Staudenbeete haben den Vorteil, dass man nicht jedes Jahr neu pflanzen muss, denn Stauden sind winterhart und treiben jedes Jahr wieder aus dem Boden aus. Das spart Zeit und Geld. Tatsächlich werden Staudenbeete meist von Jahr zu Jahr schöner – jedenfalls, wenn man Stauden oder Pflanzengemeinschaften gepflanzt hat, die zum Standort allgemein (Licht, Klima, Boden etc.) und zum Platz innerhalb der Pflanzengemeinschaft (Beschattung durch Nachbarpflanzen, Kleinklima, Konkurrenzdruck etc.) passen. So nachhaltig und erfreulich es ist, wenn sich eine Pflanzengemeinschaft als nachhaltig herausstellt, kann sich dadurch nach ein paar Jahren auch ein bisschen Langeweile einstellen und man wünscht sich etwas Abwechslung. Wie kann man frischen Wind ins Staudenbeet bringen?
Kleines Staudenbeet auf einem Tiefgaragendach. Nach fünf Jahren überlege ich, ob und wie ich etwas Abwechslung ins Staudenbeet bringen könnte.
Bestandsaufnahme
Diese Überlegungen sollte man anstellen, bevor man sich an die Planung macht:
Wie hat sich das Beet in den letzten Jahren gewandelt?
Worin liegen die Ursachen? Hat sich beispielsweise der Standort verändert, weil die Gehölze größer geworden sind (Schatten, Konkurrenz um Wasser und Nahrung)?
Welche Pflanzen haben sich gut entwickelt und welche nicht?
Was gefällt mir am Beet und was nicht?
Was wünsche ich mir von meinem verschönerten/neuen Staudenbeet?
Aus solchen Erwägungen ergibt sich meist schon, ob man das ganze Beet umgestalten möchte/muss oder ob punktuelle Eingriffe ausreichen.
Bei einer Neuanlage würde man eine neue Beetplanung vornehmen, alle Stauden herausnehmen, den Boden verbessern und dann alte(/geteilte) und neue Stauden nach dem neuen Plan einpflanzen.
Eine komplette Beeterneuerung ist nicht nur bei großen Veränderungswünschen/-zwängen zu empfehlen, sondern auch, wenn das Beet stark mit Wurzelunkräutern (Giersch, Ackerwinde/Zaunwinde, Quecke etc.) verunkrautet ist. Bei einer kompletten Beeterneuerung kann man die Pflanzenballen mit einer Grabgabel herausheben, die Wurzelstücke aus den Pflanzenballen klauben und die sonstige Erde einmal durch ein Sieb schaufeln, bevor man die Stauden (teilt und) und wieder auspflanzt.
Anzeige
Punktuelle Eingriffe für Abwechslung im Staudenbeet
Ein paar Ideen in Stichworten, mit denen man frischen Wind ins Beet bringen kann – in der Regel ist es besser, nur einzelne davon auswählen, damit das Beet nicht ein buntes Tohuwabohu wird:
Rückschnitt oder Ersetzen zu groß gewordener Gehölze in der Umgebung, um Beschattung und Konkurrenzdruck zu reduzieren oder, wenn man den Standort belässt: „unglückliche“ Pflanzen gegen besser geeignete austauschen,
(neue) Gehölze oder Großstauden (beispielsweise hohe Gräser) in den Hintergrund pflanzen (oder in großen Pflanzgefäßen dahinter stellen),
Leitstauden (das Bild besonders prägende Stauden) austauschen beispielsweise gegen Sorten mit anderer Blütenfarbe, Laubfarbe o. ä. – allerdings sollte man das große Ganze im Auge haben: Standorteignung, Blüte- und Blattschmuck im Jahresverlauf, Bienenfreundlichkeit etc.,
zu breit gewordene Stauden ausgraben, teilen und nur ein Teilstück zurückpflanzen – das gibt manchen Staudenarten einen Frischekick,
zusätzliche Begleitstauden mit Blüten im gleichen Farbschema, aber mit anderer Struktur dazwischen pflanzen für einen abwechslungsreichen, aber harmonischen Eindruck,
zusätzliche Begleitstauden, deren Blüten Farbtupfer im starken Kontrast zum bisherigen Farbschema sind, hinzufügen für einen fröhlicheren Gesamteindruck,
weiß blühende Begleitstauden, Halb- oder Zwergsträucher dazwischen setzen, um einen Eindruck von mehr Leichtigkeit und Verspieltheit zu vermitteln,
dunkellaubige Begleitstauden bzw. solche mit dunklen Blütenfarben dazwischen setzen, um eine Tiefenwirkung zu erzeugen,
Gräser dazupflanzen – sie machen den Wind sichtbar und bringen mehr Natürlichkeit in die Pflanzung (wenn sie zur sonstigen Pflanzengemeinschaft passen),
eine Lücke für saisonale Bepflanzung schaffen, in die man, jedes Jahr etwas anderes direkt säen/pflanzen oder ein bepflanztes Großgefäß oder bepflanzbares Kunstwerk stellen kann. Geeignet für die saisonale Bepflanzung sind
nicht-frostharte Stauden, Knollen- und Blumenzwiebelpflanzen, die man am Saisonende ausgräbt und geschützt überwintert,
einjährige Beet- und Balkonpflanzen und
so genannte Kübelpflanzen (nicht winterharte Gehölze und andere aus einem milderen Klima), die im Sommer draußen stehen und samt Blumenkübel im Gewächshaus oder an einem vergleichbaren Platz überwintert werden.
Herbst- oder Winterpflanzung
Die beste Zeit, ein Staudenbeet neu zu gestalten oder umzugestalten, ebenso wie Stauden zu teilen, sind Frühjahr und Herbst.
Der frühe Herbst (September) mit seinen gemässigten Temperaturen sowie Tau und Regen hat als Pflanzzeit den Vorteil, dass die Pflanzen schon vor dem Winter schön anwachsen und sich an den Standort gewöhnen können. Das gibt ihnen im Frühjahr einen Vorsprung.
Das Frühjahr hat als Pflanzzeit den Vorteil, dass die Pflanzen bereits bereits über den Winter gekommen sind. Die Pflanzen werden kurz vor oder mit beginnendem Austrieb gepflanzt. Für empfindliche Stauden wie manche Gräser und Farne sowie für spät blühende Stauden ist das Frühjahr zu bevorzugen.
Einzelne Stauden kann man auch im Sommer nachpflanzen, wenn diese in einem der Pflanzengröße angepassten Topf geliefert werden und man vorsichtig pflanzt (ohne den Ballen zu zerstören). Zwar ist das Pflanzen theoretisch zu jeder Jahreszeit möglich, aber im Hochsommer mit Stress verbunden – für die Pflanzen und für den Hobbygärtner oder die Hobbygärtnerin, wenn sie während einer hochsommerlichen Hitzeperiode versuchen, die neu erworbenen Kostbarkeiten mit Schattieren und besonders aufmerksamem Gießen vor Schaden zu bewahren.
Anzeige
Mulchen sollte man Stauden übrigens erst, wenn sie sehr gut angewachsen sind, und auch dem Standortanspruch entsprechend – typische Steingartenstauden sollte man nicht unter einem Berg Rindenmulch begraben und Waldstauden nicht mit Schotter mulchen.
Falls jemand andere Ideen hat, freue ich mich über Vorschläge und Erfahrungen in den Kommentaren.
Wie winterfest und frostsicher sind Töpfe, Schalen, Kübel und andere Pflanzgefäße aus den alten und neuen Materialien und was kann man tun, um die Frostbeständigkeit zu erhöhen?
Pflanzgefäße, die draußen überwintern, sollten wetterbeständig und frostsicher sein.
Seit Jahrzehnten überwintere ich auf und um meine Terrasse herum mehrjährige Pflanzen in Töpfen, Schalen und Kübeln draußen: Blumenzwiebelpflanzen, Stauden, Gräser, Gemüse (Topinambur), Obst (Mini-Kiwi), Kräuter (Thymian, Rosmarin, Salbei und Schnittlauch) und auch Ziergehölze. Hatte ich in meiner Studentenzeit noch hauptsächlich einfache Kunststoffkübel als Pflanzgefäße, leistete ich mir später auch Ton- und Terrakottagefäße, weil sie mich an Urlaube und das Leben im mediterranen Raum erinnerten. Inzwischen liebäugle ich auch mit einigen der modernen Materialien und neuen Formen – weswegen ich mich intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt habe.
Anzeige
Frostsichere Pflanzgefäße für die Herbst-/Winter- oder Ganzjahresbepflanzung
Die Plastikkübel aus der Studentenzeit hielten in der Regel viele Jahre, bevor die Wurzeln sie sprengen konnten. Auch manche meiner Terrakottagefäße habe ich bereits seit vielen Jahren, andere allerdings waren schon nach einem oder zwei Wintern so stark geschädigt, dass ich sie nur noch zerschlagen und als Dränage in anderen Gefäßen verwenden konnte. Doch woran liegt es, wenn bestimmte Ton-/Terrakotta- und auch andere-Pflanzgefäße (genauso wie Vogelbäder, Kunstwerke etc.) nicht frosttauglich sind? Die, die zerbrechen, sehen oft nicht viel anders aus als die frostsicheren. Und welche anderen frostsicheren Materialien hat man bei Pflanzgefäßen, Kübeln, Töpfen und Schalen zur Auswahl?
Auf den ersten Blick sieht es so aus, als haben beide Töpfe den Winter gut überstanden.
Wie man die Frostsicherheit von Töpfen, Kübeln, Schalen und anderen Pflanzgefäßen beeinflussen kann
Dies gefährdet die Frostsicherheit:
Fehlender Wasserablauf Wenn überschüssiges Wasser aus einem Pflanzgefäß nicht ablaufen kann, beispielsweise wenn kein Ablaufloch vorhanden ist, der Topf dicht schließend auf einer glatten Oberfläche oder in einem hohen Untersetzer mit Wasser steht, und dieses Wasser im Winter zu Eis gefriert. Gefrierendes Wasser dehnt sich sich aus und kann seinen Pflanzbehälter sogar sprengen.
Ungeeignete Form Formen, die oben enger sind als unten, sind stärker gefährdet, weil sich die Pflanzerde bei der Eiskristallbildung nicht so gut ausdehnen kann.
Herstellungsverfahren Die Art der Herstellung kann die Frostsicherheit ebenfalls beeinflussen, beispielsweise beeinflusst die Brenntemperatur die Frostsicherheit von Keramischen Massen wie Ton, Terrakotta, Steinzeug etc.
Der größere der beiden oben gezeigten Töpfe war bereits nach einem Winter im unteren Bereich kaputt. Vermutlich lag es nicht (nur) am Material, sondern der Wasserablauf war wahrscheinlich behindert.
So kann man einen bepflanzten Kübel mit Frostrissen (hinter der „Verkleidung“, daher nicht sichtbar) im unteren Bereich noch über die Saison bringen: Umrandung mit Rasenkantenblech aus Cortenstahl. Das blanke Blech wurde durch die Feuchtigkeit in wenigen Wochen in Rost („Edelrost“) umgewandelt.
Das fördert die Frostsicherheit von Gefäßen:
Überschüssiges Wasser muss ablaufen können:
Das Ablaufloch sollte sich am besten unter dem Topf befinden.
Man sollte Abstandshalter unter den Topf legen bzw. haben manche Pflanzgefäße von vornerhein Füßchen unten am Topf, damit das Ablaufen nicht behindert werden kann. Abstandshalter (aka Kübelfüße), die man nachträglich unterlegen oder anbringen kann, gibt es beispielsweise bei amazon.de*.
Das Gefäß sollte oben eher breiter als unten sein.
Man sollte ein geeignetes Material bzw. eine geeignete Materialmischung wählen, das mit
einem entsprechenden Verfahren hergestellt und verarbeitet wurde.
Anzeige
Weitere Schutzmaßnahmen gegen Frostschäden an Pflanzgefäßen (und auch den darin stehenden Pflanzen):
Töpfe, deren Materialien nicht sicher frostfest sind, kann man näher an eine Hauswand ziehen, denn Wände geben nachts Wärme ab.
Pflanzgefäße kann man mit einem Schutzmaterial ummanteln oder bedecken. Zum Einen kann dann der Wind das Gefäß nicht zusätzlich auskühlen, zum Anderen wird die Sonnenseite abgedeckt, sodass die Temperaturunterschiede zwischen sonnenzu- und –abgewandter Seite sowie zwischen Tag und Nacht geringer ausfallen. (Aus diesem Grund werden auch Baumstämme von empfindlichen Gehölzen auf der sonnenzugewandten Seite weiß angestrichen – dann kann sich die sonnenzugewandte Seite nicht durch die Strahlung erhitzen, während die andere Seite gefroren bleibt).
Eine Schneedecke bietet ebenfalls Schutz vor tiefem Frost.
Frostsichere Pflanzgefäße – Materialien/Materialmischungen und ihre Herstellung
Aus den hier gelisteten Materialien, gibt es frostfeste Pflanzgefäße.
Anzeige
Frostbeständigkeitsgarantie Aus manchen der im Folgenden genannten Materialien gibt es sowohl frostsichere, als auch weniger frostsichere Pflanzgefäße. Am besten lässt man sich die Frostfestigkeit vom Hersteller/Händler zusichern. Manche Anbieter geben von sich aus eine Garantie, beispielsweise gibt es von Hentschke auf manche Gefäße 7 Jahre Frostfest-Garantie (Hentschke bei Amazon.de*) und von Esteras von Emsa auf Pflanzgefäße aus Fiberglas mit Mehrschichttechnik sogar 10 Jahre (Esteras bei Amazon.de*) – aber unter der Voraussetzung, dass überschüssiges Wasser ungehindert aus dem Gefäß abfließen kann. Fragen Sie nach solchen Garantien!
Naturstein Pflanzgefäße und als solche genutzte Tröge/Tränken aus Naturstein sind nicht nur besonders schön, sondern auch extrem schwer. Dafür sind sie sehr standfest – das ist besonders wichtig, wenn man höhere Pflanzen, wie Bäume oder Sträucher, im Pflanzgefäß kultivieren möchte.
Naturstein, aus dem auch Pflanzgefäße gefertigt werden, sind beispielsweise Granit, Marmor, Kalkstein, Sandstein und Lava. Dass auch Stein nicht grundsätzlich vor Witterung und insbesondere Frost sicher ist, weiß jeder, der schon mal im Gebirge war und den dort durch Verwitterung entstehenden Schotter gesehen hat. Selbst Granitgefäße benötigen einen ungehinderten Wasserablauf, damit sich nicht überschüssiges Wasser staut und zu größeren Mengen Eis gefrieren und sich ausdehnen kann!
Vorsicht: Es gibt auch so genannte Steingefäße, die im Inneren aus Fiberglas oder aus Holz bestehen und nur außen mit Naturstein (beispielsweise Marmor) besetzt sind. Diese eignen sich i. d. R. nur für Innenräume.
Pflanzenbaulicher Hinweis zur Überwinterung im Freien Wer Pflanzen draußen überwintert, sollte wissen, dass Pflanzen bei gefrorener Pflanzenerde und gleichzeitigem Sonnenschein vertrocknen können – dann verdunsten sie nämlich oberirdisch Wasser, aber unten an den Wurzeln ist kein flüssiges Wasser zum Aufnehmen da. An solchen frostsonnigen Tagen sollte man am späten Vormittag vorsichtig ein wenig in den Wurzelbereich gießen.
Der Terrakotta-Kübel mit der Rose bleibt im Winter draußen.
Terrakotta („gebrannte Erde“) sind unglasierte Tonwaren, die einmal bei relativ niedrigen Temperaturen (900 – 1000 °C) gebrannt wurden. Der verwendete Ton und seine mineralische Zusammensetzung und eventuelle Beimischungen bestimmen die Farbe und die Eigenschaften. Stammte der Ton aus Impruneta und wurden sie bei etwas höheren Temperaturen gebrannt, dann heißen sie diese Tonwaren Impruneta und sind wesentlich frostfester als die normale „Siena-Terrakotta“. Auch Terrakotta aus manchem Familienbetrieb in Kreta wird bei Temperaturen von 1120 °C gebrannt und soll frostfest sein. Steinzeug wird bei Temperaturen von 1200 – 1300 °C gebrannt, wobei es sintert (das bedeutet: Alles Flüchtige verschwindet aus der Masse, aus den tonigen Bestandteilen werden neue Minerale gebildet, Kristalle schließen sich zusammen und werden durch glasige Bestandteile verkittet). Pflanzgefäße aus Steinzeug sind i. d. R. frosthart.
Fiberglas-Pflanzgefäße Fiberglas ist der Kurzname für faserverstärkten Kunststoff, auch Faser-Kunststoff-Verbund genannt. Die verstärkenden Fasern können aus Keramik, Quarz, Glas, Stahl und vielem anderen hergestellt worden sein. Glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) enthält zur Verstärkung Glasfasern. Der Kunststoff ist meist Kunstharz (Expoxidharz, Polyesterharz). Die Eigenschaften von Fiberglas-Pflanzgefäßen können je nach verwendeten Materialien sehr unterschiedlich sein. Nicht alle Pflanzgefäße aus Fiberglas sind frosthart, die Chancen stehen am besten, wenn Sie dem Gefäß einen Wasserablauf (Abflussloch sowie ausreichenden Abstand zur Fläche darunter) geben. Nur unter dieser Voraussetzung werden auch jeweils Frostbeständigkeitsgarantien gegeben.
Fiberclay Fiberclay – im Englischen auch Fibreclay geschrieben – ist ein (glas)faserverstärkter Ton, hergestellt aus einer Fiberglasmatte und Tonbrei und oft wohl ebenfalls mit einer Kunststoffbeimischung (in dieser Hinsicht scheint mir die Verwendung der Namen für die verschiedenen Verbundstoffe seitens der Hersteller nicht ganz einheitlich).
Anzeige
Fiberstone Fiberstone – im Englischen auch Fibrestone geschrieben – wird meist aus Glasfasern, Kunstharz (Expoxidharz) und Steinpulver hergestellt. Das Material ist stoßfest, witterungsbeständig und meist frostfest und kann den Produkten, die aus ihm gefertigt sind eine sehr natürliche Steinoptik verleihen. Das Material kann aber auch eingefärbt oder beschichtet werden.
Faserbeton Faserbeton enthält Fasern aus Kunststoff oder Glasfasern. Er ist schwer und damit sind die Gefäße standfest. Außerdem ist das Material äußerkst witterungsbeständig und i. d. R. auch frostfest.
Polystone Polystone besteht aus Kunstharz, der im flüssigen Zustand mit Gesteinsmehl vermengt wurde. Polystone hat ebenfalls einen sehr natürlichen Steinlook, ist aber schwerer als Fiberstone. Pflanzgefäße aus diesem Material haben eine gute Standfestigkeit bei Sturm, außerdem werden viele als besonders frostfest beworben – sicherheitshalber sollte man aber nachfragen.
Kunststoff
Topfmaterialien vorderste Reihe von links nach rechts: glasfaserverstärktes Verbundmaterial/Fiberglas in „Verwitterter-Stein-Optik, terrakottafarbener Tontopf (weitere dahinter) sowie ganz rechts ein riesiger grauer PP-Plastiktopf in Betonoptik – wobei der PP-Topf nicht als frostsicher deklariert war, aber seine Frostfestigkeit bereits in zwei Wintern gezeigt hat. Viele, wie auch ich bevorzugen optisch und wegen der Umweltverträglichkeit Terracotta oder andere Naturmaterialien, aber solche aus Terracotta sind viel schwerer und für viele Menschen nicht handhabbar.
Pflanzgefäße aus Kunststoff gibt es aus verschiedenen Kunststoffen (Polyethylen (PE), Polyvinylchlorid (PVC), Polypropylen (PP) und anderes mehr), in vielen Designs, Formen und Farben und mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften. Manche kann man optisch kaum von einem Naturmaterial unterscheiden – ähnlich wie bei den Verbundmaterialien oben (GFK, Fiberclay etc.), andere sehen doch sehr nach Billigplastik aus. Besonders gefragt in den letzten Jahren: Granitoptik.
Anzeige
Gewebe, Vlies, Filz Zwar frostfest und manche auch mehrere Jahre nutzbar, aber in der Regel nicht für eine durchgehende und dauerhafte Bepflanzung geeignet sind Pflanzbehälter (Pflanztöpfe, Pflanzsäcke, Pflanzbeutel) aus Kunststoffgewebe/Kunststoffvlies. Vor allem solche aus Kunststoff-Vliesgewebe sind sehr günstig und es gibt sie in vielen Größen. Man kann sie meiner Erfahrung nach nicht über den Winter draußen mit feuchter Erde stehen lassen, will man im Frühjahr nicht nur die Henkel in der Hand halte, wenn man sie hochhebt. Doch für Saisonpflanzen sollen sie laut Herstellern mehrere Jahre genutzt werden können, wenn man sie im Herbst ausleert, trocknet und geschützt und trocken bis zum nächsten Frühjahr aufbewahrt. Solche Kunststoffgewebe- und Vliestöpfe kann man eventuell für Dahlien, Begonien, Tomaten, Kartoffeln, einjährige Kräuter und ähnlichen Pflanzen nehmen, die am Ende der Gartensaison aus der Erde genommen werden (Kartoffeln und Tomaten wandern auf den Komposthaufen; die trockenen Knollen von Dahlien, Begonien und Ähnlichem werden bis zum Frühjahr üblicherweise im kühlen, frostfreien Keller überwintert). Pflanzgefäße aus Kunststoffgewebe oder Kunststoffvlies (beispielsweise aus Polypropylen) gehören auf keinen Fall auf den Kompost und nicht in die Biotonne, da sie nicht verrotten und die Umwelt belasten. Anders wäre es bei Pflanzgefäßen, deren Vliesgewebe aus Naturfasern oder die aus reinem Schafwoll-/Tierhaarfilz bestehen, doch erstens wären sie vermutlich teurer und zweitens sind sie eher nicht für eine Nutzung mit nasser Erde geeignet, sondern eher als Tragetaschen, Transportkorbe o. Ä. für Feuerholz und anderes.
Anzeige
Metall Metalle sind in der Regel frostsicher. Pflanzkästen und Pflanzgefäße gibt es beispielsweise aus (pulverbeschichtetem) Aluminium, (gebürstetem) Edelstahl, (gewollt korrodierter/Edelrost-) Stahllegierung (Cortenstahl), verzinktem Stahl und pulverbeschichtetem Stahlblech (mit Kunststoffeinsatz).
Holz Pflanzkübel aus Holz sind ein Blickfang, der Natürlichkeit ausstrahlt. Holz ist frostfest. Die Langlebigkeit von Holzgefäßen hängt von der Holzart, der Verarbeitung, Behandlung (beispielsweise Ausflammung zur Haltbarmachung) und Pflege sowie vom Material und der Behandlung der Verbindungselemente ab. Beim Kauf neuer Gefäße aus Hartholz sollte man darauf achten, dass es sich um FSC-zertifiziertes Holz aus nachhaltigem Anbau handelt und die Verbindungsstücke ebenfalls witterungsbeständig sind.
Steinguss (Betonguss, Kunststein) Steinguss wird aus Zement, Wasser und Zuschlagstoffen wie Sand, Torf, Perlite zusammengemischt und in eine Form gegossen. Wenn man fertige Gefäße aus Steinguss kauft, sollte man sich nach der Frostfestigkeit erkundigen. Wer solche Gefäße selbst macht, muss eine Mischung wählen, die erfahrungsgemäß frostfest ist (Beispiel für eine frostfeste Schale bei Selbermachen.de – nicht den Rundstab für den Boden vergessen, der den späteren Wasserablauf ausspart). Es gibt aber unzählige Anleitungen bei YouTube und in Blogs. Einen feinkörnigen, wetterfesten und frostsicheren Vergussmörtel auf Basis von weißem Zement gibt es beispielsweise hier: Steinguss*.
* Werbelink / Partnerlink / Affiliate-Link * Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen, die über einen Werbe-Link zu Amazon zustande kommen, unter Umständen eine Provision/Werbekostenerstattung.
* Werbelink / Partnerlink / Affiliate-Link * Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen, die über einen Werbe-Link zu Amazon zustande kommen, unter Umständen eine Provision/Werbekostenerstattung.
Avantgardening: Plädoyer für gegenwärtiges Gärtnern* von Torsten Matschiess ist dieses Jahr neu im Ulmer Verlag erschienen. Matschiess propagiert eine authentische Gartengestaltung, die zum jeweiligen Standort und seinen Gegebenheiten passt statt des Kopierens eines gerade angesagten Stils. Wie wundervoll solche authentischen Gärten aussehen können, zeigen die Fotos von Spitzenfotograf Jürgen Becker im Buch. Sehr inspirierend.
Als ich den Titel Avantgardening: Plädoyer für gegenwärtiges Gärtnern* las, wurde ich neugierig. Gab es einen neuen Gartentrend, von dem ich noch nicht gehört hatte? Dass es nicht um eine neue Variation von Schotter- oder Gummimulchflächen ging (Letztere habe ich bisher zum Glück nur in einer amerikanischen Gartengestaltungsdoku gesehen), war schon am Coverbild zu erkennen: Das Foto zeigt einen Garten, in dem großzügig mit Pflanzen – ihren Formen, Farben und Strukturen – in die Fläche, nein: in den Raum (!) gestaltet wurde. Und der doch wie Natur wirkt. Ich wollte mehr wissen.
Als das Buch ein paar Tage später bei mir eintraf und ich es öffnete, konnte ich es gar nicht mehr beiseitelegen. Es ist unterhaltsam geschrieben, Torsten Matschiess‘ Freude am Experimentieren und Beobachten, am Entwickeln von Gärten und Pflanzengemeinschaften dem Standort und seinen Besonderheiten entsprechend, aber auch am Hinterfragen eingefahrener Regeln und Systeme wirkte auf mich ansteckend. Dass sich diese „authentische“ Gartengestaltung lohnt, beweisen die vielen wunderschönen und stimmungsvollen Bilder von Jürgen Becker.
Um es gleich zu sagen: Das Buch enthält keine Anleitungen, wie man was am besten gestaltet oder welche Pflanzen man wie miteinander kombiniert, sondern es will – meinem Eindruck nach – dazu inspirieren, dem eigenen Gelände mit seinen Möglichkeiten nachzuspüren und mit diesem Wissen einen individuellen, authentischen Garten zu entwickeln.
In Kapitel 1 geht es um das erste Jahr mit einem neu erworbenen Garten. Oft passen die Vorstellungen von einem schönen Garten und die Standortgegebenheiten nicht zusammen, was zu Problemen wie Pflanzenausfällen und nicht eingeplanten Kosten führen kann. Manche Gartenbesitzer und Gartengestalter wollen möglichst schnell einen (scheinbar) fertigen Garten vorweisen und kaufen große Gehölze – die dann aber weniger an den Standort angepasst sind als Gehölze, die von Klein auf dort gewachsen sind. Andererseits verändern Gehölze, die jung gepflanzt oder gesät werden, mit ihrem Wachstum die Standortbedingungen in ihrer Umgebung, sodass die ursprünglichen Begleiter in unmittelbarer Nähe bald nicht mehr dorthin passen.
Der Autor ging bei seinem eigenen Garten weiter als die meisten Gartenbesitzer und auch als viele Gartengestalter – er hat nicht nur darauf geachtet, welche Pflanzen ihm gefallen und auch nicht einfach Pflanzen aus einer Datenbank herausgefiltert, die in etwa dem örtlichen Klima und der Region entsprechen könnten (was immerhin schon ein Schritt Richtung Nachhaltigkeit ist), sondern seinen Standort mit jeder kleinen, örtlich begrenzten Besonderheit, anhand der Ruderalflora zu begreifen versucht. In eine Senke, wo sich Wasser und Nährstoffe sammeln, gehören eben andere Pflanzengemeinschaften als auf eine trockene Erhebung, auf einem verdichteten Teilstück andere als auf dem ansonsten durchlässigen Boden. Außerdem legte er Sortenvergleichs- und andere Testpflanzungen an und führte eigene Selektionen durch. Ein Gartenflüsterer in dem Sinne, dass er versucht, aus einem gegebenen Gelände und seinen Gegebenheiten das Beste und Einzigartige herauszuholen.
In Kapitel 2 erfährt man mehr über die Motivation des Autors und seine persönlichen Gartenphilosophien – da geht es um Ökologie und Ökonomie – Rasenflächen sind arbeitsaufwändiger und teuerer als authentische Gehölz- und Staudenpflanzungen, und auch um Diversifikation und Invasion – wenn die Hummeln den Neuling mögen, warum soll man ihn dann verteufeln, wenn es doch um die Förderung der Vielfalt geht?
Um Gestaltung im engeren Sinne geht es im dritten Kapitel. Matschiess zeigt so simpel wie beeindruckend, dass es raffiniertere Möglichkeiten der Sichtverstellung und Raumgestaltung gibt als Vertikalschotter, Mauern und Hecken – Möglichkeiten, die gleichzeitig den Blick von drinnen nach draußen neu öffnen und aufwerten können. Wie auch schon in den Kapiteln vorher stellt der Autor gerne mal alte Regeln in Frage.
Das 4. Kapitel, Lieblingspflanzen, ist Pflanzen gewidmet, die entweder mehr Aufmerksamkeit verdienen, oder die der Autor in einen neuen Zusammenhang setzt. Außerdem legt er offen, worüber die meisten Fachleute gerne schweigen: das Scheitern – vor dem selbst ein Gartenflüsterer nicht hundertprozentig sicher ist.
Über den Autor
Torsten Matschiess kam als Quereinsteiger zur Gartenentwicklung und Staudenverwendung, aber er hat sich an den Besten orientiert und von ihnen gelernt und er hat sich vor allem selbst tief in die Praxis gekniet und reichlich Erfahrungen gesammelt. Sein Garten Alst ist vielen Garten- und Pflanzenliebhabern bekannt. Längst setzt er eigene Akzente in der Branche, gestaltet Gärten, berät und ist ein gefragter Fachautor und Referent. Siehe auch Studio Torsten Matschiess.
Über den Fotografen
Jürgen Becker gehört zu den weltweit erfolgreichsten Gartenfotografen und erhielt schon viele Preise für seine Arbeit. Er setzt auch Matschiess authentische Gärten wunderbar fotografisch in Szene.
Mein Fazit: Ein anregendes Buch für Gartenbesitzer und Gartengestalter, die sich von einem Gartenflüsterer dazu inspirieren lassen möchten, eine individuelle und authentische Gartengestaltung für ihr Gelände (oder das eines Kunden) zu entwickeln und auch bereit sind, manche Regel zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Der flexible Einband bei einem Buch dieser Größe (ca. 24,5 x 24,5 x 2 cm) war im ersten Moment ungewohnt, aber ich kam damit dann sehr gut zurecht. Das Layout des Buches ist eher klassisch schlicht, hält sich im Hintergrund und lässt den Autor und die Bilder des Fotografen für sich sprechen.
Das Buch gehört zur neuen „Edition Gartenpraxis“ und ist 2017 beim Ulmer Verlag erschienen, von dem auch das Pflanzenmagazin Gartenpraxis herausgegeben wird.
So wie es die Industrie 4.0 gibt, gibt es eine Landwirtschaft 4.0 – eine Landwirtschaft, die die Digitalisierung und ihre Möglichkeiten, beispielsweise den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, nutzt. Ziel ist es, die Effizienz zu erhöhen sowie Ressourcen und/oder Kosten zu sparen. Ein Beispiel aus der Praxis: Das texanische Unternehmen NatureSweet Tomatoes erprobt den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Überwachung der Pflanzengesundheit.
Um Künstliche Intelligenz ranken sich viele Mythen. Die einen denken an außer Kontrolle geratene Killerdrohnen, andere an menschenähnliche Roboter, die aus sich selbst heraus immer intelligenter werden, bis sie am Ende die Weltherrschaft übernehmen. Doch so geheimnisvoll ist Künstliche Intelligenz nicht (immer). Sie ist auch keine Sache, die sich in der Zukunft oder in einem Zukunftsroman abspielt, sondern breitet sich gerade aus, auch im Gartenbau.
Industrie 4.0
Unter Industrie 4.0 wird die vierte Stufe der Industrialisierung verstanden.
Stufe 1: Mechanisierung mit Energie aus Dampf und Wasserkraft
Stufe 2: Massenproduktion, Fließbänder, Fabrikationsstraßen mit elektrischer Energie
Stufe 3: Erste Phase der Digitalisierung: Computer und Informationstechnologie (IT) zur Automatisierung der Produktion
Stufe 4: Zweite Phase der Digitalisierung: Dazu gehören beispielsweise
die Entwicklung cyber-physischer-Systeme (verteilte, komplexe Systeme, deren Komponenten Daten über eine Infrastruktur austauschen und sich anpassen können, z. B. Intelligente Stromnetze),
das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT),
Cloud Computing (Bereitstellung von IT-Infrastruktur – Speicherplatz, Anwendungsprogramme etc. – als Dienstleistung über das Internet),
Künstliche Intelligenz
Künstliche Intelligenz (KI) oder Artificial Intelligence(AI) ist als Forschungsgebiet ein Teil der Informatik. Im Grunde ist die Nutzung von AI eine Kombination aus unglaublich vielen gesammelten Daten sowie Software, die diese auf einem (Hochleistungs-)Rechner sehr schnell und möglichst zeitnah auslesen, daraus Vorhersagen ableiten und Handlungen oder Handlungsabfolgen in Gang setzen kann. Manches, was früher unter die KI-Forschung fiel, wie beispielsweise Texterkennung, ist heute Alltagstechnologie. Heute wird beispielsweise am inhaltlichen Verstehen von Sprache und der selbstständigen Suche nach Antworten, an selbstfahrenden Autos und anderen autonomen Dingen (Internet of Autonomous Things, IoAT – selbst navigierende Drohnen, Haushaltsroboter etc.) sowie an der Auswertung komplexer Daten gearbeitet.
Künstliche Intelligenz zur Überwachung der Pflanzengesundheit
Je größer eine Anbaufläche ist, desto schwieriger ist es, den gesamten Pflanzenbestand zu überwachen und Krankheiten, Schädlinge oder andere Schadursachen frühzeitig zu entdecken. Besonders die Bestände der Fruchtgemüseproduktion unter Glas sind wertvoll, da sie viel kosten und eine lange Erntezeit haben, und müssen überwacht werden, damit nicht ein Kulturfehler, eine Krankheit und/oder Schädlinge alle vorherigen Anstrengungen und Investitionen zunichte machen. Bisher gehen entsprechend geschulte Menschen in regelmäßigen Abständen durch den Bestand, begutachten die Pflanzen sorgfältig, drehen Blätter um, achten auf auffliegende Schädlinge etc. und notieren eventuelle Befunde mit Zeit- und Ortsangabe in irgendeiner Weise, um dann später Gegenmaßnahmen einleiten zu können – beispielsweise Nützlinge bestellen, die gegen die Schädlinge vorgehen oder bei manchen Krankheiten den Befallsherd entfernen und entsorgen lassen.
Künstliche Intelligenz soll bei der frühzeitigen Entdeckung von Krankheiten und Schädlingen in einem Pflanzenbestand helfen. Im Bild: Phytophtora infestans an Tomatenblättern.
Ein Beispiel für den Einsatz Künstlicher Intelligenz im Gartenbau ist die Nutzung von Kameras (fest installierte oder an Drohnen befestigte), die den Pflanzenbestand beobachten (d. h. in vorgegebenen Abständen Fotos machen), diese Bilder und andere Daten an ein Auswertungssystem weitergeben, das etwaige „ungesunde“ Veränderungen verursacht durch Kulturfehler, Schädlings- oder Krankheitsbefall an den Pflanzen bemerken kann. Dazu muss das System schnell sehr große Mengen an Daten verarbeiten können und gleichzeitig muss es auch auf eine große Menge von Daten zurückgreifen können, um zu wissen, wie eine gesunde Pflanze wächst, beziehungsweise zu identifizieren, welche Ursache eine bestimmte Abweichung vom optimalen Zustand hat. Je nachdem, was das KI-System findet und abhängig davon, wie weit die Automatisierung fortgeschritten ist, würde das KI-System den zuständigen Gärtner informieren und/oder vielleicht selbst Maßnahmen in Gang setzen (beispielsweise die Lüftung anders steuern, Nützlinge bestellen etc.).
KI in der Tomatenanbau-Praxis
NatureSweet, ein Tomatenanbauer mit Hauptsitz in Texas, erprobt derzeit KI zur Überwachung der Pflanzengesundheit in seinen Tomatengewächshäusern. Mit einer Verringerung des Ernteausfalls durch eine verbesserte Überwachung und schnellere Gegenmaßnahmen will man den Ertrag steigern und zu mehr Nachhaltigkeit beitragen. Tatsächlich hofft Adrian Almeida, der Abteilungsleiter für Innovation bei NatureSweet, die Tomatenerträge auf längere Sicht um 20 % steigern zu können, sagte er CNN tech. Bisher sind es allerdings nur zwischen 2 und 4 %, die erreicht werden, was aber bei großen Produktionsmengen beziehungsweise Umsätzen durchaus von Bedeutung ist.
Die Informationen über den Pflanzenzustand werden bei NatureSweet mit fest installierten Kameras gewonnen, die im Gewächshaus angebracht wurden und die nun ununterbrochen Fotos vom Pflanzenbestand machen. Die Bilder werden mithilfe eines KI-Programmes von Prospera, einem israelischen Start-up-Unternehmen, das auf Datenanalyse und Digital Farming (digitalisierte Landwirtschaft, Landwirtschaft 4.0) spezialisiert ist, sofort ausgewertet. Mithilfe der Software können problematische Veränderungen im Pflanzenbestand, beispielsweise ein Schädlingsbefall, Blattveränderungen oder Welkeerscheinungen, früh erkannt werden.
Almeida schätzt, dass er ohne die Kameras und die Nutzung von KI den Personalbestand um 4 % erhöhen müsste.
Prospera hat jedenfalls bereits eine dicke Ernte von 15 Millionen US-Dollar an Investitionsgeldern für eine Expansion des Unternehmens eingefahren, unter anderem von Firmen wie Qualcomm Ventures (Qualcomm ist selbst im Bereich Halbleiter und IP-Lösungen tätig) and Cisco Investments (Cisco ist praktisch gleichbedeutend mit Internet-Infrastruktur).
Fazit
Mit der Landwirtschaft 4.0 will man laut Fachgruppe Agtech den Zielkonflikt zwischen Ökologie und Versorgungssicherheit auflösen. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ermöglicht Unternehmen ein effizienteres Arbeiten und Wachstum. Skeptisch macht mich, dass – außerhalb von Versuchen – für solche Innovationen im Betrieb hohe Investitionskosten nötig sind und die neue Technik daher eher Agrargroßbetrieben zugute kommen könnte und bäuerliche Betriebe außen vor bleiben. Vielleicht wird es dafür aber auch einmal Sharing-/Zusammenarbeitslösungen geben. Aber so spannend die neuen Technologien sind, fehlt mir noch eine Antwort der Politik auf die Frage, was mit den eingesparten Arbeitskräften passieren soll und wovon die in Zukunft leben. Zwar werden durch die Digitalisierung auch neue Jobs geschaffen, allerdings mit anderen, oft mit wesentlich höheren (Akademikerjobs) oder wesentlich niedrigeren Anforderungen (schlechter bezahlte (Handlanger-) Jobs) als die, die wegfallen (Ausbildungsberufe).
Eva Schumann
Autorin, Freie Journalistin, Bloggerin
tinto.de & meine anderen Online-Projekte finanzieren sich über Werbung. Wer mag, kann tinto.de mit einer Spende ("Kaffeekasse") unterstützen: paypalme/eva4tinto. DANKE!
Diese Website verwendet Cookies, um moderne Funktionen zu ermöglichen, zu statistischen Zwecken und für die Schaltung von Werbung. Mit der Nutzung der Website erklären Sie sich damit einverstanden.OKErfahren Sie mehr.