LED-Licht für den Pflanzenanbau als Service (LaaS) – interessant vor allem für den (urbanen) Gartenbau mit vertikalem Anbau

Warum etwas kaufen, das man auch als Dienstleistung haben kann. In den letzten Jahren wird es zunehmend Usus, hochpreisige Software nicht mehr zu kaufen, sondern gegen monatliche Gebühren über das Internet zu nutzen – das nennt sich dann Software as a Service, kurz SaaS. Ein vergleichbares Angebot, nämlich Licht als Dienstleistung (Light as a Service, LaaS), gibt es nun auch für das (Zusatz-)Pflanzenlicht im Gartenbau.

Zusätzliches Pflanzenlicht ist im Gartenbau, und zwar im geschützten Anbau unter Glas, schon lange üblich, denn Heizen alleine reicht nicht, um die Saison für den Pflanzenanbau über die natürlichen klimatischen Gegebenheiten hinaus zu verlängern. Pflanzen wachsen nur dann gesund, wenn Licht und Temperatur zusammenpassen. Wird also in der lichtarmen Herbst- und Winterzeit geheizt, um Pflanzen früher oder später als draußen anzubauen, muss den Pflanzen auch Licht in für die Fotosynthese und andere Prozesse passenden Spektren (Wellenlänge-Bereichen) geboten werden.

Die bisher im professionellen Gartenbau bewährten Natriumdampf-Hochdrucklampen (high pressure sodium vapour lamps, HPS-Lampen) und andere Leuchtstofflampen werden zunehmend von Leuchtdioden-(LED-)Wachstumslampen abgelöst.

Vorteile von LED-Lampen gegenüber den bisherigen Lampen

  • LED-Lampen sind energiesparender als alle bisher gebräuchlichen Pflanzenlichtlampen.
  • Es gibt LED-Lampen mit einem Lichtspektrum passend für den jeweiligen Anwendungsbereich, denn mit Licht lassen sich Wachstum, Blütenbildung, Kältetoleranz, Lagerbareit und Geschmack beeinflussen.
  • LED-Lampen haben weniger Verluste und damit eine niedrigere Wärmeabgabe.

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LED-Lampen sind in der Anschaffung teuer, sparen diese Mehrkosten aber beim Betrieb wieder ein. Durch das optimierte Lichtspektrum entwickeln sich die Pflanzen besser und/oder schneller. Werbelink z

Wegen der niedrigen Wärmeabgabe, kann die Vertikale besser ausgenutzt werden, beispielsweise indem in beleuchteten Regalfächern übereinander angebaut wird, wie es auch in modernen Pflanzenfabriken (Spezielles Urban Farming mit Vertical Farming) zur Erzeugung von niedrigen Gemüsen und Kräutern unabhängig von den Licht- und Klimafaktoren draußen gewünscht wird.

Pflanzliche Lebensmittel lassen sich so nicht nur im Gewächshaus mit Zusatzlicht, sondern in geschlossenen, fensterlosen Räumen, in Bunkern, U-Bahnschächten, in isolierten Räumen in der Arktis sowie auf dem Mars anbauen. Mit Technik werden Licht und Klima so eingestellt, wie es die Pflanzen zum Gedeihen benötigen.

Die hohen Investitionskosten schrecken viele professionelle Erzeuger davon ab, von traditioneller Assimilationsbelichtung mit HPS-Lampen auf Belichtung mit LED-Wachstumslampen umzusteigen. Das finnische Unternehmen Valoya, ein Anbieter von hochwertigen LED-Lösungen für professionelle Anbauer, will diese Umstellung erleichtern, indem es die Pflanzenbelichtung als Servicekonzept anbietet: Lighting as a Service, LaaS. Es fallen keine Investitionskosten an, sondern 5 Jahre lang bezahlt der Vertragspartner nur so viel, wie  der Energieeinsparung entspricht.

Der Anbauer erhält für sein Geld

  • die Installation der LED-Pflanzenlichtanlage,
  • kostenlose Wartung und Ersatz von defekten Elementen,
    kostenlose Upgrades,
  • einen Belichtungsplan für die verschiedenen Wachstumsstadien und
  • Support durch Pflanzenlicht- und Belichtungsspezialisten.

Den Nutzen, den die Anbauer darüber hinaus haben oder haben sollen:

  • bessere Ausnutzung der vorhandenen Flächen
  • bessere und/oder häufigere Ernten

Bisher wird das LaaS-Konzept von Valoya nur in den USA und in Kanada angeboten und richtet sich an große Pflanzenerzeuger, aber es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die Idee auch von anderen aufgegriffen wird und man es auch in anderen Teilen der Welt und möglicherweise auch weniger großen Anbauern anbietet.

Fachsprachlich

  • bezeichnet Lampe ein Leuchtmittel – also „das, was leuchtet“: Glühlampe, Leuchtstofflampe, Lampe mit Leuchtdioden (light-emitting diode, LED) etc.
  • bezeichnet Leuchte die Vorrichtung, in dem die Lampe (Leuchtmittel) steckt: Stehleuchte, Tischleuchte, Straßenleuchte, Deckenleuchte etc.

Tipp für zuhause: Es gibt LED-Lampen mit einem Edisonsockel E27, die ähnlich wie die alten Glühbirnen mit dem größeren Gewinde aussehen und wie diese in normale Leuchten geschraubt werden können. Will man pflanzengerechtes Licht, braucht man LED-Lampen, die für Pflanzen optimiert wurden. Oft haben sie den Zusatz „Pflanzen“, „Wachstum“ oder „Grow“ im Namen.


Auch interessant:

Zusammen mit Microsoft und der Queen Mary Universität London hat Valoya ein Beleuchtungssystem entwickelt, das die natürlichen Lichtverhältnisse draußen nachbildet, einschließlich der sich im Tagesverlauf ändernden Stärke und Spektralbereiche des Lichts. Mit diesem System lassen sich die Lichtverhältnisse von jedem Ort der Erde zu jeder Zeit nachstellen. Ermöglicht wird dies durch die Verbindung von Internet of Things (IoT), Big Data und Cloud-Technologien.

Valoya LightDNA – a dynamic simulator of solar and outdoor light conditions
(YouTube, Valoya Oy)

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Weitere Informationen

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Hochbeete – mehr als ein cooler Trend

Gärtnern in Hochbeeten ist mehr als ein amüsanter Gartentrend. Mit Hochbeeten kann man etwas für die Umwelt, für den eigenen Rücken und für das persönliche Gärtnerglück tun. Beim urbanen Gärtnern ermöglichen Hochbeete das Gärtnern auf ansonsten ungeeigneten Flächen und wer mag, das nötige handwerkliche Geschick und ein wenig Experimentierfreude hat, kann beim Hochbeetbau und bei der Bepflanzung mit Kräutern, Gemüse und Blumen seine Kreativität ausleben.

Gewürze, Kräuterund Gemüse in einem Hochbeet aus Holz

Gewürze, Kräuter und Gemüse in einem Hochbeet aus Holz

Kürzlich bezeichnete jemand in einer Garten-Community bei Facebook Hochbeete als „eine Art gehypte Modeerscheinung“. Es sei jetzt Mode, sich ein schickes Hochbeet zuzulegen und es mit Säcken von Torferde zuzuschütten.

Diese vorwurfsvolle Aussage hat zu einer hitzigen Diskussion geführt, denn andere Teilnehmer hatten sich ihre Hochbeete wegen ihrer Rückenprobleme angeschafft, sie aus natürlichen Materialien, beispielsweise Holz vom örtlichen Holzhändler, selbst gebaut. Sie würden sie niemals mit Torferde, sondern mit Gartenabfällen und Ähnlichem befüllen, damit diese darin kompostieren und zu wertvollem Humus werden.

Die unüberlegte Äußerung zeigte mal wieder, dass Pauschalaussagen meistens falsch sind und Menschen verletzen.

Sicher gibt es auch Hobbygärtner, die sich ein Fertighochbeet und ein paar Säcke Erde und Pflanzen bestellen. Aber warum auch nicht: Ist es etwa richtig, auf sie herabzublicken? Schließlich weiß man nicht, was sie für Gründe haben: gesundheitliche Probleme und keine Hilfe; keine Möglichkeit, an Baumaterial oder an pflanzliche Rohstoffe für das Aufsetzen einer Miete zu kommen etc. Vielleicht hat jemand auch einfach kein handwerkliches Geschick, traut es sich nicht zu oder hat einfach keine Zeit, weil der Mensch zwei Jobs hat oder ehrenamtlich nebenbei Sterbebegleitung macht. Und trotzdem möchten auch diese Menschen gerne Gärtnern, denn Gärtnern macht glücklich.

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Aber noch einmal von vorne:

Was ist ein Hochbeet überhaupt?

Im Grunde ist ein Hochbeet eine kleine Kompostmiete in einer festen Umrandung (und im Falle von mobilen Hochbeeten auch mit einem festen Boden, einer Dränage und einem Wasserüberlauf), die mit Gartenerde oder – falls man keine gute, humose Gartenerde hat – mit einem erdähnlichen, torfreduzierten oder torffreien Pflanzsubstrat/“Blumenerde“ abgedeckt wird, so dass man diese Miete bepflanzen kann.

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Die Einfassung eines Hochbeetes kann aus Holz, Stein, Kunststoff oder anderen Materialien sein. Bei Holz muss man innen eine Folie anbringen, da das Holz sonst sehr schnell verrottet.

Sitzt das Hochbeet auf dem Boden auf, legt man es unten mit einem Maschendraht gegen Wühlmäuse aus. Bei der Schichtung der Kompost- und Erdzutaten im Inneren beginnt man unten mit einem groben Material und wird nach oben hin immer feiner (und pflanzenwurzelfreundlicher).

Schichten im Hochbeet

Aufbau und Schichten im Hochbeet

Hat man nicht genug Höhe für 4 Schichten mit jeweils etwa 25 cm, dann kann man aus den unteren beiden eine gemischte Schicht machen oder, bei sehr wenig Höhe und bei Tischbeeten, lässt man die unteren Schichten einfach weg.

Hochbeete haben viele Vorteile

  • Gärtnern ohne tiefes Bücken
    Hochbeete machen das Gärtnern auch für Rückengeplagte möglich. Wir werden alle nicht jünger…
  • Humusproduktion
    Das Hochbeet ist im Inneren ein Komposthaufen – so wird der Stoffkreislauf im Garten geschlossen: Aus den Abfällen wird Humus, der als Dünger und Bodenverbesserungsstoff im Garten und auf dem Balkon eingesetzt werden kann.  Gleichzeitig fördert die Verrottungswärme das Pflanzenwachstum.
  • Turbo-Frühbeet
    Hochbeete mit Frühbeetdach verlängern das Gartenjahr.
  • DIY-Herausforderung, für alle, die das Selbermachen mögen
    Wer kreativ ist, Spaß daran hat und die nötige Kraft besitzt, kann sein Hochbeet selbst planen und umzusetzen (Do It Yourself, DIY). Der Bau eines Hochbeetes ist eine Aufgabe, die ein bisschen herausfordert, aber für viele Menschen nicht allzu schwierig ist.
  • Gärtnern überall, auch in der Stadt
    Mobile Hochbeete (mit einem Boden unten) ermöglichen das (urbane) Gärtnern (Urban Farming) auf versiegelten Flächen (betonierten Einfahrten, Balkone, Terrassen, Dachterrassen) oder mit Giften belasteten Böden.

Ja, Hochbeete sind im Trend und Industrie und Handel sind auf den Zug aufgesprungen und bieten fertige Hochbeete mit und ohne Aufsatz an und eine Erde, die Hochbeeterde genannt wird und die es vor diesem Trend noch nicht gab. Diese Angebote kann man nutzen – sie haben den Vorteil, dass alle mitmachen können -, muss man aber nicht.

PS: Falls man Pflanzerde kaufen muss, weil die abgetragene Erde aus dem Garten zu schlecht ist, sollte man torfreduzierte oder torffreie Pflanzenerden wählen.

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Klimarettung zum Mitmachen (Buchvorstellung: Die Humusrevolution)

Die Humusrevolution - Buchtipp mit WerbelinkDer menschengemachte Klimawandel ist umkehrbar, verspricht das kürzlich im Oekom Verlag erschienene Buch „Die Humusrevolution. Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen“ von Ute Scheub und Stefan Schwarzer. Das bekanntermaßen klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) lasse sich durch regenerative Agrikultur aus der Atmosphäre holen und in Form von Humus wieder im Boden speichern – wo es zu einem großen Teil auch herstammt. Nicht nur könnte der CO2-Gehalt der Atmosphäre wieder auf ein vorindustrielles Niveau gesenkt werden, auch die Artenvielfalt im und über dem Boden würde gefördert werden – und durch die wesentliche Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit wären auch die Erträge langfristig höher als beim agroindustriellen Anbau. Und das Beste: Wir können alle dabei mitmachen! (Buchvorstellung**).

Gartenbau und Landwirtschaft sind hoch politische Themen. In ihrem Buch „Die Humusrevolution. Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen“ stellen Scheub und Schwarzer die Auswirkungen der Agroindustrie („Goliath“) denen der regenerativen Agrikultur („David“) gegenüber.

Die Agroindustrie steht beispielsweise für Anbau in Monokulturen, Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln und energieaufwendig hergestellten Mineraldüngern, die Entwaldung in Südamerika für den Kraftfutteranbau für die Massentierhaltung bei uns, für Artensterben, Bodendegeneration und deren Folgen etc. Die Agroindustrie macht mit ihren Produkten Gewinne, weil die Kosten für die Bereinigung der durch sie hervorgerufenen Schäden wie Wasserverunreinigungen durch Nitrat- und Phosphat-Eintrag ins Grundwasser, globale und regionale Klimaveränderungen, Wüstenbildung, Umkippen von Gewässern, Vertreibung der Touristen durch Schaumbildung an den Stränden etc. andere oder die Allgemeinheit tragen – daran ändern auch die neuesten Greenwashing-Versuche nichts. Gefördert werde die Agroindustrie durch eine Politik, die immer noch die falschen Anreize setze.

Die regenerative Agrikultur ist an Mensch und Natur ausgerichtet und bedient sich regenerativer, ökologischer Methoden wie Kreislaufwirtschaft, pfluglose Bodenbearbeitung, Kompostierung und Terra Preta, Permakultur, Agroforstsysteme und Waldgärten, Wassermanagement sowie holistisches Weidemanagement zur Wiederherstellung von Dauergraslandflächen, zur Regeneration des (regionalen) Klimas und der Böden. Sie setzt auf (kleinbäuerliche) Agrarökologie, Sortenvielfalt und den verstärkten Anbau für lokale Märkte sowie für Begrünung und Entsiegelung.

Was wäre, wenn …?

Wenn man den Humusgehalt der Böden weltweit über die Umstellung von Agroindustrie auf regenerative Agrikultur um wenige Promille erhöht, wäre der CO2-Gehalt der Atmosphäre in wenigen Jahrzehnten wieder auf einem normalen Stand. Scheub und Schwarzer haben zur Unterfütterung ihrer Behauptungen entsprechende Berechnungen und Aussagen internationaler Forscher sowie Versuchsergebnisse und Projekte der regenerativen Agrikultur auf der ganzen Welt gesammelt und zusammengetragen.

Nimmt man die wahren Kosten (true costs), die die Kosten für die Allgemeinheit enthalten, als Grundlage für die Preiskalkulation von landwirtschaftlichen Produkten, dann zeige sich, dass die regenerative Agrikultur effizienter als die Agroindustrie ist und die Preise auch günstiger als die der Agroindustrie wären – die Politik müsste mit entsprechenden Rahmenbedingungen nur dafür sorgen, dass die Kosten, die jetzt andere tragen, von der Agroindustrie selbst getragen werden müssten. Außerdem sollte sie eine unabhängige wissenschaftliche Forschung im Bereich der Agrarökologie unterstützen.

Und wie können wir mitmachen?

Da sich Böden und Landwirtschaft über die ganze Erde verteilen, müssen viele zur Mitwirkung gewonnen werden – für das politische Engagement genauso wie für die Anwendung der Praktiken der regenerativen Agrikultur – bäuerliche Initiativen, Kleinbauern, Urban Gardener und Selbstversorger, Wissenschaftler, Politiker und Aktivisten lokal, regional, national und international. Das Buch enthält für die Anwender auch einige Praxistipps, beispielsweise zur Herstellung von Pflanzenkohle, Terra-Preta und Effektive Mikroorganismen (EM), zur Anlage von Agroforstsystemen und zum Bau mobiler Hochbeete.

„Die Humusrevolution. Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen.“ wurde von der Politikwissenschaftlerin und Publizistin Ute Scheub und dem physischen Geografen und Permakultur-Designer Stefan Schwarzer geschrieben (zur Info: die physische Geografie ist die naturwissenschaftliche Erforschung der Geosphäre, Permakultur-Design ist die Entwicklung von nachhaltigen, naturnahen Kreisläufen).

Mein Fazit

Die Autoren zeigen mit ihrem Buch „Die Humusrevolution. Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen“, wie wir als Menschheit unsere Klima-, Boden-, Umwelt- und die Welternährungs-Probleme in den Griff bekommen. Sie wollen Menschen dazu motivieren, sich in dieser Richtung zu engagieren. Ich glaube, dass sie mit diesem sehr interessanten Buch dazu beitragen. Die Thesen sind steil, aber scheinen mir gut unterfüttert. Als eher faktenorientierter Mensch hätte ich auf die ein oder andere polemische Spitze auf der einen Seite und romantische Verklärung und idealisierte alternative Lebensmodelle auf der anderen Seite verzichten können, doch andere Leser mögen das genau anders empfinden.

Die Humusrevolution. Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen.*
Ute Scheub und Stefan Schwarzer
Oekom Verlag**
240 Seiten
ISBN 978-3-86581-838-6

* Werbelink
** Kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten

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Hilfe – die Inflation will das Gesparte schrumpfen!

Die deutschen Privathaushalte haben ihr Erspartes zu einem großen Teil als Bargeld verfügbar oder als Spareinlagen auf Sparkonten liegen. Solange nicht nur die Zinsen für die Spareinlagen, sondern auch die Inflationsrate niedrig waren, war dieses Geld nur eine riesige Summe ungenutzter Möglichkeiten – das Geld hat nicht gearbeitet, sprich: sich nicht vermehrt, aber es hat wenigstens nicht an Wert verloren. Jetzt ist die Inflation wieder da, aber die Zinsen für Guthaben sind immer noch nahe Null, bei großen Vermögen liegt sie teilweise schon im negativen Bereich. Das mühsam Ersparte der deutschen Privathaushalte ist deshalb durch Wertschrumpfung gefährdet.

Die Inflation knabbert an Bargeld und Spareinlagen.

Die Inflation knabbert an Bargeld und Spareinlagen.

Die Inflationsrate ist eine Maßzahl für die Teuerungsrate und damit für die Geldentwertung. Bei einer hohen Inflationsrate verteuern sich Güter und Dienstleistungen stark. Eine niedrige Inflationsrate besagt, dass die Preise kaum steigen. Festgestellt wird die Inflationsrate durch die Beobachtung von Preisänderungen bei Gütern und Dienstleistungen in eigens definierten Warenkörben.

Im Februar 2016 betrug die Inflationsrate etwa 0 Prozent – es gab also keine Teuerung (auf den gesamten Warenkorb bezogen, denn manches hatte sich sehr wohl verteuert, aber die Energieosten waren gesunken). Die niedrige Inflation war für die Sparer ein kleiner Trost, denn sie bekamen zu der Zeit kaum Zinsen auf ihre Einlagen, aber wenigstens knabberte nicht auch noch die Inflation ihre Ersparnisse an. Doch nun, ein Jahr später, liegt die aktuelle Inflationsrate in Deutschland bei etwa 2,2 Prozent (Februar 2017).

2,2 Prozent Inflation ist nicht hoch (1993 betrug sie 4,5 Prozent), aber der Wert des Ersparten, das man in bar hat oder auf einem nicht oder schlecht verzinsten Guthabenkonto lagert, nimmt ständig ab.

2,243 Billionen Euro hatten private Haushalte in Deutschland Ende 2016 als Bargeld oder Spareinlagen angelegt, das entspricht 39,1 Prozent ihres Geldvermögens von über 5,7 Billionen. Dazu kommt noch das Geld bei Versicherungen, die wegen der allgemein niedrigen Zinsen auch nicht in der Lage sind, Kapitallebensversicherungen o. ä. (fast 30,9 Prozent) ordentlich zu verzinsen. Dafür können die aufatmen, die Schulden (Hypothekdarlehen, Grundschulddarlehen, Verbraucherkredite) haben, denn die Schulden werden durch die Inflation weniger (wertmäßig).
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Übrigens ist auch das Gegenteil der Inflation, die Deflation, nicht erstrebenswert, denn wenn die Preise sinken und sinken, dann bedeutet das, dass die Verbraucher nicht genug Geld oder nicht den Willen oder Mut (kein Vertrauen in eine gute wirtschaftliche Zukunft)  zum Geldausgeben haben und die Händler deshalb die Preise senken müssen. Durch die verringerten Einnahmen können sich die Händler und die gesamte Produtionskette bald weniger Arbeitskräfte leiste, die Menschen verlieren ihre Jobs, haben noch weniger Geld und die Firmen gehen pleite.

Geld anlegen in Aktien

Eine höhere Rendite als mit Spareinlagen erreicht man mit Aktien. Aktien sind Wertpapiere, die bescheinigen, dass man Miteigentümer an einer Aktiengesellschaft ist. Gleichzeitig sind sie wie Gold oder Immobilien Sachwerte und unterliegen nicht der Inflation. Wie viel eine Aktie wert ist (Aktienkurs) bestimmen Angebot und Nachfrage und die sind wiederum abhängig vom Vermögen des Unternehmens und seinen Zukunftsaussichten.

Das angelegte Geld vermehrt sich bei Aktien durch den Kursanstieg im Laufe der Zeit und die jährliche Dividende, die man bei vielen Unternehmen erhält.

Der deutsche Aktienindex DAX stieg in den letzten 3 Jahren von 9.167 (10.3.2014) auf 11.963 (10.03.2017) – das ist ein Anstieg von gut 30 Prozent. Allerdings lag er in diesen drei Jahren auch zwei Mal unterhalb des Anfangswertes vom 10.3.2014. Aktien und Aktienindizes bewegen sich also nicht geradlinig nach oben, sondern im Zickzack.

 
Aktienkurse unterliegen starken Schwankungen und beinhalten auch Risiken, weswegen man Aktien nur als Teil einer langfristigen Anlagestrategie im Depot haben sollte. Mit der richtigen Mischung erreicht man eine schöne Verzinsung.

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