Frische Salate und leckeres Fruchtgemüse vom Balkon oder der Terrasse

Das ist auch Urban Gardening: Gemüse, Kräuter und Obst auf dem Balkon oder der Terrasse anbauen. Man kann diese Gaumenfreuden pur anbauen oder sie mit Blumen und anderen Zierpflanzen mischen. Tipps für Einsteiger.

Schnittsalat im Topf angebaut
Topfgarten: Schnittsalat im Topf

Wer knackige Salate, aromatische Kräuter, fruchtige Kirschtomaten und andere Kräuter und Gemüse selbst anbaut, zeigt, dass er oder sie ein Gourmet und wahrscheinlich auch ein Naturliebhaber ist. Denn als Selbstversorger kann man sich die besten Sorten aussuchen und seine Erträge ganz nach Bedarf ernten und frisch genießen. Zudem macht Gärtnern Spaß und tut der Seele gut und wer Kinder hat, kann ihnen zeigen, wie wunderbar die Vorgänge in der Natur sind und wie der Mensch das Keimen, Wachsen, Blühen und Fruchtbilden seit Jahrtausenden für sich nutzt.

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Anbautipps für Einsteiger

Das sollte ein Selbstversorger-Einsteiger mit wenig Platz, beispielsweise auf dem Balkon oder der (Dach-)Terrasse, wissen:

Das Anbaujahr

Manche Gemüse und Kräuter vertragen auch leichten Frost und können schon vor den Eisheiligen ins Freie. Im April kann man beispielsweise Mangold, Erbsen, Rettich und Rote Rüben direkt ins Beet aussäen und/oder Jungpflanzen von Blumenkohl, Brokkoli, Kopfsalat, Knollenfenchel oder Kohlrabi  auspflanzen. Bei der Sortenwahl achtet man auf Sorten für den Frühjahrs und Sommeranbau.

Tipp:
Einsteiger in ihrem ersten Anbaujahr sollten mit einfachen Dingen anfangen: vor den Eisheiligen Radieschen und Erbsen säen, Steckzwiebeln stecken, Frühkartoffeln legen und gekaufte Salat-, Porree- und Kohlrabi-Jungpflanzen auspflanzen.

Andere Gemüse kann man erst nach den Eisheiligen  in der zweiten Maihälfte ins Freie säen.

Tomatenpflanze im winterfesten Kübel auf der Terrasse – Sorte ‚Black Plum‘

Dazu gehören Fruchtgemüse wie Tomaten, Paprika, Auberginen, Tomatillo, Gurken, Stangenbohnen und Zucchini. Damit sie bis Herbst viele Früchte hervorbringen, muss man sie entweder schon ab Februar/März aus Samen an einen hellen oder warmen Platz heranziehen oder aber man kauft sie zur Pflanzzeit als Jungpflanzen beim Gärtner vor Ort in der Gärtnerei oder auf dem Markt, im Gartencenter, Baumarkt oder beim (Online-) Versandgärtner.

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Weitere Bezugsquellen bei Wo kauft man samenechte Sorten, Biosaatgut, alte Sorten.

Pflanzerden für Balkon und Terrasse

Die Auswahl an Pflanzerden, auch Blumenerden oder Substrate genannt, ist riesig. Wenn man solche mit reduziertem Torfanteil oder ganz torffreie Erden kauft, tut man etwas für die Schonung der Moore. Für die Aussaat und für junge Pflanzen eignen sich feinkrümelige Erden – das sind beispielsweise Aussaaterden, die meisten Kräutererden und viele (aber nicht alle) andere Erden. Wenn Sie nicht wissen, wie eine bestimmte Erde beschaffen ist, kaufen Sie verschiedene. Für die Aussaat in einem kleineren Topf nehmen Sie die feinkrümelige, wenn sie Fruchtgemüse-Jungpflanzen (beispielsweise eine höhere Buschtomate) in einen großen Kübel pflanzen, dann nehmen Sie zunächst die gröbere, formen dann eine Kuhle in der Mitte des Topfes, in die sie die feinere Erde geben und dort hineinpflanzen.

Tipp:
Pflanzerde sollte bei der Verwendung feucht, aber nicht patschnass sein. Zu nasse Erde kann man trocknen lassen oder mit anderer Erde mischen. Total ausgetrocknete Pflanzerde sollte man vorher anfeuchten – zum Beispiel, indem man sie von einem großen Eimer in einen anderen schaufelt und sie dabei zwischendrin mit Wasser überbraust, anschließend durchkneten und/oder mit Plastik abdecken und ein paar Stunden ziehen lassen.

Pflanzgefäße und Stützhilfen für Balkon und Terrasse

Als Pflanzgefäße eignen sich Balkonkästen, Töpfe, Schalen, Kübel, Regale, Tischbeete und unten geschlossene Hochbeete. Wichtig ist, dass die Pflanzgefäße fest stehen, auch bei Sturm  – schwere Keramik- oder Steingefäße tun das von alleine, leichtere Kunststoffgefäße muss man notfalls festschrauben oder anbinden. Balkonkästen müssen so angebracht werden, dass sie auch bei Starkwind nicht herabstürzen und jemanden verletzen könnten und dass auslaufendes Gießwasser weder die Fassade beschmutzen noch andere Menschen beeinträchtigen kann.

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Vertikal pflanzen*

Gefäße sollten im Allgemeinen eher zu groß als zu klein gewählt werden, damit darin genug Platz für die Pflanzerde ist, die Nährstoffe und Wasser speichern soll. Im Prinzip können zwar Pflanzen auch ganz ohne Erde kultiviert werden, doch dann müssen sie mehr oder weniger permanent und automatisiert gewässert und gedüngt werden – dafür gibt es Hydroponiksysteme (auch die von den Zimmerpflanzen her bekannte Hydrokultur ist ein Hydroponiksystem).

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Hoch wachsende Pflanzen wie Stabtomaten, Auberginen oder Obstbäumchen benötigen eine Stütze – das kann beispielsweise ein Stützstab, Stützspiralstab, Rankgitter sein oder man leitet sie an Schnüren oder Drähten nach oben oder in etwas Abstand an der Wand entlang.

Gießen auf Balkon und Terrasse, automatische Bewässerung
Wie viel man gießen muss, hängt von der Pflanzenart und von der Jahreszeit ab. Die Pflanzerde sollte leicht feucht, aber nie nass sein, denn für die Wurzeln ist auch die Luft in der Erde wichtig. Umgekehrt soll die Erde aber auch nicht knochentrocken werden – Radieschen, Rettich und Kohlrabi reagieren beispielsweise empfindlich, wenn sie sehr ungleichmäßig gegossen werden, sie werden dann holzig oder platzen auf.
Man kann von Hand per Gießkanne gießen oder man verlegt ein Bewässerungssystem, das aus einem Wasserbehälter oder dem Wasserhahn gespeist wird. Manche Bewässerungssysteme* sind von Haus aus automatisch (Tropf-Blumat, Beckmann BETA 8 etc.), andere kann man über eine Zeitschaltuhr (Gardena*) oder einen Bewässerungscomputer an- und abschalten (lassen).

Tipp:
Topfuntersetzer können zwar hilfreich sein, damit der Bodenbelag der Terrasse oder des Balkons nicht beschmutzt wird und damit die Erde auch etwas Zeit hat, die Gießflüssigkeit aufzusaugen, aber das Wasser sollte niemals über längere Zeit Wasser im Untersetzer stehen bleiben – weder nach dem Regen noch nach dem Gießen.

Düngung
Feldsalat, Radieschen, Kresse und viele Kräuter benötigen nur sehr wenig Nährstoffe, andere wie große Tomaten- oder Auberginenpflanzen benötigen mehr – denn sie bilden während ihrer viel längeren Standzeit reichlich Pflanzenmasse (Triebe, Blätter, Blüten und Früchte). Pflanzen nehmen Nährstoffe zwar überwiegend in mineralischer Form auf – egal, wie man düngt -, trotzdem sind organische und organisch-mineralische Nährstoffe in der Regel besser, denn zum einen verbraucht ihre Herstellung meist weniger Energie als die von synthetischen Mineraldüngern, andererseits fördern sie dadurch, dass sie erst von Bodenlebewesen von organisch in mineralisch umgebaut werden müssen, das Bodenleben. Die winzigen Organismen sorgen für eine gesündere, durchlässigere Erde. Nur wenn man einen akuten Mangel möglichst schnell beseitigen muss, ist ein ein mineralischer Dünger hilfreicher, da er schneller wirkt.

Kompostierung auf Balkon oder Terrasse
Wer Pflanzen- und Gemüseabfälle kompostiert, erhält einen nährstoffreichen Bodenverbesserer, den er im nächsten Jahr seiner Blumenerde beimischen und mit dem er düngen kann. Wer keinen Garten mit Komposthaufen oder Komposttonne hat, kann die Gartenabfälle in die Biotonne geben und kauft sich im nächsten Jahr eben eine neue gute Erde und einen organischen Dünger. Wessen Platz nicht zu knapp bemessen ist, der kann aber auch auf dem Balkon kompostieren. Bei Amazon* gibt es Behälter und Ferment für die so genannte Bokashi-Methode, bei Amazon* gibt es Wurmkomposter und Kompostwürmer für die Wurmkompostier-Methode.

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Gemüse und Kräuter mit Blumen mischen?
Dill, Borretsch und Thymian sind Kräuter, deren Blüten Nützlinge anlocken – die helfen dann gegen Schädlinge. Man kann aber Gemüse, Kräuter und Obst auch mit anderen blühenden Pflanzen kombinieren, beispielsweise mit Ringelblumen, Bienenfreund Phacelia und anderen Nützlings-Pflanzen zwischen dem Balkongemüse – damit verbessert man auch die Befruchtung bei den Fruchtgemüsen.

Tipp:
Wenn man allerdings blühende Pflanzen kauft und nicht sicher ist, ob sie biologisch angebaut wurden, hält man sie wegen eventuell verabreichten Stauch- und Spritzmitteln besser in getrennten Gefäßen.

Buchtipp:

Gärtnern in Töpfen:*
Balkon und Terrasse mit Pflanzen gestalten*
Eva Schumann
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1. Auflage (2019)
Taschenbuch/Klappenbroschur, 128 S.,
86 Farbfotos, 3 Farbzeichungen, 17 Tabellen
ISBN 3-8186-0635-8






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LED-Licht für den Pflanzenanbau als Service (LaaS) – interessant vor allem für den (urbanen) Gartenbau mit vertikalem Anbau

Warum etwas kaufen, das man auch als Dienstleistung haben kann. In den letzten Jahren wird es zunehmend Usus, hochpreisige Software nicht mehr zu kaufen, sondern gegen monatliche Gebühren über das Internet zu nutzen – das nennt sich dann Software as a Service, kurz SaaS. Ein vergleichbares Angebot, nämlich Licht als Dienstleistung (Light as a Service, LaaS), gibt es nun auch für das (Zusatz-)Pflanzenlicht im Gartenbau.

Zusätzliches Pflanzenlicht ist im Gartenbau, und zwar im geschützten Anbau unter Glas, schon lange üblich, denn Heizen alleine reicht nicht, um die Saison für den Pflanzenanbau über die natürlichen klimatischen Gegebenheiten hinaus zu verlängern. Pflanzen wachsen nur dann gesund, wenn Licht und Temperatur zusammenpassen. Wird also in der lichtarmen Herbst- und Winterzeit geheizt, um Pflanzen früher oder später als draußen anzubauen, muss den Pflanzen auch Licht in für die Fotosynthese und andere Prozesse passenden Spektren (Wellenlänge-Bereichen) geboten werden.

Die bisher im professionellen Gartenbau bewährten Natriumdampf-Hochdrucklampen (high pressure sodium vapour lamps, HPS-Lampen) und andere Leuchtstofflampen werden zunehmend von Leuchtdioden-(LED-)Wachstumslampen abgelöst.

Vorteile von LED-Lampen gegenüber den bisherigen Lampen

  • LED-Lampen sind energiesparender als alle bisher gebräuchlichen Pflanzenlichtlampen.
  • Es gibt LED-Lampen mit einem Lichtspektrum passend für den jeweiligen Anwendungsbereich, denn mit Licht lassen sich Wachstum, Blütenbildung, Kältetoleranz, Lagerbareit und Geschmack beeinflussen.
  • LED-Lampen haben weniger Verluste und damit eine niedrigere Wärmeabgabe.

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LED-Wachstumslampen*

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LED-Lampen sind in der Anschaffung teuer, sparen diese Mehrkosten aber beim Betrieb wieder ein. Durch das optimierte Lichtspektrum entwickeln sich die Pflanzen besser und/oder schneller. Werbelink z

Wegen der niedrigen Wärmeabgabe, kann die Vertikale besser ausgenutzt werden, beispielsweise indem in beleuchteten Regalfächern übereinander angebaut wird, wie es auch in modernen Pflanzenfabriken (Spezielles Urban Farming mit Vertical Farming) zur Erzeugung von niedrigen Gemüsen und Kräutern unabhängig von den Licht- und Klimafaktoren draußen gewünscht wird.

Pflanzliche Lebensmittel lassen sich so nicht nur im Gewächshaus mit Zusatzlicht, sondern in geschlossenen, fensterlosen Räumen, in Bunkern, U-Bahnschächten, in isolierten Räumen in der Arktis sowie auf dem Mars anbauen. Mit Technik werden Licht und Klima so eingestellt, wie es die Pflanzen zum Gedeihen benötigen.

Die hohen Investitionskosten schrecken viele professionelle Erzeuger davon ab, von traditioneller Assimilationsbelichtung mit HPS-Lampen auf Belichtung mit LED-Wachstumslampen umzusteigen. Das finnische Unternehmen Valoya, ein Anbieter von hochwertigen LED-Lösungen für professionelle Anbauer, will diese Umstellung erleichtern, indem es die Pflanzenbelichtung als Servicekonzept anbietet: Lighting as a Service, LaaS. Es fallen keine Investitionskosten an, sondern 5 Jahre lang bezahlt der Vertragspartner nur so viel, wie  der Energieeinsparung entspricht.

Der Anbauer erhält für sein Geld

  • die Installation der LED-Pflanzenlichtanlage,
  • kostenlose Wartung und Ersatz von defekten Elementen,
    kostenlose Upgrades,
  • einen Belichtungsplan für die verschiedenen Wachstumsstadien und
  • Support durch Pflanzenlicht- und Belichtungsspezialisten.

Den Nutzen, den die Anbauer darüber hinaus haben oder haben sollen:

  • bessere Ausnutzung der vorhandenen Flächen
  • bessere und/oder häufigere Ernten

Bisher wird das LaaS-Konzept von Valoya nur in den USA und in Kanada angeboten und richtet sich an große Pflanzenerzeuger, aber es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die Idee auch von anderen aufgegriffen wird und man es auch in anderen Teilen der Welt und möglicherweise auch weniger großen Anbauern anbietet.

Fachsprachlich

  • bezeichnet Lampe ein Leuchtmittel – also „das, was leuchtet“: Glühlampe, Leuchtstofflampe, Lampe mit Leuchtdioden (light-emitting diode, LED) etc.
  • bezeichnet Leuchte die Vorrichtung, in dem die Lampe (Leuchtmittel) steckt: Stehleuchte, Tischleuchte, Straßenleuchte, Deckenleuchte etc.

Tipp für zuhause: Es gibt LED-Lampen mit einem Edisonsockel E27, die ähnlich wie die alten Glühbirnen mit dem größeren Gewinde aussehen und wie diese in normale Leuchten geschraubt werden können. Will man pflanzengerechtes Licht, braucht man LED-Lampen, die für Pflanzen optimiert wurden. Oft haben sie den Zusatz „Pflanzen“, „Wachstum“ oder „Grow“ im Namen.


Auch interessant:

Zusammen mit Microsoft und der Queen Mary Universität London hat Valoya ein Beleuchtungssystem entwickelt, das die natürlichen Lichtverhältnisse draußen nachbildet, einschließlich der sich im Tagesverlauf ändernden Stärke und Spektralbereiche des Lichts. Mit diesem System lassen sich die Lichtverhältnisse von jedem Ort der Erde zu jeder Zeit nachstellen. Ermöglicht wird dies durch die Verbindung von Internet of Things (IoT), Big Data und Cloud-Technologien.

Valoya LightDNA – a dynamic simulator of solar and outdoor light conditions
(YouTube, Valoya Oy)

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Weitere Informationen

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Hochbeete – mehr als ein cooler Trend

Gärtnern in Hochbeeten ist mehr als ein amüsanter Gartentrend. Mit Hochbeeten kann man etwas für die Umwelt, für den eigenen Rücken und für das persönliche Gärtnerglück tun. Beim urbanen Gärtnern ermöglichen Hochbeete das Gärtnern auf ansonsten ungeeigneten Flächen und wer mag, das nötige handwerkliche Geschick und ein wenig Experimentierfreude hat, kann beim Hochbeetbau und bei der Bepflanzung mit Kräutern, Gemüse und Blumen seine Kreativität ausleben.

Gewürze, Kräuterund Gemüse in einem Hochbeet aus Holz

Gewürze, Kräuter und Gemüse in einem Hochbeet aus Holz

Kürzlich bezeichnete jemand in einer Garten-Community bei Facebook Hochbeete als „eine Art gehypte Modeerscheinung“. Es sei jetzt Mode, sich ein schickes Hochbeet zuzulegen und es mit Säcken von Torferde zuzuschütten.

Diese vorwurfsvolle Aussage hat zu einer hitzigen Diskussion geführt, denn andere Teilnehmer hatten sich ihre Hochbeete wegen ihrer Rückenprobleme angeschafft, sie aus natürlichen Materialien, beispielsweise Holz vom örtlichen Holzhändler, selbst gebaut. Sie würden sie niemals mit Torferde, sondern mit Gartenabfällen und Ähnlichem befüllen, damit diese darin kompostieren und zu wertvollem Humus werden.

Die unüberlegte Äußerung zeigte mal wieder, dass Pauschalaussagen meistens falsch sind und Menschen verletzen.

Sicher gibt es auch Hobbygärtner, die sich ein Fertighochbeet und ein paar Säcke Erde und Pflanzen bestellen. Aber warum auch nicht: Ist es etwa richtig, auf sie herabzublicken? Schließlich weiß man nicht, was sie für Gründe haben: gesundheitliche Probleme und keine Hilfe; keine Möglichkeit, an Baumaterial oder an pflanzliche Rohstoffe für das Aufsetzen einer Miete zu kommen etc. Vielleicht hat jemand auch einfach kein handwerkliches Geschick, traut es sich nicht zu oder hat einfach keine Zeit, weil der Mensch zwei Jobs hat oder ehrenamtlich nebenbei Sterbebegleitung macht. Und trotzdem möchten auch diese Menschen gerne Gärtnern, denn Gärtnern macht glücklich.

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Hochbeet*
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Aber noch einmal von vorne:

Was ist ein Hochbeet überhaupt?

Im Grunde ist ein Hochbeet eine kleine Kompostmiete in einer festen Umrandung (und im Falle von mobilen Hochbeeten auch mit einem festen Boden, einer Dränage und einem Wasserüberlauf), die mit Gartenerde oder – falls man keine gute, humose Gartenerde hat – mit einem erdähnlichen, torfreduzierten oder torffreien Pflanzsubstrat/“Blumenerde“ abgedeckt wird, so dass man diese Miete bepflanzen kann.

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Die Einfassung eines Hochbeetes kann aus Holz, Stein, Kunststoff oder anderen Materialien sein. Bei Holz muss man innen eine Folie anbringen, da das Holz sonst sehr schnell verrottet.

Sitzt das Hochbeet auf dem Boden auf, legt man es unten mit einem Maschendraht gegen Wühlmäuse aus. Bei der Schichtung der Kompost- und Erdzutaten im Inneren beginnt man unten mit einem groben Material und wird nach oben hin immer feiner (und pflanzenwurzelfreundlicher).

Schichten im Hochbeet

Aufbau und Schichten im Hochbeet

Hat man nicht genug Höhe für 4 Schichten mit jeweils etwa 25 cm, dann kann man aus den unteren beiden eine gemischte Schicht machen oder, bei sehr wenig Höhe und bei Tischbeeten, lässt man die unteren Schichten einfach weg.

Hochbeete haben viele Vorteile

  • Gärtnern ohne tiefes Bücken
    Hochbeete machen das Gärtnern auch für Rückengeplagte möglich. Wir werden alle nicht jünger…
  • Humusproduktion
    Das Hochbeet ist im Inneren ein Komposthaufen – so wird der Stoffkreislauf im Garten geschlossen: Aus den Abfällen wird Humus, der als Dünger und Bodenverbesserungsstoff im Garten und auf dem Balkon eingesetzt werden kann.  Gleichzeitig fördert die Verrottungswärme das Pflanzenwachstum.
  • Turbo-Frühbeet
    Hochbeete mit Frühbeetdach verlängern das Gartenjahr.
  • DIY-Herausforderung, für alle, die das Selbermachen mögen
    Wer kreativ ist, Spaß daran hat und die nötige Kraft besitzt, kann sein Hochbeet selbst planen und umzusetzen (Do It Yourself, DIY). Der Bau eines Hochbeetes ist eine Aufgabe, die ein bisschen herausfordert, aber für viele Menschen nicht allzu schwierig ist.
  • Gärtnern überall, auch in der Stadt
    Mobile Hochbeete (mit einem Boden unten) ermöglichen das (urbane) Gärtnern (Urban Farming) auf versiegelten Flächen (betonierten Einfahrten, Balkone, Terrassen, Dachterrassen) oder mit Giften belasteten Böden.

Ja, Hochbeete sind im Trend und Industrie und Handel sind auf den Zug aufgesprungen und bieten fertige Hochbeete mit und ohne Aufsatz an und eine Erde, die Hochbeeterde genannt wird und die es vor diesem Trend noch nicht gab. Diese Angebote kann man nutzen – sie haben den Vorteil, dass alle mitmachen können -, muss man aber nicht.

PS: Falls man Pflanzerde kaufen muss, weil die abgetragene Erde aus dem Garten zu schlecht ist, sollte man torfreduzierte oder torffreie Pflanzenerden wählen.

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* Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen, die über einen Werbe-Link zu Amazon zustande kommen, unter Umständen eine Provision/Werbekostenerstattung.

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Klimarettung zum Mitmachen (Buchvorstellung: Die Humusrevolution)

Die Humusrevolution - Buchtipp mit WerbelinkDer menschengemachte Klimawandel ist umkehrbar, verspricht das kürzlich im Oekom Verlag erschienene Buch „Die Humusrevolution. Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen“ von Ute Scheub und Stefan Schwarzer. Das bekanntermaßen klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) lasse sich durch regenerative Agrikultur aus der Atmosphäre holen und in Form von Humus wieder im Boden speichern – wo es zu einem großen Teil auch herstammt. Nicht nur könnte der CO2-Gehalt der Atmosphäre wieder auf ein vorindustrielles Niveau gesenkt werden, auch die Artenvielfalt im und über dem Boden würde gefördert werden – und durch die wesentliche Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit wären auch die Erträge langfristig höher als beim agroindustriellen Anbau. Und das Beste: Wir können alle dabei mitmachen! (Buchvorstellung**).

Gartenbau und Landwirtschaft sind hoch politische Themen. In ihrem Buch „Die Humusrevolution. Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen“ stellen Scheub und Schwarzer die Auswirkungen der Agroindustrie („Goliath“) denen der regenerativen Agrikultur („David“) gegenüber.

Die Agroindustrie steht beispielsweise für Anbau in Monokulturen, Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln und energieaufwendig hergestellten Mineraldüngern, die Entwaldung in Südamerika für den Kraftfutteranbau für die Massentierhaltung bei uns, für Artensterben, Bodendegeneration und deren Folgen etc. Die Agroindustrie macht mit ihren Produkten Gewinne, weil die Kosten für die Bereinigung der durch sie hervorgerufenen Schäden wie Wasserverunreinigungen durch Nitrat- und Phosphat-Eintrag ins Grundwasser, globale und regionale Klimaveränderungen, Wüstenbildung, Umkippen von Gewässern, Vertreibung der Touristen durch Schaumbildung an den Stränden etc. andere oder die Allgemeinheit tragen – daran ändern auch die neuesten Greenwashing-Versuche nichts. Gefördert werde die Agroindustrie durch eine Politik, die immer noch die falschen Anreize setze.

Die regenerative Agrikultur ist an Mensch und Natur ausgerichtet und bedient sich regenerativer, ökologischer Methoden wie Kreislaufwirtschaft, pfluglose Bodenbearbeitung, Kompostierung und Terra Preta, Permakultur, Agroforstsysteme und Waldgärten, Wassermanagement sowie holistisches Weidemanagement zur Wiederherstellung von Dauergraslandflächen, zur Regeneration des (regionalen) Klimas und der Böden. Sie setzt auf (kleinbäuerliche) Agrarökologie, Sortenvielfalt und den verstärkten Anbau für lokale Märkte sowie für Begrünung und Entsiegelung.

Was wäre, wenn …?

Wenn man den Humusgehalt der Böden weltweit über die Umstellung von Agroindustrie auf regenerative Agrikultur um wenige Promille erhöht, wäre der CO2-Gehalt der Atmosphäre in wenigen Jahrzehnten wieder auf einem normalen Stand. Scheub und Schwarzer haben zur Unterfütterung ihrer Behauptungen entsprechende Berechnungen und Aussagen internationaler Forscher sowie Versuchsergebnisse und Projekte der regenerativen Agrikultur auf der ganzen Welt gesammelt und zusammengetragen.

Nimmt man die wahren Kosten (true costs), die die Kosten für die Allgemeinheit enthalten, als Grundlage für die Preiskalkulation von landwirtschaftlichen Produkten, dann zeige sich, dass die regenerative Agrikultur effizienter als die Agroindustrie ist und die Preise auch günstiger als die der Agroindustrie wären – die Politik müsste mit entsprechenden Rahmenbedingungen nur dafür sorgen, dass die Kosten, die jetzt andere tragen, von der Agroindustrie selbst getragen werden müssten. Außerdem sollte sie eine unabhängige wissenschaftliche Forschung im Bereich der Agrarökologie unterstützen.

Und wie können wir mitmachen?

Da sich Böden und Landwirtschaft über die ganze Erde verteilen, müssen viele zur Mitwirkung gewonnen werden – für das politische Engagement genauso wie für die Anwendung der Praktiken der regenerativen Agrikultur – bäuerliche Initiativen, Kleinbauern, Urban Gardener und Selbstversorger, Wissenschaftler, Politiker und Aktivisten lokal, regional, national und international. Das Buch enthält für die Anwender auch einige Praxistipps, beispielsweise zur Herstellung von Pflanzenkohle, Terra-Preta und Effektive Mikroorganismen (EM), zur Anlage von Agroforstsystemen und zum Bau mobiler Hochbeete.

„Die Humusrevolution. Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen.“ wurde von der Politikwissenschaftlerin und Publizistin Ute Scheub und dem physischen Geografen und Permakultur-Designer Stefan Schwarzer geschrieben (zur Info: die physische Geografie ist die naturwissenschaftliche Erforschung der Geosphäre, Permakultur-Design ist die Entwicklung von nachhaltigen, naturnahen Kreisläufen).

Mein Fazit

Die Autoren zeigen mit ihrem Buch „Die Humusrevolution. Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen“, wie wir als Menschheit unsere Klima-, Boden-, Umwelt- und die Welternährungs-Probleme in den Griff bekommen. Sie wollen Menschen dazu motivieren, sich in dieser Richtung zu engagieren. Ich glaube, dass sie mit diesem sehr interessanten Buch dazu beitragen. Die Thesen sind steil, aber scheinen mir gut unterfüttert. Als eher faktenorientierter Mensch hätte ich auf die ein oder andere polemische Spitze auf der einen Seite und romantische Verklärung und idealisierte alternative Lebensmodelle auf der anderen Seite verzichten können, doch andere Leser mögen das genau anders empfinden.

Die Humusrevolution. Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen.*
Ute Scheub und Stefan Schwarzer
Oekom Verlag**
240 Seiten
ISBN 978-3-86581-838-6

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