Asiatische Hornisse

Die Asiatische Hornisse macht seit einiger Zeit Schlagzeilen. 2025 wurden auch in Bayern wieder Nester entdeckt und entfernt. Was hat es mit dieser eingeschleppten Art auf sich. Gefährdet sie Menschen, heimische Insekten und Honigbienen?

Eine Entwarnung gleich zu Anfang: Es handelt sich bei der „Asiatischen Hornisse“ nicht um die bis zu fünfmal so große Asiatische Riesenhornisse (Vespa mandarinia), die in den USA 2020 von der Sensationspresse als so genannte Bienenkillerin gebrandmarkt wurde. Viele der Funde waren falsch bestimmt. So oder so: Die Riesenhornisse gibt es bei uns nicht.

„Zeigt her eure Füße, zeigt her …“

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) ist die einzige in Europa eingeführte Unterart von Vespa velutina. „Asiatische Hornisse“ ist der umgangssprachliche Name, laut der Liste invasiver gebietsfremder Arten der Europäischen Union heißt sie ausführlich „Asiatische Gelbfuß-Hornisse“. Und tatsächlich ist die Farbe ihrer Füße ein wichtiges Erkennungsmerkmal.

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) – Oberseite und Unterseite. (Bild: Didier Descouens [Muséum de Toulouse], CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)

Die Asiatische Gelbfußhornisse

Die Asiatische Gelbfußhornisse gelangte über den globalen Handel ungewollt nach Europa. In Frankreich wurde sie 2004 zum ersten Mal entdeckt, seit 2014 weiß man, dass sie auch in Deutschland angekommen ist und sich ausbreitet. Beispiel Bayern: Im Herbst 2022 wurde die Asiatische Gelbfußhornisse zum ersten Mal in Bayern gesichtet – und zwar in Unterfranken, in Neuhütten im Landkreis Main-Spessart. 2023 waren es bereits fünf Nester, 2024 dann 17 Nester, hauptsächlich in der Grenzregion zu Hessen. 2025 sind es Stand heute (24. August) laut Karte bei beewarned.de (Projekt der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) bereits 10 Nester in Unterfranken und ein Nest in Mittelfranken.

Heimische Hornissen und ihre Verwandten

Die Unterfamilie der Echten Wespen (Vespinae) ist in Mitteleuropa mit elf Arten vertreten: Dazu gehören unter anderem die Deutsche Wespe (Vespula germanica), die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) sowie die heimische Hornisse (Vespa crabro).

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Die „Asiatische Hornisse“ im Vergleich zur heimischen Hornisse

Tatsächlich ist Vespa velutina eine kleinere Verwandte der Europäischen Hornisse (Vespa crabro) und hat ihre Heimat in Südostasien.

Die Asiatische Gelbfuß-Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) baut ihre großen Sekundärnester vor allem in Baumwipfeln, manchmal wird aber auch das eher kleine Primärnest zu einem Sekundärnest erweitert. Ein Volk kann aus mehreren tausend Tieren bestehen. Die erwachsenen Tiere sind von oben auf den Rücken gesehen von Kopf bis Hinterleib dunkel gefärbt mit mehreren feinen und einem breiteren gelben Streifen auf dem Hinterleib. Auch die Antenne und die Beine sind von oben her gesehen dunkel, nur die Füße (Tarsen) und der Beinabschnitt jeweils darüber (Tibia) sind hell gelblich gefärbt.

Zum Vergleich: Die heimische Hornisse* baut ihre Nester gerne in regengeschützten, dunklen Hohlräumen, beispielsweise in Baumhöhlen, in Nistkästen, zugänglichen Dachstühlen und Ähnlichem. Die Nester sind viel kleiner, denn die Anzahl der Individuen pro Volk ist mit mehreren hundert niedriger als die der eingeschleppten Art. Die erwachsenen heimischen Hornissen sind von oben gesehen in der vorderen Hälfte (Kopf, Rumpf, Anfang des Hinterleibs) schwarz und rotbraun gefärbt, der hintere Teil dagegen ist auffällig gelb mit schwarzer Zeichnung. Die Beine der heimischen Hornisse sind rötlich braun.

Die Arbeiterinnen der Asiatischen Gelbfuß-Hornisse sind zwischen 17 und 24 Millimeter lang, die Königinnen erreichen eine Länge von etwa 30 Millimetern. Die Arbeiterinnen der heimischen Hornisse (Vespa crabro) sind 18 bis 25 Millimeter lang. Eine Königin der heimischen Hornisse kann bis zu 40 mm lang werden. Männliche Tiere erreichen 21 bis 28 Millimeter Länge.

Lebenszyklus der Asiatischen Hornisse im Vergleich zur heimischen Hornisse

Bei beiden Arten, den heimischen und den eingeschleppten Hornissen, sind es alljährlich die jungen überwinterten Königinnenn, die im Frühjahr mit dem Bau eines neuen Nestes beginnen. Zuerst wird ein Primärnest angelegt, beispielsweise in einem Strauch, einer Hecke oder geschützt in der Nähe von Häusern, mit der Eiablage begonnen und erste Arbeiterinnen aufgezogen. Wenn dieses Primärnest zu eng wird, wird das wesentlich größere Sekundärnest gebaut – von den heimischen Hornissen beispielsweise in einem Vogelnistkasten oder im Dachstuhl eines Hauses, dagegen ist das von der Asiatischen Gelbfußhornisse riesig, aber schwer zu entdecken und schwer erreichbar, weil es oft in Baumwipfeln hoher Bäume hängt. Werden die Sekundärnester im Sommer auch zu eng, werden „Filialen“ in der Nähe angelegt.

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Die Arbeiterinnen beider Arten ernähren sich selbst von Nektar, Honigtau, Früchten und Säften aus Rindenverletzungen und Ähnlichem. Die Larven beider Arten werden von den Arbeiterinnen jedoch mit erbeuteten Insekten oder anderen Gliederfüßlern gefüttert.

Im frühen Herbst wird die maximale Individuenzahl des Hornissenvolkes erreicht und ab da werden Geschlechtstiere (Königinnen und männliche Tiere) herangezogen, die später ausfliegen und sich paaren. Zum Winter hin sterben nach und nach alle Tiere außer den jungen begatteten Königinnen, die einen frostfreien Überwinterungsplatz aufsuchen. Im nächsten Frühjahr beginnt mit ihnen ein neuer Zyklus.

Speiseplan von Hornissen

Hornissen jagen unter anderem in der Nähe von Bienenstöcken. Dort greifen sie gezielt an- und abfliegende Bienen an, die für sie eine besonders wertvolle, eiweißreiche Nahrungsquelle darstellen. Hierbei scheinen die eingeschleppten Hornissen geschickter und effektiver als die einheimischen zu sein. Aber auch die Asiatische Hornisse ist nicht nur auf Honigbienen aus, sondern richtet sich nach dem saisonalen Angebot: Im Frühjahr erbeutet sie Schwebfliegen und Wildbienen, im Sommer die reichlich vorhandenen Honigbienen und im Herbst Fliegen und Wespen.

Gefahr für Menschen

Viele Menschen haben Angst vor Hornissen, tatsächlich sind deren Stiche in der Regel aber nicht gefährlicher als die von Wespen, das gilt auch für Stiche durch die Asiatische Gelbfuß-Hornisse. Aufpassen vor Stichen durch Hornissen ebenso wie durch Wespen sollten jedoch Allergiker: Bei etwa 2 bis 3 % der Bevölkerung können Hornissenstiche allergische Reaktionen bis zum anaphylaktischen Schock hervorrufen – das gilt gleichermaßen für die heimische, als auch für die eingeschleppte asiatische Art. Vor Stichen schützen sollten sich/ man neben Allergikern auch Kinder und ältere oder geschwächte Menschen.

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Beide Hornissenarten sind in der Regel gegenüber Menschen eher scheu und friedfertig als angriffslustig – jedenfalls solange sie sich oder ihr Nest nicht bedroht sehen! Vom Nest der Asiatischen Gelbfußhornisse sollte man möglichst mehrere Meter Abstand halten, denn schon die Erschütterungen bei der Annäherung können die Tiere aggressiv werden lassen.

Gefahr für die heimische Hornisse

Eingeschleppte Arten werden nicht immer zur Gefahr für die ansässige Tier- und Pflanzenwelt, manche sterben bei starkem Frost wieder aus, andere haben Gegenspieler, die sie in Schach halten, oder können sich gegen die vorhandene heimische Konkurrenz nicht durchsetzen.

Unsere heimische Hornisse ist in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Ob eine Gefahr durch die Asiatische Gelbfuß-Hornisse für die heimische Hornisse besteht, ist meines Wissens noch nicht wissenschaftlich bewiesen, doch scheint es wahrscheinlich: Wegen ihrer hohen Individuenzahl pro Nest würde die eingeschleppte Art vermutlich zu einer starken Nahrungskonkurrenz für die heimischen Hornissen werden, wenn man nicht eingreift.

Gefahr für die Westliche Honigbiene und für heimische Bestäuber

Beide Hornissenarten, die heimische und die eingeschleppte, sind jedenfalls bei Imkern nicht besonders beliebt, da Hornissen (unter anderem auch) Bienen töten und verfüttern. Die neue asiatische Hornissenart ist jedoch besonders gefürchtet, weil die Völker größer sind und der Bienenanteil in deren Nahrung höher sein soll.

Dass die Asiatische Gelbfußhornisse bei ihrer Jagd auf unsere Honigbienen so erfolgreich ist, liegt daran, dass sie ein guter Jäger ist und die bei uns für die Honigproduktion gehaltene Westliche Honigbiene (Apis mellifera) weniger effektiv in der Abwehr von Hornissen ist als beispielsweise ihre asiatische Schwester, die Östliche Honigbiene (Apis cerana), in deren Heimat.

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Imker beunruhigt wegen der Asiatischen Hornisse

Darüber, ob die ungewollt eingeführte Asiatische Gelbfußhornisse eine große Gefahr für die Honigbienenhaltung ist, war man sich bis vor kurzem nicht einig. So war bei bienen.ch zu lesen: „Gesunde, starke Bienenvölker verkraften die durch die invasive Art verursachten Verluste gut, so dass meist nur schwache Völker sterben“. Verständlicherweise sind die Imker trotzdem in großer Sorge. Nach Varroamilbe, umstrittenen Pestiziden wie den Neonicotinoiden und anderen Problemen haben sie nun auch mit einem eingeschleppten „Raubtier“ zu kämpfen. Sind mehrere deren Nester in der Nähe eines Bienenstockes, kann dies zur Schwächung und sogar Existenzbedrohung eines Bienenvolkes führen.

Für Obst- und Gartenbau, die Landwirtschaft, Gärten, Landschaft usw. spielen auch die anderen Bestäuber und allgemein Gliederfüßler eine Rolle, die wie oben beschrieben, ebenfalls zur Beute der Hornissen zählen.

Laut einer Veröffentlichung des LWG im Praktischen Gartenratgeber 09/2025 soll der Obst- und Weinbau in Ländern wie Frankreich, Spanien und Portugal bereits unter der invasiven Hornissenart leiden.

Aus Sicht des Artenschutzes und der Förderung der Artenvielfalt muss man eine so geschickte Jägerin mit diesen hohen Individuenzahlen wie die Asiatische Hornisse wohl ebenfalls als wahrscheinlich negativ für viele Ökosysteme bewerten. (Unsere Versuche, Wildbienen mit Insektenhotels* und anderen Maßnahmen zu unterstützen, könnte sie ebenfalls torpedieren.)

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Was wurde getan, was ist zu tun

Vespa velutina nigrithorax ist eine in Mitteleuropa gebietsfremde Art mit laut Naturschutzbund (NABU) hohem invasiven Potential. Daher wird sie EU-weit zum Schutze der heimischen Biodiversität bekämpft.

2016 wurde Vespa velutina nigrithorax in die Schwarze Liste der unerwünschten Spezies der Europäischen Union (Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung) aufgenommen.

Funde melden

Wer eine Asiatische Hornisse oder ein Nest mit diesen entdeckt, sollte den Fund melden. Ansprechpartner ist meist die Naturschutzbehörde des jeweiligen Landratsamtes.

In Bayern meldet man an das Institut für Bienenkunde und Imkerei an der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Informationen dazu gibt es hier vespavelutina.bayern.  Bei beewarned.de kann man die Funde online melden.

In Baden-Württemberg meldet man Funde auf der Meldeplattform der Landesanstalt für Umwelt.

Die Nester sollten nicht selbst entfernt, sondern durch Fachleute eindeutig identifiziert und entfernt werden. Dies wird in der Regel von der jeweiligen Meldestelle organisiert.

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naturgucker.de und der NABU haben zudem ein Projekt aufgesetzt, bei dem man mitwirken kann: Wer eine Asiatische Hornisse oder ein Nest sieht, kann seinen Fund dort melden. Alle Infos gibt es bei Meldeaktion Asiatische Hornisse.

Auch in der Forschung tut sich einiges: Der Einsatz von Pheromonen (Sexuallockstoffen) wird getestet. Allerdings sind Pheromone (in Pheromonfallen) in der Regel eher zum Monitoring der Entwicklung oder Feststellung von Insekten-Flugzeiten geeignet und weniger zur tatsächlichen Bekämpfung.

Man hat auch schon versucht, gefangenen Hornissen Sender umzuschnallen, um die Nester zu finden, was aber ebenfalls schwierig ist, weil die Tiere eine gewisse Größe haben müssen und die Batterien der Sender nicht sehr lange halten. Auch Verfahren mit Triangulation, um die Nester zu finden (gefangene Hornissen werden an verschiedenen Standorten freigelassen und verfolgt), scheinen bisher eher nicht allgemein praxistauglich zu sein.

Aussichten

Die Ansiedlung der Asiatischen Hornisse bei uns gilt als nicht mehr umkehrbar. Derzeit scheinen die Aufmerksamkeit der Imker und die der Bürger sowie die Meldung von entdeckten Tieren und Nestern sowie deren gezielte Zerstörung durch spezialisierte Fachleute die wichtigste Maßnahme zu sein, die Vermehrung und Ausbreitung unter Kontrolle zu halten.

Man fragt sich, ob unsere Westlichen Honigbienen nicht von den asiatischen Schwesterbienen lernen könnten, wie man die neuen Hornissen besser abwehrt: Zu deren  Repertoire gehört beispielsweise, dass sie sich, wenn sich eine Botschafterhornisse nähert, zusammentrommeln und die Hornisse zu hunderten überfallen. Sie umschließen die Hornisse wie ein Ball, erhöhen die Temperatur im Inneren durch intensive Flugmuskelaktivität, was gleichzeitig auch den Kohlendioxid-Gehalt in dem Bienenknäuel erhöht. Infolge überhitzt und erstickt die so angegriffene Hornisse.

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Ansonsten bleibt uns immer noch, die Larven und Puppen auf unseren Speiseplan zu setzen: In Teilen Chinas, in Thailand, Indonesien und in anderen Ländern werden diese gegessen.

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Schilf-Glasflügelzikade und andere Zikaden im Garten

Derzeit macht die Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) Schlagzeilen. Das kleine fliegende Insekt aus der Gattung der Spitzkopfzikaden versetzt Landwirtschaft und Gartenbau in Angst und Schrecken, da es sich seit etwa 2018 in allen deutschen Bundesländern ausbreitet und verschiedene landwirtschaftliche sowie gemüsebauliche Pflanzenkulturen gefährdet. Um was geht es und wie sieht es mit anderen Zikaden im Garten aus.

Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus))
Die ausgewachsene Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) wird bis zu 9 mm lang. Sie ernährt sich von Pflanzensaft. Bevor sie Äcker und Beete für sich entdeckte, lebte sie ausschließlich auf Schilfflächen. 
(Bild: Michael F. Schönitzer [Zoologische Staatssammlung München], CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Ihr ursprünglicher Lebensraum hat der Schilf-Glasflügelzikade nicht mehr behagt und sie wurde dort immer seltener. Seit 2016 steht sie sogar als gefährdet auf der bundesweiten Roten Liste der Zikaden. Doch das Blatt hat sich gewendet: Die Schilf-Glasflügelzikade ist umgezogen, weg vom Schilf und anderen Uferpflanzen, hin zu Äckern und Beeten mit leckeren Zuckerrüben, Kartoffeln und Gemüsen. Dort lehrt sie nun Landwirten und Gärtnernden das Fürchten. Was genau hinter der Wandlung steckt, ist noch nicht ganz klar, aber es wird vermutet, dass der Klimawandel eine Rolle spielt.

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Plötzlich vermehrungsfreudig

Die Schilf-Glasflügelzikade fliegt für einige Wochen zwischen Mai und September. Das Weibchen legt seine Eier in den Boden – bis zu acht Ablagen mit jeweils 40-50 Eiern sollen pro Jahr möglich sein! Die Nachkommen (Nymphen) schlüpfen ab August und verbleiben bis zum Frühjahr im Boden, wo sie sich vom Pflanzensaft überwinternder Wirtspflanzen ernähren und sich mehrmals häuten.

Bakterienschleuder

Das Gefährliche an der Schilf-Glasflügelzikade ist weniger, dass sie sich von Pflanzensaft ernährt, sondern dass sie dabei pflanzenschädliche Krankheitserreger übertragen kann. Die Pflanzen werden geschädigt, die Erntequalität stark beeinträchtigt (beispielsweise reduzierter Zucker- oder Stärkegehalt) und der Ertrag sowie die Lagerbarkeit gemindert. Eine Infektion kann beispielsweise bei Zuckerrüben zu „Gummirüben“, bei Kartoffeln zu weichen Mini-Knollen mit geringerem Stärkegehalt sowie Verbräunungen beim Zubereiten führen und anderes mehr.

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Die von der Schilf-Glasflügelzikade übertragenen Erreger heißen Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus und Candidatus Phytoplasma solani. Sie befallen die Leitungsbahnen der Pflanzen, genauer das Phloem (in welchem die Photosyntheseprodukte transportiert werden).

SBR und Stolbur an Zuckerrüben

  • Das Gammaproteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus bewirkt bei der Zuckerrübe neben fehlentwickelten Blättern verbräunte Leitungsbahnen im Rübenkörper und das Syndrom der niedrigen Zuckergehalte, wissenschaftlich SBR (Syndrome Basses Richesses) genannt. Ist nur dieser Erreger vorhanden, bleiben die Rüben fest. Der Erreger kann auch über die Eier an die Nachkommen übertragen werden.
  • Candidatus Phytoplasma solani verursacht eine Stolbur genannte Phytoplasmose: Die Pflanzen welken. Die Zuckerrüben sind biegsam wie aus Gummi, können schlecht gelagert und verarbeitet werden. Die Zikaden werden erst zum Wirt und Vektor des Erregers, wenn sie an infizierten Pflanzen saugen.

Bakterielle Kartoffelknollen-Welke

Von der bakteriellen Kartoffelknollen-Welke wird bei einer Infektion von Kartoffelpflanzen mit Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus und Candidatus Phytoplasma solani gesprochen. Die Kartoffelpflanzen bilden dann eher kleine, nicht pralle, gummiartige oder unförmige Knollen aus.

Candidatus Phytoplasma solani an Kartoffeln war bereits länger bekannt. Allerdings galt die Windenglasflügelzikade (Hyalesthes obsoletus) als Hauptwirt und Überträger.

Weitere Wirtspflanzen der Schilf-Glasflügelzikade

Nicht nur Zuckerrüben und Kartoffeln sind gefährdet, auch Mangold kann von der Schilf-Glasflügelzikade befallen und mit Erregern infiziert werden. Er kann ebenfalls Nymphen des Vektors „beherbergen“. Andere Quellen geben an, dass Schilf-Glasflügelzikaden auch auf Karotten und Roter Beete ihren gesamten Lebenszyklus verbringen können.

Auch Erdbeeren, Zwiebeln, Rhabarber, Paprika, Tomaten, Kapstachelbeere (Physalis) und Sellerie sollen auf dem Speiseplan stehen – diese allerdings ohne Beteiligung an der Nymphenentwicklung. Seit Kurzem wird auch von Spargel und Kohl gesprochen, ob mit oder ohne Nymphen, ist noch unklar.

Pflanzen, die zwar selbst nicht erkranken, aber den Nymphen als Nahrungsquelle dienen, sind Weizen, Gerste und manche Unkräuter. Dies ist insofern gefährlich, dass sich an solchen Pflanzen die Larven über den Winter weiterentwickeln, ohne dass man Böses ahnt.

Eine geringe Überlebensrate der Nymphen wurde an Ölrettich, Senfsorten und Sojabohnen festgestellt.

(Quelle: Tabelle Lang et al. 2025 im Merkblatt von Unika)

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Wieso ist die Schilf-Glasflügelzikade ein Problem?

Die Insekten können schon früh im Jahr in großer Zahl zuschlagen, wenn die Nymphen der Zikaden den Winter im Boden an Ernteresten, an den Wurzeln einer Winterkultur, der Gründüngung oder dem passenden „Unkraut“ saugend überstehen konnten. Vor allem Zuckerrüben- und Kartoffelbetriebe sind gefährdet, gefolgt von Gemüsebaubetrieben mit Zwiebeln, Karotten, Rote Beete und anderen. Und der Schädling erweitert ständig seinen Speiseplan!

Es gibt kein regulär zugelassenes Pflanzenschutzmittel gegen die Schilf-Glasflügelzikade – weder im Profi- noch im Freizeitgartenbau. Wegen der Existenzgefährdung für Betriebe in Landwirtschaft und Gartenbau wurden inzwischen einzelne, zeitlich begrenzte Notfallzulassungen mit strengen Auflagen erteilt. Details findet man auf den Webseiten der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).

Ist Erntegut von erkrankten Pflanzen giftig?

Zwar sind die geernteten kranken Feldfrüchte nicht giftig, aber sie sind von schlechter bis unverkäuflicher Qualität – was für Erwerbsanbauende sehr bitter und für Hobbygärtnernde ebenfalls frustrierend ist.

Was kann man gegen die Schilf-Glasflügelzikade tun

Langfristig hoffen alle Geplagten in der Landwirtschaft auf resistente und tolerante Sorten, aber Züchtung dauert. Eine Teillösung kann inzwischen eine entsprechende Kultur-/Fruchtfolge sein: eine gefährdete Pflanzenart weit entfernt von einem befallenen Feld anbauen, nicht Wirtspflanze auf Wirtspflanze folgend aussäen oder pflanzen, zur Gründüngung Ölrettich, Senf oder Sojabohnen anbauen. Vor allem sollten sie kein Wintergetreide nach Zuckerrüben oder Kartoffeln aussäen.

Auch eine Brachephase würde den Entwicklungskreislauf der Zikade unterbrechen, doch kollidiert eine solche mit dem Streben nach einer permanenten prozentualen Mindestbedeckung der Bodenfläche, wie sie von der EU-Agrarförderung im Profi-Anbau unterstützt wird (und wie auch wir Freizeitgärtnernde unsere Beete bebauen) – zur Bodenverbesserung, als Erosionsschutz, Schutz vor Auswaschung von Nitraten und anderem mehr.

Derzeit werden natürliche Gegenspieler wie Nematoden, Bakterien und Pilze auf ihre Eignung zur Bekämpfung der Nymphen getestet.

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Die gute Nachricht für gärtnerisch Tätige mit kleinen Flächen und auch Freizeitgärtnernde: Beete oder Hochbeete kann man mit engmaschigen Kulturschutznetzen* schützen.

Nicht zu vernachlässigen sind auch alle Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt, denn so sorgt man auch für die natürlichen Gegenspieler Schilf-Glasflügelzikade wie Vögel, Ameisen, Spinnen, Wespen, Raubwanzen und andere.

Wie problematisch ist die Schilf-Glasflügelzikade im Garten und auf dem Balkon?

Gartenzäune beeindrucken Schilf-Glasflügelzikaden und andere flugfähige Insekten wenig. Insofern sind die Pflanzen im Garten nicht geschützt. Ein Vorteil von Garten und Balkon ist aber, dass die Flächen klein und artenreich bepflanzt sind. Eine Massenvermehrung dürfte hier weniger wahrscheinlich sein wie auf großen Feldern mit Monokultur. Problematisch könnte es möglicherweise werden, wenn der Garten direkt neben einem stark befallenen Feld mit Getreide als Winterkultur (Winterung) liegt. Andererseits hat man im Garten und auf dem Balkon andere Möglichkeiten als auf einem großen Feld, Schädlinge fernzuhalten.

Keine Panik

Stellt man Symptome ähnlich der obigen Bakteriosen an Pflanzen im eigenen Garten oder auf dem Balkon fest, muss man nicht in Panik geraten, die Erscheinungen können auch andere Ursache haben, beispielsweise Probleme bei der Nährstoffversorgung, Übersalzung des Bodens, eine ganz andere Krankheit und anderes mehr. Findet man an den Pflanzen auch Schilf-Glasflügelzikaden, deren Eigelege oder Nymphen im Boden, erhärtet sich der Verdacht allerdings. Eine gesicherte Diagnose ist oft nur mit einem Labortest möglich, denn die sichtbaren Symptome sind von der Pflanzenart und Sorte, ob es sich um eine Infektion mit einem oder mehreren der bakteriellen Erreger handelt und vielem mehr abhängig.

Was tun gegen Schilf-Glasflügelzikaden im Garten und auf dem Balkon

  • Natürliche Gegenspieler fördern
    Vögel, Fledermäuse, Spinnen, Raubwanzen und Laufkäfer sind Räuber und freuen sich über Insekten als Futter. Man kann sie durch naturgemäßes Gärtnern, abwechslungsreichen Pflanzenanbau, einem vielfältigen Angebot an kleinen, naturnahen Lebensräumen, dem Anbieten von Nist- und Versteckmöglichkeiten, dem Einrichten von Wasserstellen und Ähnlichem unterstützen.
  • Widerstandsfähige Sorten
    Langfristig hoffen die Profis auf resistente und tolerante Sorten, davon würden auch wir Freizeitgärtnernde profitieren. Aber Züchtung braucht Zeit. Jedoch wird im Rahmen der Forschung bereits beobachtet, ob es Sortenunterschiede beispielsweise bei den aktuellen Kartoffelsorten gibt.
  • Abstände, Kultur-  und Fruchtfolge anpassen
    Gefährdete Pflanzenarten sollte man weit entfernt von einem befallenen Feld oder Beet anbauen. Außerdem sät oder pflanzt man, wenn möglich, nicht Wirtspflanzenart nach Wirtspflanzenart, und kein Wintergetreide nach Kartoffeln (wie in der Landwirtschaft und in einigen Gärten als Wintergründüngung üblich).
  • Frühe Pflanzung
    Mit einer frühen Pflanzung früher Sorten kann man einem möglichen Befall, Infektion und Schaden davonwachsen. Beispielsweise sind Frühkartoffeln weniger gefährdet!
  • Klebetafeln
    Klebetafeln können zur Flugfeststellung der Schilf-Glasflügelzikade eingesetzt werden. Einen großen Einfluss auf einen vorhandenen Befall sollte man nicht erwarten.
  • Kulturschutznetze
    Beete oder Hochbeete kann man mit engmaschigen Kulturschutznetzen (Maschenweite 0,8 cm) vor dem Zuflug der Schilf-Glasflügelzikade und vielen anderen Schädlingen schützen.
  • Winterbrache nach Befall im Sommer
    Findet man bei der Ernte zum Ende des Sommers Nymphen an den unterirdischen Pflanzenteilen, sollte man das Beet sauber abräumen, den Boden lockern und weder bepflanzen noch mulchen, damit die verbliebenen Nymphen im Winter verhungern. Das mindert den Befallsdruck im nächsten Jahr. Auch auf das Mulchen sollte man ausnahmsweise verzichten.
  • Richtige Entsorgung kranker Pflanzen
    Mit Schilf-Glasflügelzikade befallene und erkrankte Pflanzen sollte man nicht auf den Kompost geben, denn eventuelle Nymphen könnten sich weiterentwickeln und eventuelle eventuelle Bakteriosen könnten von Schilf-Glasflügelzikaden aufgenommen werden. Sicherheitshalber sollte man sie daher über den Restmüll entsorgen.

Vielversprechende Aussichten

Derzeit wird nach natürlichen Organismen zur biologischen Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikaden gesucht. Es gibt erste Versuche mit nützlichen Nematoden – winzige Fadenwürmer, wie sie auch gegen Dickmaulrüssler, Maulwurfsgrillen und Trauermücken eingesetzt werden. Ebenfalls im Gespräch sind Verwirrungstaktiken mit Vibrationssignalen und Sexualpheromonen, damit sich die Paarungspartner nicht mehr finden können.

[Quellen sind u.a.: Merkblatt Schilf-Glasflügelzikade von Unika (Union der deutschen Kartoffelwirtschaft), Schilf-Glasflügelzikade – Informationen des Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Neue Strategien gegen die Schilf-Glasflügelzikade vom Bundesinformationszentrum Landwirtschaft Dort finden Sie auch Schadbilder der Bakteriosen, Bilder der Entwicklungsstadien der Schilf-Glasflügelzikade und weitere Informationen]

Was sind eigentlich Zikaden?

Zikaden gehören zur Klasse der Insekten und in dieser zur Ordnung Schnabelkerfen. Diese haben stechend-saugende Mundwerkzeuge. Sie können nur flüssige Nahrung aufnehmen (sie können keine Pflanzenteile abbeißen!). Die größte Zikade ist die südasiatische Kaiserzikade (Pomponia imperatoria), die bis zu 7 cm lang wird. Viele Arten erreichen jedoch nicht einmal 2 mm Länge.

Zikaden versus Heuschrecken

Zikaden sind nicht mit Heuschrecken verwandt: Heuschrecken haben ihre eigene Ordnung, die Ordnung der Heuschrecken (Orthoptera). Heuschrecken haben Mundwerkezeuge, mit denen sie Pflanzengewebe abbeißen und zermahlen können.

Weitere Zikaden im Garten

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Rosenzikade  
Die Rosenzikade (Edwardsiana rosae; Synonym: Typhlocyba rosae) ist eine Rundkopfzikade in der Familie der Zwergzikaden und der Unterfamilie der Blattzikaden. Diese Zikaden sind klein, sie halten sich an Blättern auf und sie saugen Zellen aus. Auf der Blattoberseite sieht man feine Sprenkel. Das sind ausgesaugte Zellen, die kein Chlorophyll mehr enthalten. Oft beginnen die Schadsymptome entlang der Mittelrippe und breiten sich nach und nach aus. Stark befallene Blätter können vorzeitig abfallen.

Rosenblätter mit Schaden durch Zikaden
Sind Rosenzikaden die Verursacher von solchen Blattsymptomen, so findet man auf der Blattunterseite Zikaden, Larven und/oder Häutungsreste. Erwachsene Rosenzikaden sind 3,5 bis 4 mm lang und haben voll ausgebildete Flügel, Larven sind hell und haben nur Flügelstummel.

Rosenzikaden haben zwei Generationen im Jahr. Die Weibchen der zweiten Generation legen ihre Eier im Herbst in die Rinde von Rosen. Die Larven schlüpfen im nächsten Frühjahr und beginnen mit der Nahrungsaufnahme an den Blättern. Sie durchlaufen 5 Larvenstadien, in denen sie sich zum Vollinsekt mit funktionsfähigen Flügeln entwickeln. Das dauert bis zu 6 Wochen, dann wandern die meisten Tiere auf Sommerwirte ab, legen dort Eier, aus denen Larven schlüpfen, die, sobald sie erwachsen sind, wieder Rosen aufsuchen. Sommerwirte der Rosenzikade sind beispielsweise Hartriegel, Weißdorn, Apfel, Kirsche, Ahorn und Vogelbeere.

Was tun gegen Rosenzikaden
Die meisten Rosen mögen die Sonne, aber sie mögen es nicht heiß und trocken. Man sollte ihnen einen Platz geben, an dem vorher keine Rosen standen, ihnen einen tiefgründigen, guten Boden und ausreichend Raum bieten.

Um Rosenzikaden und andere Schädlinge in Schach zu halten, sorgt man im Garten für Vielfalt, was auch die natürlichen Gegenspieler der Rosenzikaden fördert – dies sind Vögel, Spinnen, Raubwanzen und andere Räuber, aber auch Parasiten und Parasitoide. 

Ein fachgerechter Rosenschnitt hält Rosen gesund und blühwillig und man entfernt überwinterte Eier der Rosenzikade. Bei starkem Befall kann man die Rosenzikade im zeitigen Frühjahr mit einem für den Haus- und Kleingarten zugelassenen Präparat (beispielsweise auf Basis von Rapsöl) bekämpfen.

Rhododendronzikade
Auch die Rhododendronzikade (Graphocephala fennahi) ist eine Rundkopfzikade. Sie gehört ebenfalls zu den Zwergzikaden, allerdings zur Unterfamilie der Schmuckzikaden. Der Name ist hier Programm, denn die erwachsenen Tiere sind in leuchtenden Grün- und Orangetönen gemustert. Die Rhododendronzikade kam vermutlich in den 1930er Jahren mit Rhododendronpflanzen nach Südengland und später auf das europäische Festland. In Deutschland wurde sie 1978 zum ersten Mal erfasst. Die erwachsenen Tiere sieht man ab Ende Juni auf der Blattoberseite entlang der Hauptblattader.

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Während die Larven auf Rhododendren spezialisiert sind, wechseln die erwachsenen Tiere gelegentlich auf andere Gehölze wie Efeu, Linden oder Platanen.

Die Rhododendronzikade hat eine Generation pro Jahr, wobei die Eier in den Blütenknospen überwintern. Ende April/Anfang Mai schlüpfen die hellgrün-gelblichen Larven und suchen Blattunterseiten auf, um Pflanzensaft zu saugen. Nach mehreren Häutungen werden sie ab Juni zum erwachsenen Tier.

Die Saugtätigkeit der Rhododendronzikade schadet den Pflanzen in der Regel kaum, jedoch kann bei der Eiablage eine Pilzkrankheit, die zum Knospensterben (Pycnostysanus azaleae) führt, übertragen werden. Befallene Blütenknospen verfärben sich im Winter grau bis braun. Sie treiben im Frühjahr nicht aus, sondern bleiben mehrere Jahre an der Pflanze. Der Pilz wandert auch abwärts in Zweige und Blätter und kann dort zu Absterbeerscheinungen und großen braunen Blattflecken führen.

Was tun gegen Rhododendronzikaden und Knospensterben
Im Frühjahr sollten alle abgestorbenen Knospen entfernt werden. Vielfalt im Garten fördert auch die natürlichen Feinde der Zikaden. Bei dennoch starkem Befall kann man die Larven auf der Blattunterseite im Frühjahr mit einem für den Haus- und Kleingarten zugelassenen Präparat (beispielsweise auf Basis von Rapsöl) bekämpfen.

Schaumzikaden
Wer sich schon einmal über merkwürdige, wie Spucke aussehende Erscheinungen an Pflanzen im Garten gewundert hat, hat wahrscheinlich die Kinderkrippen von Schaumzikaden entdeckt. Keine Angst, Schaumzikaden richten in der Regel keinen nennenswerten Schaden an.

In Deutschland gibt es 4 Gattungen mit insgesamt 13 Schaumzikadenarten. Schaumzikaden saugen Xylemsaft (Wasserleitsystem von den Wurzeln nach oben zu den Blättern). Hinsichtlich der Wirtspflanzen sind sie nicht allzu wählerisch. Sie fallen dadurch auf, dass ihre Larven in oberirdischen, von ihnen selbst erzeugten  Schaumnestern leben, je nach Art an Gräsern, krautigen Pflanzen oder Gehölzen.

Schaumzikaden durchlaufen fünf Larvenstadien, mit jedem Larvenstadium werden sie dem Vollinsekt ähnlicher (es gibt bei Zikaden kein Puppenstadium).

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Die größte mitteleuropäische Art ist die Alpenschaumzikade (Aphrophora major), sie wird bis zu 12,5 mm lang. Sie mag es eher kühl und feucht und kommt in Deutschland im bayerischen Alpenvorland südlich der Donau, im Bayerischen Wald und in den Mooren der nordwestdeutschen Tiefebene vor. Als erwachsene Tiere (Mitte Juli bis Ende September) halten sie sich meist an Gehölzen wie Weide oder Birke auf. Die Männchen singen – jedoch für uns unhörbar. Die Weibchen legen ihre Eier in der Krautschicht ab, wo sie zunächst überwintern. Erst im Frühjahr schlüpfen die Larven und leben dann in ihren Schaumnestern an Kräutern, Stauden und Gräsern. Die Art hat zwar keinen gesetzlichen Schutz, aber steht auf der Roten Liste als stark gefährdet wegen der Zerstörung ihrer Lebensräume durch Entwässerungen und Inkulturnahme von Moorgebieten.

Die Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) stammt ursprünglich aus der Paläarktis (Europa, Nordafrika, Asien), ist aber inzwischen fast überall auf der Welt verbreitet. Den meisten Menschen fallen nur die Schaumnester der Larven am Wiesenschaumkraut auf. Weil man früher dachte, dies hänge mit dem Erscheinen des Kuckucks im Frühjahr zusammen, hat man die Schaumnester Kuckucksspucke und das Wiesenschaumkraut Kuckucksblume genannt. Die Wiesenschaumzikade ist nicht spezialisiert, sondern kann sich von vielen Pflanzen ernähren (nachgewiesen sind 170 Arten).

Die erwachsenen Tiere der Wiesenschaumzikade trifft man in vielerlei Gestalt, denn es gibt etwa 20 verschiedene Farb-/Musterformen. Die Flügelspitzen sind am Ende runder als die der Alpenschaumzikade. Die erwachsene Wiesenschaumzikade ist ein guter Springer und wird deshalb manchmal für eine Heuschrecke gehalten. Mit ihren etwa 5 mm Länge kann sie aus dem Stand 70 cm hoch springen. Doch bewegt sie sich hauptsächlich laufend oder fliegend.

Die Wiesenschaumzikade ist zur Brutzeit eine wichtige Nahrungsquelle für viele Vogelarten und auch für den Grasfrosch Hauptbestandteil seiner Nahrung. Weitere Tiere, die sich von ihr ernähren und damit natürliche Feinde sind, sind Spinnen sowie räuberische Insekten, Parasiten und Parasitoide. 

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Bläulingszikade
Die Bläulingszikade (Metcalfa pruinosa) ist eine bis 8 mm lange Schmetterlingszikade aus der Unterordnung der Spitzkopfzikaden. Sie stammt aus Nordamerika und kam in den 1970er Jahren mit Pflanzenimporten nach Südeuropa. Von dort hat sie sich ausgebreitet. In Österreich (Graz und Wien) tritt sie inzwischen häufiger auf und auch in anderen unserer Nachbarländer wie Polen, Tschechien, Slowenien und Frankreich wurde sie schon gesichtet. Vermutlich gibt es sie auch schon bei uns, nur ist sie bisher nicht weiter aufgefallen, denn die mit Wachswolle überzogenen Larven können auf den ersten Blick mit Woll- und Schildläusen verwechselt werden.

Die Bläulingszikade hat einen breit aufgestellten Speisezettel, so wurde sie schon an 290 Pflanzenarten festgestellt, darunter Zitruspflanzen, Wein, Sonnenblumen, Mais und Soja sowie auch viele Wildpflanzen. Einen direkten wirtschaftlichen Schaden richtet sie anscheinend nicht an, Probleme macht eventuell der Honigtau, den die Tiere ausscheiden, auf dem sich Rußtau ansiedeln kann. Der Honigtau freut die Bienen – aber nur, solange nicht mit giftigen Pflanzenschutzmitteln gegen die Zikaden vorgegangen wird, was den Bienen schaden und den Honig beeinträchtigen könnte.

Fazit

Zikaden sind faszinierende Tiere, die man im Garten oder auf dem Balkon meist relativ einfach im Zaum halten kann.

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Klimaschutz ist Pflanzenschutz

Der Klimawandel macht Pflanzen das Leben schwer und kann die Ernährungssicherheit von Mensch und Tier und andere Lebensgrundlagen gefährden. Gärtnerische Maßnahmen, die sich positiv auf Pflanzen, das Klima und manche auch auf die Geldbörse auswirken.

Die Zunahme von Treibhausgasen wie Kohlendioxid (wissenschaftlich korrekt: Kohlenstoffdioxid, chemisch: CO2) in der Erdatmosphäre führt zu immer höheren Temperaturen und einer Zunahme von Extremwetterereignissen.

Rasen und Stauden mit starken Trockenheitsschäden
Die Hitze- und Trockenheitsschäden im Sommer sind besonders stark, wenn der Boden im Winter und Frühjahr nicht genügend Wasser speichern konnte.
Überschwemmung nach Stark- und Dauerregen
Der Klimawandel bringt nicht nur höhere Temperaturen und Trockenheit, sondern auch Extremwetterereignisse wie Unwetter, Stark- und Dauerregen, die zu Überschwemmungen führen können.

Beispiel Bayern: Laut Bayerischem Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz war das vergangene hydrologische Jahr (November 2023 bis Oktober 2024) das nassestes Jahr in Südbayern seit 1950 und zahlreiche Dauer- und Starkregenereignisse führten zu massiven Hochwassern mit schwerwiegenden Folgen. Im gleichen Zeitraum erlebte Bayern mit einer Mitteltemperatur von 10,7 °C auch das wärmste Jahr in der 143-jährigen Beobachtungsreihe.

Klimafreundliches Gärtnern

Klimafreundliches Gärtnern ist Pflanzenschutz – es schützt Pflanzen und uns – und jeder kann den Kampf gegen den Klimawandel unterstützen. Das können Sie beispielsweise tun:

Gärtnern ohne Torf

Moore sind wichtige CO2-Speicher, auf die Fläche bezogen sogar viel effizienter als Wälder. Werden Moore für den Torfabbau oder „Umnutzungen“ trockengelegt, entweicht nicht nur sehr viel CO2, sondern auch das noch klimaschädlichere Lachgas. Inzwischen gibt es jedoch Pflanzerden und Bodenverbesserungsstoffe für fast alle Anwendungsgebiete auch ohne Torf.

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Wer ohne Torf gärtnert, tut etwas gegen die Zerstörung der Moore, die ein äußerst wichtiger CO2-Speicher sind. Torffreie Pflanzerden bekommt man im Gartencenter, Baumarkt und bei Amazon*.

CO2-Speicher Gartenboden

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Pflanzen nutzen CO2 aus der Luft und „verbauen“ es mithilfe von Energie, die sie aus dem Sonnenlicht gewinnen, im Pflanzengewebe. Am Ende des Pflanzenlebens wird das Gewebe durch Bodenlebewesen zerkleinert und verrottet zu Humus, einer krümeligen, erdähnlichen organischen Substanz. Im langlebigen Humusanteil bleibt CO2 gespeichert, ebenso sind wertvolle Nährstoffe darin gebunden. Erhöht man den Humusgehalt im Boden, verbessert man nicht nur die Bodenfruchtbarkeit, es bleibt auch mehr CO2 im Boden, statt in die Atmosphäre zu entweichen. Erreichen lässt sich dies durch ökologische Anbaumethoden wie den Anbau ohne (tiefes) Umgraben/No-Dig-Methode, durch Kreislaufwirtschaft (Kompostierung von Gartenabfällen, Terra Preta Herstellung und Einsatz) und ähnliche Maßnahmen.

rustikaler Komposthaufen
Beim Kompostieren werden die Gartenabfälle zu Kompost, der zum Düngen und Bodenverbessern verwendet werden kann und in dessen Dauerhumusanteil ein Teil des CO2 dauerhaft gespeichert bleibt

Böden schützen, pflegen und verbessern

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Wer obige Maßnahmen nutzt und zusätzlich seine Gartenflächen ganzjährig mit lebenden Pflanzen oder Mulch bedeckt hält, hat nicht nur weniger CO2-Freisetzung, sondern weniger Probleme mit Winderosion und Auswaschung bei Regen – ganz abgesehen davon, dass auch weniger Nährstoffe bei Dauerregen oder Schneeschmelze ins Grundwasser gelangen. Geeignete Maßnahmen zur Bodenbedeckung sind Mischkultur, Untersaaten, Anbau von Wintergemüse/wintergrünen Bodendeckern, Gründüngung und Mulchen.

Nachhaltigkeit im Blick

Bei der Anschaffung von Pflanzgefäßen, Gartenwerkzeugen, Gartenmöbeln und Ähnlichem setzt man idealerweise auf klima- und umweltfreundliche, langlebige Materialien. Wer handwerklich und/oder künstlerisch ein wenig begabt ist, kann defekte Geräte reparieren, ausgemusterte Gefäße recyceln oder aus Altem etwas schönes Neues schaffen (Upcycling).

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Entsiegelung und Regenwassernutzung

Damit Starkregen nicht zu Sturzbächen führt, die alles mitreißen und dann in der Kanalisation landen, sollten Flächen soweit wie möglich entsiegelt werden – auch auf dem eigenen Grundstück. Beispielsweise können Zufahrten, Parkplätze oder Gartenwege statt mit undurchlässigem Bodenbelag durch Fugenpflaster oder Rasengittersteine begeh-/befahrbar gemacht werden. Das ist oft nicht nur preiswerter und attraktiver, sondern der Boden kann Wasser speichern und „atmen“, was gut für Pflanzen, Klima und die Kanalisation ist.

Regenwasser kann aufgefangen und in Regentonnen, Zisternen, Wassertanks, Bodensenken und Ähnlichem gespeichert und dann bei Bedarf genutzt werden.

Regentonne neben einem Gewächshaus mit Regenrinne/Dachrinne und Regenfallrohr
Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Andere Regenwasserspeicher sind beispielsweise Senken, Gartenteiche, unterirdische Tanks, Dachzisternen.


Klimafreundliche Verarbeitung der Ernte

Den persönlichen CO2-Fußabdruck (CO2-Verbrauch) verbessert man bei der Verarbeitung der Ernte, beispielsweise indem man Kartoffeln und Gemüse mit möglichst wenig Wasser reinigt und allgemein mit wenig Wasser kocht. Das gilt genauso auch für gekaufte Lebensmittel – in Lieferketten-Analysen hat man nämlich festgestellt, dass die Einsparungen, die auf dem Weg von der Ernte beim Gärtner/Landwirt bis zum Verkauf (Supermarkt, Wochenmarkt etc.) gemacht wurden, durch die Verbraucher unabsichtlich zunichte gemacht werden (ineffiziente KFZ-Nutzung, Bedarf falsch eingeschätzt, zu viel Abfall, Gemüsewaschen und Kochen mit zu viel Wasser etc.).

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Schadensbegrenzung (Beispiele)

Bis zu einem gewissen Grad kann man die Folgen des Klimawandels örtlich etwas abschwächen: Parks, Straßen-, Dach- und Fassadenbegrünungen sorgen für bessere Luft und auch kühlere Räume hinter den Steinmauern. Das Aufbrechen stauender Schichten im Gartenboden sorgt für schnelleres Abtrocknen des Bodens während und nach Starkregen und verhindert so Pflanzenschäden durch Staunässe.

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Manche liebgewonnenen, aber empfindlichen Gartenpflanzen überstehen die Klimaveränderung jedoch nicht oder nur mit großem Aufwand und Frust. Man kann sie an sonnigen, trockenen Standorten beispielsweise durch trockenheitsverträgliche Arten wie Sonnenhüte (Echinacea), Lavendel (Lavandula), Johanniskraut (Hypericum) oder Duftnessel (Agastache) ersetzen. Allerdings zeigt sich nicht jede trockenheitsverträgliche Art bei sehr warmem und trockenem Frühlingswetter von ihrer schönsten Seite (beispielsweise manche Zierlauchart) und bei anderen Arten, beispielsweise bei einigen Tiefwurzlern, ist die Trockenheitsverträglichkeit von der Tiefgründigkeit des Bodens abhängig. In guten Baumschulen und Staudengärtnereien enthält man Pflanzenempfehlungen für die genauen (neuen) Standortbedingungen (Bodenart, Bodentrockenheit im Schatten, Bodentrockenheit und Hitzestau in der Sonne, Standort mit abwechselnd sehr trockenem, dann wieder sehr nassem Boden usw.).

Lavendel mag es warm und sonnig und benötigt wenig Wasser. Man kann ihn ins Staudenbeet, aber auch in Kübel pflanzen.
Sonnenhut und Duftnessel an einem trockenen, heißen Standort vor einer Südwand.
Blumenlauch (Allium aflatunense ‚Purple Sensation‘) hat sich bei mir zwar als trockenheitsresistent erwiesen, seine Blätter werden in Jahren mit anhaltend warmem, trockenem Frühlingswetter jedoch sehr früh gelb und er verblüht dann viel zu schnell. Er kommt im nächsten Jahr zwar wieder, jedoch oft schwächer.

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Pflanzen des Jahres 2025

Wie jedes Jahr wählten verschiedene Organisationen, Institutionen und andere ihre Pflanze des Jahres 2025: beispielsweise die Blume des Jahres, die Staude des Jahres, den Baum des Jahres, die Arzneipflanze des Jahres, die Giftpflanze des Jahres und viele andere. Meist geht es darum, das Augenmerk von GärtnerInnen, KonsumentInnen und Öffentlichkeit auf Pflanzen zu lenken, die gefährdet oder zu wenig bekannt sind oder nicht genug wertgeschätzt werden. Meist sind es Aspekte des Naturschutzes, der Artenvielfalt und des Klimawandels, manchmal aber auch die wenig bekannte Gefährlichkeit einiger Pflanzenarten unter bestimmten Bedingungen.

Hier die wichtigsten Pflanzen des Jahres 2025 und von wem sie jeweils als solche bestimmt wurden:

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Kaukasus-Vergissmeinnicht
Das Kaukasus-Vergissmeinnicht (Brunnera macrophylla) ist eine frostverträgliche Staude, die im März nach einer kurzen Ruhezeit alljährlich frisch austreibt. Über den bodenbedeckenden, großen herzförmigen Blättern werden die zahlreichen kleinen Blüten gebildet, die denen von Vergissmeinnicht (Myosotis) und Gedenkemein (Omphalodes) ähneln – man kann sie jedoch anhand der Größe und Form der Blättern gut voneinander unterscheiden.

Kaukasus-Vergissmeinnicht (Brunnera macrophylla)
Das Kaukasus-Vergissmeinicht (Brunnera macrophylla) wurde vom Bund Deutscher Staudengärtner (BDS) zur Staude des Jahres 2025 gewählt.
Das Wald-Vergissmeinnicht lässt sich gut anhand der Blätter vom Kaukasus-Vergissmeinicht unterscheiden.
Das Wald-Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica) lässt sich anhand der Blätter gut vom Kaukasus-Vergissmeinnicht (Brunnera macrophylla) unterscheiden.

Das Kaukasus-Vergissmeinnicht mag halbschattige bis schattige Plätze und humusreichen, leicht feuchten Boden. Es blüht in der Zeit von April bis Juni in Blau oder Weiß. Nach der Blüte sind auch die Blätter ein Hingucker. Je nach Sorte sind sie nicht einfarbig grün, sondern gemustert, beispielsweise hell gerändert, haben weiße Punkte oder einen silbrigem Glanz, wodurch das Kaukasus-Vergissmeinnicht auch nach der Blüte einen schattigen Standort noch aufhellen kann. Die Staudensichtung hat zudem gezeigt, dass besonders die dickblättrigen Sorten von Schnecken verschmäht werden, was an manchen schattigen Plätzen hilfreich sein kann.

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Sumpf-Blutauge
Die Loki-Schmidt-Stiftung hat das Sumpf-Blutauge (Comarum palustre) zur Blume des Jahres 2025 gewählt. Sie will damit die Aufmerksamkeit auf die gefährdeten moorigen Ökosysteme legen sowie deren Bedeutung für Pflanzen und Tiere, aber auch für uns Menschen lenken.

Sumpf-Blutauge (Comarum palustre)
Das Sumpf-Blutauge besiedelt Niedermore und Zwischenmoore sowie nasse, zeitweilig überflutete Torf- und Schlammböden. Es steht wegen seiner Spezialisierung auf den stark bedrohten Lebensraumtyp Moor in vielen Regionen auf der Roten Liste. (Bild: PublicDomainPictures/Pixabay)

Blattkohl
Blattkohl wurde vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) zum Gemüse des Jahres 2025 und 2026 ernannt.

Der bei uns am häufigsten genutzte Blattkohl dürfte der Grünkohl (Brassica oleracea var. sabellica) sein.

Aber was ist Blattkohl überhaupt? Blattkohl werden laut VEN die Sippen der Brassica-oleracea-Gruppe genannt, die zur Erntezeit einen unverzweigten Spross mit Blattschopf haben. Das sind beispielsweise Grünkohl, Markstammkohl, Palmkohl, aber auch Kohlrabi (Brassica oleracea var. gongylodes) dessen wertvolle Blätter es unbedingt verdient haben, ebenfalls verwendet zu werden).

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Rot-Eiche
Die Rot-Eiche (Quercus rubra), auch Amerikanische Spitzeiche genannt, ist ein schnellwüchsiger, widerstandsfähiger Baum, der bis zu 400 Jahre alt werden kann, wobei er eine Höhe von bis zu 25 m erreicht (in seltenen Fällen sogar 35 m). Die attraktiven gelappten Blätter färben sich im Spätherbst leuchtend rot, was den amerikanischen Fremdling zunächst vor allem als auffälligen Parkbaum interessant machte. Heute steht die Rot-Eiche für Resilienz und nachhaltige Forstwirtschaft, weil sie mit dem Klimawandel besser zurechtzukommen scheint. Sie gilt zudem als widerstandsfähiger gegen Schädlinge und hat eine höhere Schattenverträglichkeit als die heimischen Eichenarten.

Die Rot-Eiche wurde von der Dr. Silvius Wodarz Stiftung und dem Verein Baum des Jahres zum Baum des Jahres 2025 gekürt.

Roteiche: Blätter, Eicheln
Die Fähigkeit der Rot-Eiche, auch auf trockenen Standorten zu gedeihen, macht sie zu einem wichtigen Bestandteil holzwirtschaftlich genutzter Wälder in Zeiten des Klimawandels. (Bild WikimediaImages/Pixabay)
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Linde (Sommerlinde, Winterlinde)
Sommer- und Winterlinde (Tilia platyphyllos & Tilia cordata) wurden von NHV Theophrastus, nhv-theophrastus.de, zur Heilpflanze des Jahres 2025 erklärt.

In der Pharmakologie werden die getrockneten Blütenstände verwendet. Ihre Hauptinhaltsstoffe sind Flavonoide, Schleime und ätherisches Öl. Lindenblütentee wird traditionell bei Erkältungen eingesetzt.

Linde: Blätter und Früchte
Blätter und Früchte der Linde (Bild vektator/Pixabay)

Gemeine Schafgarbe
Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde hat die Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium) zur Arzneipflanze des Jahres 2025 ernannt.

Ihre Heimat hat die Korblütlerpflanze in Eurasien sowie Nord- und Mittelamerika. Die sehr winterharte und insektenfreundliche Pflanze besiedelt bevorzugt nährstoffreiche Wiesen, Weiden (Schafe lieben ihre Blätter), Halbtrockenrasen sowie Acker- und Wegränder.

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Das Kraut und die Blüten der Schafgarbe enthalten ätherische Öle, Gerbstoffe und Flavonoide, was die Menschen seit Jahrtausenden heilkundlich zu nutzen wissen. Bereits im ersten Jahrhundert wurde die Pflanze in der Arzneimittelkunde des griechischen Arztes Dioskurides zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Seit dem Mittelalter gilt die Gemeine Schafgarbe als bewährtes Mittel bei Wunden, Verdauungsbeschwerden und Frauenleiden.

Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium)
Die Gemeine Schafgarbe besiedelt neue Flächen (Pionierpflanze), ist Stickstoffanzeiger, Wild-, Weide- und Gartenpflanze und eine seit Jahrtausenden geschätzte Heilpflanze.

Cashewbaum
Der Cashewbaum (Anacardium occidentale) wurde vom Botanischen Sondergarten Wandsbek zur Giftpflanze des Jahres 2025 gekürt. Der Baum hat seine Heimat in Brasilien, wird inzwischen jedoch in Afrika, Asien, Lateinamerika und Indien in Plantagen kultiviert.

Cashewbaum mit Cashewäpfeln (Scheinfrüchte) und heraushängenden Cashewkernen mit Schale
Cashewbaum mit Cashewäpfeln (Scheinfrüchte) und heraushängenden Cashewkernen mit Schale. (Foto Emidie/Pixabay)

Wer rohe Cashewkerne mit Schale isst, kann von heftigen Bauchschmerzen geplagt werden. Auch die Haut kann allergisch reagieren mit Symptomen wie bei Verbrennungen zweiten Grades. Bei dem geringsten Verdacht einer Vergiftung sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Cashewkerne in Lebensmittelqualität
Die meisten von uns kennen nur die hellen, schmackhaften Cashewkerne aus dem Lebensmittelhandel, die gesundheitlich unbedenktlich sind.

Anders sieht es bei Cashewkernen mit Schale im rohen Zustand aus: Rohe Cashewsamen enthalten unter anderem das Öl Cardol, welches unverträglich ist und die Schleimhäute angreift. Bevor die Nusskerne als verzehrbereit in den Handel kommen, wird die äußere Schale, die den höchsten Cardol-Gehalt enthält, entfernt. Danach werden die Nüsse entweder geröstet oder gedämpft. Durch diese Verfahren wird das giftige Cardol unschädlich gemacht.

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Glockenblume
Zur Wildbienenpflanze des Jahres 2015 wurde die Wiesen-Glockenblume (Campanula patula) von Bioland und Naturgarten e. V. gekürt.

Breitblättrige Stendelwurz
Die Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine), eine kämpferische heimische Orchidee, wurde vom Bochumer Botanischen Verein zur Stadtpflanze des Jahres 2025 ernannt. Sie erobert viele Nischen in der Stadt wie Bordsteinränder, Baumscheiben, Brachflächen und Gärten und macht sie zu ihrem Lebensraum.

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