Frische Salate und leckeres Fruchtgemüse vom Balkon oder der Terrasse

Das ist auch Urban Gardening: Gemüse, Kräuter und Obst auf dem Balkon oder der Terrasse anbauen. Man kann diese Gaumenfreuden pur anbauen oder sie mit Blumen und anderen Zierpflanzen mischen. Tipps für Einsteiger.

Wer knackige Salate, aromatische Kräuter, fruchtige Kirschtomaten und andere Kräuter und Gemüse selbst anbaut, zeigt, dass er oder sie ein Gourmet und wahrscheinlich auch ein Naturliebhaber ist. Denn als Selbstversorger kann man sich die besten Sorten aussuchen und seine Erträge ganz nach Bedarf ernten und frisch genießen. Zudem macht Gärtnern Spaß und tut der Seele gut und wer Kinder hat, kann ihnen zeigen, wie wunderbar die Vorgänge in der Natur sind und wie der Mensch das Keimen, Wachsen, Blühen und Fruchtbilden seit Jahrtausenden für sich nutzt.

Anbautipps für Einsteiger

Das sollte ein Selbstversorger-Einsteiger mit wenig Platz, beispielsweise auf dem Balkon oder der (Dach-)Terrasse, wissen:

Das Anbaujahr

Manche Gemüse und Kräuter vertragen auch leichten Frost und können schon vor den Eisheiligen ins Freie. Im April kann man beispielsweise Mangold, Erbsen, Rettich und Rote Rüben direkt ins Beet aussäen und/oder Jungpflanzen von Blumenkohl, Brokkoli, Kopfsalat, Knollenfenchel oder Kohlrabi  auspflanzen. Bei der Sortenwahl achtet man auf Sorten für den Frühjahrs und Sommeranbau.

Tipp:
Einsteiger in ihrem ersten Anbaujahr sollten mit einfachen Dingen anfangen: vor den Eisheiligen Radieschen und Erbsen säen, Steckzwiebeln stecken, Frühkartoffeln legen und gekaufte Salat-, Porree- und Kohlrabi-Jungpflanzen auspflanzen.

Andere Gemüse kann man erst nach den Eisheiligen  in der zweiten Maihälfte ins Freie säen.

Tomate 'Black Plum' im Kübel

Topfgarten: Tomaten im Kübel

Dazu gehören Fruchtgemüse wie Tomaten, Paprika, Auberginen, Tomatillo, Gurken, Stangenbohnen und Zucchini. Damit sie bis Herbst viele Früchte hervorbringen, muss man sie entweder schon ab Februar/März aus Samen an einen hellen oder warmen Platz heranziehen oder aber man kauft sie zur Pflanzzeit als Jungpflanzen beim Gärtner vor Ort in der Gärtnerei oder auf dem Markt, im Gartencenter, Baumarkt oder beim (Online-) Versandgärtner.

Hier einige Beispiele, wo man Saatgut und Pflanzen online kaufen kann:

TOM-GARTEN*, Baldur-Garten*. Weitere Bezugsquellen bei Wo kauft man samenechte Sorten, Biosaatgut, alte Sorten.

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Pflanzerden für Balkon und Terrasse

Die Auswahl an Pflanzerden, auch Blumenerden oder Substrate genannt, ist riesig. Wenn man solche mit reduziertem Torfanteil oder ganz torffreie Erden kauft, tut man etwas für die Schonung der Moore. Für die Aussaat und für junge Pflanzen eignen sich feinkrümelige Erden – das sind beispielsweise Aussaaterden, die meisten Kräutererden und viele (aber nicht alle) andere Erden. Wenn Sie nicht wissen, wie eine bestimmte Erde beschaffen ist, kaufen Sie verschiedene. Für die Aussaat in einem kleineren Topf nehmen Sie die feinkrümelige, wenn sie Fruchtgemüse-Jungpflanzen (beispielsweise eine höhere Buschtomate) in einen großen Kübel pflanzen, dann nehmen Sie zunächst die gröbere, formen dann eine Kuhle in der Mitte des Topfes, in die sie die feinere Erde geben und dort hineinpflanzen.

Tipp:
Pflanzerde sollte bei der Verwendung feucht, aber nicht patschnass sein. Zu nasse Erde kann man trocknen lassen oder mit anderer Erde mischen. Total ausgetrocknete Pflanzerde sollte man vorher anfeuchten – zum Beispiel, indem man sie von einem großen Eimer in einen anderen schaufelt und sie dabei zwischendrin mit Wasser überbraust, anschließend durchkneten und/oder mit Plastik abdecken und ein paar Stunden ziehen lassen.

Pflanzgefäße und Stützhilfen für Balkon und Terrasse

Als Pflanzgefäße eignen sich Balkonkästen, Töpfe, Schalen, Kübel, Regale, Tischbeete und unten geschlossene Hochbeete. Wichtig ist, dass die Pflanzgefäße fest stehen, auch bei Sturm  – schwere Keramik- oder Steingefäße tun das von alleine, leichtere Kunststoffgefäße muss man notfalls festschrauben oder anbinden. Balkonkästen müssen so angebracht werden, dass sie auch bei Starkwind nicht herabstürzen und jemanden verletzen könnten und dass auslaufendes Gießwasser weder die Fassade beschmutzen noch andere Menschen beeinträchtigen kann.

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Essbare Wand*

Gefäße sollten im Allgemeinen eher zu groß als zu klein gewählt werden, damit darin genug Platz für die Pflanzerde ist, die Nährstoffe und Wasser speichern soll. Im Prinzip können zwar Pflanzen auch ganz ohne Erde kultiviert werden, doch dann müssen sie mehr oder weniger permanent und automatisiert gewässert und gedüngt werden – dafür gibt es Hydroponiksysteme (auch die von den Zimmerpflanzen her bekannte Hydrokultur ist ein Hydroponiksystem).

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Hoch wachsende Pflanzen wie Stabtomaten, Auberginen oder Obstbäumchen benötigen eine Stütze – das kann beispielsweise ein Stützstab, Stützspiralstab, Rankgitter sein oder man leitet sie an Schnüren oder Drähten nach oben oder in etwas Abstand an der Wand entlang.

Gießen auf Balkon und Terrasse, automatische Bewässerung
Wie viel man gießen muss, hängt von der Pflanzenart und von der Jahreszeit ab. Die Pflanzerde sollte leicht feucht, aber nie nass sein, denn für die Wurzeln ist auch die Luft in der Erde wichtig. Umgekehrt soll die Erde aber auch nicht knochentrocken werden – Radieschen, Rettich und Kohlrabi reagieren beispielsweise empfindlich, wenn sie sehr ungleichmäßig gegossen werden, sie werden dann holzig oder platzen auf.
Man kann von Hand per Gießkanne gießen oder man verlegt ein Bewässerungssystem, das aus einem Wasserbehälter oder dem Wasserhahn gespeist wird. Manche Bewässerungssysteme* sind von Haus aus automatisch (Tropf-Blumat, Beckmann BETA 8 etc.), andere kann man über eine Zeitschaltuhr (Gardena*) oder einen Bewässerungscomputer an- und abschalten (lassen).

Tipp:
Topfuntersetzer können zwar hilfreich sein, damit der Bodenbelag der Terrasse oder des Balkons nicht beschmutzt wird und damit die Erde auch etwas Zeit hat, die Gießflüssigkeit aufzusaugen, aber das Wasser sollte niemals über längere Zeit Wasser im Untersetzer stehen bleiben – weder nach dem Regen noch nach dem Gießen.

Düngung
Feldsalat, Radieschen, Kresse und viele Kräuter benötigen nur sehr wenig Nährstoffe, andere wie große Tomaten- oder Auberginenpflanzen benötigen mehr – denn sie bilden während ihrer viel längeren Standzeit reichlich Pflanzenmasse (Triebe, Blätter, Blüten und Früchte). Pflanzen nehmen Nährstoffe zwar überwiegend in mineralischer Form auf – egal, wie man düngt -, trotzdem sind organische und organisch-mineralische Nährstoffe in der Regel besser, denn zum einen verbraucht ihre Herstellung meist weniger Energie als die von synthetischen Mineraldüngern, andererseits fördern sie dadurch, dass sie erst von Bodenlebewesen von organisch in mineralisch umgebaut werden müssen, das Bodenleben. Die winzigen Organismen sorgen für eine gesündere, durchlässigere Erde. Nur wenn man einen akuten Mangel möglichst schnell beseitigen muss, ist ein ein mineralischer Dünger hilfreicher, da er schneller wirkt.

Kompostierung auf Balkon oder Terrasse
Wer Pflanzen- und Gemüseabfälle kompostiert, erhält einen nährstoffreichen Bodenverbesserer, den er im nächsten Jahr seiner Blumenerde beimischen und mit dem er düngen kann. Wer keinen Garten mit Komposthaufen oder Komposttonne hat, kann die Gartenabfälle in die Biotonne geben und kauft sich im nächsten Jahr eben eine neue gute Erde und einen organischen Dünger. Wessen Platz nicht zu knapp bemessen ist, der kann aber auch auf dem Balkon kompostieren. Bei Waschbär* gibt es Behälter und Ferment für die so genannte Bokashi-Methode, bei Amazon* gibt es Wurmkomposter und Kompostwürmer für die Wurmkompostier-Methode.

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Gemüse und Kräuter mit Blumen mischen?
Dill, Borretsch und Thymian sind Kräuter, deren Blüten Nützlinge anlocken – die helfen dann gegen Schädlinge. Man kann aber Gemüse, Kräuter und Obst auch mit anderen blühenden Pflanzen kombinieren, beispielsweise mit Ringelblumen, Bienenfreund Phacelia und anderen Nützlings-Pflanzen zwischen dem Balkongemüse – damit verbessert man auch die Befruchtung bei den Fruchtgemüsen.

Tipp:
Wenn man allerdings blühende Pflanzen kauft und nicht sicher ist, ob sie biologisch angebaut wurden, hält man sie wegen eventuell verabreichten Stauch- und Spritzmitteln besser in getrennten Gefäßen.

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LED-Licht für den Pflanzenanbau als Service (LaaS) – interessant vor allem für den (urbanen) Gartenbau mit vertikalem Anbau

Warum etwas kaufen, das man auch als Dienstleistung haben kann. In den letzten Jahren wird es zunehmend Usus, hochpreisige Software nicht mehr zu kaufen, sondern gegen monatliche Gebühren über das Internet zu nutzen – das nennt sich dann Software as a Service, kurz SaaS. Ein vergleichbares Angebot, nämlich Licht als Dienstleistung (Light as a Service, LaaS), gibt es nun auch für das (Zusatz-)Pflanzenlicht im Gartenbau.

Zusätzliches Pflanzenlicht ist im Gartenbau, und zwar im geschützten Anbau unter Glas, schon lange üblich, denn Heizen alleine reicht nicht, um die Saison für den Pflanzenanbau über die natürlichen klimatischen Gegebenheiten hinaus zu verlängern. Pflanzen wachsen nur dann gesund, wenn Licht und Temperatur zusammenpassen. Wird also in der lichtarmen Herbst- und Winterzeit geheizt, um Pflanzen früher oder später als draußen anzubauen, muss den Pflanzen auch Licht in für die Fotosynthese und andere Prozesse passenden Spektren (Wellenlänge-Bereichen) geboten werden.

Die bisher im professionellen Gartenbau bewährten Natriumdampf-Hochdrucklampen (high pressure sodium vapour lamps, HPS-Lampen) und andere Leuchtstofflampen werden zunehmend von Leuchtdioden-(LED-)Wachstumslampen abgelöst.

Vorteile von LED-Lampen gegenüber den bisherigen Lampen

  • LED-Lampen sind energiesparender als alle bisher gebräuchlichen Pflanzenlichtlampen.
  • Es gibt LED-Lampen mit einem Lichtspektrum passend für den jeweiligen Anwendungsbereich, denn mit Licht lassen sich Wachstum, Blütenbildung, Kältetoleranz, Lagerbareit und Geschmack beeinflussen.
  • LED-Lampen haben weniger Verluste und damit eine niedrigere Wärmeabgabe.

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LED-Wachstumslampen*

LED-Lampen sind in der Anschaffung teuer, sparen diese Mehrkosten aber beim Betrieb wieder ein. Durch das optimierte Lichtspektrum entwickeln sich die Pflanzen besser und/oder schneller.

Wegen der niedrigen Wärmeabgabe, kann die Vertikale besser ausgenutzt werden, beispielsweise indem in beleuchteten Regalfächern übereinander angebaut wird, wie es auch in modernen Pflanzenfabriken (Spezielles Urban Farming mit Vertical Farming) zur Erzeugung von niedrigen Gemüsen und Kräutern unabhängig von den Licht- und Klimafaktoren draußen gewünscht wird.

Pflanzliche Lebensmittel lassen sich so nicht nur im Gewächshaus mit Zusatzlicht, sondern in geschlossenen, fensterlosen Räumen, in Bunkern, U-Bahnschächten, in isolierten Räumen in der Arktis sowie auf dem Mars anbauen. Mit Technik werden Licht und Klima so eingestellt, wie es die Pflanzen zum Gedeihen benötigen.

Die hohen Investitionskosten schrecken viele professionelle Erzeuger davon ab, von traditioneller Assimilationsbelichtung mit HPS-Lampen auf Belichtung mit LED-Wachstumslampen umzusteigen. Das finnische Unternehmen Valoya, ein Anbieter von hochwertigen LED-Lösungen für professionelle Anbauer, will diese Umstellung erleichtern, indem es die Pflanzenbelichtung als Servicekonzept anbietet: Lighting as a Service, LaaS. Es fallen keine Investitionskosten an, sondern 5 Jahre lang bezahlt der Vertragspartner nur so viel, wie  der Energieeinsparung entspricht.

Der Anbauer erhält für sein Geld

  • die Installation der LED-Pflanzenlichtanlage,
  • kostenlose Wartung und Ersatz von defekten Elementen,
    kostenlose Upgrades,
  • einen Belichtungsplan für die verschiedenen Wachstumsstadien und
  • Support durch Pflanzenlicht- und Belichtungsspezialisten.

Den Nutzen, den die Anbauer darüber hinaus haben oder haben sollen:

  • bessere Ausnutzung der vorhandenen Flächen
  • bessere und/oder häufigere Ernten

Bisher wird das LaaS-Konzept von Valoya nur in den USA und in Kanada angeboten und richtet sich an große Pflanzenerzeuger, aber es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die Idee auch von anderen aufgegriffen wird und man es auch in anderen Teilen der Welt und möglicherweise auch weniger großen Anbauern anbietet.

Fachsprachlich

  • bezeichnet Lampe ein Leuchtmittel – also „das, was leuchtet“: Glühlampe, Leuchtstofflampe, Lampe mit Leuchtdioden (light-emitting diode, LED) etc.
  • bezeichnet Leuchte die Vorrichtung, in dem die Lampe (Leuchtmittel) steckt: Stehleuchte, Tischleuchte, Straßenleuchte, Deckenleuchte etc.

Tipp für zuhause: Es gibt LED-Lampen mit einem Edisonsockel E27, die ähnlich wie die alten Glühbirnen mit dem größeren Gewinde aussehen und wie diese in normale Leuchten geschraubt werden können. Will man pflanzengerechtes Licht, braucht man LED-Lampen, die für Pflanzen optimiert wurden. Oft haben sie den Zusatz „Pflanzen“, „Wachstum“ oder „Grow“ im Namen.


Auch interessant:

Zusammen mit Microsoft und der Queen Mary Universität London hat Valoya ein Beleuchtungssystem entwickelt, das die natürlichen Lichtverhältnisse draußen nachbildet, einschließlich der sich im Tagesverlauf ändernden Stärke und Spektralbereiche des Lichts. Mit diesem System lassen sich die Lichtverhältnisse von jedem Ort der Erde zu jeder Zeit nachstellen. Ermöglicht wird dies durch die Verbindung von Internet of Things (IoT), Big Data und Cloud-Technologien.

Valoya LightDNA – a dynamic simulator of solar and outdoor light conditions
(YouTube, Valoya Oy)

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Weitere Informationen

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Hochbeete – mehr als ein cooler Trend

Gärtnern in Hochbeeten ist mehr als ein amüsanter Gartentrend. Mit Hochbeeten kann man etwas für die Umwelt, für den eigenen Rücken und für das persönliche Gärtnerglück tun. Beim urbanen Gärtnern ermöglichen Hochbeete das Gärtnern auf ansonsten ungeeigneten Flächen und wer mag, das nötige handwerkliche Geschick und ein wenig Experimentierfreude hat, kann beim Hochbeetbau und bei der Bepflanzung mit Kräutern, Gemüse und Blumen seine Kreativität ausleben.

Gewürze, Kräuterund Gemüse in einem Hochbeet aus Holz

Gewürze, Kräuter und Gemüse in einem Hochbeet aus Holz

Kürzlich bezeichnete jemand in einer Garten-Community bei Facebook Hochbeete als „eine Art gehypte Modeerscheinung“. Es sei jetzt Mode, sich ein schickes Hochbeet zuzulegen und es mit Säcken von Torferde zuzuschütten.

Diese vorwurfsvolle Aussage hat zu einer hitzigen Diskussion geführt, denn andere Teilnehmer hatten sich ihre Hochbeete wegen ihrer Rückenprobleme angeschafft, sie aus natürlichen Materialien, beispielsweise Holz vom örtlichen Holzhändler, selbst gebaut. Sie würden sie nie mit Torferde, sondern mit Gartenabfällen und Ähnlichem befüllen, damit diese darin kompostieren und zu wertvollem Humus werden.

Die unüberlegte Äußerung zeigte mal wieder, dass Pauschalaussagen meistens falsch sind und Menschen verletzen. Sicher gibt es auch Hobbygärtner, die sich ein Fertighochbeet und ein paar Säcke Erde und Pflanzen bestellen. Aber warum auch nicht: Ist es etwa richtig, auf sie herabzublicken? Schließlich weiß man nicht, was sie für Gründe haben: gesundheitliche Probleme und keine Hilfe; keine Möglichkeit, an Baumaterial oder an pflanzliche Rohstoffe für das Aufsetzen einer Miete zu kommen, etc. Vielleicht hat jemand auch einfach handwerkliches Geschick, traut es sich nicht zu oder hat einfach keine Zeit, weil der Mensch zwei Jobs hat oder ehrenamtlich nebenbei Sterbebegleitung macht. Und trotzdem möchten auch diese Menschen gerne Gärtnern, denn Gärtnern macht glücklich.

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Hochbeet*
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Aber noch einmal von vorne:

Was ist ein Hochbeet überhaupt?

Im Grunde ist ein Hochbeet eine kleine Kompostmiete in einer festen Umrandung (und im Falle von mobilen Hochbeeten auch mit einem festen Boden, einer Dränage und einem Wasserüberlauf), die mit Gartenerde oder – falls man keine gute, humose Gartenerde hat – mit einem erdähnlichen, torfreduzierten oder torffreien Pflanzsubstrat/“Blumenerde“ abgedeckt wird, so dass man diese Miete bepflanzen kann. Die Einfassung kann aus Holz, Steinen, Kunststoff oder anderen Materialien sein. Bei Holz muss man innen eine Folie anbringen, da das Holz sonst sehr schnell verrottet. Sitzt das Hochbeet auf dem Boden auf, legt man es unten mit einem Maschendraht gegen Wühlmäuse aus. Bei der Schichtung innen beginnt man unten mit einem groben Material und wird nach oben hin immer feiner.

Schichten im Hochbeet

Aufbau und Schichten im Hochbeet

Hat man nicht genug Höhe für 4 Schichten mit jeweils etwa 25 cm, dann kann man aus den unteren beiden eine gemischte Schicht machen oder, bei sehr wenig Höhe und bei Tischbeeten, lässt man die unteren Schichten einfach weg.

Hochbeete haben viele Vorteile

  • Gärtnern ohne tiefes Bücken
    Hochbeete machen das Gärtnern auch für Rückengeplagte möglich. Wir werden alle nicht jünger…
  • Humusproduktion
    Das Hochbeet ist im Inneren ein Komposthaufen – so wird der Stoffkreislauf im Garten geschlossen: Aus den Abfällen wird Humus, der als Dünger und Bodenverbesserungsstoff im Garten und auf dem Balkon eingesetzt werden kann.  Gleichzeitig fördert die Verrottungswärme das Pflanzenwachstum.
  • Turbo-Frühbeet
    Hochbeete mit Frühbeetdach verlängern das Gartenjahr.
  • DIY-Herausforderung, für alle, die das Selbermachen mögen
    Wer kreativ ist, Spaß daran hat und die nötige Kraft besitzt, kann sein Hochbeet selbst planen und umzusetzen (Do It Yourself, DIY). Der Bau eines Hochbeetes ist eine Aufgabe, die ein bisschen herausfordert, aber für viele Menschen nicht allzu schwierig ist.
  • Gärtnern überall, auch in der Stadt
    Mobile Hochbeete (mit einem Boden unten) ermöglichen das (urbane) Gärtnern (Urban Farming) auf versiegelten Flächen (betonierten Einfahrten, Balkone, Terrassen, Dachterrassen) oder mit Giften belasteten Böden.

Ja, Hochbeete sind im Trend und Industrie und Handel sind auf den Zug aufgesprungen und bieten fertige Hochbeete mit und ohne Aufsatz an und eine Erde, die Hochbeeterde genannt wird und die es vor diesem Trend noch nicht gab. Diese Angebote kann man nutzen – sie haben den Vorteil, dass alle mitmachen können -, muss man aber nicht.

PS: Falls man Pflanzerde kaufen muss, weil die abgetragene Erde aus dem Garten zu schlecht ist, sollte man torfreduzierte oder torffreie Pflanzenerden wählen.

 

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Unterschied zwischen Kompost und Terra Preta

Kompost und Terra Preta haben vieles gemeinsam:

  • Beide gehören zu einem nachhaltigen Stoffkreislauf.
  • Bei beiden werden mehr oder weniger grobe organische Abfälle (und weitere Ausgangsstoffe) in eine humus- und nährstoffreiche, erdige Substanz umgewandelt.
  • Kompost und Terra Preta wirken als Bodenverbesserer (Luft- und Wasserhaltevermögen, Durchwurzelbarkeit) und Dünger (Nährstoffvorrat).
  • Beide tragen dazu bei, dass weniger Torf abgebaut wird, der sonst in größeren Mengen zur Substratherstellung und zur Bodenverbesserung gebraucht würde.
  • Kompost und Terra Preta tragen direkt und indirekt zum Schutz der Artenvielfalt bei, weil durch sie Moore erhalten bleiben, aber auch, weil sie selbst gut für die Bodenfruchtbarkeit und das Bodenleben sind.
  • Außerdem bleibt durch Kompost und Terra Preta das im Torf gespeicherte Kohlendioxid (CO2) in den Mooren – Klimaschutz.
  • Durch den höheren Humusanteil im Boden bei der regelmäßigen Ausbringung von Kompost und/oder Terra Preta wird außerdem mehr CO2 im Boden gespeichert – das ist ebenfalls positiv für das Klima.

Vergleich von Gartenkompost und Terra Preta

Grundsätzlich unterscheiden sich Kompost, besonders Gartenkompost, und Terra Preta bezüglich der Zutaten, der Prozesse während der Umsetzung, der Vorgehensweise und der Gehalte des Endprodukts.

Kompost

Gartenabfälle werden über die Kompostierung zu einem wertvollem Bodenverbesserer und Dünger

Gartenabfälle werden über die Kompostierung zu einem wertvollem Bodenverbesserer und Dünger

Die Kompostierung ist schon seit Jahrtausenden bekannt und in Europa verbreitet, wobei sie vermutlich mit der Kompostierung von tierischen Exkrementen begann und seit einigen hundert Jahren systematisiert und verbessert wird. Vor allem seit Ende des letzten Jahrhunderts wurde sehr viel analysiert und erprobt, auch um Torf in Substraten durch andere Stoffe wie Grüngutkompost oder kompostierte Rinde ersetzen zu können.

Gartenkompost-Herstellung

Zutaten:
Gartenabfälle, pflanzliche Küchenabfälle

Prozesse:
Zerkleinerung durch Würmer, Insekten, Spinnentiere, Springschwänzen usw. und aerobe (luftunterstützte) Verrottung durch Mikroorganismen. Bei der Verrottung entsteht Wärme. Das Endprodukt ist der reife Kompost: Er enthält Humus und (teilweise wasserlösliche) Nährstoffe.

Vorgehensweise:
Strukturbildende Ausgangsstoffe wie klein gehäckselter Gehölzschnitt und Stroh sowie nährstoffreiche Ausgangsstoffe wie Grasschnitt, Küchenabfälle und Gemüseabfälle werden gesammelt, miteinander vermischt und aufgehäuft oder in einen Kompostbehälter gegeben. Ein gemischter Kompost mit ausreichender Luftzufuhr riecht nicht und braucht keine Zusatzstoffe. Vor zu viel Regen kann man ihn durch einen Deckel oder eine Folienabdeckung schützen, bei lang anhaltender Trockenheit sollte man etwas gießen – aber nicht zu viel, die Rotte braucht auch Luft. Man kann den Kompost nach 3 bis 6 Monaten umsetzen, muss es aber nicht. Je nach Jahreszeit (Niederschläge, Temperatur) und Lage und in welchem Reifestadium man den Kompost ausbringen möchte, ist der Kompost nach 6 bis 12 Monaten einsatzbereit.

Gehalte von Gartenkompost/Grüngutkompost:
3 l Gartenkompost enthalten im Mittel 16 g Stickstoff (N), 11 g Phosphat (P2O5) und 12 g Kaliumoxid (K2O) sowie Magnesium (MgO), Calcium (CaO), Schwefel, Spurenelemente und nützliche Mineralstoffe. (Quelle: Fischer/Jauch: Leitfaden zur Kompostierung im Garten, HSWT). Die tatsächlichen Werte können je nach Zutaten stark abweichen. Wird mit Kompost gedüngt, wird auf Dauer pro Jahr nur so viel ausgebracht, wie die Pflanzen während des Gartenjahres an frei werdenden Nährstoffen verbrauchen können, damit der Boden nicht überdüngt und das Trinkwasser nicht belastet wird.

Kompost ist nicht gleich Kompost und Terra Preta nicht gleich Terra Preta
Ein Gartenbesitzer oder Selbstversorger gibt seine Küchen- und Gartenabfälle auf den Komposthaufen – das Ergebnis ist der Gartenkompost. Je mehr Gemüseabfälle und Grasschnitt auf dem Kompost landen, desto nährstoffreicher, je mehr abgestorbene Stauden sowie Gehölzschnitt, desto nährstoffärmer ist der Gartenkompost. Am besten wird der Kompost, wenn er aus einem Gemisch von nährstoffreichen und strukturbildenden Abfällen entsteht.
Ein Kleinbauer mit Tieren hat dagegen einen Misthaufen, auf dem dann auch die Küchen- und Gartenabfälle landen. Der daraus entstehende Kompost ist dann mehr kompostierter Mist als Gartenkompost/Grüngutkompost und auch reicher an Stickstoff als der „normale“ Gartenkompost – man muss also noch vorsichtiger sein, davon nicht zu viel auszubringen, um die Umwelt nicht zu belasten.
Auch bei Terra Preta kann es Unterschiede geben, je nachdem in welchem Verhältnis die verschiedenen Ausgangsstoffe zusammengebracht wurden.

Mehr zur Kompostierung siehe Kompostierung von Gartenabfällen
Zur Verwendung im Garten siehe Kompost ausbringen

Terra Preta („Terra preta de índio“, schwarze Indianererde)

Terra Preta ist ein wertvoller, nährstoff- und humusreicher Boden. Er entstand über Jahrhunderte durch den Eintrag von Verkohlungsrückständen (Pflanzenkohle), Küchenabfällen und anderer Biomasse sowie Dung, Fäkalien, Knochen und Gräten. Solche Art Böden werden dort gefunden, wo es Wanderfeldwirtschaft mit Brandfeldbau in den feuchten Tropen gab/gibt: beispielsweise im Amazonasbecken in Südamerika. Ähnliche Böden gibt es aber auch in Afrika, Südostasien und sogar Europa. Gerade in den feuchten Tropen neigen Böden – vor allem die, die gerodet wurden oder aus anderen Gründen nicht bewachsen sind, – zur extremen Verarmung, weil Humus sehr schnell abgebaut und Nährstoffe freigesetzt und ausgewaschen werden. Die Verkohlungsrückstände/Pflanzenkohle tragen in einem solchen Klima wesentlich zur Stabilisierung bei – sie machen die Terra Preta so besonders.

Terra Preta aus dem Amazonasbecken kann man bei uns zwar nicht kaufen, aber es gibt Rezepte zur eigenen Herstellung eines Bodenverbesserungs- und Düngungsmittel, das ähnliche Eigenschaften haben soll wie Terra Preta, und man kann auch entsprechende Bodenverbesserer, die ebenfalls Pflanzenkohle enthalten, fertig kaufen.

Terra-Preta-Herstellung

Zutaten:
Gartenabfälle, Küchenabfälle, Pflanzenkohle, Milchsäurebakterien, (Tierdung), (Urin), (Gesteinsmehl)

Pflanzenkohle kann man selbst herstellen oder fertig kaufen. Milchsäurebaktierien haften natürlicherweise an Gemüseabfällen, können aber auch zugegeben werden. Im Gartenfachhandel werden dafür „Effektive Mikroorganismen“ (EM) angeboten. Zu beidem weiter unten mehr.

Prozesse:
Anaerobe (sauerstofffreie) Milchsäuregärung und aerobe (luftunterstützte) Verrottung

Vorgehensweise:
Die Pflanzenkohle wird zunächst mit wenig Gesteinsmehl vermischt und dann mit Urin und der EM-Lösung befeuchtet. Diese Mischung wird über die Pflanzen- und Gartenabfälle verteilt und diese dann festgestampft. Die anaerobe Fermentation dauert etwa 1 Monat. Danach kann die Masse wie gewohnt auf dem Komposthaufen mit Luft verrotten. (Vorgehensweise nach dem Buch Die Humusrevolution: Wie…*)

Über die Nährstoffgehalte des Endproduktes und die jährliche Nährstofffreisetzung gibt es nach meinem Wissen noch keine wissenschaftlich belastbaren Untersuchungen.

Viele Experten bezweifeln, dass die Milchsäuregärung tatsächlich zur ursprünglichen Terra-Preta-Herstellung gehört. Sie gehört jedoch zum Fermentieren von Pflanzenabfällen und Essensresten im so genannten Bokashi-Eimer*. Dessen Inhalt wird nach der erfolgreichen Fermentierung auf den Kompost gegeben (kann ein Problem sein für Bokashi-Eimer-Nutzer, die keinen Garten haben).

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Terra Preta BodenAktivator*

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Was ist Pflanzenkohle?

Pflanzenkohle, auch Biokohle genannt, ist verkohltes Pflanzenmaterial. Dazu gehört auch die Holzkohle. Die moderne Herstellung von Holzkohle oder anderer Pflanzenkohle nutzt die technische Pyrolyse (Holzvergasung). Die Temperatur bei der Herstellung darf nicht zu tief und nicht zu hoch sein – ist sie zu tief, verkohlt das Pflanzenmaterial nicht genügend und verrottet dann statt dessen, ist sie zu hoch, dann wird die Pflanzenkohle zu Asche und hat dann nicht mehr die guten nährstoffbindenden Eigenschaften der schwarzen Pflanzenkohle. Die Herstellung sollte außerdem so durchgeführt werden, dass die Pyrolysegase nicht ungenutzt in die Atmosphäre entweichen, sondern zum Kochen, Heizen oder zur Stromerzeugung genutzt werden.
Bei YouTube findet man viele Anleitungen zur Herstellung von Pflanzenkohle, in Terra-Preta-Foren und Social-Media-Gruppen gibt es Erfahrungsaustausch über Herstellung, Verwendung und Nutzen von Pflanzenkohle, EM und Terra Preta.

Wer sich die eigene Herstellung von Pflanzenkohle ersparen will, kann sie auch fertig kaufen – sollte aber, wie auch bei der Grillkohle, darauf achten, dass sie nicht gerade aus Tropenholz, sondern am besten aus heimischen Pflanzenabfällen hergestellt wurde. Wichtig ist, dass die Pflanzenkohle über die Kompostierung „aufgeladen“ wird, bevor sie in den Boden kommt, denn sonst kann sie durch die Stickstoffbindung zu Keim- und Wachstumshemmungen führen.

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Was sind Effektive Mikroorganismen (EM)?

Effektive Mikroorganismen (EM) sind kommerziell vertriebene Mischungen aus natürlich und überall vorkommenden anaeroben und aeroben Mikroorganismen – also solche, die unter Sauerstoffabschluss und solche die mit Sauerstoff aktiv werden – in einer Nährlösung. Hersteller und Inhaber der registrierten Warenmarken Effective Microorganisms und EM ist die Firma Em Research Organization in Japan.
Enthalten sind beispielsweise Milchsäurebakterien wie Lactobacillus casei, andere harmlose Bakterien und Hefen. Die Wirkung der EM als Bodenverbesserer wird von unabhängigen Wissenschaftlern meist nicht bestätigt, lediglich eine höhere Vermehrungsrate von Würmern wurde in einem Versuch beobachtet.

Auch Sauerkrautsaft, saure Milch, Kefir und Sauerteig enthalten lebende Milchsäurebakterien.

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Effektive Mikroorganismen*

Fazit

Kompostierung und Terra-Preta-Herstellung sind nicht so verschieden. Der Hauptunterschied ist die Verwendung von Pflanzenkohle, die besonders im tropischen Klima wichtig zur Stabilisierung des Endproduktes – Schutz vor Nährstoffauswaschung, Habitat für Mikroorganismen und Humuserhalt – ist. Die sonstigen Eigenschaften der jeweiligen Endprodukte wie Nährstoffnachlieferung, Wasserspeichervermögen etc. hängen von den Ausgangszutaten, auch der Art der Pflanzenkohle, und deren Verhältnis zueinander ab.

Wie viel Verbesserung bei uns im deutschen Klima mit Terra Preta möglich ist, hängt vom Ausgangsboden, örtlichen Klima und davon ab, wie gut vorher schon mit Kompostausbringung, Fruchtfolgen, Gründüngung, Mischkultur, pfluglosem Anbau etc. für einen hohen Humusgehalt und eine gute Bodenqualität gesorgt wurde.

Bezüglich Terra Preta sind viele Fragen beispielsweise zum Humusabbau, zur Nährstofffreisetzung und zur Nährstoffversorgung der Pflanzen wissenschaftlich nicht (ausreichend) geklärt. Viele Selbstversorger und Hobbygärtner beobachten positive Wirkungen, doch man weiß nicht, welche Mengen sie ausbringen und ob ein Nährstoffüberschuss eintritt, der dann ins Grundwasser gelangt. Insofern kann man meinem Kenntnisstand nach noch nichts Verlässliches zur jährlichen Ausbringungsmenge im Gemüsegarten oder in der Landwirtschaft sagen.

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