Endspiel. Wie wir das Schicksal der tropischen Wälder noch wenden können (Rezension)

Claude Martin, promovierter Biologe und langjähriger Generaldirektor des World Wide Fund For Nature (WWF) International liefert im 34. Bericht an den Club of Rome, „Endspiel. Wie wir das Schicksal der tropischen Wälder noch wenden können“, zusammen mit weiteren Tropenwaldexperten, einen differenzierten Zustandsbericht über die tropischen Regenwälder der Welt: Gehen die tropischen Regenwälder verloren, verlieren wir nicht nur diese einzigartigen Ökosysteme mit ihrem Artenreichtum und ihrer Genvielfalt, sondern auch das Ökoleistungssystem „tropischer Regenwald“ mit seiner Wirkung als Treibhausgas- und Wasserspeicher und damit Klima-Stabilisator. Einerseits beschleunigt der Rückgang der tropischen Regenwälder den Klimawandel, andererseits treibt der Klimawandel den Verlust des tropischen Regenwaldes an. Martin schließt seinen Bericht mit einen Maßnahmenkatalog, mit dem ein weiterer Verlust der Regenwälder und die unkalkulierbaren Folgen für das Klima noch aufzuhalten sein könnten. Absolut lesenswert!

Am 21. Juli 1969 betraten die ersten Menschen den Mond, da sollte man annehmen, dass wir im 20. Jahrhundert auch schon wussten, was bei uns auf der Erde los ist. Doch weit gefehlt. Im 34. Bericht an den Club of Rome „Endspiel. Wie wir das Schicksal der tropischen Wälder noch wenden können“, erschienen dieser Tage im oekom-Verlag, beschreibt Claude Martin, wie schwierig es bis vor kurzem war, überhaupt verlässliche standardisierte Daten zum tropischen Regenwald zu finden, um seine Entwicklung systematisch analysieren zu können. Die betroffenen Länderregierungen waren überfordert oder unwillig und auch die Wissenschaft war noch nicht so weit – es gab beispielsweise keine dauerhafte einheitliche Klassifizierung von Wäldern und tropischen Regenwäldern. Erst mit der Fernerkundung wurde die Situation besser und die Entwicklung messbar. Außerdem gibt es jetzt keine Möglichkeiten der Vertuschung oder für Ausreden mehr.

Abholzung und Nutzung gibt es schon lange durch die indigene Bevölkerung, doch waren die wenigen Menschen nur mit Macheten und Äxten bewaffnet – die kleinen Lücken ihres Wanderfeldbaus konnte der Regenwald aus sich selbst heraus wieder schließen. Was aber jetzt passiert, kann der tropische Regenwald nicht überwinden: die großflächige Abholzung mit Bulldozern und Kettensägen für den Anbau von Palmöl und Soja und für den Abbau von Bodenschätzen. Aber auch die selektive Abholzung der Edelhölzer schadet dem Wald, wenn sie nicht mit den Prinzipien nachhaltiger Forstwirtschaft einhergeht, denn wenn beispielsweise viele Transportstraßen den Wald zerteilen, verliert der seine Regenerationskraft und wird in Folge dann oft genug auch für landwirtschaftliche Zwecke gerodet. So geht Stück um Stück tropischer Regenwald verloren und neue Flächen kommen kaum hinzu.

Der Kampf um die Landnutzung ist ein Kampf verschiedener Interessen: Während sich Umwelt- und Klimaschützer für den Erhalt der tropischen Regenwälder einsetzen, üben Energie-, Bergbau- und Agrarindustrie Druck auf Regierungen wie beispielsweise die in Brasilien aus, die vorbildlich Schutzgebiete ausgewiesen hatte.

Noch haben wir die Chance, die Reste des Regenwaldes zu erhalten, so Martin. Doch reicht es nicht, als Umweltschützer Lärm zu machen und zu hoffen, dass die Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) es dann schon richten wird – die FAO ist zu langsam und die Findung des kleinsten gemeinsamen Nenners für die engagierteren Teilnehmer zu frustrierend. Besser ist es, auf allen Ebenen aktiv zu werden, beispielsweise Führungspersonen mit Visionen und Durchsetzungsvermögen für den Erhalt des Regenwaldes zu gewinnen, Allianzen zu schließen und Verbraucher aufzuklären. Ökonomen lassen sich mit dem ökonomischen Wert ökologischer Systeme überzeugen, das Thema ernst zu nehmen – auch wenn das nur eine von mehreren wichtigen Perspektiven auf die Dinge und manchem Umweltschützer erst einmal unangenehm ist.

Ansatzpunkte für Regierungen sind verbindliche Landnutzungspläne sowie dafür zu sorgen, dass Waldflächen nicht durch Straßenbau zerteilt werden. Wichtig sind auch die Verfolgung des illegalen Holzabbaus, die Pflicht zur nachhaltigen Forstwirtschaft (FSC-Zertifizierung), der Kampf gegen Korruption, die Schaffung und Anwendung von Strafrechtssystemen, der Schutz der indigenen Territorien vor illegalen Eindringlingen (weil die Ureinwohner ihre Gebiete erfahrungsgemäß ebenso gut erhalten wie als Schutzgebiet ausgewiesene Regionen). Aber auch die internationale Gemeinschaft sollte sich einsetzen, beispielsweise mit Vorschriften für den Palmölanbau.

Es steht nicht gut für die tropischen Regenwälder, manche Errungenschaft der letzten Jahre steht schon wieder auf der Kippe. Aber die Situation ist nicht aussichtslos. Es muss entschlossen gehandelt werden. Jetzt. Global. Und alle sind gefragt, mitzuwirken: die internationale Gemeinschaft, Regierungen, Wissenschaftler, Umweltschützer, Klimaschützer, Unternehmen und Verbraucher.

Über das Buch

Das Buch enthält ein Vorwort von Harald Lesch, Physiker und Wissenschaftsjournalist, sowie ein Geleitwort von Anders Wijkman und Ernst Ulrich von Weizsäcker, Präsidenten des Club of Rome. Der Text des Autors wird ergänzt durch zahlreiche Beiträge von Tropenwaldexperten, Abbildungen, Fotos sowie Expertenmeinungen. Es schließt es mit Handlungsempfehlungen für die Zukunft, einem Schlusswort, Quellen, verschiedenen anderen Anhängen und einem Glossar.

Endspiel: Wie wir das Schicksal der Tropischen Regenwälder noch wenden können*
Claude Martin
oekom verlag, München
Printausgabe: gebundenes Buch
320 Seiten 22.95 Euro (D)
ISBN 3865817084
Auch als E-Book erhältlich.

Mein persönliches Fazit zum Buch: Engagiert, informativ, differenziert. Sehr lesenswert!

Von den Schwierigkeiten überhaupt verlässliche und vergleichbare Daten zu erhalten, um Entwicklungen beobachten und bewerten zu können, bis zum heutigen Zustand der tropischen Regenwälder in Amerika, Asien und Afrika – man lernt viel beim Lesen, vor allem, dass man genau hinschauen muss. Wodurch kommt die Entwaldung zustande, wer sind die Akteure? Was wurde schon versucht, und was hat es gebracht? Die Antworten unterscheiden sich von Erdteil zu Erdteil, von Land zu Land, von Fall zu Fall.

Ein Buch für alle, die mitreden können wollen!

Erläuterungen
Der Club of Rome ist eine gemeinnützige Organisation und setzt sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit ein. Der 1. Bericht des Club of Rome „Die Grenzen des Wachstums“, eine von ihm beauftragte Studie, erschien 1972 und versuchte zum ersten Mal die Zukunft der Welt im Rahmen verschiedener Szenarien vorherzusagen.

Der WWF ist eine der größten Umweltschutzorganisationen der Welt. Er setzt sich ein für Umweltschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt.

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Urbane Landwirtschaft – was bringt’s?

Weltweit ziehen die Menschen zunehmend vom Land in die Stadt, bis 2050 sollen über 65 Prozent der Menschen in Städten wohnen. Am stärksten ist dieser Trend in den Entwicklungsländern, wobei dort dann besonders viele Menschen in Slums leben.

Salat und Kräuter im Topf

Platz ist auf der kleinsten Scholle: Salat und Kräuter im Topf

Dass für die Ernährung der Menschen in der Stadt die urbane Landwirtschaft (Urban Gardening, Urban Horticulture, Urban Farming etc.) schon jetzt eine wichtige Rolle spielt, zeigen die von der Food and Agriculture Organisation (FAO) der Vereinten Nationen veröffentlichten Zahlen.

Laut FAO sind etwa 800 Millionen Menschen weltweit „städtische Landwirte„. Sie bauen Gemüse, Kräuter, Pilze und Obst an, betreiben Viehzucht, Fischzucht und Ähnliches mehr – ein Viertel davon für den Verkauf. Das Worldwatch Institute gibt an, dass durch sie 15 bis 20 Prozent der Welt-Nahrungsmittel erzeugt werden.

Was nicht für den eigenen Verzehr produziert wird, wird über Wochenmärkte, Gemüseläden, Supermärkte mit einem regionalen Sortiment, direkt an Restaurants oder über Lieferabonnements im Rahmen von Community Supported Agricultere (CSA) verkauft.

Zwar haben Gärtner/Selbstversorger auf kleinem Raum im Vergleich zur industriellen Landwirtschaft einen höheren Arbeitsaufwand und damit Arbeitskosten, aber auch einen höheren Ertrag pro Flächeneinheit, außerdem niedrigere Transport- und Kühlungskosten und sie müssen nichts an Großhändler oder andere Verteilungsstrukturen zum Endverbraucher abgeben. Durch die Nähe zum Konsumenten – beispielsweise bei einem Verkaufsstand auf dem Wochenmarkt – haben sie ihr Ohr nahe am Kunden, können sie Fragen beantworten und Vertrauen schaffen.

Urbane Landwirtschaft kann nicht nur die Versorgung der Stadtbewohner mit frischen Lebensmitteln verbessern, Arbeitsplätze und Einkommen schaffen, Gemeinschaften aufbauen und die zwischenmenschliche Kommunikation verbessern, sondern auch Kindern und Jugendlichen Wichtiges über Ernährung, Anbau, Planung etc. lehren und Werte vermitteln, das Recycling von Materialien und Abfällen ankurbeln, Städte verschönern und das Stadtklima verbessern.

Aus all diesen Gründen verdient das Thema noch mehr Aufmerksamkeit und Förderung durch die Politik – und zwar nicht nur Mega-Technikprojekte wie Pflanzenfabriken, mit denen teure Produkte für Zahlungskräftige produziert werden, sondern durch die Unterstützung von kleinen Einzelpersonen-, Familien- und Gemeinschaftsp rojekten, die auch noch etwas produzieren, wenn mal drei Tage lang der Strom ausfällt.

Hier ein Beispiel, welche Vielfalt und welche Mengen man auf kleinem Raum produzieren kann – da bleibt jede Menge für den Verkauf und damit für ein Zusatzeinkommen übrig: Urban Agroecoloy: 6,000 lbs of food on 1/10th acre – Urban Homestead – Urban Permaculture (FoodAbundance, YouTube)

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Hydroponik

Beim Anbau im Boden hängt der Erfolg des Gärtners stark von der Qualität seines Bodens ab. Nicht nur die Pflanzen, auch der Boden braucht Pflege und Unterstützung durch die richtige Anbaustrategie (Förderung des Bodenlebens, Einbringung organischer Substanz, Mischkultur, Fruchtwechsel, Gründüngung und so weiter), damit er die Pflanzen gut versorgt und fruchtbar bleibt. Nicht so bei Hydroponik – da spielt der Boden keine Rolle. Was ist Hydroponik und wie nachhaltig ist das?

Hydroponik und Hydrokultur sind Pflanzenanbauverfahren ohne Boden und auch ohne Pflanzenerde (bzw. Mischungen aus Torf, Grüngutkompost, Rindenkompost und anderen Materialien). Die Pflanzenwurzeln befinden sich bei der Hydroponik/Hydrokultur statt dessen in Steinwolle, Blähton oder ähnlichem unbelebten Material oder sind ganz ohne Substrat. Die Nährstoffe werden von den Wurzeln aus einer Nährlösung bezogen.

Hydroponik und Hydrokultur

Laut Wikipedia sind Hydroponik und Hydrokultur Synonyme, aber meist wird bei der Zimmerpflanzenhaltung ohne Erde von Hydrokultur gesprochen und bei der Kultur von Gemüse ohne Erde, beispielsweise beim Tomatenanbau im großen Stil im Gewächshaus, beim Urban Gardening auf Dächern oder beim Anbausystem Pflanzenfabrik von Hydroponik.

Zimmerpflanze in Hydrokultur mit Kulturtopf, Übertopf und Wasserstandsanzeiger

Zimmerpflanze in Hydrokultur mit Blähton im Kulturtopf, Übertopf und Wasserstandsanzeiger

Bei der Hydrokultur von Zimmerpflanzen finden die Wurzeln in Töpfen mit Blähton Halt – diese Kulturtöpfe wiederum stehen in wasserdichten Übertöpfen (beim Endverbraucher) oder in einem Tischbecken (Verkaufsräume beim Gärtner, Gartencenter, Baumarkt) in wenige Zentimeter hohem Wasser. Ein Wasserstandsanzeiger zeigt an, wann wieder Wasser nachgefüllt werden muss (erst wenn der Zeiger bei Minimum steht) und wie viel. Gedüngt wird mit einem speziellen Hydrokulturdünger, meist ein Ionenaustauscher-Granulat. Auch während der Anzucht beim Gärtner stehen die Zimmerpflanzen mit ihren Kulturtöpfen in einem Tischbecken. Bewässert wird dort meist per Anstaubewässerungsverfahren/Ebbe-Flut-Verfahren: Die Wannen werden mehrmals pro Tag für eine bestimmte Zeit und in bestimmter Höhe – abhängig von der Topfgröße – geflutet, dann wird das Wasser abgelassen, aufgefangen und wieder aufbereitet bis zur nächsten Flut.

Bei Hydroponik befinden sich die Wurzeln von Salat, Tomaten oder anderen Pflanzen in Steinwollwürfeln oder Ähnlichem oder sind nackt ganz ohne Substrat und stehen/hängen in Rinnen mit zirkulierender Nährstofflösung. Die Nährstofflösung besteht aus Wasser, pflanzenverfügbaren, leicht löslichen mineralischen Nährstoffen und Sauerstoff. Damit die Pflanzen optimal wachsen, wird die Nährstofflösung ständig auf ihren Gehalt an Nährstoffen und Sauerstoff geprüft und entsprechend eingestellt. Die häufigst Art der Hydroponik-Rinnenkultur ist die Nährlösungsfilm-Technik (Nutrient Film Technique, NFT), bei der die Nährlösung in niedriger Höhe ständig zirkuliert.

Vorteile von Hydroponik/Hydrokultur

Der Pflanzenanbau in Hydroponik ist unabhängig vom Boden. Das ist hilfreich, wenn kein Boden vorhanden ist (Dächer, Pflanzenfabriken) oder wenn der vorhandene Boden nicht genutzt werden kann (z. B. wegen Krankheiten im Boden, Bodenversalzung und Ähnlichem).

Man kann die Düngung dank mineralischem Dünger und mehr oder weniger hohem Technikaufwand genau regulieren und dem Entwicklungsstadium der Pflanze anpassen (Wachstumphase: stickstoffbetonte Düngung; ab Blüte: mehr Phosphor, Kalium und Magnesium). Die Nährlösung bleibt im Kreislauf („geschlossenes System“), Nährstoffe gelangen nicht in den Boden und somit auch nicht in das Trinkwasser.

Beispiel für einen selbst gebastelten platzsparenden Hydroponik-Turm: DIY Hydroponic Garden Tower (FoodAbundance bei YouTube)

 

Hydroponik/Hydrokultur lässt sich auch mit einer Fischzucht (Fisch-Aquakultur: Tilapia-Buntbarsche, Bachforelle, Regenbogenforelle) kombinieren. Diese Kombination nennt sich Aquaponik. In dem Fall wird die Nährlösung nicht aus Wasser und künstlichem Mineraldünger hergestellt, sondern das Wasser aus dem Fischtank mit den Ausscheidungen der Fische wird als Nährlösung verwendet und Bakterien, die am Blähton oder anderem Substrat sowie auch im Fischtank sitzen, wandeln die Ausscheidungen in pflanzenverfügbaren Dünger um. Dies ist dann im Prinzip eine Form von „organischer-“ Hydroponik (organic hydroponics). An der wird auch in Japan geforscht: Verwendung von organischem Dünger für die Hydroponik unter Zuhilfename von Mikroorganismen, die die organisch-gebundenen Nährstoffe in die pflanzenaufnehmbare Mineralform überführen.

Aquaponics (Purdue University bei YouTube)

 

Nachteile von Hydroponik/Hydrokultur

Gedüngt wird bei der normalen Hydroponik mit teurem, künstlich unter Energieaufwand hergestelltem mineralischen Dünger (Ausnahme Aquaponik bzw. die meines Wissens noch nicht ausgereifte organische Hydroponik). Deshalb gibt es auch kein Biosiegel, denn zum biologischen Anbau gehört laut
EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau (BMEL) der Verzicht auf mineralische Stickstoffdünger.

Auch die Steinwolle für die Steinwollwürfel oder die Trays (Tabletts aus Kunststoff) mit Steinwollwürfeln/Steinwollzylindern werden mit hohem Energieeinsatz erzeugt und nach einmaligem Gebrauch entsorgt.

Bei der normalen Hydroponik/Hydrokultur gibt keinen Stoffkreislauf wie im normalen organischen Anbau, wo Pflanzenabfälle kompostiert und dann als fertiger Kompost (= organischer Dünger und Bodenverbesserungsmittel) zurück in den Pflanzenanbau-Kreislauf gebracht werden.

Da kein Boden da ist, gibt es auch (fast) keinen Puffer, der einen Fehler wie Überdüngung oder Unterdüngung mit einem oder allen Nährstoffen, einen falschen pH-Wert oder eine zu hohe Nährstoffkonzentration ausgleicht.

Nachteilig ist auch der hohe Material- und Technikaufwand: Bewässerungsrinnen, Kontrolle und Automatisierung der Nährlösungszusammensetzung.

 

 

 

Meine Meinung

Wo die Erschließung verbrauchernaher Anbauflächen auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten (Berechnung des CO2-Fussabdrucks der gesamten Wertschöpfungskette von der Rinnen-, Steinwoll- und Düngerproduktion bis zum Produkt beim Verbraucher) sinnvoll ist, finde ich Hydroponik eine gute Sache. Was mir allerdings Magendrücken verursacht, ist die allgemeine Umstellung von Tomaten-, Gurken- und Paprikaanbau in Gewächshäusern – auch auf dem Land – auf Hydroponik: Der Boden, den ich als wertvolles Gut zu achten gelernt habe, wird unter Beton und Planen vergraben, darüber kilometerweit Tomaten in Rinnen mit Nährstofflösung. Ich finde zwar gut, dass in diesen Gewächshäusern meist mit biologischem Pflanzenschutz (Nützlingseinsatz) Schädlinge wie Blattläuse, Weiße Fliege und Spinnmilbe bekämpft werden, aber trotzdem – was ist mit dem Bodenleben und dem Humus als CO2-Speicher? Und wie ist die innere Qualität der geernteten Tomaten (Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe etc.) im Vergleich zu Tomaten, die in einem guten Boden angebaut wurden? Darauf habe ich noch keine zufriedenstellenden Antworten gefunden.

Wie ist Ihre/eure Meinung zu dem Thema Hydroponik? Wer kennt End-to-End-Nachhaltigkeitsberechnungen und Untersuchungen zu den Inhaltsstoffen im Endprodukt im Vergleich zu erdeloser Kultur?

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Ergebnisse der Hobbygärtner-Befragung 2014

Abschluss der Umfrage zu den Einkaufskriterien von Hobbygärtnern und Urban Gardenern.

Im Juli 2014 habe ich eine kleine Online-Umfrage zu Einkaufskriterien und -gewohnheiten unter (Hobby)gärtnern und Urban Gardener gestartet. Ich habe gezögert, die Ergebnisse zu veröffentlichen, weil die Umfrage mit nur 62, ausschließlich Online-Teilnehmern, nicht repräsentativ ist. Aber andererseits sind die Ergebnisse doch recht interessant und die TeilnehmerInnen haben für ihre Mühe auch ein Ergebnis verdient, weshalb ich die Auswertung nicht vorenthalten möchte.

Die Befragung wurde mit Hilfe von Surveymonkey erstellt und ausgewertet.

Hier die Fragen und Antworten:

Wo beziehen Sie die folgenden Gartenbau- und Hilfsprodukte?
(Bitte alles Zutreffende ankreuzen)

Hobbygärtner Einkaufskriterien

(Zur Ansicht aufs Bild klicken.)

Erstaunlich finde ich, dass ein großer Prozentsatz der Teilnehmer Samen nicht nur von Gemüsen und Kräutern, sondern auch von Blumen, Stauden und Zimmerpflanzen selbst gewinnt. Gleichzeitig ist der Gärtner im Internet als Saatgutlieferant sehr wichtig geworden – vermutlich wegen der genauen Sortenvorstellungen, die man heutzutage hat. Gemüsejungpflanzen werden dagegen am liebsten beim regionalen Gärtner gekauft.
Interessant auch, wie viele der Teilnehmer Saatgut, Jungpflanzen, Kräuter und auch Stauden tauschen.

Was ist Ihnen am wichtigsten beim Einkaufen? (Bitte je Zeile maximal 5 Kriterien auswählen – die allerwichtigsten, bei denen Sie nach Möglichkeit keine Abstriche machen)

Hobbygärtner-Einkaufskriterien 2

(Zur Ansicht auf das Bild klicken)

Viele der Teilnehmer haben sehr genaue Vorstellungen, welche Sorten sie möchten, und wollen diesen Wunsch auch erfüllt haben. Ebenfalls sehr wichtig ist vielen, dass Gemüse-/Kräutersamen, Gemüse-Jungpflanzen sowie Kräuter aus ökologischem Anbau stammen. Sie legen außerdem Wert auf samenechte Sorten, wollen keine Hybridsorten. Sehr vielen Teilnehmern ist zudem wichtig, dass ihre Beet- und Balkonblumen sowie ihre Stauden gut für Bienen und Nützlinge sind. Ein möglichst niedriger Preis kann im Vergleich nur wenig punkten.

Welche Pflanz-/Blumenerde kaufen Sie?

Hobbygärtner-Einkaufskriterien 3

(Zur Ansicht auf das Bild klicken)

Beim Kauf von Pflanzerde greifen die meisten auf bewährte Marken zurück, immerhin 34 Prozent gaben an, Pflanzenerde ohne Torf zu bevorzugen. Viele mischen ihre Erde auch selbst. Zertifizierungen von Biolandbau, Bio oder Öko im Namen scheint den meisten nicht so wichtig zu sein.

Die Teilnehmer
79 Prozent der Teilnehmer gaben an weiblich, 17, 4 Prozent männlich zu sein. Die Altersgruppe 40 bis 49 war mit 40,32 Prozent mit Abstand die größte, gefolgt von den 50- bis 59-Jährigen mit 24,19 Prozent und den 20- bis 29-Jährigen bei 11,29 Prozent.

Zu diesen Gruppen ordneten sich die Teilnehmer zu:

Hobbygärtner-Einkaufskriterien Gruppen

(Zur Ansicht auf das Bild klicken)

(Erklärung: Auch jemand vom Fach kann in seiner Freizeit „Hobbygärtner“ sein.)

Wünsche und Kommentare der Teilnehmer

Die Teilnehmer konnten am Ende der Umfrage Kommentare und Wünsche äußern:

„Mehr alte und viele unterschiedliche Gemüsesorten bei regionalen Gärtnern“

„Ich will Sorten, die gut schmecken und gut riechen, Aussehen und Ertrag zweitrangig, Blumen möglichst ungefüllt, keine bunten Mischungen.“

„Nervengiftfreie Regionen überall! No Pesticides!“

„Antworten konnten nicht immer eindeutig zugeordnet werden. Stauden zB kaufe ich fast ausschließlich bei Staudengärtnern, dafür fahre ich auch manchmal eine ganze Strecke ( also nicht regional). Erde beziehe ich zu großen Teilen aus dem hiesigen Kompostwerk. Zählen Rosen zu den Zierghölzen? dann wäre die Antwort per Internet und gewünschte Sorte.“

„Genauere Angaben auf z. B. Samenpackungen über Herkunft, Kreuzungen usw. wären schön. So kann ich nur mutmaßen, dass ich Monsanto-Kram in den Händen halte.“

„Samen kaufe ich auch bei Manufactum (im Laden) oder im Bioladen.“

Ich möchte mich bei allen Teilnehmern herzlich fürs Mitmachen bedanken!

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