Naturschutz neu gedacht

Naturschützer, Waldbewirtschafter, Landwirte, Biologen, Ökologen und andere Wissenschafter sind nicht unbedingt einer Meinung, wenn es darum geht, zu entscheiden, welche Pflanzen und Tiere schützenswert sind und welche Gegenmaßnahmen gegen Zuwanderer angebracht sind. Brauchen wir angesichts von Klimawandel und Umweltbelastungen eine neue Perspektive auf zugewanderte Pflanzen und Tiere? (Erstveröffentlichung in längerer Form im März 2019 im Gartenratgeber**)

Angesichts der Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, fordern einige Fachleute ein Umdenken im Naturschutz: Die Neubürger unter den Pflanzen und Tieren sind nicht grundsätzlich schlecht, sie können sogar die Lösung mancher Probleme sein!

Welche Natur ist schützenswert und welche nicht?

Das verstehen viele der herkömmlichen Sichtweise unter Naturschutz: Biotope mit einheimischen und alteingebürgerten Pflanzen und Tieren müssen erhalten werden – grundsätzlich. Werden sie bedroht, werden harte Gegenmaßnahmen ergriffen: Die pflanzlichen Einwanderer werden gerodet oder mit anderen Methoden zur Strecke gebracht, tierische Fremdlinge werden geschossen, vergiftet oder es werden natürliche Feinde ausgesetzt.

Anzeige


Beispiel 1: Indisches Springkraut

Eine dieser geächteten pflanzlichen Neubürgerinnen bei uns in Deutschland ist das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera), auch Indisches Springkraut, Himalaya-Balsamine oder auch Bauernorchidee genannt. Die Briten brachten es im 19. Jahrhundert nach Großbritannien, von wo aus es als Zierpflanze nach Kontinentaleuropa kam. Es gefällt ihm bei uns und Gartenzäune können es nicht aufhalten. Nun breitet es sich vor allem in feuchten, lichten Wäldern und Auen mit hohem Nährstoffgehalt im Boden aus.

Das Drüsige Springkraut wird von Naturschützern als invasiver (bedrohlicher) Neophyt eingestuft und bekämpft. Tatsache ist, dass das Kraut besonders bei Halbschatten und hoher Luftfeuchtigkeit schnell wächst und andere Pflanzen ab Hochsommer überwuchern kann – jedenfalls, wenn es im Frühjahr keinen Spätfrost gab und es einen frischen, nährstoffreichen Platz gefunden hat. Hummeln und Bienen mögen den neuen Pollen- und Nektarlieferanten aus Südasien – gerade das lässt manche Naturschützer fürchten, dass die dann keinen Geschmack mehr an einheimischen oder länger eingebürgerten Blühern finden und deren Bestäubung und Vermehrung vernachlässigen könnten.

Anzeige


Und obwohl das Indische Springkraut keine aggressiven Wurzelausläufer hat und im Winter abstirbt, breitet es sich rasch aus, weil jede Pflanze 2.000 bis etwa 4.000 Samen bildet, die schon bei leichter Erschütterung herausgeschleudert werden und 5 bis 6 Jahre im Boden keimfähig bleiben.

Die Naturschützer fürchten um wertvolle Biotope und blasen zum Halali: freiwillige Helfer rücken aus und reißen das Springkraut aus – oft erst, wenn die Pflanzen schon blühen, also wahrscheinlich auch die ersten Samen bereits ausgebildet haben, die durch das Tragen zu den Sammelstellen für den Abtransport schön verteilt werden.

Umstrittenes Springkraut, hier mit Brennnesseln am Gehölzrand der Isarauen. Das Springkraut liebt feuchte bis nasse nährstoffreiche Böden an eher schattigen Standorten mit hoher Luftfeuchtigkeit.

Ist eine flächendeckende und rigorose Vernichtung notwendig und sinnvoll?

Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) äußert sich anders über das Indische Springkraut. Sie hat im Jahre 2005 umfassende Versuche angelegt. Die Ausbreitung entlang von Waldrändern und in der Nähe landwirtschaftlicher Flächen wird auf die durch Stickstoffeinträge veränderten Standortbedingungen zurückgeführt. Außerdem sei Springkraut ein Lückenfüller in der Auenvegetation, trete also da auf, wo leere Flecken sind. Es sei auch nicht so, dass das Springkraut von Jahr zu Jahr an der gleichen Stelle immer dichter werde. Aufgrund der Dynamik von Wasser und Sedimenten, die in Flussauen von Jahr zu Jahr wechseln, keimen die beteiligten Arten an immer neuen Stellen.

Dass das Indische Springkraut insgesamt häufiger geworden ist, sei die Kehrseite von Standortveränderungen, wie sie durch Nährstoffeinträge in Böden verursacht werden. Aktionen wie das Ausreißen des Indischen Springkrauts doktere in vielen Fällen an den Symptomen herum, bekämpfe aber nicht die Ursachen. Das Indische Springkraut verdränge andere Arten zudem nicht dauerhaft. Der negative Einfluss auf die Waldverjüngung sei wesentlich geringer als der von Goldrute, Riesenbärenklau oder Japanischem Staudenknöterich, weil der Lichtentzug geringer sei. Und wenn man das Springkraut aus irgendeinem Grund eindämmen will, sei eine rechtzeitige Mahd oder das Ausreißen vor der Samenreife bessere Maßnahmen.

Anzeige


Manche ökologischen Landwirte sowie Bienenzüchter finden das Springkraut im Graben am Feldrand sogar hilfreich – erstere, weil es mehr blattlausfressende Insektenarten („Nützlinge“) als das heimische, gelb blühende Große Springkraut (I. noli-tangere) beherbergt, die Bienenzüchter wegen der hohen Bienenweidequalität des Indischen Springkrauts.

Beispiel 2: umstrittene Baumarten

Eine ähnliche Meinungsverschiedenheit gibt es auch zwischen dem Bundesamt für Naturschutz, welches Douglasie, Robinie, Roteiche und andere Baumarten auf eine Schwarze Liste mit invasiven Pflanzenarten gesetzt hatte, und dem Deutschen Verband Forstlicher Forschungsanstalten (DVFFA), der eine Studie hatte anfertigen lassen, nach der diese Bäume gerade in Zeiten des Klimawandels das Artenspektrum erweitern und die Stabilität eines Bestandes erhöhen können. Es wurde kritisiert, dass die Nutzenerwägungen in älteren Risikobewertungen zu wenig beachtet oder komplett vernachlässigt würden. Man dürfe nicht nur die Gefahren sehen, sondern müsse auch Chancen erkennen und nutzen.

Lässt sich die Zeit zurückdrehen und macht das Sinn?

Schon in  T. C. Boyles spannendem Roman von 2012 Wenn das Schlachten vorbei ist bekämpfen sich zwei Fraktionen von Naturschützer bzw. Tierschützer – beide in bester Absicht: die einen, die den ursprünglichen Zustand eines Ökosystems auf einer der Kanalinseln vor Kalifornien um jeden Preis wieder herstellen wollen und dafür auch über (Tier-)Leichen gehen, und die anderen, die sagen, dass die Einwanderer genauso schützenswert sind wie die, die einheimisch sind, und die die Bekämpfung der eingewanderten Arten verhindern wollen.

Anzeige


Wissenschaftlich differenzierter aber ebenso spannend nimmt sich der renommierte Wissenschaftsjournalist Fred Pearce in seinem Sachbuch Die neuen Wilden – Wie es mit fremden Tieren und Pflanzen gelingt, die Natur zu retten* des Themas an. Er folgte der Spur der fremden Arten auf sechs Kontinenten und interviewte zahllose WissenschaftlerInnen. Am Ende ist er überzeugt, dass invasive Arten oft die Lösung von menschengemachten Problemen sein können.

Die dickstieligen Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes) beispielsweise, die bekanntermaßen sogar Wasserwege völlig verstopfen kann, tritt nur da in Massen auf, wo das Wasser verschmutzt und zu nährstoffreich ist. Sie folgt den Menschen, besser: seinen Abwässern, landwirtschaftlichen Nährstoffeinträgen und sonstigen Verunreinigungen in Seen und Flüssen. Sie verzieht sich, wenn die Ursache beseitigt ist, das heißt, wenn die Pflanze das Wasser gereinigt hat, keine neuen Einträge erfolgen und die Wasserqualität wieder stimmt. Ebenso tritt manche invasive Qualle nur da in Massen auf, wo andere Tiere kaum mehr leben können, weil das Wasser zu belastet und zu sauerstoffarm ist.

Pierce kritisiert, dass von manchen Naturschützern Ursache und Wirkung nicht immer genau getrennt werden. Die Invasivarten besiedeln oft Flächen, wo die Einheimischen wegen Umweltveränderungen bereits stark geschwächt oder sogar ausgerottet wurden. Daran ist aber nicht der Neuling schuld, der mit den veränderten Bedingungen zurechtkommt und die Lücke für sich nutzt. Beispielsweise habe sich die Caulerpa-Alge im Mittelmeer auf Flächen ausgebreitet, nachdem dort Süßgraswiesen wegen der Verschmutzung eingegangen waren. Die Alge besiedelte den frei gewordenen Standort und filtere das Wasser. Tatsächlich soll sie in ihrem Habitat mehr Spezies beherbergen als vorher die Süßgraswiesen. Allerdings ziehe sie sich wieder zurück, wenn das Wasser wieder sauberer wird.

Ökologisches Fitting

Erfolgreiche Ökosysteme entstehen nicht erst nach einer jahrhunderte- oder gar jahrtausendelangen gemeinsamen Entwicklung, so Pearce. Das Beispiel der Insel Ascension im Südatlantik zeige, dass auch eingeführte Pflanzen aus aller Welt in sehr kurzer Zeit zu einer Gemeinschaft werden können, deren Schatten, Schutz und Nahrungsangebot von den bereits vorhandenen Tieren gerne genutzt werden, sodass sie die Blüten bestäuben und die Samen verteilen und so zum Erhalt dieses von Menschen geschaffenen Ökosystems beitragen.

Pearce kommt am Ende seiner Recherchen zu dem Schluss, dass wir einen weniger rückwärtsgewandten Naturschutz anstreben sollten. Er zeigt, dass mit Säuberungswut und Ausrottung selten alte Zustände dauerhaft wiederhergestellt werden. Die Maßnahmen haben oft unvorhergesehene Folgen und das bei enorm hohen Kosten (Geld- und oft Gifteinsatz). Ökosysteme hätten auch gar keinen statischen Idealzustand, der erhalten werden muss. Natur ist Veränderung und es findet eine ständige Neuordnung und Anpassung statt. Alteingesessene Arten sind nicht grundsätzlich gut und neue nicht grundsätzlich schlecht. Und wie anders sollen Arten gedeihen und auf den Klimawandel reagieren, als durch das Vordringen in neue Territorien?

Wenn wir Menschen bestimmte Habitate schützen möchten, weil sie uns am Herzen liegen und wir sie erhalten möchten, dann sei daran nichts falsch, so Pearce, aber wir sollten uns im Klaren sein, dass wir das tatsächlich für uns tun und nicht etwa, weil die Natur das braucht – die braucht möglicherweise die neuen Arten, um die menschengemachten Probleme zu bewältigen.

Anzeige


Fazit

Naturschutz ist wichtig, und die Menschen, die sich ehrenamtlich dafür einsetzen, verdienen Respekt für ihr Engagement. Aber angesichts des Klimawandels und anderer Faktoren, die Standorte verändern, muss Naturschutz neu gedacht werden: Neu ist nicht immer schlecht und alt ist nicht immer gut. Biotope sind von Standortverhältnissen abhängig. Wenn Nährstoffeinträge oder der Klimawandel die Faktoren des Standorts stark verändern, lässt sich das Biotop kaum in der alten Form erhalten. Langfristig werden sich die Arten durchsetzen, die mit den geänderten Standortbedingungen am besten zurechtkommen.

Ursache und Wirkung für die Ausbreitung neuer, vor allem so genannter invasiver Arten, müssen genau analysiert werden. Bei Neophyten darf nicht nur die vermeintlich schlechte und bei der  zurückgedrängten Art nicht nur deren gute Seite in Entscheidungen einbezogen werden. Und falls gegen einen Neophyten Maßnahmen für notwendig erachtet werden, muss untersucht werden, ob diese tatsächlich flächendeckend und rigoros sein müssen, denn möglicherweise trägt der Neophyt zur Beseitigung menschengemachter Probleme bei.

Buchtipp:
Die neuen Wilden*
Wie es mit fremden Tieren und Pflanzen gelingt, die Natur zu retten
Fred Pearce
oekom verlag
ISBN 978-3-86581-768-6

* Werbelink

** Dies ist die gekürzte Version eines Beitrages von mir, der im März 2019 in der Fachzeitschrift Der praktische Gartenratgeber des Obst- und Gartenbauverlages München mit dem Titel „Brauchen wir eine Willkommenskultur im Naturschutz?“ veröffentlicht wurde. Der Obst- und Gartenbauverlag München ist der Verlag des Bayerischen Landesverbandes für Gartenbau und Landespflege e. V. und unterstützt mit fachbezogenen Angeboten die Arbeit der Obst- und Gartenbauvereine.

Das könnte Sie auch interessieren:

Anzeige


Veröffentlicht unter Garten und Pflanzen, Mitreden, Öko-/Bio-Themen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Naturschutz neu gedacht

Neue Viruskrankheit an Tomaten, Paprika & Chili

Das Tomato Brown Rugose Fruit Virus (ToBRFV), auch als Jordanvirus bezeichnet, ist eine neue Krankheit an Tomaten, Paprika & Chili. Diese Viruskrankheit ist für den Tomaten- und Paprikaanbau sehr gefährlich, kann ganze Bestände dahinraffen, weshalb es EU-Notmaßnahmen gibt. Das sollten GärtnerInnen und Hobbygärtnernde wissen.

Symptome des  Tomato Brown Rugose Fruit Virus (ToBRFV) alias Jordanvirus (Foto: Aviv Dombrovsky and Elisheva Smith, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons)
Symptome des Tomato Brown Rugose Fruit Virus (ToBRFV) alias Jordanvirus an Tomaten (Foto von Aviv Dombrovsky and Elisheva Smith unter CC BY 3.0 via Wikimedia Commons)

So erkennt man den Virusbefall mit ToBRFV

  • An den Blättern zeigen sich mosaikartige Verfärbungen und Aufhellungen, teilweise wirken die Blätter blasig aufgewölbt und wie gerafft. Die Pflanzen haben wenig Blattmasse und kaum Zuwachs im oberen Pflanzenbereich.
  • Die Früchte färben sich nicht gleichmäßig und oft nicht bis zur sortentypischen Reifefarbe. Sie haben gelbe, manchmal mosaikartige Verfärbungen, manche (Sorten) färben sich fleckig grün-gelb oder braun. In einigen anderen Ländern wurden befallene Früchte teilweise schrumpelig, was bei uns noch nicht beobachtet wurde.
  • Bei manchen Sorten sterben die Kelchblätter fleckenweise ab (Nekrosen).
  • Die Pflanzen welken, vergilben und sterben ab.
Anzeige


Die Symptome sind sortenabhängig verschieden und unterschiedlich stark ausgeprägt. Eine sichere Diagnose ist nur mit einem Labortest möglich. Das Problem mit Sorten, die weniger starke Symptome haben, ist, dass diese nicht ernst genommen werden und eine Diagnose und die notwendigen Maßnahmen unterbleiben, wodurch es zu einer unbemerkten Verschleppung und Ausbreitung kommen kann.

Über das Virus

Das Virus ist sehr leicht übertragbar, sehr widerstandsfähig und extrem langlebig. Schon wenige übertragende Viren lassen die Krankheit ausbrechen. Hitze macht ihnen offenbar wenig aus und sogar über 50 Jahre alter eingetrockneter Pflanzensaft kann noch infektiös sein. Tomaten und Paprika sind wegen ihrer langen Kulturdauer und den häufigen Pflege- und Erntearbeiten im Bestand besonders gefährdet.

Entdeckt wurde das Virus 2014 in Israel, beschrieben wurde es 2015 in Jordanien (deshalb „Jordanvirus“). Im Herbst 2018 hat man ToBRFV erstmalig in Deutschland diagnostiziert. Inzwischen ist es in zahlreichen Ländern Vorderasiens, Europas (zuletzt wurde es in Finland in einem kleinen Tomaten-Gewächshaus entdeckt), Nordamerikas sowie in China und anderswo aufgetreten.

In den betroffenen Ländern werden seitdem viele Anstrengungen unternommen, das Virus wieder loszuwerden. In Deutschland wurde es im Oktober 2018 als Quarantäne-Organismus eingestuft und behandelt, was bedeutet, dass alle befallenen Pflanzen in den Betrieben vernichtet wurden.

2019 wurde das Jordanvirus in Deutschland für ausgerottet erklärt. Doch laut National Plant Protection Office (NPPO) Deutschland gab es von Oktober 2020 bis November 2021 wieder drei Ausbrüche in Nordrhein-Westfalen (Saatgutproduktion, Erwerbsanbau, privater Anbau), einen Ausbruch in Rheinland-Pfalz (Erwerbsanbau), einen Ausbruch in Niedersachsen (Erwerbsanbau) und einen in Thüringen (Erwerbsanbau).

Anzeige


Das Virus und seine Wirtspflanzen

Das ToBRFV gehört wie das Tabakmosaikvirus (TMV) und das Tomatenmosaikvirus (ToMV) zur Gattung Tobamo-Virus.

Bei den Gemüsen sind vor allem Tomaten und Paprika gefährdet. Es scheint wissenschaftlich noch nicht zweifelsfrei geklärt, aber doch eher unwahrscheinlich, dass Auberginen und Kartoffeln erkranken oder Überträger sein können.

Unter den Zierpflanzen gehören Petunien und Tabak/Ziertabak zu den Wirten. An folgenden Arten Beikräutern/Wildpflanzen wurde das Virus ebenfalls schon diagnostiziert: Rauhaariger Amaranth (Amaranthus retroflexus), Wilde Rübe (Beta vulgaris subsp. maritima), Mauer-Gänsefuß (Chenopodium murale), Kanadisches Berufkraut (Conyza canadensis), Löwenzahn (Taraxacum officinale), Malve (Malva parviflora), Horn-Sauerklee (Oxalis corniculata), Portulak (Portulaca oleracea), Veronika (Veronica syriaca), Nachtschatten (Solanum elaeagnifolium), Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum) und  Langkapselige Jute/ Molokhia (Corchorus olitorius) laut Quelle: EPPO Reporting Service.

Anzeige


Das Jordanvirus kann durch Samen, Jungpflanzen und Früchte von einem Betrieb beziehungsweise einem Garten zum anderen verbreitet werden. Im Bestand wird es oft bei Kontakt (Aneinanderreiben von Pflanzenteilen) sowie durch Dränagewasser übertragen und  durch Werkzeuge, Kisten, Kleidung, Haare und Hände bei den Pflege- und Erntearbeiten verteilt. Auch Bestäuberinsekten wie Hummeln können das Virus übertragen. Pflanzenreste in der Erde, Keimlinge aus den Samen abgefallener kranker Früchten können zudem die Nachfolgekultur infizieren. Selbst erdelose Kulturverfahren sind nicht sicher, da das Virus auch über die Bewässerung verteilt werden kann.

Vorbeugung gegen das Jordan-Virus

Damit sich das Virus nicht ansiedeln und verbreiten kann, sollten alle Erwerbs-und Freizeit-Gärtner und Gärtnerinnen informiert und wachsam sein.

Anzeige


Saatgut und Jungpflanzen
Bei der Anschaffung sollte auf gesundes Saatgut und gesunde Jungpflanzen geachtet werden. In die EU dürfen nur noch Samen oder Jungpflanzen mit einem Pflanzengesundheitszeugnis eingeführt werden, innerhalb der EU brauchen Unternehmer einen Pflanzenpass. Freizeitgärtnernde, die Samen oder Jungpflanzen kaufen oder tauschen, sollten nur bekannten Quellen mit gesunden Beständen vertrauen.

Sorten
Sortenresistenzen gegen verwandte Viren wie das Tabakmosaikvirus oder das Tomatenmosaikvirus helfen bei Tomaten nicht, wohl aber teilweise bei Paprika (und zwar scheinen Sorten/Unterlagen mit den Resistenzgenen TM0, TM2 und TM3 nicht von ToBRFV befallen zu werden). Allerdings ist auch die Resistenzzüchtung gegen ToBRFV im Gange, da man in Wildtomaten Resistenzgene gefunden hat. Möglicherweise gibt es in ein paar Jahren gegen ToBRFV resistente Sorten.

Anzeige


Hygiene
Nicht nur dieses Virus, auch viele andere Krankheitserreger können in/an Blattresten, Samen und verseuchter Erde/Kompost, Haltestäben, Scheren und anderen Werkzeugen überdauern. Spätestens, wenn man Probleme hatte, muss man auch als Hobbygärtner oder Hobbygärtnerin auf Hygiene achten: Kranke Pflanzen von Beeten immer sauber abräumen, Haltestäbe, Bindematerial, Werkzeuge und ähnliches vor Gebrauch (und zwischendrin) desinfizieren.

Gartenbaubetrieben und den Mitarbeitern werden deshalb darüber hinaus konsequente Hygienemaßnahmen empfohlen: Händewaschen, Handdesinfektionsmittel auf Basis von Benzoesäure, Handschuhe, Desinfektionsmatten, Arbeitskleidung, die am Standort bleibt, Reinigung und Desinfektion auch von Transportkisten und Wägen, Wasserdesinfektion, Verbot fremde Tomaten und Paprika in den Betrieb zu bringen sowie das Einhalten einer Arbeitsrichtung (Einbahnstraßenprinzip) und die Einrichtung von Hygieneschleusen. Größere und gefährdete Betriebe sollten zusammen mit Beratern ein individuelles Hygienekonzept entwickeln.

Nachtrag: Hoffnung für den Erwerbsgartenbau
Es zeichnet sich ab, dass eine wirkungsvolle Desinfektion des aufgefangenen Brauchwasser vor der Wiederverwendung mit Ozon oder Ultraschall möglich ist.

Anzeige


Bestandskontrollen
Regelmäßige Bestandskontrollen sollte man auch wegen anderer Erreger und Schädlinge durchführen, aber jetzt eben auch auf die oben beschriebenen neuen Symptome achten.

Nicht jede auffällige Erscheinung ist eine Krankheit, bei manchen Sorten ist eine ungewöhnliche Zeichnung sortentypisch (beispielsweise die Zeichnung bei ‚Tigerella‘) und Pflegefehler können Symptome wie Grünkragen oder Blütenendfäule hervorrufen (beim ersten bleibt der Kragen um den Stielansatz grün, beim zweiten bleibt das andere Ende der Tomate grünlich oder wird braun).

Nicht jede „Unregelmäßigkeit“ bei der Fruchtausfärbung ist auf eine Krankheit zurückzuführen. Beispiel: Bei der Tomatensorte ‚Tigerella‘* ist eine Musterung sortentypisch.

Neu: Grundstoff Molke zur Desinfektion

In der EU ist Molke als sogenannter Grundstoff für die Desinfektion von Handschuh-Fingerspitzen und Schneidwerkzeugen gegen ToBRFV genehmigt. Grundstoffe sind keine Pflanzenschutzmittel, die als solche auch vermarktet werden dürfen, sondern Substanzen, die aus einem anderen Bereich stammen, aber nützlich zu sein scheinen. Die EU hat einige Grundstoffe für bestimmte „Pflanzenschutz-Anwendungen“ jeweils mit Auflagen genehmigt.

Dies sind die Vorgaben: Erlaubt ist die Anwendung als Viruzid im Gewächshaus und in Innenräumen zur Desinfektion der Handschuh-Fingerspitzen und Schnittwerkzeuge bei mechanisch übertragbaren Viren wie Tabakmosaikvirus (TMV), Tomatenmosaikvirus (ToMV), Pepper mild mottle virus (PMMV), Cucumber green mottle mosaic virus (CGMMV), Tomato brown rugose fruit virus (ToBRFV) bei allen Pflanzen. Konzentration der Molke: 50g/l. Handschuh-Fingerspitzen vor oder nach jedem Pflanzenkontakt für 5 Sekunden eintauchen, Schnittwerkzeuge 5 Minuten lang. Molkepulver mit 80 % Proteingehalt verwenden zwecks Wirksamkeit. Molke-Lösung nach jeder Pflanzenreihe ersetzen. Nicht für die Fingerspitzen kurz vor oder während der Ernte essbarer Pflanzenteile verwenden. (Quelle: Liste der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, pdf). Bei Gartentomaten ist der Grundstoff Molke übriges als Viruzid gegen das Tomato yellow leaf curl virus/Begomovirus genehmigt: Konzentration der Molke: 60-80g/l. (Quelle und weitere Details: Liste der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, pdf)

Quarantäne-Schadorganismus

ToBRFV ist ein Quarantäne-Schadorganismus und damit meldepflichtig! Schon der Verdachtsfall muss dem zuständigen Pflanzenschutzdienst gemeldet werden. Das ist beispielsweise in Bayern die

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Pflanzenschutz
Lange Point 10
85354 Freising
E-Mail: pflanzengesundheit@lfl.bayern.de

Wird man zur Probenahme und Einsendung an ein Labor aufgefordert, geht man mit der Plastiktüte zur Pflanze, nimmt die Probe und verschließt die Tüte. Keinesfalls sollte man verdächtige Pflanzen/Pflanzenteile offen quer durch die Kleingartenanlage oder den Gemüsegarten tragen oder sie gar auf den Komposthaufen geben.

Mit dem Ergebnis der Untersuchung wird man über die eventuell notwendigen Maßnahmen und wie sie durchzuführen sind, informiert.

Buchtipps für Hobbygärtner

Gartenbuch Eva Schumann Werbelink Tomaten, Paprika & Chili für Garten und Balkon:
richtig anbauen und frisch genießen
*
Eva Schumann
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
Taschenbuch, 128 Seiten
ISBN 3-8186-1047-9
Taschenbuch 129 Seiten

Gartenbuch Chili Paprika Eva Schumann - Werbelink Paprika ud Chili
erfolgreich anbauen
*
Eva Schumann
Ulmer Verlag, Stuttgart
ISBN 3-8186-0071-6
Taschenbuch 128 Seiten



Gartenbuch Eva Schumann Werbelink Gärtnern in Töpfen*
(Balkon, Terrasse, Garten gestalten,
Blumen und Gemüse nach Saison oder als Dauerbepflanzung)
Eva Schumann
Ulmer Verlag, Stuttgart
ISBN 3-8186-0635-8
Taschenbuch, 128 Seiten

Gartenbuch Kleingewächshaus Schumann Milicka - Werbelink Das Kleingewächshaus*
Technik und Nutzung

Eva Schumann/Gerhard Milicka 
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart: 5. Auflage (13. Juni 2019)
gebundenes Buch, 319 Seiten
ISBN 3-8186-0822-9
Online-Bestellung*

Gewächshausbuch Eva Schumann Werbelink Gewächshaus und Frühbeet*
erfolgreich nutzen für den eigenen Gemüseanbau

Eva Schumann
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart: 2. Auflage (22. Juni 2020)
Taschenbuch, 128 Seiten
ISBN 978-3-8186-0947-4
Taschenbuch und Kindle* (Amazon.de)
Taschenbuch, PDF und EPUB** (Verlag Eugen Ulmer)

Gartenbuch Eva Schumann Werbelink Gewächshaus und Frühbeet Monat für Monat: säen – pflanzen – pflegen –ernten.*
Der beste Zeitpunkt für jeden Handgriff
*
(Gemüse- und Kräuteranbau, einschl. Erdbeeren verfrühen)
Eva Schumann
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart (13. Jan. 2022)
ISBN 3-8186-1415-6
Taschenbuch, 128 Seiten
Jetzt online bestellen*

* Werbelink

Das könnte Sie auch interessieren:

Anzeige


Veröffentlicht unter Garten und Pflanzen, Gewächshaus, Öko-/Bio-Themen, Pflanzenschutz | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Neue Viruskrankheit an Tomaten, Paprika & Chili

Arbeitskalender für Gewächshaus und Frühbeet („Gewächshauskalender“)

2022 erschien beim Verlag Eugen Ulmer mein neues Gewächshausbuch Gewächshaus und Frühbeet Monat für Monat: säen – pflanzen – pflegen –ernten. Der beste Zeitpunkt für jeden Handgriff*. Es ist ein immerwährender Arbeitskalender für alle anfallenden Arbeiten im Gewächshaus, Frühbeet, Tomatenhaus, unter Folie und an anderen geschützten Orten nach Monaten. Er enthält für jeden Monat nicht nur detaillierte und praktische pflanzenbauliche Vorschläge und Anregungen, sondern auch ob und was vorzubereiten und am Gewächshaus zu warten ist. (Buchvorstellung in eigener Sache, zuletzt aktualisiert am 19.08.2022)

Gewächshaus und Frühbeet Monat für Monat: säen – pflanzen – pflegen –ernten. Der beste Zeitpunkt für jeden Handgriff - zum Buch bei Amazon.de (Werbelink)
Damit Sie keinen Termin verpassen und das Gartenjahr im Gewächshaus, Frühbeet und unter Folie optimal nutzen können: Gewächshaus und Frühbeet Monat für Monat: säen – pflanzen – pflegen –ernten. Der beste Zeitpunkt für jeden Handgriff*.

Einen groben Kleingewächshauskalender für alle Nutzungsarten gibt es von mir schon länger online und er ist sehr gefragt, aber der Verlag Eugen Ulmer hat mir die Möglichkeit gegeben, einen wesentlich detaillierteren, immerwährenden Arbeitskalender für die gemüsebauliche Nutzung von Gewächshaus und Frühbeet als Buch zu erstellen, das man jedes Jahr wieder als Planungs- und Arbeitshilfe zur Hand nehmen kann. Das Buch ist gerade erschienen und kann in jeder Buchhandlung sowie beim Verlag Eugen Ulmer bestellt werden.

Warum es dieses Gewächshausbuch braucht

Gewächshausbücher sowie viele andere Gartenbücher sind meist themenorientiert. Das macht Sinn, wenn man sich zu den einzelnen Verfahren und Gemüsekulturen tiefergehend informieren möchte. Ich habe selbst zwei solcher Gewächshausbücher geschrieben: ein großes Buch über Gewächshaustechnik und alle Nutzungsarten von Gartengewächshäusern von Gemüse bis Tropenpflanzen (Das Kleingewächshaus – Technik und Nutzung von Schumann/Milicka*) sowie ein Taschenbuch über den Gemüseanbau im Gewächshaus und Frühbeet (Gewächshaus und Frühbeet: Erfolgreich nutzen für den eigenen Gemüseanbau*). Zwar enthalten diese Bücher auch jeweils einen kurzen Überblick über die Arbeiten im Gewächshaus im Laufe des Gartenjahres, aber wer detailliert nachschlagen können möchte, welche Arbeiten in jedem Monat im und am Gewächshaus anfallen, was man wann vorbereiten, aussäen, vorziehen, pflanzen, pflegen, ernten sollte und welche Instandhaltungsarbeiten in diesem Monat anfallen, der wird froh über das neue Buch Gewächshaus und Frühbeet Monat für Monat: säen – pflanzen – pflegen –ernten. Der beste Zeitpunkt für jeden Handgriff* sein, denn es ist ein immerwährender Arbeitskalender, der Ihnen darüber hinaus auch ein wenig Platz für eigene Notizen (Beobachtungen, Sorten etc.) gibt.

Cover hinten vom Buch Gewächshaus und Frühbeet Monat für Monat - Arbeitskalender (Werbelink)
Timing spielt im Gemüse- und Kräuteranbau eine große Rolle. Umso mehr, wenn man den Platz in einem Gewächshaus oder Frühbeet optimal nutzen möchte, denn schließlich steckt jede Menge Arbeit und/oder Geld in dem guten Stück.

Das Buch

Mit dem dauerhaften Arbeitskalender Gewächshaus und Frühbeet Monat für Monat: säen – pflanzen – pflegen –ernten. Der beste Zeitpunkt…* wissen Sie immer, was im aktuellen Monat zu tun ist. Sie verpassen keine Termine für Aussaat, Pflanzung, Pflegearbeiten, termingerechte Jungpflanzenanzucht und anderes und Sie bekommen Anregungen, was Sie zu welchem Zeitpunkt anbauen können. Endlich ein ausführlicher Gewächshauskalender, den man jedes Jahr wieder benutzen kann!

Zur Einstimmung und zum besseren Verständnis werden zunächst astronomische, meteorologische und phänologische Jahreszeiten erklärt, dann erläutert, was Gewächshaus, Frühbeet, Tomatenhaus, Folientunnel usw. leisten können sowie ein Überblick über das Gartenjahr und Eckdaten zur Jungpflanzenanzucht gegeben.

Für jeden Monat von Januar bis Dezember wird beschrieben und in Bildern veranschaulicht:

  • Was muss/kann vorbereitet werden
  • Was kann man direkt ins Beet aussäen
  • Was kann man ins Beet pflanzen (selbst vorgezogene oder gekauft hat)
  • Was kann man verfrühen und treiben
  • Welche Pflegemaßnahmen und Ernten fallen an
  • Was kann man jetzt vorziehen, damit es zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgepflanzt werden kann (Jungpflanzenanzucht)
  • Sonstige Gärtnerarbeiten, an die man denken sollte
  • Instandhaltung des Gewächshauses
  • Platz für eigene Notizen mit einem Extratipp

Das Buch enthält außerdem Specials zu den Themen

  • Anbau ohne gewachsenen Boden
  • Wasserversorgung
  • Gründüngung

sowie einen Serviceteil mit Bezugsquellen, Lesetipps und mehr.

Gewächshaus und Frühbeet Monat für Monat - säen - pflanzen - pflegen - ernten. Der beste Zeitpunkt für jeden Handgriff. (Werbelink)
Jeder Monat im Buch hat die gleiche Struktur, so dass man sich im immerwährenden Arbeitskalender gut zurechtfindet.
Gewächshaus und Frühbeet Monat für Monat - säen - pflanzen - pflegen - ernten. Der beste Zeitpunkt für jeden Handgriff. (Werbelink)
Jeder Monat ist zudem mit praktischen Informationen und Gartentipps gespickt. Am Ende jeden Monats ist zudem etwa eine Dreiviertelseite für Ihre eigenen Notizen reserviert.

Buchdaten



Gartenbuch Eva Schumann Werbelink Gewächshaus und Frühbeet Monat für Monat: säen – pflanzen – pflegen –ernten.*
Der beste Zeitpunkt für jeden Handgriff
*
(Gemüse- und Kräuteranbau, einschl. Erdbeeren verfrühen)
Eva Schumann
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart (13. Jan. 2022)
ISBN 3-8186-1415-6
Taschenbuch, 128 Seiten
Jetzt online bestellen*

Das Buch enthält 84 Farbfotos, 2 farbige Zeichnungen und 5 Tabellen. Beim Verlag Eugen Ulmer** finden Sie auch einen Blick ins Buch.

Das Buch kann über jede Buchhandlung vor Ort und online sowie direkt beim Verlag Eugen Ulmer** bestellt werden.
Bei Amazon.de findet man es unter https://amzn.to/3JqBnYb*.

Danksagung von Eva Schumann, Autorin von Gewächshaus und Frühbeet Monat für Monat - säen - pflanzen - pflegen - ernten. Der beste Zeitpunkt für jeden Handgriff.
Danksagung von Eva Schumann, Autorin von Gewächshaus und Frühbeet Monat für Monat … *

* Werbelink (Buchabbildungen und Werbelinks führen zu einem Werbepartner und ich erhalte eine kleine Provision, falls dort irgend etwas bestellt wird).
** Link zum Buchverlag (unbezahlt, unbeauftragt)

Das könnte Sie auch interessieren:

Anzeige

Veröffentlicht unter Bücher, Garten und Pflanzen, Gewächshaus, tinto, tinto-Bücher | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Arbeitskalender für Gewächshaus und Frühbeet („Gewächshauskalender“)

Autoversicherung: Typklasse

Kennzeichnung siehe unten

So wirkt sich die Typklasse auf die Autoversicherung aus

Die Prämie für die jährliche Autoversicherung setzt sich aus unterschiedlichen Bausteinen zusammen. Neben persönlichen Eigenschaften des Fahrers bzw. des Fahrzeughalters, der Regionalklasse und weiteren Faktoren spielt auch die Typklasse eine wichtige Rolle. Mit der Typklasse wird Bezug auf das zu versichernde Fahrzeug genommen. Was es dabei zu beachten gibt, erfahren Sie hier.

Katalogisierung der Schadensbilanz

Zur Kalkulation von Risiko und möglichen Schadensregulierungen ziehen Versicherungen gerne die sogenannte Typklasse zurate. Dabei wird ermittelt, wie häufig ein bestimmtes Fahrzeugmodell in einen Unfall verwickelt wird und wie hoch die jeweilige Unfallsumme ausfällt. Besonders fehleranfällige Autos werden demnach in eine höhere Typklasse eingeordnet. Dies führt wiederum dazu, dass die Prämie der Autoversicherung für Sie als Fahrzeughalter steigt. Wie bei Regionalklassen auch, wird die Einteilung der verschiedenen Fahrzeugmodelle vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vorgenommen und jährlich überprüft.

Die eigene Typklasse herausfinden

Wenn Sie neugierig geworden sind, zu welcher Typklasse Ihr Fahrzeug gehört, können Sie dies mit wenigen Klicks ganz einfach herausfinden. Geben Sie hierfür die Herstellerschlüsselnummer (HSN) und die Typschlüsselnummer (TSN) in den Typklassenrechner des GDV ein und Sie erhalten die aktuelle Typklasse für Ihren Wagen. Die HSN und TSN finden Sie unter anderem in der Zulassungsbescheinigung Teil I.

Unterschiede in der Kasko- und Kfz-Haftpflichtversicherung

Da die Kfz-Haftpflichtversicherung nur Schäden von Dritten ersetzt, sind für den Versicherungsschutz bzw. die anfallende Prämie die Schäden, die am eigenen Fahrzeug entstanden sind, nicht relevant. Diese sind dann für die Vollkaskoversicherung interessanter. Aus diesem Grund ergeben sich je nach Versicherungsart unterschiedliche Typklassen. Die meisten Typklassen gibt es bei der Vollkaskoversicherung (10 bis 34), während die Kfz-Haftpflicht nur die Typklassen von 10 bis 25 kennt und bei der Teilkasko bei 33 Schluss ist. Übrigens: Verschlechtert sich Ihre Typklasse, können Sie Ihre Autoversicherung außerordentlich kündigen und zu einer günstigeren wechseln.

Die Typklasse als Kaufkriterium

Vor dem Kauf eines neuen oder gebrauchten Autos ist es durchaus sinnvoll, einen Blick auf die jeweiligen Typklassen zu werfen. Denn auch die Unterschiede einzelner Fahrzeugmodelle in unterschiedlichen Ausführungen können teilweise erheblich sein. Auf diese Weise kann die Typklasse als Kaufkriterium dienen, um hinterher einen günstigen Versicherungsbeitrag zu erzielen.



* Sponsor-Posts sind informative Beiträge von Werbepartnern veröffentlicht gegen Bezahlung

Veröffentlicht unter Geld, Geld sparen, Mitreden | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert für Autoversicherung: Typklasse