderten von Milliarden Dollar. Doch es gibt noch Wege aus der Krise. So lautet das Ergebnis der zweijährigen Studie zusammengefasst.

Bestäubung – um was es geht

Sehet die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht …. Man sollte das Matthäus-Evangelium nicht so verstehen, dass Vögel oder andere Tiere nicht arbeiten. Tatsächlich erbringen die Natur und ihre Bestandteile sehr wohl Leistungen, die uns zugute kommen und denen man sogar einen monetären Wert zuordnen kann. (Und Vögel säen sehr wohl, wenn sie unverdaute Samen ausscheiden).

Eine sehr wichtige Leistung der Natur ist die Bestäubung. Auf eine Bestäubung durch Tiere sind viele Frucht-, Gemüse-, Samen-, Nüsse und Ölpflanzen angewiesen – viele von ihnen sind übrigens sehr wichtig für die Versorgung von Mensch und Tier mit Vitaminen, Mineralien, sekundären Pflanzenstoffen. Außerdem sind sie eine wichtige Existenzgrundlage vieler Menschen in Entwicklungsländern.

Zu den Bestäubern gehören beispielsweise

  • Insekten (Wildbienen, Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Fliegen, Wespen, Käfer etc.),
  • Vögel (Kolibris),
  • Säugetiere (Fledermäuse)
  • und andere.

Sie bestäuben Wildpflanzen und Kulturpflanzen – also Nahrungspflanzen, Futterpflanzen, Bioenergiepflanzen, Faserpflanzen, Heilpflanzen und Baumaterialien.

Welchen Wert hat die Arbeit der Bestäuber?

  • Dreiviertel (75 Prozent) der Welt-Nahrungsmittelernte ist ganz oder teilweise von einer Bestäubung abhängig.
  • Zwischen 235 und 577 Milliarden US-Dollar beträgt der Wert der jährlichen Ernte weltweit, die von Bestäubern abhängig ist.
  • In den letzten 50 Jahren ist das Volumen der landwirtschaftliche Produktion, die von der Bestäubung durch tierische Bestäuber abhängig ist, um 300 Prozent gestiegen.
  • Fast 90 Prozent der Wildblumen sind von tierischen Bestäubern in irgendeiner Weise abhängig.
  • Honigbienen produzieren 1,6 Millionen Tonnen Honig pro Jahr.
  • Bestäuber haben neben der ökonomischen, auch eine soziale und kulturelle Bedeutung.

Zahlen und Fakten zur Bedrohung

So ist laut UN-Artenvielfalts-Studie die Lage:

  • 16,5 Prozent der Bestäuberarten aus dem Unterstamm der Wirbeltiere (Vögel, Säugetiere) sind vom Aussterben bedroht. Bei räumlich isolierten Arten sind es bis zu 30 Prozent.
  • Bis über 40 Prozent der Bestäuberarten aus dem Unterstamm der wirbellosen Tiere (Insekten, Spinnentiere) – besonders Bienen und Schmetterlinge – stehen vor dem Aussterben – das ergeben regionale und nationale Erhebungen, es gibt keine global flächendeckenden Daten.

Ursachen der Bedrohung von wilden Bestäubern

Anzeige



Das sind laut UN-Artenvielfalts-Studie die Ursachen:

  • Umwandlung der Landnutzung (Ergänzung:Verlust an natürlichen Lebensräumen durch Straßenbau, Städtebau etc.),
  • intensive Landbewirtschaftung (Ergänzung: Monokulturen lassen kaum Platz für Feldraine mit Saumbiotopen/Lebensräume für Nützlinge aller Art, die Pflege der Bodenfruchtbarkeit und der Bodenlebewesen wird meist vernachlässigt),
  • Pestizideinsatz,
  • Verdrängung durch fremde Arten,
  • Krankheiten und Schädlinge sowie der
  • Klimawandel (der Klimawandel führt zu Veränderungen in der Verteilung der natürlichen Bestäuber und der Pflanzen, die von ihnen abhängen).

Was sagt die UN-Artenvielfalts-Studie zu Pestiziden, gentechnisch veränderten Pflanzen (GMO), Agrarsysteme?

Die Erhebung fand heraus, dass Pestizide, einschließlich der Neonicotinoide, die Bestäuber weltweit bedrohen, auch wenn der Langzeiteffekt immer noch unklar ist. Eine Pionierstudie im Feldanbau zeigte, dass das geprüfte Neonicotioid einen negativen Effekt auf Wildbienen hatte, doch die Wirkung auf Honigbienen aus Bienenhaltung war weniger eindeutig.

Genetisch veränderte Feldpflanzen, die gegen Unkräuter tolerant sind, werden eher negativ bewertet: Gräser und Wildkräuter, die Nahrung für die Bestäuber bieten, werden wegen ihnen weggespritzt (Ergänzung: statt alternativer Maßnahmen wie mechanische Unkrautbekämpfung, Abflammen, Mischkultur etc.).

Umgekehrt könnten gegen Schädlinge resistente, gentechnisch veränderte Feldpflanzen laut der Studie theoretisch den Druck auf die Bestäuber verringern, wenn dann weniger gespritzt wird. Allerdings weiß man über die subletalen (Wirkungen unterhalb der tödlichen Dosis) und indirekten Auswirkungen auf die Bestäuber wenig.

Die Bestäuber sind auch dadurch gefährdet, dass so viele Praktiken, die auf indigenem oder lokalem Wissen basierten, verloren gehen. Dazu gehören traditionelle Pflanzenbaumethoden, Landschafts- und Gartenpflege und kulturelle Beziehungen.

„Obwohl wir noch nicht alles über Bestäuber wissen, gibt es doch genug Hinweise, dass wir etwas tun müssen“, sagt Prof. Dr. Vera Lucia Imperatriz-Fonseca, ebenfalls Studienleiterin und Senior Professor an der University of São Paulo (Brasilien).

Handlungsempfehlungen zur Förderung der Bestäubervielfalt

Die von der Studie empfohlenen und unten aufgelisteten Maßnahmen lassen sich auch gut im Garten, im Urban Gardening und überall sonst umsetzen.

  • Förderung der nachhaltigen Landwirtschaft, die zu einer Diversifizierung der landwirtschaftlich genutzten Fläche führt und die ökologische Prozesse in die Nahrungsmittelproduktion integriert:
    • Artenvielfalt fördern durch Bewahrung oder Schaffung von entsprechenden Lebensräumen in der landwirtschaftlichen und der städtischen Landschaft,
    • Bewährte Anbaumethoden nutzen (Ergänzung: Hobbygärtner könnte diesbezüglich interessieren: Mischkultur, Gründüngung, Was nach Tomaten anbauen, Pflanzen für Nützlinge im Garten),
    • Austausch und Zusammenwirken von Wissenschaft und einheimischen bzw. lokalen Wissensträgern,
    • Weitergabe und Austausch von Wissen zwischen Anbauern, Wissenschaftlern, Industrie, Gemeinden und Öffentlichkeit,
    • Reduzierung der Pestizide durch bessere Ausbringung (Reduzierung der Abdrift) und Anwendung alternativer Maßnahmen.
  • Verbesserungen bei der Bienenhaltung (frühere und bessere Krankheits- bzw. Befallsdiagnosen und Behandlungen) und Auflagen beim Bienenhandel und der Standortveränderungen von Bienenvölkern.

Weitere Erkenntnisse aus der Bestäuberstudie

Eine stabile Befruchtung ist dann am besten gewährleistet, wenn es viele verschiedene Bestäuberarten gibt – selbst dann, wenn es einen gezielten Einsatz von Imker-Honigbienen gibt, denn die wilden Bestäuber veranlassen die Honigbienen, schneller zum nächsten Baum zu wechseln, wodurch die Bestäubung besonders gut wird.

Für die Ernte am besten ist also Bestäuber-Multikulti: wilde Bestäuberarten und domestizierte Bienen. Übrigens, ist laut Studie global zwar die Zahl der Bienenstöcke in den letzten 50 Jahren gestiegen, aber in Europa und Nordamerika sind sie weniger geworden.

Auch interessant

Global Gardening.
Bioökonomie – neuer Raubbau oder Wirtschaftsform der Zukunft?
*
Christiane Grefe
Verlag Antje Kunstmann
ISBN: 978-3-9561-4060-0

* Werbelink zu Amazon.de  

 

Was ist die IPBES eigentlich?

Im April 2012 wurde ein unabhängiges internationales Gremium mit Namen Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES), zu Deutsch: Internationale Wissenschaft-Strategie-Plattform für Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen, geschaffen, welches den weltweiten Zustand der Biodiversität (Artenvielfalt), der Ökosysteme und die Dienstleistungen, die diese erbringen, feststellen soll – ähnlich wie es das Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC, in Deutschland bekannt als Weltklimarat, für das Klima tut. IPBES ist für alle Mitgliedstaaten der UN offen.

Anzeige



Weitere Informationen

Veröffentlicht unter Bücher, Garten und Pflanzen, Mitreden, Öko-/Bio-Themen | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentare deaktiviert für UN-Gremium für Artenvielfalt: Bestäuber ernsthaft bedroht. Was wir tun können.