Winterfeste und frostsichere Pflanzgefäße

Wie winterfest und frostsicher sind Töpfe, Schalen, Kübel und andere Pflanzgefäße aus den alten und neuen Materialien und was kann man tun, um die Frostbeständigkeit zu erhöhen?

Verschneiter Tontopf mit blühender Minitulpe
Pflanzgefäße, die draußen überwintern, sollten wetterbeständig und frostsicher sein.

Seit Jahrzehnten überwintere ich auf und um meine Terrasse herum mehrjährige Pflanzen in Töpfen, Schalen und Kübeln draußen: Blumenzwiebelpflanzen, Stauden, Gräser, Gemüse (Topinambur), Obst (Mini-Kiwi), Kräuter (Thymian, Rosmarin, Salbei und Schnittlauch) und auch Ziergehölze. Hatte ich in meiner Studentenzeit noch hauptsächlich einfache Kunststoffkübel als Pflanzgefäße, leistete ich mir später auch Ton- und Terrakottagefäße, weil sie mich an Urlaube und das Leben im mediterranen Raum erinnerten. Inzwischen liebäugle ich auch mit einigen der modernen Materialien und neuen Formen – weswegen ich mich intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt habe.

Anzeige


Frostsichere Pflanzgefäße für die Herbst-/Winter- oder Ganzjahresbepflanzung

Die Plastikkübel aus der Studentenzeit hielten in der Regel viele Jahre, bevor die Wurzeln sie sprengen konnten. Auch manche meiner Terrakottagefäße habe ich bereits seit vielen Jahren, andere allerdings waren schon nach einem oder zwei Wintern so stark geschädigt, dass ich sie nur noch zerschlagen und als Dränage in anderen Gefäßen verwenden konnte. Doch woran liegt es, wenn bestimmte Ton-/Terrakotta- und auch andere-Pflanzgefäße (genauso wie Vogelbäder, Kunstwerke etc.) nicht frosttauglich sind? Die, die zerbrechen, sehen oft nicht viel anders aus als die frostsicheren. Und welche anderen frostsicheren Materialien hat man bei Pflanzgefäßen, Kübeln, Töpfen und Schalen zur Auswahl?

Zwei verschiedene Ton-/Terrakottatöpfe
Auf den ersten Blick sieht es so aus, als haben beide Töpfe den Winter gut überstanden.

Wie man die Frostsicherheit von Töpfen, Kübeln, Schalen und anderen Pflanzgefäßen beeinflussen kann

Dies gefährdet die Frostsicherheit:

  • Fehlender Wasserablauf
    Wenn überschüssiges Wasser aus einem Pflanzgefäß nicht ablaufen kann, beispielsweise wenn kein Ablaufloch vorhanden ist, der Topf dicht schließend auf einer glatten Oberfläche oder in einem hohen Untersetzer mit Wasser steht, und dieses Wasser im Winter zu Eis gefriert. Gefrierendes Wasser dehnt sich sich aus und kann seinen Pflanzbehälter sogar sprengen.
  • Ungeeignete Form
    Formen, die oben enger sind als unten, sind stärker gefährdet, weil sich die Pflanzerde bei der Eiskristallbildung nicht so gut ausdehnen kann.
  • Ungeeignetes Topfmaterial beziehungsweise ungeeignete Zusammensetzung
  • Herstellungsverfahren
    Die Art der Herstellung kann die Frostsicherheit ebenfalls beeinflussen, beispielsweise beeinflusst die Brenntemperatur die Frostsicherheit von Keramischen Massen wie Ton, Terrakotta, Steinzeug etc.
Topf aus Ton mit Frostschaden im unteren Bereich
Der größere der beiden oben gezeigten Töpfe war bereits nach einem Winter im unteren Bereich kaputt. Vermutlich lag es nicht (nur) am Material, sondern der Wasserablauf war wahrscheinlich behindert.
Frostschaden im unteren Topfbereich verdeckt durch Rasenkantenblech aus verrostetem Cortenstahl.
So kann man einen bepflanzten Kübel mit Frostrissen (hinter der „Verkleidung“, daher nicht sichtbar) im unteren Bereich noch über die Saison bringen: Umrandung mit Rasenkantenblech aus Cortenstahl. Das blanke Blech wurde durch die Feuchtigkeit in wenigen Wochen in Rost („Edelrost“) umgewandelt.

Das fördert die Frostsicherheit von Gefäßen:

  • Überschüssiges Wasser muss ablaufen können:
    • Das Ablaufloch sollte sich am besten unter dem Topf befinden.
    • Man sollte Abstandshalter unter den Topf legen bzw. haben manche Pflanzgefäße von vornerhein Füßchen unten am Topf, damit das Ablaufen nicht behindert werden kann. Abstandshalter (aka Kübelfüße), die man nachträglich unterlegen oder anbringen kann, gibt es beispielsweise bei amazon.de*.
  • Das Gefäß sollte oben eher breiter als unten sein.
  • Man sollte ein geeignetes Material bzw. eine geeignete Materialmischung wählen, das mit
  • einem entsprechenden Verfahren hergestellt und verarbeitet wurde.
Anzeige


Weitere Schutzmaßnahmen gegen Frostschäden an Pflanzgefäßen (und auch den darin stehenden Pflanzen):

  • Töpfe, deren Materialien nicht sicher frostfest sind, kann man näher an eine Hauswand ziehen, denn Wände geben nachts Wärme ab.
  • Pflanzgefäße kann man mit einem Schutzmaterial ummanteln oder bedecken.
    Zum Einen kann dann der Wind das Gefäß nicht zusätzlich auskühlen, zum Anderen wird die Sonnenseite abgedeckt, sodass die Temperaturunterschiede zwischen sonnenzu- und –abgewandter Seite sowie zwischen Tag und Nacht geringer ausfallen. (Aus diesem Grund werden auch Baumstämme von empfindlichen Gehölzen auf der sonnenzugewandten Seite weiß angestrichen – dann kann sich die sonnenzugewandte Seite nicht durch die Strahlung erhitzen, während die andere Seite gefroren bleibt).
Töpfe mit Schneedecke
Eine Schneedecke bietet ebenfalls Schutz vor tiefem Frost.

Frostsichere Pflanzgefäße – Materialien/Materialmischungen und ihre Herstellung

Aus den hier gelisteten Materialien, gibt es frostfeste Pflanzgefäße.

Anzeige


Frostbeständigkeitsgarantie
Aus manchen der im Folgenden genannten Materialien gibt es sowohl frostsichere, als auch weniger frostsichere Pflanzgefäße. Am besten lässt man sich die Frostfestigkeit vom Hersteller/Händler zusichern. Manche Anbieter geben von sich aus eine Garantie, beispielsweise gibt es von Hentschke auf manche Gefäße 7 Jahre Frostfest-Garantie (Hentschke bei Amazon.de*) und von Esteras von Emsa auf Pflanzgefäße aus Fiberglas mit Mehrschichttechnik sogar 10 Jahre (Esteras bei Amazon.de*) – aber unter der Voraussetzung, dass überschüssiges Wasser ungehindert aus dem Gefäß abfließen kann. Fragen Sie nach solchen Garantien!

Anzeige
Steintrog bei Amazon.de* (Werbelink Amazon)

Stellvertreterbild mit Werbelink zum Produkt bei Amazon.de

Naturstein
Pflanzgefäße und als solche genutzte Tröge/Tränken aus Naturstein sind nicht nur besonders schön, sondern auch extrem schwer. Dafür sind sie sehr standfest – das ist besonders wichtig, wenn man höhere Pflanzen, wie Bäume oder Sträucher, im Pflanzgefäß kultivieren möchte.

Naturstein, aus dem auch Pflanzgefäße gefertigt werden, sind beispielsweise Granit, Marmor, Kalkstein, Sandstein und Lava.
Dass auch Stein nicht grundsätzlich vor Witterung und insbesondere Frost sicher ist, weiß jeder, der schon mal im Gebirge war und den dort durch Verwitterung entstehenden Schotter gesehen hat. Selbst Granitgefäße benötigen einen ungehinderten Wasserablauf, damit sich nicht überschüssiges Wasser staut und zu größeren Mengen Eis gefrieren und sich ausdehnen kann!

Vorsicht: Es gibt auch so genannte Steingefäße, die im Inneren aus Fiberglas oder aus Holz bestehen und nur außen mit Naturstein (beispielsweise Marmor) besetzt sind. Diese eignen sich i. d. R. nur für Innenräume.

Pflanzenbaulicher Hinweis zur Überwinterung im Freien
Wer Pflanzen draußen überwintert, sollte wissen, dass Pflanzen bei gefrorener Pflanzenerde und gleichzeitigem Sonnenschein vertrocknen können – dann verdunsten sie nämlich oberirdisch Wasser, aber unten an den Wurzeln ist kein flüssiges Wasser zum Aufnehmen da. An solchen frostsonnigen Tagen sollte man am späten Vormittag vorsichtig ein wenig in den Wurzelbereich gießen.

Keramische Massen (Beispiele: Terrakotta, Impruneta, Steinzeug)

Der Terrakotta-Kübel mit der Rose bleibt im Winter draußen.

Terrakotta („gebrannte Erde“) sind unglasierte Tonwaren, die einmal bei relativ niedrigen Temperaturen (900 – 1000 °C) gebrannt wurden. Der verwendete Ton und seine mineralische Zusammensetzung und eventuelle Beimischungen bestimmen die Farbe und die Eigenschaften. Stammte der Ton aus Impruneta und wurden sie bei etwas höheren Temperaturen gebrannt, dann heißen sie diese Tonwaren Impruneta und sind wesentlich frostfester als die normale „Siena-Terrakotta“.
Auch Terrakotta aus manchem Familienbetrieb in Kreta wird bei Temperaturen von 1120 °C gebrannt und soll frostfest sein.
Steinzeug wird bei Temperaturen von 1200 – 1300 °C gebrannt, wobei es sintert (das bedeutet: Alles Flüchtige verschwindet aus der Masse, aus den tonigen Bestandteilen werden neue Minerale gebildet, Kristalle schließen sich zusammen und werden durch glasige Bestandteile verkittet). Pflanzgefäße aus Steinzeug sind i. d. R. frosthart.

Anzeigen
Terracotta-Pflanzkübel eckig* und Terracotta-Pflanzkübel rund* bei Amazon (Werbelinks)

Stellvertreterbild mit Werbelink zum Produkt bei Amazon.de


Stellvertreterbild mit Werbelink zum Produkt bei Amazon.de


Fiberglas-Pflanzgefäße
Fiberglas ist der Kurzname für faserverstärkten Kunststoff, auch Faser-Kunststoff-Verbund genannt. Die verstärkenden Fasern können aus Keramik, Quarz, Glas, Stahl und vielem anderen hergestellt worden sein. Glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) enthält zur Verstärkung Glasfasern. Der Kunststoff ist meist Kunstharz (Expoxidharz, Polyesterharz).
Die Eigenschaften von Fiberglas-Pflanzgefäßen können je nach verwendeten Materialien sehr unterschiedlich sein. Nicht alle Pflanzgefäße aus Fiberglas sind frosthart, die Chancen stehen am besten, wenn Sie dem Gefäß einen Wasserablauf (Abflussloch sowie ausreichenden Abstand zur Fläche darunter) geben. Nur unter dieser Voraussetzung werden auch jeweils Frostbeständigkeitsgarantien gegeben.

Anzeige
Kübel aus Fiberglas Rund Old Stone Brown bei Amazon* (Werbelink)

Stellvertreterbild mit Werbelink zum Produkt bei Amazon.de

Anzeige
Fiberglas-Kübel Egg Pot Creme-Weiß bei Amazon* (Werbelink)

Stellvertreterbild mit Werbelink zum Produkt bei Amazon.de

Fiberclay
Fiberclay – im Englischen auch Fibreclay geschrieben – ist ein (glas)faserverstärkter Ton, hergestellt aus einer Fiberglasmatte und Tonbrei und oft wohl ebenfalls mit einer Kunststoffbeimischung (in dieser Hinsicht scheint mir die Verwendung der Namen für die verschiedenen Verbundstoffe seitens der Hersteller nicht ganz einheitlich).

Anzeige


Fiberstone
Fiberstone – im Englischen auch Fibrestone geschrieben – wird meist aus Glasfasern, Kunstharz (Expoxidharz) und Steinpulver hergestellt. Das Material ist stoßfest, witterungsbeständig und meist frostfest und kann den Produkten, die aus ihm gefertigt sind eine sehr natürliche Steinoptik verleihen. Das Material kann aber auch eingefärbt oder beschichtet werden.

Faserbeton
Faserbeton enthält Fasern aus Kunststoff oder Glasfasern. Er ist schwer und damit sind die Gefäße standfest. Außerdem ist das Material äußerkst witterungsbeständig und i. d. R. auch frostfest.

Polystone
Polystone besteht aus Kunstharz, der im flüssigen Zustand mit Gesteinsmehl vermengt wurde. Polystone hat ebenfalls einen sehr natürlichen Steinlook, ist aber schwerer als Fiberstone. Pflanzgefäße aus diesem Material haben eine gute Standfestigkeit bei Sturm, außerdem werden viele als besonders frostfest beworben – sicherheitshalber sollte man aber nachfragen.

Kunststoff

Topfmaterialien vorderste Reihe von links nach rechts: glasfaserverstärktes Verbundmaterial in verwitterter Steinoptik, terracottafarbener Tontopf, grauer PP-Plastiktopf in Betonoptik
Topfmaterialien vorderste Reihe von links nach rechts: glasfaserverstärktes Verbundmaterial/Fiberglas in „Verwitterter-Stein-Optik, terrakottafarbener Tontopf (weitere dahinter) sowie ganz rechts ein riesiger grauer PP-Plastiktopf in Betonoptik – wobei der PP-Topf nicht als frostsicher deklariert war, aber seine Frostfestigkeit bereits in zwei Wintern gezeigt hat. Viele, wie auch ich bevorzugen optisch und wegen der Umweltverträglichkeit Terracotta oder andere Naturmaterialien, aber solche aus Terracotta sind viel schwerer und für viele Menschen nicht handhabbar.

Pflanzgefäße aus Kunststoff gibt es aus verschiedenen Kunststoffen (Polyethylen (PE), Polyvinylchlorid (PVC), Polypropylen (PP) und anderes mehr), in vielen Designs, Formen und Farben und mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften. Manche kann man optisch kaum von einem Naturmaterial unterscheiden – ähnlich wie bei den Verbundmaterialien oben (GFK, Fiberclay etc.), andere sehen doch sehr nach Billigplastik aus. Besonders gefragt in den letzten Jahren: Granitoptik.

Anzeige

Gewebe, Vlies, Filz
Zwar frostfest und manche auch mehrere Jahre nutzbar, aber in der Regel nicht für eine durchgehende und dauerhafte Bepflanzung geeignet sind Pflanzbehälter (Pflanztöpfe, Pflanzsäcke, Pflanzbeutel) aus Kunststoffgewebe/Kunststoffvlies. Vor allem solche aus Kunststoff-Vliesgewebe sind sehr günstig und es gibt sie in vielen Größen. Man kann sie meiner Erfahrung nach nicht über den Winter draußen mit feuchter Erde stehen lassen, will man im Frühjahr nicht nur die Henkel in der Hand halte, wenn man sie hochhebt. Doch für Saisonpflanzen sollen sie laut Herstellern mehrere Jahre genutzt werden können, wenn man sie im Herbst ausleert, trocknet und geschützt und trocken bis zum nächsten Frühjahr aufbewahrt. Solche Kunststoffgewebe- und Vliestöpfe kann man eventuell für Dahlien, Begonien, Tomaten, Kartoffeln, einjährige Kräuter und ähnlichen Pflanzen nehmen, die am Ende der Gartensaison aus der Erde genommen werden (Kartoffeln und Tomaten wandern auf den Komposthaufen; die trockenen Knollen von Dahlien, Begonien und Ähnlichem werden bis zum Frühjahr üblicherweise im kühlen, frostfreien Keller überwintert). Pflanzgefäße aus Kunststoffgewebe oder Kunststoffvlies (beispielsweise aus Polypropylen) gehören auf keinen Fall auf den Kompost und nicht in die Biotonne, da sie nicht verrotten und die Umwelt belasten. Anders wäre es bei Pflanzgefäßen, deren Vliesgewebe aus Naturfasern oder die aus reinem Schafwoll-/Tierhaarfilz bestehen, doch erstens wären sie vermutlich teurer und zweitens sind sie eher nicht für eine Nutzung mit nasser Erde geeignet, sondern eher als Tragetaschen, Transportkorbe o. Ä. für Feuerholz und anderes.

Anzeige

Metall
Metalle sind in der Regel frostsicher. Pflanzkästen und Pflanzgefäße gibt es beispielsweise aus (pulverbeschichtetem) Aluminium, (gebürstetem) Edelstahl, (gewollt korrodierter/Edelrost-) Stahllegierung (Cortenstahl), verzinktem Stahl und pulverbeschichtetem Stahlblech (mit Kunststoffeinsatz).

Holz
Pflanzkübel aus Holz sind ein Blickfang, der Natürlichkeit ausstrahlt. Holz ist frostfest. Die Langlebigkeit von Holzgefäßen hängt von der Holzart, der Verarbeitung, Behandlung (beispielsweise Ausflammung zur Haltbarmachung) und Pflege sowie vom Material und der Behandlung der Verbindungselemente ab. Beim Kauf neuer Gefäße aus Hartholz sollte man darauf achten, dass es sich um FSC-zertifiziertes Holz aus nachhaltigem Anbau handelt und die Verbindungsstücke ebenfalls witterungsbeständig sind.

Steinguss (Betonguss, Kunststein)
Steinguss wird aus Zement, Wasser und Zuschlagstoffen wie Sand, Torf, Perlite zusammengemischt und in eine Form gegossen. Wenn man fertige Gefäße aus Steinguss kauft, sollte man sich nach der Frostfestigkeit erkundigen. Wer solche Gefäße selbst macht, muss eine Mischung wählen, die erfahrungsgemäß frostfest ist (Beispiel für eine frostfeste Schale bei Selbermachen.de – nicht den Rundstab für den Boden vergessen, der den späteren Wasserablauf ausspart). Es gibt aber unzählige Anleitungen bei YouTube und in Blogs. Einen feinkörnigen, wetterfesten und frostsicheren Vergussmörtel auf Basis von weißem Zement gibt es beispielsweise hier: Steinguss*.

* Werbelink / Partnerlink / Affiliate-Link
* Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen, die über einen Werbe-Link zu Amazon zustande kommen, unter Umständen eine Provision/Werbekostenerstattung.

Anzeige



Das könnte Sie auch interessieren

Gärtnern in Töpfen:*
Balkon und Terrasse mit Pflanzen gestalten*
Eva Schumann
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1. Auflage (2019)
Taschenbuch/Klappenbroschur, 128 S.,
86 Farbfotos, 3 Farbzeichungen, 17 Tabellen
ISBN 3-8186-0635-8



* Werbelink / Partnerlink / Affiliate-Link
* Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen, die über einen Werbe-Link zu Amazon zustande kommen, unter Umständen eine Provision/Werbekostenerstattung.

Anzeige



Veröffentlicht unter Garten und Pflanzen, Urban Gardening, Wohnen und Garten | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Avantgardening: Plädoyer für gegenwärtiges Gärtnern (Buchvorstellung**)

Avantgardening: Plädoyer für gegenwärtiges Gärtnern* von Torsten Matschiess ist dieses Jahr neu im Ulmer Verlag erschienen. Matschiess propagiert eine authentische Gartengestaltung, die zum jeweiligen Standort und seinen Gegebenheiten passt statt des Kopierens eines gerade angesagten Stils. Wie wundervoll solche authentischen Gärten aussehen können, zeigen die Fotos von Spitzenfotograf Jürgen Becker im Buch. Sehr inspirierend.

Avantgardening Buchcover mit Werbelink zu Amazon.de

Als ich den Titel Avantgardening: Plädoyer für gegenwärtiges Gärtnern* las, wurde ich neugierig. Gab es einen neuen Gartentrend, von dem ich noch nicht gehört hatte? Dass es nicht um eine neue Variation von Schotter- oder Gummimulchflächen ging (Letztere habe ich bisher zum Glück nur in einer amerikanischen Gartengestaltungsdoku gesehen), war schon am Coverbild zu erkennen: Das Foto zeigt einen Garten, in dem großzügig mit Pflanzen – ihren Formen, Farben und Strukturen – in die Fläche, nein: in den Raum (!) gestaltet wurde. Und der doch wie Natur wirkt. Ich wollte mehr wissen.

Als das Buch ein paar Tage später bei mir eintraf und ich es öffnete, konnte ich es gar nicht mehr beiseitelegen. Es ist unterhaltsam geschrieben, Torsten Matschiess‘ Freude am Experimentieren und Beobachten, am Entwickeln von Gärten und Pflanzengemeinschaften dem Standort und seinen Besonderheiten entsprechend, aber auch am Hinterfragen eingefahrener Regeln und Systeme wirkte auf mich ansteckend. Dass sich diese „authentische“ Gartengestaltung lohnt, beweisen die vielen wunderschönen und stimmungsvollen Bilder von Jürgen Becker.

Um es gleich zu sagen: Das Buch enthält keine Anleitungen, wie man was am besten gestaltet oder welche Pflanzen man wie miteinander kombiniert, sondern es will – meinem Eindruck nach – dazu inspirieren, dem eigenen Gelände mit seinen Möglichkeiten nachzuspüren und mit diesem Wissen einen individuellen, authentischen Garten zu entwickeln.

In Kapitel 1 geht es um das erste Jahr mit einem neu erworbenen Garten. Oft passen die Vorstellungen von einem schönen Garten und die Standortgegebenheiten nicht zusammen, was zu Problemen wie Pflanzenausfällen und nicht eingeplanten Kosten führen kann. Manche Gartenbesitzer und Gartengestalter wollen möglichst schnell einen (scheinbar) fertigen Garten vorweisen und kaufen große Gehölze – die dann aber weniger an den Standort angepasst sind als Gehölze, die von Klein auf dort gewachsen sind. Andererseits verändern Gehölze, die jung gepflanzt oder gesät werden, mit ihrem Wachstum die Standortbedingungen in ihrer Umgebung, sodass die ursprünglichen Begleiter in unmittelbarer Nähe bald nicht mehr dorthin passen.
Der Autor ging bei seinem eigenen Garten weiter als die meisten Gartenbesitzer und auch als viele Gartengestalter – er hat nicht nur darauf geachtet, welche Pflanzen ihm gefallen und auch nicht einfach Pflanzen aus einer Datenbank herausgefiltert, die in etwa dem örtlichen Klima und der Region entsprechen könnten (was immerhin schon ein Schritt Richtung Nachhaltigkeit ist), sondern seinen Standort mit jeder kleinen, örtlich begrenzten Besonderheit, anhand der Ruderalflora zu begreifen versucht. In eine Senke, wo sich Wasser und Nährstoffe sammeln, gehören eben andere Pflanzengemeinschaften als auf eine trockene Erhebung, auf einem verdichteten Teilstück andere als auf dem ansonsten durchlässigen Boden. Außerdem legte er Sortenvergleichs- und andere Testpflanzungen an und führte eigene Selektionen durch. Ein Gartenflüsterer in dem Sinne, dass er versucht, aus einem gegebenen Gelände und seinen Gegebenheiten das Beste und Einzigartige herauszuholen.

In Kapitel 2 erfährt man mehr über die Motivation des Autors und seine persönlichen Gartenphilosophien – da geht es um Ökologie und Ökonomie – Rasenflächen sind arbeitsaufwändiger und teuerer als authentische Gehölz- und Staudenpflanzungen, und auch um Diversifikation und Invasion – wenn die Hummeln den Neuling mögen, warum soll man ihn dann verteufeln, wenn es doch um die Förderung der Vielfalt geht?

Um Gestaltung im engeren Sinne geht es im dritten Kapitel. Matschiess zeigt so simpel wie beeindruckend, dass es raffiniertere Möglichkeiten der Sichtverstellung und Raumgestaltung gibt als Vertikalschotter, Mauern und Hecken – Möglichkeiten, die gleichzeitig den Blick von drinnen nach draußen neu öffnen und aufwerten können. Wie auch schon in den Kapiteln vorher stellt der Autor gerne mal alte Regeln in Frage.

Das 4. Kapitel, Lieblingspflanzen, ist Pflanzen gewidmet, die entweder mehr Aufmerksamkeit verdienen, oder die der Autor in einen neuen Zusammenhang setzt. Außerdem legt er offen, worüber die meisten Fachleute gerne schweigen: das Scheitern – vor dem selbst ein Gartenflüsterer nicht hundertprozentig sicher ist.

Über den Autor
Torsten Matschiess kam als Quereinsteiger zur Gartenentwicklung und Staudenverwendung, aber er hat sich an den Besten orientiert und von ihnen gelernt und er hat sich vor allem selbst tief in die Praxis gekniet und reichlich Erfahrungen gesammelt. Sein Garten Alst ist vielen Garten- und Pflanzenliebhabern bekannt. Längst setzt er eigene Akzente in der Branche, gestaltet Gärten, berät und ist ein gefragter Fachautor und Referent. Siehe auch Studio Torsten Matschiess.

Über den Fotografen
Jürgen Becker gehört zu den weltweit erfolgreichsten Gartenfotografen und erhielt schon viele Preise für seine Arbeit. Er setzt auch Matschiess authentische Gärten wunderbar fotografisch in Szene.

Mein Fazit: Ein anregendes Buch für Gartenbesitzer und Gartengestalter, die sich von einem Gartenflüsterer dazu inspirieren lassen möchten, eine individuelle und authentische Gartengestaltung für ihr Gelände (oder das eines Kunden) zu entwickeln und auch bereit sind, manche Regel zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Der flexible Einband bei einem Buch dieser Größe (ca. 24,5 x 24,5 x 2 cm) war im ersten Moment ungewohnt, aber ich kam damit dann sehr gut zurecht. Das Layout des Buches ist eher klassisch schlicht, hält sich im Hintergrund und lässt den Autor und die Bilder des Fotografen für sich sprechen.

Das Buch gehört zur neuen „Edition Gartenpraxis“ und ist 2017 beim Ulmer Verlag erschienen, von dem auch das Pflanzenmagazin Gartenpraxis herausgegeben wird.

Avantgardening: Plädoyer für gegenwärtiges Gärtnern*
von Torsten Matschiess (Autor) und Jürgen Becker (Fotograf)
Ulmer Verlag**, Stuttgart 2017
192 S., 228 Farbfotos, Flexcover
ISBN 978-3-8001-0872-5

* Werbelink
** Ich habe vom Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar erhalten.

Veröffentlicht unter Bücher, Garten und Pflanzen, Mitreden, Öko-/Bio-Themen, Selbstverwirklichung | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentare deaktiviert für Avantgardening: Plädoyer für gegenwärtiges Gärtnern (Buchvorstellung**)

US-Farmer: Bessere Tomatenernte mit Künstlicher Intelligenz (Landwirtschaft 4.0)

So wie es die Industrie 4.0 gibt, gibt es eine Landwirtschaft 4.0 – eine Landwirtschaft, die die Digitalisierung und ihre Möglichkeiten, beispielsweise den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, nutzt. Ziel ist es, die Effizienz zu erhöhen sowie Ressourcen und/oder Kosten zu sparen. Ein Beispiel aus der Praxis: Das texanische Unternehmen NatureSweet Tomatoes erprobt den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Überwachung der Pflanzengesundheit.

Um Künstliche Intelligenz ranken sich viele Mythen. Die einen denken an außer Kontrolle geratene Killerdrohnen, andere an menschenähnliche Roboter, die aus sich selbst heraus immer intelligenter werden, bis sie am Ende die Weltherrschaft übernehmen. Doch so geheimnisvoll ist Künstliche Intelligenz nicht (immer). Sie ist auch keine Sache, die sich in der Zukunft oder in einem Zukunftsroman abspielt, sondern breitet sich gerade aus, auch im Gartenbau.

Industrie 4.0

    Unter Industrie 4.0 wird die vierte Stufe der Industrialisierung verstanden.

  • Stufe 1: Mechanisierung mit Energie aus Dampf und Wasserkraft
  • Stufe 2: Massenproduktion, Fließbänder, Fabrikationsstraßen mit elektrischer Energie
  • Stufe 3: Erste Phase der Digitalisierung: Computer und Informationstechnologie (IT) zur Automatisierung der Produktion
  • Stufe 4: Zweite Phase der Digitalisierung: Dazu gehören beispielsweise
    • die Entwicklung cyber-physischer-Systeme (verteilte, komplexe Systeme, deren Komponenten Daten über eine Infrastruktur austauschen und sich anpassen können, z. B. Intelligente Stromnetze),
    • das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT),
    • Cloud Computing (Bereitstellung von IT-Infrastruktur – Speicherplatz, Anwendungsprogramme etc. – als Dienstleistung über das Internet),
    • Künstliche Intelligenz

 
Künstliche Intelligenz (KI) oder Artificial Intelligence(AI) ist als Forschungsgebiet ein Teil der Informatik. Im Grunde ist die Nutzung von AI eine Kombination aus unglaublich vielen gesammelten Daten sowie Software, die diese auf einem (Hochleistungs-)Rechner sehr schnell und möglichst zeitnah auslesen, daraus Vorhersagen ableiten und Handlungen oder Handlungsabfolgen in Gang setzen kann. Manches, was früher unter die KI-Forschung fiel, wie beispielsweise Texterkennung, ist heute Alltagstechnologie. Heute wird beispielsweise am inhaltlichen Verstehen von Sprache und der selbstständigen Suche nach Antworten, an selbstfahrenden Autos und anderen autonomen Dingen (Internet of Autonomous Things, IoAT – selbst navigierende Drohnen, Haushaltsroboter etc.) sowie an der Auswertung komplexer Daten gearbeitet.




 

Künstliche Intelligenz zur Überwachung der Pflanzengesundheit

Je größer eine Anbaufläche ist, desto schwieriger ist es, den gesamten Pflanzenbestand zu überwachen und Krankheiten, Schädlinge oder andere Schadursachen frühzeitig zu entdecken. Besonders die Bestände der Fruchtgemüseproduktion unter Glas sind wertvoll, da sie viel kosten und eine lange Erntezeit haben, und müssen überwacht werden, damit nicht ein Kulturfehler, eine Krankheit und/oder Schädlinge alle vorherigen Anstrengungen und Investitionen zunichte machen. Bisher gehen entsprechend geschulte Menschen in regelmäßigen Abständen durch den Bestand, begutachten die Pflanzen sorgfältig, drehen Blätter um, achten auf auffliegende Schädlinge etc. und notieren eventuelle Befunde mit Zeit- und Ortsangabe in irgendeiner Weise, um dann später Gegenmaßnahmen einleiten zu können – beispielsweise Nützlinge bestellen, die gegen die Schädlinge vorgehen oder bei manchen Krankheiten den Befallsherd entfernen und entsorgen lassen.

Phytophtora infestans an Tomatenblättern

Künstliche Intelligenz soll bei der frühzeitigen Entdeckung von Krankheiten und Schädlingen in einem Pflanzenbestand helfen. Im Bild: Phytophtora infestans an Tomatenblättern.

Ein Beispiel für den Einsatz Künstlicher Intelligenz im Gartenbau ist die Nutzung von Kameras (fest installierte oder an Drohnen befestigte), die den Pflanzenbestand beobachten (d. h. in vorgegebenen Abständen Fotos machen), diese Bilder und andere Daten an ein Auswertungssystem weitergeben, das etwaige „ungesunde“ Veränderungen verursacht durch Kulturfehler, Schädlings- oder Krankheitsbefall an den Pflanzen bemerken kann. Dazu muss das System schnell sehr große Mengen an Daten verarbeiten können und gleichzeitig muss es auch auf eine große Menge von Daten zurückgreifen können, um zu wissen, wie eine gesunde Pflanze wächst, beziehungsweise zu identifizieren, welche Ursache eine bestimmte Abweichung vom optimalen Zustand hat. Je nachdem, was das KI-System findet und abhängig davon, wie weit die Automatisierung fortgeschritten ist, würde das KI-System den zuständigen Gärtner informieren und/oder vielleicht selbst Maßnahmen in Gang setzen (beispielsweise die Lüftung anders steuern, Nützlinge bestellen etc.).

KI in der Tomatenanbau-Praxis

NatureSweet, ein Tomatenanbauer mit Hauptsitz in Texas, erprobt derzeit KI zur Überwachung der Pflanzengesundheit in seinen Tomatengewächshäusern. Mit einer Verringerung des Ernteausfalls durch eine verbesserte Überwachung und schnellere Gegenmaßnahmen will man den Ertrag steigern und zu mehr Nachhaltigkeit beitragen. Tatsächlich hofft Adrian Almeida, der Abteilungsleiter für Innovation bei NatureSweet, die Tomatenerträge auf längere Sicht um 20 % steigern zu können, sagte er CNN tech. Bisher sind es allerdings nur zwischen 2 und 4 %, die erreicht werden, was aber bei großen Produktionsmengen beziehungsweise Umsätzen durchaus von Bedeutung ist.

Die Informationen über den Pflanzenzustand werden bei NatureSweet mit fest installierten Kameras gewonnen, die im Gewächshaus angebracht wurden und die nun ununterbrochen Fotos vom Pflanzenbestand machen. Die Bilder werden mithilfe eines KI-Programmes von Prospera, einem israelischen Start-up-Unternehmen, das auf Datenanalyse und Digital Farming (digitalisierte Landwirtschaft, Landwirtschaft 4.0) spezialisiert ist, sofort ausgewertet. Mithilfe der Software können problematische Veränderungen im Pflanzenbestand, beispielsweise ein Schädlingsbefall, Blattveränderungen oder Welkeerscheinungen, früh erkannt werden.

Almeida schätzt, dass er ohne die Kameras und die Nutzung von KI den Personalbestand um 4 % erhöhen müsste.

Prospera hat jedenfalls bereits eine dicke Ernte von 15 Millionen US-Dollar an Investitionsgeldern für eine Expansion des Unternehmens eingefahren, unter anderem von Firmen wie Qualcomm Ventures (Qualcomm ist selbst im Bereich Halbleiter und IP-Lösungen tätig) and Cisco Investments (Cisco ist praktisch gleichbedeutend mit Internet-Infrastruktur).

Fazit

Mit der Landwirtschaft 4.0 will man laut Fachgruppe Agtech den Zielkonflikt zwischen Ökologie und Versorgungssicherheit auflösen. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ermöglicht Unternehmen ein effizienteres Arbeiten und Wachstum. Skeptisch macht mich, dass – außerhalb von Versuchen – für solche Innovationen im Betrieb hohe Investitionskosten nötig sind und die neue Technik daher eher Agrargroßbetrieben zugute kommen könnte und bäuerliche Betriebe außen vor bleiben. Vielleicht wird es dafür aber auch einmal Sharing-/Zusammenarbeitslösungen geben. Aber so spannend die neuen Technologien sind, fehlt mir noch eine Antwort der Politik auf die Frage, was mit den eingesparten Arbeitskräften passieren soll und wovon die in Zukunft leben. Zwar werden durch die Digitalisierung auch neue Jobs geschaffen, allerdings mit anderen, oft mit wesentlich höheren (Akademikerjobs) oder wesentlich niedrigeren Anforderungen (schlechter bezahlte (Handlanger-) Jobs) als die, die wegfallen (Ausbildungsberufe).




 

Zum Weiterlesen

Veröffentlicht unter Garten und Pflanzen, Gewächshaus, Informatik, Internet, Mitreden, Öko-/Bio-Themen, Pflanzenschutz | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

Bio-Zierpflanzen sind gut für alle

Kräuter und Gemüse gibt es schon lange in Bio-Qualität zu kaufen – als Jungpflanzen beim Biogärtner oder in der Bio-Abteilung im Gartencenter, als Lebensmittel sogar im Supermarkt. Langsam wächst auch das Bio-Zierpflanzen-Angebot. Was meiner Meinung nach für Bio-Zierpflanzen spricht und wo man sie kaufen kann.

Biene an Blüten

Bio-Zierpflanzen tun nicht nur den Bienen gut, sondern uns allen.

Zierpflanzen dürfen oft anders oder mit anderen Pflanzenschutzmitteln behandelt werden als Obst, Gemüse und Kräuter. Beispielsweise darf im konventionellen Zierpflanzenbau gegen Weiße Fliege, Blattläuse, Minierfliegen etc. laut Datenbank des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mit dem Wirkstoff Imidacloprid, einem Neonicotinoid, enthalten beispielsweise in Confidor WG 70 von Bayer CropScience, vorgegangen werden.

Confidor ist laut BVL Datenblatt ein umweltgefährliches, gesundheitsschädliches Granulat, für das es natürlich strengere Anwendungsbestimmungen und Auflagen gibt als gewöhnlich bei einem weniger gefährlichen Mittel. Es darf beispielsweise wegen der Gefahr für Bienen nicht auf blühenden Pflanzen oder bei blühenden Unkräutern angewendet werden. Aber: Der Wirkstoff ist auch schädlich für Marienkäfer, Florfliegen und viele andere Nützlinge.

Anzeige



Zwar dürfen auch Tabak, Hopfen, Wein und Pfirsiche im Profi-Gartenbau damit behandelt werden, aber im Gemüsebau nur wenige Salatarten, sonst nichts, und diese nur kurz vor der Entfaltung des 3. Laubblattes, also vor dem Auspflanzen – bis zur Ernte dauert es dann noch einige Wochen, so dass man anscheinend davon ausgeht, dass eine Wartezeit, bevor der Salat verzehrt werden darf, überflüssig ist. Weil Salat im Produktionsanbau nicht blüht, sieht man da auch keine Gefahr für Bienen. Im Haus- und Kleingarten hat das Mittel übrigens grundsätzlich keine Zulassung.

Was aber passiert, wenn ein konventioneller Gärtner seine Zierpflanzen im Gewächshaus damit gespritzt hat und die Ware dann beim Endverbraucher landet? Eine Wartezeit gibt es nicht, weil davon ausgegangen wird, dass man Zierpflanzen nicht isst. Die Anwendungsbestimmung NB504 lautet zwar: Eine Behandlung vor der Blüte ist nur zulässig, wenn danach im Jahr der Behandlung keine Verwendung der Pflanzen im Freiland vorgesehen ist. Aber woher weiß der Gärtner, was der Endverbraucher mit seinen neuen Lieblingspflanzen macht, ob er sie auf die Terrasse stellt, wo er gleichzeitig Bienen mit bienenfreundlichen Blumenkasten-Blumenmischungen anlockt, oder ob er damit eine Beetumrandung ums Gemüsebeet anlegen will. Und umgekehrt weiß der Blumenkäufer in der Regel nicht, wie der Produktionsbetrieb die Pflanzen behandelt hat.

Da stellen sich viele Fragen: Kann der Wirkstoff aus dem Pflanzenschutzmittel über den Boden in das Gemüse gelangen? Kann er sich im Kompost anreichern? Hat er Auswirkungen auf die Bodenlebewesen? Etc.

Laut Wikipedia wird der Wirkstoff Imidacloprid (und viele andere) nur langsam abgebaut, im schnellsten Fall halbiert sich die aktive Wirkstoffmenge nach 48 Tagen. Frühestens in weiteren 48 Tagen ist sie dann auf ein Viertel reduziert etc. Sicher ist das schneller als sich Radioaktivität nach einem Atomkraftwerkskunfall wie Tschernobyl verringert, aber ist es schnell genug?

Meiner persönlichen Meinung nach ist es in der heutigen Zeit eine Zumutung für den zunehmend umweltbewussten Verbraucher/Verbraucherin, sich über die Giftigkeit von Pflanzen nicht aufgrund ihrer natürlichen Inhaltsstoffe, sondern auch noch wegen möglicher gärtnerischer Praxis Gedanken machen zu müssen.

Es ist zwar schon ein Fortschritt, dass manche Discounter von ihren Zulieferern verlangen, auch bei Zierpflanzen keine Nicotinoide einzusetzen, aber reicht das? Am Ende des Lebens von Zierpflanzen aus konventionellem Anbau stehen Endverbraucher immer dumm da mit der Frage, wie sie diese Pflanzen und deren Pflanzenerde entsorgen sollen, da man nie weiß, womit die Pflanze vielleicht behandelt wurden – Pflanzenschutzmittel, Stauchungsmittel, was noch? Der eigene Kompost, der dann später auch im Obstgarten und Gemüsebeet verteilt werden soll, ist dann nicht der richtige Ort, vor allem, wenn man Obst, Gemüse und Kräuter biologisch anbauen möchte. Als Endlager kann man mit gutem Gewissen am ehesten die Restmülltonne empfehlen. Aber für einen ökologisch denkenden Menschen, der Pflanzen liebt, ist das eine Zumutung.

Anzeige

Da gibt es nur einen Ausweg: Bio-Zierpflanzen.

Alle Pflanzen sind (vor der Natur) gleich

Die Natur trennt nicht zwischen Nutzpflanzen und Zierpflanzen, schließlich hat jede Pflanze für irgendwelche andere Lebewesen eine Bedeutung und ist damit ein wichtiger Bestandteil des großen Ganzen. So wie es Bienen egal ist, ob sie sich an der Blüte eines Zierstrauches oder eines Gewürzes laben, Hauptsache, sie bekommen, was sie brauchen, macht die Trennung von Nutzpflanzen und Zierpflanzen im Garten, auf dem Balkon oder im Urban Gardening auch für viele Gärtner und Hobbygärtner keinen Sinn mehr: Auch Gemüse können eine Augenweide sein – man denke an Essbare-Gärten-Projekte auf öffentlichen Flächen oder andere Gemeinschaftsgärten –, auch Blüten von so genannten Zierpflanzen sind oft essbar (oder könnten es sein, wenn ihr Schutz vor Krankheiten und Schädlingen entsprechend ökologisch durchgeführt werden würde) und Blüten und Blätter einiger Arten haben sogar eine Heilwirkung.

Wir machen uns Sorgen um die Natur draußen auf dem Land angesichts der Meldungen über den Rückgang der Wildkräuter, Insekten und in Folge auch der Vögel und anderer Tierarten wegen der industriellen Landwirtschaft und ihrer Probleme dort. Wer wenigstens sein Heim, die Terrasse, Balkon, den eigenen Garten uneingeschränkt als Wohlfühloase erleben möchte, wer Gemüse, Kräuter und Blumen bunt zusammenpflanzen können möchte und auch bei der Verwendung von Blüten und Blättern so genannter Zierpflanzen nicht durch Pflanzenschutzrückstände eingeschränkt sein möchte, der legt auch beim Kauf von Zierpflanzen Wert darauf, dass sie umweltgerecht herangezogen und behandelt wurden.

Bio-Zierpflanzen

Worin sich Bio-Zierpflanzen von herkömmlichen Zierpflanzen unterscheiden: Bio-Zierpflanzen stammen aus einer Gärtnerei, die eine offizielle Bio-Zertifizierung hat. Sie baut Pflanzen grundsätzlich nach der EU-Öko-Verordnung oder den noch strengeren Richtlinien der Anbauverbände Demeter, Naturland etc. an.

Bio-Zierpflanzen werden

  • umwelt- und resourcenschonend produziert, beispielsweise bei geringem Torfanteil im Substrat und nach Möglichkeit mit kurzen Wegen zum Verbraucher,
  • sind frei von Unkrautvernichtungsmitteln (Herbiziden), chemischen Pflanzenschutzmitteln gegen Krankheiten und Schädlinge, Hemmstoffen oder anderen Präparaten, die im Ökolandbau nicht zugelassen sind (und hoffentlich nicht ein konventionell anbauender Nachbar bei Wind im Freien spritzt).
  • Und selbstverständlich sind sie nicht gentechnisch verändert worden.

Wer Bio-Zierpflanzen kauft, tut etwas für unser aller Umwelt und unterstützt Anbauer, die sich für den ökologischen Weg entschieden haben.

Eine Karte mit Gärtnereien, Hofläden und Bioläden, die Zierpflanzen in Bio-Qualität anbieten, findet man bei Bio-Zierpflanzen (bio-zierpflanzen.de – Informationen für Endverbraucher und Produzenten).

Anzeige

Weitere Informationen

Anzeige



Veröffentlicht unter Garten und Pflanzen, Gewächshaus, Mitreden, Öko-/Bio-Themen, Pflanzenschutz, Politik, Urban Gardening, Wohnen und Garten | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Bio-Zierpflanzen sind gut für alle