Vegetarisches Gulasch – Fleischskandale ade!

Rinderwahn, Antibiotika im Fleisch, Gammelfleisch, falsch deklariertes Rind-/Pferdefleisch – nach dem Fleischskandal ist vor dem Fleischskandal! Wem vergeht da nicht der Appetit auf Fleisch aus der konventionellen Landwirtschaft. Hinzu kommt der negative Einfluss der Massentierhaltung auf das Klima durch die Freisetzung von Treibhausgasen, der Futterimporte, die oft Hintergrund für die Abholzung von Regenwäldern sind, und anderes mehr. Aber kein Problem, man kann ja auch etwas anderes essen, zum Beispiel vegetarisches Gulasch, bei dem das Fleisch durch „Soja-Fleisch“ ersetzt wird.

Aber schmeckt das? Ja, ich kann jedem mit gutem Gewissen empfehlen, es auszuprobieren.

Vegetarisches Gulasch
Vegetarisches Gulasch – wohlschmeckend und sättigend ohne Fleisch

Angeregt durch Claudia Klingers Buch „Unverbissen vegetarisch“ (siehe unten) habe ich kürzlich wieder einige vegane Produkte ausprobiert (beispielsweise Extra Feine Soja-Schnetzel für Sauce Bolognaise, Bio-Hafer-Drink als Tee-„Weißer“), mit denen ich einen Teil meiner Lebensmittel tierischer Herkunft ersetzen möchte. Ich möchte etwas mehr Eiweiß, aber möglichst wenig davon aus tierischer Herkunft in meine Ernährung bringen.

Jetzt habe ich mich an eine besonders große Herausforderung – jedenfalls für mich – gemacht: Ich habe vegetarisches Gulasch – also Gulasch ohne Fleisch – gekocht.

Gulasch ohne Fleisch kochen

Ich bin keine große Fleischköchin und erst recht keine „Soja-Fleisch“-Köchin. Vegetarisches Gulasch habe ich schon in meiner vegetarischen/veganen Phase in den 1990ern ausprobiert und bin damals damit gescheitert – es schmeckte auf Dauer einfach nicht. Doch Claudias Buch und eine Quizsendung vor ein paar Tagen, die mir beim Zappen unterkam und bei der ein eingespielter Film zeigte, dass die Besucher einer Kantine nicht merkten, dass ihnen vegetarisches Gulasch statt Gulasch aus Fleisch untergejubelt wurde, ließen mich neue Hoffnung schöpfen. Wenn andere es schafften, mit „Fleischersatzprodukten“ lecker zu kochen, musste ich das doch auch hinbekommen. Leider weiß ich nicht, wie die Sendung hieß – ein Rezept wurde meines Wissens nicht gezeigt (Maite Kelly war dabei, das ist alles, was ich noch weiß).




Vegetarisches Gulasch (Rezept für Gulasch ohne Fleisch)

Das folgende ist nun mein persönliches Vegetarisches-Gulasch-Schnellrezept. Anregungen dazu haben Claudia Klingers Buch sowie verschiedene Rezepteaustausch-Gemeinschaften für vegetarische/vegane Rezepte geliefert.

Zutaten für vegetarisches Gulasch (2 Personen):

50 – 80 g Grobe Davert Soja-Schnetzel* (Bioqualität)
2 – 3 kleine bis mittlere Zwiebeln oder Schalotten
300 g Tomatenstücke aus dem Tetrapack (oder entsprechende Menge Tomatenmark oder frische Tomaten)
Paprikapulver
250 ml Gemüsebrühe
Salz und Pfeffer nach Geschmack
50-100 ml Rotwein
Prise Kümmelpulver
Prise Muskatnuss
Olivenöl
50 g Butter (Veganer nehmen einfach ein Pflanzenöl)
2 leicht gehäufte EL Mehl (nicht klumpendes Instant-Mehl o. ä.)
Petersilie zum Drüberstreuen und/oder zur Dekoration

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Vegetarisches Gulasch – Zubereitung:

  1. Trockene Soja-Schnetzel in einem Glas- oder Porzelangefäß mit heißer Gemüsebrühe übergießen.
  2. In einem Topf mit breitem Boden die geschälten und in Würfel geschnittenen Zwiebeln im Olivenöl glasig werden lassen.
  3. Gequollene Soja-Schnetzel durch ein Sieb gießen, dabei Brühe auffangen.
  4. Paprikapulver zu den Zwiebeln hinzufügen. Bevor das Paprikapulver zu dunkel wird, Soja-Schnetzel hinzugeben und unter Rühren anbraten. Dann auch die Tomatenstücke hinzufügen und alles sehr intensiv verköcheln lassen, bis das Wasser verdampft ist und sich die Sojafleisch-/Tomaten-Masse am Boden etwas ansetzt.
  5. Sojafleisch-Masse in eine Ecke des Topfes schieben und diese Seite des Topfes ein bisschen von der Platte schieben. In der anderen Ecke des Topfes Butter schmelzen und das Mehl darin etwas bräunen lassen.
  6. Schließlich unter Rühren des gesamten Topfinhalts den Wein und die Brühe hinzufügen. Alles mehrfach umrühren und kochen lassen, bis der Alkohol verdampft ist.
  7. Mit Kümmelpulver, Muskatnuss, Salz und Pfeffer würzen und mit Petersilie garnieren.

Zum vegetarischen Gulasch passt alles, was auch zum Gulasch aus Rind- oder Schweinefleisch passt: z. B. Tagliatelle, Spätzle, Reis oder Kartoffeln.

Zubereitungszeit für dieses schnelle vegetarische Gulasch:
Mit dem Kochen der Nudeln und allem Drumherum circa 30 bis 40 Minuten.

Der Geschmack meines vegetarischen Gulaschs tendierte ein wenig in Richtung Geschnetzeltem mit Rotwein-Aroma. Von der Konsistenz her war das Sojafleisch nach dem Kochen etwas weicher als Rind- oder Schweinefleisch. Doch mir hat mein schnelles vegetarisches Gulasch nach obigem Rezept sehr gut geschmeckt und es war auch angenehm sättigend.

Aus Fehlern wird man klug:
Was ich früher beim vegetarischen Gulasch wohl falsch gemacht habe: Ich hatte ein anderes Soja-Produkt, ich habe nicht Brühe, sondern einfach kochendes Wasser zum Einweichen verwendet und ich hatte zu wenig Paprikapulver, zu wenig Gewürze allgemein und keine Tomaten dabei.

Fett-, Eiweiß- und Kalorien-Gehalt der Soja-Schnetzel:
Davert Soja Schnetzel ergeben bei der Zubereitung die 4-fache Menge der unzubereiteten Schnetzel. 100 g unzubereitete Schnetzel enthalten 3 g Fett, 52 g Eiweiß und 347 kcal.

Was ist eigentlich Soja-Fleisch?

„Soja-Fleisch“ heißt korrekt eigentlich „texturiertes Soja“. Für die Herstellung werden Sojabohnen zu Mehl vermahlen und weitgehend entfettet. Mittels Druck wird aus der Sojamehl-Masse strukturiertes Soja hergestellt. Auch die Davert Soja Schnetzel bestehen laut Verpackung aus Sojamehl, teilentfettet und aus kontrolliert biologischem Anbau (EU-Biosiegel). Aus Soja-Fleisch kann man je nach Struktur vegetarische Hackfleischgerichte, vegetarisches Gulasch, vegetarisches Gyros und viele andere „Fleisch-Gerichte“ zubereiten. Der Vorteil gegenüber Fleisch ist – neben dem meist günstigeren Preis – die Lagerbarkeit: Man kann die trockenen Soja Schnetzel aufbewahren wie Nudeln, also ohne Kühlung o. ä. Kompliziertheiten. Da passiert also nichts, wenn man kurzfristig seinen Speiseplan ändert.

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Guten Appetit!

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P2P-Kredite – ein neuer Trend am Kredite-/Anlagenmarkt

P2P-Kredite

Kreditnehmer und Kreditgeber können im Internet auf speziellen Plattformen für so genannte Peer-to-Peer-Kredite (P2P-Kredite) zusammenfinden.

P2P-Kredite sind ein Spezialfall des Crowdfunding, genannt Crowdlending oder kreditbasiertes Crowdfunding:

Kreditsuchende (Kreditnehmer) haben die Chance, günstiger an einen Kredit zu kommen, als sie es über Banken schaffen, bzw. haben sie die Chance, überhaupt einen Kreditgeber (Investor) zu finden, wenn Banken nicht mehr wollen.

Anlegern bieten die Online-Kredit-Plattformen die Möglichkeit, höhere Zinsen für ihr als Kreditgeber „angelegtes“ Geld zu erzielen, als sie bei einer anderen Geldanlage wie Tagesgeld oder Festgeld in einer Niedrigzinslage erwirtschaften könnten. Doch ist nicht zu vergessen: Höhere Chancen bei der Geldanlage erkauft man sich immer auch mit einem höheren Risiko. Bei einem P2P-Kredit ist auch ein Totalausfall der Kreditforderung möglich, denn hier greifen staatliche/europäische Absicherungssysteme wie die Einlagensicherung nicht.

P2P-Kredite in den USA

In den USA heißt die führende Online-Kreditplattformen „Lending Club“. Dort müssen sich die P2P-Kredit-Plattformen bei der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) registrieren und Geschäftsberichte einreichen, die Kreditnehmer wiederum müssen den P2P-Kredit-Plattformen gegenüber ihre Kreditwürdigkeit glaubhaft machen, weshalb Lending Club nur 10 % der Antragsteller aufnimmt. Die amerikanischen P2P-Kredit-Plattformen sind nicht vom US-Einlagensicherungsfonds FDIC abgesichert. Lending Club hat lt. Kim Bode/Die ZEIT seit Geschäftsbeginn jedoch weniger als 3 Prozent Ausfall. Lending Club hat inzwischen so viel positives Echo, dass spekuliert wird, dass das Unternehmen an die Börse geht.

P2P-Kredite europaweit

Eine Online-Plattform für die europaweite Kreditvermittlung bietet CrossLend.

P2P-Kredite in Deutschland

Deutsche P2P-Kredit-Plattformen sind beispielsweise „Smava“ (Kreditmarktplatz für Kredite von Kreditbanken und Anlegern an Kreditnehmer) und „Auxmoney“ (Kreditmarktplatz für Kredite von Anlegern an Kreditnehmer), deren Popularität und Wachstum jedoch nicht mit dem amerikanischen Star Lending Club mithalten können. Smava und Auxmoney arbeiten mit zwischengeschalteten Banken zusammen: Smava mit der Fidor Bank AG, Auxmoney mit der SWK-Bank.
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Die P2P-Kredit-Plattformen finanzieren sich über Gebühren, die sie sowohl beim Anleger als auch vom Kreditnehmer erheben. Bei der Berechnung der tatsächlich anfallenden Kreditkosten (Kreditnehmer) bzw. der Kapitalverzinsung (Anleger) müssen diese und andere Nebenkosten natürlich auch berücksichtigt werden.

P2P-Kredite für Afrika

Ähnlich wie oben genannte P2P-Kredit-Plattformen funktionieren auch die Mikrokredit-Plattformen für Kleinunternehmer in Entwicklungsländern, wie MyC4 – eine P2P-Kredit-Plattform, die Kredite an afrikanische Kleinunternehmen ermöglicht. MyC4 versteht sich dabei als Internet-Marktplatz, wo man sich auf Augenhöhe begegnet und nicht als Wohltätigkeitsbasar. MYC4 arbeitet bei der Umsetzung mit Partnern in Afrika zusammen, die die Projekte bewerten und eine Auswahl treffen.

Vorsicht – risikoreiche Geldanlage

Wer als Anleger Geld verleihen möchte, sollte – wie immer bei der Geldanlage – an die Risiko-Streuung (Diversifikation) denken und nur einen Teil seines verfügbaren Geldes überhaupt auf diese Art anlegen und diesen Teil dann auf verschiedene Kreditnehmer, deren Projekte man überzeugend findet, verschiedener Plattformen und deren Partnerorganisationen/Banken verteilen. Bei Investitionen in ausländische Währungen sollte man zudem das Währungsrisiko kennen.



Weitere Informationen

  • Kredite aus dem Internet (DIE ZEIT N°15 vom 4. April 2013, S. 30, Kim Bode)
  • Kredite (tinto – Tipps und Themen für Verbraucher)

 

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Sparerenteignung auf Zypern – unfassbar

Mit Nachträgen vom 20.3.2013 und 25.3.2013: Warum nicht gleich so?

Da hat man jahrelang daran gearbeitet, Vertrauen in die Eurozone/Europäische Union (EU) und natürlich auch in europäische Banken aufzubauen – sowohl bei europäischen Anlegern als auch im entfernteren Ausland. Man hat eine Einlagensicherung eingerichtet und man hat Banken gerettet. Und dann bei der Zypernkrise so was:

Von Bankeinlagen (Guthaben auf den Konten der Bankkunden) soll Geld weggenommen werden: bei Guthaben unter 100.000 Euro 6,75 % des Guthabens, bei Guthaben von über 100.000 Euro 9,9 % des Guthabens.

Das ist so, als wenn man als Kunde eines Supermarktes oder Handwerkers dessen Schulden bezahlen müsste, wenn er in Schwierigkeiten gerät. Und dann müssten nur die einen Beitrag leisten, die gerade einen Zehner im Portemonnaie haben.

Ich kann gar nicht glauben, dass diese Sparerenteignung in Zypern rein rechtlich mit dem Einlagensicherungssystem der EU in Einklang zu bringen ist! Immerhin sind dadurch Spareinlagen unter 100.000 Euro pro Anleger und pro Bank geschützt.

Die ganze Zeit überlege ich, ob ich irgendwo einen Denkfehler habe, ob ich irgendetwas übersehe, das dieses Szenario irgendwie sinnig machen könnte.

Willkür mitten in Europa

Wie rechtstaatlich und gerecht ist denn das, wenn Guthaben auf einem Bankkonto „besteuert“ werden, anderes Vermögen aber nicht? Da werden die bestraft, die vermeintlich risikoarm ihr Geld in Spareinlagen (Sparbuch, Tagesgeld etc.) anlegen, solche, die ihr Geld gerade auf dem Konto für eine Anschaffung geparkt haben, vielleicht sogar gerade einen Kredit für eine Anschaffung aufgenommen haben. Das hat doch mit Recht und Gerechtigkeit nichts zu tun, wenn nur eine Anlageform, nämlich Sparguthaben und Guthaben auf dem Girokonto, besteuert wird.

Lockte das Geld der reichen Russen?

Es wird so gerne von irgendwelchen russischen Milliardären gemunkelt, die dort in Zypern ihr Schwarzgeld parken. Da tobt der Mob und mancher Politiker lässt sich durch dieses Gemunkel (nichts Genaues weiß man nicht) verleiten, in die Rufe nach Beteiligung (Teil-Enteignung) von „Anlegern“ einzustimmen. Aber erstens: Sollte es stimmen und dort Steuerhinterzieher (die sich in anderen Ländern strafbar gemacht haben) Geld auf Konten liegen haben, so hat man dennoch kein Recht, denen nun Geld pauschal ohne Berücksichtigung der Einlagensicherung wegzunehmen, nachdem man sie vorher angelockt hat und solange man ihnen keine Straftat nachweisen kann – hinterzogenes Geld stände dann wohl auch eher deren Heimatländern zu, welche sie mit ihrer Steuerhinterziehung betrogen haben. Sie sind auch nicht daran Schuld, dass Zypern pleite ist – das müssen sich die Regierung bzw. Politik Zyperns sowie Bürger, die sie gewählt haben, nämlich selbst anlasten. Und zweitens: Selbst wenn es irgendeine Rechtsgrundlage dafür gäbe, ausländische Steuerhinterzieher zu enteignen, kann man dennoch nicht alle einheimischen Sparer und alle nicht-steuerhinterziehenden Kontoinhaber, die man ins Land gelockt hat, mit in Haft zu nehmen. Apropos Schuld: Die beiden Pleitebanken Bank of Cyprus und Laiki Bank hatten die europaweiten Stresstests bestanden (Spiegel vom 28.3.2013).

Ich verstehe das geplante Vorgehen im Fall Zypern nicht. Das widerspricht meiner Meinung nach jedem Recht und Rechtsgefühl. Das ist Willkür. Das ist Bananenrepublik!

Von einem nachhaltigen Konzept keine Spur

Ja, Zypern braucht Geld. An eine Rettungshilfe aus der Eurozone und vom IWF kann man natürlich Auflagen knüpfen. Meiner Meinung nach müssten solche Auflagen derart sein, dass sie das Land langfristig weiterbringen und nicht potenzielle Geschäftspartner/Bankkunden auf ewig verprellen – und nicht nur aus Zypern – und die Sparer/Bürger aller Euroländer aufschrecken. Wer hat sich diese Sparerenteignung ausgedacht? Ist sie eine der Auflagen des Rettungspaketes für Zypern oder ist diese Idee auf zyperneigenem Mist gewachsen? Wer genau hatte diese Idee? Und wer hat sie abgesegnet?
Nachtrag: Bundesfinanzminister Schäuble hatte inzwischen behauptet, die Idee der pauschalen Einlagen-Teilenteignung quer über alle Spareinlagen sei aus Zypern gekommen. Aber wieso hat es dann im zyprischen Parlament keine einzige Stimme dafür gegeben?

Sparerenteignung in Zypern – Schaden für Europa

Meiner Meinung nach würde eine Sparerenteignung in Zypern nicht nur jeden Bankkunden in ganz Euroland/EU, wahrscheinlich sogar ganz Europa, verstören – und Privatanleger möglicherweise zu stark in andere Geldanlage-Möglichkeiten (Wertpapiere, Immobilien etc.) treiben, anstatt dass sie für ausreichende Liquidität (Sicherheitspolster für Notfälle etc.) sorgen -, sie wird auch den Ruf europäischer Banken bzw. Eurolands, der EU und Europas allgemein schädigen – denn wer bringt schon sein Geld dahin, wo man möglicherweise willkürlich enteignet und die Einlagensicherung umgangen wird.

Es ist meiner Meinung nach nicht zu verstehen, dass zuerst die Kunden und Gläubiger eines Unternehmens bzw. maroder Banken in Haft genommen werden und nicht zuerst die Eigentümer selbst. Die könnten sich „Schuldnerberater“ nehmen, welche – in Zwegat-Manier – versuchen mit den Gläubigern Kompromisse auszuarbeiten oder anderweitig das Geld auftreiben. Aber Eigentümer dürfen nicht willkürlich selbst ihren Gläubigern in die Tasche greifen können. Und ich verstehe nicht, dass europäische Finanzminister wie Herr Schäuble das offensichtlich erwarteten, wenn nicht sogar verlangten.

Diese Ankündigung der Sparerenteignung auf Zypern macht meiner Meinung nach alle Anstrengungen der letzten Jahre, die durch Banken- und Staatsrettungen das Vertrauen in die EU/Europa erhalten sollten, zunichte.

Ich wünschte, es wäre nicht so. Bitte sagt mir, dass ich unrecht habe und hier irgendetwas übersehe.

Nachtrag 20.3.2013:
Das Parlament in Zypern hat das Rettungspaket abgelehnt. Es gab keine einzige Stimme dafür. Zypern hat damit sein großes Geldproblem zwar noch nicht gelöst, aber dieser Blödsinnsidee der einseitigen „Besteuerung“ von Bankeinlagen zur Geldbeschaffung unter Umgehung der Einlagensicherung (die nur für eine Pleite der Bank gilt) – zumindest vorläufig – ein Ende bereitet. Hoffentlich findet Zypern bessere Lösungen für sein Problem.
 

Nachtrag 25.3.2013: Warum nicht gleich so?
Zypern und die internationalen Geldgeber haben sich nun auf eine andere Lösung geeinigt, die noch von den Parlamenten der Euroländer abgesegnet werden muss: Von den Pleitebanken in Zypern wird eine zerschlagen und eine andere zurechtgestutzt. Die Spareinlagen bis 100.000 Euro werden nicht angetastet, dafür die Vermögen, die darüber hinausgehen umso stärker (30 bis 50 % verlieren sie). Auch die neue Lösung ist hart, weil viele Zyprer dadurch ihren Arbeitsplatz bei einer Bank verlieren, aber sie erscheint mir besser und fairer, weil

  • am Bankensystem Zyperns was geändert wird und
  • damit die Eigentümer der Banken zuerst in Haft genommen werden und
  • dass Einlagen der Kunden unter 100.000 geschützt sind – mehr wird ja durch die Einlagensicherung nicht garantiert – wer mehr bei einer Bank als Guthaben hat, sollte das Risiko kennen.

Insofern bin ich mit der neuen Lösung ganz zufrieden und frage mich, warum man diesen Weg nicht gleich eingeschlagen hat. Das hätte das Vertrauen in Euroland nicht so geschädigt.
Ein Anlass zum Jubel besteht vor allem für die Zyprer natürlich nicht, denn die Menschen, die gerade ihre Jobs verlieren, haben im Moment auch wenig Perspektiven, denn so viel Möglichkeiten gibt es ja in Zypern nicht.
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Unverbissen vegetarisch – sympathisch undogmatisch und deshalb überzeugend!

Rezension zum gerade bei TRIAS erschienenen Buch „Unverbissen vegetarisch“ von Claudia Klinger. Das Buch erhält von mir 4,5 von fünf Sternen.

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Gründe gibt es genug, das eigene Essverhalten zu reflektieren und es ein wenig oder möglicherweise ganz in Richtung vegetarische oder vegane Ernährung zu verschieben – von Lebensmittelskandalen und gesetzlich geduldeter Tierquälerei, über die schlechte Umweltbilanz der Erzeugung von tierischen Lebensmitteln bis hin zur deprimierenden Klimabilanz einer Ernährung mit Fleisch.

Doch die Vorstellung, auf Liebgewonnenes zu verzichten – vor allem beim Essen –, macht Angst. Da verdrängt man lieber unbequeme Gedanken – bis es nicht mehr geht.

Als bei Claudia Klinger der Zeitpunkt gekommen war, entschloss sie sich, es einfach auszuprobieren – unverbissen und undogmatisch. Das Ziel war ungefähr klar – Ausstieg aus dem Fleischkonsum. Aber wenn zwischendrin der Hunger auf Fleisch groß wäre, dann würde sie eben ein Steak essen, nahm sie sich vor – ein Bio-Produkt, weil da die Messlatte für eine artgerechte Haltung und nachhaltige Produktionsweise höher liegt als in der konventionellen industriellen Landwirtschaft.

Und Claudia Klinger wäre nicht die Claudia Klinger, eine Webworkerin und bekannte Bloggerin, wenn sie ihr Vorhaben nicht mit einem „Unverbissen vegetarisch“-Blog begleitete, der den Trend zu „mehr vegetarisch“ unterstützten sollte. Per Blog teilte sie ihre Erfahrungen häppchenweise, diskutierte mit ihren Blogbesuchern Gedanken zum Thema und tauschte Erfahrungen und Rezepte aus.

Nun gibt es das Buch zum Blog.

Über das Buch

Claudia Klinger schildert in „Unverbissen vegetarisch: Der lockere Einstieg in ein fleischloses Leben“ ihre Motive für die Veränderung ihrer Ernährungsgewohnheiten und wie sie diese Veränderung unverbissen in die Tat umsetzte.  Es geht ihr nicht um ideologische Grabenkämpfe, sondern darum, wie man es anstellt, „besser“ zu werden – vor allem wegen der Tiere. Sie teilt ihre Erfahrungen mit vegetarischen und veganen Produkten und gibt Zubereitungstipps, die neugierig machen – z. B. auf fleischlose Wiener Schnitzel, Wurst ohne tierische Bestandteile und Pfannkuchen ohne Ei. Pfannkuchen ohne Ei? Was hat das mit fleischlos zu tun? Nun, Claudia Klinger hat festgestellt, dass es ihr nicht reicht, Fleisch vom Speiseplan zu streichen, sondern dass viele der Argumente gegen Fleisch auch für andere tierische Produkte wie Eier und Milch gelten. Ihr Prozess der Umstellung setzte sich also weiter fort.

„Unverbissen vegetarisch: Der lockere Einstieg in ein fleischloses Leben“ ist eine Darstellung des Themas aus persönlicher Perspektive, ein Erfahrungsbericht und Resümee zugleich. Das Buch enthält neben Informationen, Argumenten und Erfahrungen auch einen Rezeptteil. Bei manchen Rezepten geht es darum, gewohnte Genüsse aus der alten Ernährung fleischlos bzw. tierproduktefrei zu ersetzen, andere sollen neue Genüsse erschließen helfen.

Das Taschenbuch ist ansprechend aufgemacht. Das Umschlagmotiv und die witzigen Illustrationen von Andrea Koopmann geben ihm die zum Inhalt passende Frische und Aufgeschlossenheit. Das Buch enthält eine kommentierte Liste von Adressen im Veggi-Universum und am Buchende gibt es je ein Inhalts- und ein Rezeptregister.

Buchdaten

Unverbissen vegetarisch: Der lockere Einstieg in ein fleischloses Leben*
Claudia Klinger
TRIAS Verlag
ISBN 978-3-8304-6733-5
160 Seiten
12,99 EURO

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Aus dem Inhaltsverzeichnis

  • Wie alles begann
  • Unverbissen vegetarisch
  • Die Suche nach dem anderen Essen
  • Ab sofort ist selbst kochen angesagt
  • Erfahrungen mit der Umstellung
  • Weniger radikal, aber dafür nachhaltiger
  • Müssen Vegetarier Mangelerscheinungen befürchten
  • Mit bloßem Weglassen ist es nicht getan
  • Tipps und Infos
  • Meine Alltagsrezepte

 Kleine Kritikpunkte

Ich hätte mir zusätzlich zu den vielen Erfahrungen, die das Buch bietet, noch Informationen zu den Kosten gewünscht – speziell, wenn der Anspruch an gekaufte Produkte nicht nur „vegetarisch“ oder „vegan“, sondern auch noch „biologisch/ökologisch“ und „fair“ lautet. Ein Fragezeichen ist bei mir aufgepoppt, was denn in diesen Zusatz-/
Ersatzstoffen wie NoEgg oder Kala Namak Salz drin ist – bzw. wie „künstlich“ die sind. Speziell für Berufstätige, die außer Haus arbeiten und oft 10 Stunden oder mehr nicht in der eigenen Küche sind, und für Menschen, die selbst gar nicht oder nur Schnellgerichte kochen, wären noch ein paar mehr praktische Tipps hilfreich gewesen.

Mein Lieblingskapitel

… ist das Kapitel „Der Verbraucher will es nicht anders“ – wobei Claudia Klinger genau dies widerlegt. Denn niemand hat uns gefragt, ob wir wollen, dass Millionen frisch geschlüpfter männlicher Küken getötet werden, weil sie keine Eier legen können, ob wir wollen, dass lebende Tiere in Transportern quer durch Europa gekarrt werden oder dass bei der Schlachtung wegen der Effizienz in Kauf genommen wird, dass – laut Klinger – viele Tiere „versehentlich“ bei vollem Bewusstsein gesiedet und zerteilt werden. Trotzdem würde ich den Verbraucher, der mit seinem „Geiz-ist-geil“-Kaufverhalten ja auch Druck ausübt und dem Lebensmittelhandel eine Richtung vorgibt, der wiederum diesen Druck an die Erzeuger weitergibt, nicht völlig freisprechen. In dem Zusammenhang hätte man vielleicht auch noch etwas zur Globalisierung und deren Einfluss sagen können. Andererseits hätte das vielleicht in diesem Buch, bei dem es vor allem um persönliche Erfahrungen geht, auch zu weit geführt.

Fazit: Sympathisch undogmatisch und deshalb überzeugend (4,5 von fünf Sternen)

Claudia Klinger überzeugt den Leser mit Argumenten und praktischen Erfahrungen und nicht mit Dogmen und erhobenem Zeigefinger. Sie hat an sich selbst nicht den Anspruch, eine perfekte Vegetarierin oder Veganerin zu sein und setzt dadurch auch den Leser nicht unter Druck. Wer auf  ideologische Grabenkämpfe aus ist, läuft hier ins Leere. Man muss Claudia Klinger auch nicht bei all ihren persönlichen Motiven beipflichten, aber das Buch macht große Lust darauf, ihre Tipps unvoreingenommen auszuprobieren – einfach weil es Sinn macht und einige der Rezepte sehr schmackhaft klingen – und dann selbst zu entscheiden, ob und wie dieser Weg von „mehr vegetarisch“ bis „vegan“ auch für einen selbst infrage kommt. Das Buch enthält viele praktische Tipps für diesen Selbstversuch. Sehr empfehlenswert!

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